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Christin

Bewertungen

Insgesamt 15 Bewertungen
12
Bewertung vom 23.01.2023
Mutter, schafft
Biallas, Linda

Mutter, schafft


ausgezeichnet

Das Buch Mutter, schafft - Die Rolle der Mutter im Kapitalismus und Patriarchat: Ein Aufruf zur Revolution von Linda Biallas, hält was es mit seinem Titel verspricht, auch wenn der Aufruf zur Revolution in einer Denkrevolution stecken bleibt. Aber letztendlich fängt jede Revolution mit dem ersten Gedanken an. Und das schafft dieses Buch durch und durch. Immer wieder meine Gedanken zu challengen und sie zu hinterfragen. Besonders oft schafft das Buch Denkmuster, die ich habe zu durchbrechen und mir aufzuzeigen, wie sehr ich mir oft einrede, dass ich eine freie Wahl habe, aber letztendlich doch in bestimmten Punkten eingeschränkt bin. Ich trage nicht, nur kein Achselhaar, weil es mir nicht gefällt, sondern nein, auch weil es sich einfach nicht gesellschaftlich ziemt. Aber warum eigentlich nicht?
Die Autorin nähert sich diesen sehr komplexen Themen über Einblicke in ihre eigenen Erfahrungen als getrennterziehende Mutter. Besonders im ersten Teil, beschreibt sie genau, wie Patriarchat, Kapitalismus, Rollenerwartungen und verteilte Rollen das Leben von vielen Frauen beeinflussen. Es zeigt immer wieder auf, auf Ebenen und weshalb Frauen benachteiligt sind. Ich finde spannend, wie sich das Thema im zweiten Teil nochmal mehr von der persönlichen Ebene auf eine gesellschaftliche verschiebt, weil noch viel stärker systemische Strukturen aufgezeigt werden und wie sie unser Weltbild und unsere Wahrnehmung von Frauen und vor allen Müttern beeinflussen. Die Aufklärung welche ich zu dem Thema durch das Buch bekommen habe, regt mich so sehr zum denken über mich und andere an. Ich frage mich Fragen wie habe ich bestimmte Jobs, nicht bekommen, weil ich eine Frau bin? Wie kann ich etwas verändern, so dass es Nachhaltig ist? Wie kämpfe ich dafür, dass Carearbeit die Anerkennung und Bezahlung bekommt, die es verdient? Und vor allem wie falle ich innerhalb von Beziehungen nicht in das Muster der Carearbeiterin? Ich hatte bisher nur eine Beziehung in meinem Leben in der diese Tätigkeiten auf Augenhöhe stattfanden. Das war so ungewohnt und schön. Ich war so irritiert, aber es sollte vollkommen normal sein. Diese Perspektive hat die Autorin auch nochmal bestärkt.
Ich mag sehr, dass es hinten auch ein Glossar gibt, welches mir Wörter erklärt, welche man vielleicht nicht kennt. Die erleichtert das Verständnis sehr, weil wenn man anfängt sich mit der Thematik auseinanderzusetzen können einen diese sehr erschlagen.

Ich war an einem Punkt in einem Leben, an dem ich durch die vielen extremen Ansichten zu dem Thema mich nicht mehr mit dem Thema beschäftigen wollte. Aber das Buch kommt ganz ohne Finger erheben aus und setzt stattdessen auf Aufklärung und Denkanstöße. Ich bin so begeistert, dass ich das Buch anderen wärmsten ans Herz lege. Es kann sich nur etwas verändern, wenn wir uns unserer eigenen Situation bewusst sind und dieses Buch leistet definitiv einen Beitrag dazu.

