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Insgesamt 1450 Bewertungen
Bewertung vom 10.08.2025
Allende, Isabel

Mein Name ist Emilia del Valle


ausgezeichnet

eine mutige Frau, die Grenzen auslotet

Ich lese Bücher von Isabel Allende immer sehr gerne, weil die Autorin es einfach hervorragend versteht eine sehr einnehmende Atmosphäre zu erschaffen. Thematisch hab ich mich hier anfangs sehr schwer getan, nicht nur weil die Story ganz schön klischeehaft anmutet, sondern das Schicksal von Emilias Mutter Molly fast schon schmerzliche Naivität ausstrahlte. Wirkte direkt irgendwie altbacken.

Zum Glück schlägt die Geschichte schnell einen ganz anderen Ton an, nämlich als es um Emilia selbst geht, die sich in einer Männerdomäne unter Pseudonym zu beweisen versucht. Sie macht viele für die Frauen ihrer Zeit unübliche Erfahrungen, ist unerschrocken und lebenshungrig. Ihre forsche Art ist einfach super mitreißend und ich habe begeistert ihre Reisen und Erfahrungen verfolgt.

Ich mag den dichten Erzählstil und die abenteuerlich angehauchte Geschichte. Die Eindrücke die man dabei von Chile und dem tosenden Bürgerkrieg gewinnt sind bildhaft und eindringlich. Emilia begibt sich mehr als einmal in Gefahr und ich habe ihr Schicksal mit angespannter Begeisterung verfolgt. Und dann das Ende: ganz ehrlich, selten sowas vortreffliches gelesen.

Für mich eines der stärksten Bücher der Autorin.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.08.2025
June, Joana

Bestie


sehr gut

Ultra genialer Vibe

Es gibt so Bücher, die bewegen sich zwischen Realität und Fiebertraum und genauso ein Buch ist „Bestie“ für mich. Ich hab den Vibe der Geschichte so geliebt, die flirrende Atmosphäre Hamburgs und die ambivalenten Gefühle der Protagonistin die alles nur nicht sie selbst ist.

Ich finde Frau-Sein, beliebt sein, begehrt sein, einfach nur gewollt und gesehen sein- das alles wird hier richtig gut eingefangen. Die Geschichte hält dem schönen Schein von Social Media den Spiegel vor. Diese viel Schein, wenig Sein wird pointiert rübergebracht, kleine Episoden, kompromittierte Anekdoten, die unschönen Seiten des Leben wegretuschiert. Anouk inszeniert sich selbst

Auch die Dynamik von Frauen-Freundschaften wird hier beeindruckend wiedergegeben, das sich messen, abwägen, konkurrierend.
Im letzten Dritten nimmt das Buch eine seltsame Wendung, distanziert sich gefühlt von sich selbst, wird abstrakter, inhaltlich und von der Erzählweise her. Da wird nochmal eine ganz neue Dimension und Erzählebene eröffnet und ich weiß nicht so recht, ob mir das gefallen hat. Was mir dann aber wieder richtig gut gefallen hat war das letzte Kapitel, das Ende.

Insgesamt ein Buch, was ich sehr genossen hab und wo ich froh bin es entdeckt zu haben

Bewertung vom 10.08.2025
Sauer, Anne

Im Leben nebenan (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Alternative Realität

Die Idee hinter der Story fand ich gleichwohl skurril wie faszinierend, weil sie dieses „was wäre wenn“ beleuchtet, das wohl in jedem von uns auf irgendeine Art gärt. Und ganz nebenbei beleuchtet es dabei Mutterschaft, Beziehung, Familie, soziale Strukturen und das Gefühl, dass der eigene Körper nicht mehr einem selbst gehört.

Die Geschichte wird in zwei parallelen Handlungsträngen erzählt, die die alternativen Realitäten von Tonis Leben darstellen. Und diese könnten nicht unterschiedlicher sein, drehen sich aber beide um Tonis Fokusthema Mutterschaft. Und eröffnen dem Leser damit den Blick auf die ungeschönte Auseinandersetzung mit der „das habe ich mir so aber nicht vorgestellt“.

Tonis alternatives Leben fühlt sich falsch, übergestülpt und unverdient an. Sie merkt was fehlt, wo sie aneckt, mit sich selbst hadert und kämpft. Da sie den direkten Vergleich zu ihrem alternativen Leben hat, wirkt das bewusster, gleichzeitig emotional aufgeladener. Ich habe die Handlung teilweise mit Schrecken, aber auch einem gewissen Amüsement und über Tonis Umfeld verfolgt.

