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Magda
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Köln

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Insgesamt 298 Bewertungen
Bewertung vom 17.07.2023
Leonard, Charlotte

Gone with the Wind - Eine Liebe in Hollywood und der größte Film aller Zeiten (eBook, ePUB)


sehr gut

Da ich den Film „Vom Winde verweht“ schon mehrmals gesehen habe und er zu meinen Lieblingsfilmen gehört, wollte ich unbedingt den Roman lesen, in dem es um die Dreharbeiten und die Hauptdarstellerin Vivien Leigh geht.
Die junge britische Schauspielerin Vivien steht am Anfang ihrer Karriere als Theaterschauspielerin, als sie den gerade erschienenen Roman „Vom Winde verweht“ von Margaret Mitchell liest. Die Rolle der Scarlett O’Hara scheint wie für sie gemacht, und ihr größter Traum ist es, die Südstaatenschönheit zu spielen.
Vivien ist verheiratet und Mutter einer kleinen Tochter, verliebt sich jedoch während einer Theatervorstellung Hals über Kopf in den britischen, ebenfalls verheirateten Schauspieler Laurence (Larry) Olivier. Als dieser eine Rolle in Amerika annimmt, folgt sie ihm wenige Wochen später. Im prüden Amerika müssen die beiden ihre Liebe geheim halten.
Der Roman spielt in Atlanta, wird jedoch in Los Angeles gedreht und von einem relativ kleinen Unternehmen produziert. Der Produzent David Selznick macht mit seinem Perfektionismus den Darstellern und dem gesamten Filmteam das Leben schwer. Die Dreharbeiten dauern sechs Monate, Vivien arbeitet 6 Tage die Woche, 14 Stunden täglich. Sie ist ausgelaugt und erschöpft, raucht in jeder Drehpause und schläft zu wenig. Nur aus ihrer Liebe zu Larry schöpft sie Kraft, um weiterzumachen.
Die Dreharbeiten werden ebenfalls aus der Perspektive des Produzenten dargestellt. Dieser tauscht aus vielfältigen Gründen mehrfach den Regisseur aus, und überarbeitet nächtelang das Drehbuch, da kein Drehbuchautor ein Drehbuch vorlegen kann, das zu Selznicks Zufriedenheit ist. Margaret Mitchell weigert sich, dem Filmteam beratend zur Seite zu stehen.
Die Darstellung der Sklaverei ist ein weiteres von Selznicks Problemen. Ihm wird nahelegt, einen Berater einzustellen, um zu verhindern, dass die Sklaverei, wie von Margaret Mitchell in ihrem Roman dargestellt, beschönigt wird.
Unfassbar, dass die farbigen Darstellerinnen aufgrund der Rassentrennung in einigen Südstaaten, so auch in Atlanta, nicht an der Premierenfeier teilnehmen durften.
Auch über Clark Gable erfahren wir einiges in dem Roman. Positiv ist seine Distanzierung von der Rassentrennung, negativ seine Starallüren.
Der Roman hat mir sehr gut gefallen, die Autorin hat die Dreharbeiten und das Privatleben von Vivien Leigh und Laurence Olivier authentisch und unterhaltsam beschrieben, man ist mittendrin auf dem Filmset in Hollywood. Ich empfehle den Roman allen Fans des Romans und des Films und allen Leser*innen von historischen Romanen.