Bewertung vom 16.01.2023
Der Goldene Einschnitt
Biffl, Beate

Der Goldene Einschnitt


ausgezeichnet

"Der Goldene Einschnitt" von Beate Biffl war für mich ein sehr überraschendes Buch. Es erzählt uns die Geschichte von Cordula, welche nach außen das perfekte Leben führt. Das Buch erzählt wie die end-30-jährige noch einmal schwanger werden und wie dies ihr Leben und auch die Beziehung zu ihrem Ehemann verändert. Spannend an der Geschichte finde ich, dass die Geschichte nicht aus der Ich Perspektive erzählt wird, da wir vor allem Cordula und ihrem Weg zu ihren Werten und Bedürfnissen folgen. Durch die teilweise sehr kurzen Sätze und die Erzählerperspektive, wirkt es teilweise sehr nüchtern und wie ein Fall beschrieben. Ich mag das sehr gern. Weil es nicht verpsychologisiert, sondern klar beschreibt was gerade passiert. Ich mag, dass das Buch nicht schwarz-weiß erzählt, sondern von Menschen. Von Menschen deren Bedürfnisse nicht zusammenpassen. Ich liebe, dass das Buch Cordulas Weg zu sich selbst begleitet. Und dass, ihr Weg mit allen Höhen und tiefen beschrieben wird. Für mich ist das Buch sehr spannend, weil ich ein Mensch bin, der selber Probleme hat zum einem seine Bedürfnisse zu formulieren und zum andere teilweise zu wissen, was meine Bedürfnisse überhaupt sind. Auch wenn dies ein Roman hat das Buch einschübe in denen Cordulas Zukunfts – ich an das problembehaftete Ich Ratschläge gibt. Diese Ratschläge konnte ich auch super auf mich abstrahieren und finde ich sehr wertvoll. An diesen Stellen merkt man, dass die Autorin andere Menschen coacht. Ich glaube manchmal hätte ich mir gewünscht, dass es ein klarer Ratgeber ist und nicht ein Roman nur mit diesen Einschüben. Aber das liegt an meinen eigenen Bedürfnissen, gerade ein paar Dinge zu verändern. Aber ich bin trotzdem begeistert, dass man aus so einer Mischform Dinge mitnehmen kann. Und ich mochte sehr, dass die Sprache sehr klar und direkt ist, dies machte es einfach, das Buch in einem Rutsch zu lesen. Für mich als angehende Sozialarbeiterin ist es auch insofern spannend, weil ich beide Perspektiven der Eheleute nachvollziehen kann und Ideen der Gedankenumstrukturierung direkt an das Beispiel von Cordula gebunden ist.
Ich freue mich sehr auf mehr Bücher von Beate Biffl in der Zukunft, denn sie schafft es mich nachhaltig mit dem Buch zum Denken anzuregen und ermutigt mich auch an meinen eigenen Wünschen, Träumen, Werten und Bedürfnissen zu arbeiten.

Bewertung vom 15.01.2023
Gezählte Tage
Häusler, Martin

Gezählte Tage


gut

„Gezählte Tage“ von Martin Häusler ist ein spannendes Gedankenexperiment, welches die Geschichte John Lennons versucht aus einer anderen Perspektive zu erzählen. Was wäre, wenn John Lennon einen Pakt mit dem Teufel eingegangen wäre: Seine Seele gegen die Karriere der Beatles. Diese Prämisse fand ich sehr spannend, hat sich während des Lesens für mich jedoch als nicht so spannend und sehr unmöglich zu akzeptieren herausgestellt.
Das Buch hat für mich vieles, was ein gutes Buch braucht, ein spannendes Thema, Humor, Zitate… Jedoch konnte ich mich nie 100 Prozent auf die Geschichte einlassen. John Lennon ist keine abstrakte Figur, sondern eine reale und daher war es für mich schwer zu abstrahieren, dass es so stattgefunden haben könnte. Es war für mich auch schwer zu unterscheiden zwischen Realität und Fiktion. Das Buch ist sehr biografisch, was ich ultraspannend finde. Ich habe mich bisher noch nicht mit der Geschichte der Beatles beschäftigt und habe durch dieses Buch einen guten Einblick bekommen, was in der Karriere aus John Lennons Perspektive passiert sein könnte. Das Buch hat mich auf jeden Fall dazu angeregt mich mehr mit den Beatles auseinanderzusetzen. Bisher waren sie für mich immer die netten, süßen Pilzköpfe. Ich wusste weder, dass ihnen Bezug zu Satanismus vorgeworden wurde, noch habe ich jemals aktiv über die Drogen und Frauenexzesse nachgedacht, welche für Künstlerbiografien nicht untypisch sind. Auch habe ich nie über Lennons und Yoko Onos extreme Suche nach Spiritualität nachgedacht. Für diese Impulse bin ich dem Buch sehr dankbar. Ich mochte die vielen Liedtexte und Originalzitate, die für mich das Erzählte, des Autors sehr plastisch gemacht haben. Auch verändert sich die Sprache innerhalb des Buches. Am Anfang sind die Beatles geradeso volljährig und das vulgäre, rotzlöffehafte findet sich auch in der Sprache wieder. Im Laufe des Buches wird die Sprache Erwachsener. Dies hatte mich in den ersten Kapiteln gestört, weil die Sprache im Kontrast zu den Originalzitaten steht. Aber nach Beendigung des Buches muss ich sagen, dass dies genial ist. Die Originalzitate sind von einem Erwachsenem John Lennon, daher schafft es Martin Häusler einen Einblick zu geben, wie John Lennon als junger Erwachsener gewesen sein könnte. Manchmal entkräften die Texte für mich dennoch die was an Wortgewalt der abgedruckten Zitate.

