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Benutzername: enzian
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Bewertungen

Insgesamt 13 Bewertungen
12
Bewertung vom 08.04.2011
Ein Paradies für alle
Pfaue, Justus; Tempel, Philip

Ein Paradies für alle


sehr gut

Im Berlin des Jahres 1931 steht Georg Wertheim auf dem Höhepunkt seines unternehmerischen Schaffens. Er hat das Kaufhaus Wertheim zu einem der größten und erfolgreichsten Warenhäuser der Hauptstadt geführt. An seiner Seite befindet sich immer Hanna Berger. Sie ist Sekretärin, Beraterin, Geliebte, eine Frau für alles, Jüdin, wie Wertheim auch. In dieser Zeit kommt es gehäuft zu antisemitischen Anfeindungen und Übergriffen, denen auch das Warenhaus Wertheim ausgesetzt ist. Georg hat aber einen Gönner, den Bankier Emil-Georg von Strauß, der ihn vor dem Schlimmsten bewahrt.
Stralsund 1871, wir lernen die Kindheit Georgs kennen. Die Familie ist arm, mit Hilfe des reichen Tuchhändlers Wollf, einem Onkel Georgs, gelingt ihm und seiner Familie der gesellschaftliche Aufstieg.
Durch die Herrschaft der Nationalsozialisten wird dem später ein jähes Ende gesetzt. Auch das Kaufhaus Wertheim wird arisiert. Mit Hilfe des Bankiers von Strauß kann Georg Wertheim überleben und stirbt 1939 in der Berliner Villa seiner Mutter.

Der Roman ist die Geschichte des Wertheim-Konzerns. Der Autor hat das Buch in drei Handlungsstränge aufgeteilt. Der Schreibstil ist flüssig, das Buch besticht durch lebendige Protagonisten. Mit eindrucksvollen Schilderungen zeichnet Justus Pfaue ein realistisches Bild vom Leben in dieser Zeit. Tief betroffen war ich von der Beschreibung der Kinderarbeit unter schlimmsten Bedingungen. Im Gegensatz dazu wird das luxeriöse Leben der Oberschicht geschildert. Detailliert werden die Neuerungen im Handel aufgezeichnet, die Georg Wertheim eingeführt hat, wie z.B. Festpreise, Winterschlussverkauf, Selbstbedienung bei Lebensmitteln. Die Entwicklung einer neuen Verkaufsstrategie war für diese Zeit bahnbrechend.
Die politischen Zeichen stehen nicht gut, dunkle Wolken ziehen am Horizont auf. Die Repressalien gegen die jüdische Bevölkerung bekommt der Leser nur am Rande mit, am Beispiel der Wertheims. Viele der Protagonisten haben gelebt, andere Figuren hat der Autor erfunden. Das Geheimnis um Hanna wirkt auf mich klischeehaft. Ansonsten handelt es sich um einen lesenswerten historischen Roman.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.03.2011
Leise stirbst du nie
Annechino, Daniel

Leise stirbst du nie


weniger gut

Der Prolog beginnt brutal, eine junge Frau, Linda, ist an ein Kreuz gefesselt und wird gleich einen grauenhaften Tod sterben. Ihr Mörder schlägt ihr Nägel durch Hände und Füße. Wir lernen auf einem Parkplatz den Physiotherapeuten Simon kennen und erfahren, dass dieser auf der Jagd ist. Seine Beute sind junge Frauen mit kleinen Kindern. Den Kindern tut er nichts, die Mütter schlägt er an ein Kreuz. Danach lässt er die Kinder frei. Er hat wieder ein Opfer gefunden, Molly, die den gleichen Tod stirbt. Weitere Frauen hat er schon im Visier.Die Detective Samantha (Sami) Rizzo und Alberto Diaz sollen die Morde aufklären. Ihr Chef stellt den beiden eine Profilerin vom FBI zur Seite. Diese erstellt das Täterprofil eines Serienmörders, der ein Psychopath und religiöser Fanatiker ist. Hinzu tritt, dass er einigen der ermordeten Frauen das Herz entnommen hat, anderen nicht. Und er wird wieder zuschlagen. Für die beiden Detektive beginnt ein fast aussichtsloser Wettlauf gegen die Zeit. Da kommt Sami auf eine Idee und dem wahnsinnigen Mörder sehr nahe.


