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Benutzername: Volker M.
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Bewertungen

Insgesamt 345 Bewertungen
Bewertung vom 13.10.2019
Das Triumphkreuz im Dom zu Lübeck
Richter, Jan Fr.

Das Triumphkreuz im Dom zu Lübeck


ausgezeichnet

Es ist schon eine seltsame Konstellation, dass ein Buch über eine konservatorische Restaurierung erst 40 Jahre nach Abschluss der Arbeiten erscheint. Was ist am Lübecker Triumphkreuz so besonders, dass man sich nach so langer Zeit noch einmal in die verschiedenen Archive begibt, in denen die Dokumente heute verstreut aufbewahrt werden? Manches Detail ist in der Zwischenzeit verlorengegangen, aber wie sich in der Rückschau zeigt, war die Restaurierung nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht bedeutsam für die deutsche Kunstgeschichte, sondern setzte neue ethische Standards in der Konservierung historischer Objekte. Man hat über Jahrzehnte intensiv diskutiert und gestritten, auch öffentlich, bevor es einen Konsens in der Sache gab.

Der Band setzt über der eigentlichen technischen Dokumentation den Fokus auf die Frage des Umgangs mit der Originalsubstanz im Spannungsfeld zwischen restauratorischen, ästhetischen und kultischen Belangen. Nach dem 2. Weltkrieg befanden sich das Kreuz und die Assistenzfiguren zunächst im St. Annen-Museum, wo ab 1949 deren Restaurierung in Angriff genommen wurde. Die Herangehensweise kann man nur als chaotisch bezeichnen. Zwischen Kompetenzgerangel und fachlicher Unzulänglichkeit wird letztlich ein völlig inkonsequenter Restaurierungsplan umgesetzt, der niemanden wirklich befriedigt und in Teilen sogar Schaden anrichtet.

Zahlreiche erhaltene Protokolle insbesondere aus der zweiten Restaurierungsphase, die ab Ende der Sechzigerjahre unter Hinzuziehung von Sachverstand aus dem ganzen Bundesgebiet erfolgte, zeigen, wie sehr man um ein zukunftsweisendes Gesamtkonzept gerungen hat. Von einer neu gefassten Totalkopie für den Dom mit Verbleib des Originals im Museum bis zum Konservieren der reinen mittelalterlichen Originalsubstanz wurden alle Varianten diskutiert, teilweise in scharfem Ton. Die Spannungen zwischen Amtsrestauratoren und Kirchengemeinde sind förmlich spürbar, angesichts des gruseligen Kontrasts zwischen dem grellfarbigen Unterbau und den nur konservierten Elementen aber auch verständlich. Erst mit Einbezug der Tragekonstruktion und des Lettners in das Restaurierungskonzept findet sich eine Konsenslösung, die auch heute noch überzeugt.

Die Zusammenstellung der Dokumente, die vom Ende der Vierzigerjahre bis zum Internationalen Kolloquium kurz vor Abschluss der Arbeiten 1977 reicht, ist ein ungeheuer spannend zu lesendes Zeugnis, wie sich unter schwierigen Randbedingungen ein ganz neuer Zugang zur Restaurierungsethik entwickelt, aber auch, wie psychosoziale Mechanismen oft rationale Kompromisse blockieren. Alphatiere mit festgezimmerten Meinungen, die auf wichtigen Positionen sitzen, können Projekte verzögern oder verhindern, auch wenn es der Gesamtsache schadet. Letztlich haben sich bei diesem Diskurs die fachlichen Argumente durchgesetzt, was für die damalige Zeit revolutionär war.

Die rein technische Dokumentation der Restaurierung ist zeitbedingt zum Teil lückenhaft, ohne die heutigen Maßstäben entsprechende Detailtiefe. Kurze verbale Beschreibung ersetzt oft Messwerte, Tabellen und Abbildungen und auch die vorhandenen sind zum Teil nicht farbig, was vor dem Hintergrund der im Text diskutierten Bedeutung der Farbfassung bedauerlich ist. Aber all das ist natürlich nicht die Schuld des Autors, sondern ein Spiegel der Zeit. Dass heutige Dokumentationen noch weit detaillierter und fachübergreifender sind, ist letztlich auch eine Folge der wegweisenden Arbeiten am Lübecker Triumphkreuz. Die besondere Leistung des Autors besteht zweifellos darin, die vorhandenen Quellen so lebendig und fassbar aufgearbeitet zu haben, dass man sich zwischen fachlichen und persönlichen Grabenkämpfen fühlt, als wäre man selber dabei gewesen.

