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bessermitbuch
Wohnort: 
Bayern

Bewertungen

Insgesamt 10 Bewertungen
Bewertung vom 10.12.2023
POSTER GIRL - Wer bist du, wenn dir niemand zusieht?
Roth, Veronica

POSTER GIRL - Wer bist du, wenn dir niemand zusieht?


sehr gut

Ich hab dieses Buch erhalten, aufgeklappt, den Geruch der Seiten beschnuppert und es dann gefühlt in einem Zug verschlungen. Naja, mein Tag hat auch nicht mehr Stunden als eurer und ich hab natürlich trotzdem ein bisschen öfter das Buch zugeklappt oder bin nach der Arbeit darüber eingeschlafen. Was ich damit sagen möchte: Poster Girl hat mich augenblicklich in seine dystopische Welt gezogen und gut Spannung aufgebaut.

Punkten kann das Buch bei mir mit der Entwicklung der Protagonistin Sonya, die als Kind innerhalb eines extremen Systems gebrainwasht wurde und ihre Weltanschauung nun vollumfänglich zu überdenken beginnt. Ihr gelingt ein Grad an Selbstreflexion, den man momentan bei vielen Menschen in der Realität vermisst. In Sonyas Umgebung treffen dabei mehrere Ideologien aufeinander, von denen nicht alle ausführlich besprochen werden. Kernthemen sind die vergangene Ein-Kind-Politik der gestürzten Delegation sowie ihre technische Überwachung der Bevölkerung. Rassismus, Sexismus, Extremismus aber auch eine zerstörte Umwelt und deren Folgen erfahren innerhalb der Handlung vereinzelt ein geringeres Maß an Aufmerksamkeit, sind aber klug eingestreut und wirken nicht erzwungen.

Was ich nicht ganz durchdacht finde, sind die Insights, welche den Menschen in das Auge gepflanzt werden und dann mit der Zeit mit dem Gehirn verwachsen. Für die Argumentation im Buch ist es bedeutend aber meines Erachtens nach anatomisch nicht möglich. Minuspunkte gibts auch dafür, dass Sonya ein Medikament in den Fluss wirft. Was soll das denn? Die Lovestory hätte es für mich nicht gebraucht, hat aber auch nicht gestört.

Ich hatte viel Spaß mit der Geschichte, auch wenn ihr Rahmen noch so trostlos ist.

Bewertung vom 10.12.2023
Klytämnestra
Casati, Costanza

Klytämnestra


sehr gut

Mutter. Monarchin. Mörderin.

Für mich ist Klytämnestra nach dieser Lektüre vor allem eine Überlebende. Die Prinzessin von Sparta muss schon seit Kindertagen so viel Gewalt im patriarchalen System ertragen, dass ich zum Ende des Buches hin einfach genug von männlichen Egos hatte. Klytämnestra ist eine Geschichte voll von Grausamkeiten und der Stärke einer Frau, die sie alle überlebte. Dabei ist die Protagonistin aber keine makellose Heldin oder weise Heilige - auch ihre Taten strotzen nur so vor Wut, Hass und Machtdemonstration.

Das Buch hat definitiv seine Längen, an denen ich manchmal etwas abgedriftet bin und kommt dann wieder mit spannenden Szenen um die Ecke. Etwas schwer zu verfolgen war das Geschehen an Stellen, die ohne große Kennzeichnung plötzliche Zeitsprünge gemacht haben. Hier war mir der Erzählstrang oft ein bisschen zu wirr aber nicht unverständlich.

Klytämnestra lesen ist auf jeden Fall keine luftig-leichte Angelegenheit. Leser*innen sollten viel Brutalität aushalten können und Durchhaltevermögen mitbringen.

Bewertung vom 03.11.2023
Henriette lächelt
Heinisch, Andrea

Henriette lächelt


gut

“Hätte, hätte Henriette.”
Hätte Henriette doch nicht 195 Kilo oder hätte sie ihre talentierten Finger doch für’s Klavierspielen genutzt und hätte sie dann etwas erreicht (außer 195 kg zu wiegen) und hätte sie mal lieber Gemüse gekocht, statt Chips und Pizza per Express zu bestellen und und und..
Irgendwie scheint die Protagonistin nichts richtig zu machen, doch man merkt schnell, dass die Gründe für Hennys Unglück tiefer sitzen. So erfährt sie schon als Kind, dass bedingungslose Liebe nicht bedingungslos jedem zusteht und auch später (jetzt mit 50 Jahren) ist sie irgendwie allein. Da ist zwar die Mutter, doch die Beziehung ist toxisch af und das war’s dann auch schon. Nicht mal eine Katze. Oder ein Wellensittich. Aber langsam tut sich was in Henriettes Leben und mit jeder neuen Begegnung streckt die Protagonistin die Fühler aus ihrem Schneckenhaus und tastet sich schrittweise vor ins Leben - jedes Mal ein bisschen weiter weg von Trauma und Depression.

Stilistisch hat mich das Buch ein bisschen zermürbt. Es sind einige schöne Stellen enthalten, doch bedient sich die Sprache einer einfachen Struktur mit vielen, vielen Wiederholungen. Auf die Dauer des Buches wurde mir das bei dem glücklosen Thema irgendwann beschwerlich und viele Passagen waren mir egal. Durch die zweite Hälfte habe ich mich in kurzen Abschnitte hindurch geschleppt, das muss ich leider zugeben. Dennoch hat mich die Geschichte rückblickend berührt und mit einem schönen Gefühl entlassen.

