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sommerlese
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Zu meinen Hobbies gehört Lesen einfach dazu. Meine Rezensionen erscheinen auch auf meinem Blog. Schaut doch bei Interesse mal rein! https://sommerlese.blogspot.com/
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Insgesamt 2785 Bewertungen
Bewertung vom 23.09.2024
Almstädt, Eva

Ostseefinsternis / Pia Korittki Bd.19


gut

Ein geheimnisvoller Fall und eine alte Familienfehde
Pia fährt in den Herbstferien mit Sohn Felix und Marten in sein neues Haus in Kaltenbrode an der Ostsee und freut sich auf eine schöne gemeinsame Zeit. Doch kaum dort angekommen ruft Pias Chef sie zu einem neuen Fall in der Nähe. In einer Bucht wurde die Leiche eines Mannes gefunden und ein weiterer Überfall in der Gegend ereignete sich dort wenige Wochen zuvor, Opfer war die junge Stella Böttcher. Beim Toten handelt es sich um Benno Hagenberg, er war der Geliebte von Stella. Somit deutet sich ein Zusammenhang der Fälle an. Pia soll nun herausfinden, wer von den Mitgliedern der Familie ein Mordmotiv gehabt haben könnte. Durch die Familienfehde zwischen den zahlreichen Familienmitgliedern gestalten sich die Ermittlungen recht schwierig. Aber der Grund für den Mord könnte ja auch woanders liegen.


In diesem Fall stürzt sich Pia trotz ihres Urlaubs in die Ermittlungen und hat es mit zahlreichen Personen und auch Verdächtigen zu tun, die Befragungen nehmen einen Großteil der Handlung ein. Das ist auch schon gleich zu Beginn meine entscheidende Kritik an diesem Krimi. Man kann trotz Personenregister schon mal den Überblick verlieren und muss sich konzentrieren, um die jeweilige Person auch entsprechend einordnen zu können. Die Befragungen sind zeitaufwendig und Pia hat ein schlechtes Gewissen gegenüber ihrem Sohn Felix und Freund Marten. Denn eigentlich wollten sie die Ferien gemeinsam verbringen.



Pia und Kollege Broders finden schnell heraus, dass zwischen den zwei Familien Böttcher und Hagendorf eine alte Fehde vorherrscht, die sie seit langer Zeit entzweit. Die wahren Gründe für den Zwist möchte niemand nennen, die jüngere Generation scheint nichts zu wissen. Dieses Geheimnis zu lüften hat für mich den größten Reiz an der Geschichte ausgemacht. Man muss sich lange gedulden, bis der Grund endlich am Ende gelüftet wird.



Das Mordmotiv lässt Varianten wie geschäftliche Probleme, Eifersucht oder einen Racheakt zu, insgesamt war mir das Ganze zu wage, denn hier sind so viele Personen verdächtig, das ich mich einfach nicht festlegen wollte. Die Auflösung hat mich nicht wirklich überrascht, doch die Erklärung hatte für mich einen sehr konstruierten Beigeschmack.


Der Krimi ist wieder durchzogen vom Privatleben Pias, diese Unterhaltung bringt ein wenig Abwechslung in die recht ausufernde Polizeiarbeit. Spannend wird es nur am Ende, doch das ist mir für den gesamten Krimi einfach zu wenig.


Dieser Band der Krimireihe konnte mich leider nicht von sich überzeugen, denn er ist mit zahlreichen Personen und Verhören überfrachtet und lässt nur am Ende Spannung aufkommen.