Bewertung vom 17.07.2023
Lindqvist, John Ajvide

Refugium / Stormland Bd.1


sehr gut

Als begeisterte Leserin von skandinavischen Thrillern wollte ich diesen Auftakt einer neuen Trilogie aus Schweden unbedingt lesen. Das Cover mit dem verletzten Birkenstamm ist sehr ausdrucksstark.
Julia, Anfang 50, ist erfolgreiche Krimiautorin und soll eine Fortsetzung der Millennium-Trilogie schreiben. Da ihre IT-Kenntnisse begrenzt sind, die Protagonistin Lisbeth Salander jedoch Hackerin ist und sich im Worldwide Web bestens auskennt, vermittelt ihr der Verlag ein Treffen mit Kim, einem Computerspezialisten. Kim ist Ende 20, hat lange schwarze Haare und wirkt auf den ersten Blick unnahbar und emotionslos. Nichtsdestotrotz landen die beiden miteinander im Bett.
Am Mittsommerabend werden sie Zeugen einer Schießerei auf der Nachbarinsel. Julias Jugendfreund Olle feiert dort mit Geschäftsfreunden und deren Ehefrauen. Julia und Kim sind die Ersten, die auf der Insel ankommen und sechs Tote vorfinden. Nur Olles 14jährige Tochter Astrid hat das Massaker überlebt. Kim erkennt sich in Astrid wieder, beide kommen aus einem reichen Elternhaus und müssen traumatische Erlebnisse verarbeiten. Als Astrid in die Psychiatrie eingeliefert wird, will Kim sie dort unbedingt herausholen.
Kim ist so reich, dass er nicht arbeiten muss, aus reinem Interesse mischt er bei den Mordermittlungen mit. Bald findet er durch Nachforschungen im Netz heraus, dass sich alles um illegale Geschäfte dreht und die Mittelsmänner in Shanghai und Kuba sitzen.
Mir hat das Duo Julia/Kim gut gefallen, besonders Julia ist eine sympathische Frau, die über viel Lebenserfahrung verfügt und genau weiß, was sie will. Die eine Szene, bei der sie übergriffig wird, fand ich unpassend und überflüssig. Kim ist mir ein Rätsel geblieben, was wohl daran liegt, dass seine Gefühlswelt in der Kindheit komplett zerstört wurde, und er keine Emotionen an sich heranlässt.
Dieser Thriller war anders als üblich und hat mich sehr gut unterhalten. Erzählt wird sowohl aus Julias als auch aus Kims Perspektive. Kims Freundschaft mit Fliege und Fedo in Kuba hat mir besonders gut gefallen, ebenso die amüsanten Gespräche Julias mit ihrer Freundin Irma. Der Spannungsbogen ist konstant, die kurzen Kapitel enden meist mit einem Cliffhanger, woraufhin die Handlung an einem anderen Ort fortgesetzt wird: Stockholm-Shanghai-Stockholm-Havanna. Ich empfehle diesen Thriller allen Krimi- und Thrillerleser*Innen und freue mich schon auf den nächsten Fall für das ungewöhnliche Ermittlerduo.

Bewertung vom 14.07.2023
Martin, Lily

Sommertage im Quartier Latin / Paris und die Liebe Bd.1


ausgezeichnet

Da ich sowohl Frankreich als auch die französische Sprache sehr liebe, wollte ich diesen Sommerroman, der in Paris im Quartier Latin spielt, unbedingt lesen!
Lilly Martin ist das Pseudonym von Anne Stern, von der ich bereits einige wunderbare historische Romane gelesen habe.
Lola, Anfang 30, ist gebürtige Pariserin. Sie hat der Stadt schon vor Jahren den Rücken gekehrt und lebt im Moment in Bordeaux, wo sie als Kellnerin jobbt. Eines Tages erreicht sie der Anruf ihres Vaters, der ihr mitteilt, dass ihre Großmutter Rose verschwunden ist und nur eine Notiz hinterlassen habe, dass es ihr gut gehe und nicht nach ihr gesucht werden soll. Kurzerhand beschließt Lola herauszufinden, wohin ihre „Mamie“ verschwunden ist. Sie fährt nach Paris ins Quartier Latin, wo ihre Großmutter seit eh und je gewohnt hatte. Schon bald findet sie Hinweise auf Roses Vergangenheit, die auf ein lang gehütetes Geheimnis hindeuten.
In Paris trifft Lola ihren alten Schulfreund Fabien wieder, mit dem sie ein kurzes, aber prägendes Erlebnis in ihrer Jugend verbindet. Fabien betreibt ein Café am Place de la Contrescarpe und ist Roses unmittelbarer Nachbar.
Die Geschichte wird hauptsächlich aus Lolas Perspektive erzählt, zwischendurch erfahren wir aber auch einiges über Lolas Vater Emile, ihren Schulfreund Fabien, die alternde Diva Jacobine, die das Geschehen auf dem Place de la Contrescarpe haarscharf beobachtet und kommentiert, und den liebenswerten Pierre, der selbstgebackene Lebkuchenherzen mit klugen Sprüchen verziert, und im Quartier Latin an Touristen und Einheimische verkauft.
Sehr gut gefallen hat mir Fabiens und Lolas Ausflug in die Bretagne, bei dem sich Fabien und Lola bei einem Boef à la bretonne und anschließendem Kouign amann näherkommen.
Durch ihre bildhafte und poetische Sprache lässt die Autorin das Pariser Flair, das spätsommerliche Ambiente im Quartier Latin und nicht zuletzt die sich langsam anbahnende Liebesgeschichte lebendig werden. Dazu tragen auch die vielen französischen Sätze und Begriffe bei. Die leckeren Spezialitäten, die im Café des Artisans und von Fabiens Mutter Jeanne zubereitet werden, ließen mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Anne Stern/Lilly Martin hat einen unvergleichlich schönen, poetischen Sprachstil. Ich empfehle diesen wunderbaren Liebesroman allen, die Frankreich und Paris lieben und natürlich allen LeserInnen von Liebesromanen. Wenn ich den Epilog richtig gedeutet habe, ist „Sommertage im Quartier Latin“ der Auftakt von weiteren Sommerromanen, die in Paris spielen werden. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung dieser Reihe!

