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Benutzername: Büchermaulwurf
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Bewertungen

Insgesamt 99 Bewertungen
Bewertung vom 22.10.2021
Ausweglos
Faber, Henri

Ausweglos


sehr gut

Solides Debüt
Henri Fabers Debüt „Ausweglos“ fiel mir durch das ausgefallene Cover und die vielen positiven Rezensionen auf. Ich war tatsächlich positiv überrascht über dieses gelungene Debüt, was nur kleine Schwächen hat.

Noah will nur die Wäsche vom Trockenboden holen, als ein Angreifer ihm ein Messer an die Kehle hält und ihn zwingt, ihn zu seiner Frau zu bringen. Noah führt ihn stattdessen mit einem Zweitschlüssel in die Nachbarwohnung, da er weiß, dass diese im Urlaub sind. Am nächsten Morgen erwacht er neben der brutal ermordeten Nachbarin. Der berüchtigte Ringfingermörder scheint zurück zu sein. Kommissar Elias Blom, der schon früher gegen den Serienmörder ermittelte, versucht alles um wieder an den Ermittlungen beteiligt zu werden. Aber kann er dem einzigen Zeugen Noah trauen?

Die verschiedenen Perspektiven, aus denen die Handlung erzählt wird, sind gut gewählt. Dies ist zum einen der ermittelnde Kommissar Elias, sowie der Verdächtige Noah und seine Frau Linda. Eingestreut sind auch Einblicke in den Täter. Die wechselnden Perspektiven geben gute Einblicke in die Handlungen und Gefühle der einzelnen Personen, die alle mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen haben. Leider war mir keine Figur so richtig sympathisch.
Die hohe Spannung, mit der die Geschichte startet, kann leider nicht durchgängig gehalten werden. Dafür wurde ich auf den letzten 100 Seiten mit einigen unerwarteten Wendungen überrascht und entschädigt, wenn auch das Ende etwas konstruiert auf mich wirkte.
Zusammenfassend ist es ein gut konstruiertes, solides Debüt, bei dem noch etwas Luft nach oben ist. Auf jeden Fall die richtige Unterhaltung für verregnete Herbsttage auf der Couch.
Ich werde mir den Autor der Potenzial hat, auf jeden Fall merken.

Bewertung vom 19.10.2021
Morgen, Klufti, wird's was geben
Kobr, Michael;Klüpfel, Volker

Morgen, Klufti, wird's was geben


sehr gut

Klufti im Weihnachtsstress
„Morgen, Klufti, wird’s was geben“ ist eine äußerst vergnügliche Weihnachtsgeschichte, die in 24 Kapiteln bzw. 24 Katastrophen die letzten zwei Tage bis Heiligabend im Hause Kluftinger beschreibt. Zur Weihnachtstradition bei Kluftingers gehören nicht nur Erikas legendäre Plätzchen, sondern auch das Aufstellen und Schmücken des Tannenbaums. Doch in diesem Jahr wird alles auf den Kopf gestellt, als sich kurzfristig Besuch aus Japan ankündigt und Erika unglücklicherweise beim Schmücken von der Leiter fällt und ins Krankenhaus muss.
Klufti ist also bei den Weihnachtsvorbereitungen ganz auf sich allein gestellt. Und damit nehmen die Katastrophen ihren Lauf…

Kommissar Kluftinger erwartet diesmal kein kniffliger Kriminalfall, dafür muss er die Weihnachtsvorbereitungen, für die sonst Erika zuständig ist, selbst übernehmen. Ob es das Schmücken des Baums ist, der Glühweinverkauf für den Frauenbund, bei dem er einspringen muss, oder der japanische Besuch. Wer Klufti kennt, weiß dass dabei eine Menge schiefgehen kann. Und so reiht sich eine Katastrophe an die nächste. Klufti lässt kein Fettnäpfchen aus. Ich musste so manches Mal schmunzeln oder laut lachen. Besonders amüsant waren die Unterhaltungen mit seinem japanischen Gast, in einem Mischmasch aus englisch und deutsch. Der ultimative Showdown kommt dann am Heiligen Abend…

Als Klufti-Fan der ersten Stunde war ich schon sehr gespannt auf die neue Weihnachtsgeschichte. Das nett gestaltete Büchlein mit 144 Seiten ist nicht ganz günstig aber es liest sich flott weg und kann durchaus auch als Adventskalender dienen und ist damit auch eine schöne Geschenkidee. Mir hat’s sehr gut gefallen und ich habe mich köstlich amüsiert.

