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misspider

Bewertungen

Insgesamt 736 Bewertungen
Bewertung vom 02.04.2024
Draschoff, Adrian

Die sieben Türen


weniger gut

Dieses Buch entpuppte sich leider als totaler Fehlgriff für mich.
Ich konnte mich überhaupt nicht in die Geschichte einfinden. Die verschiedenen Türen, die jeweils einen Gegensatz - oder auch nicht - bedeuteten und ansatzweise zu erklären versuchten, fand ich weder bildlich noch in Worten überzeugend, oftmals sogar willkürlich und zusammenhanglos. Der Schreibstil hat mir leider überhaupt nicht gefallen, und viele Äusserungen mit „Haha“ anfangen zu lassen wirkte auf mich kindisch und albern. Andererseits scheint mir das Buch für Kinder noch zu schwierig zu begreifen (natürlich ist das relativ).
Das Ende schließlich war mega kitschig und hat mich vollends überzeugt, dass dieses Buch überhaupt nicht mein Fall ist.
Fazit: ein womöglich poetisches und philosophisches Buch, das sich mir aber leider so gar nicht erschließen mochte.

Bewertung vom 28.03.2024
Seck, Katharina

Die Vermesserin der Worte


ausgezeichnet

Ida ist Autorin, aber momentan fehlen ihr die Worte. Für einen Tapetenwechsel, vor allem aber um Geld zu verdienen, nimmt sie eine Stelle als Haushaltskraft im "papiernen Anwesen" von Ottilie Selig an, in dem es Tausende von Büchern gibt. Nach und nach gelingt es Ida, Ottilies harte Schale aufzubrechen und die Geschichte der alten Dame zu erfahren, die eng mit der Ablehnung der Dorfbewohner verknüpft ist. Als bei Ottilie das Vergessen einsetzt, liegt es an Ida, Ottilie mit ihren Worten und einer Geschichte im Hier und Jetzt zu verankern und gegen das Vergessen anzukämpfen.
Für Büchermenschen ist dieses Buch natürlich ein absolutes Muss, aber auch sonst ist diese warmherzige und einfühlsame Geschichte ein wahres Highlight. Mit viel Feingefühl beschreibt die Autorin die Annäherung zweier Menschen, die ihre Liebe zu Büchern teilen, und wie gnadenlos Demenz ganze Lebensabschnitte auslöschen kann, mit der Unterstützung lieber Menschen aber zumindest aufgehalten oder erträglicher gemacht werden kann.
Fazit: ein großartiges und berührendes Buch, das zu Herzen geht.

Bewertung vom 27.03.2024
Hay, Alex

Mayfair House


ausgezeichnet

Mrs King, die ehemalige Hauswirtschafterin der prächtigen Villa in der Park Lane, plant den ganz großen Coup: gemeinsam mit einigen anderen Frauen will sie das Haus bis auf den letzten Gegenstand leerräumen - und zwar während die Hausherrin ein rauschendes Fest gibt.
Dieser unmöglich scheinende Plan wird minutiös geplant, und die sieben Frauen, die sich hier zusammenfinden, jede mit einem ganz eigenen Talent, arbeiten wie ein Uhrwerk zusammen. Doch natürlich gibt es bei jedem Plan einen unbedachten Haken, der das Improvisationstalent der 'Wirtschafterinnen' fordert.
Nach und nach enthüllt die Geschichte zudem die Verangenheit der Frauen, ihr Verhältnis zueinander und auch zum Mayfair House, und offenbart so die wahren Gründe für den Raubzug.
Das Buch sprüht über vor waghalsigen und verrückten Ideen, hat aber auch seine kleinen und ruhigen Momente, die einem die Charaktere näherbringen und sympathisch machen.
Fazit: gelungene Heist-Comedy mit sieben starken Frauen vor opulenter Kulisse.

Bewertung vom 26.03.2024
Schumacher, Jens

Bücher? Nein, danke! / Lesen nervt! Bd.1


ausgezeichnet

Hinter dem fragwürdigen Titel versteckt sich eine wunderbare Geschichte, die wirklich jeden Lesemuffel hinter dem Ofen hervorlocken dürfte. Die auf dem Titelbild gezeigt Spinne spricht einen direkt an und fordert immer wieder dazu auf, dieses Buch wieder zurückzustellen - da sonst ihr schönes Netz-Zuhause, das sie im Bücherregal gesponnen hat, beschädigt wird.
Um ihre Argumentation, Lesen sei langweilig und mühselig, zu untermauern, liefert Karoline Kneberwecht viele verschiedene Beispiele - angefangen von kleinen Buchstabenrätseln bis hin zu Geschichten, in denen Wörter ergänzt werden müssen. Was natürlich tatsächlich einen Riesenspaß macht und ganz nebenbei auch das Lesen übt.
Was auf mich anhand des Covers anfangs wie ein albernes kleines Bilderbuch wirkte, entpuppt sich als bunte Sammlung verschiedenster kurzweiliger Leseübungen. Diese werden von der resoluten Karoline so witzig präsentiert, dass man gar nicht anders kann als das Buch in einem Rutsch durchzulesen. Fazit: so macht Lesen(lernen) richtig Spaß!

