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Insgesamt 294 Bewertungen
Bewertung vom 17.04.2017
Herrmann, Helmut

Der Fluch von Rennes-le-Château


ausgezeichnet

Was geschah wirklich in Rennes-le-Chateau?

Helmut Hermann erzählt sehr unterhaltsam und informativ die Geschichte eines unfreiwilligen Zeitreisenden.

Der Urlauber Jacques Berger aus Nürnberg befindet sich mit seiner Frau auf einer Urlaubsreise in Südfrankreich und gerät plötzlich ins 19. Jahrhundert. Wie das genau geschah, bleibt für ihn ein Rätsel, ebenso die Frage nach einer möglichen Rückkehr in sein Jahrhundert. Bekleidet mit seinen Freizeitsachen und dem Autoschlüssel wird er von dem hilfsbereiten und gastfreundlichen Abbé Sauniére und seiner Haushälterin Marie aufgenommen. Für Jacques als Menschen des 20. Jahrhunderts ist der Alltag zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, doch dank der guten Küche von Marie und dem Einfühlungsvermögens seiner Gastgeber kann er sich recht schnell einleben.

Er ist historisch sehr interessiert und sieht die einmalige Gelegenheit mehr an Ort und Stelle über das Rätsel von Rennes-le-Chateau zu erfahren. In Abbé Sauniére findet er einen sympathischen und kompetenten Gesprächspartner. Dennoch bewahrt dieser ein Geheimnis über in der Kirche gefundenen Dokumente und Jaques versucht alles, um mehr darüber zu erfahren und das Geheimnis zu lüften. Dabei vermittelt Helmut Herrman sehr viele interessante Fakten, die in die Handlung geschickt integriert werden. Der Leser erfährt auch Einiges über die Geschichte der Region und verfolgt, wie Jaques sich allmählich in das 19. Jahrhundert einfügt und seine mangelhaften Kenntnisse zu den politischen Verhältnissen im deutschen Kaiserreich allmählich durch die Lektüre französischer Tageszeitungen verbessert.

Die Schilderung einer Eisenbahnfahrt damals nach Lyon bereitet Lesevergnügen pur und man freut sich auf den nächsten Teil der Erzählung, um zu erfahren, welche Angelegenheit Jacques und Abbé Sauniére dorthin führt.

Fazit:
Wer historisch interessiert ist und eine ungewöhnliche, unterhaltsam erzählte Geschichte über das Rätsel von Rennes-le-Chateau lesen möchte, dem ist das Buch zu empfehlen. Der Schreibstil ist flüssig und anschaulich, auch den Humor kommt nicht zu kurz. Es ist eine ungewöhnliche Art sich diesem Stoff anzunehmen, aber aus meiner Sicht durchaus gelungen. Die Erzählung zeichnet sich durch die ihr zugrunde liegende gründliche Recherche der Historie aus und vermittelt eine Vielzahl von interessanten Informationen. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung der Geschichte und bin gespannt, wem Jaques Berger noch begegnet und ob er wieder in sein Jahrhundert gelangt.

Bewertung vom 06.04.2017
Malfi, Ronald

THE ASCENT - DER AUFSTIEG (eBook, ePUB)


sehr gut

Versuch einer Vergangenheitsbewältigung

„The Ascent – Der Aufstieg“ von Robert Malfi, erschienen im Luzifer-Verlag, war für mich das erste Buch dieses Autors.

Hier wird die Geschichte des Bildhauers Tim erzählt, der nach dem Unfalltod seiner Frau Hannah in eine künstlerische und existenzielle Krise gerät. Er fühlt sich mit verantwortlich und versucht seine die Schuldgefühle mit viel Alkohol und der Flucht in extreme sportliche Aktivitäten zu betäuben, was ihm aber nicht gelingt. In dieser Situation taucht Andrew, ein Freund seiner Frau aus Collegezeiten, bei ihm auf. Beide verbindet das gemeinsame Erleben von grenzwertigen Aktionen. Andrew ist ein schwer reicher Exzentriker, der vom Geld aus dem Verkauf der geerbten Ölfirma lebt und ganz in Abenteuern und Extremsportarten aufgeht.
Er plant eine Expedition zur bisher noch nicht erforschten „Schlucht der Seelen“, einem mystischen und magischen Ort im Himalaya und lädt Tim dazu ein, indem er ihm ein Flugticket sendet. In einem fiktiven Nepal lernt er die anderen Teilnehmer kennen, von denen keiner über nennenswerte Erfahrungen im Hochgebirge verfügt. Aber jeder steht in einer speziellen Beziehung zu Andrew und wurde von ihm persönlich ausgewählt.

