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Büchermaulwurf
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Dreieich

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Insgesamt 169 Bewertungen
Bewertung vom 13.07.2018
Schütz, Lars

Der Alphabetmörder / Grall und Wyler Bd.1


ausgezeichnet

Gelungenes Thrillerdebüt - unbedingt empfehlenswert
Im Mittelpunkt steht der Fallanalytiker Jan Grall, der mit seiner Kollegin Rabea Wyler in den Westerwald gerufen wird, um die dortige Polizei bei der Aufklärung einer grausamen Mordserie zu unterstützen. Jan kehrt mit gemischten Gefühlen in seine alte Heimat zurück, der er vor vielen Jahren den Rücken kehrte, nach dem tödlichen Unfall seines großen Bruders. Innerhalb kürzester Zeit findet die Polizei drei grausam verstümmelte Opfer, denen jeweils die ersten Buchstaben des Alphabets A, B, und C auf die Haut tätowiert wurden. Die Polizei ermittelt auf Hochtouren, während eine weitere junge Frau vermisst wird. Als Jans Hotelzimmer mit einem Z markiert wird, wird ihm klar, dass er persönlich betroffen ist.

Dem jungen Autor Lars Schütz ist ein wirklich spannendes Debüt mit einem gut durchdachten Fall und sympathischen Figuren gelungen.
Das Buch ist leicht und flüssig zu lesen und die kurzen Kapitel sorgen für konstante Spannung. Ebenso wie die Perspektivwechsel zwischen den Ermittlern und dem gefangen gehaltenen Opfer, der Lehrerin Tugba. Man leidet förmlich mit ihr und kommt dabei auch dem Täter nahe.

Die Charaktere der beiden Fallanalytiker Jan und Rabea fand ich sympathisch und interessant. Jan leidet an Hypersensibilität und im Verlauf der Ermittlungen muss er sich seiner Vergangenheit stellen. Auch Rabea hat eine dunkle Stelle in ihrer Vergangenheit, die hoffentlich im nächsten Buch näher beleuchtet wird. Lars Schütz hat damit ein interessantes Ermittlerteam ins Leben gerufen, das noch viel Potenzial für weitere gemeinsame Fälle bietet.

Mir hat das Debüt von Lars Schütz richtig gut gefallen. Es war von Anfang an sehr spannend und nachdem innerhalb kurzer Zeit 3 Opfer gefunden wurden, entstand ein richtiger Sog. Ich konnte das Buch kaum zur Seite legen.
Die ganze Zeit habe ich mitgefiebert und mitgerätselt, wer wohl der Mörder ist und welche Rolle Jans Vergangenheit spielt. Das Buch endet mit einem Showdown, in dem sich alles auflöst. Ich fand die Auflösung logisch und glaubhaft und die Beweggründe für die Taten waren für mich nachvollziehbar.
Nach diesem gelungenen ersten Fall freue ich mich schon auf eine Fortsetzung.

Allen Thrillerfans kann ich den „Alphabetmörder“ nur wärmstens empfehlen.

Bewertung vom 27.06.2018
Phillips, Susan Elizabeth

NACHTWILD


ausgezeichnet

Amoklauf im Zoo
Joan hat mit ihrem vierjährigen Sohn Lincoln wieder einmal einen schönen Tag im Zoo verbracht. Auf dem Weg zum Ausgang hören sie plötzlich Schüsse und Joan sieht am Ausgang Tote auf dem Boden liegen. Sie flüchtet mit ihrem Sohn und sie verstecken sich in einem leerstehenden Tiergehege. Damit beginnt ein dreistündiger Alptraum.

Die Autorin hat in ihrem Thriller „Nachtwild“ ein sehr aktuelles Thema aufgegriffen und sehr packend umgesetzt. Sie hat mich schon auf den ersten Seiten abgeholt und ich konnte das Buch kaum zur Seite legen. Die Geschichte von Joan, die alles tut, um ihren Sohn während des Amoklaufs im Zoo zu beschützen, hat einen regelrechten Sog entwickelt. Ich wollte unbedingt den Ausgang der Geschichte erfahren. Als Leser stellt man sich selbst die Frage: Wie würde ich mit der Situation umgehen? Was würde ich tun um mein Kind zu beschützen?