Bewertung vom 11.10.2019
Die Zeuginnen, 2 MP3-CDs
Atwood, Margaret

Die Zeuginnen, 2 MP3-CDs


sehr gut

Wie schon im ersten Teil, dem „Report der Magd“, besteht auch „Die Zeuginnen“ aus historischen Originaldokumenten, die den Fall des puritanischen Gottesstaates Gilead überstanden haben. Diesmal sind es die Erinnerungen einer Tante Lydia und zweier Schülerinnen im Roten Zentrum von Haus Ardua, denen eine entscheidende Rolle in der Geschichte Gileads zukommen. Geschickt sind die drei „Originaldokumente“ so zerschnitten und wieder ineinandergefügt, dass sie eine fast lineare Geschichte erzählen, aber aus der Perspektive von drei unabhängigen Zeitzeugen.

In der Fortsetzung setzt Margaret Atwood den Fokus auf die inneren Mechanismen, nach denen der Staat Gilead funktioniert und vor allem auf die Frage, wie es zu seinem Zerfall kommen konnte. Autoritäre Regime stürzen über die nicht gehaltenen Versprechungen, die sie ihren Untertanen machen oder über äußere Angriffe. Dabei ist ein wiederkehrender Topos, dass sich die Machthaber nicht an die Regeln halten, die sie ihren Untertanen auferlegen. Sie bekämpfen Terroristen und sind selber welche. Beispiele dafür gibt es in der aktuellen Geschichte mehr als genug. Insofern schreibt Margaret Atwood letztlich nicht über eine fiktive Vergangenheit, sondern über die Gegenwart. Der „Report der Magd“ hatte etwas Prophetisches, „Die Zeuginnen“ ist dagegen beklemmend aktuell.

Der Umstand, dass diesmal drei Stimmen sprechen, hat zur Folge, dass sich Tonfall und Stilistik in den drei Dokumenten deutlich unterscheiden. Alle drei Personen sind unterschiedlich sozialisiert und von unterschiedlichem Intellekt, aber sie beobachten genau. Am komplexesten und damit der Desfred im „Report der Magd“ am ähnlichsten ist die Figur der Tante Lydia. Hier schimmert ab und zu auch noch der lakonische Tonfall auf, der den Vorgängerband so unbeschreiblich gut gemacht hat. Aber Tante Lydia ist eher zynisch als lakonisch. Sie hält die Macht in der Hand, anders als die Magd Desfred, und sie ist sich ihrer Macht bewusst. Das spiegelt sich auch in ihrer Sprache, weshalb der Erzählstil Margaret Atwoods diesmal ein wenig plakativer als in der Vorgeschichte ist. Es gibt weniger zu interpretieren und es fehlt auch ein Charakter, der die Empfindsamkeit der Magd Desfred wieder aufnehmen würde, und deren unnachahmliche Fähigkeit, diese Empfindsamkeit in passende Metaphern und Vergleiche zu fassen. Die Geschichte ist spannend, viel actionreicher als der „Report“, es gibt auch weit mehr überraschende Wendungen, aber literarisch kommt sie aus meiner Sicht nicht ganz an den 35 Jahre alten Vorgänger heran und ist dramaturgisch weniger raffiniert.

Margaret Atwood erklärt viele offene Punkte, die im „Report“ nur angedeutet wurden, aber dann der Phantasie des Lesers überlassen blieben. Der „Report“ war ja auch ein „historisches“ Originaldokument, ohne kommentierende Erklärungen, was eben den Reiz des authentischen ausmachte. Die „Zeuginnen“ liefern jetzt zwar Erklärungen, aber sie entzaubern damit auch ein Stück weit die Vorgeschichte. Aber keine Sorge, es bleiben noch genügend Fragen offen.

Ich habe beide Teile hintereinander als Hörbuch gehört und bin nach wie vor von Vera Teltz begeistert, die den Hauptteil des „Reports“ gelesen hat. Sie spielt auch eine kurze Rolle im neuen Buch, aber den wichtigen Part der Tante Lydia liest diesmal Leslie Malton, deren scharfe Stimme auch zu der zynischen Machtfrau passt. Sie macht das insgesamt gut, aber ihr unterlaufen dennoch vereinzelt Intonationsfehler. Ein absolut fehlerloser Vortrag, wie ihn Vera Teltz im „Report“ abgeliefert hat, ist aber auch die riesengroße und eindrucksvolle Ausnahme. Die anderen Sprecher sind routiniert, aber ihre Rolle lässt ihnen deutlich weniger Spielraum. Trotzdem hat mich „Die Zeuginnen“ von Anfang an gefesselt und es waren zweifellos 12 spannende, oft überraschende und auch nachdenklich stimmende Stunden.

