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Lillith
Wohnort: 
Berlin

Bewertungen

Insgesamt 22 Bewertungen
Bewertung vom 16.08.2022
Der Bewunderer: Thriller
Shepherd, Catherine

Der Bewunderer: Thriller


ausgezeichnet

Solider und spannender Thriller, der sich schnell wegliest
Schon lange hatte ich mir vorgenommen, endlich einmal einen Thriller von Chatherine Shepard zu lesen - nun war es soweit.

Die Protagonistin Laura ist sympathisch, einige der anderen Charaktere waren mir etwas schablonenhaft geraten.Es handelt sich um Band 7 einer Reihe, jedoch konnte ich das Buch auch ohne Vorkenntnisse problemlos lesen.

Worum geht es? Ein Mörder hinterlässt seine weiblichen Opfer stets auf einem kunstvoll angerichteten Gemälde. Er muss etwas von Malerei verstehen, das ist bald klar, und so führen alle Spuren in die Kunsthochschule...Welche Rolle spielt der Professor, der als "Womanizer" gilt, und wer hat die Opfer vorab immer fotografiert?

Dies gilt es herauszufinden und wir sind bei der Ermittlungsarbeit dabei.
Für uns als Leser*innen gibt es immer wieder "Häppchen" aus der Sicht des Mörders, die uns jedoch nicht wirklich weiterhelfen... im Gegenteil, oft wird man gerade durch diese geschickt auf eine falsche (Denk-)Spur geleitet...
"Der Bewunderer" liest sich flüssig und ist spannend, ein solider Thriller, mit einigen Wendungen. Man kann miträtseln und liegt doch meist um Haaresbreite daneben.

Stilistisch ist das Buch recht einfach gehalten, auch sind für mich manche Elemente und Personen sehr klischeehaft gewesen.

Kurz und gut: Ein Thriller, der spannende Unterhaltung bietet, nicht mehr und nicht weniger - aber das ist auch völlig ok.

Mich hat "Der Bewunderer" jetzt nicht unbedingt vom Hocker gerissen, aber ich hatte einige spannende Lesestunden und darum bekommt das Buch von mir auch 5* und eine Leseempfehlung für Freunde von nicht allzu anspruchsvoll geschriebenen Thrillern.

Bewertung vom 13.08.2022
Sandmann: Albtraumleben
Aurass, Dieter

Sandmann: Albtraumleben


ausgezeichnet

Grandioses Spiel mit Zeitreise und Seelenwanderungselementen incl. Spannung und Humor

Was für eine Idee - die Seele eines jungen Manns, im Buch "Sandmann" genannt, muss bei jedem Vollmond ein Jahr zurückreisen und wacht jedes Mal in einem fremden Körper auf. In diesem "Wirt" bleibt die Seele/der Sandmann dann ein Jahr.

Dieses Mal steckt seine Seele in einem kroatischen Kleinkriminellen, der verdächtigt wird, seine Frau ermordet zu haben. Sandmann, der ja in der Seele seines Wirts steckt, weiß, dass dieser unschuldig ist und setzt alles daran, das zu beweisen und bringt damit nicht nur seinen Wirt in gefährliche Siuationen.
Das ist jetzt erst einmal die Krimihandlung in aller Kürze.
Aber wie das Ganze vor sich geht, wie sich der Sandmann andere seiner "Ichs", hier "Seelensplitter" genannt zu Hilfe holt - schließlich hat ein Jahr mindestens 12 Vollmonde, bitte selbst gedanklich weiterspinnen..., das kann man nicht beschreiben, das muss man lesen.
Wenn man sich auf das Gedankenspiel des Autors, welches sehr gewitzt umgesetzt wurde, einlässt, und ein wenig Mystery verträgt, dann bietet dieser Roman einen absolut großartigen Lesespaß mit echter Spannung, teilweise skurrilen Dialogen zwischen Wirt(en) und Sandmann und einem aberwitzigen Plot.
Ich hatte großes Vergnügen beim Lesen und das Buch gehört jetzt schon zu meinen Highlights des Jahres.
Volle 5* und eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 13.08.2022
Nils
Geiger, Jürgen

Nils


sehr gut

Täter oder Opfer - wem gilt hier das Mitgefühl??
Nichts ist nur Schwarz oder Weiß in diesem spannenden Krimidebüt.