Bewertung vom 23.09.2024
Schweikert, Ulrike

Woher wir kamen


ausgezeichnet

Zwischen Krieg und Liebe
Jane ist die Tochter eines schwarzen US Marines und einer weißen Krankenschwester mit deutschen Wurzeln. Durch die unterschiedlichen Wurzeln fühlte sich sich nirgends zugehörig. Als Janes Vater stibt, erbt sie ein Haus auf Cape Cod, von dessen Existenz sie keine Ahnung hatte. Seit wann hatte ihr Vater das Haus und was steht in den Briefen, die aus dem Nachlass ihrer Mutter stammen? Nach einem traumatischen Einsatz als Sanitäterin im Irakkrieg ist sie freigestellt, begibt sich nach Cape Cod, räumt das Haus aus und findet heraus, dass das Haus ihren aus Deutschland stammenden Großeltern gehörte. In den Briefen nähert sie sich ihren Vorfahren nach und erfährt einen Teil ihrer eigenen Wurzeln.



Dieser Roman beeinhaltet zwei Perspektiven, ein Erzählstrang beschreibt Janes Leben an den Schauplätzen New York und Cape Cod 2007 und außerdem Szenen aus ihrem Einsatz im Irak-Krieg. Die die zweite Perspektive führt zurück in die 1910er Jahre und erzählt aus dem Leben von Janes Großvater Benno und lässt uns in Briefen an seine spätere Frau Emmy an seinen Gedanken und Erlebnissen teilhaben. Durch diese Briefe, die er 1915 aus Bagdad schrieb, erfährt Jane nicht etwas über ihre eigenen Wurzeln, sondern fühlt intensiv, mit welchen Schwierigkeiten ihre Großeltern um diese Liebe kämpfen mussten.

Vom Zeitgeschehen haben mich die Geschichten von Emmy und Benno mehr gepackt als Janes Erzählstrang, denn diese Einblicke durch die Widrigkeiten ihrer Liebe sind wirklich bewegend und lassen das Zeitgeschehen und die gesellschaftlichen Ansichten fühlbar deutlich werden. Das Liebespaar hat es nicht leicht, was auch an Bennos Herkunft als Kind eines fahrenden Volkes liegt und Emmy träumt von einem Leben auf der Bühne. Doch dieser Weg ist harte Arbeit und der Erfolg hängt von vielen Faktoren ab.

Jane ist ein starker Charakter, sie verlor schon früh ihre Mutter und ihren Bruder und ging zur Navy. Seit ihrer Verwundung leidet sich an Albträumen und findet erst langsam wieder ins Leben zurück. Aber auch Großvater Benno kämpft im Krieg als Soldat und sieht ständig dem Tod ins Auge. Man kann sagen, die Geschichte wiederholt sich in dieser Familie.

Ulrike Schweikert hat die Gabe, Zeitgeschehen sehr bildhaft, packend und authentisch darzustellen und sie lässt ihre Leser an Janes Seite in das grausame Kriegsgeschehen des Irak-Kriegs eintauchen.

Dank Ulrike Schweikerts wunderbar einfühlsamer Erzählweise ist der Roman wunderschön zu lesen und die Lebenswege der Charaktere sorgen für abwechslungsreiche und interessante Lektüre, die mich sehr bewegt zurück gelassen hat.


In "Woher wir kamen" wird man mit der harten Kriegs-Realität konfrontiert, es gibt interessante Charaktere und eine widrige Liebesbeziehung und dieser Mix gepaart mit einem einfühlsamen Erzählstil und einer abwechslungsreichen Handlung machen den Roman zu einem Leseerlebnis.

Bewertung vom 23.09.2024
Maiwald, Stefan

Die Porzellanmanufaktur - Zerbrechlicher Frieden


sehr gut

Lebensnah, unterhaltsam und historisch zeitbeschreibender Auftaktband
Als Familienpatriarch Ludwig Thalmeyer überraschend verstirbt, übernimmt seine älteste Tochter Marie an Stelle des verschollenen Bruders die Geschäfte der traditionsreichen Porzellanmanufaktur. Die Aufgabe ist nicht einfach, denn Frauen haben in dieser von Männern dominierten Geschäftswelt kein großes Ansehen. Doch Marie kämpft sich durch, sie lernt die Abläufe der Herstellung kennen, beschafft Materialien und Kredite und kontrolliert die Buchhaltung. Das größte Problem ist die Beschaffung von Kaolin, das zur Porzellangewinnung benöitigt wird. dazu muss sie sich mit dem Papierfabrikanten Karl Metsch verbünden. Als dieser versucht, die Manufaktur zu vernichten, muss Marie eine Entscheidung fällen. Ihre Schwester Sophie unterstützt sie dabei.