Trotz dessen, dass für mich die Geschichte des Paktes nicht einhundertprozentig passt, hatte ich an vielen Stellen unheimlichen Spaß beim Lesen und habe laut gelacht. Mein liebster Moment war der als John und Yoko das erste Mal aufeinandertreffen. Sie als Engel. Ich kann nicht sagen, ob das passt, aber ich hatte so viel Spaß beim Lesen. Auch die wieder Zusammenführung der beiden durch das Antirauchritual hat mich Tränen lachen lassen.
Das letzte Drittel war für mich inhaltlich sehr schwer zu lesen, aber das hat eher was mit der Entwicklung John Lennons zu tun. Es ist mir erst zu spirituell und dann viel zu religiös. Schade, dass das Ende so schnell und so langsam zugleich ist. Auf der einen Seite sind die letzten 5 Jahre sehr gerafft und dann gab es wiederum sehr lange religiöse Beschreibungen, die mich sehr abschrecken. Auch fand ich das Ende sehr konstruiert und nicht wirklich schlüssig...
Ich glaube ich stehe diesem Buch sehr ambivalent gegenüber. Auf der einen Seite musste ich Tränen lachen und hatte unheimlichen Spaß, aber auf der anderen Seite war es mir über längere Passagen nicht möglich in das Buch einzusteigen. Auf der einen Seite finde ich die Grundprämisse des Paktes sehr spannend, da ich ein großer Faust Fan bin, aber auf der anderen Seite geht es für mich am Ende leider nicht so richtig auf. Ich glaube, auch dass andere davon begeistert sein werden. Ich verspüre jedoch eher den Wunsch eine Biografie oder andere Originaltext zu lesen, Interview zu sehen um die Beatles und John Lennon besser zu begreifen. Für mich hat das Buch gerade in seinem Humor und dem Abriss der Ereignisse seine Stärken. Tatsächlich wird am Ende ein möglicher zweite Teil angekündigt in dem es um die Begegnung von Elvis und John Lennon im Himmel gehen könnte. Dies wiederum würde ich so gerne lesen, weil das eine unerzählte Geschichte ist, die so fiktiv ist, dass es mir viel einfacher fallen würde mich darauf einzulassen.

Bewertung vom 15.01.2023
Jetzt bin ich dran!
Meier-Ivancan, Monica

Jetzt bin ich dran!


sehr gut

Oft weiß man gar nicht wo man anfangen soll. Alle reden immer von einem achtsameren Leben, sich Gesünder zu ernähren, Sport zu machen, gut zu schlafen, besser zu Essen, sich selbst zu lieben und Grenzen zu ziehen. Doch wo fängt man an? Und wie schaffe ich etwas zu verändern in einer Weise die Nachhaltig ist und nicht nur etwas für einen kurzen Moment bewirkt. Es gibt kein Allheilmittel für diese Frage, aber die Autorin du Influencerin Monica Meier-Ivancan versucht in ihrem Buch „Jetzt bin ich dran!" sich genau dieser Frage zu stellen. Das Buch ist ein 21 Tageprogramm. In 3 Wochen versucht das Buch mehr Balance in deinem Leben zu schaffen. Gegliedert ist es dabei in 7 Säulen mit denen man sich jeweils 3 Tage beschäftigt.
Diese sind:
Säule 1: Ernährung
Säule 2: Bewegung
Säule 3: Schlaf
Säule 4: Meditation
Säule 5: Selbstfürsorge
Säule 6: Selbstwert
Säule 7: Selbstschutz
Mit eigenen Erfahrungen, Rezepten, Tipps, Anleitungen, Schreibimpulsen, Anregungen und Informationen nähert sie sich diesen Themen. Ich mag an dem Buch besonders, dass diese Ideen sofort in den Alltag integrierbar sind. Es sind oft kleine Impulse, die schon viel verändern können. Es hat mich auch motiviert sofort Dinge auszuprobieren. Ich bin sehr gespannt, ob dies etwas in meinem Leben langfristig verändern wird. Bei einigen Säulen wie Ernährung wusste ich schon viele der Informationen war aber dennoch dankbar, dass sie mir noch einmal in Erinnerung gerufen wurden. Weil trotz des Wissens, habe ich sie nicht gelebt. Das Buch hat mich wieder daran erinnert, dass es wertvoll und sinnvoll ist, besser auf die Ernährung zu achten und dass, es nicht so kompliziert ist. Auch was das Thema Sport angeht, wurde ich wieder mehr motiviert. Die Ausrede ich habe keine Zeit gilt nicht. Jede Minute Bewegung ist besser, als sich nicht zu bewegen. Spannend fand ich auch die Einführung und die Übungen zum Thema Meditation. Für mich war es immer ein Hexenwerk und jetzt merke ich wie einfach es sein kann, sich dem Thema zu nähern.
Ich finde das Buch sehr praxisnah und informativ und empfehle es gerne weiter. Es hilft sehr heute noch den ersten Schritt zu machen. Und jeden Tag für die nächsten 3 Wochen wieder ein bisschen mehr zu verändern und herauszufinden was einem gut tun kann. Für Menschen, die schon viel Ahnung auf dem Gebiet haben, ist das Buch nicht zu empfehlen. Ich würde es für Beginner einordnen. Oder für Menschen, die andere Menschen mit kleinen Tipps zur Seite stehen wollen. Mein einziger Wermutstropfen ist, dass es mir manchmal zu viel aus dem Leben der Autorin erzählt und ich mir wünschen würde, lieber mehr Inhalt und noch mehr Tipps zu bekommen. Aber das ist etwas Persönliches. Ich liebe es mehr Informationen zu bekommen und brauche en persönlichen Erfahrungsbericht zu dem Thema nicht. Für andere ist dies sicher ein großes Plus, weil es nahbarer und umsetzbarer wirkt. Und das Buch dadurch eine Freundin sein kann, welche einem auf der Reise zu sich unterstützt. Jeden Tag ein bisschen besser.

