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Benutzername: Wuestentraum
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Bewertungen

Insgesamt 284 Bewertungen
Bewertung vom 15.01.2018
Ein Baum wächst in Brooklyn
Smith, Betty

Ein Baum wächst in Brooklyn


sehr gut

Francie wächst mit ihren Eltern und ihrem Bruder Neeley in Brooklyn auf. Es ist das Jahr 1912 und es sind schwere und harte Zeiten. Ihre Eltern müssen jeden Penny zweimal umdrehen, ihr Vater ist ein singender Kellner, der nicht immer Arbeit hat. Ihre Mutter Katie arbeitet härter, um die Familie zu ernähren. Die Kinder sammeln Trödel, den sie am Samstag für einige wenige Pennys verkaufen. Francie hat sich vorgenommen, seit sie lesen kann, jeden Tag ein Buch zu lesen. So sitzt sie auf ihrer Feuertreppe und genießt die Sonnenstrahlen bei einem neuen Buch aus der Bibliothek. Dann ist sie glücklich. Ihr großer Traum ist es, Schriftstellerin zu werden.
Als Francie endlich in die Schule kommt, hat sie große Hoffnungen, viel lernen zu können, da sie durch Bildung versuchen möchte, den ärmlichen Verhältnissen zu entfliehen. Sie hört oft, ob beim Arzt der sie impfen soll oder in der Schule abfällige Bemerkungen über sie und die anderen armen Kinder. Die wohlhabenderen Kinder der Ladenbesitzer werden bevorzugt behandelt, während sie und ihresgleichen nicht einmal auf die Toilette gehen dürfen und sich einnässen müssen. Durch Zufall bei einem Spaziergang in einem anderen Viertel entdeckt sie plötzlich eine andere Schule. In die will sie gehen, entscheidet sie spontan. Ihr Vater macht es möglich und sie fühlt sich in der neuen Schule richtig wohl.
Es gibt viele traurige und negative aber auch positive Erlebnisse in Francie’s Leben. Es geht um ein Leben in Armut und Härte, entsprechend der damaligen Zeit. Man kann sich als Leser völlig hineinversetzen in die Beschreibung der Örtlichkeiten und der Armut. Und in das Leben von Francie und ihrer Familie.
Der Schreibstil ist wunderschön, klar und fließend, man taucht schnell ein in das Leben der Nolan’s. Die Charaktere sind gut dargestellt, manchmal erschienen sie zu krass oder hart in ihrer Art, aber das war sicher der damaligen Zeit geschuldet und entsprechend. Die Armut, die harten und schweren Jahre haben mich als Leser sehr bedrückt. Man konnte sich schwer vorstellen, wie ein Kind die vielen schlimmen Dinge ertragen konnte. Umso mehr freute man sich, wenn es glückliche und positive Erlebnisse gab.
Die Magie dieses Klassikers hat sich bei mir nicht gleich von Anfang an, sondern erst später eingestellt. Dafür war es dann ein wahrer Lesegenuss, über das Leben von Francie zu lesen.
Fazit:
Ein wundervoller Klassiker, dessen Magie sich mir erst etwas später offenbarte. Ein toller Lesegenuss über das Erwachsenwerden eines Mädchens, das aus armen Verhältnissen stammt, und die nie die Hoffnung aufgab, etwas Besseres aus ihrem Leben zu machen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.01.2018
Angstmörder
Stassen, Lorenz

