Benutzer
Benutzername: 
yellowdog

Bewertungen

Insgesamt 2186 Bewertungen
Bewertung vom 19.08.2021
Biller, Maxim

Der falsche Gruß


sehr gut

Dicht und intensiv

Der falsche Gruß von Maxim Biller ist ein kurzes, aber dichtes und intensives Buch. Sein Protagonist Erck Dessauer ist auf dem Weg Schriftsteller zu werden. Sein Fixstern ist sein Konkurrent, der erfolgrecihe Autor Hans Ulrich Barsilay. Wie viele von Maxim Billers Hauptfiguren ist auch Dessauer eine gequälte Seele, der am zeitgenössischen Zustand der Welt leidet. Maxim Biller gelingt eine Satire über den Literaturbetrieb.

Bewertung vom 18.08.2021
Nolan, Megan

Verzweiflungstaten


sehr gut

Ein besonderer Erzählton

Die Autorin erzeugt einen besonderen Erzählton, der vor allen durch die schonungslose Ichperspektive der Erzählerin entsteht.
Sie berichtet davon, wie sie Ciaran auf einer Ausstellung getroffen hatte und eine Beziehung mit ihm eingeht. Es wird eine leidenschaftliche, aber unheilvolle und ungleiche Beziehung, bei der sie Gefahr läuft, sich selbst zu verlieren.
Auch ihre persönlichen Eigenschaften erzählt sie wenig schmeichelhaft und lässt Promiskuität und Alkoholexzesse nicht aus.
Das verleiht dem Texte eine gewisse Härte.

Der Roman zeigt ein deutliches Bild einer Frau in gefühlsmäßig angeschlagener Lage und das mit bemerkenswerter Intensität.

Bewertung vom 16.08.2021
Chen, Te-Ping

Ist es nicht schön hier


sehr gut

Ist es nicht schön hier (Originaltitel Land of Big Numbers) ist ein Erzählungsband einer chinesischstämmigen, US-Amerikanischen Autorin.
Es sind 10 Stories über Menschen in China oder aus diesem Land emigrierte.
Prägend für die Geschichten ist meistens die persönliche, emotionale Erzählperspektive. Zum Beispiel in Lulu, die berührende Geschichte von Zwillingen, die erstmals im New Yorker erschien. Erzählt wird vom Bruder, aber im Mittelpunkt steht Lulu, die als Studentin Aktivistin wird. Das zieht Repressionen nach sich und Lulu landet in Haft. Erzählt werden aber mehr die Emotionen der Familie.

Eine weitere Geschichte, die mir auffällt, ist „Feldforschung, eine Ehe“, in der wird von der deutschen Ehefrau eines Chinesen erzählt, der mit 16 Jahren seine Heimat China verlassen hatte und doch vergangene Schuld nicht vergessen konnte.

Land der großen Zahlen ist die Titelgeschichte der amerikanischen Ausgabe.
Ist es nicht schön hier ist dann die Story, die den deutschen Buchtitel liefert.

Für relevant halte ich auch die letzte Geschichte „Gubeikou gibt nicht auf“, die einen grotesk-satirischen Ansatz hat. Sie erinnert mich an Romane von Jose Saramago.

Dieser Erzählungsband stellt die Menschen in den Mittelpunkt und nicht das System, das aber natürlich die Menschen stark beeinflusst.

Bewertung vom 15.08.2021
Zürcher, Tom

Liebe Rock


ausgezeichnet

Liebe Rock

versponnen

Wie schon in seinem Erfolgsroman Mobbing Dick hat der Schweizer Schriftsteller Tom Zürcher einen naiv-liebenswürdigen Protagonisten erschaffen. Dadurch entstehen rasend komische Szenen.
Timm, der als Untermieter bei Rock wohnt, in die er verliebt ist. Aber Rock hat schon einen Freund. Zu dem hat Timm eine freundschaftliche Konkurrenzbeziehung.

Timm hat das Gymnasium verlassen in der Hoffnung, Schriftsteller zu werden. Er schreibt von Hand in ein Wachstuchheft und durch seinen Vater bekommt er Kontakt zu einem sogenannten Verleger, der aber 20.000 Franken als Druckkostenzuschuß verlangt.

