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Magda
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Köln

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Insgesamt 298 Bewertungen
Bewertung vom 11.06.2023
Stern, Anne

Dunkel der Himmel, goldhell die Melodie / Die Dresden Reihe Bd.1


ausgezeichnet

Dresden, im April 1841: Während Hunger und Armut die Stadt beherrschen, wird das von Gottfried Semper neu erbaute Königliche Hoftheater feierlich eröffnet.
Für Familie Spielmann bildet die Musik den Mittelpunkt der Welt. Der Vater, Justizrat Georg Spielmann, ist Violinist und träumt davon, Konzertmeister der Königlichen Hofkapelle zu werden. Seine älteste Tochter Elise liebt das Geigenspiel ebenso wie er. Allerdings ist für sie ein Leben als Ehefrau des Hofkompositeurs Adam Jacobi vorgesehen. Dieses Leben lässt sich nicht mit einer Karriere als Violinistin vereinbaren.
Ein Großteil der Handlung spielt im und um das Hoftheater, vor und hinter den Kulissen des berühmten Opernhauses. Wir lernen die Mitwirkenden kennen: die Primaballerina, die Darsteller, die Garderobiere und ihren Mann, den Damenschneider, den Repetitor und Ballettmeister, den Kapellmeister, den Theaterdiener, den Bühnenfriseur, den Theaterwachtmeister, die Logenschließer, die Heizer, die Requisitenbeauftragte und die Garderobenfräuleins.
Elise verliebt sich in den Bühnenmaler Christian, mit schlechtem Gewissen fiebert sie heimlichen Treffen mit dem jungen Malergehilfen entgegen. Durch Zufall erfährt sie, dass ihr zukünftiger Ehemann ein dunkles Geheimnis hütet, das Wissen darum weiß sie geschickt für sich zu nutzen.
Die Autorin hat den damaligen Zeitgeist authentisch eingefangen und ihre Leser:Innen nach Dresden ins 19. Jahrhundert versetzt. Der bildhafte Schreibstil hat mich mitgerissen und gefesselt. Der Roman lebt von Emotionen, gewährt aber dank gründlicher Recherche der Autorin auch einen tiefen Einblick in die politische und wirtschaftliche Situation Sachsens in der damaligen Zeit.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und bin gespannt, wie es mit Elise, Adam, Christian, Ernestine und dem Waisenkind Netti weitergeht. Ich hoffe, dass auch Elises Schwestern und ihr Bruder in der Fortsetzung wieder eine Rolle spielen werden.
Den Roman empfehle ich allen, die die Musik in allen ihren Variationen lieben, den Leser:Innen von historischen Romanen, aber auch denjenigen, die sich mit Dresden verbunden fühlen, da die Stadt mit ihren berühmten Sehenswürdigkeiten (die Hofkirche, die Frauenkirche, der Altmarkt, der Striezelmarkt) viel Raum einnimmt.

Bewertung vom 06.06.2023
Schulte, Andreas J.