Im Mittelpunkt der Handlung stehen Joan und ihre Beziehung zu ihrem kleinen Jungen für den sie alles tun würde. Ihre Ängste und die Verzweiflung sind sehr gut beschrieben. Trotzdem bricht sie nicht zusammen sondern bleibt stark um ihren Sohn zu beruhigen und abzulenken. Als Mutter habe ich mich Joan sehr nahe gefühlt. Ich konnte ihre Gedanken und Gefühle sehr gut verstehen und hatte das Gefühl direkt neben ihr zu stehen. Die Entscheidungen, die sie traf, konnte ich sehr gut nachvollziehen und habe mich immer gefragt, wie ich wohl an ihrer Stelle gehandelt hätte.
Dadurch, dass sich die ganze Handlung in Echtzeit innerhalb von drei Stunden abspielt, wirkt das ganze noch realistischer. Die zunehmende Dunkelheit im Zoo verstärkt ebenfalls das Gefühl der unterschwelligen Bedrohung.

Alles in allem ist „Nachtwild“ ein äußerst spannender und mitreißender Thriller, der mit erstaunlich wenig Blut auskommt und mich noch einige Zeit danach beschäftigt hat. Als Mutter braucht man allerdings starke Nerven. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und fünf Sterne!

Bewertung vom 22.06.2018
Sveen, Gard

Der einsame Bote / Kommissar Tommy Bergmann Bd.3


gut

Nicht zu empfehlen ohne Kenntnis der vorherigen Bände

„Der einsame Bote“ schließt nahezu nahtlos an den Vorgängerband „Teufelskälte“ an. Ich kenne die beiden ersten Bände der Reihe noch nicht, was definitiv ein großes Problem beim Lesen war.

Der Klappentext war sehr vielversprechend und ich hatte die Hoffnung, auch ohne Vorkenntnisse in die Geschichte hineinzukommen. Dies stellte sich allerdings als Irrtum heraus, da vieles, was in den Vorbänden passierte, im dritten Band nicht weiter erklärt wurde. Es gibt lediglich einen kurzen Zeitungsartikel am Anfang, der die bisherigen Geschehnisse kurz zusammenfasst.
Beim Lesen bin ich immer wieder auf Namen und Andeutungen zu den ersten beiden Bänden gestoßen, mit denen ich ohne diese Vorkenntnisse nicht viel anfangen konnte. Da das Buch direkt an den Vorgängerband anschließt, ist es wirklich besser, die Vorgeschichte zu kennen. So hatte ich einige Schwierigkeiten in die Geschichte hineinzufinden. Auch die Hauptcharaktere blieben mir fremd, weil mir das entsprechende Vorwissen (ihre Vorgeschichte) fehlte. Deshalb habe ich nach dem ersten Drittel kapituliert, um mir die ersten beiden Bände zu besorgen, damit der Lesespaß nicht ganz auf der Strecke bleibt. Diese werde ich bei nächster Gelegenheit in der Reihenfolge lesen, denn Schreibstil, Plot und die Personen fand ich durchaus vielversprechend.

In Anbetracht meiner Leseerfahrung kann ich daher nicht empfehlen, das Buch ohne Kenntnis der vorherigen Bände zu lesen, da es direkt an den Vorband anschließt (kein neuer Fall) und für Neueinsteiger zu wenig erklärt wird.

Bewertung vom 18.06.2018
Tudor, C. J.

Der Kreidemann


ausgezeichnet

Unheimliche Kreidemännchen
Die Geschichte beginnt auf dem Jahrmarkt, als der 12-jährige Eddie Zeuge eines schrecklichen Unfalls wird. Ein junges Mädchen wird dabei schwer verletzt und entstellt. Dabei trifft er zum ersten Mal Mr. Halloran, seinen neuen Lehrer, der wegen seines Aussehens (er ist Albino) bald der „Kreidemann“ genannt wird. Er ist es, der Eddie und seine Freunde Fat Gav, Metal Mickey, Hoppo und Nicky auf die Idee bringt, sich mit Kreidezeichnungen geheime Botschaften zu übermitteln. Was zuerst ein großer Spaß war, wird bitterer Ernst, als die Kreidezeichnungen von allein erscheinen und die Kinder zu einer zerstückelten Leiche führen. 30 Jahre später bekommt Ed einen Brief mit der Zeichnung eines Strichmännchens und einem Kreidestück und er erkennt,dass das Spiel nie zu Ende war...