Bewertung vom 07.10.2021
Die Verlorenen / Jonah Colley Bd.1
Beckett, Simon

Die Verlorenen / Jonah Colley Bd.1


ausgezeichnet

Pageturner mit starkem Protagonisten
Als Fan der Serie um den forensischen Anthropologen David Hunter war ich schon sehr gespannt auf Simon Becketts neue Thrillerserie und meine hohen Erwartungen wurden definitiv erfüllt.
Im Mittelpunkt steht Jonah Colley, der Mitglied einer bewaffneten Spezialeinheit der Londoner Polizei ist. Vor zehn Jahren geriet sein Leben aus den Fugen, als sein kleiner Sohn Theo spurlos verschwand. Damals brach auch der Kontakt zu seinem besten Freund Gavin ab. Doch nun meldet sich dieser überraschend und bittet Jonah um Hilfe. Als Jonah zum vereinbarten Treffpunkt kommt, einem verlassenen Lagerhaus am Slaughter Quay findet er die Leiche von Gavin und drei weitere, in Plastikplanen eingewickelte Tote. Bevor er reagieren kann, wird er angegriffen und schwer verletzt. Doch schon bald gerät er in den Fokus der Mordermittlung, denn die Polizei zweifelt an seiner Aussage.

Der äußerst spannende Thriller hat mich bereits mit den ersten Zeilen gefesselt und begeistert:
„Als Jonah das Blut roch, war ihm klar, dass er in Schwierigkeiten steckte.“
Der Spannungsbogen war konstant hoch und das Buch entwickelte sich schnell zu einem wahren Pageturner den ich kaum zur Seite legen konnte. Beckett hat außerdem für einige überraschende Wendungen gesorgt, die ich nicht vorhergesehen habe. Die düstere Atmosphäre, die über der gesamten Handlung liegt, sorgt für zusätzliche Spannung.
Jonah Colley ist wieder ein starker Protagonist, der schon einige Schicksalsschläge hinter sich hat und mir sofort sympathisch war. Seine Verletzungen, die er durch den Angriff im Lagerhaus erlitt, können ihn nicht von eigenen Ermittlungen nach dem Mörder seines Freundes abhalten, zumal es scheinbar Verknüpfungen zu dem Verschwinden seines Sohnes gibt. Er gerät immer wieder in gefährliche Situationen und dass die Polizei ihn verdächtigt, spornt ihn nur zusätzlich an. Der spannende und überraschende Showdown am Ende führt die losen Fäden zusammen und ich bin schon sehr gespannt, wie der nächste Band daran anknüpft.
Sehr gelungen fand ich auch das Cover, das die düstere Lagerhalle zeigt und die Atmosphäre, die einen erwartet sehr gut widerspiegelt.

Mein Fazit: Mit „Die Verlorenen“ ist Beckett ein fesselnder Auftakt seiner neuen Thrillerserie gelungen, der sich durch eine absolut spannende Handlung und einen starken Protagonisten auszeichnet. Ein echtes Lesehighlight für die kommenden Herbsttage.

Bewertung vom 27.09.2021
Der Sucher
French, Tana

Der Sucher


sehr gut

Trügerische Dorfidylle
Dies war mein erstes Buch von Tana French. Das düstere Cover und der Klappentext sowie die Ankündigung es wäre ihr bestes Buch hatten bei mir hohe Erwartungen geweckt, die letztlich leider nicht ganz erfüllt wurden.