Robert Malfi erzählt hier nicht nur von Erlebnissen und Gefahren in der facettenreich dargestellten Bergwelt, sondern entwirft psychologische Studien über Tim, indem er reale Situationen im Gebirge mit Erinnerungen und Gedanken aus Tims Leben parallel beschreibt. So erfährt der Leser, warum Tim Schuldgefühle quälen und wie präsent Hannah noch immer für ihn ist. Manchmal sind die Grenzen zwischen realen Erlebnissen und Träumen nicht mehr sichtbar. Die Perspektiven wechseln, die Gruppe muss sich mit den Gefahren des Hochgebirges und immer rauheren klimatischen Bedingungen auseinandersetzen. Jeder Einzelne stößt an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Es gelingt dem Autor Spannung aufzubauen und verbunden mit rätselhaften Geschehnissen, fesselt er den Leser. Geht es wirklich nur die Erforschung der Schlucht oder hat die Expedition ein ganz anderes Ziel? Warum distanziert sich Andrew von den anderen? Sucht er tatsächlich nur nach einer neuen Erfahrung, indem er meditiert und sich abgrenzt? Viele Fragen bleiben bis zum Schluss offen.

Dem rasanten und packenden Finale, welches in sich stimmig ist, wird allerdings noch ein erklärendes Finale beigefügt, was zwar Einiges besser nachvollziehbar gestaltet, aber den Roman unnötig in die Länge zieht. Meiner Meinung nach hätten auch einige Kapitel kürzer und konzentrierter sein können.

Fazit:
Wer bei dem Titel und dem attraktiven Cover eine packende Story aus dem Bereich des Höhenbergsteigens und der Eroberung von Gipfeln erwartet, wird hier enttäuscht werden. Robert Malfi erzählt eine andere Geschichte, die sich im Innern der Menschen abspielt. Die Erlebnisse in den Bergen des Himalaya sind hier nur Kulisse der Handlung, um die inneren Konflikte zu illustrieren und zu verdeutlichen. Wer aber mehr über Menschen und ihre Gefühle in Extremsituationen erfahren möchte, für den ist dieses Buch genau richtig, denn Robert Malfi blickt tief in das Innere seiner Protagonisten und bringt Erstaunliches ans Licht.

Bewertung vom 25.03.2017
Gesing, Daniela

Venezianisches Verhängnis / Luca Brassoni Bd.4 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Eine rätselhafte Verbindung zwischen Luca Brassoni und dem Täter

„Venezianisches Verhängnis“ ist bereits der vierte Fall für Luca Brassoni. Wenn man die anderen Krimis aus dieser Reihe kennt, freut man sich bekannte Personen wie seinen Kollegen Maurizio Goldini und seinen Cousin Stefan Mayer sowie die anderen Mitarbeiter der Questura wieder zu treffen. Aber Vorkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich, denn Daniela Gesing beschreibt alle Personen sehr anschaulich und stellt Zusammenhänge zu früheren Ereignissen kurz dar.

Schon der düstere Prolog vermittelt Spannung. Durch die in das Buch immer wieder eingestreuten Gedanken des Täters wird ein Zusammenhang vermittelt, der den Leser den Fall auf verschiedenen Ebenen betrachten lässt.

Ein Toter ohne Papiere wird aus einem Kanal geborgen. Alles deutet auf einen Mord und Luca Brassoni hat einen neuen Fall. Er weiß auf ihn wartet viel Arbeit und ausgerechnet jetzt, wo seine Frau Carla und er sich auf die Geburt des gemeinsamen Kindes vorbereiten, werden die Ermittlungen seine ganze Kraft beanspruchen.

Der Tote war Inhaber einer kleinen, aber feinen Privatbank. Während sich die Untersuchungen auf sein Umfeld konzentrieren, wird ein weiterer Mitarbeiter der Bank tot aufgefunden. Gleichzeitig sind sehr viele Einbrüche bei wohlhabenden Venezianern zu verzeichnen, die mehrheitlich Kunden dieser Bank waren. Ist es Zufall oder steckt mehr dahinter?

Aber auch Luca und seine Frau geraten in das Visier des Täters, der mit ihm noch eine Rechnung offen hat.
Daniela Gesing erzählt flüssig und sprachlich gewandt verschiedene parallel verlaufende Geschichten, die sie geschickt miteinander verknüpft. Dabei gelingt es ihr venezianisches Flair zu vermitteln, wenn ihre Protagonisten in Venedig unterwegs sind. Nebenbei vermittelt sie Wissenswertes zur Kulturgeschichte. Ihre präzisen Beschreibungen wecken die Sehnsucht nach der Lagunenstadt.