Angstmörder


sehr gut

Nicholas Meller ist ein nicht so erfolgreicher Anwalt. Als sich die Referendarin Nina in seiner Kanzlei vorstellt, ist er überrascht. Er fragt sie, warum sie sich gerade in seiner Kanzlei bewirbt. Und er ist erstaunt über ihre Ehrlichkeit. Nina ist attraktiv, doch ihr fehlt ein Arm, was Nicholas Meller anfangs irritiert. Doch schnell werden die beiden ein eingespieltes Team. Denn Nicholas hat Arbeit bekommen. Einer seiner alten Mandanten wird beschuldigt, seine Ehefrau umgebracht zu haben. Schon vorher gab es bei ihnen eheliche Gewalt und daher geht die Polizei sowie die Staatsanwaltschaft sofort davon aus, dass der Mann der Täter ist.
Doch Nicholas Meller sucht nach einem Ausweg für seinen Mandanten und kommt auf die Idee eines Alternativtäters. Nina sucht Fälle heraus, die ähnlich zu ihrem Fall sind und so kommen sie langsam immer weiter voran. Doch dabei begeben sie sich selbst in Gefahr, was sie beide viel zu spät realisieren.
Der Schreibstil von Lorenz Stassen hat mir sehr gut gefallen, klar und fließend, ich bin schnell in die Geschichte hineingekommen. Die Charaktere von Nicholas Meller und Nina waren sympathisch und realistisch dargestellt, auch Herr Sokolow, ein zwielichtiger russischer Mandant von Meller hat mir sehr gut gefallen, er passte toll in das Geschehen hinein. Dr. Franka Naumann die Staatsanwältin sowie Kommissar Rongen waren ebenso gut wie sympathisch beschrieben. Auch romantische Gefühle sowie entstehende und bestehende Freundschaften waren gut dosiert eingefügt. Die Geschichte war sehr gut aufgebaut und mit vielen spannenden Abschnitten. Nur leider hat mir insgesamt die Spannung etwas gefehlt, für einen Thriller hätte es mehr sein dürfen.

Fazit:
Insgesamt hat mir „Angstmörder“ sehr gut gefallen. Tolle Charaktere, klasse Geschichte mit vielen interessanten Abläufen und spannenden Abschnitten. Und ein Ende, welches keine Fragen offen ließ.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.01.2018
Schloss aus Glas
Walls, Jeannette

Schloss aus Glas


ausgezeichnet

Die Journalistin Jeannette Walls erzählt hier ihre eigene Geschichte. Wie sie mit ihren Eltern und ihren 3 Geschwistern ein Vagabundenleben geführt haben. Es wird von einem Ort zum nächsten gefahren, der Vater nicht nur Alkoholiker sondern auch ein sogenannter Träumer, der seinen Kindern Geschichten erzählt und ihnen eines Tages ein Schloss aus Glas verspricht. Die Mutter ist Künstlerin, lebt überwiegend in ihrer eigenen Welt. Die Kinder sind anfangs glücklich, kennen sie ja nichts anderes, doch als sie älter werden, wollen sie diesem Leben in Armut und Hunger entfliehen.
Jeanette Walls erzählt realistisch und berührend die Geschichte ihrer Kindheit, das Alltagsleben mit ihren Eltern und Geschwistern, welches alles andere als einfach ist. Die Eltern sind freiheitsliebend, haben kaum finanzielle Mittel um ihre 4 Kinder zu ernähren. Doch trotz aller Widrigkeiten von außen hält die Familie fest zusammen. Die Kinder versuchen, das jeweilige Zuhause, welches meistens Bruchbuden sind, zu verschönern und sich um Nahrung zu kümmern. Die Eltern geben ihren Kindern Zuspruch und liebevolle Gesten der Wiedergutmachung. Man kann ihre Beweggründe etwas nachvollziehen und ihnen deshalb ihr Handeln nicht übel nehmen, doch befürworten kann man es auch nicht.
Der Schreibstil der Autorin ist klar und flüssig, man taucht schnell in diese wahre Geschichte ein, die einen zum Teil entsetzt und zum anderen Teil mitfühlend zurücklässt. Es wird sichtbar, wie Kinder in jungen Jahren ihre Umwelt wahrnehmen und trotz Armut und Hunger glücklich sein können. Wie sie, wenn sie heranwachsen und ihr Blickwinkel sich ändert, alles versuchen, um aus diesem Elend herauszukommen, um ein besseres Leben zu führen. Es zeigt, dass man auch unter widrigsten Lebensbedingungen immer einen Weg finden kann, um sein Leben zu ändern.
Fazit:
Ein sehr bewegendes und mitfühlendes Buch, das mich nachdenklich zurückgelassen hat. Unbedingte Leseempfehlung.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.01.2018
Mein Freund Pax
Pennypacker, Sara

Mein Freund Pax


ausgezeichnet

Peter rettet, als er selbst ein 7-jähriger Junge ist, einen Fuchswelpen vor dem sicheren Tod. Er nennt ihn Pax und die beiden werden unzertrennlich. Ohne den anderen geht gar nichts. Als Peter 12 Jahre alt ist, will ihn sein Vater zum Großvater in eine andere Stadt, 300 km entfernt, für mindestens ein halbes Jahr bringen, da er sich für den Krieg gemeldet hat. Pax kann Peter nicht begleiten, so setzt der Vater ihn, in Begleitung vom unglücklichen und weinenden Peter, im Wald aus. Nach einem Tag bei seinem Großvater hält Peter es nicht mehr aus und macht sich alleine und zu Fuß auf den Weg, um seinen Fuchs zu retten und ihn wieder zu sich zu holen. Schlimm nur, dass Peter sich bereits am ersten Tag seiner Wanderung den Fuß bricht. Zu Hilfe kommt ihm Vola, eine einsam im Wald lebende Frau, die ihm hilft, wieder auf die Füße zu kommen.

