Benutzer
Benutzername: 
TochterAlice
Wohnort: 
Köln

Bewertungen

Insgesamt 1484 Bewertungen
Bewertung vom 09.01.2026
Luka, Saskia

Lass uns noch bleiben


gut

Ein Roman, in dem es ausgesprochen atmosphärisch zugeht - und zwar in den Straßen von Berlin-Kreuzberg, das in mir lebendig wurde während der Lektüre dieses Buchs. Man kann das Leben dort auf jeder Seite fühlen, das Miteinander, aber auch die Einsamkeit, die Pflanzenverkäuferin Anna und ihren Ladennachbarn, den Buchhändler Henning lange begleitet. Bis der gut gelaunte, unverwüstliche Alex in ihr Leben plumpst und alles möglich werden lässt, was bisher nicht vorstellbar war. Naja, vieles zumindest!

Das klingt alles sehr stimmig, aber mir fehlte hier so manches an Informationen, gerade, um die ein oder andere Verbindung zwischen Geschehnissen oder auch Personen herzustellen. Die enge Beziehung Annas zu Dalmatien ploppt ein wenig zu unmittelbar auf und insgesamt fehlen mir so manche Details dazu, nur um ein Beispiel zu nennen. Das ist nicht die einzige Stelle in dem Roman, in dem es mir so erging, am Ende blieben für mich viel zu viele Fragen offen!

Insgesamt beinhaltet mein Leseerlebnis also eine seltsame Mischung aus toller Atmosphäre und fehlenden Zusammenhängen!

Bewertung vom 09.01.2026
Bhatter, Ina

Drei Tage im Schnee


schlecht

Ich hatte mich auf einen warmherzigen und eindringlichen Winterroman gefreut, musste mich aber mit hohlen Phrasen begnügen. Hier war wirklich so gar nichts Stimmungsvolles oder Erkenntnisreiches enthalten.

Worum es geht: Hannah ist ausgelaugt und zieht sich für ein paar Tage auf eine einsame Hütte mitten im Wald zurück - es ergibt sich, dass sie zur Zeit ihres Aufenthaltes weiße Tage genießt - Schnee, wohin man schaut.

Alsbald macht sie die Bekanntschaft der kleinen Sophie, eines zutraulichen Mädchens, das sie zurückführt zur Selbstfürsorge und den Genuss der kleinen Dinge. Ihre spontanen Äußerungen lassen Hannah nachdenklich werden: über den Sinn ihres schnellen, modernen Lebens, über die wirklichen Werte!

Leider ist das alles schon dagewesen und zwar nicht nur einmal. Obwohl es nur ein dünner Band ist, musste ich mich da richtiggehend durchquälen.

Besinnliche und stimmungsvolle Zeit im Schnee? Ach nee! Ich werde ganz sicher nicht mehr zu einem Buch dieser Autorin greifen!

Bewertung vom 24.12.2025
Archan, Isabella

Die MörderMitzi und der eiskalte Tod


sehr gut

Ja, normalerweise kommt Mitzi sehr gut mit sich selber klar, aber in besonderen Situationen braucht selbst sie gelegentlich ein paar Anstöße von Außen und schließt sich deshalb einem Retreat in eisigen Höhen - im weiß verschneiten Dachsteingebirge - an. Geleitet vom Psychotherapeuten Dr. Rannacher, mit dem sie schon ihre Erfahrungen gemacht hat - durchweg positiv.

Sie wünscht sich Ruhe und Klarheit und meint, dass sie sich auf den Doktor verlassen kann. Aber ach, in einem Retreat ist man ja nicht allein und Mitzi bekommt es mit ganz besonders eigenen Vertretern zu tun und auch die ein oder andere Leiche oder halbtote Person pflastert ihren Weg.

Es ist wirklich bewundernswert, wie Autorin Isabella Archan eine immer wieder heiter werdende Lesestimmung in grausigen Höhen schafft! Ein unterhaltsamer und spannender Krimi, an dem mich lediglich einige der Ausflüge in Gedankenwelten verschiedener Personen störten, aber das hat eher mit mir selbst zu tun. Wobei - am Ende war ich so tief in dem Fall drin, dass ich selbst damit im Großen und Ganzen klar kam!