Bewertung vom 10.10.2019
Die Wahrheit über Inflation
Mobius, Mark

Die Wahrheit über Inflation


ausgezeichnet

Was versteht man eigentlich unter Inflation? Es gibt viele Definitionen von Ökonomen und Politikern aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Nach Keynes kommt es zur Inflation, wenn die Gesamtnachfrage nach Waren und Dienstleistungen das Angebot übersteigt. Die Monetaristen meinen dagegen, dass bei einem Überangebot an Geld das überschüssige Geld eine Inflation der Preise von Vermögenswerten, Gütern und Leistungen erzeugt. Es gibt noch viele weitere, die Mark Mobius in "Die Wahrheit über Inflation" in seinem Einleitungskapitel zusammengetragen hat. Die Tatsache, dass es so viele Erklärungen für Inflation gibt, zeigt auch, dass wir die wahren Ursachen von Inflation nicht wirklich kennen. Und das zeigt wiederum, mit welchen Herausforderungen die Politiker und Notenbanken konfrontiert sind, um Inflation wirkungsvoll zu bekämpfen (oder auch nur behaupten, dies zu tun).

Die Notenbanken legitimieren ihre Politik und vor allem die Ausweitung der Geldmenge mit ihrem Auftrag für Preisstabilität zu sorgen. Die magischen "Zwei Prozent" als Inflationsziel hat die EZB 1998 völlig willkürlich festgesetzt - und andere Notenbanken haben es seitdem begeistert übernommen.
Mobius zeigt, dass Statistiker und Ökonomen aber immer wieder vor der Frage stehen, wie Inflation richtig gemessen werden kann. Trotz der Willkür bei der Berechnung werden Ergebnisse produziert und - noch entscheidender - diese werden weltweit von Regierungen und Entscheidungsträgern als Grundlage für wichtige Beschlüsse herangezogen, die das Leben von vielen Millionen Menschen beeinflussen. Dem Autor gelingt es hervorragend, die sich zum Teil widersprechenden Theorien zur Inflationsbekämpfung kurz und prägnant darzustellen. Manche Ökonomen bezweifeln sogar, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Inflation, Wirtschaftswachstum und Leitzins besteht, was die derzeitige Politik der Notenbanken als ein großes Experiment mit ungewissem Ausgang erscheinen lässt.

Durch Veränderung des Warenkorbs bei der Berechnung der Inflationsrate sollen Konsumveränderungen nachgebildet werden. So besteht aber die Gefahr und die Versuchung, dass Produkte, die erheblich im Preis gestiegen sind, einfach aus dem Warenkorb entnommen werden und die Inflationsrate nach unten manipuliert wird. Mobius nennt zahlreiche Beispiele für Verfälschungen, u.a aus Europa, Pakistan, China, Großbritannien, Italien, Brasilien, Malaysia und Südafrika. Er analysiert aber noch weitere Gründe, warum Inflationsstatistiken nicht zu trauen ist - ob aus Konzeptfehlern, Fahrlässigkeit oder mit betrügerischen Absichten.

Der Autor geht aber auch auf weitere wichtige Fragestellungen ein: Warum wollen die Notenbanken Deflation unter allen Umständen vermeiden? Ist die Darstellung der Deflation als Schreckgespenst wirklich gerechtfertigt oder steckt eine andere Motivation hinter der Notenbankpolitik? Statistiken bilden nicht die realen Auswirkungen auf den Lebensstandard der Menschen ab, da die Preise langsamer steigen als die Einkommen. Haben wir in der Realität also längst eine Deflation statt einer Inflation?

Mobius beleuchtet das Thema Inflation umfangreich, spannend und gut nachvollziehbar. Er konzentriert sich bei seinen Ausführungen auf die USA, ohne aber Europa und andere Länder zu vernachlässigen. Der Leser erkennt, dass der Begriff Inflation nicht eindeutig definiert ist und warum man der veröffentlichten Inflationsrate misstrauisch gegenüberstehen sollte. Mobius entlarvt die Eigeninteressen der Politik und Notenbanken und hinterfragt, ob eine Deflation wirklich ein Schreckgespenst sein muss. Seine Erklärungen zu deflationären Tendenzen sind dabei insbesondere für Geldanleger relevant.

Bewertung vom 07.10.2019
Erbauer einer Kathedrale
Bengel, Sabine; Nohlen, Marie-José; Potier, Stéphane

Erbauer einer Kathedrale


ausgezeichnet

Wie lange hat der Bau des Straßburger Münsters eigentlich gedauert? Eine interessante Frage, die die Autoren am Schluss dieses wunderbaren Buches zu beantworten versuchen, nachdem sie die Geschichte über 1000 Jahre und in allen handwerklichen Details beleuchtet haben. Und die Antwort ist kaum weniger interessant, denn immerhin besitzt das Gebäude nur einen von offensichtlich zwei geplanten Türmen. Ist es vielleicht noch gar nicht fertig? Auch der Kölner Dom wurde erst mit 800 Jahren Verspätung „fertiggestellt“. Aber selbst wenn das Straßburger Münster irgendwann einmal einen zweiten Turm erhalten sollte, was sehr unwahrscheinlich ist, weil bereits im 16. Jahrhundert die Bürger gegen einen solchen Plan Sturm gelaufen sind, fertig ist so ein Bauwerk sowieso nie. Seit 500 Jahren bestehen die Arbeiten hauptsächlich aus Reparaturen und Rettungsmaßnahmen. Ohne wäre dieses UNESCO Weltkulturerbe längst ein Haufen Schutt.