Der Schreibstil des Autors ist flüssig, man findet sich schnell in das Geschehen hinein.
Die Beschreibung der entsetzlichen Qualen der Frauen ist äußerst brutal. Das Grauen war für mich schon fast körperlich spürbar. Was mir an dem Thriller auch gar nicht gefallen hat, ist die Tatsache, dass ich gleich auf den ersten Seiten erfahre, wer der Mörder ist. Das nimmt einen erheblichen Teil der Spannung. Auch sonst war einiges im Verlauf der weiteren Handlung vohersehbar. Die Charaktere der Protagonisten vermögen nicht so recht zu überzeugen. Einzige Ausnahme bilden Sami und Alberto, welche durch echtes kollegiales Zusammenspiel harmonieren. Die Motive des Mörders sind schnell gefunden, er selbst ist eine zutiefst gespaltene Person. Alles in allem kann ich den Thriller nicht weiterempfehlen.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.03.2011
Die Ludwig-Verschwörung
Pötzsch, Oliver

Die Ludwig-Verschwörung


ausgezeichnet

Im Vorwort stimmt Oliver Pötzsch auf den Inhalt des Buches ein. Es geht um den den mysteriösen Tod des bayerischen Königs Ludwig II., an dessen offizieller Version bis heute Zweifel besteht.
Im Prolog konfrontiert uns der Autor mit einer Person, die einen Königsmantel trägt und sich König nennt. Dieser König befindet sich im Jahr 2010 in der Nähe von München und hat den Geschichtsprofessor Paul Liebermann in Gewahrsam. Dieser soll das Geheimnis eines 100 Jahre alten Buches verraten. Als Liebermann das ablehnt, wird er vom König getötet.
Dann lernen wir den Antiquariatsbesitzer Steven Liebermann kennen, einen gebürtigen Amerikaner. Er trinkt gerade gemütlich Tee und betrachtet seine Bücher. An diesem Tag bekommt Steven Besuch von mysteriösen Fremden. Immer geht es um den Märchenkönig. Da entdeckt Steven inmitten seiner Schätze ein ihm unbekanntes Kästchen mit einem besonderen Buch, in geheimer Schrift verfasst. Enthält es Momentaufnahmen, die kurz vor König Ludwigs Tod aufgezeichnet wurden? Steven ahnt noch nicht, dass dieses Buch sein Leben verändern soll. Auf dem Heimweg wird er von Unbekannten verfolgt und am nächsten Tag steht er vor seinem zerstörten Geschäft. Kurz darauf wird Steven von einer jungen Frau aufgesucht, die sich als Kunstdetektivin Sarah Lengfeld vorstellt und angeblich die Nichte von Professor Lieberman ist. Beiden ist schnell klar, dass jemand das Buch in seinen Besitz bringen möchte, koste es, was es wolle. Es gibt nur eine Möglichkeit, die Geheimschrift muss entschlüsselt werden. Dazu suchen sich die beiden Verbündete und begeben sich zu den Schlössern des Märchenkönigs. Ein sehr gefährliches Unterfangen, wie sich bald herausstellt.

Ein großartiger historischer Thriller, der Oliver Pötzsch da gelungen ist. Der flüssige Schreibstil, die lebendigen Schilderungen und die vielseitigen Charaktere der Protagonisten ziehen mich sofort in Bann. Es wird von Beginn an Spannung aufgebaut, die sich kontinuierlich steigert und erst mit dem Ende des Buches einen wahrhaft krönenden Abschluss findet. Das Buch besticht durch rasante, immer neue Wendungen, die der Leser beim besten Willen nicht vorhersehen kann. Am Schluss des Buches wird klar, welche Absichten die handelnden Personen verfolgen. Eine Ausnahme davon bildet nur Steven, aber auch auf ihn wartet ein Überraschung.
Ich glaubte, mich in seinem Antiquariat zu befinden und hätte am liebsten darin gestöbert. Sehr gern habe ich Sarah und Steven auf ihrer Reise durch die herrliche Alpenlandschaft begleitet. Die Schlösser des Märchenkönigs habe ich bildlich vor mir gesehen.
Auch das Nachwort des Buches und das sich anschließende Kleine Glossar für Verschwörungstheoretiker sind dem Autor gut gelungen. Das etwas düster wirkende Cover passt wunderbar zum Titel des Buches, welches ich allen Fans historischer Thriller nur unbedingt empfehlen kann.