Bewertung vom 26.03.2024
Reichl, Eva

Lügendorf


sehr gut

Ich mag Lokal-Thriller, die einen gelungenen Mix aus Ortsverbundenheit und Spannung liefern, ohne das Lokalkolorit allzu sehr auf die Schippe zu nehmen. Auch der dritte Teil der Diana Heller-Reihe hat mich in dieser Hinsicht nicht enttäuscht, wenngleich die Handlung einige Male unglaubwürdige, fast absurde Züge annahm und mein Anfangsverdacht sich am Ende bestätigte. Letztlich fügte sich aber alles zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen: eine verschworene, fast hinterwäldlerische Dorfgemeinschaft, die allem, was nicht der Tradition und dem verstaubten Weltbild entspricht, mit Ablehnung begegnet. Eine Frau, die an ihre Grenzen gebracht wird, um ein Verbrechen aufzuklären und erneut ihre Unschuld zu beweisen. Auch der Wechsel zwischen Gegenwart und Rückblenden in die verhängnisvolle Vergangenheit hat mir gut gefallen, nährt man sich so doch Schritt für Schritt der Wahrheit.
Der Schreibstil war wieder unsagbar spannend und auch wenn ich Dianas planloses und gefährliches Verhalten oft nicht gutheißen konnte, wurde es doch durch die starke emotionale Belastung, die auch aufgrund der Ablehnung des Dorfes auf ihr liegt, relativiert.
Fazit: eine Anti-Heldin mit Macken, alte und neue Verbrechen und ein Dorf voller Geheimnisse liefern ein fesselndes Leseerlebnis.

Bewertung vom 25.03.2024
Deen, Mathijs

Der Holländer / Liewe Cupido ermittelt Bd.1


ausgezeichnet

Dies ist ein ganz besonderer Krimi, der durch seine unaufgeregt erzählte Art und die großartigen Charaktere besticht. Der Todesfall bot hier lediglich die Bühne für den Holländer, der trotz seiner ruhigen Art eine unglaubliche Präsenz ausstrahlt und sogleich in die Riege meiner Lieblingsermittler aufsteigt. Zudem lernt man unglaublich viel über Wattwanderungen, kann das Meer förmlich rauschen hören und den Schlick riechen. Fazit: einer der besten Krimis, die ich seit langem gelesen habe.

Bewertung vom 21.03.2024
Schäfer, Stephan

25 letzte Sommer


gut

In der Begegnung zweier Männer, die sich innerhalb eines Tages kennen- und als Freunde schätzen lernen, erzählt der Autor eine episodenhafte Geschichte über die Flüchtigkeit des Lebens und die Wichtigkeit des Moments.
Der Ich-Erzähler dürfte den meisten bekannt vorkommen: ständig online und erreichbar, in Gedanken schon bei den nächsten Terminen und Punkten auf der Todo-Liste. Karl dagegen, der als Kartoffelbauer auf seinem eigenen Hof lebt, steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden und nimmt jeden Tag so wie er kommt. Die zufällige - schicksalhafte Begegnung - der beiden führt dazu, dass der Erzähler sein eigenes hektisches Leben überdenkt und entschleunigt.
Das alles wird mit großer Leichtigkeit, aber auch mit Tiefgang erzählt, und es gibt viele Denkanstösse, die man am Ende für sich selbst mitnehmen kann. Allerdings fiel es mir schwer, mich ganz in die Geschichte fallen zu lassen, da ich aufgrund meiner Erwartungen an das Buch auf jeder Seite nach der großen Erkenntnis, der geheimen Lehre gesucht habe, die das Leben leichter macht. Da fehlt mir wohl noch die Geduld, einfach abzuschalten und im Hier und Jetzt zu verweilen - das Buch werde ich sicherlich ein weiteres Mal lesen, um es dann einfach nur für sich selbst wirken und sein zu lassen. Auch das eine gute Übung, ganz im Moment zu sein und nicht gleich wieder das Danach und Deshalb zu planen...
Fazit: eine kleine Auszeit, in der man abschalten und zu sich selbst finden kann.

