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Christina P.
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Hamburg

Bewertungen

Insgesamt 1119 Bewertungen
Bewertung vom 29.06.2023
Mccarten, Anthony

Going Zero


ausgezeichnet

Digitales Überwachungs-Experiment
Die Aufgabe klingt simpel: Tauchen Sie 30 Tage lang unter, bleiben Sie für FUSION unauffindbar, und Sie erhalten als Belohnung 3 Millionen US-Dollar. Eine der zehn TeilnehmerInnen ist die Bostoner Bibliothekarin Kaitlyn Day: Eine Frau ohne wirkliche Ahnung von den neuesten Überwachungstechnologien und für FUSION eine der Personen, welche sie als erste zu finden hoffen. Denken sie.
FUSION ist eine Kooperation des Social Media Moguls Cy Baxter mit der CIA, durch welche Baxter sich nach erfolgreichem Abschluss dieses Beta-Tests einen lohnenswerten Großauftrag verspricht. Seine Fähigkeit, digitale Daten über sämtliche US-Bürger zu sammeln, kombiniert mit den neuesten Überwachungstechniken, ergäbe Kriminalitäts-Bekämpfungsmöglichkeiten, welche es bislang noch nicht gegeben hat. Da kann man auch gern mal ein wenig auf Datenschutz verzichten, wenn die Welt so ein wenig sicherer würde. Das ist zumindest Baxters Argument. Neben seiner Perspektive bekommt man auch Kaitlyn Days Version zu lesen, wie sie auf der Flucht FUSION wiederholt austrickst, während andere TeilnehmerInnen nach und nach scheitern.
Das Buch liest sich auf mehreren Ebenen spannend: Zum Einen Kaitlyns Flucht sowie das Rätsel um ihre Hintergründe und Ambitionen. Hinzu kommen erstaunliche technische Optionen, auf welche FUSION zugreifen kann. Und auch die ethische Frage, wieviel Überwachung und gläserner Bürger für ein sichereres Leben zu rechtfertigen wären. Neben dieser Verfolgungsjagd gibt es noch weitere Nebenhandlungen und Charakterentwicklungen, welche von interessant bis erschreckend reichen.
Mir hat das Lesen des Romans, welcher wie ein Countdown gestaltet ist, Spaß gemacht. An manchen Stellen wirkte es auf mich etwas überzogen, insbesondere eine gewisse Charakterentwicklung, aber auch so manch andere Aktionen konnten mich nicht so komplett überzeugen. Das mag jede Person anders sehen. Die Spannungskurve bleibt bis zum Schluss auf gewisse Weise hoch, ähnlich einem Thriller, so manch Wendung in der Handlung bietet ausreichend Abwechslung zum Auf-der-Flucht-Thema. Daher kann ich das Buch empfehlen.

Bewertung vom 22.06.2023
Peake, Tim;Cole, Steve

Im Visier der Agenten / Cyber Code Bd.1


ausgezeichnet

Spannende Science-Fiction-Action für Jugendliche
Danny und Jamila sind nicht nur Nachbarn, sondern auch beste Freunde und Gaming-Fans, vor allem vom Weltraumabenteuer-Spiel Breakout Saturn. Als sich nach merkwürdigen Signalen aus dem All eine gewisse ADI bei Danny meldet, startet für die Kinder das ultimative Abenteuer ihres Lebens, viel besser als Breakout Saturn, denn ADI behauptet, eine Ausserirdische zu sein, die von Agenten ihres Volkes gejagt wird. Und Danny soll ihr jetzt helfen.
Das Buch punktet auf ganzer Linie. Die Freundschaft zwischen Danny und Jamila wird im Verlauf des Abenteuers auf eine harte Probe gestellt, währenddessen sie wiederholt beweisen können, wie sehr die Freunde zusammenhalten. ADI als ausserirdische Lebensform der ganz besonderen Art bietet eine komplett neue Perspektive auf die Erde und ihre Bewohner und muss sich an gewisse Verhaltensregeln zunächst herantasten. Faszinierend sind ihre Fähigkeiten, mit welchen sie ausgestattet ist, ihre Verfolger leider auch. Ab ungefähr der Hälfte des Romans dreht der Science-Fiction-Anteil des Romans nochmal voll auf und bietet so manche Überraschung, auswegslos scheinende Situationen sowie mutige Entscheidungen. Denn mittlerweile steht das Schicksal der gesamten Menschheit auf dem Spiel.
Für Gaming-Kids, Weltraumabenteurer sowie KI-Neugierige (Künstliche Intelligenz) ein überaus spannendes und rasantes Abenteuer. Die Handlung des Romans ist in sich abgeschlossen.

