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Bewertungen

Bewertung vom 20.02.2014
Und auch so bitterkalt
Schützsack, Lara

Und auch so bitterkalt


ausgezeichnet

Manchmal liest man ein Buch und ist total begeistert. Doch dann fällt es schwer, die Begeisterung in Worte zu fassen und auszudrücken, warum dieses Buch so einzigartig ist. So auch hier…

Lucinda ist anders: unkonventionell, lässt sich nicht in Schubladen stecken und gehört in der Schule auch keiner Clique an. Mit ihrer Mutter versteht sie sich überhaupt nicht; dabei sind sich die beiden ähnlicher, als es ihr lieb ist. Sie hat Stimmungsschwankungen und One Night Stands. Sie isst nicht viel, verheimlicht das aber zu Beginn vor ihren Eltern. Lediglich Malina weiß Bescheid und hilft ihr manchmal sogar, Essensreste zu entsorgen. Als der neue Nachbarsjunge Robert einzieht, dachte ich, sie öffnet sich etwas. Doch schnell verfiel sie wieder in alte Muster.
Die Essstörungen werden immer dramatischer und die Situation spitzt sich zu. Die Lage, in der die Familie steckt, ist von der Autorin richtig gut beschrieben worden.
Lucinda ist ein wirklich komplexer und schwieriger Charakter. Ich würde nicht behaupten, dass ich vollen Zugang zu ihr gefunden habe. Trotzdem fand ich sie sehr interessant und habe mit Spannung ihre Taten verfolgt. Das, was sie sagt, hatte nicht nur Gewicht für ihre kleine Schwester, sondern auch für mich. Es waren oftmals Weisheiten, die ich ihr zuerst gar nicht zugetraut hätte und die die Komplexität ihres Charakters belegen.

Essstörungen sind häufig noch ein Tabuthema. Der Autorin ist es gelungen, mit der nötigen Sensibilität an die Geschichte heranzugehen. Und trotzdem konnte sie die Probleme, die diese Krankheit mit sich bringt, gut und glaubwürdig darstellen. Die Streitereien in der Familie, die Machtlosigkeit der Eltern und das verzerrte Selbstbild der jungen Lucinda.

Mit ihrem direkten und angenehm zu lesenden Schreibstil konnte Lara Schützsack mich voll in die Geschichte ziehen. Wie oben schon geschrieben, wurden oft kleine Weisheiten und sehr bildhafte Beschreibungen eingefügt. Die Seiten glitten nur so durch meine Finger. Leider war das Buch dann auch viel zu schnell vorbei.

Tja, und dann das Ende… Verraten werde ich hier natürlich nichts. Aber auch jetzt überlege ich noch, wie es wohl gemeint ist. Ist es so zu verstehen, wie es von der Autorin schwarz auf weiß niedergeschrieben wurde? Oder doch eher im übertragenen Sinne? Hat die kleine Schwester sich die Situation vielleicht so vorgestellt oder spielt ihre Fantasie ihr einen Streich? Das würde ich die Autorin ganz gerne einmal fragen. Ich habe meine eigene Interpretation des Endes.

Vom Fischer Verlag wurde das Buch als “neue aufregende Stimme in der deutschen (Jugend-) Literatur” vorgestellt. Und für mich trifft das hier voll zu. Ein Roman, der sich mit einem Tabuthema beschäftigt, und dieses auf 176 Seiten auf eindringliche Art vermittelt.

Die vollständige Rezension finden Sie unter bookwives.wordpress.com