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Giselas Lesehimmel
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Landshut
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Bücher sind die schönste Unterhaltung

Bewertungen

Insgesamt 813 Bewertungen
Bewertung vom 11.01.2026
Archan, Isabella

Die MörderMitzi und der eiskalte Tod


ausgezeichnet

Spannende, humorvolle Geschichte, dazu eine verschneite Hütte, die Behaglichkeit verbreitet.


Die MörderMitzi freut sich auf einen Retreat im Dachsteingebirge, die ihr ehemaliger Therapeut Dr. Rannacher leitet. In einer verschneiten Hütte, abgeschlossen von der Außenwelt, sollen acht Teilnehmer zur inneren Ruhe finden. Mensch, da hat sich die MörderMitzi aber gefreut. Endlich darf sie mal wieder ihren Therapeuten sehen und sprechen. Auf einer kleinen Erkundungstour findet sie im Wald einen Schneemann ⛄️, gefüllt mit einer Leiche. Das darf doch wirklich nicht wahr sein, oder?


Isabella Archan verbindet Krimi und behagliche Atmosphäre zu einem stimmigen Ganzen. Mit der MörderMitzi hat sie eine liebenswürdige Figur geschaffen, die für jeden Verbrecher und Mörder nette Worte findet. Das hält sie jedoch nicht davon ab, Verbrecher zur Strecke zu bringen.

Der, mit einer Leiche gefüllte Schneemann ⛄️, soll nicht die einzige Leiche bleiben. Im gemeinsamen Schlafraum der Frauen liegt eine Teilnehmerin tot im Bett.

Immer wieder kommt der geheimnisvolle "Eisprinz" zu Wort, der die Morde begangen hat und sich in der Gruppe befindet. Das ist ein sehr spannender Bestandteil der Geschichte. Wer von den männlichen Teilnehmern ist der Mörder? Gehören die zwei Morde zusammen? An unglückliche Unfälle mag die Mitzi nicht glauben; zumal ihr eigenes Leben in Gefahr gerät.

Die Figuren sind wunderbar ausgearbeitet und ich konnte zu allen einen Bezug aufbauen. Die Patienten von Dr. Rannacher haben mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen und statt Meditation, werden sie mit einer Leiche konfrontiert. Den Schneemann ⛄️ verschweigen Mitzi und der Therapeut. Mitzi bekocht die Gruppe und versucht mit ihren kulinarischen Genüssen eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.

Dieser österreichische Cosy Crime ist wirklich spannend. Während ich das Buch gelesen habe, hat es bei uns geschneit. Das hat das wunderbare Feeling beim Lesen noch zusätzlich unterstrichen. Immer wieder habe ich mir das wunderschöne Cover angeschaut, das zusätzlich noch einen Wohlfühleffekt erzeugt, mit dem vielen Schnee und dem beleuchteten Fenster in der Hütte.

Das war nicht das erste Abenteuer, das ich mit der MörderMitzi erlebt habe. Mittlerweile hat sie ja einen Lebenspartner gefunden, der ein Café führt. Den hat sie sehr vermisst; sowie ihre beste Freundin Agnes. Es ist das erste Verbrechen, welches sie ohne ihre Freundin lösen muss. Ob sie es geschafft hat? Das solltet ihr selbst erkunden. Der Cliffhanger am Ende hat mir Gänsehaut beschert. Eine klare Empfehlung!

Danke Isabella Archan. Ich freue mich auf weitere Abenteuer von der MörderMitzi.

Bewertung vom 07.01.2026
Lawhon, Ariel

Codename Hélène


ausgezeichnet

Fesselnde Spionagegeschichte nach wahren Begebenheiten

1936 - 1945
Es geht hier um einen biografischen Roman, aus der Feder von Ariel Lawhon. Die Autorin konnte mich schon mit "Der gefrorene Fluss" schwer begeistern. In dieser Geschichte erleben wir den Aufstieg Hitlers, den Zweiten Weltkrieg und die damit verbundene Judenverfolgung. Im Fokus steht die mutige Nancy Wake, die nicht nur eine große Leidenschaft für rote Lippenstifte hegt, sondern sich auch dem Kampf um Gerechtigkeit verschrieben hat.

