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Lunamonique
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Bremen

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Insgesamt 417 Bewertungen
Bewertung vom 02.10.2017
Ryan, Anthony

Das Erwachen des Feuers / Draconis Memoria Bd.1


ausgezeichnet

„Draconis Memoria – Das Erwachen des Feuers“ bildet den Auftakt zur neuen Trilogie von Autor Anthony Ryan. Bekannt wurde er mit seinem Debüt „Das Lied des Blutes“, Band 1 der Rabenschatten-Reihe.

Drachenblut verleiht Blutgesegneten besondere Kräfte. Deshalb werden Drachen gejagt und stehen vor der Ausrottung. Im Auftrag des Drachenblut-Syndikats macht sich der unregistrierte Blutgesegnete Claydon Torcreek zusammen mit Onkel Braddon und seiner Crew auf die gefährliche Suche nach dem weißen Drachen. Ist das mächtige Geschöpf nur eine Legende oder gibt es ihn wirklich?

Der Prolog mit rätselhaften Ereignissen ist ein gelungener Einstieg in die Geschichte. Die stellvertretende Direktorin der Abteilung Kerberhafen Lodima Bondersil, Mitglied des Drachenblut-Syndikats, erweist sich als Schlüsselfigur. Sie glaubt an die Existenz des weißen Drachen und ist der festen Überzeugung, dass ihre Lieblingsschülerin Ethelynne Drystone eine länger zurückliegende, fehlgeschlagene Expedition überlebt hat. In drei Handlungssträngen werden die Abenteuer von Dieb Claydon, Eisenboot-Akademie-Absolventin Lizanne Lethridge und Leutnant Corrick Hilemore erzählt. Jeder von ihnen begibt sich auf eine gefährliche Reise. Nach einem längeren Kapitel fällt es anfangs schwer, sich wieder auf eine andere Geschichte umzustellen. Für Spannung sorgen die Widrigkeiten und Herausforderungen, denen sich die Hauptfiguren stellen müssen. Alle geraten häufig in Lebensgefahr. Das hohe Tempo hält über 723 Seiten an. Es fällt leicht mit dem eigensinnigen, mutigen Clay mitzufiebern. Sind alle Menschen, die ihm am Herzen liegen, tot? Hoffnung bleibt trotz Aussichtslosigkeit. Ein grausiger Krieg bricht aus. Kampfszenen häufen sich und sind oft schwer zu ertragen. Intrigen, Gier, Familienfehden, der Plot hält für alle Protagonisten unliebsame Überraschungen bereit. Sind alle Drachen abgrundtief böse? Der Mythos des geflügelten Ungeheuers fließt auf originelle Weise in die Geschichte ein. Drachen gibt es in unterschiedlichen Farben. Sie unterscheiden sich auch in der Kraft ihres Blutes. Gruselig, was die Menschen mit den Drachen anstellen. Die Story hat es in sich. Kurz vor Schluss geht es noch mal richtig packend zu. Zwar ist der Cliffhanger am Ende nicht ganz so gut gelungen, aber die Neugierde auf den zweiten Band war längst schon vorher geweckt.

Titel und Cover lassen Fantasy-Fanherzen höher schlagen. Der mächtige Drache beeindruckt. Dagegen wirkt die Hauptfigur winzig. Gut gewählt sind die düsteren Farben, die das Abenteuerliche unterstreichen. „Draconis Memoria – Das Erwachen des Feuers“ hinterlässt Eindruck. Dank hohem Unterhaltungswert und interessanten Charakteren, allen voran Clay, Silbernadel, Steelfine, Lizanne und Hilemore, bleibt Band 1 im Gedächtnis.

Bewertung vom 10.09.2017
Divry, Sophie

Als der Teufel aus dem Badezimmer kam


gut

„Dieses Buch widme ich den Unproduktiven, den Kindern, den Ausgehungerten, den Träumern, den Nudelessern und „Niedergeschlagenen“.“ „Als der Teufel aus dem Badezimmer kam“ von Autorin Sophie Divry erinnert an das berühmte Ölgemälde „Der arme Poet“ von Carl Spitzweg.

