Benutzer
Benutzername: 
ech
Wohnort: 
Bochum

Bewertungen

Insgesamt 748 Bewertungen
Bewertung vom 11.10.2023
Kuper, Simon

BARCA. Aufstieg und Fall des Klubs, der den modernen Fußball erfand


ausgezeichnet

Packende und gut recherchierte Aufarbeitung der Geschichte eines großen Fußballclubs

In diesem spannenden und gut recherchierten Buch beleuchtet der Journalist und Autor Simon Kuper den Aufstieg und den Fall (?) des ruhmreichen FC Barcelona. Er hat den Verein über Jahre aus nächster Nähe begleitet und verfügt daher über viele Kontakte und natürlich auch eigene Erfahrungen, die er in dieses Buch mit einfließen lässt.

Der Aufstieg des Vereines ist eng verbunden mit den Namen Johan Cruyff, der 1973 als Spieler von Ajax Amsterdam zum FC Barcelona gewechselt ist und den Klub später auch als Trainer entscheidend geprägt hat, Pep Guardiola, der ebenfalls als Spieler und Trainer für den Verein tätig war, und natürlich Lionel Messi. Ein wesentlicher Blick des Buches ruht zudem auf der Jugendakademie „La Masia“, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten viele bedeutende Spieler hervorgebracht hat, die zum Erfolg des FC Barcelona beigetragen haben. Der große Spieler Lionel Messi spielt aber auch eine entscheidende Rolle, wenn es um die finanziellen Probleme geht, die den Verein heute belasten und vor eine ungewisse Zukunft stellen.

All dies beschreibt der Autor auf eine anschauliche, zugleich aber auch mitreißende Art und Weise und stützt seine Betrachtungen auf unzählige Gespräche und Quellen, die allesamt auch im Buch vermerkt sind. Ein eindringlicher Blick hinter die Kulissen eines Weltvereines, der zeigt, dass im Fußball oftmals mehr Schein als Sein vorherrscht.

Getreu dem Motto des FC Barcelona „Mehr als ein Klub“ ist dieses Werk mehr als nur ein Fußballbuch und meiner Meinung nach auch völlig zurecht 2022 bei den British Sports Book Awards als Fußballbuch des Jahres ausgezeichnet worden.

Wer sich für internationalen Fußball interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei.

Bewertung vom 11.10.2023
Orgel, T. S.

Der Skandal


ausgezeichnet

Packender Thriller mit einem erschreckenden Szenario, dass einem echt den Appetit verderben kann

In diesem Buch entwickeln die Brüder Tom und Stephan Orgel, die ihre Werke unter dem Pseudonym T.S. Orgel verfassen und sonst eher im Fantasy- oder Science Fiction-Bereich unterwegs sind, ein erschreckendes Szenario, das durchaus das Potential hat, einem den Appetit zu verderben. Die Bezeichnung Biothriller, die auf dem Cover zu finden ist, trägt das Buch dabei auf jeden Fall zu recht.

Dem Unternehmer Daniel Lichter alias Dan Light ist mit seiner Firma Light Foods ein echter Durchbruch gelungen, der dem Konzern Milliardenumsätze beschert. Er hat Laborfleisch entwickelt, dass von echtem Fleisch nicht zu unterscheiden ist, für das aber kein Tier sterben muss. Eine mysteriöse und weltweit um sich greifende Krankheit wirft nun aber dunkle Schatten auf das Projekt. Anna kommt eigentlich nur nach Berlin, weil ihr Bruder Peter dort von einem Auto angefahren wurde und nun im Koma liegt. Doch schnell wird klar, dass es sich hier nicht um einen einfachen Unfall mit Fahrerflucht handelt. Und so wird Anna in die dubiosen Machenschaften rund um Light Foods verwickelt und wird zur Schlüsselfigur in diesem Skandal.

