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flowers.books

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Insgesamt 155 Bewertungen
Bewertung vom 07.07.2019
Winkelmann, Andreas

Die Lieferung / Kerner und Oswald Bd.2


ausgezeichnet

Darling, Licht meines Lebens, Darling, Licht meines Lebens

Meine Meinung und Inhalt

Viola das Gefühl, verfolgt zu werden. Ihre Freundin Sabine ist die einzige, die ihr glaubt. Doch dann meldet sie sich plötzlich nicht mehr.
Viola bleibt nun abends lieber zu Hause. Zum Glück gibt es ja Netflix und den Lieferdienst. Die Pizza, die er bringt, wird für immer unangetastet bleiben...

"Darauf lag ein weißer Pizzakarton. Der Deckel war bis auf einen schmalen Spalt geschlossen. Und aus diesem Spalt krochen sie hinein und hinaus, die fetten Fliegen.
...... dann ging sie, obwohl sich alles in ihr dagegen sperrte, auf diesen Pizzakarton zu. Er war weiß, auf dem Deckel stand in großen roten Lettern Pizza, über die Schrift beugte sich ein Pizzabäcker und kredenzte eine Pizza, von der warmer Duft aufstieg.
Was waren das für Flecken daneben? Die gehörten nicht dahin.
War das Blut? Oder nur Fliegendreck? Sie nahm das Messer, das auf dem Tisch lag, schob die Klinge vorsichtig unter den Rand des Deckels und klappte ihn mit Schwung hoch. Eine schwarze Wolke erhob sich, und sie schrie auf." (ZITAT)


Bereits der Einstieg ist spanungsgeladen und macht Lust auf mehr. Wer oder was steckt dahinter. Was ist das Motiv.

Die Kaptitel sind aus unterschiedlichen Sichten geschildert, was Abwechslung bringt.

Authentisch hat Winkelmann auch die Protagonisten geschildert, vor allem den Hamburger Polizeikommissar Jens Kerner.
Dieser bekommt einen merkwürdigen Fall auf dem Tisch: Eine bleiche, verstörte und vollkommen unterernährte Frau wurde in den Harburger Bergen aufgegriffen. Als er sie verhören will, stirbt sie. Gemeinsam mit seiner Kollegin Rebecca kommt er einem Täter auf die Spur, der so perfide ist, dass es alle Vorstellungen übersteigt.

"Sie war an einen Stuhl gefesselt, so viel stand fest. Die Luft im Raum war warm, roch abgestanden und nach altem Staub. Die Nähe ihres Entführers lähmte ihr Denken, füllte sie mit entsetzlicher Angst, und sie begriff, dass dies kein sich irgendwann in wohligem Schauer auflösender Albtraum war, sondern die Realität, grausam und unfassbar. " (ZITAT)

Die Rückblenden aus der Kindheit des Täters waren wirklich fesselnd und verstörend.

"Wenn Finsternis die Wege und Straßen verschlang, wenn die Menschen sich hinter Mauern und Fenstern im Schutze ihrer Familien versteckten, dann zog es ihn hinaus, dann fühlte er sich wohl, und er spürte, die Nacht war seine beste Freundin. Denn in der Nacht sah ihn niemand. Er konnte tun und lassen, was er wollte." (ZITAT)

Das Cover zu "Die Lieferung" ist großartig. Man wird sofort darauf aufmerksam und die Neugier ist geweckt. Der grandiose fesselnde Schreibstil von Herrn Winkelmann wird auch in seinem neusten Werk "Die Lieferung" wieder deutlich.

Weitere Werke des Autors: Housesitter, Das Haus der Mädchen, Hänschen Klein, Bleicher Tod, etc.

Die Lieferung -> Packend, fesselnd, spannungsgeladen - und deshalb eine klare Leseempfehlung von mir!