Die Charaktere werden lebendig und mit viel Liebe zum Detail mit ihren Gedanken und Gefühlen vorgestellt und dadurch kommt man ihnen sehr nahe. In der Handlung gibt es einige Wendungen, die für Spannung sorgen und es wird häufig zwischen den Figuren gewechselt und zeitlich bis in die Kriegsjahre zurück geblickt, was für manchmal etwas verwirrt.

Bei den Schilderungen kommt auch Bruder Joachim zu Wort, der von seinen Erlebnissen im Krieg berichtet und als Kriegsgefangener in einem russischen Lager Briefe an seine Familie schreibt. Diese Figur hat mich sehr bewegt, denn sie zeigt die Unsinnigkeit von Kriegen in aller Deutlichkeit.

Stefan Maiwald nimmt seine Leser mit auf eine Zeitreise, die die Hoffnungen und Schicksale der Menschen und ihren Kampf um finanzielle Unabhängigkeit in der Nachkriegszeit sehr deutlich aufzeigt. Dieser Band beginnt 1947 und reicht bis 1949, der Autor stellt die Situation der Zeit in authentischen Szenen vor und zeigt im oberfränkischen Selb, wie Schmuggelei und der blühende Schwarzmarkt für viele eine Chance bot, um ihre Familie durch die schwierige Zeit zu bringen.

Protagonistin Marie ist eine sympathische und starke Frauenfigur, die sich tatkräftig für das Unternehmen und damit für die Mitarbeiter einsetzt. In Einblicken in die Porzellanherstellung bekommt man einen Eindruck über die Manufaktur und die versschiedenen Arbeitsschritte.

Natürlich darf auch die Liebe nicht fehlen, Marie verliebt sich in den stellvertretenden US-Militärgouverneur John McNarney, der allerdings wieder zurück in die Staaten muss.

Der Roman endet mit einer spannenden Wendung und man kann nur hoffen, dass der Folgeband diese Probleme lösen kann.

Lebensnah erzählter Roman um zwei Frauen mit gut aufbereiteter Zeitgeschichte des Wiederaufbaus, der Interesse für die Folgebände weckt.

Bewertung vom 23.09.2024
Leonard, Susanna

Dian Fossey - Die Forscherin / Mutige Frauen, die Geschichte schrieben Bd.1


sehr gut

Kalifornien, 1940: Dian weiß schon früh, sie möchte einmal mit Tieren arbeiten. Jahre später ist für sie die Chance da, durch den Forscher Louis Leakey erhält sie einen Auftrag, die bedrohten Berggorillas in Afrika zu erforschen. Die scheuen Urwaldtiere faszinieren sie und indem sie Gorillaverhalten nachahmt, gelingt es ihr, den direkten Kontakt mit den Tieren aufzubauen. Ihre Forschungsergebnisse machen sie berühmt, ein Fotograf namens Bob macht wunderbare Aufnahmen von ihr und so kommen sich auch Bob und Dian näher. Doch der Kampf für ihre geliebten Berggorillas regt auch den Unmut der armen Bevölkerung und Dian macht sich besonders bei den Wilderern auch Feinde.


Der Roman ist aufgeteilt in drei Lebensbereiche von Dian Fossey, Kindheit, Jugend und ihr weiteres Leben. Leider ist die Handlung nicht chronologisch aufgebaut, das ist etwas verwirrend. Orts- und Zeitangaben zu Beginn der Kapitel sorgen da für den nötigen Durchblick.

Die Geschichte liest sich interessant und man erfährt, wie Dian schon als Kind durch Ablehnung geprägt wurde und sich auch deswegen zu einer willensstarken Frau entwickelt und sich gegen jeglichen Widerstand für den Schutz der Gorillas einsetzt.



