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Benutzername: Jeannette
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Danksagungen: 4 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 4 Bewertungen
Bewertung vom 27.08.2015
Mit High Heels und Handschellen / Kate O'Hare Bd.1
Evanovich, Janet; Goldberg, Lee

Mit High Heels und Handschellen / Kate O'Hare Bd.1


sehr gut

Zum Inhalt: FBI Special Agent Kate O’Hare nimmt ihren Beruf sehr ernst. Seit Jahren ist sie bereits hinter ihrem persönlichen Nemesis her – Nicolas Fox, seines Zeichens Trickbetrüger, Lebemann und Charmeur. Letzteres stellt sich als eine große Herausforderung für Kate dar, doch sie ist entschlossen, Nick hinter Gitter zu bringen. Allerdings hat ihr Chef andere Pläne, und so nimmt die ungewöhnliche Zusammenarbeit von Kate und Nick ihren Anfang.

Der Titel „Mit High Heels und Handschellen“ spielt wohl ein wenig auf die anderen heiteren Krimis und Liebesromane der erfolgreichen Autorin Janet Evanovich an, von denen ich bisher leider noch keinen einzigen gelesen habe. Dafür bin ich ein großer Fan von Lee Goldbergs Büchern und war deshalb neugierig auf die ungewöhnliche Kooperation dieser beiden Autoren.

Kate O’Hare ist eigentlich nicht der High-Heels-Typ, sondern entschlossen, einsatzfreudig und dienstbeflissen. Außerdem hat sie einen Dad, der ihr auf ungewöhnliche Art und Weise zur Seite steht und mich ein wenig an Shawn Spencers Vater aus der Fernsehserie „Psych“ erinnert. Und dieser Vergleich kommt nicht von ungefähr: Man hat beim Lesen immer das Gefühl, man befände sich mitten in einer Fernsehserie. Der Stoff eignet sich wunderbar zum Verfilmen und wäre im TV sicher ein großer Hit. Lee Goldbergs Drehbucherfahrung ist nicht zu verleugnen, und so entsteht vor dem inneren Auge des Lesers eine sehr plastische Geschichte, gerade so, als sähe man alles direkt vor sich. Nick Fox ist der klassische Gentlemanganove; lediglich sein erster Trickbetrug im Buch hatte in meinen Augen etwas Gemeines, was aber an der Thematik lag.

Auch Goldbergs Liebe zu Berlin kommt im Buch deutlich zum Tragen; seine detaillierten Beschreibungen der Stadt haben mich schmunzeln lassen. Man merkt, dass diese Stellen gut recherchiert sind.

Die Nebenfiguren sind originell und witzig und haben viel Potenzial. Die beiden Hauptfiguren blieben mir persönlich im ersten Band noch ein wenig zu flach und zweidimensional, was viel Luft nach oben lässt. Denn Kate und Nick haben außer Entschlossenheit und Charme sicher noch mehr zu bieten. Auch die Anziehung zwischen den beiden kommt mir noch nicht deutlich genug heraus.

Fazit: Lustige, leichte Sommerlektüre, die Lust auf die Folgebände macht. Zwar liefert das Buch nicht die „Schenkelklopfer“, die der Klappentext vermuten lässt, doch gute Unterhaltung bietet es allemal. Für alle Fans von Janet Evanovich, Lee Goldberg und Geschichten wie „Oceans Eleven“.

Bewertung vom 16.07.2015
Der Sommer, in dem es zu schneien begann
Clarke, Lucy

Der Sommer, in dem es zu schneien begann


ausgezeichnet

Nachdem ich ein Buch ausgelesen habe, brauche ich manchmal ein paar Tage, ehe ich es rezensieren kann. Bei „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“, habe ich mir noch ein paar Tage mehr genommen, um die Geschichte in mir nachwirken zu lassen.
Lucy Clarke hat keinen gewöhnlichen Liebesroman geschrieben, denn Evas Mann Jackson kommt knapp zehn Monate nach ihrer Hochzeit bei einem tragischen Unfall ums Leben. Eva kommt mit ihrer Trauer nicht gut zurecht und beschließt, die Familie ihres Mannes in Tasmanien zu besuchen. Dorthin wollte sie sowieso mit Jackson reisen. Doch in Australien scheint sie nicht willkommen zu sein und es erwarten sie eine Menge Überraschungen . Plötzlich muss Eva alles infrage stellen, was sie bisher geglaubt hat …
Die Aufmachung des Romans ist sehr gelungen, ich mag das blau gestreifte Cover, dessen Muster sich auf dem Buchschnitt fortsetzt und wunderbar die Wellen des Meeres symbolisiert. Erzählt wird die Geschichte aus der personalen Perspekte von Eva, die sich mit ein paar briefartigen Einschüben in Ich-Form abwechselt, in denen wir Jacksons Stimme hören.
Gleich vorab: Ich habe das Buch in einer Nacht ausgelesen, obwohl ich eigentlich nur ein paar Seiten vor dem Schlafengehen lesen wollte. Doch man ist sofort von der Geschichte gebannt und möchte wissen, wie sie weitergeht. Dabei sind es nicht mal die Wendungen, die so fesseln, denn man ahnt bereits recht früh, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Trotzdem bleibt es spannend bis zum Schluss. Es ist vielmehr die gesamte Bandbreite der Gefühle, die Lucy Clarke ihre Protagonisten erleben lässt, und somit auch den Leser, die das Buch so lesenswert macht, und natürlich die zauberhafte Welt am Meer, die sie uns präsentiert. Die Liebe zu Tasmanien spricht aus jeder Seite und die Gegend wird so liebevoll beschrieben, dass man selbst Sehnsucht nach dem Strand von Wattleboon bekommt. Dabei verzichtet sie auf weitschweifige Landschaftsbeschreibungen, sondern beschreibt ein Lebensgefühl. Im nächsten Urlaub werde ich mich ganz sicher mal am Freitauchen versuchen.
Spannend fand ich auch die Fragen, die der Roman aufwirft: Verlieben wir uns in die Person oder die Geschichte der Person? Wie gut kann man einen anderen Menschen überhaupt kennen? Gibt es eine Zukunft ohne Vergangenheit? Was lässt Liebe noch verzeihen?
Alles in allem eine wunderbare Sommerlektüre, die Lust auf Meer, Tasmanien und das Leben macht!