Unterdessen hat Pax es schwer, zu begreifen, was passiert ist. Er war noch nie in seinem Leben einen Tag ohne Peter gewesen, und er kennt nur sein Gehege und das Haus von Peter und seinem Vater, sein Zuhause. Er konnte weder jagen, noch kennt er die Gefahren draußen im Wald. Er bekommt Unterstützung von anderen Füchsen, Gray der alte graue Fuchs, Bristle, die zickige Füchsin und ihrem kleinen Bruder Runt, der Pax sofort ins Herz schließt.

Die Autorin hat mich als Erwachsene mit diesem Kinderbuch begeistert. Als großer Tierliebhaber habe ich stark mitgelitten, als bereits am Anfang der Geschichte der Fuchs Pax ausgesetzt wird. Mitfühlend und berührend erzählt sie die Geschichte von Peter dem Jungen und seinem Fuchs Pax, den er aufgezogen hat und wie innig die beiden miteinander verbunden sind. Auch Vola, die ein paar schöne Weisheiten miteinbringt, passt toll in diese Geschichte hinein. Der Krieg, der jähzornige Vater von Peter, alle Charaktere runden diese Geschichte wunderbar ab.

Man bangt um Pax und leidet mit Peter, der sich nur auf die Suche nach seinem Fuchs machen will und viele Hindernisse überwinden muss.

Fazit:

Wundervolles Buch. Mitfühlende und berührende Geschichte über einen Jungen und seinen Fuchs, die getrennt werden und beide alles dafür tun, um wieder bei dem anderen sein zu können.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.12.2017
Das Seelenleben der Tiere
Wohlleben, Peter

Das Seelenleben der Tiere


sehr gut

Peter Wohlleben, der heute einen umweltfreundlichen Forstbetrieb leitet, beschreibt in diesem Buch persönliche und wissenschaftliche Erkenntnisse zu verschiedenen Emotionen, wie Liebe, Trauer und Mitgefühl sowie Intelligenz von den Tieren.

Er hat eigene Erfahrungen mit eigenen Hunden und Pferde gemacht und die erzählt einige Anekdoten von diesen. Weiter hat er mit Rehen, Wildschweinen und Raben im Rahmen seiner Arbeit als Förster zu tun und die Möglichkeit, diese Tiere oft zu sehen und zu beobachten.

Es kommen interessante Details zum Vorschein. Wie fürsorglich zum Beispiel Eichhörnchen-Mütter sind, die ihre Jungen, die sich fest um ihren Hals krallen, bei Gefahr durch die Gegend tragen, bis sie selbst kurz vor der Ohnmacht stehen, weil sich nicht genügend Luft bekommen. Viele Beobachtungen von Raben werden beschrieben, die sich Namen geben und sich diese gegenseitig zurufen und noch vieles, vieles andere, was ich vorher nie gehört habe und von dem ich keine Ahnung hatte.

Dass Schweine Gefühle haben, war ja schon öffentlich bekannt geworden, aber dass sie auch den Spiegeltest bestehen, der ihnen Intelligenz nachsagt, weil sie sich im Spiegel sofort selbst erkennen, war mir nicht bewusst.

Warum einige Wissenschaftler und auch Politiker aus den Landwirtschaftsressorts sich weiterhin dagegen sträuben, dass Tiere Gefühle haben, kann man sich denken. Die Massentierhaltung und Vermarktung würde wesentlich schwieriger und teurer werden.

Peter Wohlleben hat viele interessante Dinge von veschiedensten Tierarten eindrucksvoll beschrieben und erläutert. Manchmal war es mir zu wissenschaftlich und sachlich erzählt, da hätte ich mir zwischenzeitlich etwas mehr Emotionen gewünscht.

