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S.
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Berlin

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Insgesamt 1186 Bewertungen
Bewertung vom 24.03.2020
Mooney, Dan

Im Ernstfall keine halben Sachen (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Joel hat das Leben satt, so richtig satt. Seine geliebte Frau ist gestorben und das Altenheim Hilltop ist auch nicht ideal: Doppelzimmer mit einem Komapatienten, Tochter und Enkel kommen nur zu Pflichtbesuchen und Heimleitung und Pfleger bevormunden die Insassen. Also wird er seinem Leben ein Ende setzen. Nur: wie? Stilvoll, aussagestark soll das sein. Dann stirbt auch noch der so angenehm ruhige Zimmergenosse und Frank zieht ein. Der ist ständig gut gelaunt, bei Jedermann beliebt, ehemaliger Soapdarsteller.
Allerdings hat er auch eine sensible, verletzliche Seite, die er jedoch nur selten zeigt. Jetzt aber geht die Lucie ab: die zwei Gentlemen hecken da etwas aus....
Dan Mooney hat einen anrührenden Roman über die Sorgen älterer Menschen verfasst. Absolut glaubhaft, sogar erschreckend, erfährt man viel über das Leben in (Englischen) Altenheimen. Die übergroße Sorge um Verwandte veranlasst Angehörige und Pflegepersonal, die Älteren zu bevormunden, sogar einzusperren. Eine schreckliche Vorstellung. Damit soll sich Joel arrangieren, tut er das nicht, droht Verlegung in ein Pflegeheim, wo er noch mehr eingeschränkt wird. Ist Selbstmord der einzige Ausweg?
Sehr feinfühlig geschriebener, nachdenklich machender Roman aus dem Harper Collins Verlag.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.03.2020
Langen, Annette;Sönnichsen, Imke

Die kleine Motzkuh


ausgezeichnet

Bisher kannte ich weder die Motzkuh noch ihre Gefährten wie das Quengelmonster, den Brüll-Löwen oder das Meckerschaf. Alle sind unter anderem Namen häufiger anzutreffen, nie erwünscht und gern verabschiedet. Mit dem tollen Buch „Die kleine Motzkuh“, ausgedacht und aufgeschrieben von Annette Langen und mit Bildern von Imke Sönnichsen, hat man eine sehr schöne Geschichte dazu. Im Buchdeckel ist das beschriebene Wesen als griffige Spielfigur vergegenständlicht und kann im Ernstfall aus dem Fenster geworfen, in den Abfalleimer gesteckt oder in ein Schrankfach gestopft werden ( bitte nur antäuschen, ein dauerhafter Verlust wäre schade). Eine Superidee, die dem bockigen Nachwuchs aus der Situation hilft. Dazu kann man das Lied von der ersten Buchseite singen oder summen, das beruhigt ungemein. Natürlich muss vorher der Zusammenhang erklärt werden, und das gelingt mit diesem Buch wunderbar. Kurze Texte auf den Buchseiten wecken Neugier, machen verschiedene „schwierige“ Situationen nachvollziehbar und zeigen, das Jeder mal schlechte Laune bekommen kann. Dass Oma jetzt erst mit der neuen Lesebrille etwas entdeckt, macht die Geschichte ausserdem spannend. Die dazugehörigen Zeichnungen sind ebenfalls sehr gelungen. Bunt, lustig, deutlich. Die halbe Klappseite ist eine zusätzliche originelle Idee.
Meine Maus und ich finden das Buch super. Sicher wird es oft erwähnt, die Kuh wird wohl häufig zum Einsatz kommen.
Schöne Ergänzung: Elterntipps am Buchende.

Bewertung vom 12.03.2020
Taubert, Greta

Guten Morgen, du Schöner (eBook, ePUB)


sehr gut

Ossi-Männer sind dumm, rückständig, tätowiert, haben stets ein Bier in der Hand. Eben nicht! Um diesem Vorurteil entgegenzutreten, hat Greta Taubert in Anlehnung an die genialen Erzählungen von Maxie Wander ihr Buch: „Guten Morgen, du Schöner“, herausgebracht. Sie interviewt Männer, die in Ostdeutschland geboren wurden und zeigt deren vielfältige Lebensverhältnisse, ihre Gedanken und Ansichten. Ja, auch den Klischeehaften mag es geben, hier kommt er nicht vor. Junge, Ältere, Erfolgreiche, Arbeiter, Unternehmer, Künstler - sie alle erzählen sehr offen über ihr Aufwachsen unter DDR-Verhältnissen, die Prägung ihrer Eltern, die Selbstverständlichkeit der arbeitenden Frauen und die Auswirkungen auf ihre eigene Entwicklung. Glaubhaft, anschaulich, in vielfältiger Bandbreite und nie entblößend oder verletzend veröffentlicht Frau Taubert die Ergebnisse ihrer Recherche. Geschickt formulierte Fragen bringen ihre „Schönen“ zu ehrlichen Aussagen zu ihrem Leben.
Eine Pause nach jedem Bericht muss sein, das Gelesene will überdacht werden. Schön, dass vor jeder neuen Episode kurz erklärt wird, wie der Befragte gefunden wurde.
Interessanter und authentischer Stoff aus dem Aufbau Verlag.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.03.2020
Franz, Mona