Die Lösung des Falls ist stimmig. Ein spannendes und überraschendes Finale, welches bei der Suche nach dem Motiv des Täters auch tief in die Vergangenheit von Luca Brassoni führt.

Fazit:
Für alle, die Ermittlungen eines sympathischen Polizisten mit Privatleben und einer Vorliebe für italienisches Essen mögen und ihn gern durch das schöne Venedig begleiten möchten, ist dieses Buch kurzweilig geschriebene Buch eine Leseempfehlung. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall mit ihm, seinem umtriebigen Cousin Caruso und seinem Kollegen Maurizio, ohne die es keine erfolgreichen Ermittlungen gibt.

Bewertung vom 28.02.2017
Skalecki, Liliane;Rist, Biggi

Ausgerottet


ausgezeichnet

Illegaler Tierschmuggel am Bodensee

„Ausgerottet“ ist der 5. Krimi des Autorenduos Lilian Skalecki und Biggi Rist. Erschienen ist das Buch im Gmeiner Verlag.
„Mit unserem neuen Buch „Ausgerottet“ wollen wir die Aufmerksamkeit auf das Thema Artenschutz lenken und suchten dafür ein besonderes Tier aus: das Schuppentier, auch Pangolin oder Tannenzapfentier genannt “ erfährt der Leser auf der Homepage der Autorinnen.

Was verbindet einen chinesischen Arzt, eine auf der Insel Mainau tätige Gärtnerin, Mitarbeiter einer Behörde für Naturschutz, einen Zoohändler und zwei Mitarbeiter einer Export-Import-Firma miteinander?
Es ist Paul, das Pangolin, der nicht mehr in seiner Heimat Südostasien leben darf, weil er entführt wurde. Malie, die Gärtnerin, entdeckt es im Schmetterlingshaus auf der Mainau. Sie beschließt es zunächst mit nach Hause zu nehmen und in Kürze bei ihrer Schwester, die als Tierärztin im Leipziger Zoo tätig ist, abzugeben. Während sie noch recherchiert was Pangoline gern fressen, gerät sie schon ins Visier des ehemaligen „Besitzers“ von Paul, der ihn unbedingt zurück haben möchte. Für ihn ist er eine Menge Geld wert. Die Spuren zu Pauls Herkunft führen Malie allerdings in eine Umgebung, wo sie am wenigsten erwartet hätte etwas darüber zu erfahren.

Das Thema illegaler Handel mit geschützten Tieren und Heilmitteln tierischen Ursprungs wird in dieser spannenden Geschichte interessant und lehrreich dargestellt. Malie findet in der Umweltaktivistin Lioba eine Verbündete. Doch die Personen, die die Gewinne aus dem Handel mit geschützten Arten ziehen, versuchen die beiden Frauen zu stoppen. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht.

Die Autorinnen erzählen eine äußerst spannende und dramatische Geschichte mit sehr sympathischen Protagonistinnen. Um alles farbig zu gestalten erfahren wir auch so Einiges über Malies Familie und lernen Liobas Arbeitsplatz kennen. Dem Leser wird nicht die Umgebung des Bodensees und Malie Heimatstadt Bremen gezeigt, sondern auch die exotische Atmosphäre Vietnams vermittelt.

Dem Autorinnenduo gelingt es verschiedene Handlungsstränge separat zu entwickeln, um sie geschickt miteinander zu verknüpfen. In der friedlichen und schönen Umgebung des Bodensees passiert so Einiges, was dem Leser den Atem stocken lässt. Man ist man direkt in die Geschehnisse einbezogen. Das ist auch dem flüssigen Schreibstil zu verdanken, der wie aus einem Guss ist. Das Personenverzeichnis am Anfang ist sehr hilfreich. Die Charaktere sind sehr gut und anschaulich beschrieben und Ähnlichkeiten mit Zeitgenossen rein zufällig. Beide Autorinnen verfügen über eine Portion Humor, die den handelnden Personen gut steht. Ihnen gelingt es von Kapitel zu Kapitel Spannung aufzubauen und verschiedene lokale Gegebenheiten anschaulich zu schildern und mit einem rasanten und überraschenden Finale zu enden.
Auch das Pangolin hält für alle noch eine Überraschung bereit.

Fazit:
Aus meiner Sicht eine klare Leseempfehlung für alle, die einen Umweltkrimi mit einer gut durchdachten Handlung und einer spannenden Suche nach Tätern mögen. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall für Malie und Lioba, da dieses Buch als Auftakt für das so unterschiedliche Duo angekündigt ist.