Bewertung vom 06.09.2021
Sternflüstern
Carlin, Paula

Sternflüstern


gut

In "Sternflüstern" von Paula Carlin begegnen wir der 56 jährigen Irith, die ihren Freund Lunis verloren hat, der so viel mehr für sie war Als nur ein Freund: Eine Muse, ein Liebhaber, ein Vertrauter, ein Mysterium.

Beide verband die Liebe zur Kunst, die Sehnsucht zu schaffen und eine romantische Beziehung zur Natur.

Irith hat durch Lunis Tod einen Anker verloren. Einen Menschen, der sie beflügelt. Und dann taucht eines Tages Sophie in ihren Leben auf, die sie neu herausfordert, sich mit ihr an die Arbeit macht, ein großes Mosaik zu schaffen, etwas was sie sonst nur mit Lunis tat. Die beiden Frauen lernen sich in dem Prozess kennen und finden heraus, dass sie mehr verbindet als die Liebe zur Kunst. Und dann taucht da noch Alix auf, ein letztes Stück eines Mosails, welches Lunis hinterlies... Gemeinsam begeben sie sich auf eine heilende Reise.

Die Sprache ist sehr poetisch und detailreich. Dadurch ist das erzählte sehr sinnlich und bildreich. Die vielen Beschreibungen der Mosaike laden ein sie sich vorzustellen. Und zeitgleich bekam ich immense Lust, zu schaffen, mich selber kreativ auszutoben. Doch diese Poesie die mich in der Beschreibung der Mosaike beflügelt, macht es mir schwer sich auf die Charaktere einzulassen, sir zu verstehen, Sympathie für sie zu entwickeln, weil es für mich scheint als ob sie in einer Blase leben. Mir fehlt die Tiefe der Charaktere, was macht sie aus neben der Zuneigung und Verbundenheit zu Lunis?


Ich glaube, dass der sehr beschreibende, poetische Stil auf meinem Pragmatismus trifft und sich daher etwas reibt. Doch ich glaube, dass dieses Buch viele Menschen einladen kann auf die Reise mit den Charakteren zu gehe. Auf die Reise in der Verbundenheit einen Verlust zu verarbeiten und einen neuen Weg zu sich finden. Denn das ist für mich die Message. Gehe gemeinsam mit anderen auf eine Reise der Veränderung und es wird dir Kraft geben. Die Verbundenheit ist in dem Buch für mich mehr eine Idee, als dass ich sie wirklich an Hand der Geschichte nachvollziehen kann. Aber dennoch eine sehr wichtige. Schade finde ich es, dass der Verstorbene fast glorifiziert wird. Obwohl er defenitiv in allen 3 Protagonistinnen Schmerz erzeugt wird.

Die Covergestaltung finde ich sehr gelungen. Sie ist eine Einladung in die Welt der Mosaike. Und ich finde es schön, dass man das Cover mit dem Tastsinn erkunden kann.

Manchmal gibt es Bücher, die im richtigen Moment im Leben gelesen werden müssen und dies ist eine davon. Ich glaube, es ist zur Zeit nicht für mich dran. Ich empfehle dieses Buch für Menschen die auf der Suche sind. Auf der Suche nach Wegen mit der Trauer umzugehen und Hoffnung zu schöpfen.

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