Sie lernt den Womanizer Henri Fioca kennen und lieben. Schnell heiraten die beiden. Kurz darauf hat die mutige Auslandskorrespondentin ihre ersten Einsätze als Spionin, die sie unter verschiedenen Decknamen ausführt.

Frau Lawhon versteht ihr Handwerk. Sie hat mich wieder an die Seiten gefesselt und mir spannende Lesestunden beschert, indem sie wahre Begebenheiten mit Fiktion zu einem harmonischen Ganzen verwoben hat. Die verschiedenen Zeitebenen sind gut integriert und haben meinen Lesefluss zusätzlich erhöht.

Es ist ein wichtiger Roman, gegen das Vergessen, der besonders in der heutigen Zeit von großer Bedeutung ist. Wieder einmal wird einem der Wahnsinn vor Augen geführt, der im 2. Weltkrieg stattgefunden hat.

Besonders gut hat mir gefallen, dass die Geschichte aus der Sicht der gebürtigen Neuseeländerin Nancy Wake erzählt wird und zeigt, wie hilfreich diese Frau in den schwierigen Zeiten war. Während der deutschen Besetzung Frankreichs hat sie ihr Leben als Fluchthelferin aufs Spiel gesetzt.

Ich habe Informationen aus dem Netz dazu gelesen. Das mache ich besonders gerne bei biografischen Romanen und komme damit den Personen noch ein Stückchen näher.

Eine klare Empfehlung, für diesen gut recherchierten Roman, der die Handschrift von Ariel Lawhon trägt. Mitreißend, spannend und sehr emotional, bekommt man hier ein Stück Geschichte. Ich empfehle, das Nachwort zu lesen.

Mein großer Dank geht an Ariel Lawhon und dem Adrian Verlag.

Bewertung vom 02.01.2026
Kuschik, Karin

50 Fragen, die das Leben leichter machen


ausgezeichnet

Doch, es gibt auch dumme Fragen!

Karin Kuschiks Vorgänger "50 Sätze die das Leben leichter machen" konnte mich überzeugen. Daher habe ich mich sehr gefreut, als mir ihr neues Werk angeboten wurde. Auch die 50 Fragen habe ich wieder sehr gerne gelesen; meist mit einem Lächeln.

Man lernt einfach nie aus. Es gibt keine dummen Fragen. Danke Frau Kuschik, dass sie meine Meinung dazu in ihrem Buch bestätigen. Klar, gibt es dumme Fragen! Es sind schon einige durch meine Gehörgänge gewandert.

Eine richtig formulierte Frage kann aussichtslose Situationen zum Guten verändern. Für jede Lage, die richtige Frage. Das findet man tatsächlich in in diesem cleveren Buch, das sehr humorvoll daher kommt. Mit einem Lächeln im Gesicht ist man doch viel aufnahmefähiger.

Jeden Tag habe ich mir ein bis zwei Kapitel gegönnt. Warum? Falsche Frage! Lest das Buch.

Danke, Karin Kuschik. Es hat sehr viel Spaß gemacht, die Fragen zu lesen und die Reaktionen zu erleben. Eine klare Empfehlung.

Bewertung vom 01.01.2026
Wang, M. L.

Blood over bright haven


ausgezeichnet

Das beste Buch, das ich je über Magie gelesen habe.

Die Tiranerin Sciona hat ihr Ziel erreicht und ist eine Hochmagierin geworden. Ihr gütiger Mentor hat ihr Talent von Anfang erkannt und sie unterstützt. Dennoch sind ihre männlichen Kollegen eine ihrer größten Herausforderungen. Als einzige Magierin wird ihr das Leben im Magisterium schwer gemacht, indem man den Kontakt mit ihr weitgehend meidet und höchstens mal abwertende Kommentare ihr gegenüber äußerst. Statt eines qualifizierten Assistenten stellt man ihr den Hausmeister Thomil zur Seite. Der Kwen wird sich jedoch als wahrer Glücksgriff erweisen.

