Benutzer
Benutzername: 
vo.nicole

Bewertungen

Insgesamt 41 Bewertungen
Bewertung vom 02.12.2025
Mustard, Jenny

Beste Zeiten


gut

In ihrem Roman „Beste Zeiten" erzählt Jenny Mustard die Geschichte von Sickan. Die 21-Jährige, will nach Jahren des Mobbings und der Enge in der schwedischen Provinz ein neues Leben in der Großstadt beginnen: Freundschaften schließen, sich verlieben und herausfinden, wer sie eigentlich ist. Doch das, was man sich unter einem „richtigen Leben“ vorstellt, ist komplizierter, als sie denkt.

Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, wodurch man gut in die Geschichte hineinkommt. Inhaltlich hat mich der Roman jedoch nicht ganz überzeugt. Es fehlt an einem klaren Spannungsbogen, und viele, auch sehr emotionale und gesellschaftlich relevante Themen werden zwar angeschnitten, aber bleiben an der Oberfläche. Dadurch wirkt die Handlung stellenweise etwas sprunghaft, ohne klare Linie und mit wenig Tiefgang. Die Hauptfigur bleibt für mich eher blass und bietet wenig Identifikationspotenzial. Auch das Ende konnte mich nicht wirklich erreichen. Insgesamt fehlt für mich eine klare Botschaft, die ich mitnehmen kann.

Insgesamt ein Roman, der sprachlich solide ist, aber inhaltlich zu wenig Tiefe und Struktur bietet, um nachhaltig in Erinnerung zu bleiben.

Bewertung vom 02.12.2025
Schäfer, Stephan

Jetzt gerade ist alles gut


sehr gut

Stephan Schäfer erzählt in „Jetzt ist gerade alles gut“ von einem Mann, dessen Leben sich nach einer lebensbedrohlichen Sepsis grundlegend verändert. Der Roman zeigt, wie nah Leben und Vergänglichkeit beieinanderliegen und wie schnell sich alles von einer Sekunde auf die andere wandeln kann.

Wie schon in „25 letzte Sommer“ überzeugt Schäfer auch hier mit seinem klaren, einfühlsamen Schreibstil. Die Sprache ist schlicht, aber voller Bedeutung. Es geht weniger um eine durchgehende Handlung, sondern um viele kleine Episoden, die uns daran erinnern, im Alltag innezuhalten und die kleinen Augenblicke bewusst wahrzunehmen.

Das Buch vermittelt eine leise, aber nachhaltige Botschaft über Dankbarkeit, Achtsamkeit und das Leben im Moment. Man kann es in einem Zug lesen, aber es wirkt auch noch nach dem Zuklappen weiter. Besonders schön gelungen finde ich zudem die Gestaltung des Covers und Einbands, das perfekt zur ruhigen Stimmung des Buches passt.

Insgesamt ein stilles, aber sehr berührendes Buch - große Empfehlung!

Bewertung vom 01.12.2025
Gilbert, Elizabeth

All the Way to the River


gut

Elizabeth Gilbert erzählt in „All the Way to the River“ von ihrer tiefen Verbindung zu Rayya, die im Jahr 2000 beginnt. Aus einer Freundschaft entsteht eine außergewöhnliche Liebe: intensiv, kompromisslos und geprägt von zwei Menschen, die einander Halt geben und gleichzeitig an eigenen Abgründen ringen. Als eine schwere Diagnose alles verändert, wird ihre Beziehung zu einem Weg des Loslassens, der Nähe, aber auch des unausweichlichen Abschieds.

Die Stärke des Buches liegt in seiner Ehrlichkeit. Gilbert beschreibt ungeschönt, was Sucht, Liebe, Abhängigkeit und Verlust bedeuten können. Diese Authentizität macht das Lesen eindrücklich, aber für mich auch fordernd. Ich habe wenig Identifikationspotenzial, und das war vermutlich der Grund, weshalb ich nicht richtig warm geworden bin mit dem Buch. Manche Szenen wirkten auf mich überladen, einige Passagen wiederholten sich, was mir an manchen Stellen „zu viel“ wurde. Gelungen fand ich hingegen die eingestreuten Gedichte und Zeichnungen.