Cal Hooper, ein Ex-Cop aus Chicago hat sich ins ländliche Irland zur Ruhe gesetzt. Die Dorfbewohner haben ihn scheinbar freundlich aufgenommen und er genießt die Ruhe während er sein baufälliges Cottage renoviert. Diese wird jäh durch das Auftauchen eines Kindes (Trey) gestört, dass ihn zuerst beobachtet und schließlich bittet das plötzliche Verschwinden seines großen Bruders aufzuklären. Die Suche, auf die er sich begibt, führt ihn in die dunkelsten Abgründe.

Tana Frenchs Erzählstil ist sehr atmosphärisch und ausführlich. Das führt dazu, dass man die Landschaft, die Charaktere und ihre Emotionen sehr gut vor Augen hat und fühlen kann. Allerdings hat es auch zur Folge, dass es fast 120 Seiten dauert, bis die Handlung richtig Fahrt aufnimmt, als Cal einwilligt für Trey das Verschwinden des Bruder zu untersuchen. Als Ex-Cop hat er natürlich nur eingeschränkte Ermittlungsmöglichkeiten, aber seine gezielten Nachfragen im Dorf stechen offenbar in ein Wespennest, mit weitreichenden Folgen für Cal und Trey. Er muss feststellen, dass die Dorfbewohner ihre eigenen Regeln haben, ebenso eine eigene Vorstellung von Recht und Gesetz. Die wahrhaft dunklen Abgründe, auf die er während seiner Suche stößt, lassen ihn am Ende daran zweifeln, ob das Dorf die richtige Heimat für ihn ist.
Gut gefallen hat mir die einfühlsame Schilderung von Trey, einem Kind aus einer sozial schwachen Familie, das nicht über das Verschwinden des für ihn so wichtigen großen Bruders, zu dem er aufschaute, hinwegkommt. Auch Cals Charakter war für mich sehr real und sympathisch gezeichnet und seine inneren Zweifel und Kämpfe gut nachzuvollziehen.

Wenn man zu diesem Buch greift, darf man keinen durchweg fesselnden und spannenden Krimi erwarten, den man kaum zur Seite legen mag. Es ist nunmal ein literarischer Krimi mit einem ausgefeilten Sprachstil, der eine gemächlichere Gangart anschlägt und der neben dem Kriminalfall auch das soziale Gefüge der Dorfgemeinschaft und ihre Regeln und Werte beleuchtet.
Die ersten 120 Seiten waren mir zu langatmig aber mit Beginn von Cals Suche nahm die Handlung endlich Fahrt auf und die unterschwellige Spannung zog mich in den Bann und ließ mich immer weiter lesen. Ich wollte unbedingt wissen, was mit Treys Bruder passiert ist. French sorgt noch für die ein oder andere überraschende Wendung und präsentiert ein Ende, dass mich überraschte, dass aber auch realistisch und glaubwürdig war. Ein bisschen fehlte mir noch, wie es mit Cal und Trey nach allem weitergeht, ein Epilog wäre daher schön gewesen.

Bewertung vom 23.09.2021
Tote schweigen nie / Raven & Flyte ermitteln Bd.1
Turner, A. K.

Tote schweigen nie / Raven & Flyte ermitteln Bd.1


ausgezeichnet

Außergewöhnliche neue Forensik-Reihe
„Tote schweigen nie“ ist der Auftaktband einer neuen Forensik-Reihe der britischen Autorin A.K. Turner.

Im Mittelpunkt steht Cassie Raven, die Sektionsassistentin der Rechtsmedizin in London ist. Ihr Gothic-Look mit Piercings und Tattoos bringt ihr manchen schrägen Blick ein, ebenso wie ihre Überzeugung, dass die Toten zu uns sprechen, wenn wir nur ganz genau hinhören.
Als eines Tages ihre geliebte Mentorin Mrs. Edwards vor ihr auf dem Seziertisch liegt, sitzt der Schock tief, denn Mrs. E hatte sie ihre Ausbildung und ihre Stelle in der Rechtsmedizin zu verdanken. Sie glaubt nicht an einen Unfall, sondern ist sicher, dass Mrs. E ermordet wurde. Aber ihr fehlen entsprechende Beweise und ohne diese ist eine große Obduktion nicht möglich. Ihre einzige Chance ist die unterkühlte DS Flyte mit ins Boot zu holen, die sie allerdings wegen einer verschwundenen Leiche auf dem Kieker hat und es bleiben nur noch wenige Tage bis zur Einäscherung.