Hildegard von Bingen und das Siegel des Königs


ausgezeichnet

1151: Die junge Elisabeth von Greich entscheidet sich für ein Leben im Kloster Rupertsberg, die Alternative wäre eine Ehe mit dem triebhaften und gewaltbereiten Sohn eines Grafen. Im Kloster wird sie sehr herzlich von der Äbtissin Mater Hildegard und ihren Mitschwestern aufgenommen. Hildegard erkennt bald, dass Elisabeth intelligent und sehr gebildet ist und bittet sie, ihr beim Schreiben ihres Buches über Kräuterkunde und die Heilung von Krankheiten zu helfen.
Eines Tages kommen Gesandte des Erzbischofs von Trier mit einem Auftrag ins Kloster. Hildegard soll bei Verhandlungen über die Nachfolge des Königs ihren Einfluss geltend machen. Zwei Parteien treffen aufeinander, die eine will Herzog Friedrich von Schwaben auf dem Thron sehen, die andere den noch unmündigen Sohn König Konrads III. Die Verhandlungen finden im Kloster Disibodenberg statt, in dem Hildegard viele Jahre gelebt hatte.
Elisabeth und zwei andere Schwestern begleiten Hildegard auf der zweitägigen Reise zu Pferd und mit einem Fuhrwerk, die Nonnen werden von fünf Rittern eskortiert, die sie vor Wegelagerern beschützen sollen. Bereits kurz nach Ankunft der Nonnen und der ersten Gäste geschieht ein Mord, dem weitere folgen. Hildegard wird beschuldigt, die Taten begangen zu haben. Elisabeth und die anderen beiden Nonnen stellen Nachforschungen an, um den wahren Täter zu finden und Hildegard zu entlasten.
Die Schilderung des Klosterlebens und der ereignisreichen Reise im frühen Mittelalter ist sehr authentisch, die Ermittlungen im Mordfall spannend und fesselnd. Sehr gut hat mir das Setting gefallen, die mittelalterliche, verwinkelte und unübersichtliche Klosteranlage.
Der Autor hat es verstanden, historische Details mit einer spannenden, fiktiven Krimihandlung zu verknüpfen. Der mittelalterliche Kriminalroman ist sehr unterhaltsam geschrieben, die ProtagonistInnen, sowohl die historischen Persönlichkeiten als auch die fiktiven Figuren, wurden authentisch und nahbar dargestellt. Ich empfehle den Roman sowohl Leser:Innen von historischen Romanen als auch Krimileser:Innen.

Bewertung vom 01.06.2023
Lane, Soraya

Die verlorene Tochter / Die verlorenen Töchter Bd.1


gut

Das Cover und der Klappentext haben mich direkt angesprochen, da ich Italien und historische Romane liebe.
Es handelt sich um den ersten Band einer neuen Reihe um verlorene Töchter.
In einem Frauenhaus in London werden acht Schachteln entdeckt, die an die Erben von acht verschiedenen Frauen adressiert sind. Eine der Erbinnen ist Lilly, eine junge Kellermeisterin. Lilly ist über den Inhalt der mit dem Namen ihrer Großmutter beschrifteten Schachtel sehr verwundert, darin befindet sich der vergilbte Ausschnitt eines Programms der Mailänder Scala und ein Rezept in italienischer Sprache.
Da Lillys nächster Job als Kellermeisterin sie nach Italien auf das Weingut der Familie Rossi führt, beschließt sie, vor Ort herauszufinden, welche Verbindung ihre Großmutter zur Mailänder Scala hatte.
Der zweite Handlungsstrang spielt in den 1940er Jahren. Estée, eine junge Balletttänzerin, lernt mit 13 Jahren Felix kennen. Felix ist der reiche Erbe einer traditionsreichen Bäckerei in Alba im Piemont. Seine Familie wünscht sich, dass Felix Emilie heiratet. Felix muss sich entscheiden – für Estée oder für seine Familie.
Leider hat mich der Roman nicht sehr begeistern können. Die Geschichte von Estée und Felix war ziemlich unrealistisch und konstruiert. Acht Jahre, 1938-1946, wurden komplett übersprungen, die Ereignisse und Verluste in der Kriegszeit werden nur am Rande erwähnt.
Über Lillys Arbeit als Kellermeisterin erfährt man sehr wenig, die Autorin konzentriert sich auf Beschreibungen der Landschaft und die Gefühle der Protagonist:Innen. Die Liebesbeziehung zwischen Lilly und Antonio, dem Sohn der Winzerfamilie, ist vorhersehbar.
Die Geschichten von Lilly und ihrer Urgroßmutter Estée hätten mehr Potenzial gehabt, das nicht voll ausgeschöpft wurde, es ist ein Liebesroman wie viele andere geworden, empfehlenswert für Leserinnen von Liebesromanen.

