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meerblick

Bewertungen

Insgesamt 550 Bewertungen
Bewertung vom 07.01.2025
Lunde, Maja

Für immer


ausgezeichnet

Stillstand – Fluch oder Segen

Maja Lunde legt mit 'Für immer' wiederum einen Roman vor, der neben seiner außerordentlich unterhaltenden Form sich thematisch herausfordernd gibt, weil man sich ständig in der Position des Fragenden befindet. Was wäre, wenn – ja, wenn es plötzlich zum Stillstand jeglicher Entwicklungsmöglichkeiten für die Menschheit auf unserem Planeten Erde kommt. Ist es Fluch oder Segen, der uns zu Individuen machen würde, die keinen Wissensfortschritt mehr generieren könnten, die ein immerwährendes Morgen geschenkt bekämen, ohne ein absehbares Ende, deren tödliche Krankheiten keine lebensbedrohlichen Zustände mehr erreichen, wo nicht mehr geboren und gestorben werden kann. Was für ein Dasein erwartet den Menschen in einer derartigen Situation, welche Fragen stellt er sich unweigerlich und vor allem wie wird die plötzliche Konfrontation mit diesem Existenzmodell mental verarbeitet, verkraftet?
Das sind sehr spannende Fragenstellungen, die die preisgekrönte Schriftstellerin und Drehbuchautorin hier zur Diskussion stellt, Denkanstöße auch für ähnliche geartete Szenarien gibt, indem sie ihre Protagonisten mögliche Wege beschreiten lässt, die immer menschlich erscheinen, doch stets im vorgelegten Konzept einen bitteren Beigeschmack haben. Denn des einen Glück ist des anderen Leid, was natürlich zu unbequemen Fragen führt bezüglich des gewohnten Daseinsbildes im Vergleich zur neuen, aktuellen Gegebenheit des Stillstandes. Sehr schnell werden Antworten von den verantwortlichen Politikern eingefordert.
Ein Buch, dass in seiner Komplexität einen gewaltigen Nachhall verursacht, bei dem es Spaß macht, in das Gedankenkarussell einzusteigen und eigene Maßstäbe für akzeptable Lebensformen zu entwickeln.
Ich gebe sehr gern meine Leseempfehlung.

Bewertung vom 07.01.2025
Decker, Anika

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben


ausgezeichnet

Ein Blick auf unsere Gesellschaft

Anika Decker lässt in ihrem Roman 'Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben' ein Spiegelbild unserer modernen Gesellschaft entstehen, welches sich mit sehr aktuellen Themen wie Lebenspartnerschaft mit großem Altersunterschied, patriarchale Statussymbole, Machtspiele großer Konzerne, Sucht nach oberflächlicher Medienpräsenz aber auch mit Lebensfreude und tiefgründigen Überlegungen zu Wertvorstellungen, Lebensinhalten, respektvollem menschenwürdigen Verhalten scharfzüngig, urkomisch und gleichzeitig lebensnah auseinandersetzt. Ein wenig Familienzwist ist auch noch dabei. Mit einem geschulten Blick hinter die Kulissen des Alltags werden Schwächen zu Stärken und umgekehrt. Es gibt kein perfekt, eher die Suche nach dem ganz persönlichen Glück, das nicht immer die gesellschaftliche Anerkennung genießt und dennoch einfach nach Normalität verlangt. Denn was gibt es Schöneres als die Liebe?
Nina, geschieden, Mutter erwachsener Kinder stößt auf totale Ablehnung in ihrer Familie, als ihre neue Beziehung zu einem wesentlich jüngeren Mann bekannt wird. Doch ihr turbulenter Alltag wird von Existenzangst, Sorge um die Mutter und frauenfeindlichen Tabuthemen überschattet, denen sie sich stellt. Dabei bekommt sie Hilfe von ungeahnter Stelle.
Ich bin sehr tief eingetaucht in die Geschichte, die einen gewissen Sogcharakter an Unterhaltung nicht leugnen kann. Meine Leseempfehlung gebe daher ich sehr gern.

Bewertung vom 06.01.2025

Die Deutschen. Wer wir sind. Wer wir sein wollen.


sehr gut

Wissenswertes zum Nachdenken

Im Oktober des Jahres 2024 veröffentlicht der Murmann Verlag bereits zum fünften Mal unter der Reihe 'Berichte zur Lage der Nation' den Band 'Die Deutschen: Wer sind wir. Wer wir sein wollen. Thomas Mirow ist Herausgeber und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Nationalstiftung, die 1993 u. a. von Helmut Schmidt gegründet wurde. Er stimmt uns ein auf Themen wie Zuwanderungspolitik, Konflikte, globale und nationale Krisen aber auch darauf, welchen Einfluss die deutsche Wiedervereinigung auf unsere Gesellschaft ausgeübt hat. Weitere Autorinnen und Autoren äußern sich zu den Werten der Deutschen, zur Rolle des Fußballsports, der die Nation eint. Außerdem geht es um Vertrauenskrisen aber auch unsere Verfassung wird genauer unter die Lupe genommen.
Das Sachbuch möchte positive Ausblicke trotz vieler aktueller Herausforderungen vermitteln. Es gibt Denkanstöße für eigene konstruktive Gedanken.

