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Benutzername: Bücherwürmchen
Wohnort: Bayern
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Bewertungen

Insgesamt 14 Bewertungen
12
Bewertung vom 07.03.2010
Finstere Orte
Flynn, Gillian

Finstere Orte


sehr gut

Unheilvolle Verschlingung brillant erzählt

Es fängt ganz harmlos an, in dem wir die verkorkste zynische Libby kennen lernen. Aber im Laufe des Romans vermengen sich zwei parallel laufende Handlungsstränge subtil und rufen eine unheilvolle Spannung und eine bedrückende Stimmung hervor, der man sich nicht entziehen kann.

Man erlebt gleichzeitig, wie die Mittdreissigerin Libby versucht, zuerst aus Geldmangel und später wegen der Zweifel, die sie entwickelt, aufzuklären, wie der Mordtag an Mutter und Schwestern wirklich abgelaufen ist und ob der dafür verurteilte Bruder vielleicht doch unschuldig ist.
Parallel wird uns Stück für Stück der Tag der Morde aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Dieser raffinierte Aufbau führt dazu, dass man sich in der einen Zeitebene fragt, wie eine bestimmte Sache so weit kommen konnte und gleichzeitig findet man in der anderen Zeiteben die Erklärung dafür. Man ahnt, wie der Mordtag abgelaufen sein könnte, dann zerschläft sich eine Spur und eine neue Facette tut sich auf. So muss sich auch die erwachsene Libby fühlen, die zwar Kleptomanin und absolut lebensuntüchtig, aber auf ihre schnoddrige und chaotische Art trotzdem liebenswert ist.

Einziger Kritikpunkt aus meiner Sicht ist die Auflösung, die mich nicht ganz überzeugt hat.

Trotzdem ist die Autorin für mich eine echte Entdeckung, denn sie schafft es, die Charaktere sehr lebendig mit all ihren Fehlern und Ängsten darzustellen und eine Spannung zu erzeugen, wie nicht viele das können.

Bewertung vom 20.02.2010
Alles Fleisch ist Gras
Mähr, Christian

Alles Fleisch ist Gras


weniger gut

Entsetzlich normal

Zufall und Unglück führen dazu, dass Galba, der Leiter der Kläranlage Dornbirns, einen erpresserischen Mitarbeiter spurlos verschwinden lässt. Und zwar äußerst erfolgreich. Schulfreund und Polizist Weiß hat ihn zwar im Verdacht, lässt ihn aber nicht hochgehen, sondern nutzt die Gelegenheit, um selbst unliebsame Zeitgenossen loszuwerden.
Dieses Szenario ist zwar nicht neu, es birgt aber viele Möglichkeiten für schwarzen Humor, skurrile Situationen und Wortwitz. Mit dieser Erwartung bin ich an dieses Buch herangegangen. Und wurde leider enttäuscht.
Alles an diesem Krimi ist so entsetzlich normal. Sogar der Mörder ist eine arme Wurst mit Potenzproblemen und Alpträumen, der unter seinen Taten leidet. Das Skurrile an der Situation wird so ins Bürgerliche, Langweilige, Durchschnittliche hineingezogen, dass leider die erhofften Humorbomben wirkungslos verpuffen. Es bleibt ein Gefühl von Tragik und Leid, von Leichtigkeit und Humor keine Spur.

Es gibt zu viele zu lange – zu langweilige – Gedankengänge, die es anstrengend machen, bei der Sache zu bleiben. Nur der eine oder andere Dialog war erfreulich zu lesen, weil eine Prise schwarzen Humors durchschien. Diese Highlights des Buches waren aber für eine echte Entdeckung zu rar gesät. So bleibt nur ein durchschnittlicher Krimi, der durch nichts positiv aus der Masse heraus stechen kann.

