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Lesefee23.05
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Stepenitztal

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Insgesamt 325 Bewertungen
Bewertung vom 18.04.2022
Renk, Ulrike

Eine Familie in Berlin - Ursula und die Farben der Hoffnung / Die große Berlin-Familiensaga Bd.2


ausgezeichnet

Selbstständigkeit

„Ich möchte zeichnen, malen, irgendwas erschaffen. Ich will ich sein. So dunkelblau und rosenrot, wie ich nun mal bin.“

„Ursula und die Farben der Hoffnung“ ist der zweite Band der Familiensaga „Eine Familie in Berlin“. Er erschien im Februar 2022 im Aufbau Verlag und kann unabhängig von Band 1 gelesen werden. Sollte Band 1 aber ebenfalls gelesen werden wollen, würde ich empfehlen, die Reihenfolge einzuhalten, da man sich sonst selbst spoilert.
Ursula ist ein stilles und zurückhaltendes junges Mädchen. Schon immer interessiert sie sich mehr fürs Zeichnen als für andere Dinge, der Zeichenblock ist ihr ständiger Begleiter. Doch erst als sie Vera Dehmel, deren Künstlerfamilie und -freunde kennenlernt, beginnt sie eine entsprechende Ausbildung anzustreben. Doch der erste Weltkrieg steht bevor und eine schwierige Zeit für alle beginnt…

Nachdem ich den ersten Band der Buchreihe in weiten Teilen recht zäh und langatmig fand, hatte ich vor dem zweiten Teil natürlich ein wenig Respekt und war nicht sicher, ob er mir wirklich gefallen würde. Zum Glück stellte sich aber schnell heraus, dass ich diesmal viel besser in die Handlung einsteigen und mit Ursula mitfiebern konnte!
Ursula ist eine interessante junge Frau. Sie interessiert sich eigentlich nur für das Zeichnen und ist dabei dennoch offen und freundlich. Früh beginnt sie Standesdünkel und Gesellschaftsunterschiede zu hinterfragen und erkennt, dass es für weniger wohlhabende Menschen nicht immer leicht ist. Durch die Bekanntschaft und schließlich Freundschaft zu Vera Dehmel und ihrer Familie lernt sie dann auch andere Gesellschaftskreise kennen und merkt schnell, dass sie bei den „Künstlern“ zu Hause ist. Die etwas lockereren, aber vor allem moderneren Sitten sowie die politischen und künstlerischen Diskussionen liegen ihr sehr und bald fühlt sie sich bei den Dehmels Zuhause.
Durch die Dehmels wird Ursula auch darin bestärkt, eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule zu machen und einen künstlerischen Beruf auszuüben. Dies ist ein großer Wunsch von ihr, denn sie möchte nicht eines Tages mittellos dastehen, sondern ihr Leben selber ohne Mann finanzieren können.
Die Autorin greift mit diesem Thema die gesellschaftliche Entwicklung in Hinblick auf die Frauenbewegung auf und zeigt deutlich, dass eine Zeit begonnen hat, in der auch Frauen eigenständig sein können und wollen.
Doch auch der Liebe begegnet Ursula auf ihrem Weg, denn obwohl sie selbst eigentlich erst einmal nur ihre Ausbildung im Sinn hat, werben so einige Herren um sie. Ihr Herz gehört jedoch nur einem – Heinrich Dehmel – und dieser scheint unerreichbar. Als der erste Weltkrieg schließlich naht, bekennen die beiden aber ihre Gefühle und für Ursula beginnt eine Zeit der Angst und der Hoffnung…
Erneut finde ich, dass der Klappentext des Buches nicht ganz dem eigentlichen Inhalt entspricht. Für mich liegt der Fokus des Romans nicht, wie dort assoziiert, auf der Liebesgeschichte zwischen Ursula und Heinrich, sondern vielmehr auf Ursulas persönlicher Entwicklung. Wir begleiten sie zwischen den Jahren 1911 und 1917 und können beobachten, wie sich aus dem unbedarften Mädchen eine selbstbewusste Frau mit eigenen Wünschen und Zielen entwickelt. Außerdem treffen wir natürlich Paula Dehmel, die Protagonistin aus Band 1 wieder und begleiten auch sie ein weiteres Stück ihres Lebens.
Anders als bei Paulas Geschichte, die sich über mehrere Jahre zog, umfasst dieser Roman also nur sechs Jahre. Die kürzere Zeitspanne hat mir persönlich aber sehr gut gefallen, da man deutlich mehr über die Figuren erfährt und dichter an ihrem Leben dran ist. Die personale Erzählperspektive aus Ursulas Sicht vermittelt Gefühle und Gedanken der jungen Frau sehr gut. Anders als im vorherigen Band gibt es kaum Briefe oder Gedichte, die die Erzählung unterbrechen, was mir beim Lesen deutlich besser gefallen hat!
Ulrike Renks Schreibstil ist flüssig, die Beschreibungen bildgewaltig und die Charakterisierung der Figuren authentis