Mich hat dieser Auftakt besonders durch die außergewöhnlichen Charaktere in den Bann gezogen und gefesselt.
Cassie war mir sofort sympathisch, besonders ihr respektvoller und liebevoller Umgang mit den ihr anvertrauten Toten hat mich berührt. Dazu passt auch ihre Überzeugung, dass die Toten zu ihr sprechen. Ihr ungewöhnliches Äußeres und ihr ausgefallenes Hobby Taxidermie unterstreichen ihren Charakter. Beharrlich versucht sie die Todesursache ihrer Mentorin herauszufinden, gegen alle Widerstände. Denn ohne Mrs. E. hätte sie nicht ihren geliebten Job in der Rechtsmedizin und würde immer noch auf der Straße leben.
Ihre Zusammenarbeit mit der unterkühlten DS Flyte gestaltet sich zunächst schwierig und die beiden müssen sich erst zusammen raufen. DS Flyte wirkt zuerst zugeknöpft und verbissen, ihr Charakter macht aber eine Entwicklung durch und man erfährt im Verlauf einiges aus ihrer Vergangenheit, was ihr Verhalten erklärt.
Auch Nebenfiguren wie Cassies polnische Großmutter (Babcia) Weronika sind liebevoll ausgearbeitet.
Das Privatleben der Hauptpersonen steht jedoch nicht im Vordergrund sondern dient dazu den Figuren die nötige Tiefe zu geben, um ihr Handeln besser zu verstehen.

Für mich war die Story durchweg spannend und abwechslungsreich durch mehrere Ermittlungsstränge, denn neben dem Tod von Mrs. E. soll DS Flyte eigentlich das Verschwinden eines Toten aus der Rechtsmedizin aufklären. Es gibt einige falsche Fährten und das Miträtseln blieb bis zum Schluss spannend. Die Autorin hat für mich eine ausgewogene Mischung aus Ermittlungen, privatem Hintergrund und fachkundigen Einblicken in die Rechtsmedizin geschaffen. Zusammen mit der außergewöhnlichen und sympathischen Protagonistin konnte mich der Thriller auf ganzer Linie überzeugen und begeistern.
Ich freue mich jetzt schon sehr auf den 2. Band und möchte diese neue Reihe allen Forensik-Fans ans Herz legen.

Bewertung vom 15.08.2021
Systemfehler
Harlander, Wolf

Systemfehler


sehr gut

Erschreckendes Szenario
In seinem neuen Wirtschaftsthriller „Systemfehler“ beschreibt der Journalist Wolf Harlander erschreckend realistisch ein absolutes Worst-Case-Szenario. In mehreren europäischen Ländern bricht gleichzeitig das Internet zusammen, mit dramatischen Folgen. Züge können nicht mehr fahren, die Flughäfen sind lahmgelegt und in den Krankenhäusern versagen die lebenserhaltenden Geräte, so dass Patienten sterben. Supermärkte erhalten keine Ware mehr, die Versorgung bricht zusammen und es kommt zu Plünderungen und Demonstrationen. Handys, Fernsehen und Radio funktionieren nicht mehr, damit sind alle Kommunikationswege gekappt. Stromausfall und Wasserknappheit stürzen das Land ins Chaos und Panik bricht aus. Die Regierung und Behörden sind machtlos. Nelson Carius, der gerade neu beim BND ist, vermutet ein hochkomplexes Computervirus hinter den Internetausfällen. Seine Nachforschungen führen ihn und seine Kollegin Diana zu dem IT-Experte Daniel Faber. Um seine Unschuld zu beweisen muß dieser untertauchen und auf eigene Faust nach den Verantwortlichen für den Internetcrash suchen.

