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Kuehn, S.

Bewertungen

Insgesamt 925 Bewertungen
Bewertung vom 29.09.2024
Fossum, Karin

Familienbande / Eddie Feber Bd.0


gut

Düstere Familiengeschichte
"Familienbande" von Karin Fossum ist das Prequel zur Eddie-Feber Reihe, einer Krimireihe aus Norwegen. Das Buch ist unabhängig lesbar, es ist ein abgeschlossener Fall und vielleicht hätte mir hier ja die Kenntnis der anderen Teile gut getan.
Aksel ist als Lokaljournalist und kümmert sich nebenbei noch liebevoll um seine Schwester Ellinor, die psychische Probleme hat und sich oft in ihrer Wohnung verkriecht. Auch Aksel fühlt sich in seiner eigenen Haut nicht wohl und unzufrieden.
Ihre Probleme verorten die Geschwister in ihrer Kindheit, bei Mutter und Vater, von denen nur die Mutter noch lebt.
Von dieser Kindheit wird jetzt in Rückblicken erzählt, von Aksel und in keiner chronologischen Reihenfolge, sondern eher in Bildern, in Splittern. In Erinnerung geblieben sind eher schlechte und gefühlskalte Erfahrungen, als Leser erfährt man nicht, wieviel hier der subjektiven Sicht geschuldet ist.
Die komplette Atmosphäre ist hier sehr düster dargestellt und es hat auch einen gewissen Sog den beiden Geschwistern dabei zuzusehen, wie sie über den Tod der Mutter sprechen und ihn herbeisehnen.
Die Darstellung des Ganzen ist gelungen und auch gut geschildert, mir fehlt hier leider der Krimi-Anteil komplett und auch der Kommissar kommt erst ganz zum Schluss in einigen wenigen Sätzen in der Handlung vor.
Es ist wirklich kein schlechtes Buch, es ist gut geschrieben, beleuchtet die Psyche der Geschwister gut und zeigt die Entstehung von Tätern und Opfern auf, für mich war das aber kein Krimi.

Bewertung vom 29.09.2024
Falk, Helene

Abgrundtiefer Hass


ausgezeichnet

Tiefe Abgründe
"Abgrundtiefer Hass" von Helene Falk ist schon der zweite Band aus der Reihe um den Hauptkommissar Mik Kohonen, den man aber unabhängig lesen kann. Es ist ein komplett in sich abgeschlossener Fall, ich kenne den ersten Band auch noch nicht, ich werde es aber nachholen.
Der fünfjährige Yanis verschwindet beim einkaufen aus dem Supermarkt. Mik ist zufällig gerade vor Ort und verfolgt mit der Mutter im Auto das Signal auf dem Handy, so wird er in diesen Fall verwickelt.
Der Junge kann lebend geborgen werden, doch bei ihm wurde ein älteres Kinderskelett gefunden und Yanis spricht nicht mehr, dafür zeichnet er schwarze Vögel.
Es gibt hier sehr viele Wechsel der Perspektiven, der Orte und auch der Zeiten. Alles ist aber so geschrieben, dass man sich jederzeit zurechtfindet zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Durch die Wechsel kommt sogar noch etwas mehr Spannung dazu.
Das Szenario hier ist durchweg düster und geheimnisvoll, auch der alte Fall lässt einen nicht los. Jegliche Schauplätze sind sehr anschaulich beschrieben und auch die Figuren bis hin zu den Nebenfiguren wirken sehr echt und glaubhaft.
Sehr gut dargestellt ist die Figur des Mik Kohonen, der nicht lockerlässt, sich Hilfe sucht und so lange nach Spuren und Hinweisen gräbt, bis er den Fall gelöst hat.
Diese Reihe scheint sehr spannende und hochwertige Thriller zu schaffen, ich bin sehr gespannt auf weiteres.