Sophie steht als Langzeitarbeitslose das Wasser bis zum Hals. Das Geld geht aus, der Monat ist noch lang und Rechnungen trudeln ein. Ein bürokratisches Debakel verschärft ihre Misere. Als einzige Rettung erweist sich die gutherzige Bertrande, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, notleidenden Menschen zu helfen. Aber auch ihre Essenseinladung ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

„Ein Improvisationsroman voller Unterbrechungen und ohne Anspruch auf Tiefgang.“. Widmung und Hinweis machen die Autorin sympathisch. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht der Autorin/Hauptfigur erzählt. Sophie schreibt über Geldprobleme, alltägliche Hürden, die viele Künstler am Beginn ihrer Laufbahn (und oft auch noch später) beschäftigen. Ausbleibende Aufträge als freie Mitarbeiterin bei einer Tageszeitung bringen Sophie in eine prekäre Lage. Der Kühlschrank ist meistens leer. Hunger, Selbstmitleid und Zweifel quälen Sophie. Ihr persönlicher Dämon Lorchus, mit seinen haarsträubenden Vorschlägen zur Problembeseitigung, macht ihr das Leben auch nicht gerade leichter. Die alte Dame Bertrande mit ihrer aufopfernden Art hinterlässt bleibenden Eindruck. Nicht ganz nachzuvollziehen ist, warum sich Sophie in ihrer Notlage nicht an Familie, Freunde oder Hilfsinstitutionen wendet. Gibt es ihren besten Kumpel Hector wirklich? Dass er plötzlich im Badezimmer mit Sophies Dämon spricht, lässt Fragen aufkommen. Auch die Gedanken-Kommentare von Sophies Mutter kommen anscheinend aus heiterem Himmel. Eine konfuse Aufzählung setzt den Gemütszustand der Hauptfigur in Szene. Auf den ersten über hundert Seiten stellt sich schnell die Frage wo Sophies Energie und Kampfeswillen bleibt. Ihre Erlebnisse lassen sich gut nachvollziehen, die Hürden und Tiefpunkte, die es zu überwinden gilt. Manchmal möchte man sie schütteln und wachrütteln. Klar scheint, dass die Wende zum ultimativen Glück kurz bevorsteht. Immer auffälliger wird die Buchgestaltung mit der Typografie in Bewegung, fetter Schrift, Zeichen und Bildern. Ein Highlight ist die Geschichte für Kinder „Der Konsonantenfresser“. Im letzten Buchdrittel geht es beim Thema „Vorurteile“ ernsthaft zur Sache. Nicht so richtig zufriedenstellend ist das Ende. Es kommt irgendwie auch etwas plötzlich. Schräg wird’s im anschließenden Bonusteil. Mit dem Exposé gelingt die Kurve zum passenden Ausklang.

Cover und Titel stimmen auf eine humorvolle Geschichte ein. Der rote Hintergrund und die Teufelshörner fallen ins Auge. Die hochgeschraubten Erwartungen kann „Als der Teufel aus dem Badezimmer kam“ nicht ganz erfüllen. In vielem, was Sophie erlebt, wird sich aber der ein oder andere wiederfinden. Das Buch hätte mehr Mut machen können. Unterhaltungswert hat es allemal. Ironie und Humor kommen an.

Bewertung vom 08.09.2017
Hess, Hans-Henner

Grillwetter / Anwalt Fickel Bd.4


ausgezeichnet

„Grillwetter“ ist nach „Herrentag“, „Der Bobmörder“ und „Das Schlossgespinst“ Band 4 der Anwalt Fickel-Reihe von Autor Hans-Henner Hess. Durch seinen neuen Fall muss sich Anwalt Fickel regelrecht durchwursteln.