Den Autoren gelingt es äußerst anschaulich, die Entwicklung vom romanischen Vorgängerbau bis zu den letzten Erweiterungen am gotischen Münster in der Spätrenaissance (aber im spätgotischen Stil) anhand von hervorragenden Simulationen darzustellen. Jeder Schritt ist dokumentiert und aufgrund des ansprechend großen Seitenformats bis ins Detail nachvollziehbar. Hinzu kommen weitere Übersichts- und Detailfotos, sowohl historische aus dem 19. Jahrhundert (erstaunlich scharf!) als auch ganz aktuelle. Simulierte Schnittbilder und mittelalterliche Bauzeichnungen und Illustrationen aus alten Handschriften ergänzen das Konzept und lassen den Leser zu keinem Zeitpunkt ohne Anleitung. Auch wenn zahlreiche Fachvokabeln aus dem Bereich der Architektur und Steinmetzarbeit verwendet werden, geben die Abbildungen genügend Hilfestellung, dass sich die einzelnen Schritte auch ohne ein Architekturlexikon nachvollziehen lassen. Trotzdem hätten ein paar exemplarische Zeichnungen mit den wichtigsten Architekturelementen und ihren fachlichen Bezeichnungen sicher nicht geschadet. Es gibt auch kein helfendes Glossar. Aber das ist wirklich die einzige Verbesserung, die ich vorschlagen könnte, ansonsten ist dieses Buch eine der besten an den Laien gerichtete Darstellungen, die ich zum Thema mittelalterliches Bauwesen kenne. Es werden nämlich nicht nur die Bauphasen erklärt, sondern im zweiten Teil auch die Aufgaben und Arbeitsschritte der einzelnen Gewerke, angefangen vom Werkmeister (heute nennt man ihn Architekt) bis hin zum Bildhauer (sehr wohl zu unterscheiden vom Steinmetz).

Die vielen Wechselbeziehungen, die komplizierten, sich durch unerwartete Entwicklungen ständig ändernden Randbedingungen, und die erstaunlich kompetenten Entscheidungen, die die alten Werkmeister vor über einem halben Jahrtausend aus reiner Intuition und Erfahrung getroffen haben (Statiker gab es keine), all ist wirklich spannend und hochinteressant. Im dritten Teil geht es dann um die Materialien, die beim Bau verwendet wurden. Hauptsächlich sind das Holz und Steine, aber auch erstaunlich viel Metall. Ringanker und Metallklammern waren bereits im Mittelalter Standard.

Der Titel „Erbauer einer Kathedrale“ umreist das Thema eigentlich viel zu eng. „Wie baue ich eine Kathedrale“ hätte es viel besser getroffen!

Bewertung vom 06.10.2019
Projekt-Kompass
Neumann, Mario

Projekt-Kompass


ausgezeichnet

Warum scheitern so viele Projekte? Ursachen sind häufig unklare Zieldefinitionen, laufende Änderungswünsche, aber auch Wissensdefizite beim Projektmanagement. Viele Projekte werden von ungeplanten Ereignissen aus dem Plan geworfen, zwischenmenschliche Probleme im Projektteam werden unterschätzt und häufig ist Fingerspitzengefühl beim Projektleiter erforderlich, damit die Situation nicht eskaliert.
Mario Neumann beschreibt in seinem "Projekt-Kompass" aus seiner Projektpraxis schwierige Situationen, die jeder Projektleiter früher oder später meistern muss und erläutert, warum neben der Fachkenntnis vor allem die soziale Kompetenz eine so wichtige Rolle spielt.

Der Projektleiter muss viele Rollen im Projekt übernehmen, die weit über seine methodische Kompetenz hinausgehen. Er ist zum Beispiel eine Führungskraft auf Zeit, die es schaffen muss, sein Projektteam ohne explizite Weisungsbefugnis zum Erfolg zu bringen. Er muss dabei so delegieren können, dass sich die Mitarbeiter motiviert fühlen und nicht über- oder unterfordert sind. Da er bei der Zusammenstellung seines Teams häufig kaum Mitspracherecht hat, muss er mit Konflikten zwischen den Mitarbeitern rechnen und entsprechend vorsorgen, um eine Meuterei im Vorfeld zu unterbinden. Da sind Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen gefragt und kein stures Festhalten am Projektplan.
Aber auch in anderen Rollen muss der Projektleiter fit sein: als Kommunikator im Team aber auch zu seinen Auftraggebern und anderen Beteiligten, als Konfliktlöser, um Probleme frühzeitig zu thematisieren oder als Verhandlungsführer, der mit Auftraggebern, Lieferanten oder Kunden das Bestmögliche für sein Projekt erreichen möchte.