Bewertung vom 26.09.2024
Bröhm, Alexandra

Yrsa. Journey of Fate / Yrsa - Eine Wikingerin Bd.1


gut

Für mich etwas ausufernd
"Yrsa. Journey of Fate" von Alexandra Bröhm ist der Auftakt zu einer geplanten Dilogie im Wikinger-Milieu.
Die Wikingerin Yrsa kümmert sich alleine um ihren Bruder Sjalfi, seit sie ihre Mutter verloren haben. Dann ist auch Sjalfi verschwunden und Yrsa macht sich auf die Suche.
Was mir gut gefällt ist dieses viele Wissen über die Menschen und die Kultur, die hier nebenbei vermittelt werden.
Was ich nicht so mag, Yrsa soll hier die starke Figur sein und wird manchmal, gerne auch öfter so unheimlich naiv und klischeebehaftet dargestellt. Sie ist nicht unsympathisch, ging mir aber doch öfter auf die Nerven.
Die Geschichte hat im Mittelteil ihre Längen, da wäre etwas weniger gut gewesen.
Die Handlung ist in sich abgeschlossen, man merkt ihr aber das Fehlen des zweiten Teiles stark an. Ich denke aber, diesen werde ich nicht lesen, das, was mich interessierte, die historischen Hintergründe, das war ja schon ausführlich dargestellt.
Der Schreibstil schafft es auch Bilder zu zeichnen, nur mit der Protagonistin haderte ich oft.

Bewertung vom 26.09.2024
Kling, Marc-Uwe

VIEWS


sehr gut

Hochaktuell und spannend
"Views" von Marc-Uwe Kling habe ich in der Hörbuchversion gehört, meisterlich gelesen vom Autor selbst. Auch wenn man von diesem bisher eher Comedy und Satire gewohnt war, fand ich mich in diesem ernsten Thema schnell zurecht.
In den sozialen Medien geht ein Video mit brutalem Inhalt viral. Opfer ist hier ein Mädchen, Lena, die seit einigen Tagen vermisst wird.
BKA-Kommissarin Yasira Saad macht sich auf die Suche nach den Tätern und vor allen Dingen auch nach Lena. Problematisch ist hier der aufgebaute Zeitdruck, weil einige Chaoten glauben, auf eigene Faust für Recht und Ordnung sorgen zu müssen und ihrerseits Menschen jagen.
Sehr schnell gerät auch die Kommissarin selbst und auch ihre Tochter in den Fokus, es wurde also sehr persönlich, womit man hier ja auch rechnen konnte.
Sie ist eine sehr intelligente Frau und geht die Ermittlungen von mehreren Seiten an und findet auch genau dadurch einen Ansatz der Wahrheit dahinter.
Der Schreibstil ist gewohnt locker und souverän, die Figuren glaubhaft und die Themen hochaktuell. Gerade auch was das verbreiten von Fakes in den Medien betrifft.
Die Auflösung hier hat mich dann doch überrascht, da ich dachte, der Autor möchte auf etwas anderes hinaus. Gerade das gab dem Buch aber eine gewisse Spannung und Überraschung.

Bewertung vom 25.09.2024
Raimondi, Daniela

Das erste Licht des Sommers


sehr gut

Familiengeschichte
"Das erste Licht des Sommers" von Daniela Raimondi ist ein eigenständiges Buch, führt aber die Geschichte eines Vorgängers fort. Für mich war dieses hier das erste Buch der Autorin.
Ich lese gerne Geschichten, die Generationen überschreiten und doch verbinden, die ein Leben bis zum Ende aufzeigen.
Normas Geschichte und die ihrer Familie ist nicht chronologisch geschrieben, wir springen hier in Zeit und Ort, man verirrt sich aber nicht.
Die Beziehungen sind hier nicht einfach, mir waren es auch etwas viele Affären, aber es war voller Wärme und gut lesbar erzählt.
Man konnte sich jeweils gut in Ort und Zeit versetzen, die Schilderungen haben mir da gut geholfen.
Etwas aus dem Lesefluss gebracht haben mich eingestreute Wörter und Sätze im italienischen, die aber übersetzt wurden.
Eine gute Familiengeschichte, die alle Facetten de Lebens berührt, einige nur streift, bei anderen in die Tiefe geht. Ich habe das Buch gerne gelesen.