Mit einem packenden Schreibstil und einigen überraschenden Wendungen treiben die Autoren ihre gut aufgebaute Geschichte voran und bieten am Ende auch eine stimmige Auflösung, die keine wesentlichen Fragen offenlässt. Das beängstigende Szenario, dass sie dabei entwickeln, klingt so gar nicht nach Science Fiction, sondern kommt erschreckend realitätsnah rüber. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. Für mich war es, abgesehen von einer Kurzgeschichte in einer Anthologie, die erste Begegnung mit den Gebrüdern Orgel. Dass sie hier auf eher ungewohntem Terrain unterwegs sind, merkt man dem Buch zu keiner Zeit an. Im Gegenteil, sie beweisen, dass sie auch mit Geschichten aus dem hier und jetzt spannende Unterhaltung bieten können, die zudem jede Menge Stoff zum Nachdenken liefert.

Wer auf spannende Thriller zu hochaktuellen Themen steht und einen halbwegs robusten Magen hat, wird hier bestens bedient und unterhalten. Zu Risiken und Nebenwirkungen sollte man aber besser einen Arzt oder Apotheker befragen.

Bewertung vom 11.10.2023
Schwarz, Gunnar

Der Frauenkeller (Thriller)


sehr gut

Spannender Thriller mit einem gut aufeinander abgestimmten Ermittler-Team aus Bielefeld

In diesem Thriller schickt der Autor Gunnar Schwarz mit Emma Bajetzky und Alex Kuper ein neuer Ermittlerduo ins Rennen, dass mich bei ihrem ersten Auftritt zwar noch nicht komplett überzeugen, unter dem Strich aber doch gut und spannend unterhalten konnte Zudem wurde meine Neugierde auf weitere Auftritte dieses gut aufeinander abgestimmten Teams geweckt.

Als in Bielefeld eine junge Frau spurlos verschwindet, konzentrieren Emma und Alex die Ermittlungen in ihrem ersten gemeinsamen Fall zunächst auf das private Umfeld der Krankenpflegerin. Doch dann wird die brutal zugerichtete Leiche der Frau gefunden und kurz darauf verschwindet eine weitere Frau. So finden sich Emma und Alex schon bald in einem mörderischen Katz-und-Maus-Spiel wieder, bei dem ihnen der Mörder scheinbar immer einen Schritt voraus ist und sie bewusst auf falsche Fährten lockt. Um ihrem Gegner gewachsen zu sein, müssen sie schnell zu einem echten Team zusammenwachsen, das sich bedingungslos aufeinander verlassen kann.

Mit einem packenden Schreibstil und zahlreichen überraschenden Wendungen treibt der Autor seine gut aufgebaute Geschichte voran und liefert am Ende eine schlüssige Auflösung, die keine wesentlichen Fragen offenlässt. Nach einem rasanten Auftakt weist der Mittelteil dann aber doch ein paar Längen auf, bevor am Ende ein furioser Showdown für atemlose Spannung sorgt, die einem beim Lesen kaum Zeit zum Luftholen lässt. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. Die Geschichte wird im Wesentlichen aus den wechselnden Perspektiven der beiden Ermittler erzählt, immer wieder eingestreute Passagen aus den Perspektiven der entführten Frauen sorgen für zusätzliche Spannung, ohne dabei bereits zu viel über die Identität des Täters zu verraten.

Wer auf spannende und abgründige Thriller steht, wird hier insgesamt gut bedient und unterhalten. Für die weiteren Auftritte der beiden Ermittler bleibt aber durchaus noch ein wenig Luft nach oben.

Bewertung vom 10.10.2023
Hirtzy, Michael

Vergessene Geschichten


sehr gut

Abwechslungsreiche Sammlung von Kurzgeschichten aus dem phantastischen Bereich

In diesem Buch versammelt der Autor Michael Hirtzy seine Kurzgeschichten, die zwar allesamt dem phantastischen Bereich zuzuordnen sind, insgesamt aber doch ziemlich abwechslungsreich daherkommen. Teilweise erblicken die Geschichten dabei hier zum ersten Mal das Licht der Welt, da sie zwar für Anthologien geschrieben wurden, diese dann aber entweder gar nicht erschienen sind oder bei denen sie dann doch nicht berücksichtigt wurden. So liefert der Autor hier auch zu Beginn jeder Story ein paar zusätzliche Informationen zu ihrer Entstehungsgeschichte.