Bewertung vom 17.04.2022
Kabus, Christine

Die Birken der Freiheit


ausgezeichnet

Zwänge

„Zwang hat noch selten dazu geführt, Menschen zu motivieren.“

„Die Birken der Freiheit“ ist ein historischer Roman von Christine Kabus. Er erschien im Februar 2022 im Aufbau Verlag und ist der zweite Band der Estland-Saga der Autorin. Die Bücher können aber unabhängig voneinander gelesen werden.
1914: Luise reist als Zofe der adligen Wilhelmine von Deutschland nach Estland. Wilhelmine soll in Estland ihren seit langem versprochenen Ehemann heiraten, doch die Liebe verläuft nicht immer nach Plan und so kommt alles anders als gedacht und auch der drohende erste Weltkrieg vereinfacht die Lage nicht…
1989: Merike hat schon immer das Gefühl, dass sie im kommunistischen System deutlich mehr unter Beobachtung steht als andere. Warum? Das kann sie sich auch nicht recht erklären, aber nach der unbedachten Aussage ihres Vorarbeiters, keimt in ihr immer mehr der Verdacht auf, dass ihre Familie ein Geheimnis verbirgt…!

Der Roman von Christine Kabus beschäftigt sich historisch mit der Unabhängigkeit Estlands. Das Land wurde im Laufe der Geschichte zweimal eigenständig, beide Zeitebenen werden im Roman dargestellt. Die Zugehörigkeit zu Russland sowie der Kampf um die estländische Identität sind dabei derzeit so aktuell, wie die Autorin es sich beim Schreiben des Romans sicherlich kaum vorstellen konnte. Ich begann das Buch wenige Tage nach dem Kriegsanfang in der Ukraine und hatte an manchen Stellen durchaus unangenehme Gefühle, da ich immer wieder an die aktuelle Situation erinnert wurde und ich nicht ganz in die fiktive Geschichte abtauchen konnte. Entsprechend schwer fiel mir daher leider auch das Lesen, was dazu führte, dass ich zunächst sehr schwer in den Roman hineinkam. Die Handlung dreht sich dabei allerdings keinesfalls hauptsächlich um die „erzwungene Russifizierung“ Estlands, sondern vielmehr um die Familiengeschichten von Luise und Merike.
Die historischen Ereignisse fügen sich gut in die fiktive Handlung ein und runden diese ab. Die Geschichte spielt dabei auf zwei Zeitebenen und wechselt entsprechend zwischen den Figuren. Die Kapitel sind dabei stets mit Jahres- und Ortsangaben versehen, sodass man nicht durcheinanderkommt.
Beide Zeiten haben mir dabei sehr gut gefallen, der Schreibstil ist flüssig und leicht, die Figuren authentisch und sympathisch. Ich hatte tatsächlich keine wirkliche Lieblingsfigur und habe sowohl mit Luise als auch mit Merike mitgefiebert. Jede der beiden Frauen kämpft auf ihre Weise für ihre Zukunft und muss dabei so einigen Widerständen trotzen. Während Luise zunächst hauptsächlich mit gesellschaftlichen Zwängen kämpft, hat Merike es hauptsächlich mit den Widrigkeiten des kommunistischen Systems zu tun. Die Hintergründe werden hier in beiden Zeitebenen brillant dargestellt und wiedergegeben.
Die Verbindung von Luise und Merike habe ich bis zum Romanende kaum erahnen können und war schließlich sehr überrascht über die eingebauten Wendungen. Schneller erkannt hatte ich hingegen die Verbindung zum ersten Band der Buchreihe. Ich freue mich, hier eine Verknüpfung herstellen zu können, diese ist aber so minimal, dass man die Bücher definitiv unabhängig voneinander lesen kann!
Gefallen hat mir im Roman außerdem sehr, dass Gefühle und Hoffnungen gut und authentisch transportiert werden. Ich habe sehr mit den Figuren gelitten und zum Beispiel lange gehofft, der erste Weltkrieg möge ausbleiben, obwohl mir ja klar war, dass dies nicht geschehen würde…
Sehr gemocht habe ich zudem die Entwicklung Merikes. Diese wirkt zunächst wie eine junge Frau, die unbedingt ins kommunistische System passen möchte und darauf bedacht ist, bloß nicht anzuecken oder aufzufallen, kurzum ist sie eher schüchtern und zurückhaltend. Im Laufe der Geschichte jedoch erkennt sie, was es mit ihrer Familiengeschichte auf sich hat und traut sich schließlich, ihre eigenen Wünsche durchzusetzen und auch mal entgegen dem Willen anderer zu handeln oder zu ihrer Meinung zu stehen.