Genau die richtige Lektüre für ruhige, heitere und manchmal auch grausige Stunden zwischen den Jahren!

Bewertung vom 16.12.2025
Goga, Susanne

Die wilden Jahre


sehr gut

Nach dem großen Krieg, den wir heute den Ersten Weltkrieg nennen, zieht sich eine Grenze durch das Rheinland - Düsseldorf ist geteilt, das Zentrum und die weiteren Gebiete östlich des Rheins sind weiterhin Teile Deutschlands, wohingegen der Teil der Stadt ab Oberkassel ebenso wie die Städte am Niederrhein von Besatzungsmächten kontrolliert werden.

Die junge Schauspielschülerin Thora, die in Düsseldorf an den Bühnen der Stadt lernen darf, hat es nicht leicht, zu ihrer Familie nach Mönchengladbach zu gelangen und gerade jetzt, wo ihr Bruder Hannes endlich aus dem Krieg heimgekehrt ist, vermisst sie diese besonders. Und dann wird Hannes auch noch verhaftet : Mordverdacht!

Doch Thora ist sich seiner Unschuld sicher und kämpft um seine Entlastung und Befreiung. Wird es ihr gelingen?

Wie immer schreibt Susanne Goga dicht und atmosphärisch - man fühlt sich förmlich in die Zeit zurückgesetzt, gerade wenn man - wie ich - die Gegend seit der Kindheit gut kennt. Diesmal wirkten die Schilderungen aufgrund der ausführlichen Darstellung der vergangenen Jahre - des Krieges - stellenweise etwas umständlich und lenkten vom eigentlichen Geschehen ab, was den Roman jedoch nicht weniger lesenswert macht!

Bewertung vom 15.12.2025
McCluskey, Laura

Wolfskälte


sehr gut

Autorin Laura McCluskey katapultiert uns Leser gemeinsam mit den Ermittlern Richie und George nach Eadar, eine entlegene schottische Insel weitab von der Westküste Irlands, wo sie einen rätselhaften Todesfall untersuchen sollen - schon der Weg dorthin ist unwirtlich, auch die meisten Bewohner sind es.

Obwohl die Ermittler - der erfahrene Ermittler Richie und die junge, oft ungeduldige George, einander gut kennen und auch schätzen, fällt es ihnen nicht immer leicht, miteinander klar zu kommen.

All diese Unwegsamkeiten kleidet die Autorin in einen spannenden Text, der stellenweise auch etwas gruselig ist und durchgehend ausgesprochen atmosphärisch daher kommt. Die Charakterisierung der Figuren gelingt manchmal sehr gut, in anderen Fällen brauchte ich viel Zeit, um die Person hinter der Beschreibung für mich lebendig werden zu lassen.

Dennoch ist es insgesamt ein sehr eindringlicher und ungewöhnlicher Krimi mit Stil, der eher etwas für Leser ist, die sich gerne Zeit zum Erschließen neuartiger Bücher - in diesem Fall Krimis - nehmen. Diese werden während der Lektüre durchaus reich belohnt werden!

Bewertung vom 12.12.2025
Ware, Ruth

The Woman in Suite 11


sehr gut

Sie ist wieder da: Lo Blacklock, die Protagonistin aus "Woman in Cabin 10", inzwischen glückliche Ehefrau und Mutter zweier Söhne, kann nicht "nein" sagen, als sie zu der Einweihung eines Luxushotels gleich am Genfer See eingeladen wird, auch wenn sie sich wundert, wie er ausgerechnet auf sie kommt.

Zunächst wird sie wieder und wieder überrascht durch besonders großzügige Gesten während der Reise und auch nach der Ankunft im Hotel, kann es sein, dass alle eingeladenen Journalisten so reichlich bedacht werden? Und es sind eine Reihe von Bekannten da, die damals auch auf dem Schiff des Schicksals waren.