Fazit:

Ein sehr informatives und interessantes Buch über das Seelenleben der Tiere, mit vielen Ereignissen und Beobachtungen, die einen erstaunt und nachdenklich zurücklassen.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.12.2017
Der Frauenchor von Chilbury
Ryan, Jennifer

Der Frauenchor von Chilbury


ausgezeichnet

Als 1940 die Musikprofessorin Primrose Trent aus London nach Chilbury kommt, schlägt sie die Gründung eines reinen Frauenchors vor, nachdem der Pfarrer beschlossen hat, den Chor der Gemeinde aufzulösen. Sie ist der Überzeugung, dass Musik gerade in diesen schlimmen Zeiten wichtig ist und hilft.
Immer mehr Männer sind nach London gegangen oder eingezogen worden. Die Frauen von Chilbury waren zutiefst enttäuscht, nachdem der Chor aufgelöst wurde und standen der Idee von Primrose anfangs skeptisch gegenüber, einen reinen Frauenchor zu gründen. Doch dann finden sie in diesem Chor durch ihre Stimmen ihr Selbstvertrauen wieder und er richtet sie wieder auf.
Fünf der Frauen aus dem Chor berichten von ihrem Leben im Dorf, dadurch bekommt man einen tollen Einblick in das Leben des Dorfes während des Krieges. Die Frauen vereint der Wunsch nach Ablenkung im tristen Alltagsleben, der Trauer und der Angst, die sie haben. Ängste um ihre Ehemänner und Söhne, die an der Front sind, und der Wunsch der jungen Frauen nach Liebe und Geborgenheit.
Durch Briefe und Tagebucheintragungen ist dieser Roman entstanden. Man erhält einen tollen Einblick in die Gefühle der Frauen des Dorfes, welche der Chor zusammenschweißt. Sogar zu einem Wettbewerb sind sie plötzlich angemeldet. Man konnte die Musik und den Chor regelrecht hören, so schön und klar war alles beschrieben.
Jennifer Ryan schreibt offen und direkt über die grausamen Begebenheiten des Krieges, nichts wird verblümt oder verschönert. Ihr Schreibstil ist flüssig und klar, man ist ganz in der Geschichte gefangen, durchlebt mit den Frauen alle verschiedenen Gefühle und hofft und bangt mit allem mit. Die Charaktere der Protagonisten sind authentisch und so verschieden, dass man sich ein tolles Bild nicht nur vom kleinen Dorf in England, sondern auch von den Problemen und Wünschen der Frauen machen kann.
Fazit:
Ein wundervoller Roman mit einnehmendem tollem Schreibstil, authentisch und mitreißend. Mich hat dieser Roman gefesselt und sehr berührt. Klare Leseempfehlung und 5 Sterne von mir.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 28.11.2017
Ivy und Abe
Enfield, Elizabeth

Ivy und Abe


gut

Ivy und Abe sind wohl füreinander bestimmt. In diesem Roman geht es um 11 Kurzgeschichten, in denen Ivy und Abe sich zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder begegnen. Doch das perfekte Glück scheinen sie immer zu verpassen. Mal wechseln sie ein paar Worte in einem Café, dann wiederum haben sie eine Affäre miteinander. Dann sind sie sogar verheiratet, stecken aber in einer Ehekrise. Ivy und Abe wissen bei ihrer ersten Begegnung, dass sie füreinander bestimmt sind, Seelenverwandte sind. Aber durch die Umstände bleiben sie nie zusammen.
Es wird rückwärts in der Zeit erzählt, d.h. in der ersten Geschichte sind sie über 70 Jahre alt, in der letzten um die 10 Jahre alt. Manches Mal, wenn sie sich treffen, gibt es ein glückliches Ende, ein anderes Mal treffen sie sich nur kurz und gehen dann getrennte Wege, oder sie sind nur Freunde. Manche Dinge wiederholen sich, z.B. der Gendefekt in Ivy’s Familie. Einige Dinge werden gegen Ende aufgeklärt, so dass vieles dann Sinn ergab und zusammenpasste.
Der Schreibstil war flüssig, die verschiedenen Geschichten kamen mir anfangs etwas zäh und langatmig vor. Auch einige von den Wiederholungen machten das Lesen schwerer und gefielen mir nicht so gut. Gegen Ende wurden die Geschichten dann besser wie ich fand, interessanter und einfacher zu lesen. Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte.
Fazit:
Die Kurzgeschichten um Ivy und Abe, die sich zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten begegnen, konnte mich leider nicht überzeugen. Durch die Kurzgeschichten war für mich zu viel im Lesefluss unterbrochen, abgehackt, es fehlten Details, ich hätte mir eine durchgehende Geschichte gewünscht. Leider nur 3 Sterne.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 28.11.2017
Briefe an die grüne Fee
Jamal, Salih