Der Insolvenzverwalter Ludwig Enzian ist wie vom Erdboden verschwunden. Hat er sich im Unternehmen Krautwurst Feinde gemacht und wurde ermordet? Ausgerechnet ein alter Sportkamerad von Fickel ist in den Fall verwickelt.

Die Geschichte beginnt spannend mit einer Verfolgungsjagd und einer kniffeligen Gefahrensituation. Das Eintauchen in Band 4 und Mitfiebern mit Fickel fällt leicht. Sehr unterhaltsam ist der ganz eigene Erzählstil. Autor Hans-Henner Hess weiß den Leser mit einer urigen Hauptfigur und skurrilen Situationen zum Schmunzeln zu bringen. Anwalt Fickel hat Ecken und Kanten und hält sich nicht immer an die Regeln. Aus der Herausforderung auf der Landstraße entsteht Fickels neuester Fall. Eine Wurstfabrik erweist sich als Zentrum der sich überschlagenen Ereignisse. Trotz eines Geständnisses bleibt es undurchsichtig und rätselhaft. Was ist am Tattag wirklich geschehen? Fickel wird von Tatsachen überrascht und muss erkennen, dass der Fall viel schwerwiegender ist als gedacht. Die erhoffte entspannende Zeit mit Fernbeziehung Astrid rückt in weite Ferne. Fickels immer wieder durch neue Nachrichten und Ablenkungen über den Haufen geworfene Reisepläne entwickeln sich zum Running-Gag. Der nicht sehr kompetente, träge und gutmütige Anwalt bekommt es ausgerechnet wieder mit seiner taffen Ex-Frau zu tun, die sich ungewohnt umgänglich gibt. Was ist da los? So richtig will das Misstrauen nicht zu Fickel durchdringen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sich die Ereignisse mal wieder überschlagen. Situationskomik von der ersten bis zur letzten Seite. Egal wie ernst sich die Lage hochschaukelt, es gibt am laufenden Band etwas zum Schmunzeln. Das Überleben der Thüringer Bratwurst liegt nicht nur Fickel am Herzen. Bleibt die Frage: „Wer ist der Mörder, und was ist das Motiv?“ Zwar gibt es am Ende keine große Überraschung, aber der Humor kommt auch auf den letzten Metern nicht zu kurz.

Der Titel hat Witz. Das Cover hätte gerne kreativer und humorvoller sein können. Wer Anwalt Fickel noch nicht kennt, kann problemlos mit Band 4 einsteigen. Aufgrund des hohen Unterhaltungswertes von „Grillwetter“ wird der begeisterte Leser auch zu den ersten Bänden greifen. Fickel bleibt im Gedächtnis, eben weil er ein herrliches Unikat ist und so gar nicht zum Helden taugt.

Bewertung vom 20.08.2017
Blumencron, Maria

Am Ende der Welt ist immer ein Anfang


weniger gut

„Am Ende der Welt ist immer ein Anfang“ ist das neueste Werk von Schauspielerin, Filmemacherin und Autorin Maria von Blumencron. Fiktion trifft auf Biografisches. Hauptfigur Maria versucht ihr chaotisches Leben in geordnete Bahnen zu lenken.

Die Abhängigkeit von Sizilianer Rocco Brigatoni macht Maria zu schaffen. Sie erkennt, dass hinter seinen Versprechungen, sie beruflich groß rauszubringen, nur heiße Luft steckt und er sie finanziell ausnimmt. Zeit, das Leben und bisherige Entscheidungen neu zu überdenken. Wohin soll der Weg führen?

