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Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
snuuuke
Wohnort: 
München

Bewertungen

Insgesamt 13 Bewertungen
12
Bewertung vom 18.08.2010
Cleo
Brown, Helen

Cleo


ausgezeichnet

Nach einem tragischen Unfall, bei dem ihr erst 9 jähriger Sohn Sam getötet wird, ist in Helens Familie nichts mehr wie es war. Wird man auf den ersten Seiten des Buchs noch in ein weitgehend harmonisches Familienleben eingeführt, schlägt sich auf den Seiten nach Sams Tod drückende Melancholie nieder. Die düstere Stimmung ist als Leser richtig zu sprüen, so eindringlich und verständlich schreibt Helen Brown über ihren Verlust.

Doch plötzlich kommt ein junges Kätzchen in den Haushalt, das sich Sam kurz vor seinem Unfall als Geburtstagsgeschenk ausgesucht hat. Obwohl sich die Protagonistin zwar selbst immer wieder als Hundemensch bezeichnet, nimmt sie "Cleo", das einzige Bindeglied zu Sam, warmherzig auf. Nach und nach - und vor allem mit Cleos Hilfe - finden Helen und ihr verbliebener Sohn Rob wieder ins Leben zurück. So begleitet man die Familie über viele Jahre hinweg durch weitere Höhen und Tiefen, die durch eine schwarze Katze immer wieder gemildert werden.

Immer wieder stößt man auf autobiografischen Elemente, die das ganze Erlebnis noch fundierter und realistischer erscheinen lassen und vor allem Emotionen gut an den Leser vermitteln. Der Schreibstil ist locker und unterhaltsam zu lesen, ganz nach Art einer Kolumnistin. Man kann mit der Familie lachen, weinen, wütend sein und mittrauern. Besonders gut haben mir die genauen Beschreibungen von Cleo und ihren Marotten gefallen, da ich fast alles an meiner eigenen Katze wiedererkannt habe.

Fazit: "Cleo" ist gleichermaßen ein Buch für Tierfreunde und Leser von Familiensagas. Denn eins wird beim Lesen immer wieder klar: In jedem von uns steckt im Grunde ein "Katzenmensch"...

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.07.2010
Johannisbeersommer
Israel, Andrea;Garfinkel, Nancy

Johannisbeersommer


sehr gut

Bücher die nur in Form von Briefen oder Emails zwischen zwei Menschen geschrieben sind gefallen mir gerade deshalb besonders gut, weil im Dialog - und sei er auch nur schriftlich - das Innenleben und die Emotionen der Charaktere viel stärker ausgeprägt sind. So auch bei Lilly und Valerie, die Hauptpersonen in "Johannisbeersommer".

Die zwei Freundinnen aus Kindertagen hatten seit 26 Jahren keinen Kontakt mehr zueinander, bis Val schließlich das schweigen in Emailform bricht, als ihre Mutter stirbt. Anfangs sind es von beiden eher zaghafte Versuche, die Freundschaft wieder aufleben zu lassen, um das Ereignis, das die beiden damals getrennt hat machen beide einen großen Bogen. Auf den ersten Seiten hat man als Leser Zeit, die beiden Frauen kennenzulernen, die unterschiedlicher nicht sein könnten - beide sind dabei sehr glaubhaft und real beschrieben, so dass man sich gut hineinversetzen kann.

Im Laufe der Geschichte werden die ausgetauschten Briefe immer ernster, es werden heikle und interessante Themen angesprochen und - natürlich - kommt auch das geheimnisvolle Ereignis ans Tageslicht, das die beiden Freundinnen damals trennte. Auch wird zum Ende hin immer mehr die ganze Familie der beiden miteinbezogen, ohne zu dick aufzutragen.

Da das gesamte Buch aus Briefwechseln besteht - wobei sich Gegenwart und Vergangenheit manchmal unvermittelt abwechseln - ist der Schreibstil flüssig und einfach. Man kauft den Protagonisten alles ab, was sie schreiben, ohne das Gefühl zu haben, es wäre konstruiert. Aufgelockert werden die verschiedenen Themen durch Rezepte, die Lily und Val miteinander austauschen. In einem Buch zwar etwas ungewöhnlich, aber eine nette Idee, den Leser interagieren zu lassen.