Insgesamt ist „All the Way to the River“ ein schonungslos offener Bericht über eine außergewöhnliche Liebe. Für mich persönlich blieb jedoch eine gewisse Distanz und zu wenig Identifikation.

Bewertung vom 06.09.2024
Jónsdóttir, Anna

Der abenteuerlichste Island Reiseführer Spektakuläre Orte, magische Gegenden und außergewöhnliche Erlebnisse Das Beste aus Natur und Kultur für deinen Urlaub


sehr gut

„Der abenteuerlichste Island-Reiseführer“ von Anna Jónsdóttir verspricht spektakuläre Orte, magische Gegenden und außergewöhnliche Erlebnisse.

Auf mehr als 130 Seiten werden die 70 schönsten Plätze Islands aufgezeigt. Neben beeindruckendem Bildmaterial werden die Orte auch textlich erläutert sowie Tipps hinsichtlich bester Reisezeit, Preisen sowie Zeitumfang gegeben. Eine nummerierte Landkarte zu Beginn des Buches gibt einen geografischen Überblick zu den Orten und möglichen Routen für Touristinnen und Touristen. Darüber hinaus ist positiv hervorzuheben, dass mit QR-Codes gearbeitet wurde und man so auch interaktiv noch weitere Informationen zu Island erhält. Außerdem gibt es auch Tipps für einzigartige Übernachtungsmöglichkeiten, wie der Glass Lodge in Borgarnes oder das Torfhaus in Selfoss. Auch die isländische Kultur wird durch Nationalgerichte nähergebracht.

Ich hätte mir gewünscht, dass – gerade wenn man noch in den Anfängen der Planung steckt – auch explizite Reiserouten mit Angabe von Tagen und Kilometer/Fahrtzeiten angegeben werden. Damit könnte der Reiseführer noch reisefreundlicher gestaltet werden.

Ansonsten aber alles in allem ein sehr wertvoller Ratgeber, der Lust auf eine Reise nach Island macht.

Bewertung vom 30.08.2024
Bronsky, Alina

Pi mal Daumen


sehr gut

Der Roman „Pi mal Daumen“ von Alina Bronsky erzählt die Geschichte zweier Außenseiter, die gegensätzlicher nicht sein könnten – und die am Ende durch ein enges Band der Freundschaft verbunden sind.

Oscar ist hochbegabt, 16 Jahre alt und studiert Mathematik. Moni Kosinsky ist über 50, hat mehrere Jobs, ist schon mehrfache Großmutter und möchte sich nun den Traum des Mathematik-Studiums erfüllen. Gleich zu Beginn lernen sich die beiden kennen. Während Oscar die resolute Moni zu Beginn noch belächelt, erkennt er bald ihre Kompetenzen – und wie wichtig auch ihre Freundschaft für ihn wird.

Alina Bronsky brilliert in diesem Buch mit einem Schreibstil, der seinesgleichen sucht. Unglaublich charmant, kurzweilig und spritzig erzählt sie die Geschichte der beiden ungewöhnlichen Helden. Die Figuren sind auf ihre eigene Art sehr sympathisch und bieten Identifikationspotenzial. Der Spannungsbogen war für mich durchgehend hoch und ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Ich hätte mich gefreut, neben Oscar auch noch die Perspektive von Moni kennenzulernen – und hoffe daher auf einen zweiten Teil. Eine Fortführung würde mich auch reizen, da ich das Ende leider nicht ganz zufriedengestellt und abgeholt hat.

Alles in allem aber auf jeden Fall eine Empfehlung für diesen raffinierten und tragikomischen Roman.

Bewertung vom 31.07.2023
Daverley, Claire

Vom Ende der Nacht


sehr gut

Claire Daverley erzählt in ihrem Roman "Vom Ende der Nacht" die tiefsinnige Liebesgeschichte von Will und Rosie.

Will und Rosi könnten nicht gegensätzlicher sein und doch verlieben sich die beiden und spüren eine große Verbundenheit zueinander. Diese wird allerdings erschüttert durch das Leben. Die Welten der beiden zerbrechen und führen dazu, dass sie sich loslassen. Aber niemals ganz - über all die Jahre finden sie irgendwie immer wieder zueinander.