Mein Fazit: Insgesamt schreibt Christine

Bewertung vom 26.03.2022
Fischer, Alexandra

Der Traum vom Horizont


ausgezeichnet

„Wenn wir es nur wollen, können wir aus den gesellschaftlichen Zwängen ausbrechen!“

„Der Traum vom Horizont“ ist der erste Band der „Die von Bahlow Saga“ von Alexandra Fischer. Er erschien erstmals im Januar 2016 und wurde 2022 bei Books on Demand neu aufgelegt. Er ist eine historische Familiensaga, welche hauptsächlich auf Samoa spielt.
Samoa, 1902: Die Familie von Bahlow ist nach Samoa ausgewandert, da sich das Familienoberhaupt Karl hier eine erfolgreiche Karriere als Pflanzer verspricht. Die Lebensumstände auf Samoa sind allerdings deutlich anders als in Deutschland und jede der vier Frauen der Familie steht plötzlich vor ihren eigenen Herausforderungen. Sie lernen die Liebe kennen und plötzlich droht der erste Weltkrieg alles auseinander zu reißen…

„Die von Bahlow Saga“ ist definitiv kein einfacher Roman. Die Autorin schreibt eine Geschichte, in der das wahre Leben kaum brutaler sein könnte. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich einen riesengroßen Hass auf Karl von Bahlow, der absolut arrogant, sadistisch und nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Er behandelt nahezu niemanden respektvoll, seine Familie und seine Angestellten sind für ihn lediglich Mittel zum Zweck. Erfüllt jemand nicht alle seine Wünsche oder handelt entgegen seiner gesellschaftlichen Ansichten, bekommt er die Konsequenzen zu spüren. Unter seinem Regiment leidet die ganze Familie und die Stimmung sinkt stets auf den Nullpunkt, wenn Karl in der Nähe ist. Diese gedrückte Stimmung liegt allerdings auch in Karls Abwesenheit permanent auf der Familie und nimmt auch den Leser ein.
Zusätzlich zu diesem absolut furchtbaren Kerl, haben aber auch die Frauen der Familie Bahlow ihre Ecken und Kanten und irgendwie muss ich zugeben, dass ich keine Figur so richtig in mein Herz geschlossen habe. Alle Charaktere sind auf ihre Art speziell und so manches Mal wollte ich sie packen, schütteln und fragen: „Wie kannst du bloß so handeln?“… Am ehesten gefielen mir noch die jüngste Tochter Martha und die Samoanerin Aveolela. Letztlich sind es aber trotzdem genau diese Figuren, die eben nicht perfekt sind, die die Handlung so genial und spannend machen. Alle Figuren sind einzigartig charakterisiert und gerade die drei Töchter könnten unterschiedlicher kaum sein. Sie sind so individuell und dadurch unglaublich authentisch!
Für mich war die Geschichte zu keiner Zeit vorhersehbar. Ständig passierte etwas, das ich nicht erwartet hatte und das mich stets überraschte. Insgesamt ist die Stimmung im Roman eher gedrückt, selten gibt es wirklich fröhliche Momente. Leider haben die Frauen der Familie Bahlow das Glück nicht wirklich gepachtet und auch die Liebe spielt große ihre Streiche mit ihnen… Im Grunde ist niemand in der Familie richtig glücklich, ein Ausbrechen wagt dennoch niemand - die gesellschaftlichen Zwänge engen sie zu sehr ein….
Durch die wechselnde personale Erzählperspektive sowie die größeren Zeitabstände zwischen den Kapiteln begleitet man die Familie von Bahlow von 1902 bis 1920 und erlebt so einiges mit ihnen.
Der geschichtliche Hintergrund wird dabei brillant in die Handlung eingewoben ohne dominant zu wirken. Die realen Ereignisse und Figuren fügen sich in die fiktive Geschichte ein und runden sie ab. Ich habe so einiges über die Kolonialherrschaft sowie über das damalige „Rassendenken“ der Deutschen gelernt.
Obwohl die Stimmung im gesamten Roman eher gedrückt ist und ich ständig gehofft habe, dass doch nun endlich mal eine positive Wendung eintreten müsste, hat mich der Roman vollständig eingenommen. Alexandra Fischers Schreibstil ist mitreißend und fesselnd, die Geschichte teilweise so dramatisch und irgendwie traurig, dass ich stets weiterlesen musste! Ich konnte das Buch also nur schlecht zur Seite legen und freue mich nun sehr auf den nächsten Band der Buchreihe.