Dian ist eine interessante Frau, sie reagiert aber auch sehr irrational, ablehnend und aufbrausend. Im Roman konnte der Funken der Sympathie daher nicht auf mich überspringen, sie blieb mir merkwürdig fremd, nur bei ihren Gorillas wird sie emotional.

Am meisten beeindruckt haben mich die bildhaften und eindrucksvollen Naturbeschreibungen von Dians Tierbeobachtungen im Nebelwald. Diese Szenen wirken wie Filmaufnahmen und ich fühlte mich mitten im Urwald zwischen den Gorillas. Die Landschaft und die Tiere konnte ich mir bildhaft genau vorstellen und ich bin gespannt in die Szenerie eingetaucht.

Diese eindrucksvolle Romanbiografie bringt uns das Leben und Wirken von Dian Fossey näher und zeigt wunderbare Naturszenen ihrer Beobachtungen der seltenen Berggorillas.

Eine Hommage an Dian Fossey, die ihr Leben den Berggorillas und ihrem Schutz widmete.

Bewertung vom 06.09.2024
Korsgaard, Thomas

Hof


gut

Ein bedrückender Coming-of-age Roman
Im Kanon Verlag erscheint mit "Hof" der Auftakt der Trilogie um Tue von Thomas Korsgaard. Der Autor schrieb den Coming-of-age Roman im Alter von gerade mal 21 Jahren, das Buch wurde von Justus Carl und Kerstin Schöps aus dem Dänischen ins Deutsche übersetzt.


Tues Welt ist der Hof, dort lebt er in ärmlichen Verhältnissen mit seinen Eltern und zwei Geschwistern, sie haben Kühe, doch der Hof wirft nicht viel ab und so verdienen sie sich mit ihrer Hunde-Zucht etwas hinzu. Tue findet Freunde, entdeckt seine Homosexualität und will nach den Sommerferien das Gymnasium besuchen, er möchte mehr als ein tristes Leben auf dem Hof.

"Es war, als wäre der Tod ein Teil von mir, obwohl ich noch nicht besonders alt war. Irgendwie war er immer da." Zitat S. 7

So melancholisch und trostlos beginnt dieser Roman und spiegelt damit schon das Lebensgefühl Tues und seiner problembelasteten Eltern wider. Aus der Sicht des kindlichen Tue wird die Lebenssituation auf dem Hof beschrieben. Der große Hof hat nichts von Hofromantik, er liegt irgendwo in der Einöde unweit der Stadt Skive. Der Hof ernährt die Familie nicht, der Vater ist unberechenbar und kleinkriminell, die Mutter ist in ihrem Schmerz gefangen und sieht nur selten, was um sie herum geschieht.

Um die Familie über Wasser zu halten, ergaunert und klaut der Vater, was er habhaft werden kann und macht es zu Geld. Die Kinder müssen ihn dabei unterstützen und haben es nicht einfach, doch Tue erkennt was Unrecht ist und hat seine eigenen Pläne. Er unternimmt einen Fluchtversuch, was nach hinten losgeht. Die Geschehnisse werden überwiegend trostlos herunter erzählt, anfangs war ich noch sehr betroffen und ich habe mich mit Tue auf seine schwierige Jungend-Reise begeben. Er lernt Freunde kennen, ich schöpfte Hoffnung, Tue entdeckt seine Homosexualität, wird von seinem Vater angefeindet und es ändert sich nichts an der tristen Lage der Familie.

Die Geschichte beginnt recht stark und liest sich interessant, doch im Laufe der Handlung verliert sich die Erzählung in Lebensdetails, in denen sich viele Hoffnungen zerschlagen. Aus dem Erzählten kristallisiert immer mehr die schwierige Lebenssituation dieser Familie und die persönliche Entwicklung Tues heraus. Der einfache Erzählstil entspricht dem Jargon von Tues Alter und lässt sich gut weglesen und ich habe mit Tue gelitten und gehofft, dass er aus dieser Tristesse entfliehen kann. In dieser Familie wird nicht miteinander geredet, immerhin scheint die Mutter zu verstehen, was in Tue vorgeht.