Thematisch fand ich das Buch super nahbar und Toni emotional sehr authentisch. Das Buch hat einiges in mir bewegt, zum Nachdenken angeregt und trotzdem gut unterhalten.

Bewertung vom 10.08.2025
Pötzsch, Oliver

Der Totengräber und die Pratermorde / Inspektor Leopold von Herzfeldt Bd.4


sehr gut

Es verschwinden Mädchen im Prater
Ich hab diese Reihe historischer Kriminalromane und die zentralen Figuren über die Bücher hinweg echt liebgewonnen.
Vor allem das Wiener Lokalkolorit gefällt mir nach wie vor richtig gut. Für mich war dies der erste Band der Reihe, den ich als Hörbuch gehört habe und der Wiener Dialekt vor allem von Rothmayer kommt hier super zum Tragen. Das macht das Erleben der Geschichte für mich nochmal eine Spur authentischer.

Das Buch beginnt wie aus der Reihe bereits bekannt mit einem düsteren Szenario und einem Todesfall, auch wenn diese auf den ersten Blick vorerst nicht zusammenhängen.
Alles rund um die Magierfehde und die Tricks hat mir richtig gut gefallen und war thematisch perfekt für diese Reihe geeignet.
Das eigentliche Kernthema des Buches, welches auch titelgebend ist, taucht aber erst nach ungefähr einem Viertel der Geschichte intensiver auf, was für meinen Geschmack zu spät war.

Stattdessen geht es viel um die Beziehung zwischen Leo und Julia, was ich so langsam etwas ermüdend finde. Ein unerwartetes Highlight war für mich Rotmayer, den man hier nochmal von einer anderen Seite erlebt. Er und Anna sind meine nicht ganz so heimlichen Lieblinge.

Ich fand die Geschichte wieder angenehm stimmungsvoll, auch wenn das Tempo größtenteils eher gemächlich ist. Viel mehr geht es um die allgemeine Atmosphäre im Prater und das Schaustellerleben. Mochte ich sehr und kann vor allem auch das Hörbuch sehr empfehlen.

Bewertung vom 10.08.2025
Myers, Benjamin

Strandgut


sehr gut

Eindringlich

Ich mag Bücher von Benjamin Myers, aber auf dieses Buch war ich irgendwie nicht gefasst. Die Geschichte beginnt melancholisch, geradezu elendig, geprägt von Sucht, Verlust, Trostlosigkeit. Ich habe das Buch als aufwühlend empfunden, gleichzeitig rüttelt es etwas im Leser wach, eine Mischung aus Demut über das eigene, gute Leben und der euphorischen Dankbarkeit Teil dieser wilden Welt zu sein.

Buckys Geschichte ist entrückend, emotional aufwühlend und von besonderer Tragik. Ein Leben voller verpasster Chancen, missgünstiger Umstände und der Tristess eines nicht genutzten Potentials.
Buckys Tage in England gleichen einer wilden Odyssee zwischen Entzug und neu entdeckter Prominenz. Mit Freude habe ich seine Entwicklung von absoluten Unglauben hin zu sanfter Freude und ehrlicher Hoffnung verfolgt.

Mit Dinah teilt Bucky ein paar offene und ehrliche Momente, rekapituliert dabei sein Leben, die Beziehung zu seiner verstorbenen Frau, seine Trauer und seine Sucht. Und innerhalb dieser kurzen Bekanntschaft verändert Dinah Buckys Leben. Aber auch beeinflusst ihres. Und ich finde, das ist das schöne an dieser Geschichte: wie Fremde Einfluss auf das eigene Leben nehmen, zu Freunden werden und man aneinander und miteinander wächst.

Die Erzählung schwenkt immer wieder zwischen Gegenwart und Buckys Erinnerungen hin und her; die Übergänge fast schon fließend, was eine besondere Stimmung innerhalb der Handlung schafft.
Ich habe es als feinfühlige, aber trotzdem eindringliche Geschichte empfunden, die viel in mir bewegt hat.