Bewertung vom 15.01.2010
In weißer Stille / Kommissar Dühnfort Bd.2
Löhnig, Inge

In weißer Stille / Kommissar Dühnfort Bd.2


ausgezeichnet

„In weisser Stille“ zeigt uns einen Pfuhl aus Macht, Hass und Abhängigkeiten hinter einer gutbürgerlichen Fassade. Man blickt hinter die Kulissen des Familienclans um einen herrischen Kinderarzt, der zu Beginn des Buches brutal ermordet wird. Das Leben der einzelnen Familienangehörigen und die Verflechtungen miteinander sowie die ermittelnden Polizisten werden einfühlsam und lebensnah geschildert – das ist das, was Inge Löhnig wirklich hervorragend beherrscht. Sogar Nebenpersonen werden mit wenigen Sätzen so beschrieben, dass sie einem lebendig vor Augen stehen. Die Motive der Handelnden sind nachvollziehbar und gut ausgeleuchtet.

Die Krimihandlung ist gut konstruiert und die Spannung steigert sich bis zu einem atemberaubenden Showdown. Es gibt genug Fährten, um den Leser bei Laune zu halten und um mitzurätseln, wer aus welchem Motiv der Mörder sein könnte bzw. ob er damit durchkommt.

Den ersten Band um Kommissar Dühnfort kenne ich nicht und hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass mir dadurch etwas für den Lesegenuss fehlt.

Insgesamt ein sehr guter klassischer Krimi, der hervorragend erzählt wurde.

Bewertung vom 04.10.2009
In Todesangst
Barclay, Linwood

In Todesangst


gut

„In Todesangst“ war mein erstes Buch von Linwood Barclay. Es hat mich gut unterhalten. Allerdings gab es auch einige Dinge, die mir nicht so gut gefallen haben, weswegen als Fazit nur noch ein „durchschnittlich“ übrig bleibt.

Die Ängste des Ich-Erzählers Tim Blake um seine verschwundene Tochter und seine Bemühungen, sie aufzuspüren, waren spannend geschildert, man litt und sorgte sich mit ihm. Der Roman war gut und flott zu lesen durch die einfache, direkte Schreibweise und eine Story nach bewährtem Muster, die immer wieder mit neuen Wendungen aufwartete.
Nach einer spannenden Einleitung flachte die Erzählung im Mittelteil leider ziemlich ab. Beispielsweise war Tim zu sehr Autoverkäufer und ließ uns an seinem Berufsleben großzügig teilhaben, auch wenn das mit dem Verschwinden seiner Tochter nichts zu tun hatte. Da ich mich nicht für Autos interessiere, haben mich diese Passagen gelangweilt.
Die Akteure blieben bis auf Tim selbst ziemlich blass und blutleer.
Die Polizei ermittelte nur gegen Tim, was zwar die Spannung erhöhte, weil er auf sich alleine gestellt war und nicht auf die Unterstützung der Behörden zählen konnte. Nachvollziehbar war das allerdings nicht, denn Tim hatte sich nicht besonders verdächtig gemacht und die ziemlich dilettantisch wirkende Polizei ging anderen guten Spuren überhaupt nicht nach. Im letzten Drittel wurde die Story immer haarsträubender und konstruierter bis hin zum Schluss, bei dem sich plötzlich alle Randfiguren als Beteiligte mit teilweise fragwürdigen und nicht ganz nachvollziehbaren Motiven entpuppten.

Unterm Strich kein wirklich schlechtes Buch, aber auch nichts Besonderes.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.10.2009
Farben der Schuld / Kommissarin Judith Krieger Bd.4
Klönne, Gisa

Farben der Schuld / Kommissarin Judith Krieger Bd.4


sehr gut

Das war mein zweites Buch von Gisa Klönne. Ich hatte es schon mit Band 1 dieser Krimiserie versucht, aber damit wurde ich nicht so ganz warm. Damals war mir der Schreibstil zu detailverliebt und spannungsarm – ganz im Gegensatz zu „Farben der Schuld“. Hier schafft es Gisa Klönne, z. B. mit einem oder zwei Absätzen eine Persönlichkeit zu beschreiben. Nicht nur die Polizisten Judith und Manni, sondern einige Personen mehr haben Charakter und Tiefe bekommen, ohne dass es zu ausführlich wurde.

