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Lainybelle
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Marburg

Bewertungen

Insgesamt 152 Bewertungen
Bewertung vom 05.02.2017
Trunko, Emily

Ich wollte nur, dass du noch weißt ...


ausgezeichnet

Dieses Buch ist von außen und von innen ein Kunstwerk. Schon bevor man es auch nur aufschlägt, macht die aufwändige und liebevolle Gestaltung richtig neugierig. Der Einband ist sehr stabil, hat abgerundete Ecken und liegt gut in der Hand; er ist farbenfroh und mit kleinen schimmernden Highlights versehen. Schön finde ich auch, dass es ein Lesebändchen gibt - das ist in letzter Zeit gefühlt relativ selten geworden.
Das Buch strahlt irgendwie die Intensität all der Geschichten aus, die sich zwischen seinen Deckeln verbergen.

Was sich im Inneren befindet, ist eine Zusammenstellung von Gefühlen, Gedanken und teils simplen, teils poetischen Worten in wundervollem Gewand. Die Texte sind von Lisa Congdon bunt und ansprechend mit zum jeweiligen Text passenden Symbolen illustriert worden, das Lettering stammt von typealive.

Nach einem kleinen Vorwort von Emily Trunko, die berichtet, wie sie zu ihrem Blog kam, was er für Konsequenzen mit sich zog und zum Riesenerfolg wurde, kann man sich direkt in die Briefe vertiefen. Da alle maximal zwei Seiten lang sind und sich auch immer wieder nur ganz kurze Botschaften dazwischen befinden, ist es ein bisschen wie mit Chips - man möchte immer noch einen und noch einen und hat im Nu das ganze Buch durchgeblättert.

Die Briefe sind nach verschiedenen Kategorien sortiert: Auf die Sammlungen zu "Liebes Ich" und "Liebe Welt" folgen große Schlagworte - Liebe, Freunde, Familie, Herzschmerz, Unerwiderte Liebe, Verrat, Verlust und zum Schluss Dankesbriefe.
Da hier so viele verschiedene Menschen Einblicke in ihr Leben geben, werden die Briefe natürlich jeden Leser in unterschiedlichem Maße ansprechen. Einige werden einen direkt ins Herz treffen, in einigen wird man sich selbst wiederfinden, andere werden einen rühren oder einen aber auch gar nicht ansprechen. Die Fantasie geht auch auf Wanderschaft und man malt sich aus, was für ein Mensch der jeweilige Verfasser sein und in welchen Kontext sein Brief gehören könnte.

Manche Briefe sind anonym mit Initialen, manche mit Vornamen, einige auch einfach an das eigene Ich, den eigenen Körper, die Welt oder alle Menschen gerichtet, die das im Brief Geschilderte auch kennen. Es gibt lange Nachrichten, die wie ein Gefühlsausbruch sind, und solche, die nur aus einem einzigen Satz bestehen und auf die das genauso zutrifft.
In jeder Kategorie finden sich die verschiedensten Aspekte der jeweiligen Beziehungsebene wieder.
Ganz am Ende gibt es noch Hinweise, wie man einen eigenen Brief einsenden kann.

(Für wen) Lohnt es sich?

In diesem Buch bedeutet sicher nicht jeder Brief für jeden Leser das Gleiche, aber für jeden Leser wird es Briefe geben, die etwas für ihn bedeuten, die ihn betreffen und von Menschen geschrieben sind, deren Erfahrungen er teilen kann.
Es mögen Briefe dabei sein, mit den man nicht viel anfangen kann oder bei denen man sich fragt, warum ihr Empfänger sie nicht bekommen hat und was an ihrem Inhalt so schwierig zu sagen war - besonders die schönen, in denen dieser Person anvertraut wird, wie wichtig sie dem Verfasser ist. Vielleicht fragt man sich auch, ob wirklich alle Briefe echt sind oder nicht auch Menschen absichtlich welche für Emilys Blog verfasst haben, um dort aufzutauchen.
Insgesamt aber wird man aber auf jeden Fall einige Gedanken für sich persönlich mitnehmen können und voller Neugier, Mitgefühl und Verbundenheit die Briefe durchstöbern.

In einem Satz:

"Ich wollte nur, dass du noch weißt" ist echt, direkt aus dem Leben mit seinen Höhen und Tiefen, fremd und vertraut und voller wahrer Geschichten.

