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Insgesamt 187 Bewertungen
Bewertung vom 07.09.2022
Bendel, Jochen

Das Geheimnis der Spiegelung


sehr gut

Weil dein Hund tiefer schaut, als du selbst zu blicken wagst

"Das Geheimnis der Spiegelung“ richtet sich an interessierte Hundehalter, die sich selbst hinterfragen und die Beziehung zu ihrem Hund verbessern möchten. Jochen Bendel berichtet über Erfahrungen mit seinen eigenen Hunden und beschreibt zugleich Fallbeispiele aus seiner Arbeit als Hundetrainer, mit deren Hilfe er die fünf häufigsten Hundehaltertypen nachvollziehbar darstellt. Amüsante Lesestunden, manches Schmunzeln und Ertapptfühlen sind garantiert, insbesondere aufgrund des kurzweiligen Schreibstils des Autors. Doch man wird auch daran erinnert, was für eine große Verantwortung in den eigenen Händen liegt. Denn unser hündisches Familienmitglied orientiert sich nun mal an uns und nimmt Emotionen wahr, die uns selbst vermutlich kaum bewusst sind. Aus diesem Grund sind auch die im Buch enthaltenen wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Thema „Verhaltensspiegelung“ besonders lesenswert. Im letzten Kapitel werden, mit einem Augenzwinkern, Hunderassen und ihre Eigenschaften sowie ihre typischen Hundehalter vorgestellt. Ebenfalls unterhaltsamer Lesestoff, aber für mich hätte dieser Abschnitt gerne durch weitere Fall- oder Trainingspraxisbeispiele ersetzt werden dürfen.

Für Neulinge in der Hundehaltung bietet das Buch nützliche Tipps und vermittelt ein Grundverständnis dafür, wie eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Hund und Halter gelingt. Aber auch erfahrene Hundebesitzer werden den ein oder anderen motivierenden Impuls und neue Perspektiven für sich mitnehmen können. Das Buch leitet dazu an, in den Spiegel zu blicken, den uns unser Hund vorhält. So können wir die Chance ergreifen und über unsere persönlichen Probleme – mit der Unterstützung unserer hündischen Begleitung – hinauswachsen. Ein qualitativ hochwertiges Buch, das sich gewiss auch wunderbar als nützliches Geschenk für Hundemenschen eignet.

Bewertung vom 04.09.2022
Hepp, Johannes

Die Psyche des Homo Digitalis


ausgezeichnet

Die Auswirkungen der digitalen Vereinnahmung unseres Alltagslebens

Johannes Hepp beschreibt in seinem Buch „Die Psyche des Homo Digitalis“ die Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Psyche und lädt durch seine scharfsinnige und zugleich gut lesbare thematische Aufbereitung dazu ein, den Einfluss der Digitalisierung auf die eigene Psyche sowie die eigene Internetnutzung zu hinterfragen. Mehr noch: Die Reflexionsfähigkeit wird geschult und man beginnt während der Lektüre auszuloten, ob man eventuell schon selbst unter einer der vorgestellten 21 Neurosen leidet. Manches Mal wirkt das Gelesene wie ein Glas Wasser, dessen Inhalt einem plötzlich in das Gesicht geschüttet wird. Ein wenig unangenehm, sicher, aber auch wachmachend und erfrischend.

Das zeitgemäße Werk ist in die drei Teile „Liebe, Arbeit sowie Sinn“ aufgegliedert und schließt die wichtigsten Lebensbereiche ein, in denen die Digitalisierung längst angekommen ist. Nutzen Sie regelmäßig Social-Media-Plattformen, Suchmaschinen oder Dating-Apps? Welche Datenspuren hinterlassen Sie währenddessen und welche Unternehmen profitieren letztlich von diesen? Allerdings dürfte die wichtigste Frage lauten: Welche Auswirkungen hat die digitale Vereinnahmung unseres Alltagslebens auf die gesellschaftliche Entwicklung und das individuelle Online-Nutzungsverhalten auf das eigene Seelenleben? Der Autor zeigt wesentliche Zusammenhänge auf, die einem vermutlich selbst bislang nicht bewusst gewesen sind. Dennoch besteht die unterstützende Botschaft des Buches darin, dass wir unsere Selbstverantwortung wiedererlangen können und dazu in der Lage sind, Medienkompetenz zu entwickeln. Es werden Handlungsstrategien aufgezeigt, die uns wieder mehr zurück in die analoge Welt holen und ein Balancegefühl fördern, damit wir uns nicht in den unübersichtlichen Angeboten der Digitalwelt verlieren. Auf diese Weise kann es uns letztlich gelingen, auch die eigenen Bedürfnissen besser wahrzunehmen. Jedes der 21 Kapitel schließt mit hilfreichen Anleitungen ab, die zum Nachdenken anregen und auch die Motivation wecken, in den Alltag Digitalpausen zu integrieren oder Konsumprinzipien zu entwickeln, die den persönlichen Bedürfnissen und Wertvorstellungen entsprechen.