Schwarzwälder Kirsch / Christa Haas Bd.1 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Christa ist 72, aber doch nicht alt! Denkt sie. Allerdings findet sie sich überraschend im Betreuten Wohnen wieder, soll dort eine Hüftoperation ausheilen lassen. Nur für kurze Zeit. Denkt sie.
Spannend wird es, als ein ehemaliger Mitschüler, sehr erfolgreich, in seinem eigenen Garten verbrannt wird. Natürlich hat Niemand etwas gesehen. Ein junger Ermittler soll den Mörder enttarnen. Das möchte Christa, Kriminalhauptkommissarin a.D. auch. Sie entdeckt so einiges.
Der Leser nicht. Unterhaltsam wird das ach so beschauliche Leben in dem kleinen Schwarzwaldörtchen mit seinen teils leicht schrulligen Einwohnern geschildert. Besonders mochte ich den Backclub der „Sahneschnitten“.
Heim- und Dorfbewohner sind sympathisch, nervig, unzufrieden, lokalpatriotisch, haben Vorlieben und Schwächen wie Hinz und Kunz. Langsam wird klar, dass der charismatische Bertie doch nicht bei allen beliebt war.
Ich kann mir das beschauliche Maria Brunn mit seinen Menschen so richtig vorstellen. Mona Franz beschreibt authentisch, fügt richtungsweisende Rückblicke ein, hat einen gut zu lesenden Kriminalroman verfasst. Feine, unaufgeregte Lektüre aus dem Ullstein Verlag.

Bewertung vom 26.02.2020
Colgan, Jenny

Wo das Glück zu Hause ist / Happy Ever After Bd.1 (eBook, ePUB)


sehr gut

Nina Redmond, verhuscht, schüchtern, mehr der Typ Bücherwurm, ist Bibliothekarin. Gern sogar. Allerdings geht auch in ihrer kleinen Stadt das Bibliothekensterben voran und neue Jobs sind rar. Als in Schottland ein ausrangierter Bus zum Verkauf steht, ergreift sie ihre Chance und möchte einen fahrenden Bücherladen eröffnen. Jetzt aber fangen die Schwierigkeiten erst an: Genehmigungen, Stellplätze, Logistik, mürrische Einheimische, Geldsorgen....
Jenny Colgan hat eine romantische und humorvolle Geschichte geschrieben, ihre Protagonisten durchaus sympathisch, wenn auch mit kleinen Schwächen dargestellt, lässt sie in Fettnäpfchen tappen und großherzig sein, vergisst auch kleingeistige Charaktere nicht und - natürlich- spielt auch die Liebe eine Rolle. Sieh mal an, auch das Dorfleben bietet so Einiges, schottische Männer sind einfach toll!
Anfänglich ein wenig langweilig, wird diese Geschichte fluffig, unterhaltsam und liest sich gut.

Bewertung vom 26.02.2020
Meyer, Kai

Serafin. Das kalte Feuer / Merle-Zyklus Bd.4 (eBook, ePUB)


sehr gut

Wenn monatlich Venedigs Kanäle austrocknen, wühlt Serafin nächtens im Schlamm, um Schätze zu finden. Das ist verboten und gefährlich, aber er braucht das Geld für seine kranke Mutter und für sich. Auf seiner Suche findet er zwei bewusstlose Mädchen und wird von seiner fliegenden Katze(!) überredet, wenigstens eine davon vor der Obrigkeit zu retten. Wen hat er sich damit eingefangen?
Eine abenteuerliche Geschichte nimmt hier ihren Anfang, die Gerettete möchte unbedingt ihre Freundin befreien. Sie bringt Serafin durch Spiegel sowohl vor dem nahenden Wasser als auch vor der Garde in Sicherheit, eine neue Welt offenbart sich. Das Spiegellabyrinth, die Freundin mit den Spiegelaugen, boshafte Glasmacher, vergessene Götter, heimtückische Kartographen, seltsame Doppelgänger, goldene Katzen und mehr verändern Serafins Leben. Zum Besseren?
Das wird in dieser Fantasygeschichte farbig beschrieben, viel passiert, unglaubliche Geschehnisse werden geschildert. Kai Meyer verwirrt seine Helden und lässt seine Leser über so manches im Unklaren. Nichtsdestotrotz ist das „Kalte Feuer“ unterhaltsam und lässt Gedankenspielereien zu.
Neuartiges aus dem Hause Sauerländer.

