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Benutzername: Bwurm
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Bewertungen

Insgesamt 9 Bewertungen
Bewertung vom 29.10.2017
Gesammelte Schriften in deutscher Sprache
Hayek, Friedrich A.

Gesammelte Schriften in deutscher Sprache


ausgezeichnet

Das Büchlein des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Friedrich von Hayek war sein letztes Werk und ist aus meiner Sicht außerordentlich empfehlenswert. Es ist sein Vermächtnis in Sachen ökonomischer Ordnung und kultureller Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. Seine Kernbotschaft zur Gesellschaft ist die Bedeutung der „Erweiterte Ordnung des menschlichen Zusammenwirkens“, von der „... nicht nur die Entstehung, sondern auch der Fortbestand unserer Zivilisation ... abhängen.“ Er verbindet in der Erweiterte Ordnung den Pluralismus der spontanen selbstorganisierten Prozesse in der Gesellschaft mit ihrer gewachsenen Kultur. Eine wesentliche Voraussetzung für den Pluralismus ist die Freiheit der Menschen, aber auch ihre Verantwortung dafür, was sie tun.

Im ersten Kapitel weist Hayek darauf hin, dass sich die komplexe Ordnung der menschlichen Gesellschaft lange dem menschlichen Verständnis entzogen hat. Aristoteles glaubte, die Ordnung könne sich nur so weit erstrecken, wie die Stimme eines Herolds reicht. (Er konnte natürlich noch nicht wissen, dass moderne Herolde weltumspannend gehört und gesehen werden können.) In den Horden der Jäger und Sammler wurden das Zusammenwirken noch von Instinkten gesteuert, von zwischenmenschlichen Gefühlen wie Solidarität und Altruismus, von der Fähigkeit zur Empathie sowie von persönlicher Autorität. Das alles aber nur innerhalb der eigenen Horde.
Die heutige Ordnung der Gesellschaft in ihrer Größe und Komplexität sieht er als Ergebnis einer Evolution der Kultur der Gesellschaft (bei ihm oft "Tradition" genannt), und nicht als Ergebnis eines rational geplanten Moralsystems. Diese Evolution ist ein ontologischer Prozess, der nur empirisch untersucht werden kann. Die geistigen Fähigkeiten der Menschen entwickeln sich im Rahmen der kulturellen Evolution in einer Ko-Evolution von Kultur und Geist. Dabei entwickelten sich auch abstrakte Regeln menschlichen Verhaltens, die als Verbote oder Gebote das Zusammenleben von Großgesellschaften möglich machen. Dazu gehört Tausch und Handel, Risikobereitschaft, Vertragstreue, persönlicher Besitz uva. Also das, was wir inzwischen durch Gesetze, Ethik und Moral beschreiben. Die Wirkung der Gefühle stand und steht dazu oft im Wiederspruch. Sie beschränkte sich zunehmend auf Nahbereiche wie die Familie, wo sich Menschen dauerhaft persönlich kennen und vertrauen.

In weiteren Kapiteln werden in hoher Dichte die Ursprünge von Freiheit, Eigentum und Gerechtigkeit beschrieben, die Evolution der Märkte, die „sozialistische Gegenbewegung“ als Aufstand von Instinkten und scheinbarer Vernunft mit dem Ergebnis der „verhängnisvollen Anmaßung“ zentral geplanter Staaten.
Ich möchte noch ein paar Aussagen hervorheben, die aus meiner Sicht gegenwärtig besonders relevant sind:
• Der fatale Irrtum der Sozialisten und anderer Ideologen besteht darin, die Evolution der Kultur aus ihrer eigenen theoretischen Denkweise heraus steuern zu wollen.
• Die Instinkte der Kleingruppen kann man nicht ungestraft auf anonyme Großgesellschaften übertragen (vgl. „Willkommenskultur“). Die Menschen müssen also allmählich lernen, in beiden Umgebungen zu leben, und sie nicht zu vermischen.
• Nur der freie, pluralistische Markt ist fähig, dezentral vorhandenes Wissen der Bürger wirksam zu machen und neues Wissen zu erzeugen.
• Die von Hayek geforderte wissenschaftliche Untersuchung des Konflikts zwischen seiner Erweiterten Ordnung und den zentral gesteuerten sozialistischen Gesellschaftsordnungen (Buch S. 4) hat in Form eines empirischen Großversuchs über Jahrzehnte stattgefunden und ist 1989 zugunsten der freien Marktwirtschaft ausgegangen.

