Benutzername: Wuestentraum
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Insgesamt 275 Bewertungen
Bewertung vom 15.11.2017
Acht Berge
Cognetti, Paolo

Acht Berge


sehr gut

Pietro lebt mit seinen Eltern in Mailand. Seine Eltern, die beide aus den Bergen kommen, die Dolomiten bestiegen haben und am Fuße der drei Zinnen getraut wurden, fühlen sich in der großen Stadt nicht wirklich wohl. So fahren sie jeden Sommer in den Ferien nach Grana, im Aostatal, wo sie ihre Liebe zu den Bergen ausleben können. Pietro’s Vater liebt das Bergsteigen und versucht seinen Sohn, genauso dafür zu begeistern, obwohl Pietro an der Höhenkrankheit leidet und sich jedes Mal sehr quält. In Grana lernt Pietro Bruno kennen, einen Jungen etwas älter als er selbst. Die beiden freunden sich an und streunen jeden Sommer gemeinsam durch die Berge. Als Jugendlicher rebelliert Pietro. Er will nicht mehr mit seinem Vater auf Wanderungen gehen und kehrt später für lange Zeit nicht nach Grana zurück und so verlieren Pietro und Bruno sich aus den Augen. Als Pietro 31 Jahre alt ist, verstirbt plötzlich und unerwartet sein Vater. Dieser hinterlässt ihm eine Ruine in den Bergen von Grana. Pietro kehrt zurück und baut die verfallene Hütte mit Bruno innerhalb einiger Monate zusammen wieder auf. Obwohl sie sich lange nicht gesehen haben, besteht ihre tiefe Freundschaft ohne Worte weiter. Das Erbe seines Vaters bringt Pietro so zurück nach Grana, in die Berge und zurück zu Bruno. Während Bruno alles was er hat, für seinen Traum opfert, reist Pietro als Dokumentarfilmer nach Nepal. Dort bekommt er die Legende von den Acht Bergen erzählt.
Paolo Cognetti bringt mit „Acht Berge“ die Berge zu uns nach Hause. Mit ruhigem Ton beschreibt er die Berge, Wiesen, Gebirgsbäche, Täler, das ganze Naturschauspiel der Berge detailliert. Man merkt dem Auto seine eigene Liebe zu den Bergen sofort an, da die Beschreibungen sehr romantisch und liebevoll sind. Die Geschichte von Pietro und Bruno wird dagegen sehr nüchtern erzählt, was aber zu dem Erzählstil des Autors insgesamt gut passte. Einfach erzählt, aber durch die teilweise poetische und philosophische Art tiefgreifend.
Fazit:
Ein schöner Roman, poetisch und philosophisch, über die Liebe zu den Bergen, mit vielen bildhaften und detailreichen Naturbeschreibungen und einer tiefen, jahrzehntelangen Freundschaft. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich hatte wunderschöne Lesestunden.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.11.2017
Die Lichter von Paris
Brown, Eleanor

Die Lichter von Paris


ausgezeichnet

Dieser Roman erzählt die Lebensgeschichte zweiter Frauen in zwei verschiedenen Zeitebenen. Madeleine 1999 und ihre Großmutter Margie 1924.

Madeleine ist verheiratet mit Philipp, der gut aussieht, gut verdient und der nicht möchte, dass sie arbeiten geht. Sie hat Verpflichtungen, an seiner Seite bei Veranstaltungen zu sein, angeregte Gespräche dort zu führen und Einladungen für Geschäftspartner und Kollegen von Philipp auszusprechen. Madeleine ist unglücklich, sie wollte Kunst studieren, hat aber auf Wunsch ihrer Eltern Marketing studiert. Madeleine liebt das Malen, welches sie früher mit Leidenschaft gemacht hat. Aber ihre Eltern, genauso wie Philipp haben kein Verständnis dafür und so lässt sie es sein. Sie arbeitet stattdessen ehrenamtlich in einem Museum, was ihr viel Freude bereitet. Aber das war es dann auch schon mit ihrer Freude. Sie fährt für ein paar Tage zu ihrer Mutter, mit der sie kein herzliches Verhältnis verbindet, die ihr überraschenderweise erklärt, sie wolle das große Haus verkaufen. Madeleine lernt dort den neuen Nachbar Henry kennen, und noch andere neue Menschen aus der Straße, die sich sehr verändert hat. Zum Positiven, wie Madeleine freudig findet. Sie hat keine Eile und Lust, wieder nach Hause zu Philipp zu fahren. Im Keller des alten Hauses ihrer Mutter findet sie ihre Malsachen, die sie vor Jahren zurückgelassen hat. Sie fängt dort an zu malen und merkt langsam, was sie alles aufgegeben hat. Und wie frei und glücklich sie dort in Magnolia, in ihrem alten Elternhaus plötzlich ist. Für den Wunsch und die Erwartungen der anderen hat sie alles aufgegeben, was ihr etwas bedeutet hat. Um ihnen zu gefallen und dazuzugehören. Und dort auf dem Dachboden findet sie alte Tagebücher ihrer verstorbenen Großmutter Margie. Und als Madeleine diese Tagebücher liest, wird ihr nach und nach so viel klar und sie weiß, was sie zu tun hat.