In der Handlung wird nicht auf die Hintergründe des Verhaltens der Eltern eingegangen, vielleicht ist es einfach nur Resignation, die das triste Leben so mit sich bringt.

Dieser bewegende und gleichzeitig auch bedrückende Coming-of-age Roman erzählt in direkten Worten aus Tues Leben und vermittelt ein trostloses Bild der Familie.

Bewertung vom 06.09.2024
Almstädt, Eva

Ostseenebel / Pia Korittki Bd.18


sehr gut

Gute Krimiunterhaltung im Ostseenebel
In "Ostseenebel" schickt Eva Almstädt ihre Ermittlerin Pia Korittki zum 18. Mal ins Rennen, der Krimi erscheint im Lübbe Verlag.

Pia Korittki wird zur Unterstützung der örtlichen Polizei an den Küstenort Stüvensee geschickt. Dort wurde im Garten eines Ferienhauses von der Urlauberin Alva Dohrmann ein brutal zugerichteter Toter gefunden, bei dem es sich um den umstrittenen Bürgermeister des Ortes handelt. Pia ermittelt in alle Richtungen. Der Fall wird brisant als die Urlauberin spurlos verschwindet und eine weitere Leiche gefunden wird.

Der Fund eines erschlagenen Bürgermeisters im Seerosenteich führt Pia Korittki und ihr Kollege Broders von der Kripo Lübeck nach Stüvensee, sehr zum Unmut des örtlichen Revierleiters Holger Jansen. Sie finden heraus, dass der Tote einige Feinde hatte und die Nichte und Alleinerbin des Toten und andere Bewohner haben eher dürftige Alibis. Und Alva Dohrmanns Verhalten mutet merkwürdig an, als sie verschwindet, stehen für die Ermittler noch mehr Fragen offen.
Wie gewohnt ist "Ostseenebel" ein gut geschriebener Krimi mit einer Prise Lokalkolorit, in dem Eva Almstädt ihre Protagonistin Pia in einen mysteriösen Mordfall schickt und mit reichlich Ermittlungstätigkeit eindeckt. Der tote Bürgermeister hatte einige Feinde und es gibt viele Tatverdächtige, die alle irgendetwas zu verbergen haben. Als unterhaltsame Note wird wie gewohnt Pias Privatleben einbezogen und das Miteinander mit den Kollegen zeigt das kollegiale und freundschaftliche Verhältnis, das in keinem der Bände fehlen darf. Der Fall enthält einige falsche Fährten und Wendungen, die den Leser zum Miträtseln einladen und die nebelige Atmosphäre an der Ostsee sorgt für den passenden Hintergrund dieses Krimis.

Die Hauptcharaktere sind wie gewohnt gut gezeichnet und ich habe mich gefreut, Pias Privatleben mit ihrem Sohn Felix weiter verfolgen zu können. Das nimmt in diesem Band aber nur wenig Raum ein. Die Handlung ist gut aufgebaut und liest sich flüssig, dafür sind die Wendungen und falschen Fährten auf undurchschaubare Figuren aufgebaut, was auf mich doch sehr konstruiert wirkt. Man kann hier zwar mitraten, aber die vielen Verdachtsmomente werden so schnell durch weitere Spuren überlagert, dass man keinen klaren Durchblick hat, was oder wer wirklich dahinter stecken könnte.

Zum Ende sorgt ein Alleingang Pias noch einmal für einen Anstieg der Spannungskurve, die Auflösung erfolgt dann aber doch recht plötzlich und bei einigen Figuren bleiben Fragen offen. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, sie wurden alle nur erfunden, um vom Täter abzulenken.

Dieser Krimi fügt sich lückenlos in die Reihe der Ostseekrimis von Eva Almstädt ein und lässt Pia einige Geheimnisse der Ortsbewohner aus der nebeligen Stimmung aufdecken und einen Täter dingfest machen.