Timm ist der Prototyp eines Träumer, der sowohl in der Liebe und in der Literatur auf Erfolg hofft ohne adäquat etwas dafür zu tun.
Dennch spürt und teilt man die Sympathien des Autors für seine Figur und dessen Versponnenheit und Verspieltheit. Aber manchmal übertreibt Timm es und dann ist er fast infantil. Er trinkt zu viel und lässt sich zu Kurzschußhandlungen hinreißen.
Es gibt einiges an Situationskomik und absurde Szenen.
Tom Zürcher ist ein Meister der Ironie!

Bewertung vom 15.08.2021
Wolff, Michael

77 Tage (MP3-Download)


gut

Michael Wolff, der mir selbst mehr oder weniger wie ein Opportunist vorkommt, hat in kurzer Zeit schon 2 Bücher über Trump geschrieben. Dieses dritte Buch zeigt Trumps Wahlniederlage 2020 und seine Unfähigkeit diese klare Niederlage einzusehen und wie er seine Anhänger aufwiegelte.

Diese Zeit war ein Wechselspiel. Einerseits freut man sich auf ein vernünftiges Amerika mit einem fähigen Joe Biden als Präsident, andererseits der Schock, dass Trump doch noch so viele Stimmen bekam, das es lange eng aussah. Doch am Ende war das Ergebnis eindeutig.

Das Hörbuch wird von Alexander Gamnitzer gesprochen (vielleicht etwas zu getragen) und hat einen Unterhaltungswert, auch wenn das Thema überwiegend traurig ist.
Es wird aber auch viel belangloses oder überflüssiges abgehandelt.
Wenigstens wird klar, wie armselig und hoffnungslos die Klage wegen Wahlbetrug war. Auch der 6.Januar mit dem Sturm auf das Capitol wird detailliert behandelt.

Ich vermisse von Michael Wolff aber scharfsinnige politische Analysen, meist bleibt es beim Klatsch. Einfach zu sagen, Trump wäre crazy, ist ja wohl etwas schlicht. Die Ansprüche an ein politisches Sachbuch erfüllt er nicht.

Sich in die Nähe Trumps zu begeben und sei es nur durch ein Hörbuch, ist unangenehm. Am Ende fühlt man sich besudelt,

Bewertung vom 14.08.2021
Cueff, Vincent

Briefe an Lila


gut

Sammlung von Maximen

Nicht umsonst ist der Buch-Untertitel Die Suche nach dem Sinn des Leben.
Es ist ein Philosophie-Professor, der die Briefe an Lila schreibt bzw. deren erwidert. Dabei belehrt er sie über verschiedene Lebesnweisen bzw. Maximen, an der sie sich orintieren kann.
Es sind welche wie Memento mori, Carpe Diem, Sei wie Du bist usw.
Sorry, aber das ist alles nur geklaut. Vincent Cueff bedient sich aus altbekannten Weisheiten.
Begeistern kann mich das nicht. Es fehlt vor allen an Originalität.
Mich hätte mehr interessiert, was denn Lila mit all den Maximen macht.

Bewertung vom 13.08.2021
Stuart, Douglas

Shuggie Bain


sehr gut

Shuggies Geschichte

Shuggie Bain war ein überaus erfolgreiches, preisgekröntes Debüt.
Es ist ein interessantes Werk, aber nicht immer ganz einfach zu lesen.
Es werden die Achtziger und frühen Neunziger Jahre in Glasgow gezeigt, aber es wird nicht unbedingt chronologsch erzählt.

Hugh „Shuggie“ Bain ist ein guter Junge, aber seine Eltern Agnes und Shug versinken in ihren unzufriedenen Lebenszustand, dessen Alltag aus Alkohol und Gewalt besteht. Damit geht auch eine gewisse Hoffnungslosigkeit ein.
Daher habe ich die Abschnitte, die sich direkt um Shuggie drehen, mehr genossen, obwohl er es oft auch nicht einfach hat, besonders in der Schule, in der er gemobbt wird.
Schwere Zeiten ergeben sich für Shuggie, als es mit seiner selbstzerstörerisch veranlagten Mutter immer schlimmer wird. Es ist eine völlig dysfunktionale Familie und schließlich bleibt Shuggie mit seiner Mutter, die nicht vom Alkohol loskommt, allein. Das sind ziemlich tragische Szenen.