Madeleine ist nicht sehr selbstbewusst, sie hat lockiges Haar, was für die anderen ein Makel ist, sie ist breit gebaut, nicht zierlich, und wurde von ihrer Mutter zeitlebens kritisiert. Auch Philipp kontrolliert, was sie isst, damit sie nicht zunimmt, und auch ansonsten engt er sie ständig ein. Kein Wunder, dass Madeleine sich wie in einem Käfig fühlt. Die Wohnung ist modern, aber kalt und steril eingerichtet. Auch dort fühlt sie sich nicht wohl.

Margie, 1924, kommt nach Paris, da sie ihre verwöhnte Cousine Evelyn begleiten soll. Doch Evelyn hat besseres zu tun und setzt sich mit einer Gruppe junger Leute von Margie ab, die ihr zu langweilig und spröde ist. So bleibt Margie allein in Paris und wehrt sich vehement dagegen, gleich wieder nach Hause zu fahren, was ihre Eltern von ihr verlangen. Sie sucht sich eine Bleibe und einen Job. Und erlebt die schönste Zeit ihres Lebens in Paris, ihre Stadt, in der sie sich frei und glücklich fühlt.

Der Schreibstil von Eleanor Brown war das einzige Manko für mich in diesem Roman. Ich empfand ihn als abgehackt und es waren teilweise zu viele lange, verschachtelte Sätze darin, so dass ich nicht immer flüssig lesen konnte. Aber das tat meiner Begeisterung für die Geschichte keinen Abbruch. Ich fand diesen Roman wunderschön, die Geschichte der beiden Frauen interessant und spannend, es war nicht eine Minute langweilig oder langatmig, ich fieberte der Entwicklung der beiden Leben von Madeleine und Margie in hohem Maße mit. Ich konnte völlig eintauchen, in die Geschichte. Die Spannung steigerte sich ab der Hälfte des Romans sogar weiter und ich wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Fazit:

Ein wunderschöner Roman, mit einer interessanten Geschichte. Seine Träume zu leben und nicht nur die Erwartungen der Anderen zu erfüllen, um zu gefallen oder dazuzugehören. Begeisternd und berührend.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.11.2017
Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands
Basile, Salvatore

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands


ausgezeichnet

Michele ist 30 Jahre alt und arbeitet auf einem Bahnhof in einem kleinen Dorf in Italien. Er sucht jeden Abend den letzten Zug nach zurückgelassenen Gegenständen ab, die er sammelt und mit nach Hause nimmt. Michele lebt allein, mit all den Gegenständen die er gesammelt hat, und die zu seinen Freunden geworden sind, da er ansonsten keine hat. Er lebt sehr zurückgezogen und einsam. Seine Mutter hat Michele verlassen, als er noch klein war.
Eines Tages taucht Elena auf, die ihre Puppe tags zuvor im Zug vergessen hat und diese nun sucht. Durch Elenas Erscheinen ändert sich einiges in Michele’s Leben. Sie ist ein wahrer Wirbelwind, im Gegensatz zu dem zurückgezogen lebenden Michele. Als er dann auch noch sein altes Tagebuch im letzten Zug wiederfindet, welches eines von wenigen Dingen war, die seine Mutter bei ihrem Weggang mitgenommen hatte, entschließt er sich, auf die Suche nach ihr zu gehen. Und Elena unterstützt ihn dabei.
Der Schreibstil ist flüssig und klar, teils poetisch, es war ein Genuss, über die Seiten zu fliegen und den Inhalt aufzusaugen. Emotional durch traurige Ereignisse, aber auch berührend schön durch positives Geschehen.Die Charaktere sind liebevoll und authentisch dargestellt.
Dieses Buch ist lebensbejahend, trotz vieler Schicksalsschläge und Widrigkeiten wieder aufzustehen, das Positive zu sehen und seinen Weg zu gehen.
Fazit:Berührend, ergreifend, verzaubernd, wie ein Märchen in der realen Welt.Eine überraschende und fantastische Geschichte, die Salvatore Basile geschickt und mit tollen Charakteren gespickt, erschaffen hat. Mit Lebensweisheiten ausgestattet, die nicht in die Tiefe gehen, sondern nur gestreift werden, passt es einfach alles toll zusammen und ergab für mich einen wunderbaren und berührenden Roman, der mich sehr begeistert hat.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.11.2017
Wir sind die Guten
Heldt, Dora