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.06.2019
Stovell, Sarah

Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht.


sehr gut

Meine Meinung und Inhalt

"Als ich hereinkam, blickte er nicht auf. Im Laufe der Jahre hatte es sich irgendwie so ergeben, dass wir kaum noch miteinander sprachen. Wir machten uns nicht mehr die Mühe, einander zu begrüßen oder zu erkundigen, wie es dem anderen ging. wir waren einander zu Möbelstücken geworden: für die Bequemlichkeit zwar unverzichtbar, doch ansonsten Teile der Umgebung,..." (ZITAT)


Bo Luxton ist mit ihrem Mann und ihren beiden Kinder von Oxford in den Lake District gezogen.
Sie ist Bestseller Autorin und hat sich für die Abgeschiedenheit vor allem auch deswegen für den Umzug entschieden.
Ihre Kinder können die Natur genießen und ihr Mann Gus seine Rente.

In dem Buch wechseln die Kapitel zwischen Bo, Alice und Gegenwartsschilderungen. Dies gefällt mir wirklich sehr gut, ebenso wie der flüssige spannungsgeladene und abwechslungsreiche Schreibstil.

Alice möchte ihr Leben wieder in den Griff bekommen,
eine Schriftsteller-Laufbahn starten und an einem Schreibworkshop- teilnehmen. Dort trifft sie das erste mal auf Bo. Diese ist begeistert von Alice und nimmt diese sofort unter ihre Fittiche.

Aber da ist noch mehr zwischen den beiden, prickelnd, knisternd – oder doch nicht?

"...und dass das, was ich gerade tat, alles gefährdete, wofür ich so hart gekämpft hatte. Mein ganzes Leben lang hatte ich normal sein wollen. Und jetzt setzte ich alles, was ich erreicht hatte, aufs Spiel." (ZITAT)

Wird Bo tatsächlich ihre Ehe und das Glück ihrer geliebten kleinen Töchter riskieren? Würde Alice ohne guten Grund ihr Leben zerschlagen, nur um in Bos Nähe sein zu können?

"Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht." ist meiner Meinung nach ein tolles Spannungs-Debüt von Sarah Stovell, das sich definitiv zu lesen lohnt.
Das Cover ist großartig und bekommt einen extre Pluspunkt!

Bewertung vom 21.06.2019
Susi, Pauliina

Die Kollision


weniger gut

Meine Meinung und Inhalt
Die Autorin Pauliina Susi wurde 1968 geboren, hat Politikwissenschaft studiert und bei verschiedenen finnischen Magazinen als Journalistin gearbeitet. Ihr Debütroman ›Ruuhkavuosi‹ (2005) wurde für den angesehenen ›Helsingin Sanoma‹-Literaturpreis nominiert.›Das Fenster‹ hat den Finnischen Krimipreis 2016 gewonnen und wurde von Lesern und Presse gleichermaßen enthusiastisch aufgenommen.

Ich möchte nun erstmal mit dem Positiven starten, denn das Cover ist wirklich schön, passend zum Genre und vielversprechend. Ebenso der Klappentext. Dieser macht Lust auf mehr und wirkt absolut vielversprechend.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und man kommt gut in die Geschichte hinein.

"Ich habe heute zwei Menschen das Leben genommen, ... Einen Moment lang horcht sie in sich hinein, wie sich das anfühlt. Sie fühlt nichts. Oder vielleicht ist sie - beeindruckt. Bestätigt. Dass sie das kann. Wenn es hart auf hart kommt." (ZITAT)

In "Die Kollision" geht es um Leia Laine, die mit ihrer Schwester Ripsa eine Woche lang Urlaub auf einem Luxuskreuzer machen.
Die Schilderungen der Autorin diesbezüglich sind auch wirklich toll und authentisch.

Leia wird den Verdacht nicht los, dass auf dem Schiff irgendetwas nicht stimmt, und schon bald verwandelt sich die entspannte Kreuzfahrt in einen Albtraum. Sie lernen auf dem Schiff Leute kennen, welchen sie nicht trauen dürfen.

Soweit so gut. Bis dahin klingt es wirklich spannend und fesselnd, allerdings wird dem Leser gleich zu Beginn bewusst, dass die erhoffte Spannung auf der Strecke bleibt.
Es herrschen langatmige Diskussionen zwischen den Schwestern, die wirklich sehr anstrengend sind. Man möchte eingreifen oder vieles überspringen.