Wie immer können in einer solchen Sammlung nicht alle Beiträge den persönlichen Lesegeschmack in vollem Umfang treffen. Irgendwie hatte jede Geschichte aber ihren besonderen Reiz und einen hohen Unterhaltungswert. Mein persönlicher Favorit ist hier gleich der erste Beitrag, bei der wir einem Teufelseintreiber bei seiner spannenden Tätigkeit begleiten dürfen, doch auch die nachfolgenden Geschichten konnten mich gut und spannend unterhalten. Echte Ausreißer nach unten gab es dabei für mich überhaupt nicht. So sollte hier jeder Liebhaber spannender Kurzgeschichten aus dem phantastischen Bereich den einen oder anderen Beitrag ganz nach seinem Geschmack finden.

Bewertung vom 10.10.2023
Wantoch, Patrick von

Ein ko(s)mischer Auftrag (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Abgedrehter Mix aus Science Fiction, Fantasy, Horror und einem Krimi im klassischen Noir-Style

Mit diesem Buch legt der Autor Patrick von Wantoch einen wilden und teilweise auch ziemlich abgedrehten Mix aus Science Fiction, Fantasy, Horror und einem Krimi im klassischen Noir-Style vor und konnte mich dabei mit seinem Einfallsreichtum auf ganzer Linie überzeugen und begeistern.

Gerade als der abgehalfterte Privatdetektiv Thomas Lohbeck seinem Leben ein Ende setzen will, winkt ihm scheinbar wie aus dem Nichts ein neuer Auftrag. Dass es ausgerechnet ein Teddybär mit Namen Bo ist, der ihm diese Botschaft überbringt und zu seinem Auftraggeber bringen soll, ist nur der Auftakt dieses ko(s)mischen Auftrages, bei dem es um nicht weniger als die Rettung des gesamten Universums geht.

Mit einem packenden Schreibstil und viel Sinn für Details und abgefahrene Momente treibt der Autor seine gut aufgebaute Geschichte voran und schickt seine Hauptfiguren dabei von einer absurden Situation in die Nächste, die er dann auch noch gekonnt auf die Spitze treibt. Die vielschichtig angelegten, teilweise aber doch ziemlich skurrilen Typen, mit denen er die Geschichte bestückt, sorgen zudem immer wieder für Überraschungen und machen einfach nur jede Menge Spaß. Dies trifft besonders auf das mehr als gelungene Zusammenspiel von Thomas und Bo zu, die sich im Laufe der Geschichte als echtes Dreamteam entpuppen, auch wenn sie bei der Frage, wer denn nun der wahre King ist, wohl nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen werden.

Wer auf abgedrehte Romane mit skurrilen Typen und herrlich absurden Momenten steht, wird hier bestens bedient und unterhalten.

Bewertung vom 10.10.2023
Blackwood, Algernon

Zwielicht 17


sehr gut

Gelungenes Horrormagazin mit 15 abwechslungsreichen Geschichten und 2 interessanten Artikeln

In der inzwischen bereits 17. Ausgabe der Reihe Zwielicht haben die beiden Herausgeber Achim Hildebrand und Michael Schmidt erneut eine abwechslungsreiche Sammlung an Kurzgeschichten und Artikeln aus den Bereichen Horror und phantastische Literatur zusammengestellt.

In insgesamt 15 Kurzgeschichten wird ein gelungener Querschnitt der Möglichkeiten, den dieses Genre bietet, abgebildet, so dass jeder Liebhaber hier die eine oder andere Geschichte ganz nach seinem Geschmack finden sollte. Darunter befinden sich nicht nur neue Geschichten, sondern auch ein paar ältere Beiträge, die aber kein bisschen angestaubt rüberkommen.

Meine persönlichen Favoriten waren die Geschichten von Christian Blum, Erik Hauser, Tobias Lagemann und Karin Reddemann. Aber auch die übrigen Geschichten konnten mich gut unterhalten, echte Ausreißer nach unter gab es hier für mich nicht.

Neben den Geschichten befinden sich in dem Buch noch zwei Essays. Zum einen beschäftigt sich Achim Hildebrand in seiner Reihe „Legenden des Kannibalismus“ mit dem wahren Fall der Donner Party aus der amerikanischen Pioniergeschichte und zum anderen bietet Karin Reddemann in ihrem Beitrag eine Filmbesprechung, einen Buchtipp und einen ziemlich harten True Crime Fall.