Der Schreibstil war leicht und flüssig zu lesen (bis auf die Dialoge, die manchmal etwas hölzern wirkten) und ich war sehr schnell in der Geschichte drin. Es gibt verschiedenen Erzählstränge. Die Auswirkungen des Internetausfalls erfährt man durch Daniel Faber und seine Familie in München, seine Mutter Renate in Nürnberg, seine Schwester Claudia (Ärztin) in Hamburg. Durch diese Figuren werden die Auswirkungen sehr real und erfahrbar. Erschreckend auch wie rechte Gruppierungen und Verschwörungstheoretiker Aufwind bekommen. Außerdem folgt man Nelson Carius und seiner Kollegin bei der Suche nach den Verantwortlichen. Ortsangaben über jedem Kapitel geben Orientierung, welchem Strang man gerade folgt. Es beginnt schon spannend indem man dem unbekannten Hacker über die Schulter sieht, wie er das Virus auf die Reise schickt und diese Spannung bleibt auch konstant erhalten. Das Buch führt sehr anschaulich vor Augen, wie abhängig wir alle längst vom Internet sind und welche katastrophalen Folgen ein Ausfall für uns hätte. Es hat mich auf jeden Fall nachdenklich gemacht, denn nach Expertenmeinung (s. Nachwort) ist innerhalb der nächsten 10 Jahre tatsächlich ein Internetausfall zu erwarten. Cyberangriffe auf einzelne Firmen oder Behörden kennen wir ja bereits. Das Buch führt auf jeden Fall vor Augen, wie angreifbar unsere Gesellschaft durch die fortschreitende Digitalisierung ist und macht nachdenklich.

Der temporeiche und spannende Wirtschaftsthriller hat mich gefesselt und nicht mehr losgelassen, obwohl ich bereits frühzeitig ahnte, wer der/die Drahtzieher hinter dem Ganzen sind. Wer oder was hinter dem Tod von Carius Eltern steckt, wird allerdings nicht aufgedeckt. Das hat mir gefehlt, denn es gibt ja wohl keine Fortsetzung. Die Charaktere waren gut gewählt, blieben aber teilweise etwas blass.
„Systemfehler“ ist auf jeden Fall ein lesenswerter Thriller der gut unterhält und gleichzeitig nachdenklich macht, denn er führt uns vor Augen, dass der Segen der fortschreitenden Digitalisierung auch gleichzeitig zum Fluch werden kann und dies sehr realitätsnah. Ich kann es nur weiterempfehlen.

Bewertung vom 11.08.2021
Das Buch des Totengräbers
Pötzsch, Oliver

Das Buch des Totengräbers


ausgezeichnet

Fulminanter Reihenauftakt
„Das Buch des Totengräbers“ von Oliver Pötzsch ist sein erster historischer Kriminalroman und der fulminante Auftakt einer Reihe um den jungen Inspektor Leopold von Herzfeld, die im späten 19. Jahrhundert in Wien spielt. Es war mein erstes Buch von Oliver Pötzsch und ich war restlos begeistert von der detaillierten Schilderung des historischen Wien und der dichten Atmosphäre.

Inspektor Leopold von Herzfeld ist gerade neu als Polizeiagent im Wiener Sicherheitsbüro, als ein Dienstmädchen brutal ermordet und gepfählt im Prater gefunden wird. Leopold stößt allerdings mit seinen neuen kriminalistischen Ermittlungsmethoden wie Spurensicherung und Tatortfotografie auf Widerstände und Skepsis bei seinen älteren Kollegen und macht sich damit unbeliebt. Man betraut ihn mit einem anderen Fall aber dann geschehen weitere Pfahl-Morde und seine Kenntnisse und vor allem seine Kamera werden wieder benötigt. Hilfe erhält er überraschend von dem kauzigen Totengräber Augustin Rothmayer vom Wiener Zentralfriedhof, der jede Todesart und Verwesungsstufe kennt und an einem Almanach für Totengräber schreibt. Außerdem erhält er Unterstützung von der jungen Telefonistin Julia Wolf, die selbst ein Doppelleben führt und ein Geheimnis hütet.
Hinter der glamourösen Fassade Wiens stoßen sie auf tiefe Abgründe und einen Skandal, der bis in höchste Kreise reicht.