Die Krimihandlung setzt nicht auf grausame und blutige Details, sondern ist eher ein Psychogramm von Verlust, Verantwortung und Sehnsucht nach Familie bzw. einem Vater, das sich bei einigen Personen als Motiv durch das Buch zieht. Ein eher leiser Krimi, der trotzdem ordentlich Spannung aufbaut.

Einziger Kritikpunkt ist, dass die Auflösung am Ende etwas lakonisch und unspektakulär daher kam, so dass ich leider nicht durch das Buch die komplette aufgeklärte Story nochmal zusammengefasst präsentiert bekam, sondern quasi selbst noch „nacharbeiten“ musste, um die ganze Bandbreite zu erfassen. Das hat mich irritiert, aber nachdem ich meine Hausaufgaben gemacht hatte, empfand ich die Lösung doch schlüssig und passend.

Bewertung vom 03.10.2009
Submarino
Bengtsson, Jonas T.

Submarino


ausgezeichnet

Charakteristisch für die Schreibweise von Bengtsson sind kurze Sätze, manchmal auf den ersten Blick zusammenhanglos hingeworfene Gedanken, lakonisch geschilderte Dramen, die dadurch umso realistischer und eindringlicher wirken. Insgesamt vermittelt schon alleine diese Sprache einen Eindruck von den Leben der beiden Brüder, um die es geht: Der Überlebenskampf schon in der Kindheit, Aggressionen, ein Sich-Treiben¿Lassen und das Streben danach, ein guter Mensch zu sein, ein guter Vater, einem gewissen Ehrenkodex zu folgen, nicht nur haltlos und fremdbestimmt zu sein, einfach durchs Leben zu kommen. Dieses Buch ist definitiv keine leichte Sommerlektüre, das man so nebenbei konsumieren und unberührt wieder weglegen kann. Wer aber bereit ist, sich auf die schonungslose Schilderungen chancenloser Leben einzulassen, wird ein grandioses Buch entdecken.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.07.2009
Ich folge Dir mit geschlossenen Augen
Frank, Rina

Ich folge Dir mit geschlossenen Augen


schlecht

Eine Enttäuschung

Aufgrund der ersten Seiten des Buches war ich begeistert vom Erzählstil, der durch Wortwitz und feine Selbstironie glänzte. Die Heldin schien mir eine bodenständige, nicht mehr ganz junge und deshalb gelassene und abgeklärte Frau zu sein, die mit Augenzwinkern in die Welt schaut.

Doch schneller als mir lieb ist entdeckte ich, dass Rina eine kindische, hysterische und egoistische Person ist, die mit Bockigkeit ihre Trotzphase auch noch mit fast 50 Jahren auslebt und mir ziemlich unsympathisch ist. Zu ihrem Glück stolpert ihr „heldenhafter Operateur“ genauso plump und fremdgesteuert durchs Leben, so dass man sich wenigstens damit trösten kann, das sie sich gegenseitig verdient haben. Die Liebesgeschichte zieht sich, weil der Leser relativ schnell weiß, dass das nichts wird. Und auch das, was ich für witzig und selbstironisch gehalten hatte, entpuppte sich als Rinas voller Ernst.

Einziger Lichtblick waren die nebenbei erhaltenen Informationen über alltägliches Leben in Israel, die aber viel zu kurz kamen, um den oberflächlichen und kitschigen Eindruck wieder wettzumachen, den das Buch bei mir hinterlassen hat.