Bereits der Epilog des Buches verspricht Drama und Herzschmerz. Der Spannungsbogen hält über die Länge des Buches an. Mit einem sehr feinen und ansprechenden Schreibstil bindet Claire Daverley die Leserin bzw. den Lesern an ihr Buch. Die Charaktere werden dabei sehr schön und detailliert ausgearbeitet, bieten dadurch allerdings nur bedingt Identifikationspotenzial. Manche Verhaltensweisen können daher nicht immer nachvollzogen werden. Neben der durchweg aufwühlenden Liebesgeschichte der beiden Protagonisten werden darüber hinaus auch Aspekte wie Body Shaming, Zwangsstörungen, Homosexualität und Trauer werden ebenso thematisiert.

Alles in allem ein wunderbarer Herzschmerz-Roman, perfekt als Begleitung für den Sommerurlaub.

Bewertung vom 03.04.2023
Jebens, Franziska

Immer am Meer entlang


ausgezeichnet

Der Roman „Immer am Meer entlang“ von Franziska Jebens ist ein Buch über Fernweh, Fahrtwind und Liebe im Gepäck – zwei Ausreißer finden auf ihrem Weg die Liebe und die Freiheit.
Josi und Paul sind die Protagonisten des Buches. Josi hegt schon lange den Wunsch mit einem alten Bulli Europa zu erkundigen und hat die dazugehörige Route schon jahrelang geplant. Paul hingegen zieht es kurzfristig in die Ferne und spontan baut er alle Zelte in Deutschland ab und begibt sich auf ein Abenteuer. Durch Zufall treffen die beiden aufeinander – aus Zufall wird irgendwann Absicht und immer mehr Gefühle entwickeln sich.
Der Roman wird aus den zwei unterschiedlichen Perspektiven von Josi und Paul geschrieben – beide Protagonisten bergen dabei großes Identifikationspotenzial und sind herrlich sympathisch. Der Perspektivwechsel hält den Spannungsbogen durchweg hoch. Der Schreibstil ist dabei ebenfalls sehr flüssig und man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Sehr authentisch beschreibt Franziska Jebens die Orte in Europa – selbst als Leserin fühlt sich das Buch wie Urlaub an. Geschickt sind die Handlungsstränge und Orte aufeinander abgestimmt und harmonisieren perfekt zueinander.
Alles in allem eine große Empfehlung für jeden, der eine sonnige Flucht aus dem Alltag sucht.

Bewertung vom 28.12.2022
Coccia, Emanuele

Das Zuhause


gut

Das Sachbuch „Das Zuhause. Philosophie eines scheinbar vertrauten Ortes.“ des italienischen Philosophen und Professors Emanuele Coccia ist ein literarisches Werk über den Begriff „Zuhause“.

Emanuele Coccia sinniert in seinem Buch über die Bedeutung des Zuhauses und macht deutlich, dass „Drei Zimmer, Küche, Bad“ keineswegs bereits eine ausreichende Erklärung dafür ist. Im Verlaufe des Buches setzt er sich dabei mit einer Vielzahl von Themen auseinander, die zu einem „Zuhause“ dazugehören: Von Badezimmern und Schränken über Umzüge bis hin zu Haustieren und Gärten. Dabei nimmt er auch immer wieder Bezug zu den Großen seines Fachs – neben Pythagoras, Platon und Aristoteles bezieht er sich auch auf Prometheus oder die erste große Abhandlung über die Ökologie „De Oeconomia Naturae“ von Isaac Biberg. Schlussendlich arbeitet Coccia heraus, dass es für unsere Gesellschaft unabdingbar ist, das Zuhause feiner und flexibler zu gestalten, um der Volatilität unserer Erde begegnen zu können.

Der Schreibstil des Buches ist gut zu lesen, besonders die persönlichen Anekdoten des Autors sind dabei besonders spannend und erfrischend. Teilweise verliert sich das Buch in philosophischen Gedanken, die nicht unbedingt greifbar sind. Das Buch bedarf definitiv Konzentration und der Wille, sich auf dieses – teilweise doch – abstrakte Thema einzulassen.