Bewertung vom 10.08.2025
Kneidl, Laura

Henry & Kate / The Darlington Bd.1


ausgezeichnet

was fürs Herz

Ich hab mich sehr auf dieses Buch gefreut und vorab schon super viel positives darüber gehört. Entsprechend war meine Erwartungshaltung auch vorab schon relativ hoch und dieses Buch hat sie trotzdem noch spielend leicht übertroffen. Bin so begeistert von diesem Buch und kann den Folgeband kaum erwarten.

Kates Geschichte war absolut herzzerreißend, emotional aufwühlend und gleichzeitig zu umwerfend hoffnungsvoll. Die Story ist wunderbar tiefgründig, verletzlich und gleichzeitig super schön. Ich habe sehr mit ihr mitgefiebert, mitgelitten und auf ein Happy End zu ihrer Story gehofft.
Die Darlingtons sind ein echter Albtraum, aber Henry war das bestmögliche, was aus solch einem destruktiven Umfeld hätte hervorgehen können. Er ist Gefühl eine wandelnde Green Flag, was ich herrlich erfrischend finde.
Die Lovestory wirkte total gesund, nicht überstürzt und wunderbar nahbar. Hat mir sehr sehr gut gefallen, wie natürlich sich die Beziehung zwischen den Protas entwickelt,

Das Ende kam ziemlich abrupt und war mit dem fiesen Cliffhanger wirklich übel. Dadurch blieben einige Themen aus diesem ersten Band unabgeschlossen und ich hoffe, diese werden dann im Folgeband erneut aufgegriffen. Ich mochte, dass hier auch sehr aktuelle gesellschaftliche Themen aufgegriffen werden, sodass das Buch auch ein paar wichtige Botschaften bereithält.
Der Plot war dadurch vielschichtig und auch unabhängig von der Lovestory interessant und mitreißend.

Ich fand dieses Buch wirklich umwerfend schön und kann den Folgeband gar nicht erwarten.

Bewertung vom 08.08.2025
Woolf, Marah

Rückkehr der Engel (Extended Version)


sehr gut

Coole, dystopische Engel-Fantasy

Marah Woolf schreibt einfach unfassbar interessante Fantasy und das Engel-Thema vor dem Hintergrund eines dystopische Venedigs, das zurück in mittelalterliche Verhältnisse fällt, fand ich sehr ansprechend. Das Worldbuilding fand ich generell sehr gelungen, nicht zu Komplex aber mit Raum für Entwicklung in den Folgebänden.

Dieses Buch ist für mich ein klassischer Auftaktband; es werden super viele Figuren eingeführt, die aber alle leider ziemlich blass bleiben. Dass hier so wenig Charakterentwicklung stattfindet und vermeintlich wichtige Figuren wenig plastisch bleiben ist für mich vermutlich das größte Manko des Buches.

Von der Storyline her werden viele Nebenschauplätze eröffnet, die vermutlich im weiteren Verlauf der Bände eine größere Rolle spielen. Vor allem das Thema rund um die Schlüsselträgerinnen finde ich super spannend.

Die Autorin hat einen wunderbar bildhaften Schreibstil, so dass man völlig gebannt von der Geschichte ist. Der POV von Lucifer ist ein nettes Add-On, das ich vermutlich nicht unbedingt bräuchte, aber einen guten Bogen zu Moons eigenen Beobachtungen schlägt.

Macht auf jeden Fall Lust auf mehr, auch wenn ich den Cliffhanger super fies finde. Man muss quasi Band 2 lesen.

Bewertung vom 08.08.2025
Dean, Sunyi

The Book Eaters


sehr gut

Stimmungsvoll, gruslig, erschreckend

The Book Eaters ist eine Art dystopisch gesellschaftliche Horrornovel, ein Schauerroman mit Urban Fantasy Elementen. Das englische, fast schon urig anmutende Setting hat genau meinen Geschmack getroffen und passt zur stimmungsvollen Geschichte, die in zwei Zeitebenen das Leben der Buchesserin Devon beleuchtet.

Das Buch ist definitiv nichts für schwache Nerven, da nicht nur die Rolle der Frau in der Gesellschaft der Buchesser an dystopische Roman wie den „Report der Magd“ erinnert und einem das Blut in den Adern gefrieren lässt, es geht teilweise auch sehr brutal und gewaltsam zu. Die Horror-Elemente und Gewalt sind dabei aber nicht effektheischerisch, sondern unterstreichen das grausame Los von Devons Leben.