Thomil war einst nomadischer Jäger und hat seine ganze Familie auf der Flucht von der wilden Ebene in die Stadt verloren. Einzig seine kleine Nichte konnte er retten, die er aus Sicherheitsgründen als seine Tochter ausgibt.

Nach anfänglichen Misstrauen lernen Sciona und Thomil sich zu vertrauen. Sie kommen einer Sache auf die Spur, die Scionas gesamtes Weltbild ins Wanken bringt. Wie das Magisterium Energie für Tiran gewinnt, kann Sciona nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren. Und dieser Wahnsinn soll wirklich Gottes Willen sein?

Ich konnte viele Parallelen zur realen Welt entdecken, die hier in Magie und Zauberei verpackt sind. Klassenunterschiede und die Ausbeutung billiger Arbeitskräfte, die in verschiedenen Ländern auch vor Kindern nicht Halt macht, dürften hinlänglich bekannt sein. Deutlich wird einem vor Augen geführt, wie wenig das Leben von Thomil und den anderen Arbeitern wert ist. Die ganze Wahrheit hat mir kalte Schauer über den Rücken gejagt.

Sciona hat, trotz enormen Ehrgeiz, das Herz am rechten Fleck. Besonders nachdem sie eine grauenvolle Entdeckung gemacht hat, setzt sie ihr Leben aufs Spiel, um das Volk Kwen; insbesondere Thomil und seine Nichte, zu retten.

Der Prolog konnte mich sofort an die Seiten fesseln, da der magische Schreibstil und die Figurenzeichnung mir alles bildlich vor Augen führte. Das Worldbuilding passt genau zu dem Geschehen und spiegelt die Anderswelt, mit ihren mysteriösen Feuern, und Tiran wider. Besonders die Zone Reserve in der Anderswelt, aus der das Magisterium Energie schöpft, lehrt einem das Fürchten. Das solltet Ihr unbedingt selbst entdecken.


Von mir eine klare Empfehlung. Wer Bücher mit Magie mag, wird diesen Pageturner lieben. Ich empfehle, Taschentücher parat zu halten. Mich hat das Ende ziemlich kalt erwischt!

Danke, M.L.Wang. Das war bestimmt nicht mein letztes Buch von Ihnen.

Bewertung vom 21.12.2025
Bihl, Lou

Nicht tot zu sein, ist noch kein Leben


ausgezeichnet

Selbstbestimmtes Sterben. Pro - Contra!

Als ich den Klappentext gelesen habe, war sofort mein Interesse geweckt.

Es geht um Krebs, die Geißel der Menschheit. In diesem Roman lernen wir zwei beste Freundinnen kennen, die sehr verschieden sind. Helena wird Ärztin und Palliativmedizinerin. Marlene findet berufliche Erfüllung als Wissenschaftsjournalistin. Der Versuch, nach dem Tod ihrer Eltern deren Apotheke weiterzuführen, ist gescheitert.

Während Helene ziemlich schnell den Mann fürs Leben findet und ein Kind bekommt, klappt es bei Marlene mit der Ehe erst beim zweiten Anlauf. Sie findet bei dem Lektor Julian ihre große Liebe.

Das Buch kommt anfangs wie ein schöner Roman über zwei Freundinnen daher, die sich nicht immer einig sind, aber dennoch nie den Kontakt zueinander verlieren.

Als Marlene an einer sehr aggressiven Form von Brustkrebs erkrankt, bittet sie Helene ihr zu helfen, wenn die Krankheit ihr keinerlei Lebensqualität mehr lässt. Helene muss erkennen, dass ihrer Hilfsbereitschaft Grenzen gesetzt sind.