Bewertung vom 08.07.2015
Girl on the Train
Hawkins, Paula

Girl on the Train


ausgezeichnet

Ashbury – London – Ashbury; diese Strecke fährt Rachel Watson zweimal täglich auf dem Weg zur Arbeit. Dabei hält der Zug immer unmittelbar in der Nähe der Straße, wo sie früher mit ihrem Exmann wohnte. Nur wenige Häuser daneben leben „Jason“ und „Jess“. Ihre richtigen Namen kennt Rachel nicht, doch in ihren Augen sind die beiden das perfekte Paar. Als sie eines Tages etwas Überraschendes beobachtet und „Jess“ kurz darauf verschwindet, wird Rachel aktiv. Doch dann verstrickt sie sich immer tiefer in ein Netz aus Lügen, bis sie schließlich selbst in größte Gefahr gerät …

„Girl on the Train“ ist zu Recht einer der hochgelobtesten Romane des Jahres. Vom Leser erwartet er Aufmerksamkeit: Das Buch ist aus den Perspektiven von Rachel, Megan und Anna erzählt, auf verschiedenen Zeitebenen. Trotzdem ergibt sich am Ende ein rundes, aber verstörendes Gesamtbild.

Paula Hawkins gelingt es, den Leser auf eine beklemmende Reise in eine Londoner Vorstadt mitzunehmen, in der am Ende nichts so ist, wie es schien. Sie zeigt die menschlichen Abgründe hinter scheinbar sympathischen Figuren auf, ohne dass diese jemals an Glaubwürdigkeit verlieren, und lässt den Leser fortwährend zwischen Abscheu, Mitgefühl, Angst und Unverständnis schwanken. Und am Ende kann man die Seiten gar nicht schnell genug umblättern …
Insgesamt ist das Tempo zwar eher Regionalbahn als ICE, aber genau das passt hervorragend zur Geschichte.

Fazit: Klarer Lesetipp, nicht nur für Pendler!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.07.2015
Nur einen Horizont entfernt
Spielman, Lori Nelson

Nur einen Horizont entfernt


gut

Hannah Farr, erfolgreiche Moderatorin einer Fernsehsendung in New Orleans, hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter. Da schickt ihr ihre ehemalige Mitschülerin Fiona Knowles zwei Versöhnungssteine, von denen sie einen an einen Menschen weitergeben soll, den sie um Vergebung bitten muss. Was nun folgt, wird Hannahs Leben verändern …

Mit „Nur einen Horizont entfernt“ legt Lori Nelson Spielman wieder einen bewegenden Roman vor. Das Cover ist für mich eins der schönsten des Jahres. Die Geschichte wird aus Hannahs Perspektive erzählt und obwohl sie zum Teil recht vorhersehbar erscheint, überrascht sie gegen Ende noch einmal mit unvorhergesehenen Wendungen und hat mich so gefesselt, dass ich das Buch komplett in einem Rutsch durchgelesen habe.

Wer sich mit dem Thema Versöhnung beschäftigt, wird im Buch viele Anregungen zum Nachdenken finden. Soll man verzeihen und vergessen? Sollten manche Geschehnisse aus der Vergangenheit lieber unerforscht bleiben?

Und da wären wir auch schon bei dem Punkt angelangt, der mich im Buch nicht überzeugt hat.

ACHTUNG – SPOILER!

Gerade bei einem solchen Thema wie sexuelle Belästigung von Kindern gibt es in meinen Augen keinen Toleranzbereich. Dass Hannah am Ende darauf verzichtet, Bobs Geheimnis zu lüften, ist für mich nicht nachvollziehbar, gerade weil auch das Schicksal anderer Menschen davon betroffen ist. Auch RJs Reaktion war für mich nicht selbsterklärend. Weshalb war er so sauer? Hat Hannah in seinen Augen den Ruf seines Vaters ruiniert, oder war er bestürzt, weil Hannah das erleiden musste? Kann eine Beziehung überhaupt mit so einem altem Ballast funktionieren – die Vergangenheit als Tabu?

Ziemlich unglaubwürdig habe ich auch Hannahs Naivität hinsichtlich ihrer beruflichen und privaten Situation empfunden. Man möchte meinen, dass jemand, der es im Haifischbecken Fernsehen so weit nach oben geschafft hat, eine bessere Menschenkenntnis haben sollte. Manchmal sieht man als Leser schon weit vor Hannah, was gleich passieren wird, und möchte sie schütteln, damit sie aus ihrer Traumblase aufwacht.

Fazit: Ein durchaus lesenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt und mit schönen Gedanken zum Thema Versöhnung besticht. Handlung und Charaktere konnten mich jedoch nicht immer überzeugen, und aufgrund des in meinen Augen nicht zufriedenstellend gelösten Erzählstrangs mit Bob bleibt ein fahler Nachgeschmack zurück.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.