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Benutzername: misery3103
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Bewertungen

Insgesamt 108 Bewertungen
Bewertung vom 18.04.2018
Wie man die Zeit anhält
Haig, Matt

Wie man die Zeit anhält


sehr gut

Tom Hazard ist Anfang 40, zumindest sieht er so aus, denn in Wahrheit ist er schon über 400 Jahre alt. Durch einen Gendefekt altert er langsamer als andere Menschen, was ihn immer wieder in Gefahr bringt, wenn er sich zu lange an einem Ort aufhält. In der Gegenwart lebt er in London und ist Geschichtslehrer – was läge näher, hat er doch viele der Ereignisse, die er seinen Schülern näherbringt, selbst miterlebt. Und er gerät in Gefahr, denn seine Kollegin Camille, Französischlehrerin an seiner Schule, bringt einen Grundsatz ins Wanken: Verliebe dich nie.

Es ist spannend, Tom in seinem jetzigen und den früheren Leben zu begleiten. In Rückblenden erzählt er von seinem Leben und den aus der Geschichte bekannten Personen, denen er begegnet ist. Und er erzählt von seiner einzigen großen Liebe Rose, mit der er eine Tochter hat, die seinen Gendefekt geerbt hat und nach der er auf der Suche ist. Nach und nach wird dem Leser klar, wie gefährlich es für Menschen wie Tom war, wenn sie in Verdacht gerieten, mit dem Teufel im Bunde zu sein, da den Nachbarn auffiel, dass er nicht altert … aber auch, wie einsam so ein Leben sein kann, in dem man sich nicht binden darf, weil der Partner altert, während man selbst immer noch jung aussieht.

Doch jetzt verliebt sich Tom in Camille und sie beide geraten in Gefahr. Es gibt eine Gesellschaft, die verhindern will, dass ihre „Krankheit“ ans Licht gezerrt wird, und die alles dafür tut, um es zu verhindern.

Ich habe Tom gerne durch sein langes Leben begleitet, auch wenn mir viele der Erzählungen aus der Vergangenheit etwas zu langatmig waren und auch unnötig erschienen. Hier ging es oft nur darum, dem Leser bekannte Persönlichkeiten aus einer gewissen Epoche nahezubringen, was der Roman aber – meiner Meinung nach – nicht gebraucht hat.

Das Buch ist sehr berührend und schön zu lesen, allerdings hätte ich lieber mehr Zeit mit Tom im Heute verbracht und dabei viel mehr über seine beginnende Beziehung mit Camille erfahren … auch wenn diese Art der Geschichtsstunde, die Toms Leben ist, besonders und lehrreich war!

Bewertung vom 15.04.2018
Die Morde von Pye Hall
Horowitz, Anthony

Die Morde von Pye Hall


sehr gut

Als die Lektorin Susan Ryeland das neueste Manuskript des Autors Alan Conway bekommt, freut sie sich auf eine neue spannende Geschichte mit dem Detektiv Atticus Pünd. In dem Manuskript muss Pünd die Morde von Pye Hall aufklären. Doch zu Susans Erstaunen fehlen die letzten Kapitel und damit die Aufklärung der Morde. Da der Autor verschwunden ist und alle von einem Selbstmord ausgehen, macht sich Susan selbst auf, um zum einen das Manuskript zu vervollständigen und damit die Morde von Pye Hall aufzuklären und zum anderen das Verschwinden des Autors aufzuklären.

Das Buch ist so aufgebaut, dass der Leser zunächst durch Susan über das Manuskript und den Autor aufgeklärt wird, bevor die Geschichte der Morde von Pye Hall beginnt. Hier lesen wir das Manuskript, wie Alan Conway es abgeliefert hat. Bis etwa zur Hälfte des Buches bleiben wir in der fiktiven Geschichte, bevor wir wieder zurück zu Susan in die Realität zurückkehren und ihrer weiteren Geschichte lauschen. Das Buch ist toll aufgebaut und verwebt geschickt die beiden Kriminalfälle, wobei ich das Manuskript und damit den ersten Teil des Buches etwas mühsam zu lesen fand, obwohl es durchaus unterhaltend und wie ein alter Hercule Poirot-Film daherkommt. Das kleine englische Dorf und die verschiedenen Bewohner, von denen viele ein Motiv haben, sind spannend gezeichnet und lassen viel Raum für Spekulationen.

Insgesamt hat mich der Erzählstil fasziniert und die Geschichte in der Geschichte begeisterte mich. Die Aufklärung des aktuellen Falles und auch die Aufklärung der Morde aus dem Manuskript sind geschickt miteinander verwoben und spannend erzählt. Auch wenn ich das Buch insgesamt etwas zu ausführlich fand, hat mich die Geschichte rund um die Morde von Pye Hall gut unterhalten.

Bewertung vom 10.04.2018
DUMPLIN'
Murphy, Julie

DUMPLIN'


ausgezeichnet

„Langsam breitet sich ein zufriedenes Lächeln über meinem Gesicht aus. ‚Nein‘, sage ich. ‚Dieser kleine süße Moppel ist eine Schönheitskönigin.‘ “

Willowdean ist 16 und übergewichtig. Normalerweise ist sie schlagfertig und lässt sich von Kommentaren anderer nicht runterziehen. Als sie sich jedoch in ihren Kollegen Bo verliebt und sich entschließt, beim jährlichen Schönheitswettbewerb ihrer Stadt anzutreten, gerät ihr Leben komplett aus den Fugen. Jetzt muss Willowdean erkennen, wer ihre Freunde sind und dass sie es selbst in der Hand hat, ihr Leben zu leben.

Willowdean ist toll. Ja, sie ist ein Teenager und sprunghaft in ihren Ansichten, sie glaubt, dass sich die Welt nur um sie dreht, sie stößt ständig Leute vor den Kopf, weil sie eine andere Meinung hat, aber sie ist auch stark und geht ihren Weg. Das Leben mit ihrer alleinerziehenden Mutter, die als Vorsitzende des Schönheitswettbewerbs fungiert, ist nicht einfach. Als Will sich in Bo verliebt und er scheinbar ihre Gefühle erwidert, wird es richtig schwer für Will, denn sie kann nicht glauben, dass ein so gutaussehender Typ wie Bo es wirklich ernst mit ihr meint. Und was sollen all die anderen Kids an ihrer Schule sagen, wenn sie mit Bo zusammen ist? Will muss erst erkennen, dass sie nur glücklich werden kann, wenn sie selbst sich und ihr Leben akzeptiert. Auch die Beziehung zu ihrer besten Freundin Ellen leidet unter Wills Verhalten.

Insgesamt zeigt der Roman aber auf, wie wichtig es ist, sich selbst zu akzeptieren. Auch mal Dinge zu tun, die andere einem nicht zutrauen. Als Will und ein paar andere Mädchen, die nicht gerade zu den Schönheiten an ihrer Schule zählen, sich für den Contest anmelden, habe ich mich total gefreut. Die Mädchen sind aber auch alle auf ihre eigene Art toll, wie sie sich nicht entmutigen lassen. Will muss viel lernen, bis sie an diesem Punkt ankommt, aber es gelingt der Autorin, sie einige Entwicklungen durchmachen zu lassen, bis sie sich am Schluss mit sich selbst anfreundet.

Die Geschichte ist toll, weil sie aufzeigt, dass es egal ist, ob man dick oder dünn ist, ob man einen Makel hat, auf dem andere rumhacken. Wenn man zu sich selbst steht und sich nicht beirren lässt, kann man seinen Platz im Leben behaupten und glücklich sein.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ein Jugendbuch, das aber auch sehr viel Aufschlussreiches für jeden anderen Leser – egal welchen Alters – bereithält. Daumen hoch für Willowdean und ihre Chaosfreundinnen!

„Ich glaube, manchmal besteht die Vollkommenheit, die wir an anderen sehen, in Wahrheit aus vielen kleinen Unvollkommenheiten, weil an manchen Tagen das verdammte Kleid einfach nicht zugehen will.“

Bewertung vom 08.04.2018
Vom Eis berührt / Fire & Frost Bd.1
Blake, Elly

Vom Eis berührt / Fire & Frost Bd.1


sehr gut

Ruby ist ein Fireblood, die durch ihren puren Willen Feuer erzeugen kann. Zeit ihres Lebens wird ihr von ihrer Mutter verboten, ihre Kräfte einzusetzen, weil die Menschen Firebloods hassen. Als ihr Dorf überfallen und ihre Mutter getötet wird, wird Ruby von den Soldaten des Forstkönigs in einen Kerker eingesperrt. Um sie im Kampf gegen den König auf ihrer Seite zu haben, retten der Frostblood Arcus und einige Mönche das Mädchen und bilden sie aus, damit sie ihre Gabe gezielt einsetzen kann. Wird es Ruby und Arcus gelingen, die Herrschaft des Königs zu brechen?

Die Ausgangslage des Romans finde ich sehr spannend. Die Firebloods und die Frostbloods, die so gar nicht zusammenpassen und dann die Konstellation Ruby und Arcus. Zuerst sind die beiden sich total unsympathisch, finden dann aber schnell einen Weg um zusammenzuarbeiten. Das Training mit ihm und dem Mönch Thistle ist teilweise sehr amüsant, da Ruby ihre Gabe überhaupt nicht unter Kontrolle hat und hier und da Dinge in Brand setzt, die nicht brennen sollten. Doch nach und nach gelingt es den Männern, Ruby in die richtige Richtung zu drängen. Auch zwischen Ruby und Arcus schmilzt mehr und mehr das Eis und sie kommen sich näher. Den ersten Teil des Romans, der diese Ereignisse beinhaltet, fand ich wirklich sehr schön zu lesen und sehr amüsant. Den zweiten Teil des Romans, in dem Ruby von den Soldaten des Königs erneut gefangen genommen und in sein Schloss gebracht wird, fand ich dagegen etwas langatmig. Rubys Kämpfe in der Arena des Königs waren mir zu ausführlich beschrieben und zu langatmig, aber das Finale war dann wieder sehr mitreißend. Rubys Kampf gegen die Dunkelheit und für Arcus und ihre Sache ist wirklich sehr spannend.

Insgesamt habe ich das Buch sehr gerne gelesen und bin sehr gespannt auf die Fortsetzung, vor allem wegen Rubys und Arcus‘ Geschichte, die hoffentlich mit viel Liebe und einer Hochzeit enden wird.

Bewertung vom 07.04.2018
Die Rache der Polly McClusky
Harper, Jordan

Die Rache der Polly McClusky


sehr gut

„ ‚Sag denen, es war Nate McClusky‘, sagte er zu Scubby. ‚Sag denen, sie sollen es weitersagen. Ich werde nicht aufhören, bis der Hinrichtungsbefehl gegen mein Mädchen aufgehoben ist. Also wer bin ich?‘ ‚Nate McClusky‘, sagte Scubby. ‚Und Polly auch‘, sagte das Mädchen. Und der Mann sah zu ihr rüber und er grinste und das Mädchen grinste …“

Im Gefängnis tötet Nate McClusky ein Mitglied der Aryan Gang, deren Chef daraufhin seinen Tod und den seiner Ex-Frau und seiner Tochter Polly befiehlt. Nach seiner Entlassung findet Nate seine Ex-Frau und ihren neuen Mann tot auf und nimmt daraufhin seine Tochter mit sich, die ihn eigentlich gar nicht kennt. Auf der Flucht wird ihm klar, dass er nur eine Chance hat, wenn er der Gang so viel Schaden wie möglich zufügt, bis der Todesbefehl gegen Polly fallengelassen wird. Also überfallen die beiden zusammen einige Einrichtungen der Gang und stehlen Drogen und Geld. Doch um Polly zu retten, muss Nate noch weitergehen. Und er ist bereit, alles zu tun.

Ich mochte die Veränderung, die Polly durchmacht, während sie mit ihrem Vater zusammen ist. Von einem kleinen, ängstlichen Mädchen wird sie zu einer furchteinflößenden kleinen Mörder-Chica, die ihrem Vater zur Seite steht. Schon vorher von allen unverstanden, wandelt sie sich zu einem liebenswerten Monster, das den härtesten Kerlen Respekt abringt. Und wie sie währenddessen die ganze Zeit Teddy mit sich rumschleppt, den sie durch ihre „Puppenspielerkünste“ zum Leben erweckt, was die Leute in ihrem Umfeld zum Lachen bringt, das fand ich so niedlich, auch wenn es ein bisschen verrückt wirkte. Auch Nate wandelt sich. Von einem Knastbruder, der keinen Gedanken an seine Tochter verschwendete, wird er zu einem Vater, der alles tut, um sie zu retten.

Das Buch hat mir richtig gut gefallen, auch wenn die Welt, in die die kleine Polly da reinschlittert, eine grausame und brutale ist. Tolles „Road-Movie“ mit einer liebenswert verrückten Protagonistin. … und auch Teddy würde seine nichtvorhandenen Daumen nach oben strecken!

Bewertung vom 02.04.2018
Nichts ist gut. Ohne dich.
Coplin, Lea

Nichts ist gut. Ohne dich.


sehr gut

„All das zwischen uns bedeutet gar nichts, es wird nie etwas bedeuten, wenn wir nicht endlich klären, was zwischen uns steht.“

Sechs Jahre ist es her, dass Janas Bruder Tim bei einem Autounfall starb, den sein bester Freund Leander versuchte. Und jetzt steht Lean plötzlich wieder vor ihr, um mit dem Geschehenen abzuschließen. Doch können die beiden eine Beziehung zueinander haben?

Kommunikation ist wichtig! Das war das, was mir beim Lesen dieses Romans ständig durch den Kopf ging. Mal als: „Jetzt redet noch endlich mal vernünftig miteinander!“, mal als: „Mein Gott, jetzt sag es schon!“, denn Jana und Leander gingen mir mit ihrem ewigen Umeinanderkreisen ein bisschen auf die Nerven. Dass sie nicht miteinander über die Ereignisse von damals reden können, macht ihre aufkeimende Liebesbeziehung unmöglich. Dabei ist es niedlich, ihre Versuche einer entstehenden Freundschaft und aufkommenden Liebe zu beobachten und mitzuverfolgen … wenn sie doch nur mal miteinander reden würden!

Natürlich haben es beide nicht leicht … obwohl es auch hier schwieriger sein könnten, weil sie sich beide durchs Leben treiben lassen, während Jana von ihrer älteren Schwester und Leander von einem reichen Kumpel ausgehalten werden. Doch Janas Verhältnis zu ihrer Schwester wird durch ihre Freundschaft zu Leander getrübt, während der sich um seine totkranke Mutter kümmert, was ihre Leben natürlich nicht leichter macht.

Alles in allem hat mich die Geschichte von Jana und Leander gut unterhalten. Bittersüß ist die aufkeimende Liebe zwischen ihnen und lässt den Leser mitfiebern, ob sie es wohl auf die Reihe kriegen. Und ich seufze: Wenn sie nur miteinander reden würden …

Bewertung vom 31.03.2018
Eine Liebe in Apulien
Grementieri, Sabrina

Eine Liebe in Apulien


sehr gut

3.5 Sterne

Nach dem Tod ihrer Großmutter erbt Viola deren heruntergekommenes Anwesen in Apulien. Da sie gerade ihren Job verloren hat, denkt sie darüber nach, aus dem Anwesen ein Hotel zu machen. Gegen den Wunsch ihres Vaters entscheidet sie sich dafür, in Apulien zu bleiben und das Projekt in Angriff zu nehmen. Doch noch jemandem scheint dieses Vorhaben nicht zu gefallen, denn mehrfach werden kleine Sabotageakte gegen Violas Umbauarbeiten unternommen. Und auch Aris, den Viola für die Umbauarbeiten engagiert hat und in den sie sich verliebt, scheint ein Geheimnis zu haben. Kann Viola ihre Pläne verwirklichen?

Der Roman beginnt zwar traurig mit Adeles Tod, doch schon Violas Ankunft auf dem alten Anwesen und die Beschreibung der schönen Umgebung versetzen den Leser in Urlaubsstimmung. Das alte Verwalterehepaar und ihr Enkel Nico, aber auch Aris und sein Freund Ezio machen die Geschichte sympathisch. Die kleinen Probleme, die Viola bei den Genehmigungen für ihren geplanten Umbau hat, sind irgendwie so typisch bürokratisch, ließen mich aber immer lächeln. Violas Probleme beim Umbau und die Anschläge auf ihr Projekt sind leider sehr durchschaubar, so dass der Leser nicht lange rätseln muss, wer hinter allem steckt. Auch Aris Problem ist mir etwas zu vorhersehbar und die Lösung schon sehr klischeehaft. Trotzdem ist die Liebesgeschichte zwischen ihm und Viola schön zu lesen. Das Ende war mir dann auch etwas zu kitschig und wenig überraschend.

Insgesamt eine nette kleine Geschichte, die Urlaubsstimmung vermittelt. Etwas weniger Drama hätte nicht geschadet!

Bewertung vom 27.03.2018
Die Königin von Lankwitz
Urlacher, Max

Die Königin von Lankwitz


sehr gut

„Ich sage sowieso immer, das Leben ist nichts anderes als ein Märchen.
Märchen sind böse.
Das Leben auch. Und mit Märchen ist das Leben besser auszuhalten. Man hat wenigstens die Hoffnung auf ein Happy End.“

Nach der Entlassung aus der Haft wird Irene und Bea schnell klar, dass sie mit ehrlicher Arbeit nicht weit kommen werden. Nach einigen Überlegungen haben sie einen Plan. Sie gründen eine Ich-AG. Sie bieten ihre Dienste Frauen an, die jemandem, der ihnen übel mitgespielt hat, durch einen Autounfall Schaden zufügt. Da Irene in Haft war, weil sie mit Absicht ihren Mann überfahren hat, ist sie prädestiniert für dieses Geschäft. Und es läuft auch gut, bis ein Konkurrenzunternehmen sich in Beas und Irenes Leben drängt. Und es wird gefährlich, denn die Konkurrentinnen haben keinerlei Skrupel.

Bea und Irene sind wirklich witzig. Ihre Idee der Ich-AG brachte mich zum Schmunzeln, auch weil sie niemanden umbrachten, sondern nur hier und da eine Schulter oder ein Knie brachen, wenn sie die ausgewählten Opfer anfuhren. Sie suchen gezielt nach Frauen, die vom Leben gebeutelt sind und nur ein kleines bisschen Rache brauchen, um sich wieder besser zu fühlen. Die Geschichte ist flüssig und schnell zu lesen und macht einfach Spaß. Zum Ende hin und nach dem Zusammentreffen mit den Konkurrentinnen zog sich die Geschichte ein wenig, aber den Schluss fand ich wieder sehr versöhnlich und amüsant.

Insgesamt eine schöne kleine Geschichte über zwei Frauen, die es im Leben nicht leicht hatten und mit ihrer Idee einer Ich-AG viele andere Frauen glücklich machen. Wie Bea sagen würde: „Das Leben ist bunter als eine Rolle Haribo Roulette.“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen!

Bewertung vom 27.03.2018
Fanatisch
Schröder, Patricia

Fanatisch


sehr gut

Sechs Mädchen werden gekidnappt und sechs Tage lang gefangen gehalten. Dann tauchen sie wieder bei ihren Familien auf. Durch die Drohung, einem Familienmitglied etwas anzutun, bringen die Entführer die Mädchen dazu, auch nach ihrer Freilassung über das Erlebte zu schweigen. Auch Nara ist eins der entführten Mädchen. Auch sie schweigt nach dem Martyrium, weil die Entführer drohen, ihrem kleinen Bruder etwas anzutun. Doch Nara forscht weiter nach, weil auch ihr Freund Jamie entführt wurde und nicht wieder freigelassen wurde. Was haben die Entführer noch vor?

Nara habe ich gerne begleitet, auch wenn ich ihr Verhalten nicht immer nachvollziehen konnte. Dass sie sich zum Beispiel niemandem in ihrem Umfeld anvertraute, als sie bedroht und belästigt wurde, fand ich eher unglaubwürdig. Auch als die ersten Drohungen realisiert wurden, ließ sie ihr Umfeld im Unklaren, was mich dann schon etwas genervt hat. Durch ihre Entführung und die Erlebnisse in Gefangenschaft wurde mein Unglaube noch ein wenig höher, denn ihr Verhalten – und auch das der anderen Mädchen – kamen mir etwas unrealistisch vor. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass 17-jährige Mädchen so locker mit einer Entführung und der Gefangenschaft in einem absolut dunklen Raum umgehen wie zum Beispiel Tugce. Aber vielleicht sind Jugendliche heute belastbarer als ich dachte … oder es macht doch einen Unterschied, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre, da es sich um ein Jugendbuch handelt und ich schon jenseits der 30 bin und deshalb vielleicht nicht verstehe, wie Jugendliche heute ticken.

Trotzdem ist die Geschichte spannend und das Ende relativ überraschend, auch wenn ich mir einen Teil der Auflösung schon gedacht hatte. Insgesamt fand ich das Ende auch wieder etwas drüber, weil es halt nicht nur der erwartete durchgeknallte Entführer war, sondern natürlich auch hier wieder mehr dahintersteckte.

Trotz der für mich oft unlogischen Handlungsweise der Protagonistin spannend zu lesen und gut unterhaltend mit einer aktuellen Thematik.

Bewertung vom 26.03.2018
All die Jahre
Sullivan, J. Courtney

All die Jahre


sehr gut

1957 wandern die Schwestern Nora und Theresa aus Irland nach Amerika aus, wo Noras Verlobter Charlie schon auf sie wartet und Theresa ein besseres Leben bekommen soll. Doch in dem neuen Land wird die Liebe der beiden Schwestern auf die Probe gestellt und alles kommt anders als erwartet.

Das Buch erzählt die Geschichte der Familie einmal aus Sicht der damaligen Ereignisse und aus der Sicht im Heute. Zunächst steht Noras Familie im Vordergrund. Auch die Ereignisse in 1957, die sich nach der Ankunft der Schwestern in Amerika zutragen, werden ausführlich geschildert. Nora will für ihre Schwester ein besseres Leben und kann doch nichts dagegen tun, dass die jüngere Schwester sich ins Vergnügen stürzt, so dass eine ungewollte Schwangerschaft folgt, die ein junges Mädchen in dieser Zeit nicht alleine bewältigen kann. Nora nimmt sich des Kindes an, nachdem sie ihren Verlobten geheiratet hat. Doch alle folgenden Ereignisse treiben die beiden Schwestern immer weiter auseinander.

Die Geschichte ist fesselnd und schön erzählt. Die beiden Schwestern und ihre unterschiedliche Sichtweise auf das Leben sind faszinierend. Nora, die immer das Richtige tun will und die nur das Beste für ihre Schwester will, und Theresa, die die neue Freiheit in Amerika genießt und sich gerne allen Vergnügungen hingibt. Das beginnt schon auf dem Schiff, wo Nora krank vor Heimweh in ihrer Kabine bleibt, während Theresa sich mit ihren neuen Freunden schon mitten rein ins Leben begibt. Während des Lesens wird dem Leser schnell klar, dass beide Frauen in ihrem jeweiligen heutigen Leben nicht glücklich sind und nie waren. Nora wäre gerne mehr wie ihre Schwester gewesen, statt sich mit Charlie niederzulassen und eine Familie zu gründen. Doch die Zeiten zwangen die Mädchen in ihr jeweiliges Leben.

Der Schluss des Romans ist etwas unbefriedigend und klärt nicht alle Ereignisse zu meiner Zufriedenheit auf. Trotzdem ist das Buch eine schöne Studie irischer Auswanderer, die auch im fernen Amerika nicht frei von den Zwängen ihrer Heimat sind. Lesen!