Alles in allem vor allem für Philosophie-Begeisterte eine interessierte Abhandlung über den Ort, an dem wir die meiste Zeit unseres Lebens verbringen – unser Zuhause.

Bewertung vom 15.08.2022
Noort, Tamar

Die Ewigkeit ist ein guter Ort


gut

Tamar Noort beschreibt in ihrem Roman „Die Ewigkeit ist ein guter Ort“ über eine junge Pastorin in einer Sinnkrise ihren Glauben betreffend. Kann man Gott vergessen?

Der Roman spielt in Köln und in einer norddeutschen Provinz. Protagonistin ist Elke, eine junge Pastorin mit großen Ambitionen, die urplötzlich die Worte des Vaterunsers vergisst. Erschrocken darüber fährt sie an den Ort ihrer Kindheit wieder und konfrontiert sich mit ihrer Vergangenheit. Liegt hier die Lösung zur Heilung ihrer „Gottdemenz“?

Der Schreibstil der Autorin ist grundsätzlich angenehmen und man findet – vor allem durch den seichten Anfang zur Karnevalszeit – gut in die Geschichte hinein. Tamar Noort spricht oft in Metaphern, bringt Aussagen prägnant auf den Punkt und stellt so die Glaubenskrise von Elke in den Mittelpunkt. Durch die Erzählung und Rückblick der Vergangenheit erscheint das Buch kurzweilig und auf mehreren Ebenen spannend. Mit Elke selber konnte ich mich als Leserin nicht wirklich identifizieren. Ihr Verhalten erschien mir teilweise etwas sonderbar. Vor allem ihre Beziehung zu Jan war nur schwierig zu greifen; hier konnte ich mehr mit Jan und seinen Ansichten mitfühlen.

Alles in allem ein Roman, der mich persönlich als Leserin nicht komplett abgeholt hat. Aber sicher für Menschen, die sich aktuell mit ähnlichen Fragestellungen wie Elke quälen, eine Bereicherung darstellen kann.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.07.2022
Adams, Marie

Carolas Chance / Das Haus der Hebammen Bd.2


sehr gut

Marie Adams erzählt im zweiten Band der „Das Haus der Hebammen“-Trilogie die Geschichte rund um die drei Hebammen Susanne, Carola und Ella weiter. Im Fokus des Bandes steht Carola und der Balance-Akt zwischen Familie und Beruf.
Die Geschichte setzt einige Jahre nach Ende des ersten Bandes in der Mitte der 90er Jahre ein – nach wie vor führen die drei Freundinnen das Geburtshaus im Herzen Kölns. Während Ella sich in der Zwischenzeit ihren Traum vom Arbeiten in Afrika erfüllt hat, aber weiterhin mit der Männerwelt hadert, hat Susanne noch immer mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch zu kämpfen. Einzig Carola macht den Anschein, dass sie den Spagat zwischen Familie und Beruf souverän meistert. Doch der Schein trügt.
Wie bereits Band 1 überzeugt auch der vorliegende Roman mit einem sehr flüssigen Erzählstil. Der Wechsel der Perspektiven zwischen den drei Hebammen sorgt für Kurzweiligkeit und Spannung. Auch ohne Vorkenntnisse aus dem ersten Buch der Reihe lässt sich dieses Buch problemlos lesen, da in vielen Stellen auf die relevanten vorangegangenen Geschehnisse verwiesen wird. Die Figuren des Romans sind dabei durchweg sympathisch charakterisiert und machen einen authentischen Eindruck. Auch bei den zu behandelten Patientinnen wird ein Querschnitt an Charakteren dargestellt, wodurch das Buch einen insgesamt realistischen und glaubwürdigen Einblick liefert. Besonders gefallen haben mir als Leserin die vielen Verweise auf die typischen Merkmale und den Klatsch und Tratsch der 90er Jahre – sei es die Wahl von Heidi Klum beim Model-Wettbewerb von Thomas Gottschalk, Heike Makatsch als VIVA-Moderatorin oder auch die Anfänge von Günther Jauch.
Alles in allem ein realitätsnaher, unterhaltsamer und empfehlenswerter Roman über drei Freundinnen und deren Hebammen-Alltag im Köln der 1990er-Jahre.