Wir sind die Guten


ausgezeichnet

Karl Sönnigsen, pensionierter früherer Leiter des Polizeireviers von Westerland hat kein leichtes Leben. Er kann sich nicht mit seinem Ruhestand abfinden und sucht Ablenkung. Bei seinem ältesten Freund Onno kann er auch nicht mehr dauernd auftauchen, wie es ihm beliebt, da dieser im hohen Alter doch tatsächlich noch eine neue Liebe, namens Helga gefunden hat, die auch noch bei ihm einziehen will. Auch wenn er auf dem Polizeirevier auftaucht, um eventuelle neue Fälle mit Interesse zu verfolgen, wird er von seinem Nachfolger Runge sowie Maren, der Tochter von Onno, verscheucht.

Doch Karl hat Glück, Helga bekommt einen Anruf von einer Bekannten, ihre Mieterin ist spurlos verschwunden. Sofort trommelt Karl sein SOKO-Team, bestehend aus Inge, Charlotte, Onno und Helga zusammen, mit dem er im letzten Jahr erfolgreich eine Einbruchsserie lösen konnte. Sie sammeln Informationen und begeben sich auf die Suche nach besagter vermisster Frau namens Sabine Schäfer. Zufällig kennen Charlotte und Inge die Frau, die heimlich und schwarz bei ihnen geputzt hat, was ihre Ehemänner auf keinen Fall wissen dürfen. Diese sind anderweitig heimlich auf der Suche nach Schwarzarbeitern auf der Insel. Und die Polizei hat mit einem unbekannten Toten zu tun, der am Fuß des roten Kliffs gefunden wurde. Somit sind Maren und ihre Polizeikollegen beschäftigt und Karl kann mit seiner Truppe in Ruhe auf die Suche gehen. Es kommen nach und nach neue Indizien zusammen und plötzlich wird allen klar, dass die Fälle zusammenhängen.

Dora Heldt hat mit "Wir sind die Guten" den zweiten Fall mit Karl Sönnigsen und seiner Truppe geschrieben. Sie hat mit ihrem flüssigen, klaren und humorvollen Schreibstil mich als Leserin gefangen genommen und gefesselt. Wer "Böse Leute", den ersten Fall mit Karl Sönnigsen kennt, weiß auch über die sympathischen Protagonisten aus dem ersten Fall Bescheid.

Hervorragend und einnehmend geschrieben, mit Humor und voller Spannung wird das Geschehen und die Ereignisse berichtet. Toll fand ich die authentische Darstellung der Seniorenclique, ihr Handeln, ihre Sichtweise und ihre manchmal ausschweifenden und komplizierten Erklärungen und Erläuterungen, die einem ein Schmunzeln aufs Gesicht zauberten. Karl, der sich gerne als Held der Truppe sieht, Helga die einfühlsame und verständnisvolle Frau an Onno's Seite, die sich aber auch durchsetzen kann, Inge und Charlotte, die beiden etwas sensibleren Schwägerinnen und Heinz und Walter, ihre Ehemänner, die schon etwas langsamer denkend dazugehören.