Das Gesamtbild erschließt sich erst im Verlauf der Geschichte, nimmt aber kontinuierlich an Spannung und Tempo zu. Generell ist dieser Roman super düster und atmosphärisch angelegt. Die Charakterentwicklung fand ich auch größtenteils stimmig.
Im letzten Drittel tut sich aber nochmal eine vermeintlich neue Baustelle auf, die ich einen Ticken drüber fand. Das hätte es für mich einfach nicht gebraucht.

Ich war richtig gefesselt von der Story, die mich immer wieder schaudern ließ. Gleichzeitig verpackt sie tiefgründige Themen und geisterte mir noch lange im Gedächtnis herum. Die Erzählung, die stellenweise fast schon einen auf düstere Art märchenhaften Charakter annimmt, war einfach mal ein völlig anderes Leseerlebnis, das mich positiv überrascht hat. Wer aber sensibel auf Gewalt, Brainwashing und bildhafte Brutalität reagiert, für den ist dieses Buch vermutlich nichts.

Bewertung vom 08.08.2025
Coyne, Matt

Frank & Red (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Umwerfend

Ich hatte direkt schon im Prolog Tränen der Freude und Trauer im Auge. Passiert mir auch selten, dass mich schon so wenige Seiten so mitreißen. Da wars mir eigentlich schon klar, dass dies ein absolutes Highlight-Buch wird. Erinnert ein bisschen an „ein Mann namens Ove“

Red ist ein sehr eigenwilliger Junge, der erstmal sehr anstrengend wirkt, aber auch engagiert, großherzig und absolut kindlich unschuldig ist.
Meine Lieblingsepisoden des Buches drehen sich viel um Marcie, ihr Auftauchen und die Interaktionen mit Frank, sowie die Erinnerungen die damit verknüpft sind. Die Beziehung der beiden hört sich so erfüllt an, ihre gemeinsame Geschichte ist voller bedeutender Meilensteine, Lachen und Weinen.

Es ist ein Buch voller sehr menschlicher Themen, dass mich emotional sehr angesprochen hat. Die zwei Erzählperspektiven von Red und Frank ergänzen einander perfekt und helfen zu verstehen, wie die Figuren denken und fühlen. Und obwohl Red und Frank oberflächlich betrachtet nicht viele Gemeinsamkeiten haben, so sind sie genau das, was der jeweils andere brauchte.

Es ist eine absolut berührende Geschichte über Freundschaft und Familie, darüber wie schwer es manchmal ist, den ersten Schritt zu machen und aufeinander zuzugehen. Aber auch vom Verzeihen und von Versöhnung. Ganz ehrlich , hab sehr geheult am Ende, so schön wars.

Bewertung vom 08.08.2025
Montasser, Thomas

Freitags um fünf


ausgezeichnet

Murmeln spielen mit dem Bundeskanzler

Der Einstieg in die Geschichte war so wunderbar simpel, ein Verlaufen, eine Begegnung, der Beginn von etwas besonderem. Die Treffen mit Emma werden für Ernst Meister nicht nur zu kleinen Auszeiten von Amt und Verpflichtungen, sondern auch zu Momenten ehrlicher Besinnung. Und genau das macht für mich den Charme und Reiz der Geschichte aus; dass der Kanzler diese Zeit mit Emma nicht nur genießt, sondern auch herbeisehnt.

Der Alltag des Kanzlers ist überwältigend, eine Aneinanderreihung beruflicher Hetzereien, familiärer Verpflichtungen und pausenlosem Gedankenkarussell. Da kann man ja ein Schleudertrauma bekommen. Gleichzeitig macht es die Figur Ernst Meister einfach herrlich nahbar, fehlbar, einfach angenehm bürgerlich und bodenständig. Da könnten sich aktuelle Politiker gerne eine Scheibe abschneiden

Ich liebe Emmas direkte, nonchalante Art, mit der sie mit dem Kanzler redet. Kinder sind einfach so herrlich unverblümt, da ist alles ganz einfach und gradlinig. Wenn man zusammen spielt, dann ist man eben auch befreundet. So leicht ist das. Trotzdem macht es fast ein bisschen traurig, wie erwachsen und abgeklärt Emma für eine Zehnjährige ist. Wollte sie am liebsten einfach mal in den Arm nehmen.

Eine ganz wunderbare Geschichte über die besondere Freundschaft zwischen einem kleinen Mädchen und einem sehr menschlichen Bundeskanzler. Eine Geschichte für mehr Miteinander.