Neumann zeigt anhand von acht wichtigen Rollen eines Projektleiters typische Situationen auf, mit denen ein Projektleiter zu kämpfen hat. Seine Beispiele stammen aus der Praxis, sind gut nachvollziehbar und die fachliche Aufbereitung ist fundiert. Er nutzt anerkannte Konzepte wie z.B. das Eskalationsstufenmodell von Friedrich Glasl oder die Verhandlungsstrategie der Harvard-Universität und setzt diese verständlich in Handlungsempfehlungen um.

Gefallen hat mir auch, dass man zum gedruckten Buch gleichzeitig das eBook und das Hörbuch (ungekürzt und 8,5 Stunden lang) erhält. Die entsprechenden Downloadcodes sind auf dem Vorsatzblatt abgedruckt.

Das Buch richtet sich an junge Projektleiter. Aber auch alte Hasen werden noch viele gute Tipps finden, um ihre Projekte reibungsloser durchzuführen.

Locker geschrieben, praxisbezogen, gleichzeitig fachlich fundiert und breit aufgestellt - besser kann man die "Neben-"Disziplinen eines Projektleiters kaum beschreiben.

Bewertung vom 01.10.2019
Jack the Ripper - Crime Mysteries

Jack the Ripper - Crime Mysteries


ausgezeichnet

Die 30 kurzen Rätselkrimis kreisen thematisch um die Jack the Ripper Morde, die 1888 die Londoner in Aufruhr versetzte. Allerdings entsprechen sowohl die Zahl der Morde, die Zeitspanne, die Namen der Opfer und die Namen der ermittelnden Polizisten nicht den historischen Tatsachen, sondern sind Fiktion. Die Mordumstände sind jedoch eng an der Realität orientiert, mit allen äußerst grausamen Details, wie den entnommenen und rituell drapierten Organen. Die Lektüre ist also nichts für Zartbesaitete.

Die Rätsel sind keine klassischen Whodunnits, sondern es wird am Ende der Abschnitte eine These aufgestellt, die Inspektor Absalom dann korrigiert. Aufgabe des Lesers ist es, den Grund für die abweichende Meinung des Inspektors zu finden. Die Auflösung ist meistens (aber nicht immer) logisch, Schwierigkeitsgrad und Komplexität sind mittelhoch. Alle Hinweise sind im jeweiligen Kapitel versteckt und obwohl die Geschichte insgesamt durchgehend ist, gibt es keine rätselrelevanten Rückbezüge in vorangegangene Kapitel.

Gut gefallen haben mir die hübsche Buchausstattung und die nostalgischen Illustrationen. Ein recht kurzweiliger Zeitvertreib für Rätselfans mit guten Nerven ab 16 Jahren (meine subjektive Altersempfehlung).

Bewertung vom 29.09.2019
Schlaflos im Shitstorm
Jorch, Julia

Schlaflos im Shitstorm


ausgezeichnet

Nee, schmutzige Wäsche wird hier nicht gewaschen. Zumindest keine wirklich schmutzige. Julia Jorch ist eine von den ganz Lieben, glaube ich zumindest: Verträglich, zuverlässig, fleißig und sie findet offenbar genau den goldenen Mittelweg zwischen Duldsamkeit und Durchsetzungsvermögen. Ideal für die Pressestelle und genau das hat sie ein paar Jahre für die Grünen im Bundestag gemacht. Talkshows koordiniert, Morgenmagazin organisiert, Wahlkampf produziert, Telefone ignoriert, Egos stabilisiert, Kaffee ventiliert, Wähler informiert und Pannen kaschiert. Das Übliche eben.

Aber was ist in der Politik eigentlich üblich? Vorurteile gibt es eine Menge und die müssen bekanntlich nicht wahr sein. Politiker und faul? Wohl eher nicht. Politiker und reich? Vielleicht an Erfahrung, aber wer nicht noch eine Anwaltskanzlei nebenher laufen hat, der wird keine Reichtümer anhäufen. Und man muss ständig aufpassen, was man sagt, wo man es sagt, wie man es sagt und wo die Kameras stehen. Julia Jorch macht aus den medialen Sprechpuppen wieder Menschen und wie es der Zufall so will, sind die grünen Politiker eigentlich alle ganz nett. Sogar Jürgen Trittin, man kann es kaum glauben. Aber auch die anderen Fraktionen haben eigentlich keine wirklich üblen Charaktere. Außer Sigmar Gabriel, man will es gerne glauben. Der Politzirkus ist jedenfalls kein Ponyhof, sondern eher ein riesiges Minenfeld, bei dem es nur eine Frage der Zeit ist, bevor man auf seine persönliche Mine trifft. Shitstorm inklusive.