Alles in Allem ist "Johannisbeersommer" ein gelungenes Buch über Freundschaft und Familie. Der Briefwechsel-Stil ist sicherlich nicht jedermans Sache, wer sich aber in das Buch eintaucht, bekommt mehr als nur eine Sommerlektüre. Einen Punkt Abzug gibt es von mir nur für die stellenweise Langatmigkeit und ein, zwei Durchhänger, die das Buch hat.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 01.02.2010
Mein Leben als Pinguin
Mazetti, Katarina

Mein Leben als Pinguin


ausgezeichnet

Was wie ein seichter Urlaubsroman beginnt, mausert sich schon bald zu einem fesselnden Buch über unterschiedliche Menschen und ihre Schicksale.

"Mein Leben als Pinguin" spielt ausschließlich während einer Gruppenreise zum Südpol. Etwa 50 schwedische Passagiere nehmen einen stundenlangen Flug, eisiges Wetter und ein Seekrankheit in Kauf, um einmalige Naturphänomene und eine einzigartige Tierwelt zu bestaunen - so scheint es jedenfalls zu Anfang. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von 3 verschiedenen Personen: Der Frohnatur und jungenhaften Wilma, dem kürzlich geschiedenen und depressiven Tomas, sowie der alten Dame Alba, die in ihrem langen Leben die halbe Welt bereist hat. Manchmal erzählt jeder ein unterschiedliches Ereignis, manchmal berichten die drei von ein und dem selben Erlebnis, so dass man die Handlung aus Blickwinkeln erlebt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und schon bald merkt man, dass in der fröhlichen Reisegruppe jeder wegen einem anderen Grund diese Reise angetreten hat - selten, um die Tierwelt zu beobachten...

Von den anderen Mitreisenden erfährt man nur sporadisch auf wenigen Seiten, doch es reicht, um sich schon bald in der Reisegruppe integriert zu fühlen. Besonders gut hat mir die Wandlung gefallen, die vor allem die drei Hauptpersonen, aber auch andere Mitreisende im Laufe der 300 Seiten durchmachen.

Der Schreibstil ist sehr angenehm und ist zum Glück nicht zu flapsig geraten. Katarina Mazetti schafft es gut, ihre Protagonisten zum Leben zu erwecken, so dass man als Leser schnell eine Bindung zu ihnen aufbaut.

Mit hat "Mein Leben als Pinguin" sehr gut gefallen! Es ist tiefgründiger, als man anfangs vermutet und auf jeden Fall sehr unterhaltsam.

Bewertung vom 24.01.2010
Denk an mich in der Nacht
Harris, Joanne

Denk an mich in der Nacht


gut

Die Geschichte beginnt mit dem jungen Daniel Holmes, der im Cambridge des Jahres 1947 eine wunderschöne, junge, rothaarige Frau vor dem Ertrinken im Fluss bewahrt: Rosemary. Während auch er sich von ihr übernatürlich angezogen fühlt, ist es aber sein Freund Robert, in den sie sich schließlich verliebt. Doch schon bald muss Daniel sehen, dass Rosemarys Fassade ein dunkles Geheimnis bewahrt...

Zeitgleich wird von der jungen Malerin Alice berichtet, der in der Gegenwart die neue Freundin ihres Exfreunds Joe vorgestellt wird: ein schüchternes Mädchen mit zerzausten roten Haaren, die bei jedem sofort den Beschützerinstikt weckt. Doch ganz geheuer ist ihr Virginia ("Ginny") nicht, die noch dazu ein paar Tage in ihrer Wohnung verbringen soll...