Bewertung vom 22.09.2024
Westerbeke, Douglas

Die unendliche Reise der Aubry Tourvel


sehr gut

Ich würde so gerne verweilen....
"Die unendliche Reise der Aubry Tourvel" ist der Debütroman von Douglas Westerbeke und hat es geschafft mich auf eine fantastische Reise mitzunehmen.
Aubry Tourvel hat einen Fluch oder eine Krankheit, wenn sie längere Zeit an einem Ort bleibt, geht es ihr schlecht und schlechter und sie muss schleunigst weiterreisen, auf unbekannten Strecken und zu Orten, an denen sie noch nie war.
Sie muss ihre Familie zurücklassen und lieb gewordene Freunde, von denen sie einige eine Zeit lang begleiten.
Alles verbindend taucht ab und an eine magische Bibliothek an unterschiedlichen Orten zu verschiedenen Zeiten auf, in der sie verweilen kann Hier gibt es Lesestoff fast endlos und doch fehlt eine Erklärung der Hintergründe hier.
Erzählt wird hier nicht chronologisch, die Geschichte erschließt sich aus einzelnen Erzählungen nach und nach und bleibt auch lückenhaft und unvollständig.
Sehr gut gefallen haben mir die Schilderungen der sehr verschiedenen Orte und Zeiten und auch der Menschen, mit denen sie länger Kontakt hat.
Auch Audry ist eine sehr starke und unabhängige Frau, sehr sympathisch, ich habe sie gerne begleitet.
Für mich ist das hier fast das geniale Buch, fehlt mir nicht wenigstens der Ansatz einer Erklärung, der Sinn hinter dem Ganzen. Aber auch so ist es ein sehr spannendes Buch, mal eine ganz andere Reise, eine sehr gute Grundidee mit kleinen Mängeln in der Umsetzung.

Bewertung vom 22.09.2024
Winkelmann, Andreas

Hast du Zeit?


sehr gut

Gewohnt spannend
"Hast du Zeit?" von Andreas Winkelmann ist bei weitem nicht der erste Thriller dieses Autors, den ich gelesen habe und wie immer wurde ich auch hier nicht enttäuscht. Das Buch war spannend, souverän aufgebaut und aufgelöst und sehr gut lesbar und doch fehlte mir hier irgendwie das gewisse Etwas, dass ich vom Autor gewohnt bin.
Die Zeit spielt hier eine zentrale Rolle, deine, meine, die des Täters und der Opfer. Wenn du die Zeit hast, kannst du dich darauf einlassen.
Eine Freundin wird ermordet, eine andere entführt. Die Ermittler hier sind nicht die üblichen, wir haben hier die Freundin der Entführten und einen pensionierte Polizisten, der von seiner Tochter auf diese Sache gebracht wurde.
Die Geschichte wird in kurzen Kapiteln aus verschiedenen Perspektiven geschildert, was die Spannung steigert und etwas rasant macht.
Auch aus Tätersicht sind so einige Kapitel, obwohl er uns ziemlich lange verborgen und unbekannt bleibt.
Man brauchte hier schon einiges an Konzentration, um hinter die vielen Perspektiven und ihre Beziehungen untereinander zu blicken. Am Ende wurde alles aufgelöst und es ergab vieles im Nachhinein auch Sinn.
Spannende Idee mit der Liste von "Zeiträubern" der Lebenszeit, allerdings verzettelt sich die Handlung hier auch schon ab und an mal.

Bewertung vom 21.09.2024
Poniewaz, Edward

Unendlicher Friede


gut

Brisantes Thema
"Unendlicher Friede" von Edward Poniewaz ist ein Thriller mit einem hochinteressanten Thema, das sich aber erst nach und nach in den Mittelpunkt stellt. Deshalb möchte ich hier auch nicht allzu viel verraten.
Dr. Stefan Heimer ist in Berlin als Psychologe tätig und wird von einer schwangeren Frau um Hilfe gebeten, die Angst vor der Reaktion ihres Mannes hat, Dieser ist ein bekannter Arzt, Neurologe und Besitzer einer berühmten Klinik.
Heimer folgt seiner Patientin dann sogar in die Schweiz, er will ihr helfen, ist sogar in sie verliebt. Es geht sehr schnell und Heimer ist in fiese Machenschaften von Gewalt, Betrug, Entführungen und Schlimmerem verstrickt. So wirklich glaubhaft ist keiner der Protagonisten, aber das ist hier Absicht.
Kann man seinen Erinnerungen trauen, an Erlebtes, an Taten und Gedanken, an Worte, hier sollte man alles hinterfragen.
Die Protagonisten, keiner wird mir hier sympathisch, kommt mir nahe. Das Buch beginnt spannend, verliert mich aber auch sehr schnell wieder an Handlungen, die ich nicht nachvollziehen kann. Das ist auch mein größter Kritikpunkt, dass ich so oft denke, warum macht er oder sie das denn jetzt, wie kann er oder sie nur so handeln.
Im letzten Drittel fängt mich die Geschichte dann auch wieder ein, allerdings wurden viele spannende Themen nicht weiter verfolgt und wieder neue eingeführt, fast etwas viel für ein Buch.
Das Thema an sich, mit den Erinnerungen und den Manipulationen ist hochinteressant und hat mich auch zum nachdenken angeregt, dem Buch fehlt es für mich, als Thriller, deutlich an Spannung.