Die Thematik ist nicht neu und wird vielerorts diskutiert. Ob im Bekanntenkreis, Altenheimen oder Krankenhäuser; immer wieder bitten unheilbar erkrankte Menschen um assistierten Suizid. Man spürt bei jedem Wort, Lou Bihl weiß, wovon sie schreibt. Die ehemalige Klinikchefin und Ärztin hat bei dieser Geschichte den richtigen Ton getroffen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ich wünsche mir auch mehr Würde beim Sterben. Wie im Buch erwähnt, sollte kein unheilbar erkrankter Mensch, mit sehr starken Beschwerden gezwungen sein, sein Leben selbst zu beenden, indem er sich vor einen Zug schmeißt und einen Lokführer traumatisiert zurücklässt. Wir hatten tatsächlich einen traumatisierten Lokführer in der Verwandtschaft. Die Diskussionen zum Thema assistierten Suizid fand ich sehr interessant.

Von mir eine klare Empfehlung. Dieses Buch sollte wirklich jeder gelesen haben. Es betrifft uns alle.

Danke, Lou Bihl für ihre wertvollen Worte.

Bewertung vom 21.12.2025
Sten, Viveca

Lügennebel / Hanna Ahlander Bd.4


ausgezeichnet

Hanna Ahlander und Daniel Lindskog ermitteln zum vierten Mal gemeinsam

Auch der 4. Band der Åre-Morde - Reihe punktet wieder mit seiner eisigen und verschneiten Atmosphäre. Mit leisen Tönen führt uns die Autorin aufs Glatteis. Anfangs wähnt man sich an einem idyllischen Urlaubsort in dem schwedischen Bergdorf Åre; der sich jedoch schon bald zu einem richtigen Horrortrip entpuppt.

Ein Spieleabend in einer luxuriösen Berghütte artet unter sechs Studenten gewaltig aus. Sie sind zu laut und handeln sich damit den Zorn des unmittelbaren Nachbarn ein. Besonders das Verhalten einer betrunkenen Studentin ist sehr unverschämt dem Nachbarn gegenüber. Am nächsten Morgen liegt sie leicht bekleidet tot im Schnee.

Die Autorin hat sich lange Zeit nicht in die Karten schauen lassen und mich mehr wie einmal aufs Glatteis geführt. Wer lügt - wer sagt die Wahrheit? Wie immer zur Weihnachtszeit habe ich die Geschichte sehr genossen und viel gefroren und gerätselt. Die Figuren wirken wieder sehr lebendig. Die subtile Handlung konnte mich ab einem bestimmten Zeitpunkt an die Seiten fesseln und ließ mich erst am Ende wieder los.

Hanna Ahlander und Daniel Lindskog drehen sich gefühlsmäßig weiterhin im Kreis. Die Ermittlungen der Beiden überzeugen auch bei "Lügennebel" wieder.

Eisige Kälte, eine verschneite Berghütte und ein Mord haben mir eine spannende Lesezeit beschert. Ein Schweden-Krimi von Viveca Sten gehört für mich zur Weihnachtszeit.

Ich habe das Buch zusammen mit einer Freundin gelesen und wir hatten einen regen Austausch. Mit meinen Vermutungen lag ich fast richtig. Ich habe sie wieder verworfen, um sie etwas später wieder aufzunehmen.

Von mir eine klare Empfehlung. Danke, Viveca Sten. Ich hoffe auf weitere Bände aus dieser Reihe.

Bewertung vom 14.12.2025
Maschik, Anna

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten


ausgezeichnet

Was verbindet uns mit denen, die vor uns kamen? Viel! Wirklich viel!

Was für ein Titel für ein Buch. Das Cover mit den Zitronenscheiben macht zusätzlich neugierig und man fragt sich, was beide miteinander zu tun haben. Ersteres erschließt sich einem gleich am Anfang - zweiteres am Ende!

Über mehrere Generationen hinweg habe ich eine fantastische Geschichte erlebt, wie ich sie so noch nicht gelesen habe. Da werden heimlich Schafe geschlachtet, um den in den Krieg gezogenen Männern bei der Heimkehr nahrhafte Leckerbissen zukommen zu lassen. Schafe sterben leise. Schweine quieken zu laut.

Die Geburt und der Tod spielen eine tragende Rolle. Sie kommen oftmals Hand in Hand und lassen uns diese Begebenheiten in einem anderen Licht sehen. Selten zum Weinen; viel, viel öfter zum Schmunzeln.