Bewertung vom 26.05.2023
Littlewood, Fran

Die unglaubliche Grace Adams


ausgezeichnet

Sowohl das bunte Cover als auch der Klappentext haben mich direkt angesprochen. Die orange/gelb/roten Farben und mittendrin Grace, in einer Hand eine Torte, in der anderen ein Golfschläger passen sehr gut zum Inhalt des Romans.
Grace, 45 Jahre alt, steht im Stau auf dem Weg zum Konditor, um die Torte zum 16. Geburtstag ihrer Tochter Lotte abzuholen. Ein Geburtstag, zu dem sie nicht eingeladen ist. Im Auto versinkt sie in Erinnerungen, in Rückblenden erzählt die Autorin, wie es zu dem Zerwürfnis zwischen Tochter und Mutter und zwischen Grace und ihrem Mann Ben gekommen ist. Nach und nach wird ersichtlich, welche tragischen Ereignisse dazu geführt haben, dass Grace am Abgrund ihres Lebens steht, und vor lauter Verzweiflung nur noch um sich schlagen will.
Von der Hitze im Stau genervt, lässt Grace ihr Auto mitten auf der Straße stehen und läuft zu Fuß durch halb London, um ihrer Tochter die Geburtstagstorte zu bringen. Sie denkt an den Tag, an dem sie ihren Mann kennengelernt hatte, an schöne gemeinsame Erlebnisse, an Lottes Kindheit und an den Schicksalsschlag, der die Familie aus der Bahn geworfen hatte.
Wieder ein wunderbarer Frauenroman aus dem Vereinigten Königreich, der mich mitgerissen und gefesselt hatte. Ich konnte Graces Handlungen gut nachvollziehen und mich in sie hineinversetzen. Fran Littlewood hat einen authentischen und emotionalen Schreibstil, ich konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen.
Diesen tiefgründigen Roman mit einer Prise Romantik und einer großen Portion Tragik empfehle ich allen Leserinnen von Helen Fielding, Sophie Kinsella und Mhairi McFarlane. Ich kann es kaum erwarten, weitere Romane von Fran Littlewood zu lesen!

Bewertung vom 18.05.2023
Weinberg, Juliana

Die Kinder der Luftbrücke


ausgezeichnet

Westberlin 1948: Drei Jahre nach Kriegsende sind Elend, Armut und Hunger allgegenwärtig. Noras Mann Joachim gilt seit Jahren als vermisst, sie lebt mit ihren Kindern Veronika und Jörg, ihrer Mutter und ihrer Schwester Hanna in einer kleinen Wohnung in der Nähe des Flughafens Tempelhof.
Am Flughafen ergattert sie eine Stelle als Übersetzerin/Sekretärin. Eines Tages stellen die Sowjets die Stromzufuhr nach Westberlin ab und blockieren alle Transportwege. Über eine Luftbrücke werden die Westberliner mit Lebensmitteln, Kohle, Medikamenten etc. versorgt. Täglich fliegen Hunderte von vollbeladenen Flugzeugen zwischen Wiesbaden und Berlin, die bald als „Rosinenbomber“ bezeichnet werden, da die Piloten kleine Päckchen, in Stofftaschentücher gewickelt und mit Rosinen und Süßigkeiten befüllt, für die Berliner Kinder abwerfen.
Nora verliebt sich in Matthew, einen der Piloten der Luftbrücke. Die aufkeimende Beziehung wird von ihrem schlechten Gewissen überschattet, da sie nicht weiß, ob Joachim nicht doch noch aus dem Krieg heimkehrt. Hinzu kommt, dass ihre 9jährige Tochter den neuen Mann in Noras Leben ablehnt.
Die Autorin beschreibt die Atmosphäre im Großraumbüro, das Konkurrenzdenken und die Streitigkeiten zwischen den Kolleginnen, die alleinstehend und auf Partnersuche sind. Die jungen Frauen sehnen sich nach einem besseren Leben mit einem Partner, die Auswahl an gutaussehenden Amerikanern ist groß, viele sind allerdings bereits vergeben.
Sehr berührt hat mich auch die Geschichte von Noras Schwester Hanna. Sie ist Krankenschwester, ihr Verlobter ist Schreiner. Nachdem die Sowjets Westberlin eingekesselt haben, verliert er seinen Arbeitsplatz, da es kein Holz mehr gibt.
Der Schreibstil der Autorin ist fesselnd und emotional. Ich konnte mich sehr gut in Nora hineinversetzen und nachvollziehen, wie schwer es für sie war, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es war sehr interessant, so viel über die berühmte Luftbrücke zu erfahren, die sich dieses Jahr zum 75. Mal jährt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung für alle Leser:Innen von historischen und Liebesromanen.