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an Vorablesen und den Loewe Verlag!

Bewertung vom 07.10.2016
Ahern, Cecelia

Flawed - Wie perfekt willst du sein? / Perfekt Bd.1


ausgezeichnet

Obwohl das Buch mit seinen 480 Seiten recht dick ist, bin ich beim Lesen regelrecht durch die Seiten geflogen.
Die Grundidee, eine Dystopie, in der Perfektion in der Gesellschaft oberste Priorität hat, ist eigentlich sehr nahliegend und simpel. Die Hintergründe bleiben auch erst mal eher schablonenhaft - der Überblick, was genau in diesem System als perfekt oder fehlerhaft durchgeht und wo die Grenze gezogen wird, sowie darüber, wie sich ein solches Verfahren überhaupt durchsetzen und in den Köpfen und Herzen der Menschen verankert werden konnte, fehlt mir auch jetzt, nachdem ich den ersten Band beendet habe, noch ein bisschen. Doch die fesselnde und temporeiche Geschichte holt einen trotzdem schnell ab und lässt darüber hinwegsehen, dass der Weltentwurf noch nicht zu Hundertprozent erschlossen wird.

Während nach und nach immer mehr interessante Nebenfiguren auftreten, die manchmal schwer einzuschätzen sind und Raum für viele Spekulationen ermöglichen, hat Clementine als Hauptfigur mich hin und wieder etwas ratlos gemacht.

"Ich denke oft, dass du klüger bist, als du vorgibst, aber manchmal wirkst du auch wie ein Kind - als wärst du in etwas reingeraten, was unendlich viel größer ist als du, und jetzt kommst du nicht mehr raus." (S. 388)

Das Zitat trifft es da ziemlich auf den Punkt, bringt mich allerdings auch zu der Annahme, dass die Autorin Celestine bewusst so angelegt hat. Um zu zeigen, wie krank das System tatsächlich ist, brauchte sie eine Figur, die gar nicht die Ausmaße ihres Handels begreift. Dazu gehört auch, dass Celestine zu Beginn einige der klassischen Klischees bedient - beliebt, talentiert, toller Freund. Aber vielleicht war auch das nötig, um ihren Fall besonders tief wirken zu lassen.
Insofern denke ich, dass sie, auch wenn ihre Naivität als störend empfunden werden kann, doch eine geschickt entwickelte Figur ist. Was ich mir allerdings gewünscht hätte, wäre, dass sie schon zuvor leise Zweifel am System gehabt hätte. Das wäre für mich glaubwürdiger gewesen als der nun doch sehr plötzliche Meinungsumschwung.

Über einige Figuren (für die, die es schon gelesen haben: Art, Juniper, Carrick, Pia) hätte ich gern mehr erfahren und hoffe, dass sie in Band 2 noch mehr Szenen bekommen haben, da sonst einiges an Potenzial ungenutzt verpuffen würde.
Außerdem hoffe ich, dass es nicht auf die typische Liebesgeschichte hinausläuft - im Moment ist das noch schwer einzuschätzen.

Das Buch hat mir so gut gefallen, dass ich Band 2 auf jeden Fall lesen möchte - zum Glück erscheint er bereits im November auf Deutsch.

(Für wen) Lohnt es sich?

Die Antwort "Fans der Autorin" passt hier wohl nur bedingt - denn man sollte in diesem Fall natürlich auch etwas für Dystopien übrig haben, da sich "Flawed" doch sehr von ihren bisherigen Romanen unterscheidet.
Die Geschichte weist ein paar Ähnlichkeiten und Parallelen zu "Infernale" von Sophie Jordan auf, sodass ich sie auch denjenigen ans Herz legen würde, die dieses Buch und seine Thematik mochten.

Durch einige doch recht heftige Szenen würde ich es ab frühestens 14/15 Jahren empfehlen; als All-Ager, wie es vermarktet wird, sehe ich es aber nicht, sondern doch eher als Buch für Jugendliche/junge Erwachsene und ältere Leser, die sich immer noch gern mit Büchern dieser Zielgruppe beschäftigen.

In einem Satz:

"Flawed - Wie perfekt willst du sein?" ist ein mitreißender erster Teil der Dilogie, der einen trotz der teils mangelnden Selbstreflektion der Protagonistin nicht loslässt, sobald man einmal angefangen hat.