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hamburger.lesemaus
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Bargfeld-Stegen

Bewertungen

Insgesamt 521 Bewertungen
Bewertung vom 27.11.2025
Herngren, Moa

Scheidung


ausgezeichnet

„Es ist doch merkwürdig, wie die Anwesenheit eines Menschen so viel Raum einnehmen kann. Als ob Niklas’ Unsichtbarkeit sie von jeder Wand anstarrt. Eigentlich auch kein Wunder nach einem ganzen gemeinsamen Leben.“ (S. 106)

SCHEIDUNG
Moa Herngren
ET: 14.6.24

Nachdem mich „Schwiegermutter“ so begeistert hat, wollte ich unbedingt den Vorgänger „Scheidung“ lesen – und ich kann vorwegnehmen: es lohnt sich absolut! #mustread #highlight

Bea und Niklas sind seit 32 Jahren verheiratet und kennen sich ihr Leben lang. Aus einer tiefen Freundschaft entstand damals Liebe, nachdem Beas Bruder sich das Leben nahm. Heute leben sie mit ihren jugendlichen Zwillingen in einer schönen Wohngegend, und Niklas ist Chefarzt einer Kinderklinik.

Der jährliche Urlaub führt die Familie traditionell nach Hogreps auf Gotland, ins Ferienhaus seiner Eltern. Bea liebt das Meer und die Gesellschaft der Familie – ein anderer Urlaubsort kommt für sie nicht infrage. Doch als Niklas vergisst, die Fährtickets zu besorgen, eskaliert ein Streit, und er verlässt die Wohnung.

Bea fühlt sich im Recht, hinterfragt ihr Verhalten nicht – bis Niklas tagelang nicht zurückkehrt. Erst als sie mit den Mädchen nach Gotland fährt und Niklas nicht auftaucht, wird ihr klar, dass etwas Grundlegendes schiefläuft.

Das Besondere an diesem Buch ist nicht nur Moa Herngrens flüssiger, einnehmender Schreibstil, sondern auch der raffinierte Aufbau. Im ersten Teil erleben wir alles aus Beas Sicht – man kann nicht anders, als mit ihr zu fühlen (gut, dass Taschentücher griffbereit waren). Im zweiten Teil hören wir Niklas’ Perspektive – und plötzlich versteht man ihn vollkommen. Hatte Bea ihm nie wirklich zugehört? Im letzten Teil wechseln die Perspektiven ab, ohne dass ich mehr verraten möchte.

Moa Herngren hat sich mit diesem Buch in mein Herz geschrieben. Beide Bücher, die ich von ihr gelesen habe, sind absolute Highlights.

Fazit:
Drama ja, Kitsch nein. Ein fantastisches Buch, das ich jedem ans Herz lege – aber haltet besser Taschentücher bereit!
Unbedingt lesen!
5+/5

Bewertung vom 25.11.2025
Noll, Ingrid

Nachteule


ausgezeichnet

NACHTEULE
Ingrid Noll
ET: 20.8.25

Die 15-jährige Luisa wächst behütet in einem Haus am Waldrand auf. Dass sie adoptiert wurde, weiß sie seit ihrem vierten Lebensjahr. Durch ihre indigenen peruanischen Wurzeln fällt sie in ihrem kleinen Dorf jedoch immer auf.
Luisa ist hochintelligent, in der Schule erfolgreich und gilt dort schnell als „Streberin“. Das stört sie wenig – Partys und Jungs interessieren sie ohnehin nicht besonders. Viel lieber streift sie nachts durch den Wald, um Wildtiere zu beobachten. Dabei hilft ihr eine außergewöhnliche Gabe: Sie kann im Dunkeln sehen und sogar lesen.

Bei einer ihrer nächtlichen Streifzüge begegnet sie Tim, einem jungen Obdachlosen, der sich im angrenzenden Wald ein Lager eingerichtet hat. Luisa beginnt, ihn mit Lebensmitteln zu versorgen, doch Tim zeigt kaum Dankbarkeit. Stattdessen drängt er sie dazu, Zigaretten und andere Dinge zu beschaffen – und schreckt selbst nicht davor zurück, bei den Nachbarn einzubrechen.

Tim übt eine gefährliche Faszination auf Luisa aus, erst recht, als er ihr den ersten Kuss gibt. Schritt für Schritt gerät sie in seinen Bann und wird zunehmend in kriminelle Machenschaften verstrickt.