Der Autorin C.J. Tudor ist meiner Meinung nach ein großartiges Debüt gelungen, das gleichzeitig eine Hommage an die Werke von Stephen King, insbesondere „Es“ ist. Es ist jedoch keine Kopie. Tudor hat ihren ganz eigenen Stil entwickelt, leicht und flüssig zu lesen.
Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen- 1986 und in der Gegenwart. Sie wird aus der Sicht von Eddie als Ich-Erzähler erzählt und ich fand sie durchweg spannend und unheimlich. Durch diese Perspektive kommt man Eddie und seinen Problemen sehr nahe. Aber auch die anderen Charaktere fand ich gut und ausdrucksstark gezeichnet. Tudor schafft es, den Leser einen Blick hinter die Kulissen der Kleinstadt werfen zu lassen, die so manches dunkle Geheimnis birgt.
Mich hat das Buch gleich mit dem Prolog gefesselt. Die Spannung hat sich danach durch die wechselnden Sprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart auch weiter gehalten.
Die Auflösung fand ich überraschend und ich hatte sie so nicht erwartet.

C.J. Tudor ist es mit ihrem Debüt gelungen,eine sehr gut durchdachte Geschichte mit lebendigen Charakteren zu entwerfen, die mich sofort gefesselt hat. Das Lesen hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich jetzt schon auf weitere Bücher von ihr.

Bewertung vom 29.05.2018
Theils, Lone

Das Meer löscht alle Spuren / Nora Sand Bd.2


sehr gut

Nora Sand deckt auf
Nora Sand ist London-Korrespondentin der dänischen Zeitung Globalt. Zu ihrer Überraschung will der berühmte Dichter Manash Ishmail, der in einem dänischen Asylbewerberheim nach seiner Flucht aus dem Iran gestrandet ist, ausschließlich mit Nora ein Interview führen. Im Gegenzug soll sie jedoch seine Frau Amina, von der er auf der Flucht getrennt wurde, in London aufspüren. Während ihrer Suche nach Amina stößt sie auf unmenschliche Abschiebe-Einrichtungen für illegale Einwanderer und skrupellose Menschen, die aus deren Not Kapital schlagen wollen. Nebenbei deckt sie noch einen Pharma-Skandal auf.

Dies ist bereits Noras zweiter Fall. Man kann das Buch aber unabhängig vom ersten Band lesen. Ich kannte den ersten Band auch nicht, war aber trotzdem gleich in der Geschichte drin. Lone Theils hat geschickt die Thematik der illegalen Einwanderer mit der Entwicklung eines neuen Präparats durch einen Pharmakonzern verwoben. Ich fand die Handlung auch so spannend, dass ich immer weiterlesen wollte, um zu erfahren was wirklich mit Amina passiert ist. Gegen Ende geht der Spannungsbogen nochmal nach oben. Das Ende hatte ich so nicht erwartet aber es ist plausibel und glaubhaft.

Nora Sand hat mir als Hauptcharakter sehr gut gefallen. Sie ist eine starke Persönlichkeit und zugleich gute Journalistin, die ein gutes Gespür und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn besitzt. Ihre Arbeit wird sehr realitätsnah geschildert und man merkt, dass die Autorin selbst Journalistin ist. Auch ihr wohldosiertes Privatleben macht die Figur lebendig und glaubhaft.
Aber auch Nebencharaktere wie der Dichter Manash, der seine Frau Amina wirklich über alles liebt, haben mich berührt und waren sehr gut ausgearbeitet.

Mir hat das Buch auf jeden Fall sehr gut gefallen, auch wenn das Cover und der Buchtitel nicht ganz passen. Der erste Band mit Nora Sand steht schon auf meiner Leseliste und ich freue mich schon auf weitere Bände mit ihr.

Bewertung vom 07.05.2018
Cleveland, Karen

Wahrheit gegen Wahrheit


ausgezeichnet

Perfekter Lügner oder liebender Ehemann und Vater?

