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Benutzername: Wally
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Bewertungen

Insgesamt 8 Bewertungen
Bewertung vom 09.01.2020
Der Seebestatter von Brooklyn
Schmidt, Thomas W.

Der Seebestatter von Brooklyn


ausgezeichnet

Trotz hoher krimineller Energie der Täter bleiben menschliche Gefühle an der Tagesordnung. Im Focus der Ermittlung steht u. a. Antirassismus. Das Ermittlerteam besteht aus dem Turko-Amerikaner Antun, dem ehemaligen Polizisten Brown und dem Afroamerikaner Leon. Trotz unterschiedlicher Mentalitäten ist es mit seinen außergewöhnlichen Ermittlermethoden erfolgreich. Obwohl Selbstjustiz den Rechtsordnungen des Staates widerspricht, wird trotzdem davon Gebrauch gemacht. Also wird kurzzeitig auch gegen Brown ermittelt.
Die Ich-Perspektive gefällt mir. Zahlreiche und interessante Dialoge gestalten die Handlung lebendig – Spannung von Anfang bis Ende. Gern 5 Punkte für dieses Buch …

Bewertung vom 02.08.2019
Die Silberstraße
Schmidt, Thomas W.

Die Silberstraße


ausgezeichnet

Kreta, - ein Sehnsuchtsort! Ja, für mich. Bislang aber noch nicht für Rita Paulsen, die Frankfurter Rechtsanwaltsfachangestellte und Autorin. Da lernt sie auf der Buchmesse den Kreter Alex Florakis kennen. Schon in der ersten Begegnung beidseitige Sympathie. Bald folgt sie seiner Einladung nach Kreta und der Leser lernt mit ihr diese Traum-Insel kennen. Durch sichere Ortskenntnis, klug aufgebaute, zielsichere Recherche und lebendiges Miteinander der handelnden Personen wird eine fesselnde Spannung erzeugt. Dieser KRETA-Krimi ist zugleich eine einzigartige Liebesgeschichte entlang der geheimnisvollen Silberstraße. Sie wird zum Ort des Zueinanderfindens, aber auch des sich selber Findens.
Was aber hat es mit der platonischen Liebe zu tun, der griechischen? Laut Oscar Wilde "die höchstmögliche Zuneigung überhaupt". Und warum hebt der Autor gerade das thematisch hervor? Fragen über Fragen! Also, einfach mal lesen und dabei sein im Urlaub auf Kreta, direkt an der Silberstraße.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 01.06.2019
Eingesperrt!?
Seidel, Waltraud

Eingesperrt!?


