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Rinoa

Bewertungen

Insgesamt 217 Bewertungen
Bewertung vom 01.10.2020
Widholm, Annika

Vertigo - Und dann wird alles dunkel


weniger gut

Clara wohnt erst seit kurzem mit ihrem Freund Markus und seinen beiden Töchtern zusammen. Doch so richtig wohl fühlt sie sich dort nicht, zu vieles erinnert an Markus‘ verunglückte Frau und auch die beiden Töchter scheinen sie nicht zu akzeptieren.
Außerdem hat sie immer mehr das Gefühl, dass auch mit ihr selbst etwas nicht stimmt. Sie fällt plötzlich in Ohnmacht und wacht an ganz anderen Orten wieder auf, bildet sich Gerüche und Gegebenheiten ein und scheint zu allem Überfluss auch noch von einem Mann verfolgt zu werden. Steckt etwa Markus hinter all dem…?

Der Klappentext hat sich richtig spannend gelesen und ich habe mich sehr auf „Vertigo“ gefreut. Leider wollte der Funke aber nicht so recht überspringen.
Stattdessen fand ich die ganze Geschichte eher zäh und langatmig und Spannung kam bei mir kaum auf. Vieles bleibt einfach zu vage und besteht mehr aus Andeutungen als aus Konkretem, was komischerweise aber nicht dazu geführt hat, dass mich die Lektüre packen konnte. Eher das Gegenteil war der Fall.
Auch kommen immer wieder Fragen auf (insbesondere was es mit den Ohnmachtsanfällen auf sich hat), die dann aber nur unbefriedigend oder gar nicht beantwortet werden. Dies könnte eigentlich Spielraum für eigene Überlegungen schaffen, doch auch diesbezüglich hat mich die Handlung nicht gepackt.
Die Charaktere blieben mir letztendlich fremd und waren recht oberflächlich und blass, insbesondere mit Clara konnte ich überhaupt nichts anfangen.

Die Idee der Geschichte an sich finde ich richtig gut, leider hat mir die Umsetzung nicht gefallen bzw. war mir zu verworren. Es gibt auch immer wieder mystische Andeutungen, die aber für meinen Geschmack nicht konsequent genug verfolgt werden.

Auch das Ende hat mich nicht überzeugen können, es hat zwar schon zum Rest des Buchs gepasst, war mir dann aber doch zu sehr an den Haaren herbeigezogen.

Alles in allem hat „Vertigo“ leider nicht meinen Geschmack getroffen.

Bewertung vom 01.10.2020
Seeburg, Uta

Der falsche Preuße / Offizier Gryszinski Bd.1


ausgezeichnet

München 1894: Der aus Preußen stammende Ermittler Wilhelm Freiherr von Gryszinski ist noch nicht lange für die Königlich Bayerische Polizeidirektion tätig, als er es mit einem seltsamen Fall zu tun bekommt. Ein stadtbekannter Bierbeschauer wird tot aufgefunden, eingehüllt in einen Federumhang, ganz in der Nähe der Abdruck eines Elefantenfußes.
Doch nicht nur die Ermittlungen in diesem Mordfall halten Gryszinski auf Trab, plötzlich findet er sich in einem Loyalitätskonflikt wieder – muss er sich tatsächlich zwischen seiner preußischen Herkunft und seiner Integrität als bayerischer Beamter entscheiden…?

Was für ein tolles Buch! Ich bin immer noch ganz begeistert von dem gesellschaftlichen Panorama, das Uta Seeburg vor dem Leser ausbreitet und der wirklich wunderbaren Sprache, die sie dabei nutzt. Ich konnte Wilhelm Freiherr von Gryszinski nicht nur bei seiner Tätigkeit als Ermittler über die Schulter schauen, im bin mit ihm auch durch München flaniert, hätte gerne mit ihm all die beschriebenen Leckereien gespeist und habe allgemein einen sehr interessanten Einblick in sein Leben und das seiner Familie erhalten.

Dazwischen gibt es immer wieder allerlei Interessantes zum Thema Kriminalistik, die Ende des 19. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen steckte und von Gryszinski immer wieder angewendet wird. Ich fand es sehr spannend zu lesen, wie damals bei der Aufklärung von Verbrechen gearbeitet wurde, wie die Kriminalistik immer mehr Einzug in Ermittlungen findet und wie viel man davon heute noch kennt und anwendet.
Dazu passen auch die Zitate aus Hans Groß‘ „Handbuch für Untersuchungsrichter Polizeibeamte, Gendarmen etc.“, die immer am Anfang jedes Kapitels stehen, ein berühmter Kriminologe, bei dem Gryszinski (zumindest im Buch) in die Lehre ging.

