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Juma

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Insgesamt 198 Bewertungen
Bewertung vom 16.05.2024
Ernst, Anke

Einfach können - Gute Texte


sehr gut

Besser Texten will gelernt sein

Der Titel "Einfach können - Gute Texte" ist vielleicht etwas irreführend. So einfach ist es leider nicht, wirklich gute und lesbare Texte zu verfassen. Das kleine Büchlein will auf jeden Fall dabei helfen, auch oder besonders ins Denken vor dem Schreibprozess Struktur zu bringen. Gegliedert in vier Hauptkapitel findet sich jeder Interessierte schnell zurecht, wenn er Spezielles sucht. Man kann es natürlich auch wie ich machen und das ganze Buch lesen. Interessant fand ich von Anfang an die "Schreibstimme", das ist etwas, was man ja unbewusst hat. Wenn man es aber ins Bewusstsein holt, bemerkt man auch, dass diese Schreibstimme nicht immer stimmt.

Ganz wichtige einzelne Elemente des Ratgebers möchte ich aufzählen: die Frage nach dem Ziel/der Zielperson, nach dem Kerngedanken des Textes und nach der endgültigen, passenden Formulierung.

Ich habe diverse Anregungen bekommen, über manches macht man sich nach vielen Jahren Redaktionsarbeit tatsächlich überhaupt keine Gedanken mehr. Aber immer zu schreiben, wie einem die Gedanken gerade in die Feder oder Tastatur fließen, ist offenbar auch nicht ideal.

Ich empfehle das Buch jedoch eher für den beruflichen Alltag. Aber auch, wer privat schreibt, findet jede Menge gute Ideen und Tipps.

Obwohl das Buch nur knapp 100 Seiten hat, habe ich doch eine ganze Weile darin gelesen. Immer wieder habe ich hin und her geblättert, mir die Textverweise noch einmal angeschaut und versucht, die vielen Tipps mit meinem eigenen Schreibstil zu vergleichen. Nicht mit allem bin ich "schreibtechnisch" einverstanden, aber besonders das konkrete Benennen von Fakten und die schnörkelfreien Beispielsätze ohne "Schmus" sind anregend!

Die allgemeinen Schreibtipps und am Schluss die 9 goldenen Regeln für gute Texte nehme ich gern gedanklich auf.

Einzig die vielen "Lesenden" und die "Schreibenden" im Ratgeber störten meinen Lesefluss. Ich kann mich mit dieser Art geschlechtergerechter Sprache nicht anfreunden. Das hat aber keinen Einfluss auf meine Sterne-Bewertung!

Fazit: das Buch gibt viele Anregungen, nicht nur fürs Schreiben sondern auch fürs Denken!

Bewertung vom 15.05.2024
Amann-Jennson, Günther W.

Einfach gesund schlafen


sehr gut

Schlafprobleme sind lösbar
Prof. Amann-Jennson begibt sich in diesem Buch auf eine Reise durch unsere gesamte Schlafwelt. Er beschreibt gut verständlich die Mechanismen, die im Körper wirken und den Menschen gut oder schlecht schlafen lassen. Auch die äußeren Einflüsse werden treffend beschrieben. Für mich eine spannende Reise! Wer schlecht (durch-)schläft, wird wissen, wie belastend dieser Zustand über Jahre hinweg ist. Deshalb ist das Buch für mich ein neuer Ansatz, etwas zu verbessern. Insbesondere die Erklärungen des Autors zu unterstützender Meditation und zum geeigneten Schlafplatz sind (für mich) sehr hilfreich. Die Erklärungen zum Schrägschlaf waren mir dann aber doch vollkommen neu.
Sehr gut gefallen hat mir die 4-Nächte-Schlaf-Gesund-Woche, die einen tatsächlich umsetzbaren praktischen Teil bietet (Kapitel 14). Die sechs Schritte vom Wachsein zum Schlafen habe ich tatsächlich ausprobiert, beim Entleeren des Geistes bin ich dann eingeschlafen.
Etwas hat mich gestört: das Buch ist auf sehr saugfähigem FSC-Mix-Papier gedruckt, die Grundschrift ist leider sehr schmal und klein, ein Gutteil der Farbe verschwindet im Papier. Das beeinflusst die Lesbarkeit. Schon eine etwas breiter laufende Schrift und ein glatteres Papier wären für mich angenehmer. Ansonsten habe ich an dem Buch, der Typographie und dem Umschlag nichts auszusetzen, gefällt mir insgesamt sehr gut. Auf dem Ladentisch fällt das Buch bestimmt auf!