Bewertung vom 07.05.2023
Benedikt, Caren

Im Glanz der Macht / Club Paradies Bd.1


ausgezeichnet

Berlin, 1976 - Hanns Borchardt hatte sich aus kleinen Verhältnissen zum steinreichen Immobilienmogul hochgearbeitet. Für seine Frau Maria und die beiden erwachsenen Kinder hatte er sich nie Zeit genommen, Maria benutzt er für Repräsentationszwecke, Hanna und Holger gehen ihre eigenen Wege und distanzieren sich immer mehr vom Vater.
Neben Familie Borchardt steht Lea Stern im Mittelpunkt des Romans. Sie besitzt den Club Paradies am Ku’damm. Hanns Borchardts größter Wunsch ist, das Club-Grundstück für sein neues gigantisches Bauvorhaben zu kaufen. Um an das Grundstück zu kommen, ist ihm jedes Mittel recht, ob legal oder illegal.
Die Kapitel stellen jeweils abwechselnd die Perspektiven von Hanns, Maria, Hanna, Holger und Lea dar. Lea und Hanns sind zwei Gegensätze, auch wenn beide zielstrebig, erfolgreich und wohlhabend sind. Hanns ist ein gefühlskalter, unsympathischer Geschäftsmann, Lea, zwar auch durch und durch Geschäftsfrau, ist herzlich und empathisch. Ihr große Liebe ist in Israel zurückgeblieben ist.
Eine andere Protagonistin, die ich ins Herz geschlossen habe, ist Maria Borchardt. Sie hat eine enge Beziehung zu ihren Kindern, vor allem zu ihrer Tochter. Ihre Rolle als schmückendes Beiwerk des Ehemannes war sicherlich typisch für die damalige Zeit.

Hanna und Holger gehen ihre ersten Beziehungen ein und erleben all das, was die 1970er ausgemacht hatte: Studentenunruhen, das Wirken der Terrororganisation RAF, die sexuelle Revolution mit dem Aufkommen des „Schulmädchen-Report“ und der Pornofilmszene.
Caren Benedikt stellt authentisch und bildhaft das Leben einer westdeutschen Industriellenfamilie in den 1970er Jahren dar. Eine fesselnde und unterhaltsame Lektüre, die mit einem Cliffhanger endet. Ich kann es kaum erwarten, die Geschicke der Borchardts weiterzuverfolgen und freue mich schon sehr auf die Fortsetzung, die im Herbst erscheint!

