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Benutzername: Buchstabensalat
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Bewertungen

Bewertung vom 26.03.2018
Der Pub der guten Hoffnung
Zöbeli, Alexandra

Der Pub der guten Hoffnung


ausgezeichnet

Wie geht man damit um, wenn der eigene Sohn zum Amoktäter wird und nicht nur sich selbst, sondern auch noch zwei weitere Menschen mit in den Tod reißt? Wie geht das eigene Leben danach weiter?

Genau um diese Thematik dreht sich der neue Roman von Alexandra Zöbeli.
Die schweizer Autorin, die sich selbst als Britoholikerin bezeichnet, nimmt den Leser selbstredend auch in ihrem neusten Werk wieder mit auf die britische Insel: Diesmal nach Wales, in die Region Snowdonia.

Der 22jährige Sohn des schweizer Ehepaares Sam und Hannah Berger begeht in einem Zug mit Hilfe eines Messers einen Amoklauf, an dessen Ende es drei Tote geben wird: Ihn selbst und zwei Frauen.
Die Eltern müssen fortan nicht nur mit der Trauer umgehen, ihren eigenen Sohn verloren zu haben, sondern auch noch mit der schlicht nicht zu fassenden Tatsache, dass er zum Mörder wurde. Was hat ihn so dermaßen entgleisen lassen, dass er zu einer solchen Tat fähig war? Warum haben sie, die Eltern, nicht um die seelischen Nöte ihres eigenen Kindes gewusst? Und als ob all diese unlösbaren Fragen und die damit einhergehenden Seelenqualen nicht schon schlimm genug wären, müssen sich Sam und Hannah auch noch den Belagerungszuständen der Presse stellen und die Blicke und das Getuschel ihrer Mitmenschen ertragen.

Jeder der beiden geht anders damit um: Hannah zieht sich in sich selbst zurück, begibt sich in eine psychiatrische Klinik und möchte erst mal auch keinen Kontakt zu ihrem Mann haben.
Sam fährt alleine nach Wales, um dort in dem Cottage eines Freundes zur Ruhe zu kommen und so wieder sein eigenes Seelenheil herzustellen.

Ob und wie die beiden diese schwierigen Zeiten meistern und möglicherweise wieder zueinander finden werden, und welche Rolle dabei der "Pub der guten Hoffnung" spielt, muss der Leser selber herausfinden. Ich möchte mit meinem Leseeindruck ja niemanden spoilern und um den Lesegenuß bringen.

Denn trotz des dramatischen Grundthemas war es mir genau dies: Ein Genuß.
Das lag zum einen an dem bekannt flüssigen Schreibstil der Autorin, zum anderen aber auch daran, dass sie es unwahrscheinlich gut schafft, die beteiligten Personen und auch die herrliche Landschaft, sehr bildhaft in Worte zu fassen und in Szene zu setzen.

Ihrem Nachwort kann man entnehmen, dass sie die Intention verfolgte, aufzuzeigen, dass es neben den offensichtlichen Opfern eines solchen Amoklaufs auch immer noch andere Menschen gibt, die durch eine solche Tat aus ihrem bisherigen Leben gerissen werden. Und genau dies ist ihr meiner Meinung nach sehr gut gelungen.
Als Leser bekommt man Einblicke sowohl in das Innere - die Gedanken und Gefühle - von Sam, als auch von Hannah. Man begreift, warum sie so handeln, wie sie nun mal handeln, man spürt ihre innere Zerrissenheit und Verzweiflung und kann dies auch sehr gut für sich selber nachvollziehen.

Auch wenn es sich bei dem Roman um einen Liebesroman mit den gängigen Mustern handelt und man als Leser schon zu einem frühen Zeitpunkt erahnen kann, wie die Story wohl ausgehen wird, schmälert dies in keinster Weise den Spaß am Lesen!

Mein Lieblingsbuchzitat stammt von Hannah: "Das Leben hält oftmals für uns nicht das bereit, was wir von ihm erwarten. Aber wenn wir genügsam und geduldig sind, versuchen zu verstehen und offen sind für Neues, dann überrascht es uns mit seiner unglaublichen Schönheit, nicht wahr?"

Und diese kleine Alltagsphilosophie bringt für mich genau DAS auf den Punkt, was der Roman im Grunde wohl vermitteln möchte ♥

Empfehlen kann ich dieses Buch all jenen Lesern, die Wohlfühlgeschichten mögen, welche in Großbritannien angesiedelt sind und bei denen - ist ja klar - das Herz nicht zu kurz kommt.