Mein Fazit: „Der Traum vom Horizont“ ist ein unglaublich intensiver historischer Roman über verlorene Träume, Sehnsüchte und Chancen, der einen fasziniert und mitreißt. Von mir gibt es

Bewertung vom 20.02.2022
Beyer, Anja Saskia

Inselträume und Meer


ausgezeichnet

muss für ihre Existenz kämpfen. Hierbei erhält sie von ihren Freundinnen und unerwartet auch von Eric große Unterstützung, was mir sehr gut gefallen hat. Trotz der eher bedrückten Stimmung ist der Roman aber auch unterhaltsam und transportiert eine gute Portion Inselfeeling.
Neben der Liebesgeschichte werden auch ernste Themen wie die Klimaerwärmung und die Meeresverschmutzung thematisiert und in die Handlung eingewoben. Der eigentlich eher leichte Roman erhält so einen gewissen Tiefgang, der zum Nachdenken anregt.
Der Schreibstil ist unkompliziert und leicht, die personale Erzählperspektive lässt einen gut in die Handlung einsteigen und vermittelt Erics und Josys Gedanken und Gefühle gut.
Die Handlung folgt nicht unbedingt einem typischen Handlungsverlauf, das retardierende Moment am Ende bleibt zum Beispiel aus. Dies hat mir aber sehr gut gefallen, da die Story dadurch nicht künstlich dramatisiert oder in die Länge gezogen wird.

Mein Fazit: Wieder einmal entführt Anja Saskia Beyer den Leser an einen wunderschönen Ort und erweckt sofort Urlaubsgefühle und Fernweh. Die Handlung ist insgesamt unkompliziert und leicht zu lesen, greift aber dennoch auch ernste Themen auf. Ich habe den Roman gerne gelesen und vergebe 4,5 von 5 Sternen.

Bewertung vom 20.02.2022
Siara, Nena

Cinderella Reloaded (eBook, ePUB)


sehr gut

Gute Fee

„Cinderella reloaded“ ist eine moderne Märchenadaption von Nena Siara. Sie erschien im Dezember 2021 in der Fairy-Fabula-Reihe vom Ashera Verlag.
Seit dem Tod von Annas Vater hat sie es in ihrer Familie nicht leicht. Ihre Stiefmutter und -geschwister sehen sie als Hausmädchen und machen ihr das Leben schwer. Als diese zu einer Party einer bekannten reichen Familie eingeladen sind, ergibt sich für Anna die Chance, unerkannt ebenfalls die Feier zu besuchen. Dort verliebt sie sich Hals über Kopf, doch bevor sie aufklären kann, wer sie ist, muss sie die Feier verlassen und vor der Entdeckung durch ihre Stieffamilie fliehen…

„Cinderella reloaded“ ist in der Tat sehr eng an das eigentliche Märchen angelehnt. Anna leidet stark unter ihrer Stieffamilie, nimmt ihr Schicksal aber ohne Klagen und voller Demut an. Zwar wünscht sie sich ein vollkommen anderes Leben und würde gerne Lernen und weiter die Schule besuchen, dennoch begehrt sie nie auf oder widersetzt sich ihrer Stiefmutter oder ihren Stiefgeschwistern… Bis sie eines Tages unverhofft die Chance bekommt eine der größten Partys der Münchner High Society zu besuchen: Nach wie vor ist Anna auf der Party eher zurückhaltend und ängstlich, doch durch verschiedene Zufälle oder vielleicht auch ein bisschen Magie, lernt sie tatsächlich ihren Traumprinzen kennen. Aus Angst davor entdeckt zu werden, kann sie ihm zwar ihren echten Namen nicht offenbaren, doch sicher ist, dass die Verbindung zwischen ihr und dem unbekannten Mann einmalig ist. Kurz nachdem der Zauber zwischen ihnen entstanden ist, muss sie die Party dann aber fluchtartig verlassen, um von ihrer Familie nicht erkannt zu werden: Eine spannende und humorvolle Verfolgungsjagd beginnt...
Die passive Haltung Annas ist zwar typisch für entsprechend tugendhafte Märchenfiguren, mich hat sie aber dennoch sehr aufgeregt. Annas Haltung und Akzeptanz ihrer unmöglichen und grausamen Situation ist für mich nur schwer bzw. gar nicht nachvollziehbar. Niemals würde ich mich klaglos als Dienerin und Haushälterin behandeln lassen, wenn ich zum einen Teil der Familie wäre und zum anderen als Mensch ohnehin Wertschätzung verdient habe. Der erste Teil des Romans fiel mir daher entsprechend schwer. Zudem gab es hier einige Handlungssprünge bzw. unlogische Abläufe, die für mich etwas ruckelig waren und das Lesen erschwerten.
Zum Glück änderte sich dieser Eindruck aber nach etwa dem ersten Romandrittel. Die Handlung ist unterteilt in mehrere Abschnitte, die auch mit Perspektivwechseln einhergehen. Ab dem Zeitpunkt, an dem Anna die Party betritt ist die Geschichte deutlich rasanter und interessanter. Der Schreibstil ist nun flüssig, die wechselnde Ich-Perspektive erlaubt spannende Einblicke in verschiedene Figuren und ihre Gefühle. Ich konnte jetzt sehr gut in die Geschichte eintauchen und habe mit großer Freude weitergelesen. Fast war ich dann enttäuscht, als das Märchen plötzlich sehr abrupt endete – happily ever after…
Typisch für ein Märchen sind Realität und Fiktion in der Geschichte nah miteinander verwoben. Leicht magische Aspekte werden in die Handlung eingeflochten und fügen sich insgesamt auch gut in sie ein. Auch die Charakterisierung der Figuren ist typisch für ein Märchen und absolut gelungen.
Gefallen haben mir außerdem die geschickt in der Handlung auftauchenden modernen Themen wie Homosexualität und ökologische bzw. nachhaltige Modeproduktion. Außerdem