Was für ein großartiger Roman aus Ingrid Nolls Feder! Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und konnte es kaum aus der Hand legen. Mit NACHTEULE knüpft Noll an die Stärke ihrer früheren Werke an: spannend, abgründig und mit feinem Gespür für menschliche Abgründe. Eine Coming-of-Age-Geschichte, Beziehungsgeschichte und Krimi in einem.

Fazit:
Ingrid Noll is back!
Große Leseempfehlung.
5/5

Bewertung vom 24.11.2025
Hempel, Berit

Abenteuer & Wissen, Kleopatra - Königin von Ägypten (MP3-Download)


ausgezeichnet

Abenteuer & Wissen
KLEOPATRA
Berit Hempel
ET: 17.11.25

Kleopatra gilt als eine der einflussreichsten Frauen der Antike und war die letzte Herrscherin auf dem ägyptischen Pharaonenthron. Oft wird sie als Verführerin oder Machtfigur dargestellt – dieses Hörbuch bricht mit vielen gängigen Klischees.

48 v. Chr.:
Kleopatra ist etwa 20 Jahre alt, als sie von ihrem jüngeren Bruder und Ehemann Ptolemaios XIII. vom Thron gedrängt wird. Vor kurzem noch Königin Ägyptens, sucht sie nun einen Weg zurück an die Macht. Ein loyaler Diener schmuggelt sie versteckt in einem Sack in den Palast von Julius Cäsar. Ihr riskanter Plan gelingt. Diese Begegnung wird die Geschichte Ägyptens und Roms nachhaltig prägen, denn Cäsar unterstützt sie bei der Rückeroberung ihres Reiches.

Das Hörbuch zeigt jedoch weit mehr als politische Intrigen: Kleopatra war eine gebildete, sprachbegabte und entschlossene junge Frau. Ihr Vater Ptolemaios XII. förderte sie früh; sie lernte Astronomie, Mathematik und die Geschichte ihres Landes. Mit 17 Jahren wurde sie an seine Seite geholt und regierte gemeinsam mit ihm. Nach seinem überraschenden Tod musste sie, wie es die Tradition verlangte, einen Mann an ihrer Seite haben – also heiratete sie ihren zehn- oder elfjährigen Bruder Ptolemaios XIII.

Es ließen sich noch viele faszinierende Details nennen, doch am besten entdeckt ihr Kleopatras Welt selbst. Das Hörbuch bietet eine dichte, lebendige und sehr zugängliche Einführung in ihr Leben.

Fazit:
Spannendes Wissen über die letzte große Herrscherin Ägyptens.
Große Hörempfehlung ab 8 Jahren.
5/5

Bewertung vom 22.11.2025
Boie, Kirsten

Der Weihnachtsfrieden


ausgezeichnet

DER WEIHNACHTSFRIEDEN
Kirsten Boie
ET: 8.10.25

Weihnachten 1914:
Eben noch wurde ein Junge erschossen, der lachend eine Ratte im Niemandsland fangen wollte, da treffen die ersten vom Kaiser geschickten, kleinen Weihnachtsbäume in den Gräben ein. Friedrich hatte gehofft, zu dieser Zeit längst wieder zu Hause zu sein – unter einem richtigen Tannenbaum, mit seiner Familie. Stattdessen steht er im Schlamm, umgeben von Ratten, und zwischen den Gräben liegen noch immer die Toten, die sie nicht begraben konnten.

Friedrich kann kaum fassen, dass er mit einigen dieser Gefallenen vor wenigen Wochen noch die Schulbank geteilt hat. Voller Übermut waren sie gemeinsam singend zur Musterung gelaufen, überzeugt davon, dem Kaiser und dem Vaterland zu dienen. Jetzt fragt sich Friedrich, ob der Kaiser ihnen nicht besser Frieden statt Tannenbäume hätte schicken sollen.

Plötzlich wird es im gegnerischen Schützengraben still – unheimlich still. Die Männer schauen sich fragend an. Dann beginnt ein deutscher Soldat leise zu singen, ein Weihnachtslied, das langsam über den Graben schwebt. Und was daraufhin geschieht, müsst ihr selbst lesen.