Bei „Der falsche Preuße“ hat für mich wirklich alles gestimmt, und ich hoffe sehr, dass es noch weitere Fälle mit dem sympathischen Ermittler Gryszinski gibt. Von mir eine ganz klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 11.09.2020
Peters, Maria

Die Dirigentin


gut

USA in den 1920er Jahren: Die gebürtige Niederländerin Antonia Brico lebt für die Musik und übt am liebsten an einem alten Klavier, das ihr Vater auf dem Müll gefunden hat und das sie mit Decken ausstopft, um ihre herrschsüchtige Mutter nicht zu verärgern.
Immer wieder werden ihr Steine in den Weg gelegt und für ihren Traum, Dirigentin zu werden, verlässt sie sogar ihre große Liebe Frank. Doch ihr Traum scheint nicht Wirklichkeit werden zu können, eine Frau als Dirigentin, so etwas gibt es nicht!
Doch Antonia kämpft und gründet schließlich ein Orchester nur aus Frauen, mit ihr selbst als Dirigentin.

Sowohl, dass „Die Dirigentin“ auf einem gleichnamigen Film beruht, als auch dass es Antonia Brico wirklich gab, habe ich erst im Nachhinein erfahren. Ich finde es bewundernswert, wie sie es geschafft hat, sich in dieser von Männern dominierten Branche und in einer noch viel schwierigeren Zeit als heute durchzusetzen und am Ende tatsächlich auch ihren Traum – zumindest ein Stück weit – umsetzen konnte.
Leider hat mir das Buch an sich allerdings nicht ganz so gut gefallen.

Zunächst einmal fand ich es sehr verwirrend, dass alle Perspektiven (Antonias, die den größten Teil ausmacht, Franks und Robins) in der Ich-Form geschrieben werden. Zwar steht über jedem Kapitel der Name des jeweiligen Erzählers, trotzdem hat mich diese Erzählweise mehr als einmal irritiert und ich musste innerlich erst umschalten. Mir hätte es besser gefallen, nur Antonia als Hauptfigur in der Ich-Form erzählen zu lassen.
Zum anderen fand ich die Geschichte um Antonia recht oberflächlich erzählt; viele Geschehnisse werden auch nicht sehr ausführlich behandelt, so dass es mir letztendlich an Tiefe gefehlt hat, was auch dazu führte, dass ich Antonia nie so richtig nahe kam.

Zwischendurch gab es zwar auch immer wieder interessante Informationen und Wissenswertes über Musiker, Instrumente und Musik im allgemeinen, im Großen und Ganzen hat „Die Dirigentin“ allerdings leider nicht ganz meinen Geschmack getroffen.

Bewertung vom 05.09.2020
Henning, Greta

Halligmord / Minke-van-Hoorn Bd.1


ausgezeichnet

Die frisch gebackene, junge Kommissarin Minke van Hoorn bekommt es gleich an ihrem ersten Tag in ihrer neuen Wirkungsstätte mit einem alten Fall zu tun:
Zwischen den beiden Warften auf der kleinen Hallig Nepken werden menschliche Überreste gefunden, Jahrzehnte alt.
Was ist vor 30 Jahren in einer ähnlich stürmischen Nacht wie der, die bald schon kommen soll, wirklich geschehen? Als dann auch noch der Sohn des Deichgrafen verschwindet wird klar, dass jemand die Vergangenheit lieber ruhen lassen möchte.

Schon das Cover hat mir richtig gut gefallen und passt ganz hervorragend zum Setting, in dem „Halligmord“ spielt: Auch wenn ich aus einer ganz anderen Ecke komme, hat es die Autorin geschafft, die Atmosphäre und auch die spezielle Natur der Schauplätze für mich lebendig und fast schon fühlbar zu machen.

Auch sprachlich hat mich das Buch überzeugt, es ist toll geschrieben und ich habe es fast in einem Rutsch durchgelesen, denn der Autorin gelingt es darüber hinaus, jederzeit die Spannung hoch zu halten.
Durch kleine Einschübe vor den jeweiligen Kapiteln, erfährt der Leser mehr und mehr, was in der Nacht vor 30 Jahren geschah und wie es überhaupt dazu kommen konnte. Aber erst am Ende wird das ganze Ausmaß klar, ein weiterer Grund, warum ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Gut gefallen hat mir auch, dass in den jeweiligen Kapiteln die verschiedenen Absätze aus Sicht verschiedener Personen beschrieben werden, vieles wird nur angedeutet und auch hier webt die Autorin am Ende geschickt alle Fäden zu einem stimmigen Ganzen zusammen.

Ich habe die Lektüre von „Halligmord“ wirklich sehr genossen und wenn schon damit geworben wird, dass es der 1. Fall von Minke van Hoorn ist, dann hoffe ich, dass bald schon der 2. erscheint, den ich dann auch unbedingt lesen möchte.

Bewertung vom 05.09.2020
Grimm, Sandra

Im Wald / Lotta entdeckt die Welt Bd.1


ausgezeichnet

Heute entdeckt Lotta den Wald – zusammen mit Hund Zottel und ihrem Opa ist sie unterwegs und es gibt allerlei zu sehen. Wildschweine, Eichhörnchen, Rehe, Igel, Vögel, aber natürlich auch viele unterschiedliche Pflanzen und Bäume tummeln sich hier. Und mit den gesammelten Stöcken kann man sich Zuhause eine tolle Höhle bauen.