FAZIT: Für mich ist dieses Buch tatsächlich eine große Bereicherung gewesen. Ich kann mir deshalb sehr gut vorstellen und wünsche mir auch, dass Herr Hepp - mit seinem hochspannenden Werk über die Neurosen unseres neuen Jahrhunderts - eine breite Zielgruppe, darunter Erziehungsberechtigte, Pädagogen, politische Entscheidungsträger, Psychologen und Psychotherapeuten, erreichen wird. Nur so rückt die erhoffte Veränderung hin zu einem verantwortungsvolleren, durch Gesetze geschützten Umgang mit den Möglichkeiten der Digitalwelt, in greifbare Nähe.

Bewertung vom 28.08.2022
Leonard, Susanna

Dian Fossey - Die Forscherin / Mutige Frauen, die Geschichte schrieben Bd.1


ausgezeichnet

Eine berührende Romanbiographie, die ein authentisch wirkendes Bild von Dian Fossey zeichnet
Susanna Leonard hat ihr Buch über Dian Fossey mithilfe von Zeitsprüngen und eines häufig stattfindenden Perspektivwechsels enorm spannend gestaltet, so dass ich die Lebensgeschichte der Forscherin gebannt und fasziniert verfolgt habe. Die Rückblicke in die traurige Kindheit von Frau Dr. Fossey ließen mich auch annähernd nachvollziehen, warum aus dem sich nach Liebe sehnenden Mädchen eine Frau wurde, die sich immer wieder von Neuem für die Einsamkeit und Abgeschiedenheit entschied. Ihren inneren Halt fand sie vermutlich erst in ihrem tiefen Verbundeinheitsgefühl zu den Berggorillas. Wer selbst in jungen Jahren so viel Ungerechtigkeit und Missbrauch erlebt, fühlt sich vielleicht dazu berufen, andere hilflose Geschöpfe zu schützen, die ebenfalls keine Stimme haben oder nicht gehört werden? Mir gefällt an dem flüssig erzählten Buch insbesondere, dass Dian Fossey’s vielschichtige Persönlichkeit detailliert beschrieben und auch ihre schwierigen Charakterzüge dargestellt werden. Außerdem habe ich sehr viel Neues über das Leben der Tierschützerin erfahren - waren mir zuvor doch lediglich wenige Fakten über den Werdegang von Frau Dr. Fossey bekannt. Und obwohl ich bereits schon vor dem Lesen wusste, dass das Leben der Forscherin auf eine brutale Weise sein Ende fand, verfiel ich am Ende des Buches in eine Art kurzweiligen Trauerzustand. Mein Mann musste schmunzeln, denn ich habe meine Tränen nicht zurückhalten können, so sehr habe ich mit der Forscherin während des Lesens mitgefiebert und an ihren Herausforderungen, Glückserlebnissen und Schicksalsschlägen teilgenommen.

Die Autorin schreibt zum Schluss sehr treffend, warum wir uns den Verlust solch’ engagierter Tierschützer nicht leisten können. Und doch hat beispielsweise Jane Goodall einen Weg gewählt, der den Schimpansen half, in dem zuvor den vor Ort lebenden Menschen der Weg aus ihrer Armut aufgezeigt wurde. Doch Jane Goodall’s Lebensgeschichte ist auch eine andere und wenn man verstehen möchte, wie Dian Fossey zu dem Menschen wurde, der Hass und Liebe in seinem Herzen zu annähernd gleichgroßen Teilen beherbergte, dem sei diese grandios erzählte Romanbiographie wärmstens empfohlen.

