Benutzer
Benutzername: 
Dana

Bewertungen

Insgesamt 98 Bewertungen
Bewertung vom 28.12.2025
Herron, Mick

Down Cemetery Road


weniger gut

In Oxford verschwindet ein kleines Mädchen, und die Privatermittlerin Zoë Boehm übernimmt die Ermittlungen. Der Fall zieht mehrere Bewohner der Nachbarschaft in Mitleidenschaft, insbesondere die Hausfrau Sarah Tucker.

Ich habe "Down Cemetery Road" mit recht hohen Erwartungen gelesen. Mick Herron ist bekannt für seine scharf gezeichneten Figuren und seinen trockenen, oft sehr treffenden Humor. Der Einstieg klang vielversprechend. Die Privatermittlerin Zoë Boehm ermittelt in Oxford, ein kleines Mädchen verschwindet. Eigentlich beste Voraussetzungen für einen spannenden, atmosphärischen Kriminalroman.

Leider hat mich das Buch insgesamt eher enttäuscht. Zwar ist Zoë Boehm offiziell die Hauptfigur, doch sie bleibt über weite Strecken erstaunlich distanziert und präsent nur am Rand. Stattdessen nimmt die Geschichte um die Hausfrau Sarah Tucker immer mehr Raum ein. Zeitweise hatte ich sogar den Eindruck, dass Sarah die eigentliche Hauptfigur ist. Eine Entscheidung, die ich nicht wirklich nachvollziehen konnte und die für mich den Fokus der Geschichte abgeschwächt hat. Dazu konnte ich weder zu der einen Frau noch zu der anderen eine Verbindung aufbauen und konnte mit ihnen nicht warm werden. Auch die Spannung konnte mich nicht dauerhaft halten. Das Verschwinden des Kindes ist zwar ein ernstes und emotionales Thema, doch die Geschichte schafft es nur selten, daraus echten Nervenkitzel zu entwickeln. Viele Passagen ziehen sich, und gerade dort, wo ich mir Tempo gewünscht hätte, bleibt die Handlung überraschend ruhig oder verliert sich in Nebensächlichkeiten.

Hinzu kommen einzelne Szenen und Wendungen, die auf mich übertrieben wirkten. Statt die Geschichte zu verdichten, haben sie mich eher aus dem Lesefluss gerissen. Herrons Stil blitzt zwar immer wieder auf, doch diesmal trägt er für mich nicht durch den gesamten Roman. Am Ende blieb bei mir das Gefühl zurück, dass "Down Cemetery Road" mehr hätte sein können. Die Ausgangsidee ist stark, das Setting interessant, doch die Gewichtung der Figuren und der fehlende Spannungsbogen haben mir den Lesegenuss deutlich geschmälert. Es ist kein schlechtes Buch, aber gemessen an meinen Erwartungen und an Herrons Möglichkeiten schlicht zu wenig.

Fazit: Solide Ansätze, interessante Figuren, aber wenig Spannung und ein irritierender Fokus. Für mich insgesamt enttäuschend.

Bewertung vom 22.12.2025
Rubin, Franziska

Meine Gesundheitsretter aus der Natur gegen Bauchfett


gut

Ich habe mir von diesem Buch deutlich mehr versprochen, vor allem aufgrund des Titels. "Gesundheitsretter aus der Natur" klingt nach einem klaren Fokus auf natürliche Mittel, Ernährung und einfache, alltagstaugliche Lösungen gegen Bauchfett. Genau das habe ich jedoch nur teilweise gefunden. Der Titel ist für mein Empfinden irreführend, da der Schwerpunkt weniger auf natürlichen Rettern liegt, sondern vielmehr auf einem allgemeinen, ganzheitlichen Gesundheitskonzept, das viele Bereiche streift, aber nicht konsequent beim Thema Natur bleibt.

Das Buch ist sehr informationsreich, teilweise sogar zu sehr. Es wirkt stellenweise überladen mit Erklärungen, Hintergrundwissen und allgemeinen Gesundheitstipps. Dadurch geht für mich der rote Faden verloren, und ich hatte öfter das Gefühl, dass weniger mehr gewesen wäre. Einige Inhalte wiederholen sich oder werden unnötig ausführlich dargestellt, während andere Aspekte zu kurz kommen.