Nils, ein schüchterner Teenager, hat als Kind etwas Unglaubliches mit ansehen müssen. Seither schließen sich seine Augen nicht mehr und er wirkt durch seinen starren Blick auf andere beängstigend. Dies macht ihn überall zum Außenseiter, nur Linda, ein schönes Mädchen, selbst mit problematischem familiären Background, scheint ihm zugetan und er fühlt sich endlich verstanden...Doch dann ist Linda plötzlich tot.

Ein ungewöhnlicher Thriller wurde versprochen, doch im ersten Teil des Buchs fand ich noch nichts weiter ungewöhnlich. Es geschehen Morde an einer Teenager-Clique, brutale, skurrile Morde, aber bald weiß oder ahnt der Leser/die Leserin, was die Opfer miteinander verbindet. Ein Rachefeldzug ist ja per se nichts Neues oder Ungewöhnliches.

Doch dann - der titelgebende Protagonist ist eine Figur, die zwischendurch immer mal wieder zu Worte kommt, je näher man ihm ist, desto eher versteht man ihn und es verschiebt sich das eigene Bild von "Gut" und "Böse".

Es ist schwer, dieses Buch zu besprechen, ohne zuviel von der Story zu verraten. Jedenfalls kann ich am Ende des Buches zustimmen - es handelt sich tatsächlich um einen ungewöhnlichen Thriller mit tragischer Note! Ich fühlte mich spannend unterhalten und entwickelte für einige Figuren im Laufe des Buches sehr viel Mitgefühl. Zudem sind die Mordmethoden in der Tat auch alles andere als gewöhnlich, eher schon ins Surreale abdriftend, jedenfalls sehr fantasievoll erdacht, und die Brutalität erzeugte bei mir einen "Tarantino-Effekt" - man schaudert, ist aber gebannt.

Der Autor kann sehr gut und spannend schreiben. Nur für meinen ganz persönlichen Geschmack ist die Wortwahl, besonders im ersten Teil, oft zu derb und außerdem zu sehr auf Jugendsprache getrimmt. Dass die Schülerclique so spricht und denkt ist noch glaubhaft, aber der Hauptkommissar Dennis kommt für mich sehr postpubertär und unangenehm daher.

Ja, auch die beiden Kommissare haben ihr jeweiliges Päckchen zu tragen und auch hier bekommt man im Laufe des Buchs einen Einblick, warum sie so sind, wie sie sind. Beide sind zunächst wie Katz und Maus, es kommt jedoch irgendwann zu einer Annäherung - und sie merken, dass sie so unterschiedlich gar nicht sind.

Das Buch bekommt von mir eine klare Leseempfehlung, denn man liest es in einem Atemzug durch und kurz vor dem dramatischen Ende gibt es noch eine für mich absolut unerwartete Wendung.

Aber es war in großen Teilen leider einfach nicht meine Sprache, daher kann ich diesem an sich hervorragenden Thriller "nur" 4* geben.

Bewertung vom 29.07.2022
Die MörderMitzi und der Sensenmann
Archan, Isabella

Die MörderMitzi und der Sensenmann


ausgezeichnet

Spannende, wunderbar erzählte Geschichte mit typisch östereichischem Humor

Ehrlich gesagt, ich war etwas skeptisch bei dem Titel. Er klang zu sehr nach schenkelklopfendem alpenländischen Brachialhumor. Aber ich hatte gehört, dass es sich um eine Serie handele und man hatte mir die Vorgänger wärmstens empfohlen. Darum wagte ich mich an diesen Titel heran - und ich war vollends begeistert! Alle Vorurteile waren schnell ausgeräumt, denn es handelt sich um einen sehr spannenden, wunderbar geschriebenen und "besonderen" Krimi.

Er zeichnet sich durch liebevoll gezeichnete Charaktere aus - allen voran besagte titelgebende Mitzi, eigentlich Maria Konstanze Schlager, die seit einem von ihr als Kind verursachten grauenvollen Unfall mit tödlichem Ausgang für ihre Familie "Mördermitzi "geheißen wird und ihr seelisches Päckchen zu tragen hat.

Mitzi ist eine Protagonistin, die in Erinnerung bleibt. Versponnen, naiv, leichtgläubig - aber gleichzeitig mit sehr gutem Einfühlungsvermögen und einer guten Kombinationsgabe ausgestattet. Leider gelingt es ihr nicht immer, ernst genommen zu werden, und so begibt sie sich des öfteren trotzig und allein in von ihr nicht überschaubare Situationen.

Sie scheint schon in den Vorgängerbänden (die man aber nicht kennen muss, um dieses Buch zu lesen und zu lieben!) in Kriminalfälle hineinzustolpern. So hat sie auch ihre beste Freundin Agnes kennengelernt, Polizeiinspektorin und in diesem Band hochschwanger.