Bewertung vom 06.01.2025
Lackner, Herbert;Zielinski, Christoph

Dem Krebs auf der Spur


ausgezeichnet

Erfolge der langjährigen Krebsforschung

Das Sachbuch 'Dem Krebs auf der Spur – Die Erfolgsgeschichte der Krebsforschung' von Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski und Dr. Herbert Lackner führt den Leser zunächst zurück in ferne Zeiten vor über eineinhalb Millionen Jahre als bereits Krebserkrankungen aufgetreten sind. Die ersten uns bekannten Mediziner beschäftigten sich mit den rätselhaften Wucherungen, die auf der Hautoberfläche sichtbar waren. Viele Jahrhunderte gibt es nun schon die intensive Auseinandersetzung mit dieser heimtückischen Krankheit. Viele Erfolge konnte die Medizin bereits feiern, die gut verständlich beschrieben werden. Schließlich bekommen wir einen vielversprechenden Ausblick auf immer mehr Heilungsmöglichkeiten in den kommenden Jahren.
Informativ und sehr lehrreich präsentiert sich das Buch. Die Autoren bringen schwere Sachverhalte leicht verständlich in eine Form, die Begeisterung beim Lesen erweckt.

Bewertung vom 06.01.2025
Maiwald, Stefan

Die Porzellanmanufaktur - Zerbrechliche Träume (eBook, ePUB)


sehr gut

Das Porzellanerbe

Der dritte und abschließende Teil des Historischen Romans 'Die Porzellanmanufaktur – Zerbrechliche Träume' von Stefan Maiwald lässt uns Leser eintauchen in die sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Wir erleben eine spannende Zeit einer Familie, die traditionell mit der Herstellung von feinem, filigran ausgearbeiteten Porzellan in Selb beschäftigt ist und so mancher Intrige standhalten muss. Als die Mutter Marie ernsthaft erkrankt, muss sich Jana Gedanken darüber machen, ob sie ihr Jurastudium in München weiter fortführt oder ob sie wieder gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Sophie in das Familienunternehmen einsteigt. Keine leichte Entscheidung nach den voran gegangen sehr angespannten Zeiten in ihrer Heimatstadt.
Der Autor schafft es, längst vergangene Zeiten wieder aufleben zu lassen, ihnen Glanz zu verleihen, aber auch den alltäglichen Realismus des Deutschen Zeitgeschehens jener Tage einzufangen. Er zeigt starke Frauen, die sich durchzusetzen wissen gegen die Widrigkeiten so mancher Neider. Die meist kurz gehaltenen Kapitel sind in einem gut lesbaren Schreibstil verfasst und vermitteln einen besonderen Lesegenuss.

Bewertung vom 03.01.2025
Othmann, Ronya

Vierundsiebzig (eBook, ePUB)


sehr gut

Dokumentation des Genozids an Jesiden

Ronya Othmann liefert in 'Vierundsiebzig' eine ausführliche Dokumentation über den Völkermord der Jesiden. Der Buchtitel macht darauf aufmerksam, dass im August 2014 wieder Menschen der Glaubensgemeinschaft getötet, vertrieben, gefangen genommen, gefoltert wurden – zum vierundsiebzigsten Mal ist das eine historisch belegbare Tatsache. In jenen Tagen ermordeten die Gotteskrieges des Islamischen Staates in der Region Shingal im Iran Menschen, die sich nicht zum Islam bekehren lassen wollten. Die Autorin berichtet über ihre Reisen in den Iran und in die Türkei, über das Elend, welches sie in Flüchtlingscamps gesehen hat. Sie zeigt auf den Genozid der Armenier, das Massenmorden von Saddam Hussein veranlasst, aber auch auf die Folterungen in türkischen Gefängnissen.
Sie möchte eine Sprache für das Unrecht finden, dass so vielen unschuldigen Menschen angetan wurde und noch wird, weil ihr Glaube nicht passend ist.

Bewertung vom 02.01.2025
Suffrin, Dana von

Nochmal von vorne (eBook, ePUB)


sehr gut

Familienverhältnisse

Rosa erzählt in 'Nochmal von vorne', dem Roman von Dana von Suffrin, die komplizierte Geschichte ihrer deutsch-jüdischen Familie, die mit dem Tod ihres Vaters ihren Anfang findet. Die Protagonistin lässt ihre Gedanken von der Jetztzeit bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, in die Zeit ihrer Jugend und Kindheit schweifen. Einen Zusammenhalt in der vierköpfigen Familie scheint es nicht gegeben zu haben. Jeder trachtete auf seine Weise danach, dem Verbund zu entfliehen, Vater, Mutter, Rosa und auch ihre ältere Schwester Nadja. Hier spielen vor allem Themen wie stetige Streitigkeiten und Unzufriedenheit eine wichtige Rolle. Auch intellektuelle Unzufriedenheit im Berufsleben führte zu Verdruss, zu extremen Zerwürfnissen zwischen den Eltern. Der Kontakt zwischen den Schwestern ist abgebrochen und so kümmert sich Rosa allein um den Nachlass des Vaters in Rumänien.
Der Buchtitel suggeriert einen Neubeginn zur Korrektur begangener Fehlhandlungen. Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern eher um das Verstehen, um das Heilen gekränkter Gefühle und einer Versöhnung mit den Geschehnissen.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.01.2025
Lind, Jessica