Bewertung vom 10.08.2022
Raihmann, Simone;Raihmann, Adi

Good Karma


ausgezeichnet

Ein Karma-Planer als abwechslungsreicher und nützlicher Wegweiser
Schon seit längerer Zeit suche ich nach leicht umsetzbaren Strategien, durch die ich in das eigene alltäglichen Handeln mehr Freundlichkeit und Entgegenkommen integrieren kann. Oftmals lebt man in einem Autopilot-Modus und bemerkt erst im Nachhinein, wie man sich anderen Menschen gegenüber sozialer und hilfreicher hätte verhalten können. Dazu zählen bereits kleine Gesten, die wenig Mühe bereiten und dennoch eine große Wirkung entfalten können. Zudem ist ein nachhaltig ausgerichteter Lebensstil ohnehin das Gebot der Stunde – für diesen findet man hier auch viele wertvolle Tipps. Mittlerweile habe ich mir das gut durchdachte und hübsch aufbereitete Buch „Good Karma“ ein paar Tage lang angeschaut bzw. immer wieder darin geblättert und kann für mich sagen: Diese abwechslungsreiche Zusammenfassung von kleinen Ritualen, positiven Handlungsmöglichkeiten und Rezepten motiviert dazu, die Ratschläge und Tipps auszuprobieren. Die Auswahl an Möglichkeiten ist so groß, dass man mindestens einige Monate für deren Umsetzung brauchen wird. Während dieser Zeit wird die eigene Wahrnehmung hoffentlich darin geschult, den Autopilot-Modus regelmäßig abzuschalten. Der Karma-Planer ist ein nützlicher Wegweiser für Menschen, die den kleinen Unterschied und die Welt zu einem freundlicheren, lebenswerten Ort (aus)machen möchten.

Bewertung vom 06.08.2022
Brown, Roseanne A.

A Psalm of Storms and Silence. Die Magie von Solstasia / Das Reich von Sonande Bd.2


ausgezeichnet

Bildstarke, meisterhaft verflochtene Fortsetzung!
Dem zweiten Teil der Dilogie über die Geschehnisse in Sonande habe ich mit großen Erwartungen entgegengefiebert. Bereits im ersten Band erweckte der märchenhafte, bildstarke Schreibstil von Roseanne A. Brown die Erlebnisse von Malik und Karina so lebendig vor meinem inneren Auge, dass ich das Buch nur unter Protest aus der Hand legen konnte. Und letztlich endete der erste Band an einer sehr treffend gewählten Stelle und ließ viele Fragen und auch Hoffnungen zurück. Deshalb war ich neugierig, wie Karina und Malik die bevorstehenden Herausforderungen meistern und ich wollte unbedingt erfahren, ob Zufälle (oder Götter) ihre Wege wieder zueinander führen würden.
„A Psalm of Storms ans Silence. Die Magie von Solstasia“ hat mich durch seine komplexen Erzähl- und Handlungsstrukturen - ebenso wie der Vorgängerband - von der ersten Seite an in den Lesesog hineingezogen. Nur äußerst wichtige Verpflichtungen besaßen die Macht, meine Lesereise innerhalb der grandios beschriebenen Welt von Sonande zu unterbrechen. Zudem ist es der Autorin gelungen, bei mir als Leserin für jede Figur aus der Geschichte ein gewisses Maß an Verständnis zu erzeugen – sei es für den Flussgott Idir oder für Farid. Zudem verfügen Karina sowie Malik über ein hohes Maß an Selbstreflexion und verleihen dem Gelesenen durch ihre inneren Dialoge Tiefe. Es geschieht viel Unerwartetes, scheinbar Hoffnungsloses und auch Brutales. Hier entfaltet die bildstarke Sprache noch stärker ihre Kopfkino-Wirkung. Vielleicht bin ich aber auch nur zu zart besaitet? Dennoch stärken diese dunklen Geschehnisse die Willenskraft und das Durchhaltevermögen von Karina und Malik. Ob die beiden letzten Endes tatsächlich zusammenfinden, möchte ich natürlich nicht verraten. Nur so viel: Für mich war die Verbindung zwischen Malik und Karina spürbar, echt und triftete glücklicherweise nicht in die Kitschrubrik ab.