"Manchmal ist es schwer zu verstehen, wozu eine nagende Verbitterung und der Durst nach Rache einen Menschen bringen könnnen. Sie selbst wird durch etwas viel Einfacheres und Klareres motiviert: die
Summe unter dem Strich." (ZITAT)

Der zweite Part, der parallel geschildert wird, handelt von der elfjährige Amira, die sich an Bord eines einfachen Fischerbootes mit ihre Eltern und weiteren Flüchtlingen befindet. Alle haben die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Das kleine Boot und das Kreuzfahrtschiff – sie steuern aufeinander zu, sie begegnen sich. Luxus und Elend kollidieren gnadenlos.

Natürlich kommt die ein oder andere Botschaft von der Autorin in der aktuellen Flüchtlingsthematik natürlich beim Leser an, jedoch hat man auch den Eindruck, dass sie zu viel in dieser Geschichte mitteilen möchte und dadurch bekommt man am Ende den Eindruck, dass vieles offen und ungeklärt ist.

Ich kann dieses Buch leider nicht empfehlen.

Bewertung vom 07.06.2019
Hall, Araminta

The Couple


sehr gut

Meine Meinung und Inhalt
Hall schreibt in diesem Buch über einen Mann, der vollkommen beherrscht wird von der Vorstellung, die er sich von einer perfekten Frau macht. In diesem Fall war es Verity.
Und Hall macht das gut - wirklich gut. Sie schreibt eine packende, nahzu fesslende Story, die zeitgleich auch sehr realistisch dargestellt wird. Als Leser möchte man wissen, wie viel die weibliche Protagonistin mit in die Sache verwickelt ist.

Die Autorin hat einen flüssigen Schreibstil, welcher es dem Leser ermöglichst, gut in die Geschichte zu finden und die Lust am Lesen nicht zu verlieren.

Mike und Verity sind das perfekte Paar. Und um seine Traumfrau glücklich zu machen, hat Mike nicht nur einen gut bezahlten Job angenommen, sondern auch ein wunderschönes Haus gekauft. Er würde alles für sie tun. Auch wenn das bedeutet, dass sie manchmal grausame Spiele spielen.

"Aber wissen Sie, Mike, manchmal ist das, was man glaubt, unbedingt haben zu wollen, gar nicht das, was man tatsächlich haben will.
Manchmal macht einen gerade das am glücklichsten, bei dem man es am wenigsten erwartet hätte." (ZITAT)

Doch plötzlich trennt Verity sich von ihm und verliebt sich in einen anderen Mann. Mike wird der Boden unter den Füßen weggerissen. Sie antwortet nicht auf seine Anrufe und auch nicht auf seine Nachrichten. Aber dann wird ihm etwas klar: Ein neues Spiel hat begonnen und er muss Verity nun beweisen, wie weit er wirklich gehen kann ...
"Und während ich noch dastand mit der Liebe meines Lebens im Arm, wurde mir klar, dass es wirklich keine eindrucksvollere
Geste gab als die, aus Liebe zu töten." (ZITAT)

Das Cover stellt Mike und Verity dar und ist meiner Meinung sehr passend gewählt und gefällt mir ausgesprochen gut.

"Wir müssen die Wahrheit so zurechtbiegen, wie wir sie brauchen. Außenstehende mögen dem widersprechen, aber unsere Form der Grausamkeit, V, ist blß ein anderer Name für Liebe." (ZITAT)

Leseempfehlung meinerseits!

Bewertung vom 27.05.2019
Burton, Tara Isabella

So schöne Lügen


sehr gut

Meine Meinung und Inhalt
Das wunderschöne Cover hat einen extra Pluspunkt verdient. Ein absoluter Eye-Catcher, der mich sofort auf "So schöne Lügen" aufmerksam gemacht hat.

In dem Buch geht es unter anderem um Lousie. Diese ist Ende zwanzig und versucht, sich in New York durchzuschlagen. Eigentlich wollte sie Schriftstellerin werden - jetzt lebt sie in Brooklyn, hat mehrere miserabel bezahlte Jobs und wird von Selbstzweifeln geplagt.