Kirsten Boie erzählt diese wahre Begebenheit auf nur 44 Seiten: den Weihnachtsfrieden an der Front von Flandern, als deutsche und englische Soldaten an Heiligabend für kurze Zeit die Waffen niederlegten, gemeinsam sangen und ihre Toten bestatteten. Ein Moment von Menschlichkeit mitten im Grauen, obwohl die durchschnittliche Überlebenszeit der jungen Soldaten nur vierzehn Tage betrug.

Boie formt aus dieser historischen Episode eine zarte, eindringliche Geschichte, die zeigt, wie kostbar Hoffnung und Mitgefühl selbst in dunkelsten Zeiten sind.

Fazit:
Ein kleines, feines Buch – perfekt als Mitbringsel in der Adventszeit oder zum Selberlesen, eingekuschelt mit einem warmen Weihnachtstee in der anderen Hand.
5/5

Bewertung vom 21.11.2025
Köhler, Hannes

Zehn Bilder einer Liebe


ausgezeichnet

ZEHN BILDER EINER LIEBE
Hannes Köhler
ET: 27.2.25

David und die fast zehn Jahre ältere Luisa führen eine glückliche Beziehung. Louisas Tochter aus erster Ehe, Ronya, bereichert ihr gemeinsames Leben; zu ihr hat David ein inniges Verhältnis. Das Thema Kinderkriegen spielte zwischen ihnen nie eine Rolle. Doch nun schleicht sich bei David der Gedanke ein, selbst noch einmal Vater zu werden – ein eigenes Kind zu erleben, mit all seinen ersten, oft herausfordernden Monaten. Ronya ist bereits im Schulalter, und manchmal nagt in ihm die Angst, Luisa könnte ihm Ronya im Falle einer Trennung entziehen.

Luisa möchte Davids Wunsch erfüllen, doch die ersehnte Schwangerschaft bleibt aus. Die Beziehung gerät ins Straucheln, und als die beiden schließlich eine Kinderwunschklinik aufsuchen, beginnt der unerfüllte Wunsch, immer stärker ihr Leben zu bestimmen.
Die zehn Bilder dieser Liebe zeigen zehn prägnante Momente aus der gemeinsamen Geschichte von Luisa und David. Die Erzählung wechselt zwischen Vergangenheit und Zukunft, lässt beide zu Wort kommen und zeichnet so ein vielschichtiges Bild ihres Miteinanders.

Hannes Köhler liefert keinen gewöhnlichen Liebesroman, sondern ein feinfühliges, eindringliches Porträt eines Paares, das mit Fragen nach Elternschaft, Erwartungen und Nähe ringt. Die Geschichte ist klug beobachtet, zurückhaltend erzählt und dadurch besonders berührend.

Fazit:
Ein beeindruckendes Buch, das mich begleitet, bewegt und zum Nachdenken angeregt hat. Eine klare Leseempfehlung.
5/5

Bewertung vom 18.11.2025
Sommer, Tobias

Wer das Ende verrät


sehr gut

WER DAS ENDE VERRÄT
Tobias Sommer
ET: 21.8.25

In der kleinen Stadt Cruxdorf an der Nordsee führt der Buchhändler Moritz Wendtal ein beschauliches Leben. Täglich sortiert er seine Lieblingsbücher neu, um sie seinen treuen Stammkundinnen und -kunden immer wieder auf andere Weise zu präsentieren. Unterstützung bekommt er von seiner außergewöhnlichen Praktikantin Hilde – über 80, resolut, herzlich und stets bereit zu helfen. Viel zu tun gibt es in der Buchhandlung zwar nicht, doch Wendtal legt großen Wert darauf, dass sich alle bei ihm wohl und wahrgenommen fühlen.

Wenn er gerade nicht mit Büchern beschäftigt ist, hilft er mit großer Leidenschaft seinem Freund Heinrich, dem Dorfpolizisten, bei dessen Ermittlungen. Sein umfangreiches Krimiwissen, das er sich über die Jahre angelesen hat, bringt er mit voller Begeisterung ein.