Douglas Stewart vermag zu formulieren und die Situationen eindringlich zu zeigen.

Bewertung vom 09.08.2021
Haig, Matt

The Comfort Book - Gedanken, die mir Hoffnung machen


gut

beliebige Gedanken

Matt Haig versammelt hier eine Reihe von Gedanken.
Auf Selbsthilferatgeber reagiere ich allergisch, weil da das Gefühl entsteht, hier würde jemand profitieren wollen. Das glaube ich bei Matt Haig aber nicht. Dennoch hätte ich wohl nie zum Buich gegriffen, wenn Matt Haig mir nicht durch hervorragende Romane bekannt wäre, wie Wie man die Zeit anhält und Ich und die Menschen.
Mein Eindruck am Ende ist, dass vieles beliebig bleibt. Die Hoffnung, die der Autor aus seinen Gedanken schöpft, stellt sich bei mir nicht ein. Mir wäre es auch lieber gewesen, wenn die Kapitel mehr Zusammenhang bzw. Bezug zueinander gehabt hätten.
Ein paar Kapitel bleiben aber doch, mit denen ich etewas fangen kann.
Ich mag zum Beispiel Matt Haigs Listen: die Playlist oder die Liste mit Filmen.
Außerdem sorgt Matt Haigs sorgfältiges Vorgehen beim Sxchreiben für eine gewisse Qualität.

Bewertung vom 08.08.2021
Fanto, Judith

Viktor


ausgezeichnet

Erzählerisch gestaltete Familienbiografie

Viktor von Judith Fanto ist eine gediegene Familiengeschichte jüdischer Herkunft. Es gibt zwei Handlungsebenen, einen 1914, der andere ca. 70 Jahre später.
Schon das Cover deutet auf das alte Wien hin und der Vergangenheitsteil des Romans liest sich teilweise wie ein klassischer Roman, was ich sehr angenehm fand.
Viktor, anfangs noch ein Junge, ist eine gute Hauptfigur, äußerst lebhaft und mitfühlend, auch ein Filou.Aber ist auch jemand, der die Verfolgung der Juden genau beobachtet, sich für andere einsetzt und Widerstand wagt.

Der moderne Handlungsteil liest sich anders. Er ist in den Niederlanden angesiedelt. Geertje beginnt über die Vergangenheit der Familie nachzuforschen. Schon jung liest sie in der Bibliothek Bücher über das jüdische Schicksal und befragt ihre Großeltern über Wien, Mahler und Viktor.
Musik ist in der Familie ein wichtiges Thema. Vielleicht hat das Buch daher auch eine gewisse Musikalität und viele Sätze einen besonderen Ton.
Später als Erwachsene nennt Geertje sich Judith und macht sich ernsthaft auf die Suche. Erstaunlich, wie sie sich hineinsteigert, aber es geht um die Suche nach ihrer Identität und das ist ein längerer Prozess.

Judith Fanto hat mit erzählerischen Mitteln ihre Familienbiografie geschrieben. Daher wirkt die Familiengeschichte stärker als wenn es ein biografisches Sachbuch wäre.

Bewertung vom 06.08.2021
Benrath, Nora

Eskalation


gut

Die Grundidee ist arg konstruiert und so glaube ich, im Ansatz mehr oder weniger von Hollywood entliehen. Eigentlich mag ich es nicht so, wenn man ohne Vorbereitung gleich von Anfang an in eine dramatsiche Situation geworfen wird. Das heißt aber nicht, dass der Plot keine Spannung erzeugt.
Durch regelmige Zeitangaben wird ein Tempo vorgelegt, dass Dringlichkeit erzeugt. Eine gewisse Thrillerqualität ist spürbar.
Schon früh im Roman kommt es zum Polizistenmord. Es ermittelt Kommissar Gerd Kaarst, der sich nicht viel von anderen Kommissaren des Genres unterscheidet. Da hätte ich mir mehr Originalität gewünscht.
Die Figuren halte ich für relativ oberflächlich. Das fällt stark auf, da die Autorin dicht an den Figuren erzählt und deren Gedanken beschreibt. Dafür hat sie ein Gespür für dramatische Szenen.
Doch de Auflösung am Ende ist nicht überzeugend.
Fazit: durchwachsen! Starke und mittelmäßige Elemente halten sich die Waage.