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Benutzername: Traveimker
Wohnort: Zwischen Paris und Moskau
Über mich: Spezialgebiet: Russland und Osteuropa, insbesondere Kaukasus
Danksagungen: 3 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 25 Bewertungen
Bewertung vom 25.07.2019
Die Dankbarkeit des Wolfs
Serkin, Vladimir

Die Dankbarkeit des Wolfs


weniger gut

Vladimir Serkin leitet, ausweislich der eigenen Autorenbeschreibung, die Fakultät für Psychologie der Universität Magadan. Jene Stadt in der unwirtlichsten Gegend von russisch Fernost, deren gesamter Oblast (Regierungsbezirk) größer als die BRD ist und insgesamt keine 160.000 Einwohner aufweist. Ein Bachelor Studiengang Psychologie wird dort tatsächlich beworben.

Um es vorweg zu nehmen: Trotz des Untertitels „ Heilgeheimnisse des sibirischen Schamanismus“ wird im gesamten Buch weder ein Mensch behandelt noch geheilt.
Der Autor bezieht sich mehrfach auf die „Lehren“ des südamerikanischen Autors Castanedas, von denen der sibirische Schamanismus wahrscheinlich nicht geprägt wurde.
Die Passagen, insbesondere die oft inhaltlosen und immer wiederkehrenden Dialoge, in denen Frage und Gegenfrage sich Mantra artig wiederholen, könnten ebenso gut einem Buch Castanedas entspringen. Sie decken in meinem Horizont nichts auf, als Unterhaltungen mit einem besonders Natur verbundenen Menschen.
Das Buch ist chronologisch wie inhaltlich nicht geordnet. Den einzelnen Schilderungen stehen oft nur Datumsangaben voran, dieses allerdings ungeordnet über mehrere Jahre.
Besonders merkwürdig sind dann die über viele Seiten, am Ende des Buches, geschilderten - ich nenne sie einmal- „ survival tipps“. Zum Beispiel wie man aus Plastikflaschen ein 10 Meter Wasserrohr baut. Merkwürdig.

Dennoch weist das Buch einige Denkanstöße auf, die den Leser in eine entschleunigtere Welt zu führen vermögen. Vielleicht entstammen sie der Faszination, die der Naturmensch auf den Autor ausübt, vielleicht ist es ein Teil des Schamanismus.

Ich war von dem Buch enttäuscht.

Bewertung vom 24.07.2019
Sowjetistan
Fatland, Erika

Sowjetistan


ausgezeichnet

Die junge Autorin Erika Fatland, aus dem gut 5 Millionen Einwohner zählenden Norwegen, hat Völkerkunde studiert. Ihr Interesse gilt, ausweislich der Schilderungen, dem post sowjetischen Raum. Sie spricht u.a. russisch und verfügt über mehr als ausreichende Kenntnisse von Geschichte und Kultur der Bewohner der ehemaligen Sowjetrepublik. Dieses Kenntnisse und vorhergehende Aufenthalte im post sowjetischen Raum stellen ihr die Grundvoraussetzung für die, von vielen westlichen Reisenden als Wagemut wahrgenommene, Fähigkeit einer sicheren Bewegung in den abgelegensten und Konflikt behaftetsten Gegenden.

Der Inhalt des Buches kann insofern, mit seinen dezidierten Schilderungen von Beobachtungen auf der mannigfaltigen Reiserouten sowie deren sauberer Einordnung in historische wie gesellschaftspolitische Kontexte, kaum noch überraschen. Der Blickwinkel Fatlands ist durch ihren sozial anthropologischen Werdegang geschärft wie verstellt zugleich. Sie sucht und beschreibt durchgehend die Entstehung der vorgefundenen Sachverhalte, scheint der “Moderne” gegenüber dabei aber eher ausweichend.

Das Werk gibt einen sehr guten Überblick über die fünf “stan”-Länder und ist als vertiefende Reisevorbereitung für Sowjetisch Mittelasien hervorragend geeignet.
Jedem Land wird ein gesondertes Kapitel gewidmet, dem jeweils einige wenige Eckdaten des bereisten Landes und ein Kartenausschnitt voran gestellt sind.

Das Buch erschien, nach mindestens zwei Reisen, 2014 in Norwegen. Die vierte Auflage ist mit einem Zusatz von 2016 aktualisiert. Aufgrund der sich ändernden Verhältnisse bleibt dem Reisenden eine kurze Nachrecherche der aktuellen politischen Verhältnisse empfohlen.