Abgerundet wird das Ganze noch durch eine Auflistung der in den Jahren 2020/2021 mit dem Vincent-Preis ausgezeichneten Büchern und Kurzgeschichten aus dem Bereich des Horrors und der unheimlichen Phantastik.

Auch weitere Informationen zu den an diesem Buch beteiligten Autoren dürfen natürlich nicht fehlen.

Auch mein inzwischen drittes Buch aus der Zwielicht-Reihe konnte mich wieder gut unterhalten und wird mit Sicherheit nicht mein letztes bleiben.

Bewertung vom 09.10.2023
Seinsche, David

So tödlich der Wald Ein fesselnder Finnland-Krimi (eBook, ePUB)


sehr gut

Gelungener Krimi mit einem gut aufeinander abgestimmten Ermittler-Duo

In diesem Kriminalroman schickt der Autor David Seinsche den bayrischen Oberkommissar Johannes Burgmeister nach Finnland und lässt ihn dort in einem düsteren und zunächst auch unübersichtlichen Fall ermitteln. Dabei konnte er mich zwar nicht komplett überzeugen, unter dem Strich aber doch gut und spannend unterhalten.

Als ein Undercover-Einsatz ziemlich aus dem Ruder läuft und einige Todesopfer fordert, wird Johannes Burgmeister vorläufig vom Dienst suspendiert, bis die genauen Umstände geklärt sind. Er zieht sich daraufhin in einen abgelegenen Ort in der ostfinnischen Provinz zurück, um dort seine Wunden zu lecken. Doch dann wird in den Wäldern die Leiche eines zunächst unbekannten Mannes gefunden und die örtlichen Behörden bitten ihn um Unterstützung. Eher widerwillig nimmt Burgmeister die Ermittlungen auf. Dabei wird ihm der örtliche Polizist Matti Halonen, mit dem er sich erst einmal zusammenraufen muss, als Dolmetscher an die Seite gestellt. Aber nicht nur die Sprachbarriere, auch die Bewohner von Nurmes machen ihm das Leben schwer und scheinen einiges zu verheimlichen zu haben.

Mit einem packenden Schreibstil treibt der Autor seine gut aufgebaute Geschichte voran und bietet am Ende auch eine stimmige Auflösung, die keine wesentlichen Fragen offenlässt. Dabei braucht die Krimihandlung allerdings etwas, bis sie richtig auf Touren kommt. In der ersten Hälfte bestimmt der Kultur-Clash zwischen dem Urbayern und den Finnen das Geschehen. Erst in der zweiten Hälfte nimmt dann auch die Krimihandlung richtig Fahrt auf und sorgt für ordentlich Spannung und einen klassischen Showdown. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. Dabei kommt Johannes Burgmeister mit seinem eher ruppigen Charme lange Zeit nicht wirklich sympathisch rüber. Doch im Laufe der Geschichte lässt er uns immer wieder hinter seine raue Schale blicken und zeigt auch andere Seiten von sich. Und das Zusammenspiel zwischen ihm und seinem gut auf ihn abgestimmten Partner wider Willen funktioniert perfekt und sorgt sogar für den einen oder anderen kleinen Schmunzler in einer ansonsten eher düsteren Grundstimmung.

Wer auf spannende Kriminalromane aus dem hohen Norden steht, wird hier insgesamt gut bedient und unterhalten.

Bewertung vom 11.09.2023
Kindler, Sonja

Schwarzwaldfrost


ausgezeichnet

Ungemein packende und atmosphärisch dichte Krimiunterhaltung aus dem frostigen Schwarzwald

Mit diesem Buch legt die Autorin Sonja Kindler den dritten Band ihrer Krimi-Reihe um Kommissarin Ines Sandner aus Villingen vor und konnte mich dabei ein weiteres Mal auf ganzer Linie überzeugen und begeistern.