"Louise beobachtet gern Leute; sie findet das so beruhigend; wenn du dich lange genug auf das konzentrierst, was mit anderen nicht stimmt, fragst du dich dann nicht mehr ganz so oft, was mit dir nicht stimmt." (ZITAT)

Als sie Lavinia kennenlernt, scheint ihr die Welt offen zu stehen, denn Lavinia hat wirklich alles: Sie wohnt auf der Upper East Side, ist wild, frei und wunderschön und vor allem reich!

Ihr glamouröses Leben teilt sie gern - auf sämtlichen sozialen Netzwerken, aber auch mit Louise.
Die beiden ungleichen Frauen werden Freundinnen. Louise wird auf Partys herumgereicht, lässt sich von Lavinia einkleiden, zieht bei ihr ein - sie verfällt Lavinia und ihrer Welt.

Doch die Schattenseiten des Reichtums werden schnell sichtbar. Louise verändert sich und wird unberechenbar - schreckt vor nichts zurück. Sie möchte dieses Leben nicht mehr verlieren.

"Louise erlaubt sich Dummheiten. Sie achtet nicht mehr so darauf, ihr Geld zusammenzuhalten. ... Sie beginnt Menschen zu vertrauen, so wie Lavinia den Menschen vertraut, fängt an zu glauben, dass die Welt ein wohlgeordneter Ort ist, an dem nie ewas unrettbar schief geht. Louise wartet nicht mehr auf das Ende der Welt. Bis zu der Nacht, in der es beinahe eintritt." (ZITAT)

Die Freundschaft gestaltet sich wirklich mehr als toxisch. Burton zeigt einen spannenden Roman über eine Welt der Eitelkeiten und Oberflächlichkeiten und dies schildert sie auf eine wirklich besondere Art und Weise.
Ihr Schreibstil war zu Beginn sehr ungewöhnlich und es hat etwas gedauert, sich daran zu gewöhnen. Dieser hat mir aber dann durchaus gut gefallen!

Die Persönlichkeitsentwicklung von der Protagonistin Louise war wirklich faszinierend und erschreckend zu beobachten.

Fazit:
Ein wirklich tolles Buch, das in Erinnerung bleibt und wirklich außergewöhnlich ist.

Bewertung vom 20.05.2019
Butler, JL

Mein


gut

Meine Meinung und Inhalt
Das Cover ist sehr auffallend, ebenso wie der prägnante Titel.
Beides hat mich sofort angesprochen und die Geschichte hat mich nicht enttäuscht.

Wir begleiten in diesem Buch die Londoner Scheidungsanwältin Francine Day. Diese möchte mit dem Fall Martin Joy endlich Karriere machen.

Dieser will sich von seiner Frau Donna scheiden lassen. Der Unternehmer ist millionenschwer - und wahnsinnig attraktiv. Wider besseres Wissen beginnt Fran eine verbotene Affäre mit ihrem Mandanten, dem sie mehr und mehr verfällt.

Etwas übertrieben fand ich die teilweis geschilderte Überstürzung von Frans Handlungen. Diese verhält sie sich - möglicherweise auch aus Gründen der Verliebtheit- unvernünftig, vor allem im Bezug auf ihren geliebten Beruf. Dies ist mir als Leser während der Geschichte leider weniger nachvollziehbar gewesen, dies hat jedoch der Sympathie zur Protagonistin - nicht zuletzt wegen ihres klugen Verstandes und Ehrgeizes - keinen Abbruch getan.

Als Martins Frau kurz darauf spurlos verschwindet, gerät Martin ins Visier der Ermittlungen. Doch auch die Protagoistin Fran hat ein Geheimnis.

"Ich wollte mein Leben immer so unkompliziert wie möglich gestalten,alles so gut unter Kontrolle haben, wie ich nur kann. Wenn man schon im Wortsinn himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt war, wünscht man sich einfach nur eine gewisse Berechenbarkeit im Leben." (ZITAT)

Sie ist nicht nur Anwältin und Geliebte des Hauptverdächtigen - sie ist die letzte Person, die Donna Joy lebend gesehen hat ...

"Aber es bringt Probleme mit sich, andere Menschen in sein Leben zu lassen. Es ist schon schwer genug, mit den eigenen Gefühlen umzugehen, geschweige denn mit denen von anderen." (ZITAT)

Der Leser fragt sich, was Fran wohl in der Nacht, als Donna verschwand erlebt hat bzw. wie viel damit wirklich zu tun hat. Ihre Erinnerungen an diese Nacht scheinen nicht mehr vorhanden bzw. abrufbar zu sein.