An der Nordsee schuften die Urgroßeltern auf dem Hof. Die Urgroßmutter Henrike bringt einen Jungen zur Welt, der jahrelang schläft. Als junger Mann erwacht er endlich. Ohne körperliche und geistige Defizite! Er kann seinen beiden Geschwistern das Wasser reichen, aber irgendwas ging beim jahrelangen Schlaf doch verloren. Das merkt man aber erst später. Viel später.

Die Schwester lässt sich von einem österreichischen Soldaten schwängern. Er muss wieder in den Krieg und holt sie später zu sich nach Österreich. Viel später. Dort lebt sie mit ihrem Mann und Sohn; nebst Schwiegereltern, in einem Stadthaus. Es folgen ein weiterer Sohn und eine Tochter.

Die Geschichte brauchte nicht viel, um mich an die Seiten zu fesseln. Auf manchen Seiten waren nur wenige Worte, die mehr Aussagekraft haben, als manch seitenlange Beschreibungen. Manches kommt daher wie aus einer alten Sage. Wiederum anderes hat sich schon millionenfach wirklich so zugetragen.

In welcher Zeit befindet man sich gerade? Das erschloss sich mir nicht immer sofort. Aber später. Nicht viel später; eigentlich unmittelbar nach den ersten zwei bis drei Sätzen.

Das alles erfahren wir aus der Sicht von der Urenkelin Alma. Vieles wiederholt sich, da die Gene halt nicht anders können und sich von Generation zu Generation immer wieder durchsetzen.

Teilweise kommen die Mütter ziemlich herzlos daher. Der Schein trügt! Dahinter verbirgt sich sehr viel Herzenswärme und jede Menge Humor. Die Figuren sind wunderbar gezeichnet und es beginnt alles mit einem Schaf, dessen Innereien uns durch die Innereien sämtlicher Familienmitglieder führt. Man bedenke den Vorgang einer Geburt.

Ich habe schon sehr viele Familienromane gelesen, die sich über mehrere Generationen erstrecken. Aber noch niemals zuvor wurde ich mit so einer Wucht in das Geschehen gezogen. Das Ende könnte wieder einer alten Sage entsprungen sein. Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach eine gute Geschichte daraus. Eine klare Empfehlung.

Danke, Anna Maschik. Ich habe jedes Wort genossen.

Bewertung vom 27.11.2025
Erdmann, Kaleb

Die Ausweichschule (eBook, ePUB)


sehr gut

Meine Meinung

Sollte man gelesen haben

2002 bringt ein ehemaliger Schüler aus dem Erfurter Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen um, nachdem er aus der Schule verwiesen wurde. Der Autor hat es als 11jähriger selbst miterlebt. 20 Jahre später soll von dieser grausamen Tat ein Buch entstehen.

Ich habe mich wirklich gefragt, wem so ein Buch Nutzen bringen soll. Andererseits gehöre ich zu den glücklichen Menschen, die bisher von Attentaten, in jeglicher Form, verschont geblieben sind. Warum ich es dennoch gelesen habe ist der Tatsache geschuldet, dass immer wieder ein Amokläufer in Schulen Menschen umbringt. So etwas kann einen nicht kalt lassen. Man möchte gerne wissen, was so einen jungen Menschen dazu treibt, sämtliche Lehrer und Schüler zu ermorden.

Was ist wirklich passiert? Was ist eine falsche Erinnerung des Autors und so mancher Lehrkraft? Das hat Kaleb sehr einfühlsam dargestellt.


Ich denke inzwischen, wenn ich mich Erfurt nähere, so routiniert mit dem elfjährigen Kopf, dass ich nicht genau sagen kann, ob es sich um Bilder und Gedanken handelt, die tatsächlich aus dem Jahr 2002 stammen, oder meine heutigen, die ich nur durch den Elfjährigenfilter, die Fünfklässlerlinse, sehe. (Zitat aus dem Buch)
Hätte die Lehrerschaft das Ganze verhindern können? War das Verhalten gegenüber des Schülers falsch?