Bewertung vom 18.02.2011
Prophezeiung
Böttcher, Sven

Prophezeiung


ausgezeichnet

Die Klimaforscherin Mavie Heller nimmt Abschied von Hamburg und ihren Freunden. Sie steht vor einer neuen Aufgabe, der Tätigkeit am Klimainstitut IICO auf La Palma. Dort wird Mavie zu ihrem Leidwesen mit unwichtigen Aufgaben betraut. Dann gelangt ihr der Zutritt zum geheimen Computerprogramm Prometheus. Mit diesem Programm lassen sich Vorhersagen zu allen globalen Wetteränderungen für fast jeden Ort auf der Erde treffen. Mavie glaubt ihren Augen nicht zu trauen, als sie diese Vorhersagen sieht. Demzufolge wird es bald zu einer weltweiten Klimakatastrophe mit 400 Millionen Toten kommen. Mavie vertraut sich ihrer besten Freundin, der Journalstin Helen, an. Natürlich hat man bemerkt, dass Mavie im Computersystem war und sie wird fristlos entlassen. Zurück in Hamburg erfährt Mavie, dass Helen bei einem mysteriösen Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Mavie beschließt, ihr Wissen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei erfährt sie schnell, dass es jemanden gibt, der dies mit wirklich allen Mitteln verhindern will. Sie gewinnt neue Verbündete und gibt nicht auf.

Sven Böttcher ist mit diesem Buch ein großartiger Thriller der etwas anderen Art gelungen. Ökologische Fragen, Wirtschaft, Politik, Fiktion werden miteinander verbunden. Der Autor hat ein wichtiges Thema aufgegriffen, welches uns alle angeht. Wissenschaftliche Details verlangen dem Leser höchste Konzentration ab. Schon nach wenigen Seiten werde ich zum Nachdenken angeregt und stelle mir etliche Fragen.
Der Autor hat keine konkrete Zeit genannt, in der seine Erzählung spielt. Der Hinweis auf das erste Jahrzehnt des 21.Jahrhunderts und die Namen von Politikern, wie Merkel und Sarkoszy, lässt die Schlussfolgerung zu, dass sich das alles in wenigen Jahren ereignen wird. Dann werden wir uns mit der Einführung von Carbonpunkten, "Cops", konfrontiert sehen. Diese sammeln wir durch unseren täglichen Energieverbrauch und wer sein Budget überschritten hat, darf nicht mehr tanken, keine Flugreisen unternehmen, usw. So verbringen die meisten Menschen ihren Urlaub in Deutschland. Klar, dass diese Maßnahmen für Reiche nicht gelten. Weiterhin wird die Bargeldzahlung weitestgehend abgeschafft, man zahlt alles mit einem sogenannten iAm. Das ist ein nicht näher beschriebenes technisches Gerät, mit dem man auch telefonieren und die Wohnungstür öffnen kann. Vision, oder vielleicht doch in naher Zukunft Realität?
Wird es bald Computerprogramme, wie im Buch dargestellt, geben? Prometheus bedeutet wörtlich übersetzt der Vorausdenkende. So denkt auch das gleichnamige Computerprogramm voraus, aber die beste Technik scheint vor Fehlern nicht gefeit zu sein. Das kann Fluch und Segen zugleich bedeuten.
Der Autor hat es verstanden, die Charaktere seiner Protagonisten sehr intensiv und lebendig zu gestalten. Ich kann mich gut in Mavie hineinversetzen und bange mit ihr mit. Für sie beginnt ein Wechselbad der Gefühle. Es ist anfangs nicht eindeutig zu erkennen, wer Freund und wer Feind ist. Menschen , die sie als Widersacher betrachtet, helfen ihr. Andere, denen sie vertraut hat, sind in dunkle Machenschaften verwickelt. Es kommt immer wieder zu erstaunlichen Wendungen.
Der Sprachstil ist locker, mitunter humorvoll, das hat mir gut gefallen. Es wird von Beginn des Buches bis zum Ende kontinuierlich Spannung aufgebaut. Sven Böttcher zeichnet auch kein bedrückendes Endzeitszenario, er lässt das Ende offen. Ich habe schon lange keinen so guten Thriller mehr gelesen.
Abschließend stellt sich für mich schon die Frage, ob wirklich nur die Menschen für den Klimawandel verantwortlich sind. Dann kann und wird man sie natürlich in Form von immer neuen Steuern zur Kasse bitten, wie im Buch beschrieben. Das verspricht für eine bestimmte Klientel ein Millardengeschäft, was nicht außer Acht gelassen werden darf.

Bewertung vom 12.02.2011
Die linke Hand des Teufels
Roversi, Paolo

Die linke Hand des Teufels


gut

Die linke Hand des Teufels


Wir befinden uns in dem kleinen norditalienischen Dorf Capo di Ponte Emilia. Die Landschaft ist langweilig, flach und gleichförmig. Auch sonst ereignet sich dort nichts Außergewöhnliches. Da macht der Postbote Ruini an einem heißen Sommertag eine schockierende Entdeckung. Im Briefkasten eines unbewohnten Hauses findet er eine abgetrennte Hand.

