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Benutzername: anfromme
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Bewertungen

Insgesamt 3 Bewertungen
Bewertung vom 25.01.2008
A Year in the Merde
Clarke, Stephen

A Year in the Merde


schlecht

Nein, den positiven Meinungen anderer kann ich mich absolut nicht anschließen. Es kommt mir zu sehr so vor, als wolle Clarke (bzw. sein Alter Ego Paul West) Ignoranz als Humor tarnen. Ganz unangenehm.
Sich permanent drüber lustig zu machen, dass die Franzosen kein sonderlich gutes Englisch können, während man selbst noch ein Stück schlechter Französisch spricht, obwohl man ein Jahr in Paris lebt & arbeitet, ist sehr arm. Weder der Hauptfigur noch dem Autor scheint das allerdings aufzufallen.

Trotz einiger hübscher Momente gilt generell in diesem Buch: je platter und klischeebehafteter, desto besser. Pariserinnen sind in der Mehrzahl jung, gutaussehend und natürlich wahnsinnig willig. Was unter anderem zu Passagen führt, die mich peinlich berühren, weil sie sich literarisch an den Texten neben nackten Frauen auf der ersten Seite von Boulevardzeitungen orientieren. Da wird dann versucht, möglichst ho-ho-zweideutig Sex mit einer BWL-Studentin zu beschreiben, auf dem Niveau von "sexy Alex eine Finanzspritze verpassen". So etwas muss man schon mögen. Meins ist's nicht. Was man nebenbei über Paris erfährt, beschränkt sich auf Oberflächlichkeiten, die jeder bei einem Wochenendaufenthalt dort mitbekommt.

Kurz - mit wenigen Ausnahmen sehr platter Humor, flache Charaktere, und als Reise- bzw. Aufenthaltsbericht völlig unaufschlussreich, weil nur Klischees und Stereotypen aufgewärmt werden. Ganz schlimm. Eines der wenigen Bücher, bei dem es mir ein Herzensanliegen war, es in der Altpapiertonne zu versenken.

Wer humorvollere Reiseberichte lesen will, denen, bei aller Verwunderung über die Sitten und Gebräuche anderer Länder, nie die Liebe zum Reisen wie auch zu fremden Kulturen abgeht, halte sich also weiterhin besser an Bill Bryson. Wer speziell zu Paris/Frankreich amüsant geschriebene Informationen sucht, findet selbst im "Lonely Planet"-Reiseführer humorvollere Passagen als in "A year in the merde".
afromme aus Hövelhof

5 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.07.2007
Nördlich des Weltuntergangs
Paasilinna, Arto

Nördlich des Weltuntergangs


weniger gut

Das Fazit zuerst: kein unterirdisch schlechtes Buch, als Urlaubslektüre zum Lesen am Strand ohne großes Nachdenken vermutlich ganz gut geeignet.
Okay - es ist also nicht schlecht. Da muss natürlich ein "Aber" folgen. Dieses "Aber" lautet: "Aber es ist ein sehr schlichtes Buch."
In Jeder Hinsicht.
Die Guten sind klar definiert und außerdem schlichten Gemüts - ein bisschen skurril, ein bisschen eigen, aber auch genügsam und hart arbeitend. Vor allem haben sie aber, ganz klischeekonform - das Herz am rechten Fleck.
Die Nicht-So-Guten sind ebenso schlicht definiert - Vertreter von Behörden und anderes Organisationen, die dagegen sind, dass ein paar Finnen ganz ohne Genehmigung das machen, was Finnen (aus Sicht des Autors) eben tun sollten.
Das Gute gewinnt natürlich, in den meisten Fällen innerhalb weniger Zeilen, in denen die Nicht-so-Guten zumeist zu den Guten übertreten.
Man kann sich hier über den Sieg des Guten und Vernünftigen freuen - oder sich über derartige Voraussehbarkeit ärgern.
Ähnlich schlicht ist die Handlung. Wer je Asterix gelesen hat, kennt sie bereits - ein widerspenstiges Dorf zieht sein eigenes Ding durch und trotzt damit dem Zeitgeschehen, erkennt nebenbei moderne Technik als maßlos überschätzt und das einfache Leben als das einzig Wahre. Damit ist die Handlung bereits hinreichend beschrieben und viel mehr ergibt sich auch nicht, wenn man das Buch tatsächlich liest. Problem ist, dass schon der Klappentext all das verrät. Wobei man diese Handlung sowieso spätestens auf Seite 40 durchschaut hätte.
Wo der Klappentext schon alles überdeutlich macht, verhält sich das Buch ähnlich. Alles wird sehr, sehr deutlich gemacht. Derart deutlich, dass ich mich häufig bevormundet gefühlt habe in dem, was ich mir als Meinung zu den Guten und den Nicht-so-Guten gefälligst bilden sollte.
Nach spätestens der zweiten Konfrontation mit der - im Verhältnis zum Dorf - neumodischen Außenwelt ist klar, wie jede weitere diese Konfrontationen ausgehen wird. Das ist etwas ermüdend und macht mehr als deutlich, was der Autor doch unbedingt mal losgeworden sein wollte (Bürokratie, Staatseinmischung und Technologie, speziell Allradtraktoren, sind schlecht, das einfache Landleben ist gut). Das läuft dann alles auf eine etwas sehr naive und romantische Verklärung der (finnischen) Einfachheit hinaus. Derart deutlich, dass ich am liebsten aus Protest direkt zwei Allradtraktoren angeschafft hätte.
Auch sonst ist dieses Buch angenehm voraussehbar und glatt, einschließlich der wohldosierten Portion Skurrilität. Was auf mich kalkuliert wirkt - einer bewährten, noch dazu sehr schlichten, Formel folgend. Wirklich überraschen konnte mich ab dem ersten Drittel kein Handlungselement mehr. Womit ich mir das zweite Drittel eigentlich auch hätte sparen können.
afromme aus Hövelhof