Bewertung vom 21.09.2024
López, Gamander;López, Una

Moments in Nature


ausgezeichnet

Faszinierende Naturaufnahmen
"Moments in Nature" von Una und Gamander López ist ein großartiges Buch für jeden, der sich für unsere Natur interessiert oder gerne fotografiert oder beides.
Mir gefallen die Aufnahmen in diesem Buch sehr, man sieht, wie viel Zeit und Geduld darin steckt, sie so zu machen. Die Tiere, die hier in Bild und auch in Worten vorgestellt werden, sind Tiere aus der Umgebung, Tiere, die man selbst beobachten kann, ohne irgendwo weithin zu reisen. Man braucht nur Ruhe und Geduld. Tipps für Orte, Zeiten und Situationen dazu geben die Autoren hier jeweils ab.
Sehr gut gefällt mir hier wirklich die Zusammenarbeit der Geschwister, die Texte von Una ergänzen die herrlichen Aufnahmen von Gamander perfekt.
Zu jedem Bild gibt es auch Beschreibungen, wie es entstanden ist, in welcher Situation sich die Tiere und der Fotograf befanden.
Auch für die Ausrüstung und Tarnung in der Natur und den achtsamen und respektvollen Umgang mit den Tieren gibt es Hinweise.
Ich finde die Fotos so gelungen, dass ich manchen Vogel auf meiner Terrasse jetzt eindeutig zuordnen kann, obwohl es kein Bestimmungsbuch ist.
Auch mit Kindern kann man sich hier gut an die Tiere unserer Umgebung herantasten und ihre Schönheit zeigen, um zu betonen, wie sehr wir sie schützen müssen.

Bewertung vom 21.09.2024
Kitz, Volker

Alte Eltern


sehr gut

Sehr emotional und berührend
"Alte Eltern" von Volker Kitz ist ein Essay mit einem gewaltigen Sog.
Der Autor erzählt hier seine letzten Monate mit seinem Vater, wo er versucht eine Nähe herzustellen, die der Vater nicht mehr vollständig herstellen kann. Es ist an Demenz erkrankt und in ein Pflegeheim gezogen, vom Sohn Residenz genannt.
In Rückblicken erfährt man auch von früheren Tagen, vom Familienleben, vom Tod der Mutter, von einem guten Vater-Sohn-Verhältnis.
Auch das langsame Verschwinden des Vaters wird mehr aus den Rückblicken ersichtlich.
Mir gefällt hier sehr, wie ehrlich und offen der Autor mit der Situation umgeht, uns seine Gefühle darstellt. Er schildert kleine Situationen und Momente, die das Ganze dann greifbar und vorstellbar werden lassen. Man spürt aber auch seine Hilflosigkeit gegenüber der Größe und Endgültigkeit dieser Situation.
Seine Mutter ist eines plötzlichen Todes gestorben, der Vater wird jetzt sterben, er ist hilflos vor Kummer und auch Angst, nicht alles richtig zu machen, etwas zu verpassen. Ich mag seinen Schreibstil und seine Betrachtungen sehr.
Ich hätte gerne etwas mehr über die Demenz an sich und die Perspektiven, die Hilfen erfahren, aber mir gefällt, dass dieses wichtige Thema jetzt schon öfter literarisch aufgegriffen wird.