Besonders enttäuscht war ich von der geringen Anzahl an Rezepten. Gerade bei einem Buch, das sich mit Bauchfett und Gesundheit beschäftigt, hätte ich mir deutlich mehr konkrete, umsetzbare Rezeptideen gewünscht. Stattdessen bleibt es häufig bei theoretischen Ansätzen und Empfehlungen. Positiv hervorheben möchte ich dennoch die Sprache. Das Buch ist einfach und verständlich geschrieben. Auch komplexere Zusammenhänge werden so erklärt, dass sie gut nachvollziehbar sind. Für Einsteiger im Bereich Gesundheit und Ernährung kann das durchaus hilfreich sein.

Fazit: Insgesamt hat mich das Buch nicht überzeugt, aber auch nicht komplett enttäuscht. Es enthält einige gute Ansätze und Denkanstöße, erfüllt jedoch nicht die Erwartungen, die der Titel weckt, und bietet mir persönlich zu wenig praktische Umsetzung.

Bewertung vom 16.12.2025
Julia Georgallis

How to eat your christmas tree


weniger gut

Als ich von "How to Eat Your Christmas Tree" gehört habe, war ich sofort begeistert. Die Idee, den Weihnachtsbaum nach den Feiertagen nicht einfach zu entsorgen, sondern ihn auf kreative und essbare Weise weiterzuverwenden, klang originell, mutig und vor allem nachhaltig. Gerade in einer Zeit, in der Umweltbewusstsein immer wichtiger wird, hat mich dieses Konzept sehr angesprochen.

Beim genaueren Hinsehen hat mich die Umsetzung jedoch zunehmend enttäuscht. Zwar wird der nachhaltige Gedanke konsequent verfolgt, doch viele der vorgestellten Ideen wirken auf mich eher theoretisch als wirklich praktikabel. Ich hatte mir konkretere, alltagstauglichere Ansätze erhofft. Statt Inspiration blieb bei mir öfter Skepsis zurück. Würde ich das tatsächlich selbst umsetzen? Und vor allem, möchte ich das überhaupt?

Auch kulinarisch konnte mich das Projekt nicht vollständig überzeugen. Der Gedanke, einen Weihnachtsbaum zu essen, bleibt trotz aller kreativen Ansätze gewöhnungsbedürftig. Einige Vorschläge wirken mehr provokant als sinnvoll und lassen für mich den Genussgedanken etwas vermissen. Nachhaltigkeit allein reicht nicht aus, wenn das Ergebnis weder ansprechend noch wirklich einladend wirkt.

Fazit: Insgesamt bleibt für mich ein zwiespältiger Eindruck. Die Idee ist stark, relevant und lobenswert, die Umsetzung hingegen unausgereift und nicht immer überzeugend.

Bewertung vom 15.12.2025
Horowitz, Anthony

Tod zur Teestunde (eBook, ePUB)


gut

In "Tod zur Teestunde" liest die Lektorin Susan Ryeland das Manuskript eines Kriminalromans, in dem es um den Tod einer Frau während einer Teestunde geht. Während sie die Geschichte verfolgt, stößt sie auf Ungereimtheiten. Bald wird Susan selbst in einen realen Mordfall verwickelt und beginnt zu ermitteln.

Dies ist bereits der dritte Fall für die Lektorin Susan Ryeland.

Mit "Tod zur Teestunde" kehrt Anthony Horowitz erneut zu seiner bekannten Hauptfigur Susan Ryeland zurück. Wie schon in den vorherigen Bänden besteht der Roman aus zwei miteinander verknüpften Geschichten, einem klassischen Krimi im Stil von Agatha Christie und der Rahmenhandlung rund um Susan selbst. Diese Idee finde ich grundsätzlich spannend, allerdings hat sie mich dieses Mal eher verwirrt als begeistert. Der ständige Wechsel zwischen den Ebenen macht es schwer, wirklich in die Handlung einzutauchen.

Persönlich empfand ich das Buch als recht anstrengend zu lesen. Man muss sehr aufmerksam bleiben und Geduld mitbringen, um alle Zusammenhänge zu verstehen. Leider kam dabei für mich kaum Spannung auf. Viele Passagen ziehen sich, und statt Nervenkitzel dominieren lange Erklärungen und Details. Ich hatte öfter das Gefühl, dass die Geschichte nicht richtig vorankommt.