Danke, Herr Professor Amann-Jennson, dass Sie Ihren Leser mit Respekt entgegentreten und das "Sie" verwenden. Das ist heute leider nicht mehr überall bei Ratgebern üblich. Ich freue mich aufs Folgebuch.

Fazit: Ein interessantes Buch zum Schlafen und zu Schlafproblemen, jeder der schlecht schläft, nimmt hier bestimmt gute Anregungen mit.

Bewertung vom 14.05.2024
Montefiore, Simon Sebag

Jerusalem


ausgezeichnet

3.000 Jahre lebendige Geschichte

Die erste Version dieser Biographie Jerusalems (mir fällt kein besseres Wort für die Lebensgeschichte dieser Stadt ein) habe ich bereits vor mehr als 10 Jahren gelesen und war einerseits erschlagen von der Fülle der Informationen, andererseits begeistert von der Ausführlichkeit und vom fantastischen Schreibstil des Autors Simon Sebag Montefiore. Ich bin ein Fan dieses Schriftstellers, erinnere mich immer gern an die Stalin-Biographien und die Geschichte der russischen Zarenfamilie.

Jerusalem ist für mich ein Traumort, ein Traumziel, schon zweimal musste ich wegen des Kriegsgeschehens Reisen dorthin absagen, ob zu meinen Lebzeiten noch eine sichere Reise nach Israel möglich ist, wage ich zu bezweifeln. Da kam mir das Angebot des aktualisierten Jerusalem-Buches gerade recht. Noch einmal habe ich vieles gelesen, was mir im Laufe der Jahre aus dem Gedächtnis gekommen ist. Die aktuellen Bezüge doppeln sich teilweise mit vielen Zeitungsartikeln und Medienberichten, die seit dem 7. Oktober 2023 Israel und den Gazastreifen betrachten. Ich bin Nachfarin jüdischer Holocaustopfer und interessiere mich schon immer für die Geschichte der Juden und Israels, die Stadt Jerusalem betrachte ich als den Höhepunkt und Mittelpunkt des geschichtlichen Geschehens.

So bin ich Montefiore dankbar, mit mir und allen Interessierten dieses umfangreiche Wissen und seine Erfahrungen erneut geteilt zu haben. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich zum Ende der rund 900 Seiten gekommen bin, aber die Lesezeit hat sich gelohnt. Erwähnen möchte ich noch, dass die drei Übersetzer dem Werk sehr gut getan haben, es liest sich auch in der deutschen Übersetzung ganz wunderbar.

Fazit: wer ausreichend Geduld und Zeit mitbringt, wird dieses Buch lieben, es ist die beste Jerusalem-Biographie, die ich kenne.

#Jerusalem #NetGalleyDE

Bewertung vom 14.05.2024
Tuil, Karine

Der Rabbi und die Braut (eBook, ePUB)