Die Leiche eines jungen Mädchens wird entdeckt. Die Tat lag etliche Jahre zurück. Ein grausiges Detail erinnert an einen weiteren alten Fall, so dass mit Hochdruck ermittelt wird. Beim Versuch, die beiden Taten aufzuklären, kommen zuerst Agnes und dann auch Mitzi dem Mörder gefährlich nahe...

Das alles ergibt eine sehr spannende und wunderbar erzählte Geschichte, gespickt mit typisch östereichischem Humor und irgendwie anders...
Man kann die Mitzi nicht beschreiben, man muss sie kennenlernen!
Darum vergebe ich für dieses Buch eine absolute Leseempfehlung und auf jeden Fall verdiente 5*!

Bewertung vom 17.07.2022
Diabolischer Engel
Gungl, Petra K.

Diabolischer Engel


ausgezeichnet

Mystery-Crime vom Allerfeinsten mit wunderbaren Charakteren

Dieses Buch ist der dritte Teil einer Trilogie, den man aber problemlos ohne Vorkenntnisse lesen kann.

Agnes, mit verschiedenen "Gaben" (hohe Empathie und vorhersehende Träume) gesegnet - sofern es immer ein Segen für sie ist - fährt zu einem Meditationsseminar in die Berge. Zunächst ist das Schlimmste, was ihr widerfährt, dass sie ihre Beruhigungsmittel vergessen hat. Ohne diese schlägt ihre Gabe erbarmungslos zu, was sie aus Selbstschutz vermeiden möchte. Der nächste Schock ist das Wiedersehen mit einem alten Liebhaber, den sie nie ganz überwunden hat...ausgerechnet er ist Teilnehmer einer weiteren Gruppe im Seminarhotel.

Dann bricht ein Unwetter herein und wir befinden uns in einer klassischen Krimi-Situation: Eine Gruppe unterschiedlichster Charaktere, eingeschlossen in einem Hotel, keiner kann heraus oder herein und es geschehen Morde...bzw. zunächst nur einer.

Vor aller Augen bricht die Seminarleiterin bewusstlos zusammen und verstirbt wenig später. Wer hatte ein Interesse daran sie zu töten? Oder war es ein Versehen und es sollte eigentlich jemand anderes sterben?

Auch Agnes hellsichtige Träume, die ein ähnliches Verbrechen im 19. Jahrhundert zum Thema haben, bringen zunächst keine Lichter ins Dunkel. Dann verschwindet die nächste Person und es wird sehr sehr spannend...

Der Autorin gelingt es wunderbar, Mystery-Elemente in eine althergebrachte, an Agatha Christie Romane erinnernde, Handlung einzubauen, ohne dass das Buch völlig in Fantasy abdriftet. Dazu schreibt sie in einem gleichzeitig spannenden aber dabei herrlich leichten und amüsanten Stil, so dass man das Buch bald nicht mehr aus der Hand legen mag. Die Figuren sind super gezeichnet, jeder, der auch nur annähernd einmal mit einer "Gruppendynamik" innerhalb eines Seminares, einer Seminarreihe - oder gar unter Esoterikern - in Berührung gekommen ist, wird seine helle Freude an ihnen haben.

Als LeserIn ist man schnell in den Bann geschlagen, rätselt mit und kommt doch erst relativ spät auf eine Spur - und auch diese könnte zunächst noch falsch sein. Auch die zweite Handlungsebene, die der Träume von Agnes, spielt bei den zu ziehenden Schlüssen eine Rolle.

Die prickelnde unerfüllte Liebesbeziehung zwischen Siebert und Agnes, die sie lange abwehren möchte, da sie befürchtet, es werde nicht gutgehen, ist ein weiterer Faden, der das Buch liebenswert lesenswert macht.

Es ist von allem etwas - Mystery, Crime, Esoterik und Liebesroman, aber alles wohldosiert, mit viel Liebe zum Detail und immer einer Prise Humor aufbereitet.

Mit großer Freude habe ich dieses Buch gelesen und wer alles nicht so ganz tierisch ernst nimmt, wird seinen Spaß an dieser Geschichte haben!
Ich habe Agnes sehr gern begleitet, sie ist eine sympathische Heldin und ich wünsche ihr alles Gute in der Zukunft!

Gern vergebe ich 5* und eine Lesempfehlung für diese luftig-leichte und doch superspannende Mystery-Crime-Story.