"Dabei handelt es sich um eine Abspaltung von der Realtiät, sagte Gil und ließ den Stift sinken. Das kann ganz harmlos ausfallen wie bei einem kleinen Tagtraum, aber auch so extrem sein, dass man alternativ Identitäten herausbildet.
So etwas erlebe ich häufig bei Patienten aus Kriegsgebieten und Missbrauchsopfern: Sie verdrängen die verstörenden Erinnerungen. Damit schützt sich das Gehirn vor unangenehmen Empfindungen - es tut einfach so, als wäre das nie passiert." (ZITAT)

Das Ende konnte mich - zum Glück - positiv überraschen und hat das Buch sehr gut abgeschlossen.

Fazit:
Die Story konnte mich durchaus fesseln, was auch an dem fesselnden und abwechslungsreichen Schreibstil der Autorin lag. Ein gelungenes Buch mit kleinen Schwachstellen, aber definitiv lesenswert!

Bewertung vom 19.05.2019
Blümner, Heike;Ewert, Laura

Schluss jetzt


gut

Meine Meinung und Inhalt
"Das Durchstehen einer Trennung gleicht nicht selten einem emotionalen Bootcamp, es treibt einen an die eigenen Grenzen. Die vielsagenden Worte Wir müsen reden oder Es geht nicht mehr müssen rausgewürgt werden. Warum eigentlich? Weil die Angst vor den Folgen zu groß war. Zu groß die Sorge, jemand könnte verletzt werden.Und nun haben sich die Folgen blöderweise verselbstständigt. Derjenige, der diese Worte zuerst ausspricht, befindet sich in einer merkwürden Position. Einerseits so nah bei sich, und gleichzeitig ist es, als hätte er oder sie den Raum verlassen und schaute sich bei allem nur noch zu. Ein bizarrer Moment, in dem der vertrauteste Mensch schlagartig auf Distanz gebracht wird." (ZITAT)

Wenn die Frage "Gehen oder bleiben?" mehr Zeit beansprucht als die Planung des nächsten Urlaubs, dann raten Heike Blümner und Laura Ewert: Natürlich gehen! Ich vermute, viele, die dieses Buch lesen, entdecken sich in manchen Situationen oder Gedanken selbst und möglicherweise hilft dieses auch eine Entscheidung zu treffen.

Schlüssig erklären die Autorinnen, wie wir uns aus toxischen Beziehungen lösen können, warum Untreue nicht unbedingt, kein Sex jedoch fast immer zur Trennung führt, welche finanziellen Hürden Trennungswillige nehmen müssen. Und was uns danach erwartet.

Blümner und Ewert wollen mit dem Buch auch unter anderem daraufhinweisen, dass wo Trennung stattfindet, vorher Bindung vorhanden war und wo Bindung vorhanden ist auch oftmals dieselbenTypen herumlungern.

"Zu viele Menschen harren immer noch dauerhaft zu zweit in ihrem selbst gezimmerten Leid aus. Von außen scheint es oft unbegreiflich. Meistens ist es wohl die Angst vor der Bewegung, die dazu führt, dass Unglückliche einfach bleiben, komme, was wolle. Die Angst vor Verlust wird mit Liebe verwechselt." (ZITAT)

Desweiteren geht es auch darum, dass Menschen am Anfang - innerhalb einer Beziehung - das Gefühl haben, einzigartig zu sein, aber wenn es auf das Ende zugeht, werden diese Bindungen
gerne der Einfacheit halber nach ein-oder mehrmals erfolgreich durchexerzierten Abläufen beendet - nach sogenannten Mustern.

Die Autorinnen greifen viele - auch bekannte - Quellen auf wie z.B. Eva Illouz, Cornelia Koppetsch, Paul Sullivan und Michael Nast, sowie natürlich viele Interviews und Statistiken.

Ein wirklich sehr aufschlussreiches Buch das mir gut gefallen hat.