Zusammenfassend handelt sich um eine erfrischend anders erzählte, fantastische Geschichte, die nicht auf klischeehafte, monotone oder zu erwartende Entwicklungen zurückgreift und dadurch bis zur letzten Seite ins Staunen versetzt. Insbesondere die unvergleichliche Sprachkunst der Autorin ist für mich einzigartig und hält so den Lesegenuss durchgehend auf einem hohen Niveau.

Bewertung vom 18.07.2022
Hennig von Lange, Alexa

Die karierten Mädchen / Heimkehr-Trilogie Bd.1


ausgezeichnet

Erschütternde Erinnerungen, die das Vergessen unmöglich machen
Eine nachdenklich und mitfühlend stimmende Lektüre bietet Alexa Hennig von Lange mit ihrem neuen Roman „Die karierten Mädchen“ an. Die Geschichte der Protagonistin Klara wurde von den erschütternden Lebenserinnerungen der Großmutter der Autorin inspiriert und verdeutlicht, wie Erlebnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus nicht nur diejenige Person dauerhaft verändern, die sie tatsächlich erlebt hat, sondern auch zukünftige Familiengenerationen beeinflussen. Die Protagonistin Klara stellt sich mit 91 Jahren rückblickend ihren persönlichen Schuldfragen und hadert mit ihren damals getroffenen Entscheidungen, während sie ihre Erinnerungen auf Tonbandaufnahmen festhält. Alexa Hennig von Lange ist es durch ihren fesselnden Schreibstil meisterhaft gelungen, dass man als Leser tief in die ausweglos erscheinende Situation von Klara eintaucht. Insbesondere die regelmäßigen Zeitsprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zeichnen ein von Schuld geschwärztes Gefühlsportrait der Protagonistin und zeigen zugleich auf eine bedrückende Weise auf, dass für sie als einzelne Person nur wenige Handlungsalternativen bestanden haben. Im Hintergrund melden sich während des Lesens Fragen zu Wort: Wie hätte man sich selbst verhalten? Wiegen der Selbsterhaltungstrieb und die Sorge um die liebsten Menschen mehr als die erschreckende Vorstellung, zu einem weiteren Werkzeug faschistischer Mächte zu werden? Es handelt sich bei dem Roman um eine einfühlsam erzählte Geschichte, die aufrüttelt und an vielen Stellen moralische Fragen aufwirft. Zudem stärkt sie den Wunsch, dass die Vergangenheit ein Mahnmal für die Zukunft bleibt. Ich bin sehr gespannt darauf, wie sich das Leben von Klara und Gustav in dieser unsicheren, von Gewalt geprägten Zeit weiterentwickeln wird und ich erwarte deshalb mit großem Leseinteresse den zweiten Band der Reihe.

Bewertung vom 03.07.2022
Mahr, Daphne

Das Antiquariat der verlorenen Dinge


ausgezeichnet

Zwischen Buchseiten wartet Magie auf ihre Entdeckung
Nach einem sehr geheimnisvoll anmutenden Anfang des Buches, der viele Fragen aufwirft, übernimmt die Erzählstimme von Clara Bernstein die Schilderung der Ereignisse. Durch ihre mitreißende Ich-Erzählperspektive bin ich in einen leichtgängigen Lesefluss eingetaucht, der Abenteuerfreude und Neugierde erweckte. Vor meinem inneren Auge entstanden detailreiche Bilder des alten Antiquariats sowie der versteckten Gänge und Passagen in Lyon (Traboules) oder auch von Yvettes Wohnhaus, das auf mich - aufgrund seiner besonderen Bauweise - durchaus unheimlich wirkte. Glücklicherweise bestätigte sich meine anfängliche Vermutung, dass auch romantisches Herzklopfen zwischen den Seiten zu hören sein würde. „Das Antiquariat der verlorenen Dinge“ bietet kurz gesagt all‘ die rätselhaften Zutaten, die ein Fantasy-Buch zu einem einnehmenden Leseabenteuer werden lassen. Und Daphne Mahr gelingt es, ihre Protagonisten durch wohlgewählte Beschreibungen und Charakterzüge zum Leben zu erwecken. Mit jedem weiteren Kapitel werden noch mehr Fragen aufgeworfen und man möchte als Leser unbedingt herausfinden, welches Geheimnis vor Clara und ihrem Begleiter verborgen werden soll. Vermutlich hätte das Buch sogar sechs Sterne von mir erhalten müssen, wenn das Ende noch ein wenig mehr hinausgezögert worden wäre. Zu schade, denn ich habe die letzte Seite einfach zu schnell erreicht…: Fünf Sterne und damit die Höchstbewertung hat „Das Antiquariat der verlorenen Dinge“ aufgrund seines hohen Unterhaltungswertes verdient!