Wie hat Julia Jorch das nur jahrelang ertragen? Ganz sicher mit Humor, denn den kann man ihr nicht absprechen. Ihre Innenansichten aus der politischen Medienwelt sind sehr unterhaltsam und psychologisch anschaulich und nachvollziehbar erklärt, dabei bleibt sie stets menschlich und wird nie verletzend. Sie respektiert auch den politischen Gegner und die vielen selbsterlebten Beispiele für Kommunikations- und öffentliche Wahrnehmungspannen sind wirklich sehr erhellend. Der Job ist jedenfalls nichts für Weicheier, weil man es grundsätzlich niemals allen Recht machen kann. Allerdings habe ich dann doch nicht verstanden, warum man sich diesen Job bei den Tonnen an unlösbaren Problemen überhaupt antut. Die Antwort bleibt Julia Jorch jedenfalls schuldig. Aber sie durfte ja auch nur die Scherben aufräumen, die andere hinterlassen haben. Trotzdem sehr lesenswert! Nicht nur als Handbuch für angehende Pressesprecher der Grünen.

Bewertung vom 29.09.2019
Der Report der Magd, 2 MP3-CDs
Atwood, Margaret

Der Report der Magd, 2 MP3-CDs


ausgezeichnet

Desfred lebt in nicht allzu ferner Zukunft in Gilead, einem totalitären Gottesstaat an der Ostküste der USA. Sie ist eine „Magd“, die zusammen mit anderen „Mägden“ in einer haremsartigen Struktur im Haushalt eines religiösen Kommandanten ausschließlich zum Zweck des Kindergebärens gehalten wird. Sie muss sich am ganzen Körper verhüllen, damit die niederen Triebe der Männer nicht gereizt werden, darf nie ohne Begleitung das Haus verlassen und soll sich stets gottgefällig verhalten, was nicht nur das regelmäßige gemeinsame Gebet, sondern auch die gelegentliche öffentliche Ermordung von Homosexuellen, Ehebrechern und Glaubensverrätern umfasst. Klingt sehr nach dem Islam der Gegenwart, ist im Roman, der 1985 (!) geschrieben wurde, aber eine fundamentalistische christliche Sekte, die offenbar im Begriff ist, die USA gewaltsam zu erobern.

Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive Desfreds und von Anfang an sind die Triebfedern der Spannung die existenziellen Fragen: Wie konnte es dazu kommen? Wie funktioniert dieser totalitäre Staat und wie sind die Aufgaben- und Rollenverteilungen? Desfred setzt beim Leser die Kenntnis dieser Dinge natürlich voraus, und so kommen die Hintergründe nur häppchenweise ans Licht, genau wie sich auch Desfreds Sicht auf ihre Situation im Verlauf der Geschichte langsam ändert. Sie wurde in vorreligiöser Zeit geboren, hat also noch die westlichen Freiheiten persönlich erlebt, die den Nachgeborenen nicht einmal mehr aus der Theorie kennen. Sämtliche Kulturträger, wie Bücher oder profane Schriften wurden vernichtet, in den Schulen wird den Mädchen gar nicht erst das Lesen beigebracht. Trotzdem vermisst Desfred diese Freiheiten zunächst nicht, sie sieht die gewonnene Sicherheit positiv, in der sie sich heute bewegen kann, ohne Furcht vor Vergewaltigung und Verbrechen. Doch dann gerät ihr Weltbild ins Rutschen und die Kontrolle gleitet ihr Stück für Stück aus der Hand.

Margaret Atwood hat mit dem „Report der Magd“ eine Parabel darauf geschrieben, wie leicht der Mensch die Freiheit gegen vermeintliche Sicherheit eintauscht, wie dünn das Häutchen der Zivilisation ist und wie einfach es ist, den Glauben totalitär und mit Gewalt durchzusetzen, weil man ihn gegenüber niemandem rechtfertigen muss. Jedes Mittel ist legitim, wenn Gott den Befehl dazu gibt. Der Roman enthält so viele prophetische Elemente, die heute von Relevanz sind oder sogar Realität wurden, dass es fast schon unheimlich ist. Atwood verwendet dabei eine Sprache, die auf den ersten Blick lakonisch klingt, aber gleichzeitig ungeheuer ausdrucksstark ist. Ihre Metaphern und Vergleiche sind immer überraschend und von einer unerreichten Präzision. Wer einmal Orwells „1984“ gelesen hat, die ungleich berühmtere totalitäre Dystopie, der wird sofort bemerken, dass Margaret Atwood ihn stilistisch meilenweit übertrifft. Sie kann die inneren Regungen und Widersprüche Desfreds konzentriert in Worte fassen und entwickelt einen ganz eigenen, fatalistischen Humor, der unterhaltsam und gleichzeitig psychologisch tiefgründig ist. Dabei ist die Geschichte eigentlich sehr schnell erzählt. Die Spannung nährt sich aus der klaustrophobischen Stimmung, der raffiniert ausgedachten, komplexen Struktur von Gileads Gottesstaat und den zwischenmenschlichen Konflikten im Haus des Kommandanten und dem „Draußen“.