Bewertung vom 09.05.2019
Kliesch, Vincent

Auris / Jula Ansorge Bd.1 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Meine Meinung und Inhalt
Matthias Hegel, genannt Auris (lat. das Ohr), ist ein akustischer Profiler. Seine Fähigkeiten werden gleich zu Beginn dargestellt und begeistern sofort.

"Matthias Hegel war forensischer Phonetiker. Einer von gerade mal einer Handvoll Experten in ganz Deutschland, die sich auf akustische Beweisführung spezialisiert hatten." (ZITAT)

Die Stimme eines Täters genügt ihm, um Herkunft, Aussehen und Psyche zu ermitteln. Teilweise wirkt dies natürlich ein wenig aus der Luft gegriffen, macht der Story aber keinerlei Abbruch.

Hegel schafft es über die Stimme Wahrheit von Lüge zu unterscheiden und dadurch ist es ihm schon gelungen, zahlreiche Kriminelle hinter Gittern zu bringen.
Doch nun sitzt er selbst wegen eines Mordfalles in Haft, den er selbst gestanden hat.

Als weitere Protagonistin taugt in "Auris" die junge True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge auf, welche ernsthafte Zweifel an der Schuld von Hegel hat.
Jula will einen Justizirrtum aufklären und ihr Ehrgeiz ist mehr als spürbar.
Doch als die Podcasterin zu tief in Hegels rätselhaftem Fall gräbt, bringt sie nicht nur sich selbst in Todesgefahr, sondern auch den Menschen, der ihr am wichtigsten ist. Trotz Warnungen und Drohungen lässt sie sich nicht aufhalten und der Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

"Es schnürte Jula die Kehle zusammen. Genauso wie in ihrem Wohnzimmer, als sie dieses ungeheuerliche Telefonat geführt hatte, das nun als simple Audiodatei den muffigen Raum im Landgericht Moabit erfüllte. ....
Abermals hatte Jula das Gefühl, als sei sie aus einem furchtbaren Albtraum erwacht. Aus einer Schreckensvision, der zu entkommen ihr als völlig unmöglich erschienen war." (ZITAT)

Das schlichte Cover gefällt mir sehr gut und ist passend.

Fazit:
Ein wirklich überaus gelungenes spannendes Buch, geprägt von einem außerordentlich tollem Schreibstil. Allerdings hätte ich mir den Schluss noch etwas abgeschlossener und abgerundeter gewünscht, jedoch gibt es sonst nichts weiter auszusetzen. Die Spannung war bis zum Schluss vorhanden und Kliesch konnte diese sogar zum Ende hin nochmals enorm steigern.
Ich bin sogar der Meinung, dass man die Idee und den Einfluss von Fitzek deutlich spüren kann und somit ist "Auris" definitv ein Must-Read für alle Fitzek-Fans!

Bewertung vom 04.05.2019
Minato, Kanae

Schuldig


ausgezeichnet

Meine Meinung und Inhalt
Bereits Kanae Minato's Buch "Geständnisse" konnte mich absolut begeistern.
Die Autorin hat einen unfassbar guten Schreibstil und der Spannungsaufbau ist mehr als gelungen.

Leider hatte ich auch bei diesem Buch zu Beginn Probleme mit den japanischen Namen zurechzukommen und diese den Protagonisten zuzuordnen, dies hat sich aber zügig gelegt.

In dem neuen Buch von Minato geht es um vier Freunde ein tragisches Unglück und die Frage nach der Schuld.

"Obwohl wir es streng geheim gehalten haben, hat vielleicht doch einer von uns versehentlich darüber gesprochen. Und das hat dann zufällig ein Bekannter von Hirosawa aufgeschnappt." (ZITAT)

Fünf Studenten aus Tokio wollen in einem abgelegenen Dorf zusammen ein paar Ferientage verbringen. Einer von ihnen, Hirosawa, kommt bei einem Autounfall auf einer kurvenreichen Bergstraße ums Leben.

Drei Jahre später holt das schreckliche Ereignis die ehemaligen Studienkollegen ein. Sie erhalten anonyme Briefe, in denen sie des Mordes an ihrem Freund beschuldigt werden.