Bewertung vom 26.06.2007
42
Lehr, Thomas

42


weniger gut

Eine zwiespältige Angelegenheit, dieses Buch.
Interessantes Setting, auch der Plot ist vielversprechend. Auch die Gedanken, die sich der Autor zu den Auswirkungen der plötzlich stehen gebliebenen Zeit gemacht hat, sowie die daraus folgenden Handlungen und Verstrickungen sind durchaus fein erdacht.

Leider ist das ganze verpackt in eine unfassbar prätentiöse Sprache. Auf dem dem Buchdeckel wird euphemistisch von einer "poetischen Sprache, die ihresgleichen sucht" gesprochen. Nunja. Einige der diversen Stilmittel funktionieren gut oder auch sehr gut - aber die meisten Allegorien, Metaphern und umständlichen Satzkonstrukte nerven schlicht. Derart viel wird dem armen Text setllenweise aufgeladen, dass dieser nur keuchend und erschöpft unter der Last zusammenbrechen kann. Was er dann auch tut.
Meines Erachtens leider ein Musterbeispiel für den Einsatz von derartigen Stilmitteln aus mehr oder minder reinem Selbstzweck, um literarischen Anspruch vorzutäuschen. Das wurde auch noch belohnt mit der Aufnahme in die Shortlist des Deutschen Buchpreises.
Nichtsdestotrotz sind all diese Allegorien und sonstigen sprachlichen Bilder, samt der oft schwurbeligen Satzstruktur gleich doppelt ärgerlich - einerseits hindern sie die Lesbarkeit ungemein und wirken obendrein ein bisschen wie Angeberei des Autors, der zeigen will, was er so kann, koste es was es wolle. Noch schlimmer aber: ich habe Probleme, dem Autor seinen Ich-Erzähler zu glauben. Man erfährt, dass er Journalist ist und seit fünf Jahren in der Nullzeit lebt. Er selbst sagt auch, dass er vieler der Effekte eben dieser Nullzeit inzwischen überdrüssig geworden ist, was mehr als plausibel ist. Bloß setzt er im gleichen Atemzug an, eben diese Effekte (und im weiteren Verlauf noch viele weitere) in wildesten Metaphern, Gleichungen u.ä. auszumalen und zu beschreiben. In einer Art und Weise, die ich ihm vermutlich selbst dann nicht abnehmen würde, wenn er die Nullzeit-Auswirkungen zum ersten Mal erleben und beobachten würde. Wiederum wirkt das mehr so als würde sich der Autor hauptsächlich selbst daran berauschen, wie gründlich er sich das ganze Nullzeit-Weltbild zusammengedacht hat.

Wen also prätentiöse - ich meine poetische - Sprache nicht stört, bzw. wer diese sogar mag, dem sei dieses Buch empfohlen. Allen anderen sei der Tipp gegeben, dass für dieses Buch eine gute Portion Ausdauer vonnöten ist.
A. Fromme aus Hövelhof

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.