Bewertung vom 22.06.2023
Suchanek, Andreas

Das Erbe der Macht - Band 36: Spiegelkrieg (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Spannender Kampf um den nächsten Teilsieg
Die 36. Folge Spiegelkrieg der Urban Fantasy Serie führt nochmal deutlich vor Augen, wie dringend es ist, einen Teilsieg zumindest im Kampf gegen die abgesplittete Zeitlinie zu erringen. Die erforderlichen Ritterstäbe sind alle gefunden, fehlt nur noch die Person, welche sie anführen soll. Doch wer könnte dies sein? Ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen gegen Primus Magicus und dessen Verbündete beginnt.
Diese Folge hält wieder einige Überraschungen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart parat. Es gibt ein Wiedersehen mit früheren Charakteren sowie dem Anbeginn, interessante Details über eine bekannte Person sowie ein paar gelungene Auftritte von Titik und Ataciaru, einige mit Schmunzel-Effekt. Die Spannung ist auch diesmal wieder äusserst hoch und geht Hand in Hand mit Überraschungen sowie emotionalen Momenten.

Bewertung vom 22.06.2023
Kashiwai, Hisashi

Das Restaurant der verlorenen Rezepte / Die Food Detectives von Kyoto Bd.1


ausgezeichnet

Aussergewöhnlicher Episodenroman rund um die Suche nach verlorenen Rezepten
Koishi Kamogawa führt mit ihrem Vater Nagare in Kyoto ein Restaurant der ganz besonderen Art: Das Kamogawa Shokudō bietet neben leckerem Mittagstisch die Möglichkeit, im zugehörigen Detektivbüro nach einem besonderen Rezept suchen zu lassen, welches Nagare der beauftragenden Person zwei Wochen später servieren wird. Eine wunderbare Möglichkeit für den pensionierten Polizisten, seine Ermittlertätigkeiten fortzuführen und zugleich seinen Spaß am Kochen auszuleben.
Gestaltet ist das Buch wie ein Episodenroman mit sechs Kapiteln, welche für sechs gesuchte Gerichte stehen. Die Auftraggeberinnen und Auftraggeber sowie ihre Beweggründe sind so unterscheidlich wie die gesuchten Gerichte. Die Besonderheit liegt hier im Detail: Neben der typisch japanischen Höflichkeit sowie viele anderen kleinen Details, welche die Atmosphäre wunderschön greifbar machen, darf man sich bei jedem Fall darauf freuen, wie Nagare zwei Wochen später das gesuchte Gericht serviert, Details zu den jeweiligen Zutaten und Kochmethoden weitergibt und von seinen Recherchen berichtet, welche nicht minder interessant zu lesen sind. Verbunden sind die Episoden u.a. durch eine Streunerkatze, welche in jedem Kapitel auftauscht und auf ihre Art zusätzliche Herzlichkeit vermittelt.
Ein wunderschönes Buch, welches mir viel Freude bereitet hat, in die Atmosphäre des Kamogawa Shokudō einzutauchen, den vielfältigen Berichten der Kunden zu lauschen sowie mit Spannung das Ergebnis von Nagares Nachforschungen zu erfahren.