Als beim Bürgermeister Gerhard Brix eingebrochen wird und man eine mit einem Jagdmesser aufgespießte Tomatensaftdose als Drohung findet, ist Wendtal sofort Feuer und Flamme. Besonders, weil zusätzlich ein Gedichtfragment über Robin Hood im Briefkasten des Opfers auftaucht. Wenige Tage später brennt es in Cruxdorf – und erneut taucht ein mysteriöses Gedicht auf.
Schafft es Wendtal, das Rätsel zu entschlüsseln? Das müsst ihr natürlich selber herausfinden …

Nachdem ich Tobias Sommers „Das gekaufte Leben“ sehr mochte, bin ich gerne mit dem Buchhändler Wendtal auf Spurensuche gegangen. Obwohl Cosy Crime nicht mein bevorzugtes Genre ist, hat mir die Ermittlungsarbeit mit den charmant-eigenwilligen Figuren sehr gefallen. Ein ruhiger, atmosphärischer Roman, den ich vor allem Buchliebhaber*innen und Cosy-Crime-Fans empfehle.
4/5

Bewertung vom 17.11.2025
Schmitt, Caroline

Monstergott


ausgezeichnet

MONSTERGOTT
Caroline Schmidt
ET: 28.8.25

Seit ihrer Geburt gehören die Geschwister Esther und Ben einer Freikirche an. Ihre Eltern zählen zu den Gründern dieser Gemeinschaft – Gott steht für sie über allem.
Beide sind fest eingebunden, leiten die Lobpreisgruppe, singen, musizieren und leben ihren Glauben.

Und doch regt sich in ihnen eine Sehnsucht nach etwas anderem. Der Glaube, der sie einst getragen hat, beginnt sich zu verändern – und mit ihm auch ihr Bild von Gott. Aus kindlicher Hingabe wird ein innerer Konflikt, denn plötzlich schleichen sich Gedanken ein, die in ihrer Welt verboten sind: Lust, Begehren, Zweifel.
Der Pastor predigt Woche für Woche von Reinheit und Versuchung, von Liebe als Werk des Satans – eine Manipulation, die tief in die Köpfe der jungen Menschen eindringt.

Caroline Schmidt hat wieder ein eindrucksvolles und wichtiges Buch geschrieben. Schon Liebewesen hatte mich begeistert, und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht.
Ihr besonderer Schreibstil, die abwechselnden Perspektiven von Esther und Ben und die ruhige, eindringliche Sprache verleihen Monstergott eine außergewöhnliche Intensität.
Man wird ganz allmählich in die Geschichte hineingezogen – bis man meint, selbst auf der Kirchenbank zu sitzen und dem Pastor zuzuhören.

Selten hat mich ein Buch so viele Emotionen spüren lassen: Wut, Trauer, aber auch Mitgefühl und Hoffnung. Trotz der schweren Themen ist der Ton zart und feinfühlig.

Fazit:
Ein starkes, berührendes Buch über Glauben, Kontrolle und den Wunsch nach Freiheit. Eine klare Leseempfehlung.
4,5/5

Bewertung vom 16.11.2025
Bhatter, Ina

Drei Tage im Schnee


sehr gut

DREI TAGE IM SCHNEE
Ina Bhatter

Hannah ist 30, ausgebrannt und vom Alltag überfordert. Früher hat sie ihre Arbeit geliebt, doch inzwischen hetzt sie nur noch von Termin zu Meeting und wünscht sich nichts sehnlicher, als einfach im Bett liegen zu bleiben. Um dem Stress zu entkommen, mietet sie sich ein Wochenende eine Hütte am See. Anfangs klingt das nach einer idyllischen Auszeit – doch der Schneefall macht alles ein wenig komplizierter.

Dann taucht die sechsjährige Sophie auf, voller Lebensfreude und Lust auf Schneeengel. Schnell entsteht zwischen den beiden eine besondere Verbindung: Hannah lässt sich treiben, baut Iglus, trinkt Kakao und findet Momente der Leichtigkeit. Dabei denkt sie über ihr eigenes Leben nach und reflektiert, was wirklich wichtig ist. Am Ende bleibt ein bisschen die Frage: War alles wirklich so oder nur ein Traum?

„Uns Erwachsenen wäre deutlich mehr geholfen, wenn wir nicht vergessen würden, wie es war, ein Kind zu sein.“ (S.5)

Eine kleine, warme Wintergeschichte über Neuanfänge, Selbstfindung und die Magie, die Kinder ins Leben bringen können. Das Buch liest sich schnell und leicht, ohne dabei oberflächlich zu sein. Wer sich auf eine ruhige, nachdenkliche Geschichte einlassen möchte, gönnt sich eine Wolldecke, eine Tasse Tee und ein paar Stunden Auszeit.