Mein Fazit: „Cinderella reloaded“ ist eine schöne und unterhaltsame Märchenadaption mit humorvollen und romantischen Szenen. Sie lehnt sich gut an das Originalmärchen an und setzt dieses gekonnt in die moderne Welt um. Aus einem Schuh wird ein Ring, aus einer Kutsche in Taxi… Magie und Realität liegen nah beieinander, aktuelle Themen werden geschickt in die Handlung eingewoben. Nach einem etwas zähen Romananfang konnte ich mich gut in die Geschichte einfinden und vergebe 4 von 5 Sternen!

Bewertung vom 18.02.2022
Engel, Cornelia

Herzensbrecher am Horizont


ausgezeichnet

Sicherer Hafen

„Träume nutzen sich ab, wenn man in ihnen lebt.“

„Herzensbrecher am Horizont“ ist der erste Band der „Verliebt auf Borkum“-Reihe von Cornelia Engel. Er erschien im April 2021 und kann eigenständig gelesen werden.
Wanda ist mit ihrem Job als Flugbegleiterin nicht mehr glücklich und wagt eine Auszeit auf der charmanten Nordseeinsel Borkum. Dort bekommt sie eine Stelle als Tierarzthelferin und merkt schnell, dass sie sich nicht nur in die Insel verliebt…

Ach war das eine schöne Lektüre! Schon lange habe ich mich nicht mehr so schnell in einen Roman und seine Figuren hineinfinden können.
Cornelia Engel begeistert mich hier aber ziemlich von der ersten Seite an. Wanda ist eine so sympathische Figur, dass ich schnell einen Zugang zu ihr finden konnte. Ihre offene und leicht tollpatschige Art gefallen mir sehr und bringen viel Schwung in die Handlung. Sie ist spontan und lebensfroh, aber auf der Suche nach einem bodenständigen Leben, denn das andauernde Reisen hat sie langsam satt. Der Neustart auf der kleinen Nordseeinsel kommt daher wie gerufen und passend zu Wandas Charakter, legt sie direkt alles in die Waagschale und reist ohne vorherige Absprache zum Bewerbungsgespräch an. Im Laufe der Geschichte gefällt mir dann Wandas Entwicklung von der adretten Flugbegleiterin zu einer bodenständigen Inselbewohnerin sehr.
Sofort habe ich auch den etwas mürrischen Tierarzt Hark sowie seine Mutter und die zur Praxis gehörenden Tiere ins Herz geschlossen. Der Running Gag, dass man als Tierarzt nicht alle „obdachlosen“ Tiere aufnehmen kann, gefiel mir sehr!
Neben Wanda, Hark und dessen Mutter sind aber auch alle anderen Figuren liebevoll und authentisch charakterisiert. Eigenheiten werden brillant dargestellt und jeder ist einzigartig. So habe ich auch die Nebenfiguren schnell liebgewonnen und mich auf Borkum sehr wohl gefühlt.
Insgesamt sind Schreibstil und die Handlung sehr humor- und liebevoll, die Seiten fliegen nur so dahin und an vielen Stellen musste ich wirklich sehr schmunzeln. Dabei ist der Roman aber zu keiner Zeit albern, sondern hält immer eine gute Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit.