„Eine fiktionalisierte Lebensbiografie, meine Geschichte… und ein Roadmovie.“ Das Vorwort samt Kurz-Beschreibung des Romans macht die Autorin sympathisch. Maria pendelt zwischen Rocco in Hamburg und ihrer Eltern-WG mit ihrem Ex-Mann Hank und 11 jährigem Sohn Johannes hin und her und lebt weit über ihre Verhältnisse. Kumpel und Steuerberater Fredde öffnet Maria die Augen. Es muss sich dringend etwas ändern. Der Aufbau der Geschichte mit den Einschüben „Erinnerungen an Wolken-Oma“ und schlimmen Kindheitserlebnissen wirkt konfus. Es entsteht der Eindruck eines Flickwerks, das aus vielen Puzzlestücken besteht. Die Hauptfigur ist sehr überzeichnet. Nicht immer lässt sich ihr Verhalten nachvollziehen. Einerseits ist sie wild, fröhlich, spontan und will das Leben genießen, andererseits plagen sie Selbstzweifel und sogar Selbstmordgedanken. Letzteres nimmt man ihr nicht ab. Sie hat einen großen Freundeskreis, der sie auffangen kann, und eine Familie. Eine interessante Persönlichkeit ist Marias Mutter Frizzi. Wahrheiten kommen ans Licht. Ihr Schicksal berührt wie das ihrer Tochter.

Der Roman braucht lange, um in Fahrt zu kommen. Ein neuer Handlungsort scheint die Wende zu sein, umso überraschender das sich alles anders entwickelt. Der Fokus wurde aufs Biografische gelegt. Irrungen und Wirrungen kommen nicht wie ein unterhaltsamer Roadmovie rüber. Auch geht der Humorfaktor mit dem zweiten Ich Lucy nicht auf. Das Spirituelle, die Suche nach Erleuchtung, nimmt zu viel Raum ein. Erst mit einer besonderer Begegnung erhält die Geschichte Intensität. Humor und Schmunzelszenen sorgen für Unterhaltung.

Marias großes Herz, ihr Einsatz für die Exil-Kinder und Tibet beeindruckt. Hinter allem steckt Energie und Leidenschaft. Es fällt leicht, ihr das Glück der großen Liebe zu wünschen. Das Ende ist gut gelungen. Beim Ausklang und Epilog hat Lucy das letzte Wort. Trotzdem ist der Epilog dank zusätzlicher, zufriedenstellender Infos ein guter Abschluss.

Das Cover verspricht eine abenteuerliche Geschichte. Der Titel macht neugierig. Die Kurzbeschreibung hat bei mir andere Erwartungen geweckt. Es war nicht damit zu rechnen, dass das Thema „Religion“ so viel Raum einnimmt. Vieles hätte gut in einen Ratgeber gepasst. Die fehlende Einordnung von Anfang an und der Aufbau haben dem Buch nicht gut getan.

Bewertung vom 17.08.2017
Pérez-Reverte, Arturo

Der Preis, den man zahlt / Lorenzo Falcó Bd.1


ausgezeichnet

Arturo Perez-Revertes Roman „Der Club Dumas“ wurde 1999 von Roman Polanski unter dem Titel "Die neun Pforten" mit Johnny Depp in der Hauptrolle verfilmt. In seinem neuesten Werk „Der Preis, den man zahlt“ steht ein Spion vor seiner größten Herausforderung.

Im Jahr 1936 erhält Lorenzo Falcó den heiklen Auftrag, im südspanischen Alicante einen hochrangigen politischen Gefangenen zu befreien. Er kann nicht wie gewohnt alleine agieren, sondern muss sich auf Andere verlassen. Lorenzo ahnt, dass das zu einem Problem wird.