Fazit:
Ein Buch für entspannte Wintertage, das Ruhe schenkt und gleichzeitig Denkanstöße zum Entschleunigen liefert.
3½/5

Bewertung vom 12.11.2025
Kraus, Chris

Die Sonne und die Mond


gut

DIE SONNE UND DIE MOND
Chris Kraus
ET: 20.8.25

Sonja „Sonne“ und Jana – von allen nur „Mond“ genannt – kennen sich seit Kindertagen. Als Jana nach Deggendorf zog, wurden die Mädchen schnell unzertrennlich. Sie teilten nicht nur viele Erinnerungen, sondern auch die schmerzliche Erfahrung, früh ein Elternteil verloren zu haben: Sonne ihren Vater durch Selbstmord, Jana ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall. Doch ein Ereignis führte zu einem Bruch, der sie für viele Jahre trennte.

Zehn Jahre später steht Mond, inzwischen eine erfolgreiche Kabarettistin, plötzlich wieder vor Sonne, die heute ein Bestattungsinstitut führt. Sie bittet sie, die Beerdigung ihres Mannes und seiner schwangeren Geliebten zu übernehmen. Sonne weigert sich zunächst, gibt ihrer ehemaligen Freundin schließlich aber nach. Schon bald nimmt Mond wieder einen immer größeren Platz in Sonnens Leben ein – und überschreitet Grenzen, die schon damals zur Entzweihung geführt haben.

Ein Buch, das weit über die Freundschaft von Sonne und Mond hinausgeht.

Der Schreibstil hat mich sehr angesprochen – ruhig, klar und zugleich poetisch, mit feinem schwarzen Humor gespickt. Chris Kraus zeichnet die beiden Frauen mit großem Gespür für ihre Widersprüche und Verletzlichkeiten. Themen wie Verlust, Freundschaft, Loyalität und die Frage nach dem Sinn des Lebens ziehen sich durch die Geschichte, stets begleitet vom Tod, der hier erstaunlich sachlich und unaufgeregt beschrieben wird.

Trotz einiger Längen ist es insgesamt eine kluge und fein erzählte Geschichte über Nähe, Distanz und das, was bleibt.
3,5/5

Bewertung vom 11.11.2025
Dietz, Shari;Dietz, André

Maris Märchen


ausgezeichnet

MARIs MÄRCHEN
Shari & André Dietz
ET: 30.10.25

„Hi, ich bin Mari und ich erzähle euch jetzt mal ein paar Geschichten. Das Besondere daran ist, ich habe sie bisher noch niemandem erzählt, weil ich gar nicht sprechen kann.“

Mari kann nicht sprechen – und doch schenkt sie uns mit diesem Buch ihre Geschichten. Sie hat das Angelman-Syndrom, einen seltenen Gendefekt, aber ihre Eltern verstehen sie und haben ihre Gedanken und Erlebnisse aufgeschrieben.

Doch das Buch enthält nicht nur Maris eigene Geschichte, sondern auch ein paar Märchen, die ein wenig anders sind, als du sie vielleicht kennst. Die Namen der Märchen sind vertraut – DOWNRÖSCHEN, HÄNDIKÄPPCHEN und HUMPELSTILZCHEN – doch die Helden und Menschen darin haben eine Behinderung. Sie sehen anders aus, sind aber keineswegs weniger liebenswert. So erfahren wir etwa, dass Prinzessin Rosi in Downröschen von ihren Untertanen gehänselt wird, nur weil sie anders spricht und manchmal ein Speicheltropfen beim Reden aus dem Mund fällt. Ob die Feen Rosi bei diesem Problem helfen können und was es mit den anderen Märchen auf sich hat, müsst ihr natürlich selbst lesen – es lohnt sich!

Was für ein liebes, einzigartiges und berührendes Buch. Es ist ideal, um schon den Kleinsten zu zeigen, dass Kinder mit Behinderungen genauso wertvoll sind wie alle anderen. Die Sprache der Märchen ist modern, offen und humorvoll – perfekt, um darüber ins Gespräch zu kommen. Saskia Gaymanns liebevolle und witzige Illustrationen runden das Buch wunderbar ab.

Fazit:
Ein Buch mit einer wichtigen Botschaft zum Vorlesen ab 6 Jahren. Ganz große Leseempfehlung!
5/5