Bewertung vom 04.05.2023
Cook, Elle

The Man I Never Met - Kann man lieben, ohne sich zu kennen? (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Es war ein Coverkauf, außerdem wollte ich auch mal ein Buch mit Farbschnitt haben, und dann auch noch in meiner Lieblingsfarbe grün. Ich habe eine Liebesgeschichte für zwischendurch erwartet, doch weit gefehlt! Ich wurde angenehm überrascht.
Vorweihnachtszeit in London: Hannah, 28, hat kein Glück mit Männern, ihre Freizeit verbringt sie mit ihrer Freundin Miranda und deren Freund Paul, trinkt am Wochenende Kaffee mit ihrer Nachbarin Joan, ansonsten trainiert sie mehr aus Pflichtgefühl als mit Begeisterung im Fitnessstudio.
Eines Tages wird sie von einer unbekannten Nummer mit amerikanischer Vorwahl angerufen. Davey hat sich verwählt, eigentlich wollte er seinen zukünftigen Arbeitgeber in London anrufen. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch, aus WhatsApp-Nachrichten werden Anrufe, die schließlich in stundenlangen Videocalls resultieren. Als Davey seinen neuen Job in London antreten will, macht Hannah sich auf zum Flughafen, um ihn abholen. Doch sie wartet vergebens.
Das Schicksal meint es nicht gut mit dem frisch verliebten Paar und schlägt erbarmungslos zu, Davey kommt nicht nach London.
Die Geschichte wird hauptsächlich aus Hannahs Sicht erzählt, zwischendurch gibt es einige kurze Kapitel aus Daveys Perspektive.
Hannahs Verzweiflung und der Wunsch nach Ablenkung bringen sie mit ihrem Fitnesstrainer zusammen. Schnell stellt sich heraus, dass die beiden bis auf das Körperliche nichts verbindet.
Hannahs Beziehung mit George wurde für meinen Geschmack etwas zu ausführlich beschrieben, so dass die Geschichte etwas langatmig wurde, das Ende jedoch war wunderschön, romantisch und märchenhaft. Für einige vielleicht etwas zu kitschig und zu weit hergeholt, aber mir hat es sehr gut gefallen. Hannah war mir sehr sympathisch, genauso wie ihre Nachbarin Joan und ihre Freundin Miranda. Daveys Handlungen konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen. Im Nachwort erklärt die Autorin, dass der Roman auf ihren eigenen Erlebnissen basiert, dadurch gewinnt er für mich noch an Authentizität. Von mir eine Leseempfehlung für alle, die gerne eine tiefgründige Liebesgeschichte mit einer guten Prise Drama und Tragik lesen wollen.

Bewertung vom 28.04.2023
Ehrenhauser, Martin

Der Liebende


ausgezeichnet

„Der Liebende“ – Eine zauberhafte Liebesgeschichte mit einem wunderschönen Cover in hochwertiger Aufmachung
Monsieur Haslinger ist pensionierter katholischer Pfarrer, der seit vielen Jahren in Brüssel lebt. Er kümmert sich um deutschsprachige Gemeindemitglieder, die er vor allem dann aufsucht, wenn sie im Krankenhaus liegen.
Er lebt alleine in einer kleinen Dachgeschoßwohnung über den Dächern von Brüssel. Eines Tages lernt er Madame Janssen kennen, die er bereits vom Sehen kennt, da er vom Fenster aus auf ihre Dachterrasse schauen kann.
Madame Janssen hat für das belgische Außenministerium gearbeitet, als Botschafterin hat sie in vielen Ländern gelebt, sie ist gebildet und weltgewandt.
Langsam kommen sich die beiden näher. Sie ist in der Liebe sehr erfahren, er hat sein Leben lang zölibatär gelebt. Die beiden verlieben sich ineinander und fahren in Madame Janssens Ferienhaus in Knokke an der belgischen Küste, wo sie einander näherkommen.
Eine warmherzige Geschichte mit sympathischen Figuren, pittoresken Beschreibungen von Orten und Straßen in Brüssel und an der Nordsee, vollkommen frei von Kitsch und Blasphemie.
Ein leiser Wohlfühlroman mit einem melancholischen Unterton, zauberhaft, poetisch, berührend, einfach nur schön. Auch wenn die Geschichte ein bisschen traurig ist, so vermittelt sie doch Wohlgefühl und Zuversicht. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 25.04.2023
Clarke, Lucy