sehr gut

Schräge Liebesgeschichte über jüdische Identität

Paris, Anfang der 1990er Jahre: Saul Weissmann, 70, Holocaustopfer und Überlebender, nun im Rentenalter, begibt sich auf Freiersfüßen mit seiner Angebeteten, der nicht ganz so anbetungswürdigen Simone, zum zuständigen Rabbi, um sich trauen zu lassen. Leider fehlen Saul die richtigen Papiere, der Rabbi zweifelt an seiner Mutter, ob diese Jüdin war. Da Saul beim besten Willen nicht beweisen kann, eine jüdische Mutter zu haben, müssen die beiden unverrichteter Dinge von Dannen ziehen. Für Saul steht die Welt Kopf, Simone verlässt ihn ohne Zögern. In seinem Inneren tobt der Glaubenskrieg, er versucht vehement, seinen inneren Juden auszutreiben wie den Teufel, es gelingt nicht so richtig.
Ich erinnerte mich beim Lesen des Buches an den Schriftsteller Max Czollek, der sich als Jude bezeichnete, aber „nur ein Vater-Jude“ ist, wie sehr die Wogen von Abneigung, Unverständnis und religiösem Eifer über ihm zusammenschlugen.
Wer sich noch nie mit jüdischer Religion und Lehre befasst hat, wird solche Diskussionen kaum nachvollziehen können. Heutzutage schaut man auf die „Abstammungslehre“ und die „Ahnentafeln“ der Nazis mit Unverständnis und Abscheu, weil sie die Juden zwangen, selbst klarzustellen, ob sie als sog. Volljuden, Geltungsjuden, Mischlinge, Halbjuden galten. Die Minderheitenvolkszählung 1938 brachte den Nazis Gewissheit. Der Gelbe Stern war später das Todesurteil, die Abstammung entschied.
Die jüdische Lehre ist in Bezug auf die Abstammung unnachgiebig. Karine Tuil hat in ihrem kleinen Roman das Thema trotz dieser Hintergründe herrlich unverfroren und ironisch auf die Schippe genommen. Manches war mir persönlich etwas zu direkt, Sauls Monologe und Gedankengänge manchmal etwas in die Länge gezogen.
Mit rund 150 Seiten ist "Der Rabbi und die Braut" kein dicker Denker-Wälzer, sondern ein kleines Stück meisterlicher Literatur, das man bequem unter den Arm klemmen oder in die Jackentasche stecken kann. Mir hat das Lesen richtigen Spaß gemacht, und wenn am Ende Saul mit dann schon 71 Jahren frohgemut dem Kommenden entgegenschaut, übernehme ich gerne seinen Optimismus. Ralf Pannowitsch hat das Buch ganz wunderbar ins Deutsche übersetzt.
Mein Fazit: Ein freches und ironischen Buch über einen Juden, der plötzlich an seiner Identität verzweifelt. Lesenswerte Leidens- und Liebesgeschichte. Eine klare Leseempfehlung!

#DerRabbiunddieBraut #NetGalleyDE

Bewertung vom 13.05.2024
Heidenreich, Elke

Altern (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Kann Optimismus altern?

Ich gehe davon aus, dass jeder, der gern liest, Elke Heidenreich kennt. Sie ist die Frau, die ohne mit der Wimper zu zucken Bücher liest, Bücher vergöttert und auch mal verreißt. In ihrem neuen Buch begibt sie sich in die eigenen und literarischen Untiefen des Alterns, mit der Prämisse, sich die verbleibende Lebenszeit nicht von ein „paar Defiziten“ verderben zu lassen. So mancher wird erstaunt sein, wie immer noch rotzfrech und draufgängerisch die unterdessen Einundachtzigjährige mit den Fragen von Leben und Tod umgeht. Ich bin es nicht, rund ein Jahrzehnt jünger kann ich bestens die Gedankengänge und -sprünge nachvollziehen, ich lese auch eine Verehrung Gottfried Benns heraus, und die unbändige Lust, in jedem schönen, schweren, bewegenden Buch, das sie liest, den ganz besonderen Satz zu finden, der in ihr Weltbild passt oder manchmal auch nicht. Einfach wunderbar lesen sich diese rund hundert Seiten. Mein Lieblingssatz folgt als Zitat: „Jetzt, im Alter, bin ich mit mir ausgesöhnt und möchte nicht mehr jemand anderes sein.“
Möge Elke Heidenreich weiter so jung und witzig, so unabhängig und frisch bleiben wie bisher. Das hier ist eine Leseempfehlung, die aus ganzem Herzen kommt.
#Altern #NetGalleyDE