Ich habe auch den ersten Teil "Böse Leute" gelesen und muss sagen, dass mir dieser zweite Teil mit über 500 Seiten noch besser gefallen hat. Es wurden hier ausführlich und detailliert die aufregenden und weniger aufregenden Ereignisse geschildert, aber es wurde weder langweilig noch langatmig dargestellt, alles wurde so interessant und spannend erzählt und gehörte einfach dazu, um das Gesamtbild abzurunden. Es passte alles harmonisch zusammen und der dazugehörige Humor und die ansteigende Spannung rundeten diesen Krimi perfekt ab.

Fazit:

Ein toller Krimi, mit Humor und Spannung und einem super SOKO-Seniorenteam, den man unbedingt gelesen haben sollte. Er hat mir super gefallen, mich begeistert und mir spannende und tolle Lesestunden bereitet. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Fall mit Karl Sönnigsen und seinem Team.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.11.2017
Toskanische Beichte
Heim, Uta-Maria

Toskanische Beichte


sehr gut

Pfarrer Fischer nimmt die Beichte ab und als er denkt, er hat nun Feierabend, sitzt plötzlich ein Fremder in seinem Beichtstuhl und redet von Mord. Als er denjenigen zur Rede stellen will, ist der Beichtstuhl leer, der Mann hat jedoch sein Handy dort liegen lassen. An sein Beichtgeheimnis gebunden, versucht Fischer, den Besitzer zu finden. Die Spur führt in die Toskana. Kurzerhand macht Fischer sich mit seiner Schwester sowie den Großeltern auf in den Urlaub in die Toskana. Bei seiner Suche unterstützt ihn die Tourismus-Agentin Giulia Franca, die in einem Fischlokal aushilft. Dann wird am Strand eine abgehackte Hand mit einem Fischsymbol gefunden. Auf einmal finden sich alle in einer dubiosen katholischen Organisation wieder.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und klar, er hat mir sehr gut gefallen, ebenso die überschaubare Anzahl der Protagonisten. Die Beschreibung des schönen Ortes an der toskanischen Küste als Schauplatz dieses ausgefeilten Intrigenspiels innerhalb der katholischen Kirche war perfekt eingefügt und dargestellt.

Auch die Protagonisten waren authentisch und sympathisch dargestellt. Die dazugehörigen kirchlichen Anmerkungen und Erklärungen haben mir ebenso gefallen wie die vorhandene Spannung, die sich durch das Buch zog sowie verschiedene Wendungen und das tolle Ende.

Fazit:

Ein solider Krimi mit toller Spannung und verschiedenen Wendungen, der mir sehr geht gefallen hat.

Bewertung vom 08.11.2017
Die Wurzel alles Guten
Nousiainen, Miika

Die Wurzel alles Guten


ausgezeichnet

Pekka Kirnuvaara muss zum Zahnarzt. Er bemerkt sofort, dass dieser nicht nur den gleichen seltenen Nachnamen wie er trägt, sondern praktisch auch die gleiche Nase wie er hat. Auf sein Nachfragen, ob es sein kann, dass sie den gleichen Vater haben, weicht Esko der Zahnarzt aus. Doch zum Ende der Behandlung gibt Esko zu, dass sie Halbbrüder sein müssen und willigt widerstrebend ein, sich mit Pekka auf die Suche nach ihrem Vater zu machen.

Esko ist ein eigenbrödlerischer Einzelgänger, für den es nur seine Arbeit gibt und sein ganzes Interesse nur der Zahnmedizin gewidmet ist. Pekka hat es nicht ganz leicht mit ihm auf der Reise. Aber nach und nach taut Esko ein wenig auf und dann ist er sogar mehr als froh, sich auf dieses Abenteuer eingelassen zu haben.

Man erfährt auch einiges über Pekka, der zwei Kinder hat und eine schwierige Exfrau, die ihn immerzu ärgert und ihm das Leben schwer macht. Seine Kinder liebt er über alles und er würde zu gerne mehr Zeit mit ihnen verbringen.

Die beiden reisen um die halbe Welt. Überall, wo ihr Vater war, erfahren sie immer neue Dinge über ihn, Spuren wohin er weitergereist ist und finden auch überall neue Halbgeschwister, und sogar Tante und Onkel. Von Helsinki nach Schweden, weiter nach Thailand und schließlich bis Australien geht ihre Reise und die Suche nach ihren Wurzeln. Es wird zu einer Reise zu sich selbst, doch das bemerken die beiden erst am Ende der Reise.