„Lotta entdeckt die Welt: Im Wald“ aus dem Hause Ravensburger ist wirklich sehr schön und ansprechend gestaltet. Der Wald im Hintergrund besteht dabei aus echten Fotos, Details wie Tiere, Pflanzen und natürlich Lotta, ihr Hund Zottel und ihr Opa wurden liebevoll hinein gezeichnet. Zusammen ergibt dies wirklich tolle Bilder.

Auch gut gefallen hat mir, dass der Text auf jeder Seite (der altersgerecht allerdings eher schlicht gehalten ist) bzw. einzelne Wörter innerhalb des Texts herausragen: So wird das Wort „klein“ auch tatsächlich kleiner geschrieben als der Rest, das Wort „hoch“ ist etwas hochgestellt etc. Diese kleinen Details fand ich echt toll, auch wenn sie der Zielgruppe (also Kindern ab 18 Monaten) wohl eher nicht besonders auffallen werden.

„Lotta entdeckt die Welt: Im Wald“ ist ein tolles Büchlein, bei dem für mich alles passt, es ist von der Größe her für meinen Geschmack genau richtig (nicht zu groß, aber auch nicht zu klein), die Seiten sind stabil und die Illustrationen wirklich zauberhaft.
Meine Tochter und ich werden es sicher noch oft zusammen anschauen.

Bewertung vom 05.09.2020
Tress, Sylvia

Mein Puste-Licht-Buch: Die kleine Tröste-Fee


ausgezeichnet

„Geht es dir mal nicht so gut, macht die Tröste-Fee dir Mut!“
Egal ob ein blauer Fleck, eine Erkältung, ein Bienenstich oder Bauchschmerzen, mit Hilfe der Tröste-Fee wird es schnell wieder besser und tut nur noch halb so weh.

Die Illustrationen sind wirklich herzallerliebst gestaltet, in schönen, gedeckten Farben, nicht überladen, aber doch mit zahlreichen schönen Details.
Die Texte sind in Reimform gehalten, hier stehen jedoch dem empfohlenen Alter entsprechend (ab 18+ Monate) die Bilder im Vordergrund.

Highlight ist natürlich die Fläche zum Hineinpusten, die sich ganz unten befindet. Durch das Pusten gehen auf jeder Seite einige kleine Lichtpunkte an, was das ganze Büchlein wirklich zu etwas Besonderem macht.

Meine Tochter, die altersmäßig genau bei den 18 Monaten liegt, schafft es zwar noch nicht, die Lichter durch pusten anzuschalten; diese reagieren allerdings auch auf leichten Fingerdruck auf die Pustefläche, so dass es trotzdem ein Erfolgserlebnis gibt.

„Die kleine Tröste-Fee“ ist ein wirklich schönes und niedliches kleines Büchlein, das uns sicher noch viel Freude bereiten wird.

Bewertung vom 05.09.2020
Roslund, Anders

Geburtstagskind / Ewert Grens ermittelt Bd.6


ausgezeichnet

Schon der Anfang ist sehr beklemmend: Ein Mädchen – Zana – verbringt Tage mit seiner toten Familie in ihrer Wohnung, auf dem Tisch steht noch die Geburtstagstorte mit den fünf Kerzen. Dieser Fall lässt Kommissar Ewert Grens nicht los, auch, weil er ihn nie aufklären konnte.
17 Jahre später kommt jemand in die Wohnung zurück, jemand, der irgendetwas gesucht und offenbar auch gefunden hat. Und Grens ist klar, er muss Zana finden und schützen, denn wer auch immer in der Wohnung war, er ist jetzt hinter ihr her…

Dieses Buch ist anders. Ich habe schon viele Krimis gelesen, aber was Anders Roslund da mit „Geburtstagskind“ gelungen ist, das hatte ich bisher noch nicht allzu oft.
Virtuos strickt er eine Geschichte über Rache und Schuld, stets spannend und packend (selbst wenn gerade gar nichts total Spannendes passiert) und mit einer außergewöhnlichen Sprache.

Zunächst hält man als Leser erst einmal einige lose Fäden in der Hand, die nach und nach zusammengeführt werden und am Ende ein großes Ganzes ergeben.
Sowohl Ewert Grens als auch Piet Hoffmann sind wirklich sehr gut charakterisiert und ich konnte mich zwar mit keinem von beiden unbedingt identifizieren, das war aber auch gar nicht nötig, die Beweggründe und Verhaltensweisen konnte ich trotzdem jederzeit nachvollziehen.

„Geburtstagskind“ ist kein Buch, dass man einfach mal so zwischendurch wegliest, dazu ist des doch zu schwere Kost, es ist sprachlich für meinen Geschmack wirklich sehr ausgereift und auch die Geschichte, die Anders Roslund vor dem Leser ausbreitet (und vor allem auch, wie er das tut) ist besonders.

Und auch wenn das Ende für meinen Geschmack etwas zu schnell erzählt wurde (im Gegensatz zum Anfang der Geschichte, der teilweise wirklich sehr ausführlich war), kann ich eine ganz klare Leseempfehlung abgeben – für mich ist „Geburtstagskind“ einer der Höhepunkte des bisherigen Lesejahres.