Insgesamt ein sehr gut gelungenes Werk.

Für meinen Geschmack etwas zu reißerisch ist die ganze Aufmachung des Buches einschließlich des eher unpassenden Titels, der offensichtlich vor der Reise entstanden sein muss. Im Buch wird nahezu an jeder Schilderung darauf eingegangen, dass die Staaten und Menschen viel mehr sind, als die Sowjets Ihnen verliehen haben.
Unnötig zu erwähnen, dass ein zweifaches advertising mit dem “Preis des norwegischen Buchhandels” ( was ist das?) des Jahres 2015 hier nicht passen will.
Der Bucheinschlag ist leider zu eng um ihn als Lesezeichen zu verwenden.

Bewertung vom 21.07.2019
Ohne Plan durch Kirgisistan
Huth, Markus

Ohne Plan durch Kirgisistan


weniger gut

Die Recherche über den Autor endet ziemlich schnell bei Bild der Frau, angehübscht mit einigen auf Abenteurer drapierten Fotos nahezu ausschließlich aus Kirgisistan.
Zum Inhalt; Generation facebook reist in einer Lebenskrise ostwärts.
Das Buch liest sich schnell und seiner Oberflächlichkeit angemessen amüsant. An den Stellen, in denen es einer sauberen historischen Einordnung und kulturellen Empathie bedurft hätte, kommt der Autor ins straucheln. Das Werk weist als Schwerpunkt daher nur einen Unterhaltungscharakter auf. Als Reiseliteratur fehlt schlichtweg die Hinterfragung der vorgefundenen Lebenssachverhalte, die einer Einwertung allem Erlebten aus dem Weltbild des Reisenden vorzuziehen sei.

Bewertung vom 01.01.2019
Wolfjagd in Russland

Wolfjagd in Russland


ausgezeichnet

Der Wolf kehrt heim. Nach Westeuropa. 150 Jahre nach seiner Ausrottung in Deutschland beginnen sich neue, von Osten her eingewanderte, Populationen rasant zu entwickeln. Während Jäger und Schafhalter Panik verbreiten beginnen die Naturschutzverbände die Thematik zu verharmlosen. Wie sich dem Thema nähern? Die Jahresveröffentlichungen der Landesministerien für Landwirtschaft und Umwelt konstatieren zahllose Sichtungen, Risse und Nachweise. Auch in Schleswig-Holstein. Er ist längs da, unter uns. Wir sehen ihn nicht, aber er sieht uns...
Das vorliegende Buch von Ingolf Natmessnig ist ein großartiger Einstieg in das Thema. Die vielen, zum Teil alten, Texte stammen allesamt aus Russland wo der Wolf nie ausgestorben war, Die Menschen müssen mit dem Wolf dort seit Jahrtausenden zurecht kommen und ihre Beschreibungen lehren uns einmal mehr: Es gibt kein „entweder oder.“ Es gibt nur ein „sowohl als auch“! Natürlich ist der Wolf ein gefährliches Raubtier. Gefährlich für Hunde und Vieh, und in ausweglosen Situationen auch für Kinder und Alte. Aber natürlich ist das nur die eine Hälfte der Wahrheit. Denn der Wolf fürchtet nichts mehr als den Menschen. Er wird in normalen Situationen immer ausweichen ohne dass wir ihn überhaupt bemerken. Der Wolf ist kein wirkliches Problem. Wir müssen allerdings jetzt schnell lernen, mit dem Wolf umzugehen. Das Buch lehrt uns, wo die wahren Herausforderungen stecken. Den Wolf dort einzugrenzen wo er den Siedlungen zu nahe kommt, und ihn da walten zu lassen wo Lebensräume für ihn da sind. Das hieße aber auch, die Jagd insgesamt auf die kleinen ortsnahen Jagdbezirke zu beschränken und die großen weitläufigen Jagdbezirke dem Wolf zu überlassen. Die Beschäftigung mit dem Buch führt unweigerlich zu einer notwendigen wie gleichsam für alle Protagonisten unbequemen Realität!
Wenn Sie das aushalten steigen Sie ein: Das Buch mt seinen aus dem Russischen übersetzten Texten wird Sie in diese Realität katapultieren.