Mein Fazit: Ich habe „Herzensbrecher am Horizont“ sehr gerne gelesen und empfinde es als absolutes Wohlfühlbuch. Wandas Geschichte ist eine humorvolle und wunderschöne Liebesgeschichte für leichte und unterhaltsame Lesestunden vor traumhafter Kulisse! Von mir gibt es daher eine klare Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen!

Bewertung vom 16.02.2022
Engel, Cornelia

Herzklopfen unterm Sternenhimmel


ausgezeichnet

Alte Liebe

„Das damals mit ihnen war groß gewesen, größer als alles andere, was sie je empfunden hatte.“

„Herzklopfen unterm Sternenhimmel“ ist der zweite Band der „Verliebt auf Borkum“-Reihe von Cornelia Engel. Er erschien im Juli 2021 und kann auch unabhängig von Band 1 gelesen werden.
Hark ist Tierarzt aus Leidenschaft und seit einigen Jahren Witwer. Seit dem Tod seiner Frau ist er überzeugter Single und lebt für seinen Beruf. Plötzlich begegnet er jedoch seiner Jugendliebe Ella wieder und entdeckt, dass die alten Gefühle vielleicht doch nicht verschwunden sind. Doch kann es eine zweite Chance für ihre Liebe geben?

Auch der zweite Band der Borkum-Reihe von Cornelia Engel hat mir sehr gut gefallen. Die Figuren waren mir zu einem Großteil ja schon bekannt, aber erst jetzt habe ich sie genauer und besser kennengelernt.
Hark ist ein Tierarzt aus Leidenschaft und gerade seine Liebe zu Tieren macht ihn für mich sehr sympathisch. Er wirkt irgendwie stets ein bisschen mürrisch und lebt quasi für seinen Job, in Wahrheit hat er aber ein sehr großes Herz und einfach Angst, erneut jemanden zu verlieren. Entsprechend schwer tut er sich auch, sich auf eine neue Liebe einzulassen.
Die Annäherung zu seiner Jugendfreundin Ella ist charmant und humorvoll beschrieben. Um die Geschichte der beiden ranken sich viele Nebenhandlungen, die jede für sich einfach unglaublich niedlich ist. An vielen Stellen musste ich herzhaft lachen und gerade Harks Mutter Frauke hat sich mit ihren esoterischen und unvorhersehbaren Ideen in mein Herz geschlichen. Insgesamt muss ich sowieso sagen, dass alle Figuren einfach unglaublich gut charakterisiert sind. Es gibt eigentlich keine 0815-Charaktere, sondern nur Personen mit dem gewissen Etwas. Alle sind irgendwie einzigartig und die Autorin versteht es brillant diese Eigenheiten hervorzuheben, Klischees einzuarbeiten und realistische Figuren zu schaffen. Einen besonderen Touch geben dem Roman zudem die immer wieder auftauchenden Tiere, auch hier ist jedes einzigartig und niedlich beschrieben. Man muss sie einfach lieben…
Der Lesefluss ist durch den leichten Schreibstil, die humorvolle und schöne Geschichte sowie die unkomplizierte Handlung leicht und flüssig. Ich konnte mich komplett in dem Roman verlieren, mich auf die wunderschöne Insel träumen und hatte mehrfach das Gefühl zu den Inselbewohnern dazuzugehören.
Insgesamt ist die Handlung dabei zwar recht vorhersehbar und tatsächlich muss ich sagen, dass ich mir einen größeren Fokus auf Hark und Ella sowie einen etwas größeren Einblick in deren Gefühlsleben gewünscht hätte, dennoch sind dies aber nur sehr kleine Kritikpunkte. Insgesamt ist „Herzklopfen unterm Sternenhimmel“ nämlich einfach eine absolute Wohlfühlgeschichte für Herzklopf- und Entspannungsmomente. Das Setting auf Borkum ist einfach wunderschön, der Romantitel wird in der Handlung aufgegriffen und alle Figuren sind einfach unglaublich sympathisch.
Es gibt viele Stellen, die einen schmunzeln lassen, aber auch ebenso ernste und gefühlvolle Momente.