Man kann das Buch auch ohne Vorkenntnisse aus den ersten beiden Bänden problemlos lesen und verstehen. Alle dafür erforderlichen Informationen zu den Protagonisten und ihrer Vorgeschichte werden gut in die laufende Handlung eingebunden, ohne dabei den Lesefluss zu stören. Um die Entwicklung der Figuren und die eine oder andere eingestreute Anspielung auf frühere Ereignisse in Gänze genießen zu können, empfiehlt es sich aber schon, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Als Adrian Hollstein an einem frostigen Novembermorgen tot auf dem Parkplatz einer Reha-Klinik aufgefunden wird, scheint der Fall eigentlich klar zu sein, denn alle Spuren deuten scheinbar eindeutig auf einen Selbstmord hin. Doch es ergeben sich auch einige Ungereimtheiten und so nimmt Ines Sandner die Ermittlungen auf. Und als sie erfährt, dass die Ehefrau des Opfers vor kurzem entführt wurde und sich immer noch in der Gewalt ihrer Entführer befindet, wird klar, dass doch einiges mehr hinter dem anfangs noch so klaren Fall steckt.

Mit einem packenden Schreibstil und einigen überraschenden Wendungen treibt die Autorin ihre gut aufgebaute Geschichte voran und bietet am Ende eine schlüssige und durchaus verblüffende Auflösung, die keine wesentlichen Fragen offenlässt. Dabei sind wir Leser den Ermittlern scheinbar jederzeit einen Schritt voraus, denn immer wieder eingestreute Rückblenden in die Vergangenheit des Opfers decken dessen tragische Geschichte auf und offenbaren das Spinnennetz, in dem er sich immer tiefer verstrickt, dessen ganzes Ausmaß aber doch erst kurz vor Schluss enthüllt wird. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen, die teilweise bereits aus den ersten beiden Bänden bekannt sind, die neuen Figuren reihen sich zudem nahtlos in das gut aufeinander abgestimmte Ensemble ein. Fein dosierte Ausflüge in das Privatleben der Ermittler sorgen zudem immer wieder für ein wenig Abwechselung, lassen dabei den Spannungsbogen aber nicht abreißen.

Wer auf spannende und atmosphärisch dichte Kriminalromane mit reichlich Lokalkolorit steht, wird hier bestens bedient und unterhalten. Und die personellen Änderungen im Team rund um Ines Sandner lassen für die Zukunft noch so einiges erhoffen.

Bewertung vom 28.08.2023
Kramp, Ralf

Blaues Blut


sehr gut

Eifelkrimi mit viel Humor und skurrilen Figuren

Mit diesem Kriminalroman legt der Autor Ralf Kramp den inzwischen bereits elften Band seiner Reihe um Herbie Feldmann und seinen imaginären Freund Julius vor.

Für mich war es die erste Begegnung mit den beiden ungewöhnlichen Ermittlern und ich hatte nicht das Gefühl, dass mir hier wesentliche Vorkenntnisse aus den zehn Vorgängerbänden fehlen würden, auch wenn ich sicherlich nicht jede Anspielung auf vorangegangene Ereignisse direkt verstanden habe. Grundsätzlich werden aber alle für das Verständnis erforderlichen Informationen zu den Protagonisten und ihrer Vorgeschichte gut in die laufende Handlung eingebunden, ohne dabei den Lesefluss zu stören.

Als Herbie bei einer obskuren Aktion auf dem Hillesheimer Flohmarkt, die ihm sein Kumpel Köbes eingebrockt hat, das Ehepaar Moll kennenlernt, hat der Lebenskünstler kurz darauf auch schon seinen nächsten Job am Start. Bereits am nächsten Tag entrümpelt er zusammen mit Bronto, dem Mitarbeiter des Ehepaares, die mittelalterliche Burg des Grafen Vico von Fahrenfels, der allerdings noch unter den Lebenden weilt, durch den Tod seiner zukünftigen Frau aber in eine tiefe Trauer gefallen ist. Im Gegensatz zur Polizei glaubt der Graf allerdings nicht an einen Unfall und so werden Herbie und Julius mal wieder zu Ermittlern wider Willen und bekommen es mit dubiosen Antikhändlern, sonderbaren Heimatkundlern und fiesen Erbschleichern zu tun.