Bewertung vom 11.07.2023
Laudin, Ira

Der Himmel am nächsten Morgen


ausgezeichnet

Durch das wunderschöne Cover bin ich auf den Debütroman von Ira Laudin gestoßen. Es handelt sich um einen Liebesroman, der auf zwei Zeitebenen spielt, direkt nach Kriegsende in den 1940er Jahren und in den 1980er Jahren.
Wuppertal 1945: Nachdem die 12jährige Lissi nach einem Bombenanschlag ihre Mutter verloren hat, wird sie von ihrer Tante Helene in deren Wohnung auf dem Ölberg aufgenommen. Helene hat zwei Kinder, Ursula und Paul, sie warten sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres Mannes bzw. Vaters aus der Kriegsgefangenschaft.
Viele Jahre später verunfallt Lissis Mann Johann, und ihre Welt bricht zusammen. Einige Monate nach Johanns Tod meldet sich sein Jugendfreund Georg bei Lissi. Er wohnt in Hamburg und bestreitet seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Trödel auf Flohmärkten. Endlich entschließt sich Lissi, Johanns Kleidung, Schallplatten und Bücher auf dem Flohmarkt zu verkaufen. Dabei kommen sie und Georg sich näher und bleiben über Briefe und besprochene Kassetten in Kontakt.
In ihrem Roman hat Ira Laudin zwei große Lieben beschrieben, die erste Liebe in sehr jungen Jahren und die zweite im reiferen Alter. Sie hat sowohl den Zeitgeist der 1940er als auch den der 1980er Jahre authentisch eingefangen und sympathische ProtagonistInnen geschaffen. Neben Lissi habe ich ihre Freundin Anna und Tante Helene ins Herz geschlossen. Bewundernswert war Lissis Mut nach Johanns Tod, ihren alten Beruf wiederaufzunehmen und sogar den Führerschein zu machen. Zickig und egoistisch fand ich Lissis Tochter Miriam, die ihrer Mutter keine zweite Liebe gönnen wollte und ihr auch sonst nicht zur Seite stand. Wie schön, dass Lissi Anna hatte, die immer für sie da war. Gerne hätte ich mehr über Paul und Max erfahren, die in dem Buch etwas zu kurz gekommen sind.
Ein herzerwärmender und berührender Roman über eine starke Frau, die nach einem Schicksalsschlag ihren Weg geht und einen Neuanfang wagt. Es war schön, einen Roman zu lesen, der zur Zeit meiner Jugend spielt, in der es kein Internet und nur wenige TV-Programme gab. Ich wurde sehr gut unterhalten und gebe gerne eine Leseempfehlung für alle LeserInnen von historischen und Liebesromanen. Aufgrund des Lokalkolorits ist der Roman sicherlich auch für WuppertalerInnen interessant, da sowohl die Schwebebahn als auch einige Anekdoten aus der Geschichte Wuppertals Erwähnung finden.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.07.2023
Peters, Katharina