„Die Frau, die Sterben sollte, redete seit zehn Minuten. Sie sprach in diesem Erste-Klasse-Waggon über banale, unbedeutende Dinge: die Saison in Biarritz, den letzten Film mit Clark Gable und Joan Crawford. Den Krieg in Spanien erwähnte sie höchstens ein, zwei Mal beiläufig.“ Mit wenigen Sätzen wird der Leser in die Geschichte hinein gezogen. Der Einstieg ist unbarmherzig und bereitet auf die Ereignisse vor. Es ist die Abgeklärtheit der Beteiligten, die schockiert. Ein Job, nichts weiter, so scheint es. Das Bedauern auf Seiten von Lorenzo Falcó ist gering und macht sich nur an Äußerlichkeiten fest. Im Laufe der Geschichte wirkt seine Coolness sympathischer. Aus gutem Grund misstraut er jedem. Er und seine Ziele stehen normalerweise an erster Stelle. Bei seinem neuen Auftrag muss er sich auf ungewohntes Terrain begeben, die Organisation übernehmen, ein Team leiten und sich auf Fremde verlassen. Mit einer überraschenden Wende bekommt die Geschichte eine andere Intensität. Wer treibt ein doppeltes Spiel? Aufgrund der anhaltenden Gefahr sind die Nerven zum Zerreißen gespannt. Wieder passiert etwas mit dem keiner gerechnet hat. Es bleibt undurchsichtig. Lorenzo wird in eine Rolle gedrängt, die seinem Gewissen zu schaffen macht. Der Plot ist raffiniert gestrickt und beruht sogar auf einer wahren Begebenheit. Rätselhafte, kaltblütige und skrupellose Charaktere sorgen für Krimi-Atmosphäre. Alles steuert auf einen Showdown hin, bei dem keiner mehr sicher ist. Was ist Wahrheit, was Lüge? Eine irrsinnige Aktion zum Schluss lässt noch einmal die Spannung steigen. Sehr gut inszeniert!

Das Cover entführt in eine andere Zeit und wirkt auf den ersten Blick zu harmlos für Titel und Geschichte. Welchem Schicksal geht die Frau entgegen? Wolken, Nebel und Rauch sind treffende Details. Der Titel stimmt auf eine spannende Story ein. „Der Preis, den man zahlt“ bildet den Auftakt zur Spionagereihe um Lorenzo Falcó. Auch aufgrund der Entwicklung der Hauptfigur wird das Interesse am Folgeband geweckt.

Bewertung vom 13.08.2017
Khorana, Aditi

Amrita


ausgezeichnet

„Amrita – Am Ende beginnt der Anfang“ ist das Debüt-Jugendbuch von Autorin Aditi Khorana. Eine Idylle gerät ins Wanken.

Die 16jährige Prinzessin Amrita soll den Kaiser von Makedon Sikander heiraten und Teil seines Harems werden. Sie und ihr Vater König Chandradev sehen keine andere Möglichkeit, ihr Reich Shalingar zu retten. Sikander hat jedoch weit mehr Forderungen als geahnt und schmiedet längst eigene Pläne.

Die „Parabel vom Land der Bäume“ und der Prolog bereiten auf eine phantasiereiche, originelle und märchenhafte Geschichte vor. Amrita glaubt nicht an Legenden und Magie. Sie ist von allen beschützt im Palast aufgewachsen und hat, bis auf eine paar Besuche der Hauptstadt Ananta, noch nicht viel vom Königreich gesehen. Nicht nur das rätselhafte Schicksal ihrer Mutter zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Amrita und das Reich Shalingar umgibt etwas Geheimnisvolles. Arjun steht Amrita von Kindheit an zur Seite. Beide hegen mehr Gefühle füreinander als nur Freundschaft. Müssen sie sich ihrem Schicksal ergeben? Was hat Sikander vor? Effektvoll, mit einem Paukenschlag kommt es zur Wende. Das Tempo zieht an, die Spannung steigt, Ereignisse überschlagen sich. Vieles lässt sich nicht vorausahnen. Das Abenteuerliche, die Gefahren und Herausforderungen überzeugen. Originell und sehr passend sind die Namen der Charaktere. Sie unterstreichen das Phantasievolle und Märchenhafte. Ein bisschen zu lange dauern die Zweifel und das Zögern bei Amrita an. Trotzdem bleibt alles glaubwürdig. Mit einem plötzlich auftauchenden Fremden kommen Spekulationen auf. Der Leser begreift mehr als Amrita. Längst nimmt die Geschichte einen völlig anderen Verlauf als geahnt und erhofft. Jeder einzelne Charakter besticht mit seiner Persönlichkeit. Atmosphäre und Intensität bleiben auf einem hohen Niveau. Das letzte Buchdrittel überrascht am meisten. Es hätte einige Möglichkeiten für Wendungen und ein packendes Ende gegeben. Die Wahl von Autorin Aditi Khorana wird erst so richtig mit dem Nachwort verständlich. Auch wenn vieles für diesen Abschluss spricht, hätte sich so mancher Fantasy-Fan vielleicht einen anderen Fokus und Ausklang gewünscht. Eine am Anfang wichtige Figur wird zu sehr an den Rand gedrängt.