8 von 11 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.05.2024
Teige, Trude

Und Großvater atmete mit den Wellen (eBook, ePUB)


sehr gut

Dramatische und schicksalhafte Geschichte

Erzählt wird die Lebensgeschichte des Ehemanns von Thekla, der Protagonistin des Romans „Als Großmutter im Regen tanzte“. In diesem ersten Roman erweckte Trude Teige die junge Juni als Erzählerin und Familienforscherin zum Leben, ließ sie forschen und berichten, welche Familiengeheimnisse sie ausgegraben hatte. Ein fulminantes Werk, ein wunderbarer Auftakt für das nun folgende Buch über den Großvater Konrad. Aber der Sog des ersten Buchs ging verloren, ich brauchte lange, um mich in die Lage des Konrad hineinversetzen zu können. Auch er ein Norweger, unterwegs auf einem Handelsschiff namens Anitra während des zweiten Weltkriegs, der auch im Pazifik tobte, der die fanatischen Japaner dort zum übermächtigen Gegner der Alliierten machte. Konrads Schiff wird versenkt, er und sein Freund Jakob können sich retten, aber nur Konrad wird überleben und auf Java gerettet. Er gerät in japanische Gefangenschaft und er lernt dort die Krankenschwester Sigrid, auch Norwegerin, kennen und lieben.
Die Geschichte dieser beiden, ihrer Liebe, aber auch der furchtbaren Entbehrungen in den Lagern der Japaner beschreibt Trude Teige sehr anschaulich, auch mit sehr poetischen Worten.
Erst weit in der Mitte des Romans hatte mich diese Geschichte dann auch gepackt. Alles, was erzählt wird, erinnert an die Konzentrationslager der Nazis, an ihre perfide Ausrottung durch Arbeit und Hunger und Krankheiten. Die Japaner sparten sich die Gaskammern, die Menschen starben auch ohne diese Mordmaschinen. Trotzdem gelingt es einigen, sich zu widersetzen, zu überleben und anderen, schwächeren zu helfen.
Erst der Abwurf der Atombomben auf Japan brachte die Wende, Japan kapitulierte. Für die Menschen in den Lagern ein Lichtblick, aber bis zur endgültigen Freiheit immer noch ein weiter Weg. Auch für Konrad dauert es Jahre, bis er endlich wieder norwegischen Boden unter den Füßen spürt.
Fazit: ein eindringlicher Roman über Liebe und Durchhaltewillen, nicht so fesselnd wie das erste Buch, aber durchaus lesenswert.

#UndGroßvateratmetemitdenWellen #NetGalleyDE

Bewertung vom 30.04.2024
Jackson, Buzzy

Wir waren nur Mädchen (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Tapferkeit und Heldentum – die Geschichte der Hannie Schaft