Mein Fazit: Alles in allem ist Cornelia Engels Roman für mich ein absolutes Wohlfühlbuch. Eine humorvolle Liebesgeschichte für unkomplizierte und leichte Lesestunden vor toller Nordseekulisse mit sympathischen und einzigartigen Charakteren. Von mir gibt es daher 4,5 von 5 Sternen und eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 06.02.2022
Hannah, Kristin

Die Mädchen aus der Firefly Lane


ausgezeichnet

Tully-und-Kate

„Versprich mir, dass wir immer beste Freundinnen bleiben.“

„Die Mädchen aus der Firefly Lane“ ist ein Roman von Kristin Hannah. Er erschien im Mai 2020 im Aufbau Verlag, wurde aber bereits im Oktober 2009 unter dem Namen „Immer für dich da“ im Ullstein Verlag veröffentlicht.
Tully und Kate lernen sich als Teenager kennen und werden schnell unzertrennlich. Für sie ist klar, dass ihre Freundschaft niemals vergehen wird, doch die Jahre vergehen und ihre persönliche Entwicklung stellen die Freundschaft immer wieder auf eine harte Probe. Schließlich kommt es zu einer Situation, die alles zu zerstören droht und die Frage aufwirft: Wie viel kann eine Freundschaft ertragen…?

„Die Mädchen aus der Firefly Lane“ ist ein weiterer berührender und tiefgehender Roman von Kristin Hannah über eine Freundschaft, die viele Jahre überdauert...
Als Kate und Tully sich kennenlernen, sind sie Teenager. Sie könnten eigentlich unterschiedlicher sein und trotzdem oder auch vielleicht auch deswegen passen sie hervorragend zueinander. Während Kate eher ruhig, bedacht und introvertiert ist, ist Tully das genaue Gegenteil: laut, impulsiv, extrovertiert. Dabei steckt bei ihr so viel mehr hinter ihrem Verhalten, denn letztendlich versucht sie nur Aufmerksamkeit und Liebe zu bekommen, die sie Zuhause zwar von ihren Großeltern, nie aber von ihrer Mutter erfahren hat.
Tullys Schicksal hat mich sehr berührt, ihr egoistisches und erdrückendes Verhalten Kate gegenüber hat mich aber dennoch in vielen Teilen des Buches sehr gestört und sogar wütend gemacht. Ja, sie geht ihren Weg. Sie ergreift ihren Traum und setzt ihre Ziele knallhart durch. Sie geht dabei über Leichen und sieht immer nur ihren eigenen Fortschritt. Alle anderen sind mehr oder weniger egal. Immer wieder wird deutlich, dass Tully durch ihr Verhalten auffällt und unglaublich beliebt ist. Jeder scheint Tully zu lieben, doch sie hat ihr Leben lang Probleme damit, Verbindungen aufzubauen. Ob sie überhaupt weiß, was Liebe ist…? Die Freundschaft zu Kate bleibt zwar stets erhalten, aber auch diese ist teilweise sehr einseitig. Kate unterstützt Tully wo immer sie kann, steckt dabei aber meist selbst zurück. Sie ist gar nicht in der Lage, ihre eigenen Träume zu formulieren, da sie stets von Tully gedeckelt wird. Und obwohl diese Verbindung für mein Gefühl manchmal sogar toxisch ist, ist sie dennoch einmalig und intensiv. Die beiden Frauen kennen einander, wie niemand sonst sie kennt. Sie geben sich Halt, wenn es kein anderer mehr kann und auch wenn sie sich über die Jahre voneinander entfernen, ist die Verbindung immer irgendwie da: Kate ohne Tully gibt es nicht und Tully ohne Kate ebenso wenig.
Natürlich verändert die Freundschaft sich über die Jahre, im Kern bleibt sie aber immer eins: innig und besonders. „Firefly Lane“ für immer!
Die Autorin schafft einen Roman über Freundschaft, der zu Herzen geht. An vielen Stellen war ich zu Tränen gerührt, an anderen sauer, fröhlich oder bedrückt. Insgesamt also eine wirklich emotionale Reise, die man mit Tully und Kate antritt. Der Schreibstil ist dabei sehr flüssig und mitreißend, die wechselnde personale Erzählperspektive ideal um Gefühle und Gedanken zu transportieren.
Auch historische Aspekte werden in die Handlung eingearbeitet ohne dabei aufdringlich zu wirken. Ein Kernthema des Romans - auf das ich nun nicht weiter eingehen möchte, da ich ansonsten spoilern würde - ist zudem sehr gut gewählt und bedarf definitiv mehr allgemeiner Aufmerksamkeit!
Zudem bekommt man einen guten Einblick in den Job eines Reporters beziehungsweise in die Medienwelt.