Susan Ryeland selbst ist zwar weiterhin eine interessante Figur, doch auch ihre Ermittlungen konnten mich dieses Mal nicht vollständig fesseln. Im Vergleich zu den vorherigen Fällen wirkte dieser dritte Band auf mich schwächer und weniger mitreißend.

Fazit: Insgesamt ist "Tod zur Teestunde" kein schlechtes Buch, aber auch kein Highlight. Wer das Konzept der Reihe liebt und komplex aufgebaute Kriminalromane mag, könnte trotzdem auf seine Kosten kommen. Für mich blieb der Krimi jedoch eher durchschnittlich.

Bewertung vom 07.12.2025
Johann, Petra

Wem du traust


gut

Eva lebt mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn ein vermeintlich perfektes Leben. Regelmäßig hilft die 15-jährige Sofia als Babysitterin aus. Doch eines Nachts bringt Daniel Sofia nach Hause und am nächsten Morgen ist sie spurlos verschwunden.

"Wem du traust" ist ein Roman, der sich stark um familiäre Verstrickungen, lange zurückliegende Geheimnisse und die Frage dreht, wie gut man die Menschen wirklich kennt, die einem nahestehen, ob innerhalb der Familie oder im Freundeskreis. Petra Johann versteht es dabei sehr gut, Charaktere mit Tiefe und glaubhaften Konflikten auszustatten. Der Schreibstil ist flüssig, angenehm zu lesen und schafft es, die Emotionen der Figuren gut zu transportieren. Gerade in den Dialogen und in der Darstellung des familiären Miteinanders zeigt Johann viel Feingefühl.

Allerdings wirkt die Handlung zeitweise etwas langatmig. Einige Passagen ziehen sich, ohne dass wirklich Spannung aufgebaut wird. Der versprochene Thrill blitzt zwar immer wieder auf, bleibt jedoch oft hinter den Erwartungen zurück. Die Geschichte lebt stärker vom Familiendrama als vom Nervenkitzel, wodurch das Tempo stellenweise nachlässt. Wer jedoch gern tief in familiäre Konflikte eintaucht und Wert auf psychologisch geprägte Figuren legt, wird hier gut unterhalten. Für LeserInnen, die sich mehr Spannung und Wendungen wünschen, könnte das Buch jedoch etwas zu ruhig sein.

Fazit: Insgesamt ein solides Buch, das mehr im emotionalen Bereich punktet als im Thrill.

Bewertung vom 05.12.2025
Sevilla, María José

Die Küche von Andalusien


sehr gut

"Die Küche von Andalusien" besticht sofort durch seine wunderschöne Gestaltung. Farben, Layout und die Auswahl der Fotografien schaffen eine warme, authentische Atmosphäre und geben einem das Gefühl, direkt in die andalusische Esskultur einzutauchen. Diese visuelle Umsetzung fängt Spanien und seine kulinarische Seele ausgesprochen stimmungsvoll ein.

Inhaltlich bietet das Buch eine Mischung aus Klassikern und weniger bekannten Gerichten, eingebettet in kleine kulturelle Hintergründe und regionale Kontextinformationen. Viele der Rezepte sind traditionell gehalten, und wer sich für die ursprüngliche Küche der Region interessiert, wird hier einiges entdecken können. Beim Durchsehen sind mir zwar nur wenige Rezepte aufgefallen, die ich unmittelbar nachkochen möchte, aber gerade diese wirken solide, authentisch und gut umsetzbar.

Die Beschreibung der Zutaten und Zubereitungsschritte ist klar und nachvollziehbar, sodass auch weniger geübte Köchinnen und Köche gut zurechtkommen. Besonders gefallen hat mir, dass die Autorin spürbar Wissen und Verbundenheit mit der Region vermittelt.

Fazit: Ein herrlich gestaltetes Kochbuch, das die Esskultur Andalusiens mit viel Liebe zum Detail präsentiert.

Bewertung vom 05.12.2025
Weber, Anne-Katrin

Deftig vegetarisch - Heimatküche


ausgezeichnet

Ich war anfangs skeptisch, ob klassische Hausmannskost wirklich ohne Fleisch funktionieren kann. Gerade bei traditionellen Gerichten ist man es gewohnt, dass Speck, Braten oder Wurst dazugehören. Doch schon nach den ersten Rezepten hat mich dieses Kochbuch vollständig überzeugt.