Bewertung vom 22.06.2023
Handel, Christian;Suchanek, Andreas

Tränen aus Gold und Silber / Spiegelstadt Bd.1


ausgezeichnet

Auf ins magische Berlin der 1920er
Nach Jahren kehrt Max zurück nach Berlin, in die Stadt seiner Kindheit. Um ihn auf andere Gedanken zu bringen schleppt seine beste Freundin Robin ihn auf eine Motto-Party rund um die Goldenen Zwanziger. Dorthin flieht auch Lenyo vor seinen Verfolgern, gerät mit Max aneinander - und ehe sie sich versehen, sind alle drei vor Lenyos Feinden auf der Flucht. Dass sie dabei plötzlich in einem Berlin landen, das der Stadt vor 100 Jahren ähnelt, muss ein Traum sein... doch der Traum wird noch um einiges schräger und entpuppt sich leider als eine Wahrheit voller Magie, Intrigen und mächtiger Feinde. Und Max, Lenyo und Robin stecken mittendrin.
Wer ausgefallene fantastische Ideen, Spannung und überraschende Wendungen mag wird bei diesem ersten Band der Dilogie das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen. Gleich zu Beginn schnellt die Spannungskurve hoch und die Handlung bietet jede Menge Abwechslung, magische Details, schwarzen Humor und einige echt fiese Wendungen. Ein wenig queere Lovestory ist ebenfalls vorhanden, der Schwerpunkt liegt allerdings im fantastischen Abenteuer selbst, ohne sich allzu lang mit Nebensächlichkeiten aufzuhalten. Diverse Geheimnisse gilt es hierbei zu entdecken, die Story bleibt unvorhersehbar und die Charaktere sind herrlich vielfältig gestaltet. Auch das Magiesystem rund um die im Titel benannten Tränen aus Gold und Silber bietet so manche Überraschung.
Rasante Story, überraschende Wendungen und faszinierende magische Details - ein herrlicher Start in eine fantastische Dilogie.

Bewertung vom 22.06.2023
Wolf, Klaus-Peter

Das Versprechen / Ein mörderisches Paar Bd.1


ausgezeichnet

Knallhart aber herzlich
Wer die Ostfriesenkrimis von Klaus-Peter Wolf kennt, dem ist auch Dr. Bernhard Sommerfeldt ein Begriff. Dieser betreibt nun, optisch ein wenig modifiziert, eine lukrative Privatklinik der besonderen Art an der ostfriesischen Küste unter dem Namen Dr. Ernest Simmel. An seiner Seite seine schlagfertige Partnerin im wahrsten Sinne des Wortes, welche manchen LeserInnen seit dem letzten Spin off bekannt sein dürfte.
Die Hochzeit der beiden steht kurz bevor. Während sie sich um die ersten Vorbereitungen kümmert, möchte Sommerfeldt alias Simmel ein letztes Mal Ungerechtigkeit rächen, nachdem ein Schüler sinnlos an einer Überdosis Drogen gestorben ist. Dass er damit eine unvorhersehbare Kette an Ereignissen in Gang setzt, in welche nicht nur das bekannte Ermittlungsteam um Ann-Kathrin Klaasen involviert wird, sondern auch Sommerfeldts Erzfeind auf den Plan ruft, kann ja niemand ahnen.
Ich liebe die Spin offs der Ostfriesenkrimis, diese sind noch eine Spur lustiger und bieten so manch schräge Szene sowie trockenen Humor. Neben dem gewohnten Lokalkolorit darf natürlich der ganz besondere Blick des Autors auf die Menschen nicht fehlen, beschreibt er doch Details und Gedanken, welche in anderen Romanen ignoriert werden, dem Ganzen aber eine besondere Note verleihen. Und aus einem Superbösewicht auch schnell mal einen Typen mit Schwächen und Fehlern machen. Ich hab mich bei dem ersten Band des Mörderischen Paars gut unterhalten gefühlt, auch wenn etwas mehr Sommerfeldt, pardon: Simmel, mir noch besser gefallen hätte. Zudem bietet der Autor mal wieder Raum für eine nicht minder unterhaltsame Fortsetzung. Bin gespannt.