Ich kannte Ralf Kramp bislang hauptsächlich über seine Kurz-Krimis, in denen er das Geschehen in Sachen Humor und absurder Momente noch viel mehr auf die Spitze treibt. In Romanform muss er sich da natürlich ein wenig zurücknehmen, sein Einfallsreichtum und sein Sinn für Situationskomik sind aber auch hier deutlich zu erkennen. Mit einem lockeren, aber dennoch jederzeit packenden Schreibstil, reichlich Lokalkolorit aus der Eifel und einigen überraschenden Wendungen treibt er seine gut aufgebaute Geschichte voran und liefert am Ende eine ziemlich verblüffende, aber doch absolut schlüssige Auflösung, die keine wesentlichen Fragen offenlässt. Die Nebenhandlung um die Luxus-Küchenmaschinen aus zweifelhafter Herkunft, die Herbie im Auftrag von Köbes verkaufen soll, sorgen am Ende auch noch für einen echten Knalleffekt. Getragen wird das turbulente Geschehen von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen, die größtenteils doch ziemlich skurril daherkommen. Besonders das gelungene Zusammenspiel von Herbie und seinem imaginären Freund Julius sorgt hier mit viel Wortwitz für ordentlich Lacher oder zumindest Schmunzler. Die Mischung aus Krimispannung, Humor und Lokalkolorit ist dabei gut aufeinander abgestimmt und macht beim Lesen einfach jede Menge Spaß.

Wer auf spannende und humorvolle Kriminalromane mit reichlich Lokalkolorit steht, wird hier gut bedient und unterhalten.

Bewertung vom 25.08.2023
Silber, Eva-Maria

Föhr in Flammen


ausgezeichnet

Packender Insel-Krimi mit einem ungewöhnlichen, aber gut aufeinander abgestimmten Ermittler-Duo

In diesem Insel-Krimi schickt die Autorin Eva-Maria Silber ein interessantes Ermittler-Duo ins Rennen, das mich bei ihrem ersten Einsatz nicht nur auf ganzer Linie überzeugen und begeistern, sondern sich darüber hinaus auch durchaus für weitere Auftritte empfehlen konnte.

Als auf Föhr die Leichen von 5 Menschen gefunden werden, die alle aus einer Familie stammen, wird der Flensburger Kriminalhauptkommissar Jan Andretta auf die Insel geschickt, um die Ermittlungen vor Ort zu leiten. Da sich Jan seit kurzem um die Tochter seiner verstorbenen Schwester kümmert, ist er gezwungen, die 10-jährige Lisa mitzunehmen und sich nebenbei um ihre Betreuung zu kümmern. Zu seinem Team gehört auch die Polizeianwärterin Maja Storm, die auf Föhr einen schweren Stand hat, seit sie einen Kollegen wegen eines Übergriffes gemeldet hat. Zusammen versuchen Jan und Maja das undurchsichtige Beziehungsgeflecht rund um die Opfer aufzudröseln. Doch erst als während eines verheerenden Feuers auf der Insel ein weiterer Toter gefunden wird, kommt wirklich Bewegung in den Fall.

Mit einem packenden Schreibstil, einigen überraschenden Wendungen und ein wenig Lokalkolorit aus dem hohen Norden treibt die Autorin ihre gut aufgebaute Geschichte voran und erzeugt dabei ein atmosphärisch dichtes Geschehen, dass mich schnell in seinen Bann ziehen konnte. Getragen wird das Ganze von einer ganzen Riege gut gezeichneter und vielschichtig angelegter Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. Fein dosierte Ausflüge in das Privatleben der beiden Ermittler sorgen dabei immer wieder für eine gewisse Auflockerung der eher düsteren Grundstimmung. Die eher unbeholfenen Annäherungen zwischen den beiden unterschiedlichen, aber gut aufeinander abgestimmten Charakteren konnten mir an der einen oder anderen Stelle sogar ein kleines Schmunzeln entlocken. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen aber dennoch jederzeit die aktuellen Ermittlungen in den Mordfällen. Und wie es sich für einen ordentlichen Krimi gehört, gibt es am Ende eine überraschende, aber dennoch schlüssige Auflösung, die keine wesentlichen Fragen offenlässt.

Wer auf atmosphärisch dichte Krimis mit eher ungewöhnlichen Ermittlern und einer ordentlichen Portion Inselfeeling steht, wird hier bestens bedient und spannend unterhalten. Ich hoffe doch sehr auf weitere Auftritte dieses überzeugenden Teams.