Bewertung vom 19.03.2024
Keegan, Claire

Reichlich spät


sehr gut

Auf gewohnt unspektakuläre Art beschreibt die Autorin den schicksalhaften Tag eines Mannes, der darüber nachsinnt, wie er seine Zukünftige kurz vor der Hochzeit verloren hat. Schuld ist neben seinem Schweigen im richtigen Moment seine frauenverachtende Art, die ihm erst, da seine Verlobte ihn mit der Nase darauf gestoßen hat, bewusst wird. Was wäre wenn...doch leider ist er wie er ist: geizig, undankbar, ein Mann wie sein Vater. Und nun ist es nicht nur reichlich, sondern definitiv zu spät.
Fazit: Die Geschichte hat auf mich nicht so eindringlich und nachhaltig gewirkt wie andere Werke, ist aber dennoch überzeugend und trägt unverkennbar die Handschrift von Claire Keegan.

Bewertung vom 19.03.2024
Howard, Scott Alexander

Das andere Tal


sehr gut

Stell Dir vor, es gibt Deine Welt mehrfach - im Hier und Jetzt, und gleich nebenan jeweils 20 Jahre früher und später. Würdest Du die Gelegenheit nutzen wollen, zum Beispiel um eine verstorbene Person noch einmal sehen zu können? Und wie wirkt sich Dein Leben auf das Deines zukünftigen Ichs aus?
Das Buch wirft teils sehr philosophische Fragen auf, wenn man sich darauf einlässt. Ansonsten ist es eine sehr interessante Geschichte mit einer faszinierenden Grundidee. Es wird in mehreren Teilen erzählt - die junge Odile steht kurz vor Schulabschluss und muss sich entscheiden, welchen Berufsweg sie einschlagen will. Der Tod eines Mitschüleres wirft sie allerdings völlig aus der Bahn. Der erste Teil hat mir besonders gut gefallen, da er sehr gut nachvollziehbar war und die Fragen Odiles zum Leben im Tal zum grossen Teil auch meine eigenen waren. Der zweite Teil setzt Jahre später ein und Odile arbeitet an der Grenze des Tals. Dieser Teil gestaltet sich anfangs sehr langwierig und mühsam und nimmt erst gegen Ende Spannung auf, und am Ende wird es fast schon kompliziert mit den verschiedenen Zeitebenen, die einander bedingen. Nur Teil eins als alleinstehendes Buch hätte mir da fast schon gereicht, Teil zwei war mir zu sprunghaft.
Etwas anstrengend war der Umstand, dass die wörtliche Rede nicht mit Anführungszeichen markiert war. Auch wurde immer mal wieder in Zeit und Ort gesprungen, was sich dann erst nach und nach erschloss. Trotzdem hat mich das Buch gefesselt und spukt mir immer noch im Kopf herum. Fazit: sehr lesenswerte Geschichte über das Jetzt, das Vorher und das Nachher und wie kleinste Entscheidungen unser Leben in eine völlig andere Richtung lenken können.

Bewertung vom 18.03.2024
Lano, Ralf

Ein Echo aus stählerner Zeit


ausgezeichnet

In diesem historischen Eifelkrimi hat der Autor die damalige Zeit und das Leben in einem kleinen Eifeldorf hervorragend eingefangen. Karl ist Schmied und nach Kriegsende hat er den Familienbetrieb übernommen. Einen Ausgleich zur schweren Arbeit findet er in den Gesprächen mit seiner früheren Lehrerin Fräulein Schneebach, einer scharfzüngigen Person, die ein Auge fürs Detail hat. Als Karls Kindheitsfreund Werner nach einer Explosion tot im Wald gefunden wird, gerät Karl zunächst unter Verdacht, doch dann wird der Todesfall als Unfall zu den Akten gelegt - sehr zum Missfallen von Kommissar Peters, der Karl ins Visier genommen hat. Karl ist jedoch überzeugt dass es sich um Mord handelt, und gemeinsam mit Fräulein Schneebach versucht er die Wahrheit herauszufinden. Und so führen sie ihre Ermittlungen auch ins Flüchtlingslager, wo sie auf Ungereimtheiten stoßen, die in die Kriegszeit zurückzureichen scheinen - und auf Pauline, die reizende Tochter des Lagervorstehers, die Karls Gefühle gewaltig durcheinanderwirbelt. Karl scheint auf der richtigen Fährte zu sein, denn bald schon wird es gefährlich.

Dies ist ein wirklich rundum gelungener fesselnder Roman mit glaubwürdigen Charakteren, die nicht nur schwarz und weiß gezeichnet sind, sondern gerade auch durch den Krieg viele Grautöne erfahren. Fazit: Das Buch vereint gekonnt die richtigen Prisen Lokal- und Historienkolorit sowie Humor und Romantik, dabei steht aber immer der Krimi im Vordergrund mit überraschenden Wendungen, Spannung und Action. Ich freue mich jetzt schon auf eine hoffentlich baldige Fortsetzung.

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