Die Protagonistin Vivian Miller führt eine glückliche Ehe und lebt mit ihrem Mann Matt und ihren vier Kindern in Washington. Sie ist Spionageabwehr- Analystin bei der CIA und hat einen speziellen Algorithmus entwickelt, mit dem sie russische Spione in den USA enttarnen will. Als ihr endlich der Zugriff auf den Computer eines russischen Agentenbetreuers gelingt, findet sie dort eine Datei mit fünf Fotos von Schläfern. Als sie weiterklickt, sieht sie plötzlich in das Gesicht ihres eigenen Mannes und nichts ist mehr wie zuvor. Ihre Familie, ihre Ehe und ihr Job stehen plötzlich auf dem Spiel. Als sie Matt damit konfrontiert, gibt er zu, seit vielen Jahren ein russischer Spion zu sein und damit bricht ihre gesamte Welt zusammen. Kann sie seinen Erklärungen trauen? Oder wird sie ihn verraten und damit ihre Familie zerstören?

Karen Cleveland hat mit ihrem Debüt einen spannenden Psychothriller verquickt mit einer Spionagestory vorgelegt, den ich fast nicht aus der Hand legen konnte. Ich kann die Stimmen der Prominenten wie John Grisham und Lee Child nur bestätigen. Das Buch ist ein wahrer Pageturner, über dem man alles andere vergessen kann.
Karen Cleveland weiß als ehemalige CIA-Analystin der Russlandabteilung worüber sie schreibt. Insbesondere die Schilderungen von Vivians Arbeitsplatz und ihrer Tätigkeit erhalten dadurch große Authentizität. Ich fand den Plot auch ausgesprochen spannend und glaubwürdig.
Die Geschichte wird aus Vivians Sicht in der Ich-Perspektive erzählt. Dadurch konnte ich mich sehr gut in sie hineinversetzen und hatte das Gefühl ganz nah dabei zu sein. Ihre zwiespältigen Gefühle gegenüber ihrem Mann Matt konnte ich gut nachvollziehen und ich habe mich selbst oft gefragt, ob ich seine Beteuerungen glauben soll oder nicht. Jedesmal wenn ich dachte er ist nicht ehrlich, passierte etwas und ich war wieder vom Gegenteil überzeugt.
Es gab auch immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit, die Vivian Revue passieren lässt und die zeigen wie ihr Mann sie immer wieder geschickt manipuliert hat, um sie dahin zu bekommen, wo sie für die Russen nützlich sein könnte. Dazu gehörte es auch sie dazu zu bringen, trotz der vier kleinen Kinder nie im Job zu pausieren. Das hat ihn mir natürlich sehr unsympathisch gemacht. Vivian hingegen war mir sehr sympathisch und ich konnte ihr Gefühlschaos und besonders die Angst um ihre Kinder sehr gut nachvollziehen, wenn sie auch manchmal zu naiv gegenüber Matt war.
Die Handlung bietet in jedem Fall einige Wendungen und das Ende ist nochmal ein richtiger Knaller und lässt auf eine Fortsetzung hoffen. Auf die Verfilmung darf man sicher gespannt sein.

Ich kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen und freue mich auf eine Fortsetzung um zu erfahren wie es mit Vivian und ihrer Familie weitergeht.

Bewertung vom 25.04.2018
Gallert, Peter;Reiter, Jörg

Tiefer denn die Hölle / Martin Bauer Bd.2


ausgezeichnet

Martin Bauers zweiter Fall - düster und spannend

Vor Kurzem erst habe ich den ersten Band „Glaube Liebe Tod“ des Autorenduos Gallert und Reiter begeistert gelesen und war wegen der spannenden Leseprobe schon sehr gespannt auf den neuen Fall.