Bewertung vom 07.06.2009
Alles wegen Werner
Haskamp, Bettina

Alles wegen Werner


gut

Prädikat „erholsam“

Protagonistin Clara erwacht aus einem 30jähringen Dörnröschenschlaf, als sie vom untreuen Ehemann unfreiwillig ins Leben hinaus gestoßen wird. Sie gibt ein Leben auf, dem man meiner Meinung nach keine Träne nachweinen muss, aber es dauert eine Weile, bis sie ihr Leben ordnet und ihr inneres Gleichgewicht findet.
Diese Entwicklung wird mit viel Wortwitz kurzweilig erzählt. Die Landschaft, die sie sich ausgesucht hat ist karg, aber die Leute, denen sie begegnet, sind liebenswert, bisweilen schrullig. Und so ist es unterhaltsam zu verfolgen, wie Clara ihre Erfahrungen macht. Schon beim Lesen stellt sich bei einem selbst ein gewisses Urlaubsfeeling ein. Ein Buch, das keinen großen Anspruch erhebt, sondern einfach erholsam ist.

Bewertung vom 06.06.2009
Daheimbleiben kann jeder
Baumann, Thomas

Daheimbleiben kann jeder


schlecht

Dies ist eines der sehr wenigen Bücher, das ich nicht zu Ende gelesen habe. Nach gut der Hälfte habe ich aufgegeben.

Dabei habe ich es mir nicht leicht gemacht. Bei jedem Kapitel gab ich dem Thema eine neue Chance, aber nach wenigen Zeilen fragte ich mich immer, was mir der Autor damit sagen wollte. Die Abschnitte waren weder informativ noch unterhaltsam. Der Humor war zu gekünstelt und bemüht, um tatsächlich witzig oder ironisch zu sein.

Schon alleine die Themenwahl war für mich ein Graus. Rund um das Reisen gibt es garantiert jede Menge amüsante Randerscheinungen, typisch deutsche Reisemacken oder immer wiederkehrende Situationen, die hier leider alle nicht erwähnt wurden. Stattdessen erfuhr ich, dass man als Zuschauer einer Völkerschlacht besser den Kämpfern nicht den Rückzug verstellen sollte, damit sie nicht deswegen massakriert werden, weil sie nicht mehr abhauen können. Und dass Krakau und Dortmund von oben auf den Stadtplan geschaut ähnlich aussehen. Da bin ich dann abgehauen und habe das Buch zu geklappt. Durchgefallen

Bewertung vom 06.06.2009
Die Hütte
Young, William P.

Die Hütte


sehr gut

Warum lässt Gott so etwas Böses zu?

Das ist eine der Kernfragen, mit der sich Mack auseinandersetzen muss, nachdem seine geliebte Tochter entführt und ermordet wurde. Sein Glaube leidet darunter und er verfällt in Depressionen. Ein Wochenende mit Gott ändert seine Einstellung und sein Verständnis, denn einige seiner Fragen werden beantwortet und seine Sicht auf die Dinge verändert.

Ich habe keine neuen Einsichten oder Erkenntnisse gewonnen, die man in anderen Büchern über Glauben nicht auch hätte finden können. Denn letztendlich teilt uns hier doch nur ein Mensch seine persönliche Meinung mit und – auch wenn es anders zu sein scheint – nicht Gott selbst.

Allerdings macht Young das auf eine sehr anschauliche Weise und für jedermann verständlich in Form eines Romans, der außerdem noch kurzweilig und unterhaltsam ist. Für Teenager oder für Menschen, die sich erstmalig mit dem Thema Glauben auseinandersetzen wollen, ist diese eher philosophische Aufbereitung ein guter Einstieg.

Die etwas kindliche und naive Darstellung von Gott und dem Jenseits brachte mich gelegentlich zum Schmunzeln. Nur Macks zum Teil zu brav formulierte Fragen, aber bei weitem nicht meine eigenen wurden beantwortet und die Antworten auch von Mack manchmal zu unkritisch hingenommen. Deshalb kann dieses Buch auch nur der Auslöser von weiteren Gedanken, von Diskussionen oder tiefergehender Lektüre sein und nicht die Antwort auf alle Fragen. Es kann aber durchaus das Interesse an diesem Prozess wecken und deshalb ist es für mich gelungen.

7 von 10 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

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