Miika Nousiainen hat einen flüssigen und klaren Schreibstil. Die Protagonisten sind authentisch und sympathisch dargestellt, mit ihren eigenen Schicksalen und ihrem Macken. Somit haben fast alle ihre Ecken und Kanten, was sie noch sympathischer macht.

Die Geschichte um Pekka und Esko ist mitreißend und humorvoll zugleich geschrieben. Gefühlvoll, liebevoll, melancholisch und gleichzeitig humorvoll ist es dem Autor gelungen, mich als Leser gefangen zu nehmen und durch die Geschichte zu führen. Traurige Schicksale werden erzählt, Hoffnung und Liebe tauchen auf und am Ende ist dieser Roman eine wunderschöne Geschwistergeschichte.

Fazit:

Ein mitreißender, melancholisch-humorvoller Roman, mit einer der schönsten Geschwistergeschichten, tiefgehend und berührend geschrieben. Mir hat dieser Roman bestens gefallen, er hat mich gefesselt und berührt, einfach toll.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.08.2017
Dann schlaf auch du
Slimani, Leïla

Dann schlaf auch du


ausgezeichnet

Die Geschichte beginnt mit dem Schlimmsten, was sich Eltern vorstellen können. Die Nanny hat ihre beiden Kinder ermordet. Einfach nur entsetzlich und grausam.

Myriam und Paul sind glückliche Eltern von Mila und Adam. Doch Myriam sehnt sich danach, wieder arbeiten zu gehen, Karriere als Anwältin zu machen und wie es der Zufall will, trifft sie zufällig Patrick, einen früheren Kommilitonen wieder, der eine Kanzlei eröffnet hat. Am nächsten Tag ruft er sie an und bietet ihr an, bei ihm zu arbeiten. Myriam ist überglücklich. Doch was soll tagsüber mit ihren beiden Kindern geschehen? Sie suchen eine Nanny und es stellen sich einige Damen vor, von denen Myriam keiner ihre Kinder anvertrauen möchte. Doch dann kommt Louise. Myriam spürt sofort, sie ist perfekt, wie für ihre Familie gemacht. Louise zieht nach und nach die Fäden und macht sich unentbehrlich. Mit ihrer unterwürfigen, perfektionistischen Art kümmert sie sich nicht nur um die Kinder, sondern um den gesamten Haushalt in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Sie verbringt auch einen traumhaften Urlaub mit der Familie in Griechenland und möchte am liebsten Tag und Nacht bei ihnen sein.

Es wird im Rückblick von ihrem Ehemann Jaques und ihrer Tochter Stephanié erzählt, Jaques ist gestorben, ihre Tochter verschwunden, sie hat keinen Kontakt mehr zu ihr. Außerdem kommt langsam ans Licht, dass Louise überhaupt nicht mit Geld umgehen kann, keine Steuern zahlt, mit der Miete im Rückstand ist, anscheinend geht es um alte Schulden von Jaques, doch Louise hat keine Ahnung von solchen Dingen und öffnet Umschläge nicht, die per Post an sie gesendet werden. So kommt es, dass sie aus ihrem Einzimmerappartement ausziehen muss und auch ansonsten sich ihr Gesamtzustand verschlechtert. Sie war schon einmal im Hospital wegen affektiver Störungen. Und es scheint, als wenn diese wieder aufkommen. Sie hat wirre Gedanken, kranke Gedanken und driftet immer mehr in negative Empfindungen ab. Sie hat sich wahnhaft in die Idee hineingesteigert, dass Myriam noch ein Baby bekommen soll, damit Louise für sie ganz unentbehrlich wird.

Leila Slimani hat mit ihrem besonderen, ausdrucksstarken und flüssigen Schreibstil mich als Leser sehr beeindruckt. Die Geschichte um Louise ist wirklich schlimm. Eine scheinbar starke Frau, die immer Haltung bewahrt, den Schein wahrt und sich niemals hinter die Fassade blicken lässt. Bis alles zusammenbricht und sie durchdreht. Ein Albtraum für alle Eltern.