Gute Krimiunterhaltung im Ostseenebel, bei der mir das gewisse Etwas gefehlt hat!

Bewertung vom 03.09.2024
Schoenwald, Sophie

Die große Weltreise durch den Zoo


ausgezeichnet

Wunderbar illustrierte Weltreise durch den Zoo!
Im Baumhaus Verlag erscheint das Bilderbuch "Die große Weltreise durch den Zoo" von Sophie Schoenwald mit Illustrationen von Günther Jakobs. Es ist der 6. Band der Zoo-Reihe und empfiehlt sich ab vier Jahren.

Nachdem Zoodirektor Ungestüm festgestellt hat, dass der Zoobesucherrekord geknackt worden ist, möchte er sich bei den Tieren für ihre Unterstützung bedanken und verkündet: "Heute bleibt der Zoo geschlossen!". Das klingt nach Urlaub und alle Tiere sind begeistert und freuen sich, ihnen fallen sofort die unterschiedlichsten Reiseziele ein. Anton Elefant möchte nach China, die Fledermäuse nach Transsilvanien und Ferdi Faultier nach Hawai, einfach mal abhängen und nichts tun.

Tja, nun ist guter Rat teuer, denn so eine Weltreise kann man nicht an einem Tag unternehmen und es soll ja Rücksicht auf die Wünsche der Tiere genommen werden. Doch da hat Ignaz Pfefferminz Igel die zündende Idee, wie er alle Wünsche unter einen Hut bekommt.

Die kunterbunten und fröhlich anmutenden Bilder von Günther Jakobs sind eine echte Augenweide. Die Tiere sind naturnah getroffen, sie haben sogar erkennbare Mimik und es gibt viele kleine Details zu entdecken. Die Bilder untermalen den Text auf wunderbare Weise und der Text macht deutlich, wie unterschiedlich die Reiseträume der Tiere sind und wie perfekt die Ausgestaltung der Reise gelungen ist.

Die verschiedenen Haltepunkte auf der Reise lassen selbst Erwachsene amüsiert zurück. Da findet am Seehundgehege vor der Kulisse des Eiffelturms eine Modenschau vom Feinsten statt, man kann Elefanten im Porzellanladen bewundern und einen surfenden Pinguin im Haifischbecken. Großartig, und die Zebras präsentieren eine Kunstausstellung, die weltbekannte Gemälde auf individuelle Weise vorstellt.

Bei diesen fantasievollen Ideen werden Länder und Regionen der Erde gezeigt und Kinder lernen etwas über diese Orte und sehen, welchen Spaß die Tiere haben.

In diesem Buch/Zoo funktioniert der Zusammenhalt und die Erfüllung der Wünsche der Tiere auf besondere Weise. Ein amüsantes und kunterbuntes Weltreisebuch!

Bewertung vom 03.09.2024
Fleming, Lucy

Mina und der Trau-dich-Zauber


sehr gut

Eine niedliche Bilderbuchgeschichte zum Mutmachen
Im Penguin Junior Verlag erscheint Lucy Flemings Bilderbuch "Mina und der Trau-dich-Zauber" übersetzt von Sabine Rahn. Für Kindergartenkinder geeignet.

Mina ist ein ausgesprochen fröhliches, kleines Blattmädchen, sie wohnt mit ihren Eltern auf dem Ast einer alten Eiche und lebt dort sehr gern. Ausgelassen verbringt sie die Tage und spielt mit ihrem Freund, dem Eichhörnchen und hält mit anderen Tieren Fliegenpilz-Kaffeklatsch. Das Jahr zieht dahin, kalte Tage im Herbst kündigen den nahenden Winter an und Mina soll mit ihren Eltern in ihr Winterquartier umziehen. Doch Mina möchte ihr Zuhause gar nicht verlassen. Wird sie auf dem Baum erfrieren oder kann sie sich auf das neue Abenteuer einlassen?