Bewertung vom 09.11.2018
Herr Bien und seine Feinde
Koch, Timm

Herr Bien und seine Feinde


gut

Tim Koch legt hier weder eine wissenschaftliche Abhandlung noch einen pragmatischen Erfahrungsbericht vor. Das Werk ist ein zu Recht wütender Angriff auf den heutigen Umgang mit Tieren und Nahrungsmitteln. Dass der Autor diese wutgeladenen Sachverhaltsschilderungen immer wieder mit persönlichen Wahrnehmungen vermischt mag seiner fehlenden Autorenerfahrung geschuldet sein. Koch bringt die Dinge auf drn Punkt. Dabei vereinfacht er verblüffend und offenbart an einigen Stellen ein und eventuell sein selbstverherrlichendes Weltbild. Spätestens wenn er dem Deutschen Imkerbund die fehlende Aufarbeitung einer braunen Vergangenheit vorwirft beginnt der reflektierte Leser den Kopf zu schütteln. Weder die deutschen Fußballvereine noch wohl der Autor selbst haben dieses Thema bislang öffentlich aufgearbeitet. Wenngleich die Schilderungen Kochs für mich als Imker darauf hindeutet, dass er eher zur Theorie neigt muss ihm seine gute Absicht wie seine scharfzüngige und prägnante Darstellung der heutigen Situation zugute gehalten werden. Es macht Spaß dieses Buch zu lesen und es macht nachdenklich zugleich. Für angehende Imker ist das Buch nicht zu empfehlen, da es im praktischen Umgang mit der Bienenhaltung ein gefährliches Halbwissen zu vermitteln im Stande ist. Wer sich so egozentrisch weigert andere Ansichten (zum Beispiel zur Einwinterung oder zu Kunststoffbeuten in Norddeutschland) zu reflektieren, verbreitet genau die hier beschriebenen Probleme in der Imkerschaft und fügt den Bienen unnötiges Leid zu.
Empfohlen für erfahrene Imker die die zum Teil gravierend fehlerhaften Aussagen zur Bienenhaltung bewerten können und alle, die sich für Lebensmittelsicherheit interessieren.
Insgesamt 3 von 5 Punkten.

Bewertung vom 05.08.2018
Die Geschichte der Bienen
Lunde, Maja

Die Geschichte der Bienen


gut

Es gibt massenhaft Inhaltsangaben im Netz. Daher die Bewertung knapp begründet: Das Buch ist ein schöner Zeitvertreib. Leider werden Fiktion und Wirklichkeit, praktisches Wissen und Wissenschaft so gnadenlos vermengt, dass man Sorge hat, dass das Buch ein gefährlichere Halbwissen zu vermitteln imstande ist. Mich persönlich haben die Charaktere der drei Protagonisten eher düster berührt, was sich entsprechend auf die Wahrnehmung des gesamten Werkes niederschlägt. Alles in allem drei von fünf Sternen.
Der Hype um das Buch ist nicht gerechtfertigt.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.08.2018
Den Ararat vor Augen
Gent, Amalia van; Leumann, Christina

Den Ararat vor Augen


ausgezeichnet

Vorweg gesagt: Ein absolut lesenswertes Buch, das sowohl wissenschaftlich fundiert als auch mit umfassenden, Jahrzehnte langen Erfahrungen, der Autorinnen in Armenien aufwartet.
Amalia van Gent, 18 Jahre Korrespondentin der NZZ in Istanbul und Christina Leumann, Mitbegründerin einer NGO in Eriwan unmittelbar nach dem schweren Erdbeben in Nordarmeinien 1988, legen hier ein Gemeinschaftswerk vor, dass seinesgleichen sucht. Von der langen Geschichte der Armenier, den Genozid 1915 bis über Entstehung und Folgen des Berg-Karabach Konfliktes hinaus schildern die Autorinnen detailliert die damit verwobenen Lebensumstände im Armenien der letzten drei Jahrzehnte. Die Einflüsse der seinerzeitigen Sowjetunion und der post sowjetischen Ära werden sauber aufgearbeitet und ermöglichen dem Leser ein tiefes Verständnis der heutigen Zusammenhänge.
In 11 Kapiteln und einer Zeittafel schildern die Autorinnen neben den politischen Entwicklungen Ihre ganz persönlichen Erlebnisse in Armenien aus den Jahren seit 1988.
Gent und Leumann sind in ihren Schilderungen nicht unpolitisch, wahren aber geschickt die nötige Distanz zu Bewertungen um diese dem Leser zu überlassen.
Das Buch eignet sich hervorragend als Reisevorbereitung für den Südkaukasus und ist für politisch Interessierte ein sehr geeignetes Einstiegswerk zum Berg-Karabach Konflikt.
Großartig.