Schon bald werden die beiden erst so unterschiedlichen Geschichten verknüpft und wer anfangs noch meint, die Überschriften "Eins" und "Zwei" kennzeichnen die Kapitel wird bald überrascht. Leider fand ich, dass die vergangene Geschichte viel detailvoller beleuchtet wurde als die Gegenwart, die mich persönlich mehr interessiert hätte. Die ersten Seiten ziehen sich ein wenig in die Länge, wo man doch durch den anhalten Vampir-Trend und jede Menge Andeutungen schon schnell erahnen kann, was es mit Rosemary auf sich hat. Dann entwickelt sich eine recht spannende Geschichte um dunkle Mächte, Verlangen und Grausamkeit - schön sind vor allem Daniels Schilderungen aus der Ich-Perspektive, der das Grauen aus erster Hand miterlebt. Das Ende hat sich dann aber für meinen Geschmack zu sehr in die Länge gezogen...

Der Schreibstil ist etwas ausschweifend, hat mir im Großen und Ganzen aber gut gefallen - bis auf die Tatsache, dass bestimmte Ausdrücke und Redewendungen immer wieder wiederholt werden.

Alles in allem ein gutes Buch mit einer leider zu absehbaren Geschichte...

Bewertung vom 29.10.2009
Wo fahren wir hin, Papa?
Fournier, Jean-Louis

Wo fahren wir hin, Papa?


sehr gut

Der in Frankreich sehr bekannte Autor Jean-Louis Fournier schreibt in seinem Buch "Wo fahren wir hin, Papa?" aus der Ich-Perspektive eines Vaters von zwei schwerbehinderten Söhnen. Dabei handelt es sich um keine zusammenhängende Geschichte, vielmehr um immer wenige Zeilen umfassende Ausschnitte (daher ist das Buch auch vergleichsweise sehr kurz). Doch gerade diese kurzen, scheinbar nebenbei hingekritzelten Aussagen stecken voller Gefühl und Gedanken: Manchmal lustig, manchmal traurig, oft voller schwarzem Humor, schier brutal, aber immer offen und ehrlich.

Der Autor erzählt uns die schonungslose Wahrheit, wie er sie erlebt hat, ohne Rücksicht auf Verluste und auf die Gefahr hin, grob zu wirken. "Wenn ein Kind sich mit Schokopudding beschmiert, lachen alle; wenn das Kind behindert ist, lacht keiner." Und genau diese Kluft aus Betretenheit versucht Jean-Louis Fournier zu durchbrechen - mit Erfolg, wie ich finde. Sicher sind seine Äußerungen oftmals grob und hinterlassen ein flaues Gefühl im Magen, "wie kann der nur so gemein sein?". Doch wenn man ehrlich ist, gibt es wohl keinen Menschen, der sich nicht manchmal das schlimmste ausmalt und einfach nur genervt - auch von seinen eigenen Kindern - ist. Es ist schwer das zuzugeben, umso bewundernswerter finde ich die Offenheit, mit der der Autor mit dem Thema umgeht.

Viel mehr gibt es über das Buch auch nicht zu sagen - man muss es selbst erleben, selbst die kurzen Gedankenstücke weiterspinnen, selbst zwischen Bewunderung und Verachtung, Humor und Trauer stehen. Auf jeden Fall ein ehrliches, selbstkritisches Buch, nicht für Zartbesaitete, das zum Nachdenken anregt.

Bewertung vom 19.10.2009
Das Buch der Lügen
Meltzer, Brad

Das Buch der Lügen


gut

Als kleiner Junge muss Cal Harper zusehen, wie sein Vater seine geistig labile Mutter in einem Streit stößt und diese dabei zu Tode kommt. In den neunzehn Jahren danach hat er keinen Kontakt mehr zu seinem Vater Lloyd, auch als dieser aus dem Gefängnis entlassen wird - bis er ihn eines Abends blutüberströmt in einem Park findet.

Zeitgleich wird in einem weiteren Handlungsstrang mit Calvins Gegenspieler Ellis eingeführt, der besessen von der Suche nach dem "Buch der Lügen" ist, dem Vermächtnis, das Gott Kain gegeben haben soll, nachdem er seinen Bruder Abel erschlagen hat. Da Cals Vater ohne es zu wissen in die Sache verstrickt ist, beginnt schon bald eine spannende Suche nach dem uralten Buch und der Frage, was es damit wohl überhaupt auf sich hat.