Bewertung vom 17.07.2022
Tiergarten Blues
Kerwien, Bettina

Tiergarten Blues


sehr gut

Berlin 1980. Noch niemand denkt an Wiedervereinigung, die Unterschiede zwischen West- und Ost-Berlin sind groß.

Das Dach der Kongresshalle stürzt ein. Dabei kommt (fiktiv) ein junger Koch ums Leben...war das geplant? Während die Ursachen des Unglücks noch sowohl bau- als auch kriminaltechnisch untersucht werden, findet man die Hand eines Mannes - wo ist die dazugehörige Person? Auf der Suche nach dem Eigentümer der Hand begegnet Kommissar Kappe, der wohl schon einige Zeit im literarischen Spektrum der Autorin ermittelt, einem amerikanischen Major. Dazu stößt eine originelle Kommissarin aus Bayern, die sich nach Berlin versetzen ließ. Diese drei eint nicht nur das Interesse an der Aufklärung des Falls, sondern auch die Liebe zur Blues-Musik.

Wir begleiten die Ermittler durch die beiden Teile Berlins und Bettina Kerwien gelingt es meisterhaft, die damalige Atmosphäre einzufangen. Selbst wenn man diese Zeit persönlich anders - oder an anderen Gegenden in Berlin - erlebt hat, so hat man sofort wieder dieses Gefühl... Insbesondere bei den Schilderungen Ost-Berlins waren meine manchmal beklemmenden Erinnerungen sehr präsent.

Zunächst muss man sich bei den Protagonisten und den Orten, an welchen sie sich aufhalten, ganz schön konzentrieren, doch später fügt sich alles perfekt zusammen und der Fall kann aufgeklärt werden. Dabei erfährt man zwischen den Zeilen sehr viel. Es war glaube ich uns (jungen) Berlinern nicht so sehr bewusst, wie stark die Besatzungsmächte "mitmischten" und dass selbst die Polizei ohne deren Einverständnis nicht immer ermitteln konnte wie sie wollte. Ich spreche hier von West-Berlin.

Der Erzählstil ist für meinen Geschmack leider relativ trocken, mehr dokumentarisch gehalten, aber durchaus mit einigem Humor versehen. Das Buch ist im Präsens geschrieben, was ich persönlich nicht so gern mag und was den Stil eines Tatsachenberichts noch unterstreicht.

Gut gefallen hat mir der Berliner Dialekt, welcher ja schriftlich nicht so einfach darzustellen ist Auch die Mischung aus Zeitgeschichte und Kriminalfall ist sehr ausgewogen und die Protagonisten sind anschaulich beschrieben, man sieht sie förmlich vor sich. Das Buch las sich flüssig, wenn ich es auch nicht sonderlich spannend fand - aber der Plot um die abgetrennte Hand und einige Twists darum herum waren recht originell.

Für alle, die sich für Berlin interessieren und eine Kriminalgeschichte mit historischem Hintergrund mögen - und für alle Blues-Liebhaber auch - gibt es von mir eine klare Leseempfehlung und gute 4* für diesen exzellent geschriebenen und recherchierten Berlin-Krimi mit dem Flair der 80er im amerikanischen Sektor.

Bewertung vom 26.06.2022
Der Klang des Bösen / Jula Ansorge Bd.4
Kliesch, Vincent

Der Klang des Bösen / Jula Ansorge Bd.4


ausgezeichnet

Atemloses Spiel mit dem Möglichen oder Unmöglichen - Hegel am (körperlichen) Tiefpunkt, aber in Hochform, was seine "Gabe" betrifft

Nachdem mir der 3. Auris-Band eigentlich ein wenig zu abgedreht war, habe ich dieses Buch mehr aus Sympathie zu Vincent Kliesch gekauft. Zum Glück sage ich jetzt, denn ich habe es nicht bereut und das Buch in einem Atemzug durchgelesen! Man muss übrigens die ersten drei Bände nicht zwingend gelesen haben, um die Handlung dieses Thrillers zu verstehen, aber es hilft schon, die Protagonisten und ihre Vorgeschichte besser zu kennen.