Kleine Monster (eBook, ePUB)


sehr gut

Gefühlschaos

Jessica Lind setzt sich in ihrem Roman 'Kleine Monster' mit dem Thema der Unschuld von Kindern intensiv auseinander. Im Mittelpunkt ihrer Geschichte steht Pia, die Mutter vom Luca. Ein Vorfall in der Schule Luca betreffend macht das Elternpaar zu Außenseitern, in dem man sie aus der WhatsApp-Gruppe ausschließt, wo seither das Vorkommnis diskutiert und ausgewertet wird. Pias Gedanken schweifen daraufhin weit zurück in ihre Kindheit, die von einem tragischen Unfall ihrer Schwester mit tödlichem Ausgang überschattet ist. Ihre Adoptivschwester, die sich am Unfallort befand, hatte noch versucht eine Rettung einzuleiten, erfolglos. Die Eltern reagierten mit Verboten und übertriebener Strenge. Nun blickt Pia nach dem Vorfall mit ihrem Sohn auf ihre eigene Kindheit zurück, versucht das Trauma zu analysieren.
Die Geschichte präsentiert sich ausschließlich aus Pias Sicht, setzt sich mit der Frage nach einer gerechten Behandlung und Beurteilung zwischen Generationen auseinander. Die Autorin zeigt wie nah ambivalente Gefühle auch innerhalb einer Familie beieinander liegen.

Bewertung vom 02.01.2025
Maether, Bernd;Pietzner, Ronny

Das preußische Kochbuch


ausgezeichnet

Verführerische Preußische Esskultur

Der Historiker Bernd Maether und der Spitzenkoch Ronny Pietzner entführen uns mit ihrem Buch 'DAS PREUSSISCHE KOCHBUCH – Köstlichkeiten und Geschichten aus der königlichen Küche', erschienen im BeBra Verlag, in die Anfänge und weiteren Verläufe der höfischen Tafelkultur Preußens. Wir erfahren welche geschmacklichen Vorlieben die Herrscher besaßen und wie sie diese zu zelebrieren wussten, wie sie aber auch ihre finanziellen Mittel für ihre ganz persönlichen und die staatlichen Belange verteilten. Wir werden eigeweiht in die Tagesabläufe und bekommen einen Überblick ihres historischen Schaffens.
Natürlich gibt es reichlich Rezeptvorschläge mit detaillierten Mengenangaben und Zubereitungsbeschreibungen. Eine vielfältige, farbliche zum Teil ganzseitige Bebilderung runden dieses wunderschöne Buch ab und geben ihm einen einzigartigen, verführerischen Glanz. Es ist sehr interessant, in längst vergangene Zeiten einzutauchen und dabei stellt sich ganz nebenbei die Lust darauf ein, die Preußische Küche für sich selbst zu entdecken. Ich empfehle dieses Buch sehr gern.

Bewertung vom 02.01.2025
Haass-Pennings, Marion

Die Wortlosen


sehr gut

Familientragödie

Sonja oder Moon, das ist ihr Name, den ihr etwas älterer Bruder Uli ihr verliehen hatte als sie eine Mutprobe bestand. Sie wateten Beide Hand in Hand nachts durch die tückische mit Stromschnellen durchzogene Isar. Ein gefährliches Unterfangen, welches Moon um ein Haar mit ihrem Leben bezahlte. Uli ertrank bei einem angeblichen Badeunfall fast am selben Ort kurze Zeit später. War es tatsächlich ein tragisches Unglück oder eine geplante, bewusste Tat? Innerhalb der Familie fand keine Aufarbeitung des Verlustes statt. Man zog aufs Land, ertränkte seinen Kummer im Alkohol oder in der Arbeit. Nur die kleine Nachbarstochter bot sich als Gesprächs- und Spielpartner für Moon an.
Mario Haass-Pennings greift in ihrem Roman 'Die Wortlosen' diese unhaltbare Situation auf und lässt Moon ihre Geschichte erzählen. Ihre Auseinandersetzung mit dem frühen Trauma zeigt die tiefen Wunden, die das Mädchen davongetragen hat und ihre Ohnmacht mit der Situation umzugehen. Dabei verschwimmen immer wieder Vergangenheit und Gegenwart zu einem unauflösbaren Konstrukt. Es wird nichts beschönigt. Doch es bietet sich jede Menge Freiraum für eigene Gedanken.