Vera Teltz ist ein echter Glücksgriff als Sprecherin für das Hörbuch. Sie liest genau in dem distanziert-lakonischen Tonfall, in dem Margaret Atwood schreibt und auch die Regie war ungewöhnlich sorgfältig: Ich habe bei Teltz nicht einen einzigen Intonationsfehler gehört, was echten Seltenheitswert hat. Charles Rettinghaus, der den relativ kurzen „Epilog“ am Ende liest, macht seine Sache schon weniger gut, da ihm viele sprechtechnische Fehler unterlaufen, die im Kontrast zu Vera Teltz‘ Leistung dann umso mehr auffallen. Das ist aber letztlich ohne Belang.

Das Buch ist ohne Frage genial. Die Sprecherin darf sich von mir aus aber gerne gleichrangig dazu

Bewertung vom 28.09.2019
Beth Chatto
Horwood, Catherine

Beth Chatto


gut

Beth Chatto gehört zu den einflussreichsten Gartengestaltern des 20. Jahrhunderts und wirklich jeder, der sich ernsthaft mit Gartendesign beschäftigt, kennt ihren Namen. Sie gilt als Wegbereiterin des Steppen- oder Präriegartens, der sich besonders für trockene Standorte eignet und der in den letzten Jahren zunehmend durch die „pflegeleichten“ Schotter-Vorgärten pervertiert wird. Das hat mit einem Präriegarten Chattoscher Prägung rein gar nichts zu tun.

Catherine Horwood hat über mehrere Jahre ausführliche Interviews mit Beth Chatto geführt, der sie auch ihr gesamtes Archiv öffnete, angefangen von den gärtnerischen Aufzeichnungen (sie war darin ungeheuer penibel, inklusive tägliche Wetternotizen) bis zu den privaten Tagebüchern, die Chatto fast lückenlos führte. Es ist nicht falsch, wenn ich behaupte, dass niemand so vorherbestimmt gewesen wäre, eine qualifizierte Biografie zu schreiben, als Catherine Horwood. Die Überfülle an Material ist aber gleichzeitig das Problem. Das Buch ist fast schon überfrachtet mit Details und Anekdoten, die oft nur geringen biografischen Wert haben. Vieles wiederholt sich inhaltlich und mir ist zunehmend aufgefallen, dass die Autorin die nötige Distanz zum Objekt ihrer Untersuchung fehlen lässt. Sobald bestimmte Verhaltensweisen oder Charaktereigenschaften zumindest zwiespältig, wenn nicht sogar kritisch gesehen werden können, bezieht Horwood sofort Verteidigungshaltung. Sie verschweigt es zwar nicht, aber sie rechtfertigt Chattos Position, selbst in Fällen, die keinesfalls klar sind. So unterhielt Beth Chatto über Jahrzehnte intime Verhältnisse mit anderen Männern und obwohl es keinen Beleg dafür gibt, dass ihr Mann Andrew dies akzeptierte (gewusst hat er es), wird es ihm von Horwood unterstellt, nur abgemildert durch das Wort „wahrscheinlich“. Von diesen hagiografischen Persilscheinen gibt es eine ganze Menge im Buch und sie haben mich zunehmend gestört. Überhaupt bleibt die Privatperson und der Familienmensch (war sie einer?) an entscheidenden Stellen im Dunkeln. Tiefe Gefühle scheint sie jedenfalls nur für Gärtner entwickelt zu haben.

Was Horwood gut gelingt, ist der Überblick über Chattos beruflichen Werdegang, der geprägt ist von ungeheurem Fleiß und einigen Zufällen, die eben nicht selten das Resultat von ungeheurem Fleiß sind. Chatto ist buchstäblich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und sie besitzt einen unbändigen Wissensdurst. Nie hat sie eine gärtnerische Fachschule besucht, sondern sich alles selbst erarbeitet, indem sie ein großes Netzwerk mit allen bedeutenden Gärtnern ihrer Zeit unterhielt, von denen Christopher Lloyd (Great Dixter) sicher der für sie wichtigste war. Auch die schriftstellerische Tätigkeit flog ihr nicht zu. Sie musste sich auch dieses Handwerk mühsam beibringen und sie bewunderte zeitlebens Christopher Lloyd für dessen spielerischen Umgang mit Sprache.

Man erfährt wirklich viel in diesem Buch, ich will das nicht leugnen. Andere Quellen als die aus Beth Chattos direktem Einflussbereich zieht Horwood allerdings nicht heran, wie das ein sorgfältiger Biograf in jedem Fall tun sollte, und daher blieb bei mir am Ende das starke Gefühl, dass man mir nur gezeigt hat, was ich sehen sollte.