Bewertung vom 01.07.2022
Thomas, Aiden

Yadriel und Julian. Cemetery Boys


ausgezeichnet

Fantastischer Debütroman, der Herzen zu beschwören vermag
Aiden Thomas hat mit „Yadriel und Julian. Cemetery Boys“ einen feinfühligen Debütroman geschrieben, der einerseits Einblicke in die Gefühlsfehlt eines jungen (Trans)Mannes namens Yadriel gewährt und zugleich eine hochspannende Fantasyebene beinhaltet, die in die traditionellen Feierlichkeiten des "Tag der Toten - Día de Muertos" eingebettet ist. Yadriel wurde in einem weiblichen Körper geboren, fühlt sich jedoch dem männlichen Geschlecht zugehörig. Er sehnt sich danach, dass sein Vater und seine Verwandtschaft seine selbstidentifizierte Geschlechtszugehörigkeit anerkennen und ihn die vererbte Fähigkeit zur Geisterbeschwörung ausüben lassen. Doch Yadriel wird das offizielle Anerkennungsritual nicht gewährt und so muss er seine erste Geisterbeschwörung im Geheimen umsetzen. Dabei beschwört er leider den falschen Geist: Julian, einen homosexuellen Mann, dessen extrovertierte Persönlichkeit eine starke Anziehungskraft auf den ruhigen Yadriel ausübt. Das fällt auch Yadriel’s Cousine Maritza auf, die mit ihrem ganz besonderen Humor viele Dialoge aufpeppt und dadurch zusätzlichen Schwung in das spannungsreiche Leseerlebnis bringt. Die drei Hauptcharaktere stellen sich anspruchsvollen Herausforderungen, sind als Ermittler in zwei „Todesfällen“ tätig und halten zusammen, als es am Tag der Toten darauf ankommt, Menschenleben zu retten. Bis zum Schluss habe ich nicht erahnen können, ob eine Zukunft für Yadriel und Julian vorgesehen ist. Am liebsten hätte ich einen kurzen Leseabstecher in eines der hinteren Kapitel unternommen, um endlich von dieser Neugier erlöst zu werden. Zum Glück habe ich durchgehalten und konnte mich so von der ungeahnten Handlungsentwicklung überraschen lassen. Da das Buch die soziale Transition und ihre gesellschaftlichen Hindernisse thematisiert, konnte ich durch die berührende Schreibweise des Autors bestmöglich nachvollziehen, welche emotionalen und gesellschaftlichen Herausforderungen transgender/transidente Personen in ihrem Alltag bewältigen müssen. Und alleine für diese niedrigschwellige Aufklärungsarbeit hat das Buch fünf Sterne verdient. Doch es handelt sich zugleich um ein toll umgesetztes Fantasyabenteuer, das atemlose und zugleich zartromantische Lesestunden garantiert: 5 Sterne für ein überzeugendes Erstlingswerk!!!!!