Briefe an die grüne Fee


ausgezeichnet

Der Ich-Erzähler dieser Geschichte sitzt auf einem Hochhaus, hoch über den Dächern der Stadt, bereit zum Sprung. Dabei hat er eine alte Pistole aus dem Keller seines Großvaters und Briefe an eine Frau, die er geliebt, begehrt und angebetet hat.

Der Ich-Erzähler erzählt aus seinem Leben, sein Heranwachsen in einem Leb- und lieblosen Elternhaus. Sein im Skorpion geborenes Wesen im seltenen Jahr des Feuerpferdes, welches ihm ein unsichtbares Zeichen auf die Stirn gebrannt hat, welches ihm mächtige Sympathien bei seinen Mitmenschen einbringt, bei denen er sich fast alles erlauben kann, ohne dass ihm jemand böse ist.

Er liebt das leichte angenehme Leben, ohne Verantwortung oder Pflichtbewusstsein. Immer das Angenehme und Reizvolle, Abenteuer und Risiko suchend, immer an der Felskante stehend, aber nie Angst haben müssen, abzustürzen. Er genießt die Liebe und den Sex in vollen Zügen, nimmt sich, was er gerade braucht. Ohne Rücksicht auf die Anderen und immer dabei bemüht, niemals sich selbst zu verletzen oder etwas zu nah an sich heranzulassen. Die Menschen und die Gelegenheiten zu seinem Vorteil und seinem Vergnügen zu benutzen. Immer auf nötigen Abstand achtend. Bis er einer Frau begegnet, der er verfällt. Und die ihn nach kurzer Zeit der Nähe, des Verschmelzens und der Vertrautheit, die er sich gewünscht hatte, zurückweist und sich von ihm zurückzieht. Und er daran fast zerbricht.

Salih Jamal beschreibt mit einem ungewöhnlichen, tiefgründigen, teils poetischen Schreibstil, das Leben dieses Ich-Erzählers, den ich auf den Autor selbst projizierte. Eine interessante, ehrliche und provokante Sichtweise, die in der heutigen schnelllebigen und oberflächlichen Zeit nicht mehr oft zu finden ist. Er beschreibt ausführlich das exzessive Leben mit Alkohol und Drogen und intimen Bettgeschichten, was sicher dem einen oder anderen Leser zu viel des Guten ist, aber zu diesem leichtfüßigen Lebensstil des Erzählers passt und dazugehört. Es ist ein offenes und gewagtes Resümee eines Lebens, das mit dem Teufel spielt, und glaubt, niemals verlieren zu können.

Fazit:

Tiefgründig, teils poetisch und philosophisch erzählt, mit offenen und freizügigen, aber passenden und treffenden Gedanken über ein Leben, mit den dazugehörigen Höhen und Tiefen, welches leicht, ohne Anstrengung, ohne Verantwortung oder Verpflichtungen geführt werden will, aber am Ende doch nicht so einfach umsetzbar ist.

Mir hat dieser Roman bestens gefallen, gerade wegen seinem Schreib- und Erzählstil. Ich freue mich auf weitere Bücher des Autors.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 28.11.2017
Stolz und Vorurteil
Austen, Jane