Anne-Katrin Weber schafft es, vertraute Gerichte neu zu denken, herzhaft, sättigend und voller Geschmack. Viele Rezepte sind überraschend einfach umzusetzen, ohne komplizierte Zutaten oder aufwendige Vorbereitung. Besonders gelungen finde ich, wie regionale Klassiker vegetarisch interpretiert werden, ohne dass etwas fehlt. Man merkt, dass hier Wert auf Qualität, Geschmack und Tradition gelegt wurde. Die Beschreibungen sind übersichtlich, die Bilder sehr ansprechend und das Ergebnis auf dem Teller überzeugt. Dieses Buch zeigt, wie vielseitig und bodenständig vegetarische Küche sein kann.

Fazit: Ein wunderbares Kochbuch für alle, die Heimatküche lieben nur eben vegetarisch. Die Skepsis war schnell verflogen, die Begeisterung blieb.

Bewertung vom 04.12.2025
Benedict, Alexandra

Das tödliche Christmas Game


weniger gut

Lily reist zu Weihnachten mit ihrer Familie in ein abgelegenes Herrenhaus, um ein letztes Mal das traditionelle Christmas Game zu spielen. Zwölf Rätsel und zwölf Schlüssel entscheiden, wer das Haus erbt. Doch ein Schneesturm schneidet alle von der Außenwelt ab und plötzlich beginnt ein tödliches Spiel.

Nach "Das mörderische Christmas Puzzle", das mich mit seiner cleveren Rätselstruktur und einer atmosphärischen Spannung überzeugen konnte, war meine Erwartung an "Das tödliche Christmas Game" entsprechend hoch. Leider konnte der neue Weihnachtskrimi diesem Vergleich nicht standhalten.

Die Ausgangssituation verspricht eigentlich viel. Am Heiligabend reist Lily widerwillig zum abgelegenen Familiensitz in Yorkshire. Einem Ort, an den sie wegen des tragischen Todes ihrer Mutter nie zurückkehren wollte. Nun ist auch ihre Tante gestorben und verfügt, dass alle Familienmitglieder sich ein letztes Mal dem traditionellen Christmas Game stellen sollen. Als Preis winkt die Besitzurkunde des Hauses, ein durchaus reizvoller Einsatz, der Spannung verspricht. Doch genau diese Spannung blieb für mich weitgehend aus. Die Handlung plätschert zu oft vor sich hin und erreicht nicht die Intensität, die das Setting hergeben könnte.

Die Atmosphäre ist zwar weihnachtlich und düster, doch fehlte mir Tiefe in der Figurenzeichnung und im emotionalen Kern der Geschichte. Viele Beziehungen bleiben oberflächlich, sodass man zwar nachvollziehen kann, weshalb Lily ihren Familienort meidet, aber kaum mitfühlt. Der Plot entwickelt zwar Wendungen, aber sie entfalten nicht dieselbe Raffinesse wie im Vorgängerroman.

Fazit: "Das tödliche Christmas Game" bietet eine interessante Ausgangsidee und eine winterlich-passende Kulisse, schafft es aber nicht, daraus echte Spannung oder emotionalen Tiefgang zu entwickeln.

Bewertung vom 20.11.2025
Hooton, Richard

Der Tag, an dem Barbara starb


gut

Margaret Winterbottom wird nachts durch Polizeisirenen geweckt und erfährt dann, dass ihre Nachbarin Barbara ermordet wurde. Trotz ihrer Krankheit geht sie der Sache nach und Unterstützung bekommt sie dabei von ihrem geliebten Enkel James.

Richard Hooton verbindet in seinem Roman den Versuch, einen Kriminalfall zu erzählen, mit dem ernsten Thema Alzheimer. Anfangs war ich gespannt, wie es dem Autor gelingen würde, diese beiden Elemente miteinander zu verknüpfen. Tatsächlich entwickelt sich die Geschichte jedoch weniger zu einem klassischen Krimi, sondern vielmehr zu einem einfühlsamen Porträt von Margaret und ihrem langsamen geistigen Verfall.