Hegel sollte eigentlich schon fast im OP sein, denn ihn hat ein lebensbedrohliches Leiden erwischt. Doch da erfährt er, warum ihn seine große Liebe Patrizia kurz zuvor versetzt hat - sie ist tot. Mord oder Selbstmord? Ihr Sohn behauptet, sein Vater hätte sie getötet. Dieser, ein unangenehmer Typ und Mitgiftjäger, weist darauf hin, dass sein Sohn Silvan psychisch angeknackst sei und gerade erst aus der Psychiatrie entlassen wurde... Hegel wird von der Polizei um Mithilfe gebeten. Er soll herausfinden, ob Silvan die Wahrheit sagt. Hat er den Mord beobachtet oder hat er nur zuviel Phantasie? Ist er gar selbst in den Fall verwickelt, wie es eine Zeugin sagt? Trügt der Schein? Sympathien und Antipathien sind von Anfang an klar definiert. Und doch dauert es, bis Jula und Hegel, der weit über seine körperlichen Grenzen geht, und dabei endlich auch einmal menschliche Schwächen und Gefühle zeigt, den verzwickten Fall lösen. Mit dabei natürlich auch wieder Julas jüngerer Halbbruder und Rapper Elyas, dem bei den Ermittlungen eine wichtige und gefährliche Rolle zukommt.

Das Buch spielt an einem einzigen Tag, was das Tempo sehr anzieht.
Man glaubt recht bald zu wissen, was geschieht. Aber es gibt etliche Wendungen...eine hat mich fast umgehauen!

Mir hat Band 4 wieder sehr gut gefallen. Sehr spannend, und die aberwitzigen phonetischen Experimente, die zur Lösung beitragen, sind wohl durchaus real möglich (ich glaube dem Autor, wenn er im Nachwort auf die beschriebenen phonetischen Aha-Erlebnisse eingeht!).

Allenfalls der Ehemann von Patrizia war mir etwas überzeichnet; sein Sprachniveau bewegte sich etwa auf dem des rappenden Teenagers.

Ansonsten - 5* und eine Lese-Empfehlung für spannende Stunden!

Bewertung vom 26.06.2022
Tod vor Helgoland
Ziegert, Susanne

Tod vor Helgoland


sehr gut

Spannender und flüssig zu lesender Krimi mit wunderbarem Helgoland-Flair

Eigentlich wollte Kommissarin Rike von Menkendorf eine Auszeit nehmen, sich auf Helgoland von ihren letzten Einsätzen erholen und im Vogelschutz engagieren. Doch während der Überfahrt sieht sie einen Menschen vom Deck des Schiffes fallen... Mord? Selbstmord? Oder ein Unfall?

Ehe sie sich's versieht befindet sich Rike inmitten von turbulenten Ermittlungsarbeiten. Es gibt weitere verschwundene Personen. Während der junge Kapitän im Grunde kooperativ ist, möchte sein Schwiegervater gern alles vertuschen - was sollen denn die Leute denken.

Die Spuren verlaufen immer wieder im Nichts... Hat das Mobbing an einer pummligen Schülerin etwas dem Mord zu tun? Oder die Tatsache, dass die von Bord gestürzte Person Immobilienmaklerin war? Auch ihr Exmann ist nicht unverdächtig...

Und dann gibt es noch Kokainlieferungen aus Kolumbien und eine pensionierte Jugendamtmitarbeiterin aus der ehemaligen DDR mit Stasi-Vergangenheit, die versucht, ihr Gewissen zu beruhigen, indem sie nach dem Verbleib eines Geschwisterpaars forscht. Dieses war zwar von ihr zunächst gerettet, dann aber in unbekannte Obhut gegeben worden.

All diese Geschehnisse spielen eine Rolle und Rike und ihre Entourage - die Künstlerin Margo, die undercover bei den Kids ermittelt sowie Harry, Beamter der Wasserschutzpolizei Helgolands, der ein Auge auf Rike geworfen hat - sind vollauf beschäftigt.

In verschiedenen Ebenen und Erzählsträngen erhalten wir als Leser Hintergrundinformationen der Protagonisten und ganz nebenbei erzählt die Autorin mit viel Liebe zum Detail von Helgoland, immer eingebettet in die kriminalistische Handlung. Dies macht sie so gut, dass man Lust bekommt, diese legendäre Insel einmal (wieder) selbst zu besuchen.

Frau Ziegert schreibt spannend und in einem sehr angenehm zu lesenden Stil. Man ist sofort mitten in der Handlung und es macht gar nichts, wenn man die Vorgängerbände nicht kennt. Allenfalls die mitunter sehr knappen Szenen- und Zeitwechsel innerhalb der Kapitel können irritieren. Mir war mit Stasi und Kokainhandel die Gesamthandlung auch ein wenig überfrachtet und für mich gab es einige Logikbrüche.
Insgesamt aber ein sehr lesenswerter Urlaubskrimi mit sympathischen Protagonisten und einer spannenden Story.
Gute 4* und eine Leseempfehlung von mir!