Diesmal wird der Polizeiseelsorger Martin Bauer in einen wirklich düsteren und grausamen Fall verstrickt. Er wird zu einem Einsatz in ein stillgelegtes Bergwerk gerufen. In der Tiefe wurde eine mit unzähligen Schnitten verstümmelte und mit Honig übergossene Leiche gefunden. Bauers katholischer Amtskollege Polizeidekan Rüdiger Vaals war als erster zur Stelle und erlitt beim Anblick der Leiche einen Herzinfarkt. Auf dem Weg in die Klinik wiederholt Vaals unter Schock stehend immer wieder den Namen eines Mannes auf den er nicht genug aufgepasst hätte und nun verdammt sei. Bauer möchte seinem Kollegen unbedingt helfen und versucht für ihn den Mann zu finden. Dabei taucht er immer tiefer in Monsignore Vaals Vergangenheit ein. Bei seinen Nachforschungen stößt er auf unglaubliche Verbrechen.
Hauptkommissarin Verena Dohr ermittelt inzwischen im Fall der Honigleiche. Beide ermitteln in unterschiedliche Richtungen und müssen am Ende feststellen, dass beide Fälle zusammenhängen.

Dem Autorenduo ist hier eine sehr spannende und düstere Fortsetzung gelungen. Das Ruhrgebiet als Kulisse mit seinen Fördertürmen, Zechen, stillgelegten Bergwerken und Schächten bieten ein düsteres, passendes Szenario für einen Serienkiller. Die Szenen unter Tage erzeugten bei mir eine Gänsehaut. Als Drehbuchautoren verstehen die beiden es geschickt Spannung entstehen zu lassen und diese bis zum dramatischen Ende zu steigern. Den Autoren ist es auch diesmal sofort wieder gelungen mein Kopfkino in Gang zu setzen.

Mit dem Polizeiseelsorger Martin Bauer haben die beiden einen sympathischen und ungewöhnliche Charakter geschaffen. Er ermöglicht einen ganz anderen Blick auf die Ermittlungen. Er mischt sich oft in die Polizeiarbeit ein und überschreitet dabei meistens seine Kompetenzen, um anderen zu helfen. Er nimmt seinen Beruf, der für ihn Berufung ist, sehr ernst und stellt sich selbst und leider oft auch seine Familie hinten an. Deswegen hat ihn seine schwangere Frau vorübergehend verlassen.
Verena Dohr mag ich ebenso. Sie ist eine starke Frau, hat jedoch auch ihr Päckchen zu tragen. Ihr Partner ist kokainabhängig und hat gerade eine Entziehungskur abgebrochen. Beruflich muss sie sich als Dienststellenleiterin gegen einen intriganten Kollegen zur Wehr setzen, der ständig an ihrem Stuhl sägt. Auch ihr Vorgesetzter ist selten auf ihrer Seite.
Die Hauptcharaktere wirken beide sehr authentisch und ihre Handlungen nachvollziehbar und menschlich. Ich mag beide sehr und freue mich auf schon auf weitere Fälle und die Weiterentwicklung ihres Privatlebens.

Mein Fazit:
„Tiefer denn die Hölle“ ist ein sehr spannender Krimi vor der düsteren Kulisse stillgelegter Bergwerke und dunkler Schächte, die ein grausames Verbrechen bergen. Der Titel (ein Bibelzitat) passt hervorragend zum Inhalt. Mir hat dieser zweite Fall noch besser gefallen, als der erste! Deshalb gibt es von mir auch 5 verdiente Sterne.

Bewertung vom 12.04.2018
Engberg, Katrine

Krokodilwächter / Kørner & Werner Bd.1


ausgezeichnet

Herausragendes Thrillerdebüt aus Kopenhagen!

In einem Mietshaus in Kopenhagen wird ein junges Mädchen erstochen und grausam verstümmelt aufgefunden. Die Vermieterin, eine Professorin im Ruhestand, schreibt gerade an einem Kriminalroman. Sie muss mit Entsetzen feststellen, dass der unbekannte Täter den Mord, den sie sich im Krimi ausdachte, in die Realität umgesetzt hat. Damit rückt sie natürlich ins Zentrum der polizeilichen Ermittlungen, bis ein weiterer Mord geschieht.