Lucy Fleming entführt ihre Leser mit fröhlichen und liebenswerten Bildern und kindgerechten Texten in die Geschichte des Blattmädchens hinein. Wir erleben Minas unbeschwertes Leben beim Spielen in der Natur und man wäre beim Fliegenpilz-Kaffeklatsch mit den Krabbelfreunden gerne dabei. Aber wir können auch ihre Angst vor dem Umzug im Herbst in das Winterquartier nachspüren. Die Eltern gehen als Vorbilder voran und weil Mina nicht allein zurück bleiben will, wagt sie den Sprung ins Unbekannte.

Die Geschichte zeigt das unbeschwerte Leben in der Natur und die Veränderung durch die Jahreszeiten, die auch gefährlich werden können. Kinder können das gut nachvollziehen und fühlen, wie es Mina geht, denn solche Veränderungen finden auch in ihrem Leben statt. Das Buch regt zum Nachdenken an und macht Mut, weil man auf die Unterstützung der Familie und Freunde hoffen kann.

Veränderungen gehören zum Leben dazu und gemeinsam mit Familie und Freunden kann man sie wagen und sich auf neue Erlebnisse freuen.

Ein wunderschön bebildertes Buch, das jahreszeitliche Veränderungen aufzeigt und Mut macht, sich manchen Abenteuern zu stellen.

Bewertung vom 02.09.2024
Haig, Matt

Die Unmöglichkeit des Lebens


gut

Das Leben ist schön, lebe es (ohne spirituelle und übersinnliche Elemente)!
Im Droemer Verlag erscheint Matt Haigs Roman "Die Unmöglichkeit des Lebens".

Grace erbt ein altes Häuschen auf Ibiza und wagt die Reise dorthin und damit auch einen Neuanfang. Ihre Arbeit als Mathematiklehrerin gehört der Vergangenheit an, sie hat Zeit, hat Sohn und Mann verloren und ist neugierig. Nach einiger Zeit auf der Insel erhält Grace die Möglichkeit einen völlig neuen Blick auf die Welt und sich darin zu bekommen, ein spirituelles lebensveränderndes Geschehen. Leslie Maltons Stimme und Lesung haben mich absolut begeistert, ganz wunderbar


Das Buch fängt ziemlich geheimnisvoll an und entwickelt sich dann zu einer Geschichte, bei der die Suche nach einer vermissten Person Grace zum Kontakt mit anderen Figuren führt. Matt Haig besitzt die Gabe, das Seelenleben der Figuren intensiv und ausdrucksvoll zu beschrieben, dadurch bekommt man einen direkten Bezug zu den Personen, man fühlt mit ihnen und erlebt, wie sie sich immer mehr annähern.

Grace erlebt viele seltsame Dinge, da leuchtet beim Tauchgang das Wasser oder es wachsen Blumen aus der trockenen Erde. Doch am Ende kommt ihr die Erleuchtung, dass sie das Leben leben muss und nicht in der Vergangenheit leben kann.


Zur Handlung muss ich leider sagen, dass neben Angststörungen und Depression hier übersinnliche Gedanken und Vorgänge für das Handeln der Figuren eine entscheidende Rolle spielen und sie in ihrem Verhalten leiten. Manche Dinge erscheinen ein wenig seltsam und wirken absolut unnatürlich auf mich und damit konnte Matt Haig mich nicht erreichen. Es geschehen ungewöhnliche Dinge und esoterische Kräfte und Grace besitzt auf einmal die Gabe des mentalen Sehens, die sie für gute Zwecke einsetzt. Soweit so gut, aber im Großen und Ganzen glaube ich nicht an paranormale Dinge. Somit kann ich den Roman auch nicht so positiv bewerten, wie es die Weisheiten und emotionalen Szenen, sowie der außergewöhnliche Erzählstil des Autors eigentlich verdient hätten.

Auf dieses Buch muss man sich einlassen, denn es geschehen paranormale Dinge, die jeder realistische Mensch nicht glaubt. Ich habe versucht, die Ahnungen und Vorgänge nicht zu kritisch zu sehen und wurde durch den schönen Schreibstil durch die Handlung geführt. Doch am Ende muss ich leider sagen, die Handlung hat mich leider nicht überzeugen können.