Fazit:

Dieser Roman ist mit wunderbarem und ausdrucksstarkem Erzählstil vereint in eine grauenhafte Geschichte einfach nur Bestens umgesetzt. Fesselnd, schockierend, berührend, man kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 25.08.2017
Der Preis, den man zahlt
Pérez-Reverte, Arturo

Der Preis, den man zahlt


sehr gut

Die Geschichte beginnt in einem Zug, eine Frau soll sterben, dies erledigt der Spion Lorenzo Falcó jedoch nicht selbst, er soll nur sicherstellen, dass es sich um die richtige Frau handelt. Ein anderer bringt die Frau um und sichert wichtige Dokumente, die sie bei sich trug.
Es ist das Jahr 1936 und der Spion Lorenzo Falcó bekommt einen heiklen Auftrag. Er soll einen hochrangigen politischen Gefangenen im südspanischen Alicante befreien und vor dem sicheren Tod retten. In Spanien herrscht Bürgerkrieg zwischen den konservativen Falangisten und den Republikanern. Und Falcó soll mit Hilfe der Falangisten diesen besagten Gefangenen befreien. Auch mit an seiner Seite ist Eva, die ihn sofort in seinen Bann zieht und einen ganz besonderen Reiz auf ihn ausübt. Doch nach und nach wird klar, dass hier jeder ein doppeltes und gefährliches Spiel treibt.
Lorenzo Falcó ist charismatisch und skrupellos. Er erledigt Aufträge, führt Befehle aus, ohne dass ihn diese groß berühren oder belasten. Doch ab Mitte des Buches tritt eine Wendung ein. Die Geschichte führt zu einem persönlicherem Teil, indem Falcó sich neu orientieren muss. Plötzlich wird durch bestimmte Handlungen, zu denen er gedrängt wird, sein Gewissen belastet. Die Spannung steigt, es geschehen ungeahnte Wendungen und durch einige brutale und gewissenlose Protagonisten ist man plötzlich im Krimi-Rausch und fiebert bis zum Ende vollends mit.
Arturo Perez-Revertes hat mich mit seinem einnehmenden und tollen Schreibstil sofort in seinen Bann gezogen. Obwohl zu Anfang sehr viele politische Abteilungen, Organisationen, Abkürzungen und Fachbegriffe benannt wurden, bei denen ich einige Zeit benötigte, um da durchzusteigen und in die Geschichte hineinzukommen. Doch dann war ich gefesselt von den Ereignissen, den ungeahnten Wendungen und der Spannung, die sich immer weiter steigerte. Die Protagonisten waren rundum authentisch, aber nicht alle von ihnen sympathisch. Ein Roman, der sich zum spannenden Krimi entwickelte und mich gefesselt hat.
Dies ist der Auftakt zu einer Spionagereihe mit Lorenzo Falcó, Wer dieses Buch gelesen hat, wird automatisch neugierig auf weitere Fälle mit ihm. Das i-Tüpfelchen finde ich ist, dass es nach einer wahren Begebenheit geschrieben wurde und auch die Informationen bezüglich des spanischen Bürgerkrieges fand ich mehr als interessant.

Fazit:
Ein überaus interessanter und spannender Auftakt zu einer Spionagereihe mit Lorenzo Falcó. Interessant wegen dem Thema und dem Hintergrund des spanischen Bürgerkrieges und der Entwicklung der ganzen Geschichte und spannend wie ein Krimi bei ungeahnten Wendungen und Ereignissen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.08.2017
Inspektor Takeda und der leise Tod / Inspektor Takeda Bd.2
Siebold, Henrik