Mein Fazit: Wieder ein sehr emotionaler und bewegender Roman aus der Feder von Kristin Hannah. Eine bewegende und besondere Freundschaft, die ein Leben überdauert und durch Höhen und Tiefen geht. Eine emotionale Reise über mehrere Jahre mit persönlichen Entwicklungen, Fortschritten und Tiefschlägen. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen und eine klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 05.02.2022
Pataki, Allison

Sisi - Kaiserin wider Willen / Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe Bd.8


sehr gut

Mythos Sisi

„Wir müssen das Leben annehmen, das man uns zuweist. Und es führen, wie es sich ziemt.“

„Sisi – Kaiserin wider Willen“ ist ein historischer Roman von Allison Pataki. Er erschien im Dezember 2021 im Aufbau Verlag und gehört zu der Romanreihe „Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe“.
Sisi wird mit 16 Jahren Kaiserin von Österreich. Zwar ist die Heirat eine Liebesheirat, dennoch ist es nicht leicht so jung eine solche Position zu bekleiden. Sisi ist zudem nicht auf das Leben bei Hof vorbereitet und muss so nicht nur das dortige Leben kennenlernen, sondern auch schnellstmöglich ihrer neuen Rolle gerecht werden…

Tatsächlich muss ich zugeben, dass ich mich vor der Lektüre dieses Romans noch nie mit Kaiserin Sisi auseinandergesetzt habe. Natürlich habe ich schonmal von ihr gehört, aber niemals den bekannten Film mit Romy Schneider oder etwas anderes gesehen oder gehört. Entsprechend unbefangen bin ich in den Roman gestartet und war recht bald davon gefesselt. Die Autorin schafft es schon auf den ersten Seiten den Leser in Sisis Leben hineinzuziehen und mit ihr mitzufühlen.
Man lernt die junge Kaiserin kennen, als sie Franz Joseph, dem Kaiser von Österreich, das erste Mal seit Kindertagen begegnet. Deutlich wird schnell, dass Sisi eine unkonventionelle Kindheit hatte und eher ein Dorfmädchen, denn eine Hofdame ist. Anstatt zu sticken oder artig zu lernen, ist sie lieber in der Natur: reiten, angeln, bergsteigen. Das ist ihr Metier. Dennoch verliebt sie sich schnell in Franz Joseph und auch er kann die Gefühle zu seiner jungen Cousine nicht verbergen. Entgegen aller Widerstände von Seiten ihrer Familie setzen sie die Hochzeit durch. Eine Liebeshochzeit, besser kann es ja eigentlich nicht kommen, könnte man zumindest denken…
Das junge Paar ist jedoch nicht in der Position, ihr Leben so zu leben, wie gerade Sisi es sich wünscht. Dominiert von ihrer Schwiegermutter, den Regeln am Hof und den Regierungsangelegenheiten bleibt nicht viel Zeit für Zweisamkeit. Sisi muss sich sehr einschränken und kämpft ab sofort ein Leben lang gegen die auferlegten Zwänge an. Später beginnt es dann leider auch in der Ehe zu kriseln und mehr und muss Sisi dafür kämpfen, sich selbst nicht zu verlieren.
Ich habe sehr schnell mit dem Schicksal des jungen Mädchens gelitten. Letztendlich war sie auf ihre Rolle nicht vorbereitet und erhielt lediglich einen Crashkurs einige Monate bevor die Hochzeit schließlich stattfand. Zudem musste sie im Grunde alle ihre Leidenschaften aufgeben und sich vollständig den Regeln des Hofes beugen. Eine große Last lag auf jungen und unwissenden Schultern. Dass diese Sisi fast erdrückt hätte, ist nur allzu leicht vorstellbar. Erst mit zunehmendem Alter lernte sie mit ihrer Rolle umzugehen, hatte aber stets Probleme mit sich selbst und ihrer Position. Der Roman stellt ihren Lebensweg lediglich bis 1867 dar, es folgen aber weitere turbulente Jahre der Kaiserin.
Die personale Erzählperspektive aus Sisis Sicht lässt einen ihre Gefühle und Gedanken gut nachvollziehen und transportiert Sympathien und Antipathien Sisis brillant. Der Schreibstil insgesamt ist sehr flüssig und mitreißend, lediglich die eingebauten Zwischenkapiteln in Form von Tagebucheinträgen oder ähnlichem sind irritierend und für mich nicht logisch mit der Geschichte verknüpft. Teilweise geben sie zu einem frühen Zeitpunkt der Geschichte bereits zukünftige Ereignisse wieder und passen für mich chronologisch nicht in den Erzählfluss. Im Gegenteil unterbrechen sie ihn leider sogar.
Der reale historische Kontext im Roman weicht zum Teil von realen Begebenheiten ab. So ist man sich zum Beispiel heutzutage relativ sicher, dass Sisis Schwester Helene nicht als Braut von Franz Joseph vorgesehen war, wie es im Roman beschrieben wird. Allerdings gibt es insgesamt keinen eindeutigen Beleg dafür, weswegen die Schwestern 1953 mit ihrer Mutter an den kaiserlichen Hof gereist sind. Demnach sind alle dazu aufgestellten Thesen eher Mutmaßungen. Diese