ausgezeichnet

"Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon"-
Mit diesen Worten von Augustinus Aurelius leitet Waltraud Seidel ihre Reiseerzählungen ein. Leseratten aber genügt so eine einzige Seite nicht. Und die DDR hatte viele Leseratten. Und kann so eine Leseratten die oberen Regalteile nicht erreichen, so greift sie eben in erreichbare Höhen. Und genau so machten es die Reiselustigen der DDR. Sie bereisten die für sie erreichbaren Weltteile. Wer jedoch für seine Bergtouren unbedingt in die Alpen fahren wollte, Paris, London oder gar New York besuchen wollte, der fühlte sich wohl eingesperrt. Wer statt dessen die Berge der Hohen Tatra oder des Riesengebirges besteigen, Prag statt Paris, Krakau statt London besuchen und seinen Badeurlaub am Balaton oder am Schwarzen Meer verbringen wollte, für den gab es auch als DDR-Bürger wunderschöne Reiseziele.
Eingesperrt oder eingeschränkt? Der Leser selbst soll entscheiden.
Immer wieder hörte die Autorin im nun vereinten Deutschland, wenn sie von ihren alljährlichen Auslandsreisen erzählte:"Ja, wart ihr denn nicht eingesperrt? Konntet ihr denn so reisen? War reisen denn kein Privileg?" Dann war es vielleicht ein Privileg ,einen so engagierten Klassenlehrer zu haben, der für seine Abschlussklasse 1960 eine zweiwöchige Jugendtourist-Reise nach Prag und der Hohen Tatra gebucht zu haben. Fleißig sparen dafür mussten die Schüler selbst durch fleißige Ferienarbeit. Und etwas legten sicher die Eltern dazu, vor Freude über gute Abiturergebnisse ihrer Kinder. Soetwas prägt und die Sehnsucht nach der Ferne bestimmte auch spätere Urlaubsziele. Schließlich die Aufforderung : "Schreib das auf! Du bist doch ein Zeitzeuge." Die Reiseerlebnisse erweisen sich als geeigneter Rahmen, in dem die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des DDR-Alltags sowie die Bedürfnise, Freuden und Frustrationen vieler Menschen nacherlebbar werden. Dazu trägt auch der lebhafte, kurzweilige Erzählstil der Autorin bei. Auf einzigartige Weise vermittelt sie ein Stimmungsbild des Alltags in der DDR . Informativ und abwechslungsreich auch die Schilderungen über sehenswerte Landschaften, attraktive Architektur, historisch Bemerkenswertes. Selbst Interessantes aus der Sagenwelt der bereisten Städte und Länder wird nicht vergessen, oft von Fotos unterstützt.
Einfach lesenswert für Ost und West, einerseits zum Auffrischen von Erinnerungen, andererseits als Korrektur eines Lebensbildes, entstanden aus einseitigen Informationen, aus Nichtwissen, vielleicht auch aus Desinteresse. Waltraud Seidel zu mir: " Ja, unser Leben war problemreich, das alles soll auch nicht vergessen werden. Aber wir lebten auch richtig aktiv, voller Einfallsreichtum, Spaß und Lebensfreude. Und ich möchte nicht, dass all das im Schmutzwasser einseitiger Geschichtsschreibung versinkt."
Nun ist der Leser gefragt. Viel Spaß dabei!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.05.2019
Daniel, mein jüdischer Bruder
Voelk, Marianne J.

Daniel, mein jüdischer Bruder


ausgezeichnet

Menschlichkeit in unmenschlicher Zeit


Schnaittach, A9 Richtung München. Früher bei jeder Durchfahrt ein Ort, wie jeder andere. Das änderte sich mit der Lektüre eines Buches, das mich emotional stark beeindruckt hat, denn genau hier wurde unter großer Gefahr für die eigene Familie das Leben eines jüdischen Kindes gerettet. Zu lesen in „Daniel, mein jüdischer Bruder“, eine autobiografische Erzählung von Marianne J. Voelk.
Es war im Jahre 1933. Mit der Machtergreifung der Nazis war Deutschlands Untergang vorprogrammiert. Zu jener Anfangszeit wurde deutschlandweit für das neue Nazi-Deutschland noch mächtig "Hurra“ gebrüllt, die warnenden Stimmen gern überhört.
Da erblickten in Nürnberg Rosalie und Daniel, zwei Nachbarskinder, das Licht der Welt. Wunderschön zunächst das gemeinsame Leben der befreundeten Familien, in denen die beiden Kinder miteinander aufwuchsen, eine jüdische und eine christliche. Es war ein verständnisvolles Miteinander, geprägt von gegenseitiger Achtung und Akzeptanz. Selbst das Inkrafttreten der Nürnberger Rassengesetze konnte diese Freundschaft nicht zerstören, zu ungeheuerlich schien, „was die Nazis sich alles so ausdenken.“
Zunächst spontan als rein menschliche Reaktion die Rettung des Jungen vor dem todbringenden Zugriff der Nazis, dann wohl überlegt das mutige Handeln der Mutter Rosalies. Es galt, das Leben dieses Jungen zu retten. Notwendig nun der Wohnungswechsel aus dem bekannten Nürnberger Umfeld nach Schnaittach, wo Daniel als eigenes Kind ausgegeben und auch anerkannt wurde, so dass die Kinder trotz der täglich lauernden Gefahren ein relativ normales Leben führen konnten.
Es ist das stille Heldentum, geboren aus rein humanistischem Denken, Fühlen und Handeln, das Marianne Voelk thematisiert. Die Erinnerungen an ihre eigene Kindheit, noch als Rosalie, werden für den Leser lebendig. Die Autorin zeigt zwei Seiten deutscher Geschichte der dreißiger und vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, sowohl die brutale, menschenverachtende Herrschaft des Nazi-Regimes, als auch den, wenn auch selteneren stillen Widerstand und schließlich dessen Sieg. Berührend geschrieben, bewegend, überzeugend - ein Stück historischer Wahrheit.
Meine Leseempfehlung: Nicht nur für Kinder, aber gerade für sie, zeigt es doch ein Stück kindlichen Lebens in Deutschlands finsterster Zeit. Für mich als Mutter aber vor allem das stille Heldentum einer beeindruckenden Frau und Mutter.
Dieses Buch sollte unseren Schulunterricht beleben im Fach Literatur, im Fach Geschichte, nicht zu vergessen im Fach Ethik.