Stolz und Vorurteil


ausgezeichnet

Diesen Klassiker von Jane Austen wollte ich schon immer lesen, und bin einfach nur begeistert davon. Zu gerne hätte ich noch Fortsetzungen von der Familie Bennet, besonders von Jane und ihrer Schwester Elizabeth, gelesen.
Familie Bennet hat 5 Töchter, was für die Mutter reinen Stress bedeutet. Denn sie versucht, ihre Töchter im heiratsfähigen Alter unter die Haube zu bringen. Da die Familie nicht vermögend ist und somit kaum Mitgift ihren Töchtern mitgeben kann, sind sie keine gute Partie für reiche Herren. Und für die nicht reichen Herren auch nicht, da diese sich nach Töchtern aus vermögendem Hause umsehen. Jane, die schönste und älteste der Töchter verliebt sich in Mr. Bingley. Doch dieser wird von seinem unfreundlich und eingebildet wirkenden Freund Mr. Darcy beeinflusst, der seinen Freund von Jane und ihrer Familie nach London lockt. Jane, die unter Liebeskummer leidet, hofft trotz allem darauf, dass Bingley zurückkehrt und um ihre Hand anhält. Unterdessen macht Mr. Collins, ein wohlsituierter Pfarrer, Elizabeth einen Heiratsantrag, den sie dankend ablehnt, da dieser Herr ihr unpassend erscheint und sie niemals mit ihm glücklich werden könnte. Ganz zum Ärger ihrer Familie.
Der wunderschöne und mitreißende Schreibstil sowie die Geschichte selbst hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Die Familie Bennet sowie alle anderen Charaktere waren authentisch dargestellt. Mit Humor und Charme beschreibt Jane Austen die damalige Zeit mit ihren Problemen. Gerade die der Mutter Bennet mit ihren 5 Töchtern, die gut verheiratet werden sollen, bei selbst wenig Vermögen und kaum Mitgift kein leichtes Unterfangen. Besonders Jane und Elizabeth haben mich gefangen genommen, Jane die gütigste von allen und Elizabeth, die weiß was sie will. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Fazit:
Für alle Romantiker und Jane Austen-Fans ist dieser Roman ein MUSS. Auch Leser, die Jane Austen nicht kennen, ist dies ein so mitreißender und begeisternder Roman, den ich jedem ans Herz lege. Mein absolutes Lesehighlight des Jahres.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.11.2017
Acht Berge
Cognetti, Paolo

Acht Berge


sehr gut

Pietro lebt mit seinen Eltern in Mailand. Seine Eltern, die beide aus den Bergen kommen, die Dolomiten bestiegen haben und am Fuße der drei Zinnen getraut wurden, fühlen sich in der großen Stadt nicht wirklich wohl. So fahren sie jeden Sommer in den Ferien nach Grana, im Aostatal, wo sie ihre Liebe zu den Bergen ausleben können. Pietro’s Vater liebt das Bergsteigen und versucht seinen Sohn, genauso dafür zu begeistern, obwohl Pietro an der Höhenkrankheit leidet und sich jedes Mal sehr quält. In Grana lernt Pietro Bruno kennen, einen Jungen etwas älter als er selbst. Die beiden freunden sich an und streunen jeden Sommer gemeinsam durch die Berge. Als Jugendlicher rebelliert Pietro. Er will nicht mehr mit seinem Vater auf Wanderungen gehen und kehrt später für lange Zeit nicht nach Grana zurück und so verlieren Pietro und Bruno sich aus den Augen. Als Pietro 31 Jahre alt ist, verstirbt plötzlich und unerwartet sein Vater. Dieser hinterlässt ihm eine Ruine in den Bergen von Grana. Pietro kehrt zurück und baut die verfallene Hütte mit Bruno innerhalb einiger Monate zusammen wieder auf. Obwohl sie sich lange nicht gesehen haben, besteht ihre tiefe Freundschaft ohne Worte weiter. Das Erbe seines Vaters bringt Pietro so zurück nach Grana, in die Berge und zurück zu Bruno. Während Bruno alles was er hat, für seinen Traum opfert, reist Pietro als Dokumentarfilmer nach Nepal. Dort bekommt er die Legende von den Acht Bergen erzählt.
Paolo Cognetti bringt mit „Acht Berge“ die Berge zu uns nach Hause. Mit ruhigem Ton beschreibt er die Berge, Wiesen, Gebirgsbäche, Täler, das ganze Naturschauspiel der Berge detailliert. Man merkt dem Auto seine eigene Liebe zu den Bergen sofort an, da die Beschreibungen sehr romantisch und liebevoll sind. Die Geschichte von Pietro und Bruno wird dagegen sehr nüchtern erzählt, was aber zu dem Erzählstil des Autors insgesamt gut passte. Einfach erzählt, aber durch die teilweise poetische und philosophische Art tiefgreifend.
Fazit:
Ein schöner Roman, poetisch und philosophisch, über die Liebe zu den Bergen, mit vielen bildhaften und detailreichen Naturbeschreibungen und einer tiefen, jahrzehntelangen Freundschaft. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich hatte wunderschöne Lesestunden.

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.