Die Buchgestaltung verzaubert und passt hervorragend zur Geschichte. Viel Intensität hat die Farbkombination Blau-Orange-Silber. Jedes Detail wirkt abenteuerlich und märchenhaft. Sehr gelungen! Unmöglich, an diesem Buch vorbeizugehen. Auch der Titel wird effektvoll in Szene gesetzt und weckt die Neugierde. „Amrita – Am Ende beginnt der Anfang“ ist für Jugendliche ab 14 Jahren gedacht und auch für Erwachsene ein besonderes Leseabenteuer.

Bewertung vom 09.08.2017
Hurwitz, Gregg

Projekt Orphan / Evan Smoak Bd.2


sehr gut

„Projekt Orphan“ ist nach „Orphan X“ der zweite Band der Thrillerreihe von Autor Gregg Hurwitz. Evan Smoak gerät in eine ausweglose Situation.

Die 15jährige Anna Reznian ist auf den Köder Addison reingefallen und hat sich und ihre Familie dadurch in Gefahr gebracht. Durch Zufall erhält sie die Telefonnummer vom Nowhere Man. Evan Smoak ist ihre Rettung. Aber auch der Ex-Profikiller macht Fehler. Er hat ein wichtiges Detail übersehen und tritt zu spät in Aktion.

Ein cooler 17jähriger Skateboard-Fahrer als Köder an den Highschools, die Masche eines Mädchenhändlers wirkt realitätsnah. Zu offensichtlich erscheinen eine Forderung und damit die Falle. Inwieweit können Armut und Hoffnung ein Motor sein, unübersehbare Risiken einzugehen? Die Idee des Nowhere Man ist originell. Jedes gerettete Opfer erhält die Aufgabe, jemanden zu finden, der ebenfalls Hilfe benötigt und die Telefonnummer vom Nowhere Man weiterzugeben. Wie praktisch wäre es, so einen Superhelden, der kostenlos zur Hilfe eilt, in der Stadt zu haben. Retter Evans Kaltblütigkeit überrascht. Seine speziellen Fähigkeiten scheinen ihn unbesiegbar zu machen. Effektvoll eingesetzt ist die Wende. Dieses Mal sitzt Evan in der Falle, und der Grund dafür ließ sich so nicht erwarten. Die Hauptfigur kommt über langen Strecken zu cool und unnahbar rüber. Trotz des Patzers wirkt Evan immer noch unbesiegbar. Fest steht, er wird entkommen. Nur wie? Tricks, Raffinesse und Intelligenz sind gefragt, und davon hat Evan Einiges auf Lager. So Manches erinnert an James Bond, insbesondere der spezielle Feind. Geldgier, Jugendwahn, Rache, eine eigensinnige Gegenspielerin erweist sich als Highlight. Kaum wähnt sich der Leser sicher, was den weiteren Handlungsverlauf anbelangt, kommen plötzlich zusätzliche Herausforderungen ins Spiel. Überraschende Wendungen halten die Spannung hoch. Hinter Kampfszenen, Waffeneinsätzen und Inszenierungen steckt viel Recherche. Der Aufwand hat sich gelohnt. Das letzte Buchdrittel kann mit mehr Intensität und Glaubwürdigkeit der Hauptfigur überzeugen. Zum Schluss zieht das Tempo an. Jeder Effekt, jede Szene sitzt. Längst hat der Thriller Pageturner-Qualitäten entwickelt. Selbst Schmunzler sind drin. Wenige Worte reichen für einen Cliffhanger aus. Unmöglich, den nächsten Band nicht lesen zu wollen.