Bewertung vom 02.05.2019
Auch Mörder tragen Robe
Schmidt, Thomas Walter

Auch Mörder tragen Robe


ausgezeichnet

Eine Schenkung! Noch dazu Millionen wert und unverhofft! Das freut nicht nur den Psychotherapeuten Forster und seine Frau. Geld gibt es bei den beiden sowieso nicht die Menge. Die geschenkten wertvollen Gemälde allerdings sollten, so Tantchens Bedingung, nicht veräußert werden. Dennoch dafür Wege zu finden, ist mühe- und geheimnisvoll. Auch gefahrenbelastet, da die Werke von Spitzweg, van Gogh, Picasso und Chagall von der Tante, einer einstigen Fachanwältin für Strafrecht, nicht wirklich legal erworben waren.
Spannend aufgebaut, erzählt mit detaillierter Sachkenntnis, nicht nur im Bereich der Antiquitäten, die in Schmidts Romanen gern eine Rolle spielen. Wohl gewählt die objektive Erzählperspektive, die trotz rationaler Erzählweise dem Leser den Blick in Gedanken und Empfindungen der handelnden Personen ermöglicht. Beeindruckend Schmidts lebendige Sprache, vor allem in der reichlich verwendetetn wörtlichen Rede. Der Leser ist gleichsam mittendrin in vielen der Dialoge. Gut gemacht! Liest sich super.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.05.2018
Auf nächtlichem Pfad
Schmidt, Thomas W.

Auf nächtlichem Pfad


ausgezeichnet

Ich konnte ihn einfach nicht weglegen, diesen Alpenkrimi, obwohl ich eigentlich gar kein Krimi-Fan bin. Aber dieser literarische Abstecher ins beschauliche Tannheim in Tirol war durchweg so spannend. Die Münchener Antiquitäten-Mafia hatte es nämlich darauf abgesehen, diese Beschaulichkeit für ihre Zwecke zu nutzen. Zum Ausspähen antiker Kostbarkeiten wird Sarah als Au-pair in das mit Gemälden reich bestückte Haus einer wohlbetuchten älteren Dame eingeschleust. Aber entgegen der kriminellen Absicht ihres Auftraggebers entwickelt sich Sarahs Verhältnis zu ihrer Gastgeberin anders als vorgesehen. So ist nun Sarah selbst dessen krimineller Energie ausgeliefert. Psychologisch tiefgehend zieht sich durch die gesamte Handlung das schier hellseherische Gespür der alten Dame, die Sarahs "Augen als Spiegel ihrer Seele" erkennt und für die "der Mensch nun mal ein Nachschlagewerk" ist. Interessant und fesselnd bis zur letzten Seite und daher sehr empfehlenswert.

Bewertung vom 13.05.2018
Nie mit, aber auch nicht ohne
Lukas, Andreas

Nie mit, aber auch nicht ohne


ausgezeichnet

Ein Buch, das sich wohltuend von der Masse abhebt, sowohl thematisch als insbesondere auch im Sprachkünstlerischen. Die Zentralfigur durchlebt und überdenkt an einem einzigen Sommertag das eigene Leben, gleichsam im Schnelldurchlauf. Und das so eindringlich gestaltet, dass sich dem Leser Assoziationen zum eigenen Ich gleichsam aufdrängen. Klug gewählt, die vielseitig variierenden Sprachwiederholungen, die Intensität der Sprachbilder, die zu intensiverem Lesen auffordernden syntaktischen Variationen. Ein Roman, übrigens der erste dieses Autors, den ich gern dem anspruchsvollen Leser empfehle.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.