Bewertung vom 16.06.2023
Schlenz, Kester;Jepsen, Jan

Der Bojenmann / Kommissar Knudsen Bd.1


sehr gut

Hanseatisch-maritime Ermittlungen in einem aussergewöhnlichen Fall
In diesem Krimi muss man nicht lange auf die erste Leiche warten, steht diese doch dekorativ in der Hamburger Elbe. So aussergewöhnlich, wie das mutmaßliche Opfer präpariert wurde, gestalten sich auch die Hintergründe, welche den Ermittlern erst mit der Zeit klar werden. Den Ermittelnden Thies Knudsen und Dörte Eichhorn steht neben Forensikerin Susi Dierks inoffiziell der ehemalige Kapitän und Lotse Oke Andersen zur Seite. Und schon kurze Zeit später dekoriert eine weitere Leiche das Tor zur Welt.
Der Bojenmann ist ein Krimi mit viel Lokalkolorit, in welchem diverse Details zu Hamburg Erwähnung finden. Für den hanseatischen Einschlag sorgt der frühere Seemann Oke mit seiner nordischen Art, geheimnisvoll wirken die Rückblicke in die Kindheit des Täters. Zusätzlich sind einige Fakten rund um die Seefahrt, hier insbesondere zu Containerschiffen, mit eingebaut, welche so manche Dinge kritisch beleuchten. Aber ob oder inwiefern dies mit dem Fall zu tun hat oder nicht bleibt zunächst offen.
Der Fall gestaltet sich in der Tat als aussergewöhnlich, die Spannung wird durch viele interessante Details ein wenig in die Länge gezogen. Als erfrischend empfand ich die Szenen mit Oke und dem ihm ganz eigenen Charme, während mich bei Thies und Dörte deren wiederholten Rechtfertigungen gegenüber den Lesern, warum sie wie leben, einfach störten.
Alles in allem ein aussergewöhnlicher Fall mit viel interessanten Fakten und einem sympathischen Sidekick (Oke), der leider ein wenig in der Spannungskurve schwächelt. Das Ende bietet einen gelungenen Aufhänger für eine Fortsetzung, ist vielleicht nicht jedermanns Ding, mir hat es gefallen.
Kleiner Fun Fact: Bei Klaus-Peter Wolf liegt dieser Roman bei einem seiner Ermittler auf dem Nachttisch.