Die Coverszene hat trotz der Schlichtheit etwas Verstörendes. Der Titel weckt die Neugierde. Das Cover passt zum Inhalt, obwohl die abgebildete Person nicht mit der Hauptfigur mithalten kann. Ein Phantom, das nur seine eigenen Regeln kennt. „Projekt Orphan“ ist leicht zu unterschätzen und lässt einen dann schnell die vorgefasste Meinung revidieren. Gute Thriller-Unterhaltung.

Bewertung vom 03.08.2017
Cherry, Brittainy

Wie das Feuer zwischen uns / Romance Elements Bd.2


ausgezeichnet

„Wie das Feuer zwischen uns“ ist nach „Wie die Luft zum Atmen“ Band 2 der Romance Elements-Reihe von Brittainy C. Cherry.

Logan und Alyssa lernen sich an Alyssas Arbeitsstelle im Supermarkt kennen. Sie ist die Tochter einer Anwältin, er der Sohn eines Dealers und einer Drogenabhängigen. Die gute Freundschaft ist der Rettungsanker für beide. Gerade deshalb trauen sich Logan und Alyssa nicht, dem anderen die Liebe zu gestehen.

„Wenn du jemanden gefunden hast, der dich zum Lachen bringt, wenn dein Herz weinen möchte, dann halte ihn fest. Dieser Mensch wird es sein, der dein Leben für immer zum Besseren wandelt.“ Autorin Brittainy C. Cherry hat eine berührende und schicksalhafte Liebesgeschichte geschaffen, die von Anfang an mitreißt. Logan scheint am Abgrund, in einer ausweglosen Situation. Alyssa schenkt ihm mit ihrer Freundschaft ein paar Augenblicke des Glücks und der Hoffnung. Beide Hauptfiguren wirken sehr real und greifbar. Ihre Emotionen schwappen auf den Leser über. Eine weitere Sympathiefigur ist Logans Bruder Kellan, der in jeder Lebenslage zu ihm hält. Unglaublich, was Logan seit seiner Kindheit durchleiden musste. Der Bad Boy ist gutherzig und zeigt seiner Mutter gegenüber mehr Verantwortung als ihm gut tut. Aus dem Teufelskreis Drogen, Verteidigung der Mutter, Schläge des Vaters findet er nicht heraus. Autorin Brittainy C. Cherry weiß den Leser zu fesseln. Sie baut gleich zwei überraschende Wendungen ein, die wie ein Paukenschlag inszeniert sind und schockieren. Ein raffinierter Plot, packender Erzählstil, interessante, lebendige Charaktere, das Thema „Große Liebe“ in besonderer Form, der Pageturner lässt einen nicht mehr los und hat auch noch passende Weisheiten parat: „Das Wichtigste ist, nicht auf den Lärm der Leute um dich herum zu hören. Immer haben alle eine Meinung über das Leben, das sie nicht leben – halte einfach den Kopf hoch und hör nicht auf den Schwachsinn, den sie verzapfen.“

Auch wenn im letzten Buchdrittel der Eindruck entsteht, dass die Geschichte doch etwas ins Kitschige abdriftet, wird das Lesevergnügen nicht getrübt. Es bleibt spannend, wie es am Ende ausgeht. Hoch oder Tief, High oder Low? Der Schluss überzeugt, und der Epilog ist ein tolles Plus.