Bewertung vom 03.08.2018
Durch den wilden Kaukasus
Pleitgen, Fritz

Durch den wilden Kaukasus


weniger gut

Im Jahr 2000, sechs Jahre nach dem Waffenstillstand im Berg Karabach- Konflikt und 8 Jahre vor dem Fünf-Tages-Krieg zieht es den Autor und seinerzeitigen WDR- Intendanten durch den Kaukasus. Natürlich, ganz WDR, mit allem, was das Intendantenherz begehrt: Interviews mit Präsidenten, Begleitungen durch Schützenpanzer und als Transportmittel kommen schwere Militärhubschrauber ebenso wie alte Kleinbusse zum Einsatz. Zur Entschuldigung Pleitgens, der so in eine von höchster Gastfreundschaft geprägten Region förmlich einmarschiert, sind die ungeklärten Konfliktsituationen im Kaukasus anzuführen. Inspiriert wurde Pleitgen von Alexandre Dumas, dessen Werk Pleitgen dann auch gleich seinen Buchtitel entlehnt. Immer wieder kommt der Autor auf Dumas zu sprechen, der bereits 1858 einen Teil der Reise - welchen?- unternahm.
Die von Pleitgen beigefügte Übersichtskarte lässt das ebenso offen, wie der Text. Die Übersichtskarte weist dann auch nur den ersten Teil der beschriebenen Reise Pleitgens auf, der zweite Teil wurde offensichtlich vergessen. Pleitgen stolpert in seinen Schilderungen dann auch nur so durch den Kaukasus. Insbesondere die heute noch schwer zugänglichen Regionen Dagestans und Tschetscheniens wären mehr Erwähnung wert gewesen. Die Strecke von Wladikawkas bis Eriwan bin ich selbst einmal gereist und frage mich, wie man die vielen Dinge die es dort zu sehen gibt ignorieren kann. Im Buch werden mir auch zu häufig Trinkgelage mit Militärs, Wirtschaftsbaronen usw. beschrieben. Das ganze Buch wirkt nicht durchgängig. Hier mal gute Beschreibungen, dort wieder völlig abschweifend. Dem Leser wird erst am Ende des Buches klar, was hier passiert ist: Der Autor beklagt, dass er nicht ausreichend Zeit hatte, dieses Buch zu schreiben. So ist dann ein Teil schon während der Reise, der große Rest in „unterschiedlichsten Lebenslagen“, zum Beispiel auf Dienstreisen, entstanden.
Von Autor und Titel hätte ich deutlich mehr erwartet.

Bewertung vom 03.08.2018
Reiseführer Aserbaidschan
Oppeln, Philine von; Schüttig, Frank

Reiseführer Aserbaidschan


sehr gut

Ein durchweg ordentlicher und aufgeräumter Reiseführer für alle Aserbaidschanreisenden. Das handliche Format für die Reisetasche und die ( leider wenigen ) wirklich übersichtlichen Kartenausschnitte sind besonders lobenswert. Einziger Kritikpunkt: Es fehlen einfach zu viele und wichtige Kartenausschnitte.

Bewertung vom 03.08.2018
Aserbaidschan - ein Märchenland, das es wirklich gibt
Sade zu Romkerhall, Tengis

Aserbaidschan - ein Märchenland, das es wirklich gibt


schlecht

Der Autor, Herr Romkerhall, bezeichnet sich als Jurist und Friedenspreisträger Goldene Taube 2011. Über diesen Titel ist im www zwar nichts zu finden, dafür aber, dass der Autor sich als Übersetzer bezeichnet. Das von ihm hier heraus gegebene Werk ist von haufenweisen Rechtsschreib- und Zeichensetzungsfehlern dafür nur so gespickt. Alle Sätze sind durch Absätze getrennt, oft trennen Absätze auch einzelne Sätze was das Lesen recht holprig macht.
Inhaltlich handelt es um eine unreflektierte Lobpreisung der aserbaidschanischen Verhältnisse. Das Buch besteht nahezu ausschließlich aus Behauptungen ohne Quellenangaben ( Ausnahmen an wenigsten Stellen ). Auf den letzten 25 Seiten sind asaerbaidschanische Märchen abgedruckt.
Insgesamt wohl eines der schlechtesten Bücher, die ich je gelesen habe.