Katrina Engberg hat mit „Krokodilwächter“ ein außergewöhnlich spannendes und vielschichtiges Debüt hingelegt und ist damit nicht umsonst auf den ersten Rängen der dänischen Bestsellerliste gelandet. Von der ersten Seite an war ich mitten im Geschehen und konnte das Buch kaum zur Seite legen. Viele Kapitel enden mit Cliffhangern, so dass es mir immer wieder schwerfiel das Buch zur Seite zu legen. Die eingefügten Ausschnitte aus dem Krimimanuskript, die durch eine andere Schrift gekennzeichnet sind, sorgen zusätzlich für Spannung.
Die Handlung ist sehr intelligent und raffiniert aufgebaut und es gibt einige unvorhersehbare Wendungen. Ein paar Mal hatte ich einen Verdacht, wer der Täter sein könnte, lag aber jedesmal daneben. Die Autorin hat es verstanden geschickt falsche Fährten zu legen und erst kurz vor dem überraschenden Ende löste sich das Rätsel um den Täter und es wurde noch einmal richtig spannend.

Der Autorin ist es gelungen sämtlichen Charakteren Glaubwürdigkeit und Tiefe zu verleihen. Die ermittelnden Polizeiassistenten Jeppe Kørner und Anette Werner sind sehr gegensätzlich in ihrer Art, haben mir als Ermittler-Team aber sehr gut gefallen. In diesem Roman lag der Schwerpunkt mehr auf Jeppe und seinem Privatleben- seiner Tablettensucht, Unfruchtbarkeit und der Trennung von seiner Frau,die ihm doch sehr zu schaffen machte. Ich hoffe man erfährt im nächsten Band etwas mehr von Anette.

Das Buchcover ist auch bemerkenswert. Auf der Abbildung wirkte es unscheinbar- hält man es aber ihn der Hand, sieht man die Schnitte im Schutzumschlag, durch die der rote Leineneinband hindurch scheint. Es passt damit hervorragend zum Inhalt und hat mich ebenso begeistert wie das Buch.

Fazit:
Katrine Engberg ist hier ein überragendes Debüt gelungen, das ich wirklich nur weiterempfehlen kann. Ich freue mich schon auf weitere Fälle aus der Kopenhagen-Serie.

Bewertung vom 27.03.2018
Bierach, Barbara

Schweigegelübde / Emma Vaughan Bd.2


gut

Leider nur mäßig spannend und vorhersehbar

„Schweigegelübde“ ist bereits der zweite Band mit der irischen Polizistin Emma Vaughan aus Sligo/Irland.
Ein befreundeter Arzt bittet sie diesmal um Hilfe, denn im Sligo General Hospital geht ein Todesengel um, der schon einige Opfer gefordert hat. Außerdem holt sie ein alter ungelöster Fall wieder ein.

Man kann den zweiten Band sehr gut lesen, ohne den ersten zu kennen. Im zweiten Band wird der ungelöste Fall aus Band eins in einem Nebenstrang wieder aufgegriffen und man erfährt soviel darüber, dass es sich erübrigt, den ersten Band noch zu lesen. Man sollte also am besten die Reihenfolge einhalten und mit dem ersten Band beginnen.

Emma ist eine sympathische Ermittlerin, die im Privatleben allerdings mit vielen Problemen zu kämpfen hat. Als Frau muss sie sich unter überwiegend männlichen Kollegen bei der Polizei behaupten. Das sie Protestantin und noch dazu geschieden und alleinerziehend ist, macht die Sache nicht einfacher im streng katholischen Irland. Nach einem Unfall leidet sie an chronischen Schmerzen und nimmt starke Schmerzmittel (eigentlich zu viele). Deswegen schickt sie ihr Chef zum Drogenscreening ins Krankenhaus. Sorgen bereiten ihr außerdem ihr halbwüchsiger Sohn und ihr Exmann, der wegen seiner Beziehungen zur IRA im Untersuchungsgefängnis sitzt. Nicht nachvollziehen konnte ich allerdings ihre Schmerzmittelsucht (und dass sie beschlagnahmte Tabletten in der Asservatenkammer entwendet) und ihre Alleingänge.