Der Journalist Enrico Radeschi ist in diesem Dorf aufgewachsen. Er begibt sich auf Urlaubsreise in die alte Heimat zu seinen Eltern. Doch diesmal ist alles anders. Der Fund des Postboten wirbelt das sonst so beschauliche Leben der Dorfbewohner auf. Viel Zeit, um auszuspannen, bleibt Enrico nicht. Ihn erreicht ein Anruf seines Chefredakteurs, er möge in dieser Angelegenheit tätig werden.

Zeitgleich nimmt der Commandant der Carabinieri des Ortes, Giorgio Boskovic, die Ermittlungen auf.
Es stellt sich heraus, dass die Hand tiefgekühlt war und ein Umschlag mitgeschickt wurde. Der Adressat ist ein gewisser Rudolf Mayer, den niemand im Dorf kennt. Die Adresse wurde von einem Linkshänder geschrieben.
Bald darauf wird ein alter Mann ermordet aufgefunden. Es bleibt jedoch nicht bei dem einen Todesopfer. Es geschieht ein weiterer Mord und wieder taucht zuvor eine verstümmelte Hand auf.
Dem Commandante bleibt nicht mehr viel Zeit, um den Mörder aufzuspüren. Da stellt er fest, dass die Opfer ein dunkles Geheimnis verband, dass weit zurück reicht, in die Zeit des Faschismus. Schließlich glaubt Boskovic, den Mörder gefunden zu haben. In letzter Minute wird ihm klar, dass der Verdächtige die Morde nicht begangen hat und noch ein Mensch in Gefahr ist. Wird er einen weiteren Mord verhindern können?


Ich kannte bislang keine italienischen Krimis, außer Donna Leon. Um es vorwegzunehmen, das Buch trifft nicht ganz meine Erwartungen.
Über lange Stellen zieht sich der Krimi genauso dahin, wie der Autor die Landschaft beschreibt, langweilig.
Der als Genie angepriesene Journalist Radeschi ist gar nicht so sehr genial. Den Fall deckt nicht er auf, sondern Commandante Boskovic. Was nicht heißen soll, dass der Journalist nicht sympathisch ist. In einem weiteren Handlungsstrang hilft er einem Polizeibeamten in Mailand bei der Aufklärung eines Mordes.
Nebenher wird das Alltagsleben im Dorf und das der Protagonisten beschrieben. Amüsant fand ich, wie sehr Boskovic an seinem ungewöhnlichen Haustier, einem Gürteltier, hängt. Manchmal tat mir der Commandante schon leid. Nicht nur, dass er sich mit dem übereifrigen Radeschi rumschlagen muss. Seine mitunter doch sehr begriffsstutzigen Untergebenen machen ihm die Ermittlungen auch nicht leichter.
Richtige Spannung wird erst gegen Ende des Buches aufgebaut. Der Leser erfährt in buchstäblich letzter Minute, wer der Mörder ist.
Der lockere, mitunter flapsige Sprachstil des Autors hat mir zugesagt. Paolo Roverso hat es verstanden, ein interessantes Thema aus der Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen.

Bewertung vom 08.02.2011
Die Tortenbäckerin
Janson, Brigitte

Die Tortenbäckerin


ausgezeichnet

Brigitte Janson Die Tortenbäckerin



Die Erzählung spielt im Jahre 1895 in Hamburg. Die junge Greta arbeitet an der Seite ihrer Tante Mathilde als Küchenhilfe in einem vornehmen Patrizierhaushalt. Sie ist mit Leib und Seele dabei und experimentiert gerne mit dem Kochlöffel. So entstehen phantasievolle Gerichte, die sie aber nicht auf den Tisch bringen darf.

Greta schwärmt für den Sohn des Hauses, Christoph Hansen. Dieser bringt ihr auch Sympathie entgegen. Aber für den Bankierssohn und das einfache Mädchen aus Altona darf es keine Zukunft geben. Die Eltern schicken ihren Sohn nach Deutsch-Ostafrika. Dort soll er sich in der familieneigenen Bankfiliale bewähren.

Greta verliert ihre Arbeit im Hause Hansen und lernt durch glücklichen Zufall den Fuhrunternehmer Siggo kennen. Dieser hegt sofort Sympathie für Greta und beschafft ihr Aufträge. Dadurch kommen sich die beiden jungen Menschen näher. Sie lassen sich auch durch Rückschläge nicht entmutigen. Greta gewinnt das Wohlwollen von Siggos Eltern und seine Mutter bringt ihr bei, zu backen. Schließlich kommt Greta auf die Idee, eine eigene Firma zu gründen, „Gretas Lieferdienst“. Das ist aber noch längst nicht alles, was Greta bewältigen muss. Sie hütet ein Geheimnis um ihre Tochter Leni.