Bewertung vom 26.06.2022
Smith, Caleb

Löffelweise Hoffnung


ausgezeichnet

Über die Theorie der offenen Herzen
Dieses von Caleb Smith warmherzig erzählte Buch lädt dazu ein, sein inspirierendes Konzept der "Theorie der offenen Herzen" lesend mitzuerleben. Durch den Kontakt zu seinem ersten Haustier, einem älteren Kaninchen namens Snickers, wird dem damals Achtjährigen bewusst, dass Kaninchen mitfühlende und trostspendende Freunde sein können. Wenig später entwickelt sich der Wunsch, unerwünschten Kaninchen eine neue Chance zu geben. Eine Chance, die ihnen zugleich die Möglichkeit eröffnet, das Leiden von Menschen mit "hugs, hope and hoppiness" zu lindern. "Wir verbinden die Liebe zu Tieren, die grundsätzlich viele Menschen teilen, mit dem ebenso natürlich angelegten Wunsch, anderen zu helfen. (...) Unsere Kaninchen holen jeden ein Stück weit aus der Dunkelheit und bewahren die Menschen davor, tiefer im Leid zu versinken." Mit diesen Worten beschreibt der junge Unternehmensgründer auf Seite 221 seine besondere Mission, bei der er von Familie, Freunden und auch von vielen weiteren hilfsbereiten Menschen unterstützt wird. Denn Caleb Smith hat bereits früh erkannt, welche Werte ihm in seinem Leben wichtig sind und wie er diesen bei der Umsetzung seines Traumes treubleibt - auch dann, wenn sich Hindernisse und Zweifel in den Weg stellen. Und bis er letztendlich Besitzer von Peacebunny Island und eines Hausbootes ist, muss er einige Herausforderungen meistern und auch in schwierigen Situationen selbstreflektierte Entscheidungen treffen.
Auf mich hat das Buch während des Lesens eine heilsame, beruhigende Wirkung gehabt. Insbesondere in der jetzigen Zeit tröstet der Gedanke, dass es Menschen wie Caleb Smith und seine Helfer gibt. Eine ungewöhnliche Lektüre über die beeindruckende Entwicklung eines jungen Mannes, der mit Verantwortungsgefühl, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft Kaninchen eine wichtige Aufgabe gibt und verzweifelten Menschen dadurch Ablenkung von ihrem Leiden ermöglicht. Ich empfehle das Buch - mitunter auch als Geschenk für Tierfreunde - uneingeschränkt weiter und wünsche ihm von Herzen ein großes Lesepublikum!

Bewertung vom 22.06.2022
Jansen, Lina

Fräulein Stinnes und die Reise um die Welt


ausgezeichnet

Ein spannungsreiches Buch über eine mutige Weltreisende, die ihrer Zeit voraus war
Am liebsten lese ich Bücher über wahre, herausfordernde Begebenheiten oder über besondere Persönlichkeiten, die sich ihnen stellten. Lina Jansen, auch bekannt als Beate Maly, verbindet in ihrem Buch "Fräulein Stinnes und die Reise um die Welt", beide Interessenpunkte gekonnt. Von der ersten bis zur letzten Seite habe ich mich als Reisebegleitung auf sicherem Beobachtungsposten und zugleich mittendrin in den äußerst spannend geschilderten Erlebnissen von Frau Stinnes gefühlt. Von 1927 bis 1929 umrundete Clärenore Stinnes mit ihren Begleitern, auf überwiegend unwegsamen Reiserouten durch 23 Länder, als erster Mensch in einem Personenwagen die Welt. Eine Abenteuerreise unter extremen (Wetter)Bedingungen, die ohne den Mut und das Durchhaltevermögen von Frau Stinnes sicher schon früh beendet gewesen oder sogar niemals begonnen worden wäre. Denn so manche Hürden mussten bereits vor dem Reiseantritt überwunden werden, beispielsweise gesellschaftliche Rollenschemata und familiäre Erwartungen. Nur wenige Frauen hatten in der damaligen Zeit die Kraft und das Selbstvertrauen, ihren eigenen Weg zu gehen. Aus diesem Grund war die Weltumfahrende ihrer Zeit weit voraus und eine beeindruckende Persönlichkeit. Ich bin dankbar, dass ich durch das Buch Frau Stinnes und auch den mitreißenden Schreibstil der Autorin kennenlernen durfte, denn die lesenswerte Romanbiographie hat mir spannungsreiche Lesestunden geschenkt.