One of the Girls


ausgezeichnet

Anlässlich der Hochzeit von Lexi und Ed organisiert Lexis beste Freundin Bella einen Junggesellinnen-Abschied („Hen-Party“) in einer hoch über dem Meer gelegenen Villa auf einer kleinen griechischen Insel.
Die kurzen Kapitel sind jeweils abwechselnd aus der Sicht einer der sechs Frauen geschrieben, so dass ich mich immer in die jeweilige Frau hineinversetzen konnte.
Bella ist der Paradiesvogel der Truppe, schön, selbstbewusst und glücklich mit Fen liiert. Fens Tante gehört die Villa, in der die Frauen die Hen-Party feiern. Fen kennt die Villa von einem Aufenthalt sieben Jahre zuvor und verbindet damit ein Erlebnis, das sie noch immer nicht überwunden hat.
Robyn hat einen 1 ½ jährigen Sohn und hat sich gerade von ihrem Mann getrennt, sie kennt Lexi und Bella noch aus der Schulzeit.
Eleanor ist die Schwester des Bräutigams. Ihr Verlobter ist einige Monate zuvor auf tragische Weise ums Leben gekommen.
Mit Anna ist Lexi erst seit kurzem befreundet.
Jede der Frauen hat ein Geheimnis oder ein unverarbeitetes Trauma. Nach und nach kommen die Geheimnisse ans Licht, bis zur Eskalation am letzten Abend.
Ich bin von dem Roman bzw. Psychothriller begeistert, die Spannung wurde konstant gehalten, mit angehaltenem Atem habe ich die Interaktionen und die Konfrontation der Frauen untereinander verfolgt. Das Ende war grandios und absolut unvorhersehbar, und hat mich geschockt und sprachlos zurückgelassen. Ich empfehle den Roman allen Thrillerleser*innen, aber auch allen anderen, die einen spannenden Roman mit psychologischem Tiefgang lesen wollen. Ich freue mich auf weitere Bücher von Lucy Clarke.

Bewertung vom 20.04.2023
Keerl, Inès

Die Löwin vom Tafelberg. Catharina Ustings' kühner Weg in die Freiheit


ausgezeichnet

Inès Keerl schreibt seit über 20 Jahren Drehbücher für TV-Serien und Filme. Ihren Debütroman hat sie über eine der ersten deutschen Frauen geschrieben, die sich in Kapstadt angesiedelt hatten.
Lübeck, 1641: Catharina soll mit 21 Jahren von ihrer Pflegemutter zwangsverheiratet werden. Um dem zu entgehen, schleicht sie sich in Männerkleidung auf ein Schiff, das nach Batavia (heute Jakarta) segelt. Unterwegs wird sie entdeckt, kann aber auf dem Schiff als hopelooper (Schiffsjunge) arbeiten.
Um Vorräte für die Weiterfahrt einzukaufen, legt das Schiff legt in Kapstadt an. Am Kaap de Goede Hoop leben viele Männer, aber kaum Frauen. Der Farmer Hans Ras heiratet Catharina vom Fleck weg. Das Leben am Kap der Guten Hoffnung wird von der „Compagnie“ bestimmt, sie teilt den Farmern Land zu, regelt wie viele Tiere die Siedler besitzen dürfen und ist für die Justiz und die Exekutive zuständig. Catharina hat einen Erzfeind, der ihr bereits auf dem Schiff das Leben schwer gemacht hatte, er lauert ihr überall dort auf, wo sie nicht mit ihm rechnet, sie fürchtet ihn mehr als den Teufel.
Catharina findet bald in Eva, einer Einheimischen, eine gute Freundin. Eva arbeitet als Dolmetscherin zwischen der Compagnie und den Ureinwohnern. Sowohl Catharina als auch Eva sind historische Figuren. Eva (Krotoa) gilt als Urmutter Südafrikas und Begründerin der Sprache Afrikaans, die Ureinwohner wurden zu Zeiten der Kolonialisierung Hottentotten genannt.
Catharina, Hans, Eva und die anderen Siedler erleben viele aufregende Abenteuer, Catharina erlernt das Schießen, sie erlegt ein Nashorn und hat eine unheimliche Begegnung mit einer Löwin.
Der Roman hat mir sehr gut gefallen, der Schreibstil ist bildhaft und flüssig, die Kapitel sind kurz mit vielen Dialogen. Ich empfehle dieses Buch allen Lesern von historischen Romanen, aber auch solchen, die sich für die Geschichte Südafrikas und/oder das Leben im 17. Jahrhundert interessieren, welches in dem Roman sehr eindrucksvoll geschildert wird.