Besonders Margaret und ihr Enkel James wirkten auf mich sympathisch und authentisch. Bewegend ist vor allem Margarets Entschlossenheit, trotz ihrer Krankheit dem Tod von Barbara auf den Grund zu gehen. Das ist ein Vorhaben, das für sie zunehmend zur Herausforderung wird. Diese Darstellung vermittelt sowohl Nähe als auch Tragik. Margarets Tochter und ihr Schwiegersohn wirken in ihrem Verhalten oft distanziert und wenig einfühlsam. Ihre Ungeduld und Überforderung im Umgang mit Margarets Krankheit waren für mich stellenweise schwer nachzuvollziehen und hinterließen einen bitteren Beigeschmack. Gleichzeitig spiegeln sie aber auch ein Stück weit die heutige Gesellschaft wider, in der Demenz und Pflegebedürftigkeit viele Angehörige an ihre Grenzen bringen und nicht immer mit der nötigen Empathie begegnet wird.

Fazit: Ein sensibel erzählter Roman über Alzheimer und familiäre Bindungen, der durch seine Figuren berührt, aber als Kriminalgeschichte wenig Spannung aufbaut und mich deshalb insgesamt nicht ganz überzeugen konnte.

Bewertung vom 17.11.2025
Pflüger, Andreas

Kälter


gut

Auf der Nordseeinsel Amrum arbeitet die Polizistin Luzy Morgenroth, die versucht, ihre dunkle Vergangenheit als frühere BKA-Personenschützerin hinter sich zu lassen. Als ein mysteriöser Fall die Insel erschüttert, wird Luzy jedoch erneut in die Welt der Geheimdienste hineingezogen. Dabei holt sie ihre Vergangenheit schneller ein, als ihr lieb ist.

"Kälter" war mein erstes Buch von Andreas Pflüger, und entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Die vielen positiven Stimmen zu seinen früheren Werken haben mich neugierig gemacht, vielleicht sogar etwas zu sehr. Denn am Ende bin ich mit einem recht zwiespältigen Eindruck aus diesem Thriller gegangen. Zunächst hat mich die Hauptfigur Luzy Morgenroth wirklich interessiert. Eine Polizistin auf Amrum, die auf den ersten Blick beinahe unscheinbar wirkt, gleichzeitig aber eine Vergangenheit als Personenschützerin beim BKA mit sich trägt. Dieses Zusammenspiel aus äußerer Normalität und inneren Schatten fand ich spannend. Man ahnt schnell, dass Luzy mehr gesehen und erlebt hat, als sie zeigt.

Die Atmosphäre anfangs auf Amrum ist für mich eines der Highlights des Buches. Stürmisch, dunkel, kalt und abgeschieden, ein perfekter Schauplatz für einen Thriller. Man spürt das raue Wetter und die permanente Bedrohung, die über der Insel hängt. Das Setting hat mich sofort abgeholt und in die Geschichte hineingezogen. Doch ab dem Moment, in dem Luzy wieder in die Welt der Geheimdienste zurückkehrt, wurde es für mich zunehmend schwierig. Die Handlung schwenkt von einem atmosphärischen Inselthriller zu einer überladenen Agentenstory, die immer mehr an Glaubwürdigkeit verliert. Vieles wirkte auf mich maßlos übertrieben, fast so, als wolle der Autor krampfhaft immer noch eine Schippe drauflegen.

Ein Punkt, der mich besonders gestört hat, war die Darstellung von Luzys körperlichen Fähigkeiten. Sie wird als übergewichtige 50-Jährige beschrieben, was völlig in Ordnung ist und sogar interessant sein könnte. Aber dann führt sie Aktionen aus, die selbst für eine extrem fit trainierte Person unrealistisch wirken. Dadurch entstand für mich eine deutliche Diskrepanz zwischen Figur und Handlung. Das machte es schwer, der Geschichte zu folgen oder die dramatischen Szenen ernst zu nehmen. Auch der Schreibstil hat meinen Zugang zum Buch erschwert. Er wirkt sehr kühl, emotionslos und teilweise sperrig. Das mag für manche Leser genau der richtige Ton sein, für mich hat es aber verhindert, wirklich eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen.

Am Ende bleibt für mich das Gefühl, dass "Kälter" phasenweise spannend und atmosphärisch stark ist, aber insgesamt zu viel will. Der Mix aus überzogener Agentenstory, unrealistischen Handlungen und einem sehr nüchternen Stil hat mich immer wieder geblockt. Trotz allem bin ich froh, das Buch gelesen zu haben, denn Pflüger hat definitiv seinen eigenen Ton und versucht, neue Perspektiven zu schaffen. Dennoch weiß ich nicht, ob "Kälter" der richtige Einstieg für mich war.