Die amerikanische Autorin Buzzy Jackson legt einen beeindruckenden Debütroman vor, der sich mit dem schwierigen Thema des persönlichen Einsatzes für die Freiheit des eigenen Landes beschäftigt. Konkret geht es um die heldenhafte und tragische Lebensgeschichte der niederländischen Studentin Hannie Schaft, die als Widerstandskämpferin während der deutschen Besetzung ihrer Heimat ihr Leben einsetzte und verlor.
Zu Beginn lernt man Hannie als lebenslustige, aber schüchterne Studentin kennen, die sich mit den Bedingungen der Besetzung durch die Nazis, mit der Gefahr, in der Juden schweben und mit ihrer eigenen Rolle auseinandersetzen muss. Immer in ihren Gedanken lebt ihre mit 12 Jahren verstorbene Schwester Annie, deren Tod traumatische Auswirkungen auf die Familie hatte.
Hannie wird im Verlauf der Geschichte im niederländischen Widerstand eine nicht unwesentliche Rolle spielen, aber auch das Verstecken ihrer jüdischen Freundinnen Philine und Sophie ist ein zentraler Aspekt ihres Denkens und Handelns. Hannie Schaft wird immer mehr in die aktive Widerstandsarbeit einbezogen, hat wesentlichen Anteil an verschiedenen Attentaten auf deutsche Nazis und niederländische Kollaborateure. Ihrem Leitspruch „Bleib menschlich.“ bleibt sie treu, es sollen und dürfen keine Kinder zu Schaden kommen. Sie baut zu Jan, einem anderen Untergrundkämpfer ein sehr enges Verhältnis auf, doch diese Liebe endet tragisch. Eine weitere wichtige Bezugsperson für Hannie ist die Gefährtin und Freundin Truus, die ihr immer treu bleibt und sich um sie sorgt.
Ich empfehle sehr, dieses Hörbuch oder auch das Buch selbst zu hören oder zu lesen, die Geschichte ist sehr emotional und schlug mich bis zur letzten Zeile sehr in ihren Bann. Unbedingt lesen sollte man auch das Nachwort, das zu den wichtigsten Protagonisten kurze Biographien liefert und die zeitgeschichtliche Einordnung erleichtert.
Das Hörbuch hat mich zu Beginn etwas irritiert, Stimme und Art und Weise des Vorlesens fand ich zuerst etwas kindlich-naiv. Im Verlauf gewöhnte ich mich an Ann-Katrin Hinz, es waren dann doch sehr emotionale Hörstunden, die sie mir bereitet hat.
Fazit: absolut hörens- und lesenswert. Mich bewegt aber die Frage, ob ich jemals so tapfer sein könnte, wie Hannie und ihre Gefährten es waren. Ich kann es mir ehrlich gesagt überhaupt nicht vorstellen. Möge uns Heutigen eine solche Entscheidung erspart bleiben.

#WirwarennurMädchen #NetGalleyDE

Bewertung vom 28.04.2024
Koppelstätter, Lenz

Was der See birgt / Ermittlungen am Gardasee Bd.1


gut

Mord am Gardasee

Lenz Koppelstädter steht bei mir mit seinen Südtirolkrimis um Kommissar Grauner hoch im Kurs. Jetzt nun tritt in der neuen Krimiserie mit Gianna Pitti, Polizeireporterin einer Lokalredaktion in Riva, auf den Plan. Es ist nicht nur ein geografischer Sprung in den Süden, es ist auch eine ganz andere Art Krimi, die ich als Lektüre hatte.
Der Autor beschreibt nicht nur die Umgebung von Riva, das Flair des Sees, die Natur und das Wetter sehr anschaulich, er stellt auch seine neuen Protagonisten vor. Gianna ist gerade nicht vom Glück verfolgt, sie wohnt zeitweilig wegen eines Wasserschadens bei ihrem Onkel, einem nicht mehr ganz so hochrangigen Adligen, zwei Katzen vollenden die Wohngemeinschaft.
Abends noch traf Gianna ihren lange nicht mehr gesehenen Bekannten, am nächsten Morgen blickt sie als Reporterin in sein totes Gesicht. Viel schlimmer kann ein Tag kaum beginnen. Macht sie sich verdächtig, wenn sie sagt, wer der Tote ist? Noch hält sie ihr Wissen zurück und der Leser fiebert mit ihr um den Fortgang der Geschichte. Mehr will ich nicht verraten.
Fazit: eine neue Reihe hat das Licht der Welt erblickt, ich bin gespannt, ob der 2. Fall mich mehr fesselt.

Bewertung vom 12.04.2024
Heinze, Carla M.