Die drei Hauptprotagonisten bilden ein wahres Dreamteam für die Ermittlungen. Alle sind sehr lebendig gezeichnet und jeder hat so seine Geheimnisse. Man folgt ihnen gerne durch das historische Wien und vor allem auf den Zentralfriedhof, der immer wieder eine Rolle in den wendungsreichen Ermittlungen spielt.
Meine Lieblingsfigur war der schrullige aber hochgebildete Totengräber, der sogar auf dem Friedhof wohnt und einen Almanach für Totengräber verfasst. Auszüge daraus sind vielen Kapiteln vorangestellt und unterstreichen die morbide Atmosphäre.

Pötzsch ist es gelungen, mich von der ersten Seite an zu fesseln. Dank des eingängigen Schreibstils und der detaillierten Beschreibungen konnte ich in die damalige Zeit richtig abtauchen. Besonders die Dialoge mit Wiener Dialekt sorgten für eine authentische Atmosphäre und den gewissen Wiener Schmäh. Der Kriminalfall (eigentlich waren es sogar zwei) war spannend und gut konzipiert und die Einblicke in die Anfänge der Kriminalistik sehr interessant. Für mich war es ein rundum gelungener Auftakt mit tollen Charakteren, der Lust auf weitere Fälle mit Leopold, Julia und vor allem dem Totengräber Augustin macht. Von mir gibt es daher 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung.

Bewertung vom 27.07.2021
Tiefer Fjord
Lillegraven, Ruth

Tiefer Fjord


ausgezeichnet

Tiefer Fjord - tiefe menschliche Abgründe
„Tiefer Fjord“ ist Ruth Lillegravens erster Spannungsroman und gleichzeitig der Auftakt der Clara-Trilogie. Das Cover hat mich sofort angesprochen, die dunkle Winterlandschaft vermittelt eine düstere Stimmung, ganz im Stil skandinavischer Spannungsromane. Das zentrale Thema Kindesmisshandlung wurde sehr einfühlsam und gleichzeitig mitreißend in der Handlung verarbeitet.

Im Mittelpunkt stehen das Ehepaar Clara und Haavard. Clara arbeitet als Juristin im Justizministerium und Haavard ist Kinderarzt in einer Osloer Klinik. Als ein kleiner Junge von seinen Eltern in die Klinik gebracht wird, angeblich vom Baum gefallen, stellt Haavard neben alten Brüchen noch frische Hämatome fest, alles Anzeichen von Misshandlungen und familiärer Gewalt. Der Junge kann nicht gerettet werden, doch bevor der Fall weitergemeldet werden kann, wird der pakistanische Vater erschossen im Gebetsraum der Klinik aufgefunden. Die Polizei vermutet ein Verbrechen aus Fremdenhass.
Clara ist geschockt, als sie davon erfährt. Sie arbeitet schon lange an einem Gesetzesentwurf, der misshandelten Kindern durch eine Meldepflicht früher helfen soll, bisher jedoch ohne Mehrheit. Auch Haavard ist erschüttert und beginnt eine Liste mit weiteren Misshandlungsfällen aufzustellen. Als eine weitere Einwanderin erschossen wird, deren Name auf Haavards Liste stand, gerät er ins Visier der Ermittler.