Todesküste / Emma Klar Bd.8


sehr gut

Von der Autorin habe ich bisher mit großer Begeisterung die Reihe mit der Kriminalpsychologin Hannah Jakob verfolgt. Im vorliegenden Krimi ermittelt Emma Klar an der Ostsee. Hauptschauplätze der Handlung sind Wismar, Rostock und Rügen.
Emma Klar war früher Polizistin. Seit einiger Zeit arbeitet sie als Privatdetektivin in Wismar, wobei sie nebenher weiterhin als verdeckte Ermittlerin bei der Polizei tätig ist.
Emma wird von Michaela Reiter beauftragt, ihren Mann zu suchen, der seit dem Vorabend vermisst wird. Zeitgleich wird am Strand eine männliche Leiche gefunden. Es handelt sich um einen Mann, der als Kinderschänder vor Gericht stand, mangels Beweisen aber freigelassen wurde. Da die Gerichtsmedizin feststellt, dass der Mann vor seinem Tod über längere Zeit gefoltert und misshandelt wurde, geraten bald die Angehörigen seiner mutmaßlichen Opfer in den Fokus der Ermittlungen, denn wer kann es ihnen verdenken, dass sie Vergeltung üben wollen?
Die Ermittlungen sind bald festgefahren, im Mittelteil geht es nicht wirklich voran, die Spannung fällt sehr ab, um zum Ende hin wieder anzusteigen.
Auch dieser Krimi von Katharina Peters, der erste der Autorin, den ich als Hörbuch gehört habe, konnte mich fesseln und gut unterhalten. Ich mochte die Stimme von Katja Liebing, die auch die vielen Dialoge ausdrucksstark eingelesen hat. Wie in allen ihren Krimis stellt Katharina Peters die Ermittlungsarbeit detailliert und authentisch dar, Ermittler und Verdächtige werden nahbar und bildhaft beschrieben. Die Auflösung fand ich realistisch und gut gelungen. Von mir eine Leseempfehlung für KrimileserInnen und nicht zuletzt für LiebhaberInnen der Ostseeküste, da der Krimi das Lokalkolorit sehr gut widerspiegelt.

Bewertung vom 06.07.2023
Weinberg, Juliana

Mein Sommer mit Zelda


ausgezeichnet

1924: Mylène, Anfang 20, ist nach dem Tod ihrer Großmutter mittellos. Sie bekommt eine Stelle als Zimmermädchen in einem Hotel an der Côte d’Azur. Zur gleichen Zeit weilen auch F. Scott und Zelda Fitzgerald mit ihrer kleinen Tochter Scottie in Europa. Sie sind ein glamouröses Paar, das von den Zeitungen und Hochglanzmagazinen in den USA und Europa bejubelt wird.
F. Scott hat gerade seinen Roman „The Beautiful and Damned“ mit großem Erfolg veröffentlicht und schreibt an „The Great Gatsby“. Zwischendurch veröffentlicht er Kurzgeschichten. Die beiden genießen die Roaring Twenties in vollen Zügen und führen ein ausschweifendes Leben mit vielen Partys und reichlich Alkohol.
Mylène lernt im Hotel Sébastien kennen, einen angehenden Mediziner. Als sie des Diebstahls beschuldigt und aus dem Hotel verwiesen wird, bieten die Fitzgeralds ihr einen Job als Kindermädchen an, den sie sehr gerne annimmt, da sie von dem Paar fasziniert ist. Es wird spannend, als Mylène und die Fitzgeralds in Paris den Diebstahl eines Fabergé-Eis aufklären.
Die Autorin hat einen bildhaften und authentischen Schreibstil, ich fühlte mich an die französische Riviera an die Seite des berühmten Schriftstellers und seiner schillernden Ehefrau versetzt. Neu war für mich, dass Zelda auch Schriftstellerin war, und F. Scott ihre Tagebucheinträge in seinen Büchern verwendet hat.
Juliana Weinberg versteht es, Wahrheit und Fiktion auf unterhaltsame Weise zu verbinden. Sie hat mich mit ihrem Roman gefesselt und begeistert. Von mir gibt es eine Leseempfehlung für alle LeserInnen von historischen Romanen, Liebesromanen und den Romanen von F. Scott Fitzgerald.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.07.2023
Kasperski, Gabriela

Bretonisch mit Sturm (MP3-Download)