Fazit: Ich finde das Buch uneingeschränkt lesenswert, vor allem in der heutigen, immer noch stark ideologisch geprägten Zeit. Auch wenn der Listenpreis mit 69 € für ein 195-Seiten-Buch ungewöhnlich hoch ist ...

Bewertung vom 11.01.2016
Komplexität
Mainzer, Klaus

Komplexität


sehr gut

Das Buch von Prof. Klaus Mainzer beschreibt kurz und prägnant die Komplexität und komplexe Systeme auf etwas mehr als 100 Seiten. Es werden Aspekte der Komplexität wie Berechenbarkeit, Wahrscheinlichkeit und Information bis zur Philosophie behandelt. Es beschreibt aber auch einige Bereiche der Vielfalt des Auftretens komplexen Systeme von der Evolution bis zur menschlichen Gesellschaft.

Komplexe Systeme entstehen durch emergente Prozesse. Emergente Prozesse sind ontologische Prozesse, d.h. sie laufen ab in der Welt des Seins (der Welt wie sie ist). Um nicht in philosophische Spitzfindigkeiten zu geraten, ist es wichtig, die Emergenz rein naturwissenschaftlich betrachten: Ein Prozess, bei dem durch die spontane Selbstorganisation vieler gleicher oder auch unterschiedlicher Einzelteile (Elemente) aufgrund der Wechselwirkungen zwischen ihnen Systeme entstehen, die völlig neue Strukturen und eine höhere Ordnung aufweisen. Die kollektiven Eigenschaften und Fähigkeiten der Systeme sind ganz anders als die der Elemente. Der detaillierte Verlauf der einzelnen Prozesse ist dabei abhängig von der Art der Elemente, ihren Wechselwirkungen untereinander und dem Einfluss der Prozessumgebung. Emergente Systeme können selbst wieder Elemente von emergenten Prozessen sein. Die Welt ist aus den dabei entstehenden komplexen Systemen aufgebaut.

Die meisten emergenten Prozesse sind dissipativ, autokatalytisch und deshalb nichtlinear. Aus diesem Grund kann man sie nur ganz selten analytisch mit mathematischen Funktionen beschreiben. Nichtlineare Prozesse zeigen außerdem ein Verhalten, dass man deterministisches Chaos nennt: Winzige Änderungen am Anfang, an der Schwelle zur Selbstorganisation, im kritischen Zustand, können zu großen, nicht vorhersagbaren Änderungen im weiteren Verlauf führen.
Verständlich sind die Prozesse aber trotzdem.

Beispiele für emergente Prozesse sind sowohl im Buch von Klaus Mainzer beschrieben als auch beispielsweise in https://www.facebook.com/emergenz.netzwerk/ .

Bewertung vom 06.02.2015
Die Kraft der Naturgesetze
Dedié, Günter

Die Kraft der Naturgesetze


ausgezeichnet

Seit Mitte Januar 2015 gibt es die gedruckten Bücher in einer zweiten Auflage, in der Schreibfehler korrigiert wurden.

Bewertung vom 26.12.2012
Großer-Tiger und Christian
Mühlenweg, Fritz

Großer-Tiger und Christian


ausgezeichnet

Für mich eines der schönsten Bücher überhaupt ...

Bewertung vom 23.12.2012
Schulden ohne Sühne?
Konrad, Kai A.; Zschäpitz, Holger

Schulden ohne Sühne?


ausgezeichnet

Eine ausgezeichnete Darstellung der Hintergründe und Zusammenhänge der Finanzkrise, insbesondere der perfiden Rolle der Banken und des anhaltenden Versagens der Politik.
Eine Lösung der Probleme wird nicht aufgezeigt; kein Wunder nach jahrelanger, verantwortungsloser Misswirtschaft!!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.10.2012
Emergenz
Sedlacek, Klaus-Dieter

Emergenz


schlecht

Das Buch ist offensichtlich nur eine lose und oberflächliche Sammlung von Kopien von Wikipedia-Artikeln, und bietet darüberhinaus keinen „Mehrwert“