Man erfährt als Leser im Laufe des Buches viel über die einzelnen Studenten und ihr Leben. Ausführlich wird vor allem über Fukase geschrieben, der die sich auf die Suche nach dem Absender der Briefe macht. Fukase ist mir als Protagonist sehr sympathisch, nicht zuletzt wegen seiner Liebe zu Kaffee und seiner eher zurückhaltenden Art.

Raffiniert erzählt die japanische Erfolgsautorin Kanae Minato von den zahlreichen Verkettungen, die zu dem tödlichen Unfall geführt haben, lockt den Leser gekonnt auf falsche Fährten, bis schließlich die tragische Wahrheit ans Licht kommt. Ein unglaublich toll geschildertes Ende, das nicht vorhersehbar war.

"Vielleicht war es in diesem Fall genauso: Obwohl er sich selbst immer für Hirosawas Freund gehalten hatte, wusste er dennoch beschämend wenig über ihn. Hatte er wirklich eine Freundin gehabt? Mit wem verstand er sich gut bis zum vierten Jahr an der Uni? Wie hat er seine Studentenzeit verbracht?" (ZITAT)

Das Cover gefällt mir absolut gut. Es ist schlicht, sehr passend zum Inhalt und auch zu Minato's Buch "Geständnisse". Großer Pluspunkt für die Gestaltung!

Absolut tolles Buch, das meine absolut Leseempfehlung verdient.

Bewertung vom 30.04.2019
Twardoch, Szczepan

Wale und Nachtfalter


gut

Außergewöhnliches Denk- und Reisetagebuch

Meine Meinung und Inhalt
Dieses Buch hat mich vor allem aufgrund des tollen Covers und interessanten Titels neugierig gemacht.

Schnell habe ich - nachdem ich zu Lesen begonnen hatte - jedoch feststellen müssen, dass dieses Werk Zeit zum Lesen benötigt, da es keine unbedingt leichte Kost war, was vor allem an dem Schreibstil von Szczepan Twardoch lag, denn dieser ist sehr detailliert, malerisch, umfassend und teilweise poetisch.


In seinem Buch berichtet er unter anderem über Krakau, Warschau und Deutschland mit seinen ganz persönlichen Erfahrungen, Meinungen und Ansichten.

Mit "Wale und Nachtfalter schafft Twardoch eine große Erzählkunst – und zugleich ein lebenspralles Bild unserer Zeit, indem er mit allen Sinnen, Facetten und Rollen -
als Vater
„Was ist los?“
„Ich habe so ungeschickte Angst“, erklärte er. ….
„Was heißt das: ungeschickte Angst haben?“, frage ich.
„Also, man kann geschickt Angst haben und ungeschickt. Geschickt ist, wenn man vor etwas Angst hat. Vor Ungeheuern, Dunkelheit oder bösen Menschen, oder vor Raubtieren.“
„Und ungeschickt?“
„Ungeschickt ist, Angst vor nichts zu haben. Einfach nur Angst.“ (ZITAT)


Reisender
"Wenn die schreckliche Zerrissenheit der zwanziger Jahre überhaupt etwas Gutes für Schlesien hatte,dann diesen Wettlauf zweier Modernismen. Ich freue mich, dass dem oberschlesischen Ballungsraum das Schicksal einer muffigen, vom Firnis des kleinbürgerlichen Konservatismus übertünchten Mumienstadt erspart geblieben ist. Erhaben ist die Landschaft der demobilisierten totalen Mobilmachung, die Landschaft abgestorbener Fabriken, Hütten und Bergwerke wirken wie Skelette uralter Leviathane, die Stahldrähte in den Betonschollen wie die ewigen Rippen des Blauwals, die den nördlichen Göttern der Strände von Spitzbergen drohen." (ZITAT)

und Autor
" Ich habe das Ewige Tannenberg abgeschlossen, und mir ist klargeworden, dass kein Buch mich bislang so viel gekostet hat; als hätte ich mich auf den Seiten ausgewrungen. Als wäre ich durch die Tastatur in die Datei gesickert und als wären in mir schreckliche, leere Löcher geblieben." (ZITAT)

berichtet. Das Cover gefällt mir sehr gut mit seiner Schlichheit und erscheint mir sehr passend gewählt.