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Benutzername: cho-ice
Danksagungen: 7 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 150 Bewertungen
Bewertung vom 20.09.2020
Ada, wo bist du?
Kleinloh, Melanie

Ada, wo bist du?


sehr gut

Ich finde Debüt-Romane immer spannend und dieser hat es in sich. Melanie Kleinloh hat ein tiefsinniges, gut zu lesendes Erstlingswerk vorgelegt, das auf mehr von ihr hoffen lässt.

Zum Inhalt: Als Ada, die an Demenz erkrankte Mutter, eines Tages auf einmal von zuhause verschwindet, gerät die ganze Familie in Aufruhr und Bewegung. Die Perspektive wechselt zwischen Ada und ihrer Familie, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In der Krise kommen Dinge und Gefühle ans Licht, die lange verborgen und verschüttet waren. Wird es ihnen gelingen, das Schweigen zu brechen und Heilung zu finden?

Die Autorin schreibt klar, ohne viele Schnörkel, aber mit einer Liebe zu ihren Figuren. Sehr schön fand ich, dass jedem Kapitel einige Liedzeilen vorangestellt sind, die später wieder aufgegriffen werden. Beim Lesen habe ich mich gefragt, ob manches vielleicht autobiografisch ist – so gut waren die Demenzerkrankung und weitere Schicksalsschläge dargestellt. Obwohl die Geschichte an sich traurig und teilweise auch schwermütig ist, blitzt doch immer wieder Freude und Hoffnung durch. Für mich persönlich wäre etwas weniger Schwermut gut gewesen, aber das hatte wohl mehr mit mir als mit dem Buch zu tun.

Mein Fazit: Wer gerade selbst durch eine schwierige Zeit geht, sollte dieses Buch noch etwas zur Seite legen. Alle anderen erwartet eine berührende (Familien-)Geschichte, die sich viel zu schnell wegliest.

Bewertung vom 08.09.2020
Die Perelandra-Trilogie
Lewis, C. S.

Die Perelandra-Trilogie


ausgezeichnet

Wie beschreibt man ein Epos? Einen Klassiker der Science-Fiction-Literatur, der geschrieben wurde, bevor dieses Genre seinen Namen bekam? Ein Buch, in dem Raumfahrt beschrieben wird, noch bevor die erste Rakete in den Weltraum abhob?

C. S. Lewis, der heute vor allem für seine Narnia-Bücher bekannt ist, hat die Perelandra-Trilogie in den Jahren des 2. Weltkriegs geschrieben (erschienen 1938-1945). Zu jener Zeit war die Reise in den Weltraum noch ein ferner Traum, der aber nicht zuletzt durch die Werke von H. G. Wells und anderen immer populärer wurde.

Ein kurzer Handlungsüberblick:

In Teil 1, „Jenseits des schweigenden Sterns“, wird die Hauptfigur, ein Mann namens Ransom, auf einen anderen Planeten entführt (Malakandra bzw. der Mars). In Teil 2, „Perelandra“, reist Ransom erneut zu einem anderen Planeten (der Venus), diesmal freiwillig. Er erlebt dort die Erschaffung einer neuen Welt mit, aber auch, wie etwas von außen sie zu verderben droht. Der finale Band „Die böse Macht“ wurde in den letzten Jahren des 2. Weltkriegs geschrieben und ist davon geprägt. Die Handlung spielt diesmal auf der Erde. Die Hauptfigur ist Mark Studdock, Dozent an einem kleinen englischen College. Nichtsahnend wird er in eine Verschwörung mit hineingezogen, die das Ende der Welt bedeuten könnte. Es kommt zum finalen Kampf zwischen Gut und Böse.

Ich hatte vorher schon viel von Lewis gelesen, aber keines seiner Bücher ist für mich mit dieser Trilogie vergleichbar. Es gelingt ihm, in jedem der drei Bände eine ganz eigene Stimmung zu vermitteln. Die Geschichten sind voller Humor und gleichzeitig voller Tiefe, sie beschäftigen sich mit existenziellen Fragen, ohne dabei langweilig zu werden, und sind – trotz so mancher brutaler Szene und Anspielungen, die ich nicht verstanden habe – ein echtes Lesevergnügen. Ich kann die Trilogie nur empfehlen, vor allem auch in dieser Ausgabe, da hier ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis vorliegt. Die Bindung, obwohl Taschenbuch, ist fest und qualitativ so gut, dass sie auch wochenlanges Lesen spurlos übersteht. Wer diesen Klassiker noch nie gelesen hat, sollte hier zugreifen.

Bewertung vom 29.07.2020
Esslinger Hausbücher: Es war einmal ...

Esslinger Hausbücher: Es war einmal ...


schlecht

Auf der Suche nach einem guten Märchenbuch haben wir uns „Es war einmal …“ vor allem wegen der Optik aus der Bücherei ausgeliehen, um es zu testen. Die Bilder sind auch (bis auf wenige Ausnahmen) wirklich ansprechend. Doch leider fällt unser Fazit nach nur wenigen vorgelesenen Geschichten trotzdem sehr negativ aus.

Unser Junge war zum Zeitpunkt des Vorlesens 6 Jahre alt, was der Altersempfehlung (5-7 Jahre) also entsprach. Doch bei der Auswahl wurde nicht darauf geachtet, die entsprechend harmloseren Märchen auszuwählen, sondern es sind auch wirklich gruselige Geschichten darunter. Hier ist besonders das „Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ hervorzuheben – makaber bebildert mit den Füßen der Leichen, die am Galgen hängen. Wirklich fürchterlich! Wir kannten das Märchen vorher noch nicht, waren also entsprechend neugierig – und haben es anschließend bitter bereut. Nicht nur, dass das Ende völlig unbefriedigend war (der Wortwitz ist nicht mehr zeitgemäß); in den Nächten nach dem Vorlesen ist unser Junge mehrmals weinend aufgewacht, weil er die Bilder nicht mehr aus seinem Kopf bekam.

Ich kann nicht nachvollziehen, warum ein Kinderbuchverlag (!) so eine Auswahl trifft und dann noch so eine unpassende Altersempfehlung abgibt. Meine Rezension ist also vor allem eine Warnung an alle Eltern, denen ihre Kinder (und ihr Schlaf) am Herzen liegen. Für Kinder mit einer reichen Fantasie ist dieses Buch definitiv nichts.

Bewertung vom 19.07.2020
Stürme der Liebe
Morris, Gilbert

Stürme der Liebe


sehr gut

„Stürme der Liebe“ ist der 5. Teil der Saga um die Familie Wakefield. Man kann eigentlich (siehe Fazit!) mit jedem Band neu in die Reihe einsteigen und benötigt kein Vorwissen, da die Saga fortlaufend ist und immer andere Personen im Mittelpunkt der Geschichte stehen. Besonders spannend ist die Serie für alle Freunde historischer Romane und Kenner der englischen Geschichte, da der Autor historische Personen in die Handlung mit einbaut und die politischen Verhältnisse mit einfließen lässt.

Den Titel fand ich diesmal erst etwas kitschig, aber letztlich ist er doch sehr passend, da die Protagonisten viele innere und wahrhaftige Stürme erleben. Die zentrale Figur aus dem Wakefield-Clan ist diesmal Andrew Wakefield. Die einzige Person, die man aus dem Vorgängerband bereits näher kennt bzw. theoretisch kennen kann, ist Hope Wingate (letzte Tochter von Christopher Wakefield), die inzwischen eine alte Frau ist. Als historische Personen stehen die Gründer der Methodisten John & Charles Wesley und der Erweckungsprediger George Whitefield im Mittelpunkt der Erzählung.

Ich habe bisher alle Teile der Saga gelesen und entsprechend hoch waren meine Erwartungen. An dieser Messlatte ist „Stürme der Liebe“ leider gescheitert, obwohl es immer noch ein guter Roman ist, der viele aus dieser historischen Gattung in den Schatten stellt. Ich persönlich fand die Konzentration auf John Wesley und seine inneren und nach außen getragenen geistlichen Prozesse etwas langatmig. Hier wäre in meinen Augen weniger mehr gewesen.

Andrew Wakefield ist ein ganz anderer Charakter als die anderen Kinder der Wakefield-Sippe und ich finde es spannend, wie Gilbert Morris immer wieder neue Persönlichkeitstypen zum Leben erweckt. Die Liebesgeschichte zwischen Andrew und seiner späteren Frau ist voller Tragik, aber auch Schönheit und gab bei mir letztlich auch den Ausschlag für die insgesamt positive Bewertung. Bewegend fand ich auch die Entwicklung, die der Waliser Gareth Morgan macht.

Fazit: Wer auf der Suche nach einem guten historischen Roman mit Tiefgang ist, kommt hier auf seine Kosten. Man sollte allerdings beim Lesen bereit sein, sich auf geistliche Themen einzulassen, da sie in diesem Buch eine große Rolle spielen. Eher für Fortsetzungsleser als für Einsteiger in die Wakefield-Serie geeignet.

Bewertung vom 13.07.2020
Auf das Leben!
Tschage, Tina

Auf das Leben!


ausgezeichnet

„Auf das Leben!“ ist ein Buch für alle Lebensphasen und Lebenslagen, das zum Feiern einlädt. Und wer wäre wohl besser geeignet, so ein Buch zu schreiben, als eine Frau, die Feiern zu ihrem Beruf gemacht hat? Tina Tschage ist seit vielen Jahren als „Trau-Frau“ tätig und begleitet professionell u. a. freie Trauungen, Kindersegnungen, Trauerfeiern und andere Anlässe des Lebens. So hat sie Einblick in die vielen Hoch-Zeiten und Tiefpunkte des Lebens, auch wenn sie selbst als Single lebt. Für einige Beiträge hat sie sich die Unterstützung anderer Leute gesucht, die von ihren Erfahrungen schreiben, z. B. über Kinderlosigkeit, Kindergeburtstage, Abschied vom eigenen Heim, etc.

Mich hat an diesem Buch so viel begeistert, dass ich beim Schreiben dieser Rezension befürchte, am Ende doch etwas zu vergessen.

Da wäre zum einen die tolle grafische Gestaltung. Text und Idee stammen von Tina Tschage, aber an ihrer Seite hatte sie die kongeniale Miriam Gamper-Brühl, die aus diesem Buch einen echten Augenschmaus gemacht hat.
Der Grundtenor des Buches passt einfach perfekt. Es sprüht vor Lebensfreude – und lässt doch die Schattenseiten des Lebens nicht außen vor. So finden sich unter den vielen, vielen Abschnitten über glückliche Anlässe zum Feiern auch nachdenkliche und traurige, z. B. die Geburt eines Sternenkinds, Lebenskrisen, Abschiede und schwierige Diagnosen. Gerade das macht das Buch meiner Meinung nach jedoch so wertvoll und authentisch.
„Auf das Leben“ wagt den Blick über den Tellerrand. Neben zahlreichen Hinweisen auf weiterführende Literatur gibt die Autorin auch immer wieder Einblicke in andere Glaubenskulturen. Wie und was feiern unsere jüdischen und muslimischen Mitmenschen eigentlich? Die Beiträge dazu kamen aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis, sodass es sich hier nicht um theoretische Ergänzungen, sondern lebensnahe Erfahrungen handelt. Sehr horizonterweiternd!

Mein Fazit: Dieses Buch gehört in jeden Haushalt, egal, ob Single oder Großfamilie! Wer wissen möchte, WIE man das Leben oder einfach NOCH MEHR im Leben feiert, wird mit „Auf das Leben!“ reich beschenkt. Danke, Tina!

Bewertung vom 22.05.2020
Ein Mord, zwei Mütter und die Macht der Liebe
Moerke, Debra; Lambert, Cindy

Ein Mord, zwei Mütter und die Macht der Liebe


ausgezeichnet

Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven! Denn es ist eine wahre Geschichte und handelt von genau dem, was im Titel bereits angekündigt wird: einem Mord. Und zwar nicht „irgendeinem“, sondern dem Mord an einem Kind, Hannah Bower. Die Tragik wird noch dadurch verstärkt, dass es in diesem Fall die eigene Mutter war, die ihr Kind getötet hat. So viel verrät bereits der Klappentext – ich greife hier also nicht zu viel vor.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Debra Moerke erzählt, die Hannah und ihre Geschwister als Pflegekinder aufnimmt. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren leiblichen Kindern versuchen sie, den Kindern ein Zuhause zu geben. Doch dann veranlasst das Jugendamt, dass die Kinder zurück zu ihrer Mutter kommen und Debras schlimmste Befürchtungen werden wahr, als sie eines Tages einen Anruf erhält …

„Ein Mord, zwei Mütter und die Macht der Liebe“ ist die Geschichte einer schrecklichen Tragödie, aber auch eine Geschichte darüber, wie eine Frau es wagt, Gottes Ruf zu folgen und einer Mörderin nicht nur zu vergeben, sondern ihr auch noch zu dienen. Dabei ist das Buch besser geschrieben als so mancher Roman. Es ist flott erzählt, an den richtigen Stellen wird das Tempo aber rausgenommen. Obwohl ich – durch den Klappentext oder den Prolog – teilweise wusste, wie manche Dinge ausgingen, flog ich nur so über die Seiten, weil es so spannend war!

Debra Moerke und ihrer Co-Autorin ist es gelungen, packend und berührend von der Hoffnung zu erzählen, die selbst in den tiefsten Stunden des Lebens trägt. Mich hat ihre Geschichte sehr bewegt und ich kann dieses Buch trotz der harten Realität darin wirklich nur empfehlen.

Bewertung vom 17.05.2020
Schön ohne Aber

Schön ohne Aber


ausgezeichnet

„Schön ohne Aber“ – der Titel und das Cover mit den vier hübschen, lachenden Frauen kommen leicht daher, aber zwischen den Seiten steckt so viel mehr. Ich hatte den Untertitel „Wie wir von Körperhass zu Körperliebe finden“ ehrlich gesagt etwas überlesen und ein „Feelgood-Buch“ mit ermutigenden persönlichen Geschichten erwartet. Das war jedoch zu kurz gedacht, denn es geht wirklich in die Tiefe und ans Eingemachte.

Die Herausgeberinnen, Eva-Maria Admiral und Annette Friese, erzählen ihre eigene (Körper-)Geschichten — mit Brüchen, Narben, tiefen Verletzungen und teils noch bestehenden Erkrankungen. Doch sie zeigen auch einen Weg auf, wie tiefgreifende Heilung geschehen und man seinen Körper trotz allem Erlebten und Durchlebten wirklich lieben lernen kann. So wechseln sich persönliche Berichte von 24 Frauen und Männern immer wieder ab mit kurzen „theoretischen“ Impulsen von Eva-Maria Admiral.

Großartig sind die tollen Schwarzweiß-Fotos, die die besondere Schönheit der AutorInnen hervorheben und zum Leuchten bringen. Darunter sind viele Bekannte aus der christlichen Szene wie Christina Brudereck, David Kadel, Judy Bailey, Ille Ochs, Maria Prean-Bruni, Sefora Nelson, Raphael Müller und Tamara Boppart, aber auch Menschen, von denen man zum ersten Mal liest.

Man muss sich Zeit nehmen für dieses Buch. Wer die Impulse von Admiral umsetzen möchte, braucht sicher länger dazu und wird „Schön ohne Aber“ immer wieder zur Hand nehmen. Doch auch wer „nur“ die persönlichen Erfahrungsberichte liest, wird immer wieder innehalten und das Gelesene sacken lassen wollen. Alle Geschichten sind Mut machend, aber manche auch wirklich tragisch. Ich würde das Buch noch keiner/keinem jungen Teenager in die Hand geben, da in manchen Beiträgen auch sexuelle Gewalt thematisiert wird. Meine Altersempfehlung: frühestens ab 16, eher ab 20.

Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich dem Buch 4 oder 5 Sterne geben soll. Ich finde es gut, aber mich hat nicht alles angesprochen; besonders die Impulse von Eva-Maria Admiral, wie man sich mit seinem Körper und seinem Bild von sich selbst auseinandersetzen und Heilung finden kann, waren für mich nur selten persönlich passend. Aber in den gut 2 Wochen, in denen ich dieses Buch häppchenweise las, stellte ich etwas Bemerkenswertes fest: Obwohl ich bereits ein recht gutes und heiles Bild von mir selbst habe, hat mir das Lesen dieser Texte richtig gutgetan. Ich wurde noch entspannter und gnädiger mit mir selbst. Das fand ich sehr bemerkenswert und so habe ich mich für die 5 Sterne entschieden.

„Schön ohne Aber“ ist ein Buch für JEDEN Mann und JEDE FRAU, der/die sich mit ihrem Körperbild auseinandersetzen möchte. Besonders empfehlenswert ist es für alle, die mit ihrem Körper oder Teilen davon hadern oder sich selbst nur schwer annehmen können, wie sie sind. Heilung ist möglich – das ist die Botschaft von „Schön ohne Aber“.

Bewertung vom 01.05.2020
Die Schmugglerin des Lichts
Chang, Esther; Bach, Eugene

Die Schmugglerin des Lichts


ausgezeichnet

Esther Chang wächst in den 19970er Jahren als Chinesin in einer koreanischen Subkultur auf. Ihr Großvater ist der einzige Christ und Arzt im Dorf. Für seinen Glauben wird er belächelt, verspottet, verfolgt und benachteiligt, während er gleichzeitig für seinen Beruf geachtet und von seinen Verfolgern zurate gezogen wird. Esthers Familie erlebt eine Art Sippenverfolgung und systematische Benachteiligung, obwohl sie selbst den christlichen Glauben ablehnen. Nie würde sie sich diesem Jesus beugen, schwor Esther sich.

Mit Anfang 20 geht sie ins Ausland, um Geld zu verdienen. Dort wird sie von Gott gefunden und nach langem inneren Ringen selbst eine gläubige Christin. Als sie den Ruf erhält, unter nordkoreanischen Flüchtlingen zu arbeiten, wehrt sie sich zunächst heftig dagegen. Doch schließlich findet sie ein Ja zu ihrer Lebensaufgabe und dient den Menschen rückhaltlos. Sie erlebt dabei viele Tiefen und einige Höhen.

Später öffnet Gott ihr die Türen in das verschlossenste Land der Welt und sie reist als Wirtschaftsexpertin im Auftrag chinesischer Firmen nach Nordkorea. Dort beginnt sie eine Untergrundarbeit und führt viele zum Glauben an Jesus Christus. Doch die Geheimdienste beider Länder sind ihr auf den Fersen …

Dieser wahre Lebensbericht liest sich spannender als so mancher Krimi und ist gefühlt viel zu kurz. Manches wirkt für westlich geprägte Leser unverständlich und es gibt einige Stellen, die schwer zu verdauen sind, da sie an Zustände des Alten Testaments erinnern. Trotzdem kann ich das Buch jedem empfehlen, der sich über die tatsächliche Lage der Menschen in Nordkorea informieren möchte – und jedem, der gern spannende Biografien liest. Aufgrund mancher beschriebenen Ereignisse ist das Buch allerdings wirklich nur für Erwachsene zu empfehlen.

Bewertung vom 19.04.2020
Wir hofften auf bessere Zeiten
Bartels, Erin

Wir hofften auf bessere Zeiten


ausgezeichnet

7 Jahre hat Erin Bartels an ihrem Debütroman geschrieben, wie sie im Nachwort verrät. Als sie ihre Recherchen zu den Rassismusproblemen in den USA begann, war die Welt noch eine andere als heute. Umso erstaunlicher, wie aktuell ihre mitreißende Familiengeschichte über 4 Generationen geworden ist!

Zur Handlung: Die Journalistin Elizabeth Balsam zieht nach einer kurzfristigen Entlassung Hals über Kopf zu ihrer bis dato unbekannten Großtante Nora Balsam, die in den 1960er Jahren als Weiße einen Schwarzen geheiratet hatte. Plötzlich findet sie sich als Großstadtpflanze in einem 150 Jahre alten Haus auf dem Land voller Geheimnisse wieder. Nur langsam gelingt es ihr, sie gegen Noras Widerstand zu lüften und merkt, dass dies alles viel mehr mit ihr zu hat, als sie jemals zu ahnen gewagt hätte …

Die Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt – man begegnet der jungen Nora in den 1960er Jahren, ihrer Ahnin Mary Balsam zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs und Elizabeth in der Gegenwart. Gerade das macht den Reiz dieses Romans aus. Je mehr ans Licht kommt, umso mehr möchte man erfahren. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Selten hat es ein Debüt geschafft, mich so in seinen Bann zu ziehen!

Auch wenn das Thema Rassismus sich als roter Faden durch das Buch zieht, vermittelt es doch Hoffnung. Jede der Frauen setzt sich auf ihre Art gegen die Ungerechtigkeiten ihrer Zeit zur Wehr. Jede von ihnen erlebt die Liebe. Jede von ihnen hat auch einen eigenen Bezug zum Glauben, der hier jedoch eher in leisen Tönen vorkommt.

Mich hat „Wir hofften auf bessere Zeiten“ absolut begeistert – ich werde es sicher noch einmal mit etwas Abstand lesen. Wer historische Romane mit Gegenwartsbezug mag, wird dieses Buch lieben!

Bewertung vom 18.04.2020
Unverschämt schamlos
Bolz-Weber, Nadia

Unverschämt schamlos


sehr gut

Nadia Bolz-Weber polarisiert. Provoziert. Und lädt gleichzeitig zu einem christlichen Glauben ein, der keine Grenzen kennt, der wirklich an die Gnade glaubt und an die Einzigartigkeit und Ebenbildlichkeit jedes Menschen.

In „Unverschämt schamlos“ geht es um die Fehler, die die Kirche (über Konfessionen hinweg) in Bezug auf den Umgang mit Sexualität gemacht hat. Und die Konsequenzen, die das für viele christlich-konservativ aufgewachsene Menschen hatte. Bolz-Weber erzählt haarsträubende, tragische, tragikomische, persönliche Geschichten von Menschen, die sie zu dem Thema befragt hat. Und sie zeigt auf, wie man es besser machen und Menschen im Kontext des Glaubens zu einer befreiten Sexualität verhelfen kann. Der Titel „sexuelle Reformation“ passt also tatsächlich zum Thema. Gleichwohl ist manches noch nicht ausgegoren, aber die Autorin erhebt auch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit oder Unfehlbarkeit. Im Gegenteil.

„Unverschämt schamlos“ beschreibt ausnahmslos die USA. Trotzdem lässt sich vieles von dem, was Bolz-Web beschreibt, auf die hiesige Kirchenlandschaft übertragen, wenn auch vielleicht nicht so zugespitzt. Sie hat wirklich etwas zu sagen, selbst wenn man – so wie ich – nicht allem zustimmen kann.

Was ich an ihr und ihren Büchern so mag, ist ihre große Menschenliebe und ihre Liebe zu Jesus. Er ist zweifellos das Zentrum ihrer Theologie. In dem Vorgängerbuch „Unheilige Heilige“ war mir vieles eindeutig zu liberal. Hier findet Bolz-Weber jedoch in fast allen Kapiteln wieder zur Mitte unseres Glaubens zurück. Auch wenn man aus einem eher konservativen Hintergrund kommt, kann ich dieses Buch wirklich empfehlen, da es einen als mündigen Christen zum Nachdenken über die eigene sexuelle Biografie anregt, und über das, was man seinen Kindern weitergeben möchte.