Doch dann "stolpert" sie über jemanden, der meint, dass sie ihm noch einen Gefallen, und zwar einen riesengroßen, schuldig ist... Es beginnt eine Odyssee der besonderen Art, in der Lo mal an sich, dann wieder an anderen zweifelt.

Eine gelungene Fortsetzung des Vorgängers, die allerdings ohne Kenntnis desselben schwer nachzuvollziehen wäre....

Bewertung vom 07.12.2025
Horowitz, Anthony

Tod zur Teestunde


ausgezeichnet

Ein ebenso ungewöhnlicher wie vielschichtiger Krimi mit der Ermittlerin Susan Ryeland, der uns von Kreta - wo sich Susan trotz aller Versuche nicht einleben konnte, was ich im Leben nicht verstehen werde - zurück nach England führt. Susan ist Verlegerin, braucht Arbeit und kommt durch ihre alten Kontakte zu einem kleinen Verlag. Ihr erster Auftrag: sie soll den Krimi eines jungen Autors redigieren, der eine bereits bekannte Ermittlerfigur, nämlich Atticus Pünd,mit dem Susan schon einmal zu tun hatte, neu belebt. Dieser Krimi spielt in Nizza und hat - so scheint es Susan - eine frappierende Ähnlichkeit mit der eigenen Familie des Autors, des jungen Eliot Crace, Enkel einer berühmten Kinderbuch-Autorin. Susans Arbeit wird bald durch einige dramatische Ereignisse unterbrochen...

Teilweise wird hier das Format Buch-im-Buch genutzt, das ich sehr schätze, wenn es gut gemacht ist. Bei Anthony Horowitz kann man sich auf eine gelungene Umsetzung verlassen, die ich mit großem Genuss gelesen habe. Wie immer bei diesem Autor muss man sich auf etliche Überraschungen gefasst machen! Very british: spannend und atmosphärisch zugleich!

Bewertung vom 27.11.2025
Stern, Anne

Die weiße Nacht


sehr gut

Wie immer konnte ich ein Buch der Autorin Anne Stern - diesmal handelt es sich um einen Krimi, der 1946 in Berlin spielt - einfach nicht aus der Hand legen. Sie schreibt eindringlich, spannend und vor allem anschaulich: während der Lektüre hatte ich fast den Eindruck, ich würde einen Film anschauen. Oder vielmehr den Auftaktfilm zu einer Serie, denn erfreulicherweise ist dies Band 1 eines Mehrteilers. Immer wieder sah ich das Geschehene direkt vor mir - wenn diese Reihe dann wirklich irgendwann verfilmt wird, werde ich möglicherweise sogar enttäuscht von dem Ergebnnis sein.

Besonders gut gefällt mir, dass Anne Stern ihre Leser immer wieder in eine spannende Zeit innerhalb der jüngeren Deutschen Geschichte mitnimmt - wie so oft ist Berlin der Schauplatz, diesmal vor allem die Mitte mit angrenzenden Stadtteilen wie Kreuzberg und Neukölln.

Kommissar König, von Haus aus Ostpreuße, hatte sich während seiner Zeit als Soldat als Gegner nationalsozialistischen Regimes geoutet und war danach jahrelang inhaftiert. Als als gesicherter Gegner der Nationalsozialisten wurde er im Nachkriegsberlin zum Polizeidienst zugelassen, der sich nach etwas mehr als anderthalb Jahren des Friedens noch als sehr rudimentär darstellt.

Die Fotografin Lou, auch sie keine Freundin der Nazis, lebt immer noch in ihrem Kiez, hat aber fast alles und fast alle Lieben verloren. Sie gerät eher durch Zufall in Königs Ermittlungen: es geht um eine ermordete Frau, die sich vor ihrem Tod im Halbwelt-Milieu bewegte.