Bewertung vom 16.06.2023
Thomas, Aiden

SOL. Das Spiel der Zehn


ausgezeichnet

Kunterbuntes from-Zero-to-Hero Abenteuer
Mit dem ersten Band der SOL-Dilogie hat Aiden Thomas ein kunterbuntes Feuerwerk fantastischer Ideen geliefert. Gleich zu Beginn lernt man das Worldbuilding im wahrsten Sinne des Wortes kennen, die Entstehung der Welt, die Erschaffung der Gottheiten und Menschen und der anschließende, tragische Verlauf, welcher zur heutigen Gegenwart führte. In dieser Welt lebt der Jugendliche Teo, Sohn der Göttin Quetzal, Patronin einer der vielen Städte in Reino del Sol. Als Halbgott hat er, ebenso wie alle anderen Halbgöttinnen und -götter, besondere Eigenschaften und Fähigkeiten, die ihn von den Menschen abheben. Der Umgang hiermit ist unterschiedlich, einige Halbgottheiten haben mit starken Vorurteilen zu kämpfen, während andere als regelrechte Superheldinnen und -helden bejubelt werden.
Dieses Jahr finden die alle zehn Jahre stattfindenden Sonnenspiele statt, in welchen zehn auserwählte, halbgöttliche Jugendliche um den Platz der lichttragenden Person wettstreiten. Ein ehrenvoller ebenso wie äusserst wichtiger Titel in Reino del Sol. Und obwohl Teo nicht zu den Favoriten zählt und in keinster Weise für den Wettbewerb vorbereitet wurde, wird er als Wettkämpfer erwählt. Das Problem: Wer verliert, wird als Opfer dargebracht. Welche Chancen hat Teo da schon zwischen all den Heldenhaften?
Mich hat Aidens Ideenvielfalt diesmal stark fasziniert. Beginnend mit Teos Heimatstadt, in welcher alles kunterbunt ist und Vögel in allen Farben und Formen das Leben aktiv bereichern. Vögel, mit denen Halbgott Teo dank seiner Mutter Quetzal sogar kommunizieren kann. Teo selbst trägt sein Herz am rechten Fleck, fällt vielleicht nicht immer die vorbildlichsten Entscheidungen und hat mit diversen Vorurteilen zu kämpfen, auf welche nach und nach eingegangen wird. Generell geht Aiden auf die Gefühle und Probleme diverser Charaktere wieder angenehm einfühlsam ein. Doch Teo selbst trägt auch so manche Vorurteile in sich, insbesondere gegenüber den Golds, den mächtigeren unter den Halbgottheiten: In seinen Augen alles arrogante Angeber, seine beste Freundin Niya mal ausgenommen, welche mir als toughe und erfrischend direkte junge Frau am besten von allen gefallen hat.
Die gewählten Prüfungen mochte ich ebenfalls gerne lesen, zumal sie endlich mal nicht aus unnötigeren Quälereien der Jugendlichen bestanden, sondern vielmehr Mut, Herz und Verstand forderten. Neben dem unterhaltsamen Verlauf der Spiele sowie dem Verhalten der Jugendlichen untereinander gibt es zudem eine überraschende Wende in der Handlung, welche sich in kleinen Details ankündigt.
Ein leicht zu lesendes Fantasy-Abenteuer mit lauter kunterbunten Ideen und queeren Charakteren, dessen Fortsetzung ich sehnsüchtig erwarte.

Bewertung vom 04.06.2023
Kuang, R. F.

Babel


gut

Gute Idee minderspannend umgesetzt
In den 1820er Jahren einer Welt ähnlich der unseren bezieht die Kolonialmacht Großbritannien ihre Stärke aus dem Silberwerk, einer auf besonders behandelten Silberbarren beruhenden Magie. Doch das Streben nach noch mehr Macht und Reichtum kann nur auf Kosten anderer Länder und Kolonien erfolgen. Über all dies macht sich der junge Robin zunächst keine Gedanken, als er, beinahe von der Cholera dahingerafft, von einem fremden Briten geheilt und aus dem chinesischen Kanton nach London gebracht wird. Hier wird er darauf vorbereitet, in Oxford im Turm Babel zu studieren, welcher für die Produktion der Silberwerk-Barren eine entscheidende Bedeutung trägt. Zunächst begeistert von dem vielen neuen Wissen rund um Worte und Sprachen erhält Robins Enthusiasmus einen ersten Dämpfer, als er mit kritischem Gedankengut rund um die politischen Interessen Großbritanniens in Kontakt kommt. Doch seine Loyalität gilt zunächst Großbritannien - bis seine eigene Heimat China im Visier steht.
Die Idee an sich gefiel mir, ein magisch gestärktes Großbritannien und ein dort aufgewachsener chinesischer Junge, welcher sich vor einem drohenden Opiumkrieg entscheiden muss, wem seine Loyalität gilt. Eine Idee mit jeder Menge Potential. Auch das Magiesystem, welches man mit Robins Betreten von Babel endlich genauer kennenlernt, ist aussergewöhnlich. Was mir jedoch weniger gefiel war die Umsetzung des Ganzen. Mag sein, dass es Leute gibt, die mit Begeisterung gern noch ein und noch ein und noch ein Beispiel lesen wollen, wie das Magiesystem funktioniert. Nachdem ich das Prinzip verstanden hatte brauchte ich diese unzähligen Beispiele allerdings nicht mehr, zumal sie die Handlung in den meisten Fällen nicht voran brachten sondern eher in eine Sammlung interessanter Beispiele als Anhang gepasst hätten. Auch bremsten sie die Spannung aufs Ärgste aus. Ebenso war Robin als Erzählperspektive einfach langweilig: Der Junge lebt die ganze Zeit in seiner eigenen kleinen Blase und bekommt kaum mit, was um ihn herum geschieht, von der Weltpolitik ganz zu schweigen. Entsprechend bekommt man von der Welt nur das mit, was andere erwähnen oder jemand aus der Zeitung vorliest. Und selbst dann ist Robin primär mit sich selbst beschäftigt. Auf Dauer empfand ich das als ziemlich enttäuschend, statt unzähliger Magiebeispiele hätte ich lieber etwas mehr vom brisanten Weltgeschehen mitbekommen, welches die Autorin einem schlichtweg größtenteils vorenthält. Oder einfach von Robin und seine Kommilitonen, welche nicht selten mit Diskriminierung konfrontiert wurden. Da hätt man so viel draus machen können. Stattdessen liest sich das Buch über Längen wie eine Mischung aus Bericht und Sachbuch über Sprachforschung, entsprechend distanziert und flach blieben die Charaktere. Und der versprochene Bezug auf die Opiumkriege war auch eher enttäuschend.
Mir hätte das Buch deutlich besser gefallen, wenn die Autorin sich nicht nur auf ihre vielen magischen und nichtmagischen Sprachbeispiele, sondern auch auf die Charakterentwicklung und das Weltgeschehen konzentriert hätte. Zudem war die Perspektive des weltfremden, ichbezogenen Robin auf Dauer einfach öde. Ebenso hätte mehr „show, don’t tell“ dem Roman gut getan. So waren es statt großer Ereignisse und Erlebnisse doch nur die kleinen Appetithäppchen des großen Abenteur-Buffets.