Im Buch werden unabhängig voneinander zwei Fälle ermittelt bzw. gelöst.
Einmal der aktuelle Fall des Todesengels im Krankenhaus. Hier ermittelt das ganze Team und der Täter steht nach ca. 200 Seiten fest. Die Auflösung war jedoch keine Überraschung für mich, hatte ich doch recht früh einen Verdacht, der sich dann auch bestätigte. Mir ging das ein bisschen zu schnell und abrupt, überraschende Wendungen Fehlanzeige.
Auf den letzten 70 Seiten ging es dann nochmal um den alten Fall von Emma (hier ermittelt sie alleine),wobei es bei diesem zu einer überraschenden Wendung kam und die Spannung doch noch einmal anstieg.
Der alte Fall und dessen Auflösung hat mir damit deutlich besser gefallen, als der Todesengelfall, in dem der Täter zu früh zu erahnen war und damit die Spannung verloren ging.

Mein Fazit:
„Schweigegelübde“ ist ein netter Irlandkrimi für zwischendurch, der jedoch vorhersehbar und nur mäßig spannend ist und mit wenig Überraschungen aufwartet. Die irische Atmosphäre und die Auflösung des alten Falls machen jedoch einiges wieder gut.

Bewertung vom 15.03.2018
Celestin, Ray

Höllenjazz in New Orleans / City-Blues-Quartett Bd.1


ausgezeichnet

Teuflisch gut!

In New Orleans im Jahr 1919 treibt ein mysteriöser Mörder, der „Axeman“ sein Unwesen. Er ist wie ein Phantom und versetzt die ganze Stadt in Angst und Schrecken. Mit seiner Axt hat er schon mehrere Opfer niedergestreckt und hinterlässt immer Tarotkarten am Tatort.

Gleich drei Ermittler versuchen das Rätsel um den Axtmörder zu lüften:
Der Detective Michael Talbot ist mit dem Fall betraut. Er steht unter großem Druck und verzweifelt schier daran, denn der Axeman ist ihm immer einen Schritt voraus. Neben der Jagd nach dem Killer muss er auch noch ein privates Geheimnis hüten, von dem sein Leben und seine Karriere abhängen.
Der ehemalige Polizist Luca DÁndrea, der gerade erst aus dem Gefängnis entlassen wurde, sucht ebenfalls nach dem Axeman - im Auftrag der Mafia.
Er ist der ehemalige Mentor von Detective Talbot, und wanderte wegen seiner Aussage ins Gefängnis.
Ida Davis arbeitet als Sekretärin in der Pinkerton Detektivagentur und stolpert zufällig über einen Hinweis. Zusammen mit ihrem besten Freund, dem Jazzmusiker Louis Armstrong, beginnt sie ihre Nachforschungen.
Alle drei Ermittler ermitteln in unterschiedliche Richtungen und begeben sich dabei in große Gefahr. Als sie dem Mörder gefährlich nahe kommen, bricht auch noch ein Sturm über New Orleans herein...

Ray Celestin hat mich mit seinem Debütroman total begeistert. Er ist schon jetzt eines meiner Buchhighlights in 2018! Trotz der beachtlichen knapp 500 Seiten hat mich die Story sofort gefesselt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Dem Autor ist es hervorragend gelungen, die Fakten des wahren Axeman-Falls in eine fiktive Geschichte mit drei ganz besonderen Ermittlern einzuflechten. Dabei hat er sogar den berühmten Jazztrompeter Louis Armstrong in die Story integriert. So erfährt man als Leser ganz nebenbei etwas über das Leben von Louis Armstrong und auch viel über das damalige New Orleans.
Alle Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und absolut glaubwürdig.
Mit seinem sehr lebendigen Schreibstil versetzte er mich direkt in die damalige Zeit. So folgte ich den Ermittlern durch die Straßen von New Orleans, spürte den Regen und meinte die allgegenwärtige Musik zu hören.
Neben der Jagd nach dem Mörder werden aber auch andere Probleme der damaligen Zeit thematisiert wie Korruption, der Einfuss der Mafia, Rassentrennung und Prohibition.
Das Buch ist damit ein gelungenes Gesamtpaket aus einem wahren Kriminalfall, einer raffinierten Story mit besonderen Ermittlern, das die Atmosphäre des alten New Orleans perfekt einfängt.
Ich fiebere jetzt schon der Fortsetzung entgegen!

Mein Fazit:
Das Buch ist ein Leckerbissen für jeden Krimi-Liebhaber. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung.