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Leseigel
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Villingen

Bewertungen

Insgesamt 1136 Bewertungen
Bewertung vom 15.07.2018
Flade, Tatjana

Herz im Fadenkreuz


ausgezeichnet

Kann man einen Mörder lieben ?
Esther ist eine ganz normale junge Frau, die studiert und mit ihren Freunden abhängt. Und natürlich spielt auch die Liebe eine wichtige Rolle. Als Esther in einem Lokal von einem Mann belästigt wird, kommt ihr der Sportstudent Lys zur Hilfe.Esther verliebt sich in ihn. Und auch Lys scheint starke Gefühle für Esther zu empfinden. Wenn sie zusammen sind, ist alles gut, aber Lys verschwindet oft unvorhergesehen. Und welche Rolle spielt sein bester Freund Jörg, mit dem er sich eine Wohnung teilt ?Nicht nur Lys Verhalten beunruhigt Esther, sondern auch die steigende Zahl von politisch motivierten Attentaten. Bei einem Bombenanschlag auf den Bonner „Pützchen Markt “ kann Esther nicht länger die Augen vor der Wahrheit verschließen. Lys ist offensichtlich ein Terrorist. Kann man Liebe einfach abschalten , wenn man den Falschen liebt ? Esther steht vor einer schweren Entscheidung.
Während der gesamten Lektüre war ich fasziniert von den beiden unterschiedlichen Lebenswelten, die die Autorin vor dem Leser ausbreitet. Auf der einen Seite Esther, eine junge fröhliche Studentin, die sich in den charmanten, etwas geheimnisvollen Lys verliebt. Sie machen gemeinsam Sport, lernen die gegenseitigen Eltern kennen und schweben auf Wolke sieben. Der Gegenentwurf ist Lys Leben mit seinem Freund Jörg. Völlig emontionslos werden Attentate geplant, durchgeführt und analysiert. Der Autorin gelingt es, dadurch eine ganz besondere Spannung auf zu bauen, da man als leser fest damit rechnet, dass Lys Doppelleben nicht lange gut gehen kann. Gleichzeitig fand ich Lys, wenn er bei Esther ist, sehr sympathisch und liebenswert. im Gegensatz zu seiner Person als emotionslos plannender Mörder. Esther fand ich zeitweise fast zu naiv. Sie schiebt alles, was ihre heile Welt bedroht, erstmal zur Seite.Trotzdem habe ich mir gewünscht, dass die Liebe der beiden eine Chance hat. Das Buch lässt das offen.Einer der Pluspunkte der Geschichte, die in meinen Augen sehr lesenswert ist, ist auf jeden Fall , dass die Autorin den terroristen Lys als normalen Menschen schildert und ihn nicht nur auf seine kriminellen Taten reduziert.

Bewertung vom 12.07.2018
Schwendele, Peter

Verkaufte Erleuchtung


ausgezeichnet

Mord im Sannyasin - Paradies

Eine junge Frau liegt tot in der Lauter in der Nähe von Ulm. Sie lebte seit ein paar Tagen auf einem Bauernhof, der von Sannyasins bewirtschaftet wird. Der jungen Ulmer Kommissarin Zita wird zusammen mit ihrem Chef Hector und dem Kollegen Benz die Morduntersuchung übertragen. Die Mordermittlungen gestalten sich schwierig, denn die Sannyasins sind nicht besonders auskunftsfreudig und haben andere Wertevorstellungen. Besonders Hektor hat bereits sein Urteil gefällt und tritt dem Anführer der Gruppe Namito alles andere als vorurteilsfrei gegenüber. Zugleich ärgert er sich über seine jungen Kollegin Zita, die er insgeheim als Quotenfrau bezeichnet und die auch andere Spuren verfolgen möchte und dies auf eigene Faust tut. In den Focus gerät der Bauer, der den Sannyasins Hof und Grund verpachtet hat und dem Alkohol mehr zuspricht, als ihm gut tut. Oder liegen die Gründe für die Tat in der Zeit, als Bhagwan noch lebte ? Die Ermittler geraten unter Druck, als sich die Ereignisse auf dem Bauernhof überschlagen.
Die Geschichte ist ein unterhaltsamer Regionalkrimi, der sich im nicht alltäglichen Umfeld der Sannyasins abspielt. Die Älteren können sich vielleicht noch an die orange gekleideten Anhänger mit der Mala um dem Hals im Stadtbild erinnern. Der Autor nutzt den ungewöhnlichen Rahmen, um die Geschichte der Bewegung ins Gedächtnis zu rufen und einen Teil der zugrunde liegenden Philosophie darzustellen. Interessant fand ich die Person Zita, die sich als „Quotenfrau“ in einem Männerteam durchsetzen muss. Am meisten mochte ich den Kollegen Benz, der versucht zwischen Hector und Zita ausgleichend zu wirken. Hektor war mir dagegen mit seinen Vorurteilen und schroffen Art eher unsympathisch.
Am Ende gibt es in meinen Augen nur Verlierer. Da ist die Auflösung des Falles fast Nebensache.

Bewertung vom 11.07.2018
Krächan, Brigitte

Heute keine Schüsse


ausgezeichnet

Geschichte in unterhaltsamer und verständlicher Form
Das Buch schildert die Ereignisse im Zeitraum vom Sommer 1914 bis mitte November 1933. Der Chronist Walter Schachtschneider berichtet in Tagebucheintragungen über sein Leben als Soldat im 1. Weltkrieg und die täglichen Ereignisse in Berlin, wo er nach einer Kriegsverletzung in einer Kunstgalerie tätig ist. Wir erleben mit ihm die Schrecken des Krieges, die chaotischen Verhältnisse nach Ende des Krieges, den schweren Start der Weimarer Republik so wie deren Niedergang im Gleichschritt mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten.
Ich habe das Buch regelrecht verschlungen. Dadurch, dass Walter historische Geschehnisse mit seinen persönlichen Erfahrungen und Ereignissen in seiner Familie verknüpft, werden geschichtliche Fakten mit Leben erfüllt. Beispielhaft sind seine Erlebnisse im Schützengraben, die nicht nur die Zahl der Toten nennen, sondern dem Grauen ein Gesicht geben. Genauso lebendig sind die Bilder, die das allmähliche Infiltrieren des Alltags durch die NSDAP zeigen und gleichzeitig das langsame Sterben der Weimarer Republik verdeutlichen. Unfassbar für mich die Gewalt, die in den Nachkriegsjahren auf Berlins Straßen zuhause war, weil sich die unterschiedlichen politischen Gruppierungen in Straßenkämpfen verstrickt haben, anstatt demokratische Lösungen zu suchen. Für mich waren die Erwähnungen gesellschaftlicher und kultureller Ereignisse eine zusätzliche besondere Freude wie die Geschichte vom „Eisernen Gustav“ oder die Aufführung des Kinofilms „“ Die Biene Maja “. Positiv fand ich auch, dass Walter in seiner Rolle als Chronist zwar die Ereignisse in meist knappen Schlaglichtern schildert und erwähnt welche Auswirkungen sie auf ihn und seine Familie haben, aber er gibt vordergründig kein Werturteil ab, so dass man sich sein eigenes Urteil bilden kann. Für mich ein unterhaltsames und informatives Buch, das so wohl vergnügliche Lesestunden bereitet, aber auch zum Nachdenken anregt. Bitte mehr davon !

Bewertung vom 04.07.2018
Dorra, Simone

Römermaske


ausgezeichnet

Tod eines Archäologieprofessors
Kommissar Malte Jacobsen von der Waiblinger Kripo besucht gemeinsam mit Lukas von Weyen das Römerkastell in Welzheim. Zufällig findet Jacobsen in einem Brunnen der Anlage die Leiche von Simon Adlersfeld, ein Experte für römische Militärhistorie. Er war in Welzheim, um die Echtheit einer kürzlich aufgefunden Römermaske zu prüfen, die für Aufsehen gesorgt hatte. Hängt der Mord mit der Maske zusammen oder liegt das Motiv im Privatleben des Professors ? Der Vorsitzende des ansässigen Römervereins Häger gerät in Verdacht. Sein Ansehen profitiert vom Maskenfund und seine russische Ehefrau scheint sich sehr intensiv um den Professor gekümmert zu haben.. Eifersucht als Tatmotiv ? Oder hatte Häger Angst, dass die Maske als Fälschung enttarnt wird und er dadurch zum Gespött der Leute wird. Wer hat dann die Maske hergestellt ? Ist der Fälscher der Mörder ? Jacobsen und seine Kollegin Melanie stechen mit ihren Ermittlungen in ein Wespennest von Eifersüchteleien und falschen Verdächtigungen. Die Lage spitzt sich zu, als Lukas, der Jacobsen unbedingt bei der Aufklärung des Mordfalls helfen will, spurlos verschwindet und gleichzeitig eine verbrannte Leiche gefunden wird.
Der Krimi hat mich absolut begeistert. Die Handlung spielt rund um das Römerkastell von Welzheim und somit im tiefsten Schwaben. Das gibt der Autorin die Möglichkeit etwas über die römische Vergangenheit zu erzählen und zu wunderbaren schwäbischen Dialogen der dortigen Bewohner. Jacobsen ist ein sympathischer und sehr integrer Mensch, der nicht nur seinen Fall sieht, sondern auch die Menschen. An seiner Seite ermittelt die ruhige Melanie, für die Jacobsen etwas mehr als Kollegialität empfindet. Die Auflösung des Falles hat mich überrascht und überzeugt. Obwohl es in der Geschichte in meinen Augen eine sehr tragische Figur gibt, liest sich der Krimi auch sehr humorvoll. Mich haben sowohl die Handlung als auch die handelnden Personen restlos überzeugt.

Bewertung vom 01.07.2018
Pfeiffer, Mara

Im Schatten der Arena


sehr gut

Mord oder doch ein tragischer Unfall ?
Die alleinerziehende Journalistin Jo lebt mit ihrem Sohn Luca in Mainz. Ihr bester Freund und Arbeitskollege ist der Sportjournalist Jonas. Als Jonas bei einem Autounfall ums Leben kommt, ist Jo am Boden zerstört. Doch allmählich kommen ihr Zweifel an der Unfalltheorie und sie beginnt nach zu forschen, zu welchen Themen Jonas zuletzt recherchiert hat. Bei ihrer Suche stößt sie auf umfangreiche Dossiers zu Spielern von Mainz 05 und einem Spielerberater. Liegt hier ein Mordmotiv oder verrennt sie sich, wie alle anderen glauben ? Als Jos Sohn Luca aus dem Kindergarten verschwindet, ist ihr klar, dass sie in ein Wespennest gestochen hat.
Der Krimi, der im weiteren Umfeld von Mainz 05 spielt, hat mir gut gefallen. Aber keine Angst, auch Nicht-Fußball-Fans können das Buch lesen. Die Thematik, um die es geht, ist aktuell und wird es wohl noch lange bleiben. Verraten wird es nicht, denn dann wäre die Spannung weg. Jo war mir nicht restlos sympathisch. Für sie spricht, ihr vorbildlicher und liebvoller Umgang mit ihrem Sohn Luca, ihre aufrichtige Trauer um Jonas und ihre Hartnäckigkeit bei der Aufdeckung der wahren Gründe für den Unfall. Und genau hierin liegt auch meine Kritik begründet. Jo zieht ihr Ding durch ohne Rücksicht auf andere, bringt sogar ihre beste Freundin in berufliche Schwierigkeiten und stößt jeden vor den Kopf, der ihr über den Weg läuft. Empathie zählt eindeutig nicht zu ihren Stärken. Der Schluss kam für mich zu unvermittelt. Die eine oder andere Frage hätte ich gerne noch beantwortet gehabt. Vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung.

Bewertung vom 29.06.2018
Sveen, Gard

Der einsame Bote / Kommissar Tommy Bergmann Bd.3


gut

Verwirrspiel um einen Mörder und eine obscure Sekte
Kommissar Tommy Bergmann ist besessen davon, die 13jährige Amanda zu retten. Sie wurde vor einigen Wochen entführt und seitdem fehlt jede Spur von ihr. Die Osloer Polizei hält sie für tot. Ihr mutmaßlicher Entführer Jon-Olav Farberg wurde ebenfalls tot aufgefunden, allerdings bis zu Unkenntlichkeit verbrannt. Für die Osloer Polizei ist der Fall damit abgeschlossen. Nicht für Bergmann ! Er ist fest davon überzeugt, dass beide noch am Leben sind. gegen die Anweisungen seines Vorgesetzten ermittelt er weiter. Da nimmt Morten Hogda, ein Bekannter Farbergs, Kontakt mit ihm auf. Hogda fühlt sich bedroht und zeigt Bergmann zwei Postkarten aus Vilnius, die möglicherweise von Farberg stammen. Bergmann macht sich auf nach Litauen. Inzwischen kümmert sich seine Kollegin Susanne Bech um eine verstümmelte Frauenleiche. Auch hier scheint der tot Farberg beteiligt zu sein. Alle Spruen führen zu einer alten Sekte, die in Litauen existieren soll. Deren Mitglieder glauben, dass die Heirat mit einem jungen Mädchen, das im Zeichen des Widder geboren wurde, die Erlösung von allen Sünden bringt. Dies trifft auf Amanda zu. Das Mädchen darf keine 14 Jahre alt sein und Amanda feiert in wenigen Tagen ihren 14. Geburtstag. Bergmann muss sich beeilen.
Das Buch bietet alles, was man von einem nordischen Krimi erwartet : ein Kommissar, der mit erheblichen dienstlichen und privaten Problemen kämpft, ein möglicherweise verrückter Täter und dazu die menschenleeren Landschaften des Nordens. Ein erheblicher Teil der Spannung liegt darin, dass man nicht weiß, ob der vermeintliche Täter tot ist und ein Nachahmungstäter die Morde begeht. Das Ende hat mich nicht überzeugt, weil für mich die Handlung nicht nachvollziehbar war und viele Fragen offen bleiben. Mein größtes Problem war wohl, dass ich das Vorgängerbuch nicht gelesen habe. Im Grunde wird die Handlung aus dem letzten Buch wieder aufgenommen. Es sind die gleichen Beteiligten und die Ereignisse und die Gedanken von Bech und Bergmann nehmen oft Bezug auf die Vergangenheit. Für mich blieb dadurch manches unverständlich oder ich musste es mir zusammen reimen, was das Lesevergnügen sehr eingeschränkt hat.

Bewertung vom 21.06.2018
Monti, Olivia

Der Pflegefall


sehr gut

Wer ist Opfer, wer ist Täter ?
Der Klappentext zum Buch ist eine exzellente Inhaltsangabe und gibt die Geschichte sehr gut wieder. Aus diesem Grunde ist eine erneute Schilderung der Geschehnisse meinerseits nicht erforderlich.
Die Ereignisse werden in der Ich-Form aus der Sicht der Pflegerin Anna erzählt. Dadurch erhält man Kenntnis über ihre Ängste, Erwartungen und Gefühle. Über die anderen Personen erfährt man nur, was Anna wahr nimmt, so dass deren Persönlichkeit und Beweggründe bruchstückhaft und durch Annas Empfinden gefärbt sind. Ann a war mir nicht völlig sympathisch. Ihre Entscheidungen waren für mich nicht immer nachvollziehbar. Zum Beispiel wird sie durch Brunt gedemütigt und fürchtet um ihr Leben und bleibt dennoch im Haus.
Der Autor ist es gut gelungen, die Personen nicht schwarz-weiß zu zeichnen. Meine Sympathie war schwankend, je nachdem, ob ich die Person für ein Opfer oder Täter hielt. Die Zuordnung wechselte im Verlauf der Geschichte. Für mich liegt in diesem Wechselbad der Gefühle die Stärke des Romans. Ich würde ihn auch nicht unbedingt als Krimi bezeichnen. Wer einen klassischen Kriminalroman erwartet, wird deshalb sehr enttäuscht sein.