Die literarische Annäherung wird im Buch als Kunstwerk beschrieben. Für mich ist es Literatur, die Menschen, mit gleichen oder ähnlichen Erlebnissen, Trost spenden könnte. Ein Kunstwerk kann man, meiner Meinung nach, aus so einem schrecklichen Erlebnis niemals machen.

Der feine Humor war da, aber lächeln konnte ich nicht. Ich habe eine wahre Geschichte gelesen, bei der alle Beteiligten wahrscheinlich ihr Leben lang traumatisiert sind. Die immer wieder durch bestimmte Ereignisse getriggert werden, so wie der Autor eben auch.

Dieser autofiktionale Roman hat mich berührt, obwohl der Autor so geschrieben hat, als wäre er unbeteiligt gewesen. Dennoch kommt immer wieder der seelische Schmerz zumVorschein, den man nach so einem Massaker wahrscheinlich niemals gänzlich los wird.

Von mir eine klare Empfehlung.

Danke, Kaleb Erdmann, dass sie ihre Erinnerungen mit uns geteilt haben.

Bewertung vom 24.11.2025
Noort, Tamar

Der Schlaf der Anderen (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Meine Meinung

Authentisch und fesselnd

Wenn der Schlaf der kleine Bruder des Todes ist, gehört er zu der Sorte Geschwister, die man am besten in den Schrank sperrt und erst wieder befreit, wenn sie Demut gelernt haben. Ich würde ihn am liebsten dort verrotten lassen. (Zitat aus dem Buch)

Tamar Noort hat sich hier einem Problem gewidmet, von dem allein in Deutschland sechs Millionen Menschen betroffen sind. Schlaflosigkeit (Insomnie) macht wirklich vielen Menschen das Leben zur Hölle. Es handelt sich hier um keinen Ratgeber, sondern vielmehr um eine Geschichte, bei der sich jeder Betroffene verstanden fühlen dürfte. Ich habe einer Person, die schon jahrelang an Schlafstörungen leidet, einige Passagen vorgelesen. Sie meinte, die Frau weiß, wovon sie schreibt.

Janis ist Krankenschwester, die ein Schlaflabor überwacht. Sie schaut Menschen beim Schlafen zu, während sie selbst damit kämpft, wach zu bleiben. Einst war sie Krankenschwester auf der Orthopädie. Warum sie das nicht mehr machen will, erfährt man im Laufe der Geschichte. Im Schlaflabor ist es immer der gleiche Trott. Das ändert sich, als die Lehrerin Sina eine Nacht im Labor verbringt. Janis verhält sich ihr gegenüber ziemlich unprofessionell, was Sina nicht zu stören scheint.

Alles in der Geschichte wirkt unaufgeregt und sehr einfühlsam. Das Schlaflabor kann Sina nicht helfen, da das Gefühl von Einsamkeit, mitten in der eigenen Familie, kein Gerät aufzeichnen kann. Aber diese eine Nacht hat zwei Frauen auf eine besondere Art zusammengebracht. Es entsteht eine Freundschaft, die die Frauen dazu animiert, ihr Leben zu überdenken. Sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, ob ihr Leben wirklich das ist, dass sie wollen.

Sina hat einen Mann und zwei Kinder, mit denen sie ein schönes Haus bewohnt. Auch der Mann ist Lehrer. Sinas Mutter wirkt sehr verständnisvoll, was die schlimme Schlafstörung ihrer Tochter betrifft. Warum nur fühlt sie sich dann so einsam?

Janis ist ganz allein. Keine Familie, Partner und sozialen Kontakte. Ihre Tage füllt sie mit dem Schlaf, der ihr in der Nacht nicht möglich ist.

Dieses Buch hat mich durchgehend gefesselt. Es zeigt, was mit einem Menschen passiert, wenn er nie den nötigen Schlaf bekommen kann und wie wenig diese Problematik von sämtlichen Mitmenschen ernst genommen wird. Sina realisiert einmal nicht mehr, dass eine Ampel auf Rot geschaltet hat. Sie hat es gesehen, aber dennoch nicht mehr wahr genommen. Sie entwickelt nach dem Schlaflabor eine Strategie, um am helllichten Tag schlafen zu können. Dies solltet ihr selbst entdecken. Es lohnt sich.