Bewertung vom 28.05.2023
Mirow, Benedict

Angriff der Dämonen / Der Druide von Mistle End Bd.1


ausgezeichnet

Herrlich spannendes Abenteuer mit Kobolden, Einhörnern und Dämonen
Gleich zu Beginn möchte ich betonen, wie begeistert ich vom Einfallsreichtum des Autoren bin. Hat mich die erste Trilogie, die Chroniken von Mistle End, schon in ihren Bann schlagen können, legt die Fortsetzung nochmal einiges obendrauf. Sowohl an Spannung als auch in der Vielfalt der Götter- und Fabelwesen. Dabei beginnt es zunächst ganz harmlos mit einem Ausflug der Kinder nach Edingburgh, wo Jungdruide Cedric, Gestaltwandlerin Emily und ihr Bruder und Hexer Elliot bei einem Verwandten der Geschwister unterkommen. Grund ist eine Einladung zur Party des dortigen Hexenzirkels. Doch bevor die Party steigt, geht es schon los: Ein mysteriöser Kater spricht eine Warnung aus, ein wütendes Einhorn taucht auf und Elfen verschwinden. Hinter allem steckt eine Verschwörung so immensen Ausmaßes, dass die Kinder diese nur gemeinsam mit einem alten Bekannten und dessen aussergewöhnlichen Begleiter bekämpfen können.
Die Spannung steigt schnell an und bleibt stetig hoch, zumal die Bedrohung diesmal Figuren aus Mythologie und Götterwelt einschließt. Es gibt ein Wiedersehen mit verschiedenen Figuren aus den früheren Büchern, was mich sehr gefreut hat. Zusammenhalt und Vertrauen werden wieder groß geschrieben und von den Kindern und Cedrics Seelentier, der Aderdame Skye, wunderbar gelebt. Ebenfalls schön zu lesen waren diverse Details den Haushalt des Verwandten betreffend, bei welchem die Kinder in Edingburgh unterkommen. Da liegen so einige Überraschungen verborgen.
Ein wunderschönes Abenteuer voller Spannung und Ideenvielfalt, welches man gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.