sehr gut

Vom Cover und dem Setting an der Atlantikküste in der Bretagne war ich direkt begeistert. Da kommt Urlaubsstimmung auf!
Zur Handlung: Es ist der 4. Fall der Buchhändlerin Tereza. Zusammen mit ihrem Freund Gabriel ist sie zu einer Hochzeit auf der Insel Ouessant eingeladen. Gabriel ist bereits auf der Insel, und sie muss sich allein mit der Fähre auf den Weg machen. Unterwegs bekommt sie von einem Mitreisenden ein Manuskript mit dem Titel „Die Reise zur Hölle“, geschrieben von M. Abel. Tereza vertieft sich in die Geschichte, in der es um die Überfahrt einer Familie aus Kapstadt geht, die im Jahr 1896 die weite Schiffsreise über den Atlantik gemacht hatte. Das Manuskript ist aus der Sicht der Gouvernante geschrieben.
Als Tereza auf der Insel ankommt, fängt ein Sturm an, der immer heftiger wird. Bald dürfen die Fähren nicht mehr fahren. Auf ihrem Weg zum Treffpunkt mit Gabriel findet Tereza den ersten toten Vogel, zwei weitere folgen, und wenig später findet sie eine Leiche. In Miss-Marple-Manier übernimmt Tereza die Mordermittlungen, der Polizist Gabriel mischt kaum bei den Ermittlungen mit.
Ich habe lange gebraucht, in die Geschichte hineinzufinden. Es wurden direkt zu Beginn sehr viele Personen vorgestellt, sowohl InselbewohnerInnen als auch Hochzeitsgäste. Die ProtagonistInnen wurden in Windkraftgegner und Befürworter unterteilt, in Einheimische und Auswärtige, die toten Vögel – Adler, Eule und Rabe – wurden im Zusammenhang mit keltischen Sagen gebracht, der Sturm tobte, Tereza ermittelte in einem Mordfall. Im Manuskript wird eine geheimnisvolle Schatulle erwähnt, die der englischen Königin Victoria gehört haben soll.
Sehr viele Personen, sehr viele Themen. Die Insel mit ihren Leuchttürmen, die Atmosphäre und die Bretonen wurden bildhaft und authentisch dargestellt. Am Ende wurde der Zusammenhang zwischen dem Untergang der „Drummond Castle“ und den Geschehnissen im Vorfeld der Hochzeit ersichtlich. Es hat sich so viel ereignet, dass ich Schwierigkeiten hatte durchzublicken. Ich würde empfehlen, im Vorfeld die Vorgängerbände zu lesen, und das Buch zu lesen anstatt das Hörbuch zu hören, da man im Buch zurückblättern kann, wenn man was nicht direkt verstanden hat. Ein solider Krimi mit bretonischem Lokalkolorit.

Bewertung vom 29.06.2023
Steinborn, Margit

Einen Herbst und einen Winter lang


ausgezeichnet

Der Roman spielt im Haushalt des Maschinenfabrikanten Max Wittmann, im Scheunenviertel Berlins, wo Leni mit ihren Kindern Isa und Moritz haust, und am Alexanderplatz, wo sich Henning und Isa zum ersten Mal begegnen.
Isas Vater hat bei einem Arbeitsunfall einen Arm verloren, seitdem ist er arbeitslos, das Einkommen der Mutter in der Wäscherei ist so gering, dass die Kinder statt zur Schule auf dem Alexanderplatz betteln gehen müssen. Bei einem Droschkenunfall rettet Isa das Leben der kleinen Lotta. Lottas großer Bruder will sich bei Isa bedanken und sucht sie - einen Herbst und einen Winter lang. Doch es dauert noch Jahre, bis sich die beiden wieder begegnen.

Als begeisterte Leserin von historischen Romanen habe ich diesen Auftakt einer neuen Familiensaga in wenigen Tagen verschlungen. Die Autorin schildert eindrucksvoll und authentisch das Leben der Reichen und der Armen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Kluft zwischen dem reichen Fabrikantensohn und dem armen Mädchen aus dem Scheunenviertel scheint unüberwindbar. Doch Henning ist auch der Sohn von Alice, die nach der Scheidung von Max wieder in England lebt. Alice engagiert sich für die Bedürftigen und nimmt Henning mit in die Armenviertel Londons. Als Henning von dem Unfall erfährt, den Isas Vater in der Fabrik von Max Wittmann hatte, informiert er sich über die Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter und will diese unbedingt verbessern.
Der Roman endet mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs, Hennings Bruder zieht als Offizier in den Krieg, und auch Viktor, Isas Kindheitsfreund, wird eingezogen. Bevor Viktor in den Krieg zieht, nimmt er Isa ein Versprechen ab… Ich kann es kaum erwarten, die Fortsetzung zu lesen und zu erfahren, ob Henning und Isas Liebe eine Chance bekommt.