Alle Figuren sind authentisch gezeichnet. Der Schreibstil bringt die Müdigkeit von Sina sehr gut rüber und ich hatte mehrmals das Gefühl von Müdigkeit. Ich konnte Sinas Erschöpfung spüren.

Es gibt humorvolle Szenen, die mir ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert haben.

Das Ende hätte ich anders erwartet. Auf den ersten Blick hatte ich das Gefühl, es hat sich nicht viel geändert. Aber das hat es. Ganz leise und unspektakulär.

Eine klare Empfehlung. Danke, Tamar Noort.

Bewertung vom 21.11.2025
Lenz, Svea

Lebensträume. Ärztin einer neuen Zeit


ausgezeichnet

Zum Inhalt

Svea Lenz gewährt uns hier Einblicke zum Mauerbau der DDR und dessen Auswirkungen. Mit Vicky hat sie eine Hauptfigur gezeichnet, die nicht nur jede Menge Power und Ehrgeiz hat, sondern auch sehr empathisch wirkt. Die junge Frau und ihre große Liebe Achim leben in Ostberlin, studieren aber im Westen Medizin. Nach dem Mauerbau gelingt beiden die Flucht in den Westen. Achim möchte anderen auch die Möglichkeit bieten, im Westen zu leben und betätigt sich als Fluchthelfer. Bei seinem letzten Einsatz wird er erwischt.

Vicky beendet ihr Studium erfolgreich und landet in Frankfurt in der Flughafenambulanz. Schnell gelingt es ihr, sich in der Männerwelt zu behaupten. Sie reicht Verbesserungsvorschläge für eine moderne Flughafenklinik und einen Ambulanzwagen, mit besserer Ausstattung ein.

Meine Meinung

Fesselnde Geschichte um eine mutige, junge Frau.

1961 - 1972
Die Geschichte konnte mich von Anfang an fesseln und jede Unterbrechung beim Lesen empfand ich als störend. Detailliert nimmt man am Leben der Ärztin Vicky und ihren Kollegen teil. Die Ärzte wissen die Fähigkeiten der jungen Frau zu schätzen und fördern sie zusätzlich. Das hat mir sehr gut gefallen, da das zu dieser Zeit keine Selbstverständlichkeit war. Frauen als Chirurginnen waren eher eine Seltenheit, was sich bis heute nicht geändert hat.

Schnell spricht sich herum, dass in der Flughafenambulanz eine Ärztin arbeitet und das lockt viele Patientinnen an. Vicky scheut sich nicht davor, auch Frauen aus dem Rotlichtmilieu zu behandeln, da ihr Vorurteile fremd sind.

Vicky kann ihren Achim nicht vergessen und ist völlig verzweifelt, als sie ihn mit einem Fremden am Flughafen verwechselt. Langsam aber sicher öffnet sich ihr Herz auch für einen Anderen. Es wird spannend. Vicky vermisst ihre Mutter, die als Krankenschwester in der Charité arbeitet. In ihrer Kindheit war das Krankenhaus ihr zweites Zuhause.

Fazit

Detailliert, gut recherchiert und durchgehend unterhaltsam bringt uns die Autorin ein Stück Geschichte aus der ehemaligen DDR näher.
Die Figuren sind gut gezeichnet, sodass ich von jedem ein genaues Bild vor Augen hatte. Die Liebe hat auch ihren Platz, ohne Kitsch und unnötige Liebesszenen. Leider habe ich eine kleine Enttäuschung erlebt.

Jedes Kapitel beginnt mit einem Song von der damaligen Zeit. Ein besonderer Leckerbissen waren die Beatles am Flughafen. KREISCH!

Svea Lenz hat einen sehr lebendigen Schreibstil, der mich schon bei der Stewardessen Dilogie begeistern konnte.


Eine klare Empfehlung. Danke, Svea Lenz. Bitte mehr davon.