Bewertung vom 26.09.2019
Die erneuernde Kraft der Tradition
Strohmaier, Patricia

Die erneuernde Kraft der Tradition


ausgezeichnet

Der Titel irritiert zunächst einmal. Traditionen richten sich üblicherweise in die Vergangenheit, nicht in die Zukunft, aber im Fall des Halberstädter Domschatzes ist die Situation komplexer. Mitte des 13. Jahrhunderts begann man mit dem Neubau der alten Bischofskirche, die bereits auf einem Vorgängerbau aus dem 9. Jahrhundert errichtet wurde. Neben der Kultstättenkontinuität legte das Domkapitel Wert auf eine inszenierte Verbindung in eine „erwünschte“ Vergangenheit, zumal sich der Neubau insgesamt über 250 Jahre erstreckte. In dieser Zeit verstärkte sich zunehmend der Fokus auf Karl den Großen, dem als angeblichem Stifter entsprechende Bedeutung zukam. Mit der Heiligsprechung Karls im Jahr 1165 entstanden in ganz Mitteleuropa eine ganze Reihe neuer Karlskulte, ausgehend von der Aachener Marienkirche, die nicht selten durch gefälschte karolingische Gründungsurkunden legitimiert wurden. Auch in Halberstadt wählte man diesen Weg, versah den Neubau zur sichtbaren Bestätigung mit Karls Bildern und stattete den Domschatz mit einer Reihe von primären und sekundären Karlsreliquien aus. Spätestens seit 1337 ist der Karlskult in Halberstadt urkundlich belegt. Die zwei erhaltenen libri ordinarii aus dem 13. Und 14. Jahrhundert lassen allerdings keine zuverlässigen Rückschlüsse auf die liturgische Verwendung der Reliquien zu, da die Beschreibungen unpräzise sind. Außerdem erfuhr der Domschatz durch die Säkularisierung Verluste und Beschädigungen, so dass die genaue Identifizierung der heute noch existierenden Kultobjekte mit den im Mittelalter dokumentierten nicht mehr möglich ist.

Patricia Strohmaier untersucht in ihrer Dissertation, in wieweit die legitimatorische Krise im Spätmittelalter durch eine „konstruierte Vergangenheit“ gelöst wurde, in der insbesondere die Reliquienausstattung einem klaren Programm folgte. Bemerkenswert sind die vielen Objekte mit einem islamischen Hintergrund, wie z. B. hochwertige Bergkristallschnitzereien und Gläser, die entweder als Einzelobjekte verehrt wurden oder in neuer Verwendung inszeniert wurden. Hintergrund sind die belegten Kontakte Karls des Großen in den Orient, die vordergründig einen Bezug herstellen, allerdings stammen letztlich sämtliche Objekte aus späterer Zeit.

Strohmaier untersucht zum einen die schriftlichen Quellen zum Halberstädter Karlskult, aber auch Entstehungs-, Verwendungs- und Rezeptionsgeschichte der im Dom vorhandenen Objekte mit Karlsbezug. Der Fokus liegt auf den Reliquien und Reliquiaren im Domschatz, es werden aber auch weitere mittelalterliche Ausstattungsobjekte betrachtet, wie z. B. der Bronzeleuchter oder das Fragment des Karlsfensters. Mit detektivischer Sorgfalt sucht Strohmaier nach Vergleichsobjekten, sowohl aus sakralem als auch profanem Zusammenhang, um Funktionen, Datierung und herstellungstechnische Fragen zu klären. Ein besonderer Fokus liegt auf der Schenkung Konrads von Krosigk, der im Spätmittelalter verschiedene Reliquien als Beute aus dem Vierten Kreuzzug aus Konstantinopel mitbrachte. Kurioserweise wurden kurz nach der Schenkung die originalen Reliquiare durch mehrere „Dummies“ ergänzt, die mit einem Sammelsurium neu erworbener Reliquien bestückt wurden, um den Anschein des byzantinischen Schatzbesitzes zu vermehren. So gibt es zahlreiche Beispiele für die Verwendung von Spolien in neuem oder erweiterten Zusammenhang, die einen Bezug zu räumlich und zeitlich naher Vergangenheit haben, im Gegensatz zur weit zurückliegenden Verbindung mit Karl dem Großen. Das Halberstädter Domkapitel nutzte also das gesamte Repertoire, um die fehlenden historischen Quellen einer karolingischen Gründung durch anschauliche Bilder und Objekte zu ersetzen und so die öffentliche Meinung zu prägen.

Auch wenn die Erkenntnisse zur „konstruierten Geschichte“ im Mittelalter grundsätzlich nicht neu sind, ist die Aufarbeitung am Beispiel Halberstadt sorgfältig, umfassend und wissenschaftlich auf der Höhe der Zeit. Das Bildmaterial ist gut gewählt und die Texte sind auch