Die einzelnen Kapitel werden jeweils in der Ich-Perspektive von unterschiedlichen Personen erzählt. So kommen neben Clara und Haavard noch Claras Vater Leif sowie Sabiya, eine Kollegin von Haavard und der Pfleger Roger zu Wort. Durch die Ich-Perspektive wird eine große Nähe zu den einzelnen Personen erzeugt. Man erhält einen tiefen Einblick in die Gedanken und Gefühle der sehr gut ausgearbeiteten Charaktere. Ich kann da Maja Lunde nur zustimmen. Ich war gefesselt von der Geschichte und von den einzelnen Figuren und ebenso von der norwegischen Landschaft, besonders dem Fjord, der eine wichtige Rolle in der Handlung spielt. Rückblicke in die Vergangenheit zeigen auf, welche Auswirkungen sie auf die Handlungen des Täters in der Gegenwart hat, dessen Identität sehr früh enthüllt wird, was der Spannung aber keinen Abbruch tut, weil man unbedingt wissen will, ob er damit durchkommt. Clara und Haavard fand ich zwar nicht unbedingt sympathisch, es waren aber trotzdem zwei sehr spannende Charaktere. Clara hat eine dunkle Vergangenheit von der Haavard nichts ahnt, und ihr Mann hat auch Geheimnisse vor ihr.
Die Geschichte punktet also mit ihren Figuren, die eine große Tiefe besitzen und so einige Geheimnisse und Abgründe verbergen, neben der beeindruckenden Landschaft. Die Ermittlungen der Polizei spielen hier eher eine Nebenrolle.

Mich hat der Auftakt dieser neuen Reihe absolut gefesselt und nachhaltig beeindruckt. Das Ende hat mich sprachlos zurückgelassen, daher bin ich schon sehr gespannt auf die Fortsetzung.

Bewertung vom 16.07.2021
Die Karte / Kerner und Oswald Bd.4
Winkelmann, Andreas

Die Karte / Kerner und Oswald Bd.4


ausgezeichnet

Fesselnder Pageturner
Eva absolviert ihre abendliche Laufrunde, obwohl in ihrer Straße gerade ein Nachbar niedergestochen wurde. Sie ist eine leidenschaftliche Läuferin und postet ihre Laufstrecken regelmäßig in der Runfree-Gruppe bei Instagram. An diesem Abend läuft sie jedoch direkt ihrem Mörder in die Arme, der sie auf grausame Weise tötet und ihrer Partnerin von ihrem Handy noch eine letzte Nachricht schickt: „Ihr läuft die Zeit davon“. Kurze Zeit später werden noch weitere Läuferinnen ermordet und Jens steht mit seiner Partnerin Rebecca unter Druck, den Serienmörder zu fassen und die Verbindung zwischen den Opfern zu finden. Gleichzeitig überrascht Rebecca einen alten Mann im Park, der auf seinem Fahrrad einen abgehackten Fuß transportiert. Gibt es einen Zusammenhang?

Dies ist bereits der vierte Fall für das sympathische Ermittlerduo Jens Kerner und Rebecca Oswald. Man kann das Buch sehr gut unabhängig von der Reihe lesen, ich kannte bisher nur den ersten Band „Das Haus der Mädchen“, kam aber bestens zurecht.

Jens und Rebecca müssen auch diesmal wieder alles geben, um dem gnadenlosen Killer auf die Spur zukommen. Ich habe den beiden gerne bei ihrer Ermittlungsarbeit über die Schulter geschaut, die in meinen Augen sehr realistisch dargestellt wurde. Den Plot hat Andreas Winkelmann sehr routiniert, spannend und voller überraschender Wendungen gestaltet. Ich war direkt von der ersten Seite an gefesselt. Der angenehme und flüssige Schreibstil lies mich durch die Seiten fliegen.
Das Thema, das er in den Mittelpunkt gerückt hat, nämlich das gedankenlose posten von persönlichen Daten im Netz und seine möglichen Folgen fand ich sehr aktuell und spannend in Szene gesetzt. Jeden der selbst alleine in Wald oder Feld joggt oder Nordic Walking macht, den lassen diese grausamen Morde an den Läuferinnen nicht kalt.