Inspektor Takeda und der leise Tod / Inspektor Takeda Bd.2


sehr gut

Inspektor Kenjiro Takeda, eigentlich von der Mordkommission aus Tokio, ermittelt aber im Zuge eines Austauschprogrammes in Hamburg. Er hat leider große Probleme mit dem Wetter in Hamburg sowie mit den deutschen Gepflogenheiten.
Zum einen geht es um Kindestötung, ein Kleinkind wurde von den drogensüchtigen Eltern vom Balkon gestürzt. Und im zweiten Fall wird ein gefeierter Star der Internetszene, Markus Sassnitz, tot aufgefunden. Kenjiro geht mit seiner neuen Kollegin Claudia Harms auf Verbrecherjagd. Der Tote wurde nicht nur überfahren, sondern auch noch erstickt. Sofort verdächtig: Seine Ehefrau. Allerdings übt diese eine besondere Faszination auf Kenjiro aus, er liebt amerikanischen Jazz und europäische Frauen und genau wie er selbst hat Frau Sassnitz eine Vorliebe für japanische Kunst. Neben Jazz und Teezeremonien übt auch Alkohol einen besonderen Reiz auf Kenjiro aus, so dass er oft zu spät bemerkt, dass er nicht allzu viel davon verträgt.
Dies ist der zweite Band mit dem Ermittlerteam Kenjiro Takeda und Claudia Harms. Man muss nicht zwingend den ersten Band gelesen haben, da jeder Fall in sich abgeschlossen ist.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, klar und flüssig. Ich hätte mir zeitweise etwas mehr Spannung gewünscht. Interessant vor allem war das Kennenlernen der japanischen Kultur und das richtige Zubereiten von Tee. Auch die persönliche Sichtweise von Kenjiro auf die deutschen Gepflogenheiten und die Sprache fand ich sehr interessant. Die dazugehörige Portion Humor rundete alles gut ab, so dass dieser Krimi einen tollen Lesespaß bot.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 21.08.2017
Bretonisches Leuchten / Kommissar Dupin Bd.6
Bannalec, Jean-Luc

Bretonisches Leuchten / Kommissar Dupin Bd.6


sehr gut

Commissaire Dupin macht mit seiner Freundin Claire bretonische Ferien zwischen rosa Granitfelsen der Côte d’Armor, Sandstrand und Meer. Claire möchte am Strand liegen, faulenzen und alle fünfe gerade sein lassen. Doch Dupin dreht schon bei dem Gedanken durch, nur rumzuliegen und nichts zu tun. Wie praktisch, dass zeitgleich in dem malerischen Örtchen Tregastel, in dem er und Claire urlauben, zuerst eine Frau verschwindet, die auch Gast im gleichen Hotel war wie sie, dann ein Anschlag auf eine regionale Abgeordnete durchgeführt wird und dann noch zwei Morde geschehen. Dupin ist hocherfreut, endlich gibt es etwas zu tun. Dumm nur, dass Claire ihm strikte Urlaubsruhe verschrieben hat. Und auch seine Mitarbeiter aus Concarneau weigern sich strikt, ihm zu helfen, da er sich dringend erholen soll.

Also macht sich der Commissaire heimlich auf Tätersuche und ermittelt mit Hilfe einiger Leute aus dem Dorf, wie z.B. dem Hotelehepaar, der Inhaberin des Presseladens, dem Friseur sowie der Gendarmin aus Tregastel. Der ermittelnde leitende Kommissar aus Lannion bekommt mit, dass Dupin sich einmischen will und will sich direkt bei Dupins Vorgesetzten beschweren und ihm Ärger machen. So macht sich Dupin also auf, Indizien zu sammeln und kauft sich erstmal ein schönes Notizbuch, um alles zu dokumentieren. Im Glauben, Claire würde nichts mitbekommen, wird es für ihn nicht einfach, alle Befragungen und Ortsbesichtigungen der Taten zu koordinieren, denn es ist wirklich viel los zur fraglichen Zeit in Tregastel, was alle aufkommenden Ereignisse betrifft. Zwischen verwunschenen Tälern, traumhaften Stränden und einer leuchtend bizarren Felslandschaft entwickelt sich ein abgründiger Fall.

Humorvoll hauptsächlich in diesem Fall ist, wie Dupin aber auch Claire versuchen, ihre jeweilige Arbeit vor dem anderen zu verheimlichen. Anscheinend kommen beide auch im Urlaub nicht ohne ihre Tätigkeiten aus und so verbringen sie jede freie Minute ohneeinander damit, sich um ihre beruflichen Tätigkeiten zu kümmern, und gehen fest davon aus, dass der andere davon nichts mitbekommt.
Bretonisches Leuchten ist bereits Dupins sechster Fall, aber leider erst mein erster Fall mit Commissaire Dupin. Er war mir auf Anhieb sympathisch, genauso wie fast alle beschriebenen Charaktere in diesem Fall. Auch die Landschaftsbeschreibungen und Köstlichkeiten der Region waren gekonnt mit eingefügt und man bekam sofort Lust, an genau diesen Ort sofort reisen zu wollen.
Fazit:

Ein ruhig dahinfließender Krimi, die Spannung ließ zwar etwas auf sich warten, aber der gelungene Schreibstil sowie der einfließende Humor machten diesen Krimi zu einem tollen Lesespaß.

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.