Cover und Titel sind Understatement. Zwar sieht der Cover-Typ cool und unwiderstehlich aus, aber an das Charisma von Hauptfigur Logan kommt er nicht heran. Der Titel bringt es eigentlich auf den Punkt, lässt aber zu sehr einen Kitschroman erwarten. „Wie das Feuer zwischen uns“ erinnert an „Love Story“ und „Romeo und Juliet“ und hat eine ähnliche Intensität. Fans von Liebesgeschichten werden von Brittainy C. Cherrys Romance Elements-Reihe begeistert sein.

Bewertung vom 30.07.2017
Chaplet, Anne

In tiefen Schluchten / Tori Godon Bd.1


weniger gut

„In tiefen Schluchten“ ist Band 1 der Tori Gordon-Reihe von Anne Chaplet. Hinter dem Pseudonym „Anne Chaplet“ verbirgt sich die deutsche Journalistin und Schriftstellerin Cora Stephan.

Das Verschwinden eines holländischen Touristen lässt die ehemalige Anwältin Tori Gordon nicht mehr los. Sie beginnt, eigene Recherchen anzustellen. Es bleibt nicht das einzige Rätsel in Belleville. Ein Unfall löst nicht nur bei Tori Misstrauen aus.

Autorin Anne Chapelt legt bei diesem Krimi den Fokus auf viel Südfrankreich-Atmosphäre, Geschichtliches und örtliche Begebenheiten. Tatsächlich fühlt man sich als Leser fast wie nach Belleville versetzt. Leider bleibt der Krimi dabei auf der Strecke. Bis zur Hälfte des Buches kommt er nicht in Gang. Es gibt weder spannende noch packende Szenen. Einziges Highlight July. Ein Hund sticht die Hauptfiguren aus. Völlig unverständlich ist die Tatenlosigkeit im Vermisstenfall und auch anfangs bei July. Es müssen Wochen vergehen bis sich endlich etwas tut. Besonders bei Commandant de Police Serge Masson lässt der fehlende Einsatzwillen Fragen aufkommen. Alle Beteiligten bekleckern sich nicht gerade mit Lorbeeren. Was ist da los? Zu viele Zufälle kommen ins Spiel. So manches lässt sich vorausahnen. Ein Kirchenrestaurator kommt wie gerufen und ein ehemaliger Polizist ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Der Dialog zwischen zwei Leidensgenossen wirkt hölzern. Nur das Rätsel und die Hoffnung auf eine überraschende Auflösung halten neben dem Südfrankreich-Feeling bei der Stange. Abschweifungen verlangsamen von Anfang an das Tempo. Am Auffälligsten von den Protagonisten sind eine Ferienwohnung-Besitzerin und ein Metzger mit ihren Eigenarten. Makaber ist Toris Bezeichnung „Ehe zu dritt“ für eine besondere schicksalhafte Lebenssituation. Die 42jährige bleibt trotz ihrer Aktionen für eine zentrale Hauptfigur zu blass und zögerlich. Ihr fehlen Konturen, Eigenarten und Persönlichkeit. Auch die zweite Hälfte des Buches und das Ende enttäuschen. Das Tempo zieht nicht wie erhofft an. Die Auflösung erscheint fast nebensächlich und schert nicht aus dem Stil des Bedächtigen aus. Kein Spannungsbogen, keine Würze, eher Reiseführerflair. Potential, dass das Historische und der Handlungsort bieten, wurde verschenkt.

Cover, Titel und Untertitel versprechen einen Krimi. Wenn man den Inhalt kennt, eine zu hochgegriffene Aussage und falsche Wahl. „In tiefen Schluchten“ eignet sich für Südfrankreichreisende, die keine packende Lektüre, dafür die typische Atmosphäre erwarten. „Belleville ist ein Ort der Imagination.“ Gerne hätte die Autorin in der Danksagung am Ende des Buches noch mehr aus dem Nähkästchen plaudern können. Ein schönes Plus ist die Karte als Inneneinband des Buches.