Bereits zu Beginn des Thrillers ist das Tempo hoch, denn es geht in den Ermittlungen nicht nur um die Morde an den Joggerinnen, sondern auch um den niedergestochenen Nachbarn und den Opa mit den Leichenteilen.
Ich fragte mich die ganze Zeit wie das alles zusammenhängt. Aber am Ende werden alle losen Fäden miteinander verwoben und der Täter entlarvt. Mit der Auflösung hat mich Winkelmann auf jeden Fall überrascht. Man blickt aber nicht nur den Ermittlern über die Schulter sondern erhält auch Einblicke in die Sicht des Täters und auch seiner Opfer. Die Spannung bleibt bis zum Ende auf hohem Niveau.

Das Privatleben der Ermittler spielt keine große Rolle, im Mittelpunkt stehen die Ermittlungen zu den diversen Verbrechen. Jens muss leider einen persönlichen Verlust verkraften, was ihn ziemlich aus der Bahn wirft. Deswegen fragte ich mich am Ende ob es überhaupt weitere Fälle geben wird. Mit Rebecca, die im Rollstuhl sitzt, erhält man einen Einblick, mit welchen Problemen sie im Alltag zu kämpfen hat. Ich fand es schön, dass die beiden sich diesmal näher kommen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass der Thriller mich bestens unterhalten hat. Die Auflösung war für mich überraschend aber glaubwürdig. Für mich eine gelungene Fortsetzung, die mich von Anfang an fesseln konnte. Von mir gibts daher verdiente 5 Sterne.

Bewertung vom 14.07.2021
Der Blutkünstler (eBook, ePUB)
Meyer, Chris

Der Blutkünstler (eBook, ePUB)


sehr gut

Solides Debüt mit Luft nach oben
Für sein Debüt hat sich Chris Meyer einen wirklich perfiden Serienmörder erdacht und führt den Leser in seine dunkelsten Abgründe. Der „Blutkünstler“ foltert seine Opfer lange und grausam ehe er mit ihrem Blut und ihren Körpern Kunstwerke erschafft. Das BKA überträgt den Fall Tom Bachmann, der als einer der besten Profiler gilt und auch der „Seelenleser“ genannt wird. Zusammen mit seinem neuen Team soll er den Blutkünstler stellen.
Dies ist der Auftakt zu einer neuen Reihe rund um den Profiler Tom Bachmann. Wie der Titel und das Cover schon suggerieren, fließt sehr viel Blut und die grausigen Taten werden sehr detailliert und bildhaft beschrieben, also nichts für schwache Nerven!

Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was die Spannung ankurbelt. Man folgt Tom bei den Ermittlungen, erhält aber auch verstörende Einblicke in den Kopf des Täters und seines Opfers. Außerdem erfährt man in Rückblicken mehr über die Vergangenheit von Tom und sein Trauma, was sehr erschütternd war. Und in einem weiteren Erzählstrang folgt man einem Mörder, der es auf Pädophile abgesehen hat. Das sind sehr viele Themen für nur 360 Seiten. Vieles blieb mir hier zu sehr an der Oberfläche und ich hätte mir mehr Tiefgang gewünscht.

Tom ist zwar ein Ermittler mit Ecken und Kanten und einer traumatischen Kindheit, aber sympathisch war er mir nicht. Er wirkte kühl und distanziert , oftmals ungeduldig. Vielleicht ändert sich mein Eindruck ja mit dem nächsten Band. Die Charaktere seines Teams blieben bisher noch etwas blass. Ich hoffe auch das ändert sich mit weiteren Bänden.

Der Plot hat mir gut gefallen, auch wenn viel Blut floss und das Ende etwas überstürzt daherkam. Nicht alles wurde aufgeklärt, so dass man auf weitere Bände hoffen muss. Es war spannend von der ersten Seite an, und lies sich flüssig lesen.

Insgesamt ist Chris Meyer mit dem ersten Band der Tom Bachmann-Reihe ein solides Debüt gelungen, welches mir spannende Unterhaltung bot, aber noch Luft nach oben hat. Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen, um zu sehen, wie sich die Charaktere weiterentwickeln (und hoffentlich mehr Tiefe erhalten) und was aus Aaron wird.
Fans von blutigen Serienmörder-Thrillern können mit dem „Blutkünstler“ nichts falsch machen.