Potsdamer Intrigen


sehr gut

Ungesühnte Verbrechen werden selten vergessen

Potsdamer Intrigen ist mein Einsteiger in die Reihe der Enne-von-Lilienthal-Krimis. Mir sind also schon vier Bände entgangen und ich musste erst einmal die Protagonisten kennenlernen. Enne also ist pensionierte Fallanalytikerin und Mutter vom frischernannten Kriminalrat Maik von Lilienthal. Sie lebt in lockerer Liaison mit dem ebenfalls pensionierten Kriminalisten Körner, der sich bei ihr einquartiert hat und seine Daseinsberechtigung vor allem übers Kochen von Gourmetmenüs und das Kredenzen besten Weins definiert. Er war bis zu einem nicht näher definierten Unfall der Chef von Maik und kann das ganze Buch über noch nicht so ganz von der Polizeiarbeit lassen. Und Enne ist da keinen Deut zurückhaltender. Nicht unerwähnt lasse ich die etwas zickige, aber wild entschlossene Kriminalkommissarin Susanne Riemeister, die auf dem Absprung die Karriereleiter rauf in Richtung Berlin ist und sich wohl etwas hormongesteuert gerade vom Lebensgefährten Maik von Lilienthal trennen will. Hinzu kommen noch einige Kollegen der beiden, allen voran der immer hungrige Leo. Eine bunte Truppe, die plötzlich im schönen, kulturvollen Potsdam mit zwei merkwürdigen Morden konfrontiert wird, die sich binnen kurzer Zeit als miteinander verbunden darstellen. Professionelle und private Ermittlungen nehmen ihren Lauf, immer tiefer geht es in den Sumpf der früheren DDR und die damaligen und immer noch nachwirkenden Verstrickungen von Staat, Partei und Staatssicherheit. Die Autorin legt jede Menge Spuren und Fährten, verleitet den Leser zu Spekulationen und hektischem Weiterlesen. Ich fand das recht spannend, obwohl mir die Häufung der Verbrechen und deren Vertuschung manchmal schon etwas übertrieben erschien. Der Countdown belehrt dann aber, schlimmer geht es immer. Heftig. Nach der letzten Seite denke ich, dass ein weiterer Band bestimmt schon in Arbeit ist.

Fazit: gute Krimiunterhaltung, ein paar Stereotypen, ein bisschen Übertreibung, geschichtliche Rückblicke, eine Mischung, die jedenfalls nicht langweilig war. Auflösung inklusive.

Bewertung vom 31.03.2024
Adler-Olsen, Jussi

Verraten / Carl Mørck. Sonderdezernat Q Bd.10 (2 MP3-CDs)


sehr gut

Ein sehr langes Krimi-Märchen
Carl Mørck vom Sonderdezernat Q geht bis an den Abgrund in diesem 10. und so verlautet es vom Autor, letzten Fall. Das Hörbuch ist sehr lang, sehr gedehnt, sehr gut gelesen, teilweise spannend, teilweise sehr an den Haaren herbeigezogen, teilweise unwahrscheinlich... Wie eigentlich alle neun vorherigen Fälle, die mal mehr, mal weniger aufregend waren. Mir haben die über 19 Stunden trotz der Kritik recht gut gefallen. Die Erzählstränge zu den verschiedenen Bösewichten sind unterschiedlich spannend, dass darunter auch mancher Polizist sein Unwesen tat oder tut, liegt in der Natur der Sache. Geld regiert eben doch bei Kriminellen die Welt, bei allen anderen auch, aber nicht so kriminell.

Wird Carl Mørck noch einmal wieder auftauchen in Jussi Adler-Olsens Krimiwelt? Ich vermisse die Leute vom Sonderdezernat Q heute schon... Ob der Autor diese Verlustgefühle seinen Fans ewig zumuten wird?

Fazit: Wer den 10. Fall liest, ist gut beraten, die anderen neun schon gelesen oder gehört oder gesehen zu haben, es gibt eine Menge Rückblicke, es tauchen auch altbekannte Figuren wieder auf. Spannend ist es mit und ohne Grundkenntnisse. Wolfram Koch macht seine Sache gut!

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