Bewertung vom 31.08.2024
Parker, Martina

Eintunkt


sehr gut

Mörderische Festival-Stimmung
Im Gmeiner Verlag erscheint Martina Parkers Gartenkrimi "Eintunkt". Es ist der fünfte Band der Reihe "Klub der Grünen Daumen".

Beim "picture on", dem alljährlich in Bildein im Burgenland stattfindenden Rockmusik-Festival nahe der ungarischen Grenze hat die amerikanische One-Hit-Wonder-Sängerin Alex Woods einen Auftritt mit ihrem Hit. Das möchte sich auch die Mitglieder des Gartenclubs der Grüne Daumen nicht entgehen lassen. Auch Betty ist mit von der Partie, sie ist die Schwester von Alex, der Sängerin. Leider entwickelt sich das Festival zu einem Desaster, erst geht ein Stalker um, dann verschwindet Alex spurlos nach einer ausgelassenen After Show Party und am nächsten Morgen wird der Wein-Investor Bernd Bieler tot aufgefunden.

Martina Parker beginnt jedes Kapitel ihres Krimis mit kurzen Informationen über Insekten, Pflanzen oder über andere Themen der Natur, die zum Inhalt des folgenden Kapitels passen. Bei diesen Infos geht es beispielsweise um die Fäden von Seidenraupen, um Lichtverschmutzung, Fruchtfliegen, das Farbensehen bei Tieren oder um die "schweinische Intelligenz". Das schafft eine Wissenserweiterung beim Leser und weckt das Interesse auf das nachfolgende Kapitel.

Die Handlung setzt sich zusammen aus den Erzählungen von Vera, Betty, Marlies oder Alex und somit bekommt mein verschiedene Perspektiven und Blickwinkel angeboten, die die Geschichte abwechslungsreich gestalten und für einen umfassenden Einblick sorgen.
Betty und Alex sind schon lange zerstritten und als sie sich beim Festival treffen, gibt es erneut Differenzen, doch dann verschwindet Alex. Betty scheint sie nicht sonderlich zu vermissen. Die Frage nach dem Mörder und dem Grund für Alex Verschwinden ist lange Zeit ungeklärt und beschäftigt nicht nur die Polizei, sondern auch die Gartenfreundinnen. Angeführt von der Lokaljournalistin Vera Horvath tragen sie ihre Ermittlungsergebnisse zusammen und möchte die Polizei damit unterstützen. Das stösst bei Franz Grandits, dem Kriminalbeamten, nicht auf Gegenliebe, während Marlies es einfach mal so hinnimmt.


Martina Parker baut regelmäßig Dialekt in die Dialoge ein, was den regionalen Bezug des Krimis unterstreicht und sie fängt bildhaft die ländliche Umgebung im Burgenland ein. Durch die skurrlien Figuren und deren buntes Treiben lässt sie reichlich Humor in die Handlung einfließen und hat mich damit amüsant unterhalen. Es entsteht auch eine Art von Spannung, weil man als Leser selbst mitraten kann und seine eigenen Verdächtigungen anstellt. Der Krimi hat einen aktuellen Bezug, denn hier sollen alte Weingüter verkauft werden, um den Grund und Boden für neue Chalet-Dörfer freizumachen.

Mir haben die Figuren gut gefallen, manche haben schon ein paar zu viele Ecken und Kanten, um authentisch zu wirken, doch das ist der besondere Clou dieser Reihe.

Wer diesen Band ohne Vorkenntnis lesen möchte, findet in den Personenregister die nötigen Informationen. Um den vollen Genuss der Reihe auskosten zu können, sollte man die Reihenfolge einhalten.

Spannender und humorvoller Cosy Crime aus dem Burgenland, der mit skurrilen Figuren gut unterhält und viele Informationen aus Tierwelt, Garten und Botanik enthält.