Mir gefällt sehr gut, dass verschiedene Fakten, Umstände und Entwicklungen aus der damaligen Zeit zur Sprache kommen und immer wieder das Schicksal benachteiligter Menschen thematisert wird - und 1946 gab es davon Unzählige in Berlin - angesprochen und in den Mittelpunkt der Handlung gestellt wird. Gut und böse gibt es zwar, nicht immer ist es jedoch klar abzugrenzen.

Jetzt schon warte ich ungeduldig auf den nächsten Band, in dem Lou und Kommissar König einander mindestens genauso gut ergänzen werden.

Bewertung vom 19.11.2025
Fröhlich, Anja

3 Streuner und der sprechende Berg


sehr gut

Liebenswert und lustig: So geht es zu in diesem Buch über drei Streuner, die bei Joy und ihren Eltern leben und es durchaus genießen, sich jedoch nicht immer zu benehmen wissen!

King Kerl, Big Ben und Flirty sind die drei Hunde, deren Erlebnisse hier nun bereits im zweiten Band geschildert werden - und zwar gilt es diesmal, sich zu benehmen, denn Joy möchte sie mit zur Schule nehmen! Und dazu Schildegard, die - Nomen est Omen - Schildkröte der Familie und natürlich Freundin der Streuner. Obwohl sie so viel weiser ist! Aber ob das im Ernstfall nutzt, das wird man erstmal sehen.

Für Vorschulkinder zum Vorlesen und Vorfreuen auf die Schule - hoffentlich denken sie nicht, dass es dort immer so lustig ist! Und für Grundschulkinder zum Selberlesen - die Schrift ist schön groß und es sind jede Menge Zeichnungen dazwischen für kleine Momente der Entspannung!

Ob das klappt? Ein warmherziger Beschreibung darüber, wie Hunde uns (möglicherweise) sehen!

Bewertung vom 10.11.2025
Ganeshananthan, V. V.

Der brennende Garten


ausgezeichnet

Erzählt wird aus der Sicht der jungen Tamilin Sashi, die wohlbehütet in einer Familie mit vier älteren Brüdern aufwächst und kurz davor steht, ihr Studium der Medizin aufzunehmen: sie möchte Ärztin werden und zieht dafür zu ihrer Großmutter, um sich mit Begeisterung in ein neues, akademisches Leben zu stürzen.

Das jedoch wird jäh unterbrochen durch den Beginn des Bürgerkrieges und sie muss miterleben, wie in der Nachbarschaft, ja gar in der eigenen Familie, die Interessen aufeinander prallen - mit häufig tödlichem Ende zumindest für eine Seite. An ein Studium ist bald für niemanden in Sri Lanka auch nur zu denken.

Als angehende Ärztin steht Sashi zwischen den Seiten, sie ist sich bald schon im Klaren darüber, was sie selbst für richtig hält, doch auch die anderen, in deren Reihen viele ihrer Freunde, Bekannten, ja, sogar ihre Brüder stehen, benötigen ihren medizinischen Beistand. Und sie folgt der Ethik der Mediziner, dass man wirklich jeden behandeln sollte und sieht daher deutlich mehr, als eine junge Frau, ein Mädchen fast noch, sehen sollte. Sie bekommt durch ihre frühere Professorin eine Möglichkeit, ihren Drang nach Gerechtigkeit zu stillen, nämlich durch die Dokumetation des Grauens, der sich in ihrer Heimat vollzieht.

Ein Roman, der schmerzhaft und quälend ist - ich brauchte einige Wochen, um ihn abzuschließen, nicht, weil er mir nicht zusagte, sondern weil er mich in meinem Innersten traf. Ich hatte streckenweise das Gefühl, selbst im Krieg zu sein!

Ein starkes Buch, das nichts für schwache Nerven ist. Dennoch empfehle ich den Roman von ganzem Herzen - er zeigt klar und deutlich, was Krieg eigentlich bedeutet und was er jeden einzelnen Menschen im Einzugsbereich kostet. Trotz meines langsamen Lesens fegte er wie eine Feuerbrunst durch meine Sinne und durch meinen Geist, ich denke nicht, dass ich ihn je vergessen werde. Das hat er auch nicht verdient!