Bewertung vom 18.02.2020
Kreimeyer-Visse, Marion

Wieso? Weshalb? Warum? Mein junior zum Hören, Band 2: Einsatzfahrzeuge


ausgezeichnet

„Einsatzfahrzeuge“ faszinieren nicht nur kleine Menschen. Dieses Junior-Hörbuch ist sehr anschaulich gemacht, die Soundeffekte von Feuerwehr, Polizeiauto und Krankentransport sowie die Darstellung des Rettungshubschraubers begeistern. Zunächst alltäglich erscheinende Situationen sind übersichtlich dargestellt, der Clou ist, dass mit Klappen verdeutlicht wird, wie die Situation voranschreitet und somit der Handlungsablauf Augenblicke später nachvollziehbar ist.
Schön erklärt, kindgerecht einfach gezeichnet und neugierig machend hat Ravensburger ein spannendes und tolles Buch für Zwei- bis Vierjährige verlegt. Die Seiten wirken stabil. Mögliches Manko: die Klappen könnten bei häufigem Gebrauch reißen.

Bewertung vom 17.02.2020
McLean, Peter

Priest of Bones


ausgezeichnet

Eine wahrhafte Hau-drauf -Truppe treibt ihr (Un)-wesen im fiktiven Ellinburg. Tomas Piety, der Anführer der Ex-Söldner, kommt mit eben diesen nach brutalen Schlachten im Namen der Königin schwer traumatisiert nach Hause und muss feststellen, dass sein Gaunerimperium von der Konkurrenz übernommen wurde. Mit viel Blutvergießen, geschickten Strategien, etwas Magie und der Hilfe seiner Kumpane macht er sich daran, seinen Besitz zurückzuerobern. Und das, obwohl er inzwischen Priester geworden ist.
Peter McLean hat eine absolut spannende Fantasygeschichte verfasst. Mannigfaltige Charaktere gehören zu Tomas‘ Trupp. Stark, dumm, raffiniert, clever, bauernschlau, loyal, geldgierig, treu, kämpferisch - alle Eigenschaften sind vertreten, McLean lässt sie durch seinen Helden perfekt nutzen. Dadurch gewinnt der eine Menge. Dennoch gibt es eine Figur, die sogar diesen Tomas streng steuert. Weitreichende Ziele werden angestrebt.
So wird Politik gemacht!
Gaunerehre, Korruption, Kämpfe, Rücksichtslosigkeit und Intrigen bestimmen die Handlung. Spannung, Unterhaltung und das schöne Gefühl, nicht in Ellinburg zu leben, machen dieses Buch zu einem phantastischen Lesevergnügen.

Bewertung vom 13.02.2020
Colombani, Laëtitia

Das Haus der Frauen


ausgezeichnet

Solène ist erfolgreich, gut situiert und attraktiv. Beneidenswert? Nein, der Erfolg fordert einen hohen Preis, sie erleidet einen Burn-Out. Alles ist zu viel, alles nervt, jede Motivation ist dahin, Tabletten sind unerlässlich. Der Rat sich sozial zu engagieren, scheint dumm. Und dann auch noch in einem Frauenhaus? Nein!
Ein Versuch soll es sein, etwas Lohnendes entwickelt sich. Solène lernt im Palast der Frauen unterschiedlichste Schicksale kennen, alle Bewohnerinnen haben Schweres erlebt, jede Biographie ist erschütternd. Die „Strickerin“, die Serbin, eine von den Tatas, die Dame mit den Taschen, Salma, Iris; alle sind Frauen mit eigener Geschichte.
Aber: lohnt sich der Kampf um zwei Euro, um ein Autogramm der Queen, um die Liebe eines weit entfernten Kindes? Kann Solène mit ihrem Geschreibsel etwas bewirken?
Auf zweiter Ebene wird Blanche gewürdigt. Ihr Kampf um soziale Gerechtigkeit, um Anerkennung der Arbeit der Heilsarmee, von der hier wenig bekannt ist, wird emotional beschrieben. Welch eine bewunderungswürdige Frau! Selbstlos, engagiert, hartnäckig gelingt es ihr, aus einem ehemaligen Heim für alleinstehende Männer, einem prächtigen Gebäude mit 743 Zimmern, einen Palast für Frauen zu erschaffen. Zimmer mit 3x4 Metern, aber für jede Frau eines plus Gemeinschaftsräumen und Betreuung, welch eine Errungenschaft für Obdachlose, Verfolgte , Geprügelte!
Wunderschön geschrieben, faszinierend, beeindruckend hat sich Laetitia Colombani der Geschichte eines besonderen Hauses, einer Kämpferin für die Grundrechte der Unterdrückten und einiger Frauen, die symbolisch für viele von ihnen stehen, angenommen.
Sehr lesenswert, ausserdem schön gestaltet.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.