Brigitte Janson hat einen bunten Roman mit herzerfrischenden Protagonisten geschrieben. Der Leser befindet sich sofort mitten im Geschehen. Ich habe die leckeren Gerichte vor Augen und würde sie am liebsten verkosten. Ich bange mit Greta um ihr weiteres Schicksal und begleite sie gerne auf ihrem Weg. Nebenher wird ein lebendiges Bild vom damaligen Leben in der alten Hansestadt gezeichnet. Es ist die Zeit der ersten Automobile und elektrisches Licht kommt auf. Durch die neuen Errungenschaften treten Standesunterschiede noch deutlicher hervor.

Jede Buchseite weckt Lust darauf, die nächste zu lesen. Die Autorin ist mit dem Herzen dabei und wir erfahren auch den Grund dafür. Brigitte Janson hat ihr erstes Buch ihrer Großmutter, Martha Geilenberg, gewidmet. Diese kam mit vierzehn Jahren als Dienstmädchen in eine Großstadt. Kein leichtes Leben, doch sie hat es gemeistert. So wächst auch Greta an ihren Aufgaben und gibt nicht auf. Die Erzählung wird allgemein durch starke Charaktere geprägt.

Den Abschluss des Buches bilden alte hanseatische Rezepte, eine gute Idee.

Dieses Buch war für mich Lesevergnügen pur und ich hoffe, dass es eine Fortsetzung findet. Sehr gerne würde ich erfahren, wie es mit Greta, Leni und all den anderen weitergeht

Bewertung vom 21.01.2011
Winterkartoffelknödel / Franz Eberhofer Bd.1
Falk, Rita

Winterkartoffelknödel / Franz Eberhofer Bd.1


sehr gut

Rita Falk: Winterkartoffelknödel

In dem kleinen Dorf Niederkaltenkirchen, mitten in der bayerischen Provinz, versieht Polizist Franz Eberhofer seinen Dienst. Der eigenwillige Franz musste die Münchner Polizei verlassen, weil er manchmal seine eigene Sicht von Recht und Gesetz durchgesetzt hat. Strafversetzt in sein Heimatdorf geht es ihm so richtig gut. Daheim lebt er mit seinem fast ständig Beatles-Musik hörenden Vater und der tauben Oma zusammen. Oma ist nicht nur eine professionelle Schnäppchenjägerin, ihre Kochkünste sind der Hit. In dem kleinen Ort ereignet sich nichts Aufregendes. Bei seinen obligatorischen Runden mit Hund Ludwig macht Franz stets Halt beim Metzger und natürlich in der Dorfkneipe. Dieses beschauliche Leben wäre sicher noch lange so weitergegangen, wenn nicht plötzlich eine geheimnisvolle Dame auf dem alten Sonnleitnerhof eingezogen wäre. Da ist auf einmal Schluss mit lustig für den Franz, es kommt Arbeit auf ihn zu. Plötzlich sterben nacheinander die Mitglieder der Familie Neuhofer. Nur Sohn Hans lebt noch, aber nicht mehr lange. Nun glaubt Franz nicht mehr an normale Todesfälle und nimmt Ermittlungen auf. Dann verschwindet die neue Bewohnerin des Sonnleitnerhofes über Nacht. Hat sie etwas mit den Todesfällen zu tun? Polizist Franz läuft zu Höchstform auf, gemeinsam mit seinem alten Kollegen Rudi löst er den Fall ausgerechnet auf Mallorca.

Das war mal ein Krimi der etwas anderen Art. Auf humorvolle Art gewinnt der Leser Einblick in das Leben der Bewohner eines kleinen niederbayerischen Dorfes. Dort erscheint die Welt noch in Ordnung, die Menschen kennen einander und wissen natürlich auch alles voneinander. Es ist der Autorin sehr gut gelungen, die einzelnen Charaktere treffend darzustellen. Wir lernen sympathische und liebenswert-schrullige Protagonisten kennen. Der originelle Dialekt setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Leider habe ich nicht erfahren, welcher Hunderasse Ludwig angehört. Den Abschluss des Buches bildet eine Auswahl von Oma's Rezepten, gewürzt mit lustigen Kommentaren. Ein Krimi, der mich wirklich sehr erheitert hat, passend (nicht nur) für dunkle Winterabende. Ich denke, dass wir dem Franz bald wieder einmal begegnen werden.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

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