Bewertung vom 12.06.2022
Todeslied / Kira Lund Bd.2
Neumann, H. Dieter

Todeslied / Kira Lund Bd.2


gut

Netter Regionalkrimi mit sympathischen Protagonisten

Dies ist der zweite Band mit der Reprorterin Kira Lund, man kann ihn auch ohne Vorkenntnisse des ersten Bands problemlos lesen. Im ersten Teil wäre es jedoch von Vorteil gewesen, ein Glossar über Segelausdrücke parat zu haben, um die zahlreichen Fachausdrücke in einigen der ersten Kapitel zu verstehen. Aber man kann natürlich auch darüber hinweglesen, für die Handlung sind diese nicht von Belang.

Mord im deutsch-dänischen Grenzgebiet, sehr schön herausgearbeitet wurde die Zusammenarbeit der beiden Länder und die Besonderheit der deutschen/dänischen Minderheit im jeweiligen Land . Auch die Landschaftsbeschreibungen sind recht stimmungsvoll.
Mit Kira Lund hat der Autor eine sympathische Protagonistin geschaffen, die, weil sie ja Reporterin und nicht Polizistin ist, einfach mehr "darf" - guter Trick! Und die Zusammenarbeit mit einer Kommissarin gestaltet sich auch zu beider Vorteil. Sehr angenehm, dass es hier weder Stutenbissigkeit noch Neid oder Eifersucht zwischen Kira und ihrem Kollegen "Scholli" gibt.

Der Kriminalfall ist in Teilen voraussehbar und einige Figuren sind auch recht klischeehaft geraten. Nichts überrascht wirklich, aber es ist eine runde Geschichte, und die Ermittlungen werden gut nachvollziehbar geschildert. Am Ende wird es sogar noch richtig spannend.

Der Schreibstil ist einfach gehalten und lässt sich darum flüssig lesen.

Ein netter Regiokrimi aus einer außergewöhnlichen Region, eben weder Ostsee noch Nordsee.
Gute 3* und eine Leseempfehlung für Freunde der Gegend.

Bewertung vom 04.06.2022
Tiefes, dunkles Blau
Kobler, Seraina

Tiefes, dunkles Blau


sehr gut

Ein Buch für die Sinne - viel Flair, schöner Schreibstil, aber thematisch an manchen Stellen für mich etwas zu "woke".

Seepolizistin Rosa hat einen unerfüllten Kinderwunsch. Gerade erst hatte sie sich zum Einfrieren ihrer Eizellen zum renommierten Dr. Moritz Jansen begeben, da treibt dieser tot in einem Fischernetz im Zürichsee.
Die Ermittlungen ergeben, dass er nicht nur die Kinderwunschpraxis betrieb, sondern auch eine Koryphäe in neuartiger Gentechnik war. Außerdem hatte er vielfältige Kontakte zu Frauen, die alle verdächtig sind - seine Exfrau, seine Geliebte, ein CallGirl und seine berufliche Partnerin scheinen alle ein Motiv zu haben.

Wir begleiten Rosa bei ihren Ermittlungen und streifen dabei durch Zürich, begegnen ihren Freunden und Familienangehörigen und bekommen durch zahlreiche Schilderungen von durch Rosas Hand zubereiteter Mahlzeiten den Mund wässerig gemacht.

Der Schreibstil ist wunderbar, poetisch fast und lässt das Buch quasi im Munde zergehen. Der Fall an sich bleibt eher nebensächlich, auch weil die Täterin ziemlich bald erkennbar wird. Interessant ist die Frage, wieviel die Gentechnik darf und wie man künftig damit umgehen sollte... Freigabe für alle, also Segen für genetisch Erkrankte? Oder ist es ein zu großer Eingriff in die Natur- denkbar wären dann "Designerbabies" - und somit ein lukratives Geschäftsmodell?

Ich habe das Buch sehr gern gelesen, auch wenn mir das Kinderwunschthema etwas zu stark im Fokus war. An vielen Stellen war mir das Buch zudem thematisch etwas zu "woke", was mich spätestens bei veganer Currywurst und Molekularküche zu nerven begann.

Das war ein wenig too much für mich, daher ein Punkt Abzug.
Dennoch - stimmungsvolles, gut geschriebenes Buch, nicht nur für Zürich-Fans. 4 * für den wunderbaren Schreibstil, ebenfalls dafür auch eine Leseempfehlung!