Mit eingeflochten wird dabei die wahre Geschichte von der Ermordung des Vaters von Jerry Siegel, dem Erfinder der Superman-Comics. So wird auch die Thematik "Vater-Sohn", "Gut gegen Böse" immer wieder aufgerollt und mit Cal und Lloyd vertieft.

Leider setzt das Buch Anfangs ein Tempo an, dass es nicht bis zum Ende hin halten kann. Während man die ersten 150 Seiten einen regelrechten Pageturner vor sich hat, ist es danach schon sehr mühsam, sich mit dem gleichen Elan für die Handlung zu begeistern. Was ich besonders zu bemängeln hatte was, dass viele Themen angeschnitten, aber nicht zu Ende gebracht werden - meiner Meinung nach auch die ewig wiederholte Vater-Sohn-Beziehung. Die Auflösung war für meinen Geschmack viel zu banal und die Sache mit dem "Propheten" zu vorhersehbar...

Der Schreibstil ist kurzweilig, kann aber leider nach der Hälfte des Buchs nicht mehr fesseln. Auch konnte ich zu den Personen keine wirkliche Bindung aufbauen (außer zu Ellis Hund Benoni), da sie einfach zu flach und emotionslos beschrieben sind.

Mein Fazit: Eher mittelmäßiger Thriller, der die anfängliche Spannung leider nicht halten kann und mit zu verwaschenen Figuren aufwartet. Gerade noch 3 Sterne...

Bewertung vom 07.10.2009
Die besten zehn Sekunden meines Lebens
Schmelzer, Roger

Die besten zehn Sekunden meines Lebens


sehr gut

Chris Mackenbrock, der Protagonist in "Die besten zehn Sekunden meines Lebens" hat das Gefühl, sein ganzes Leben falsch gelebt zu haben. Als (einzigen) Grund für die immer wieder aufeinanderfolgenden verpazten Chancen sieht er ein Gespräch mit einem Mitschüler, als er 16 war. Der dicke Chris wird eingeladen, jeden Tag mit Mark zu joggen, doch lehnt das Angebot aus Angst vor einer Blamage ab.

Und so setzt sich der vermeintliche Teufelskreis fort: Als seine große Liebe Kathleen an die Schule wechselt, ist er immer noch dick, nervös und unsicher und schafft es auch noch Jahre später nicht, seine Traumfrau zu erobern. Zwar verläuft sein Leben für einen Ausenstehenden nicht allzu schlecht, doch die verpasste Chance holt ihn immer wieder ein und die Frage, was hätte sein können, lässt ihm einfach keine Ruhe.

Bis er eines morgens wieder als Sechszehnjäriger aufwacht und sich diesmal anders entscheiden kann - und auch tut! Als Konsequenz ändert sich zwar sein Leben zum Besseren, das seiner geliebten Kathleen aber nicht, so dass sie sich von der großen Liebe zur "Furie" entwickelt. Und letztendlich lernt Chris eine Lektion, die er schon in seinem "ersten" Leben hätte lernen können - oder auch nicht?

Der Schreibstil ist sehr humorvoll und überzeichnet, so dass man Chris verpfuschtes Leben eher mit einem Schmunzeln als wirklich tiefschürfend betrachtet. Obwohl ich nicht viel von der TV-Serie "Switch" halte, bei der der Autor ja auch mitgewirkt hat, konnte ich dem Humor in dem Buch sehr viel abgewinnen. Es liest sich kurzweilig, hat keine Hänger und auch die Witze stumpfen bis zum Schluss hin nicht ab. Negativ: Der Stilwechsel zum Ende hin, in dem stellenweise in Tagebucheinträgen oder Dialogen erzählt wird. Das wirkte auf mich fehl am Platz und so, als wäre dem Autor mit seinem bisherigen Stil langweilig geworden... Schade ist auch, dass das zweite Leben erst sehr weit hinten im Buch einsetzt.

Alles in Allem ist "Die besten zehn Sekunden meines Lebens" ein humorvolles und kurzweiliges Buch, das unterhalten soll, allerdings wohl eher nicht zu größeren Sinnfragen über das Schicksal animieren wird. Mir hat es gefallen!

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

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