Bewertung vom 22.06.2023
Perbandt, Anna

Frühlingstöchter / Das Pensionat am Holstentor Bd.1 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Lübeck, 1899: Dorothea Eggers führt ein Pensionat für höhere Töchter und freut sich sehr darüber, dass die Schwester eines Grafen, Komtess Eleonore, in ihrem Pensionat unterrichtet werden soll. Zeitgleich erwartet sie die Ankunft einer neuen Lehrerin, Gesche Petersen.
Gesche rettet Eleonore, die von allen Nora genannt wird, aus einer brenzligen und gefährlichen Situation. Frau Eggers will Gesche direkt wieder wegschicken, als sie sie mit aufgelöster Frisur und zerrissenem Kleid sieht. Nur aufgrund der Fürsprache des Grafen bekommt Gesche die Anstellung.
Im Pensionat freundet Nora sich schnell mit drei anderen Mädchen der Abschlussklasse an, und das Quartett schließt den Bund der Frühlingstöchter, die vier schwören, einander immer beizustehen und sich niemals im Stich zu lassen.
Während Nora sich in den Stallburschen Karl verliebt, verliert Gesche ihr Herz an den jungen Grafen. Es sind nicht standesgemäße Gefühle, die gegen die geltenden Konventionen und Regeln verstoßen.
Der Schreibstil der Autorin hat mich gefesselt und mitgerissen, authentisch und bildhaft versetzt sie ihre LeserInnen nach Lübeck ins ausgehende 19. Jahrhundert. Die sog. Höheren Töchter wurden reich verheiratet und hatten sich der für sie vorgesehenen Rolle als schmückendes Beiwerk der Ehemänner widerstandslos zu fügen. Ein Wohlfühlroman mit Herz, liebenswerten ProtagonistInnen und gut recherchiertem geschichtlichen Hintergrund. Ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung, und darauf, wie es mit Nora und Karl, Gesche und Henry, Fanny, Agnes und Lotte weitergeht. Von mir gibt es eine Leseempfehlung für LeserInnen von historischen Frauen- und Liebesromanen.

Bewertung vom 21.06.2023
Jean, Emiko

Mika im echten Leben


ausgezeichnet

Mika, Mitte 30, flattert von Job zu Job, ist nach einer längeren Beziehung wieder Single und wohnt bei ihrer besten Freundin Hana, da sie sich keine eigene Wohnung leisten kann. Sie ist eine talentierte Malerin, hat aber nach einem traumatischen Erlebnis ihr Studium der Kunstgeschichte abgebrochen und malt seitdem nicht mehr.
Als Mika mit 19 schwanger geworden ist, hat sie auf Zureden ihrer Mutter Hiromi ihre Tochter Penny zur Adoption abgegeben. Jetzt ist Penny 16 Jahre alt und möchte ihre leibliche Mutter kennenlernen.
Mika ist einerseits glücklich und froh, Penny zu treffen, schämt sich andererseits aber für ihr wenig vorzeigbares Leben. Mit Hilfe ihrer Freunde kreiert sie für Penny das Leben, das sie eigentlich gern führen würde, mit einer eigenen Galerie, einem erfolgreichen und gutaussehenden Freund und einer schönen Wohnung.
Zunächst scheint Penny auf die Inszenierung hereinzufallen, doch dann reißt Mikas Mutter Hiromi die perfekte Fassade nieder.
Mikas Geschichte ist traurig und herzzerreißend. Sie ist nie über ein traumatisches Erlebnis in ihrer Studienzeit hinweggekommen, und hat es nie verwunden, ihr Baby weggeben zu haben. Zu ihrer Mutter Hiromi hat sie ein sehr distanziertes und kühles Verhältnis. Statt in den USA hätte Hiromi lieber in Japan gelebt. In Portland hat sie so gut es geht versucht, an japanischen Traditionen festzuhalten und Mika als Japanerin zu erziehen.
In dem Roman geht es um die Beziehung zwischen Müttern und Töchtern, Entscheidungen und Fehlentscheidungen bei der Erziehung von Kindern. Mikas Adoptivvater Thomas sagt dazu „Man geht die Sache voller Überzeugung und aufs Beste hoffend an und plant gleichzeitig mit ein, dass man ihnen später die Therapie bezahlen muss, weil man es total verbockt hat.“
Mika, Penny und Hiromi bedauern es, dass Penny bei ihren amerikanischen Adoptiveltern die japanischen Traditionen nicht kennenlernen konnte, und ihr deswegen der Zugang zu einem großen Teil ihrer Identität und ihren Wurzeln verwehrt blieb.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen, er ist tiefgründig und emotional und hat mich zum Nachdenken über Erziehung und Mutter-Tochter-Beziehungen gebracht. Das Ende fand ich sehr gelungen. Ich spreche eine Leseempfehlung für LeserInnen von Frauen- und Familienromanen aus.