“Es ist einer dieser Tage, die so heftig nach innen weinen, dass sich alles andere erübrigt.”

Bewertung vom 24.10.2023
Threads of Power
Schwab, V. E.

Threads of Power


ausgezeichnet

All die Aufregung und Vorfreunde bezüglich dieses neuen Titels aus der Feder von V. E. Schwab waren es sowas von definitiv wert. Während die Romanfiguren mit den feinen Fäden der Magie Zauber wirken, verwebt Schwab in ihrem neuen Buch meisterinnenhaft Handlungsstränge zu einem epischen Gesamtszenario. Vor allem jetzt, wo ich hier so sitze und meine Markierungen im Buch noch einmal durchgehe, merke ich, wie sprachlich gelungen die Abhandlung zudem daherkommt und es fällt mir schwer, mich für mein liebstes Zitat zu entscheiden.

„Der Morgen war angebrochen wie ein Ei, das über der Stadt aufgeschlagen wurde –gelbes Licht, das wärmer aussah als es sich anfühlte, ergoss sich über die Dächer und funkelte in den Ladenfenstern.“

Diese wunderschöne Bildhaftigkeit sorgt dafür, dass man sich bald äußerst heimisch in der Geschichte fühlt und versucht ist, zu denken, man könnte sich selbst durch die erschaffene Welt bewegen; Tes, Alucard oder Lila durch Straßen und Gassen folgen. Worldbuilding wie Magiesystem sind wie erwartet komplex und mit Liebe zum Detail ausgetüftelt worden. Die Protagonist*innen glänzen durch Charakterhaftigkeit mit Ecken und Kanten. Besonders Kosikas Handlungsstrang konnte mich oft genug überraschen und birgt wohl noch so einige Tricks für die nächsten beiden Bände, aber ich will ja hier keine Spoiler riskieren. Favoritin Nummer Zwei ist bei mir eindeutig Tes: so ein talentiertes und kluges Stehaufmännchen (bzw. -mädchen), dass sie die Geschichte ungemein bereichert.

„Denn offenbar war ein angetrunkener Mann immer noch vertrauenswürdiger als ein Mädchen von fünfzehn Jahren mit scharfem Blick.“

Jetzt bleibt mir nicht anderes übrig, als auf Band Zwei zu warten und mich währenddessen auf viele eurer Leseeindrücke zu freuen.

Bewertung vom 12.10.2023
Ich träumte von einer Bestie
Blazon, Nina

Ich träumte von einer Bestie


ausgezeichnet

Dieser Roman hat mich überrascht, begeistert, bewegt und mitgerissen.
Protagonistin Fleurs Gegenwart ist gezeichnet von den Wunden der Familienvergangenheit und durch eine plötzliche Erbschaft wird sie zur Ermittlerin alter Verbrechen. Dabei sorgen schauerliche Märchenelemente wie auch Fleurs eigene gut gehütete Geheimnisse für Spannung und ziehen einen in flottem Tempo von Seite zu Seite.
Punkten kann Ich träumte von einer Bestie aber auch durch das sensible Aufgreifen der Themen psychischer und sexueller Missbrauch, Krankheit, Manipulation und Mobbing. Wortgewandt schreibt Nina Blazon über Ängste und Scham ohne Traumaporn zu veranstalten.
Ebenso überzeugend sind die klar gezeichneten Nebenfiguren im Roman. Man bekommt schnell das Gefühl, sie selbst gut zu kennen und es fällt mehr als leicht, alle ins Herz zu schließen.

Bewertung vom 20.09.2023
Zeiten der Langeweile
Becker, Jenifer

Zeiten der Langeweile


weniger gut

Es tut mir so leid aber dieses Buch wurde nach den ersten spannenden Äußerungen so dermaßen langweilig, dass ich beim Lesen eingeschlafen bin. Vielleicht liegt es daran, dass es dann sehr individuell wird und vieles einfach nicht mehr zu mir gepasst hat, ich nicht connecten konnte mit der Story und der Protagonistin. Nichts an ihr hat mich mehr interessiert und irgendwie war mir auch nicht klar, auf was wir jetzt noch warten. Für mich war das Ganze eigentlich nach einem Viertel ungefähr abgeschlossen. Das Wesentliche war gesagt. Im Endeffekt hätte das Buch auch ein Artikel werden können.
Ein bisschen irrwitzig fühlt es sich aber dann doch an, diese Rezension ins Internet zu posten. Schließlich ging es ja genau um das Gegenteil davon. Allein schon wegen all der Buchbesprechungen könnte ich mich wohl gar nicht mehr komplett aus dem Netz löschen… brr…

Bewertung vom 03.09.2023
Der Vorweiner
Bjerg, Bov

Der Vorweiner


gut

n einer Welt, in der Witze vintage sind und die Contenance künstlich durch ein bisschen Plastik im Oberlippenbogen gesichert wird, ist ein ganz neues Berufsfeld entstanden: das der Vorweiner. Wer etwas auf sich hält, der oder die sucht sich einen Vorweiner aus, der einen nach dem eigenen Tod beweint. Zu finden sind dafür eher als genügend Bewerber, denn die Klimakatastrophe hat die Welt auch in einen Ort verwandelt, der nur noch wenig Lebensraum für Menschen bietet. Und somit sind massenweise Flüchtige unterwegs, die im noch bestehenden Resteuropa ihre Tränen gegen eine Heimat anbieten.

Ihr denkt, das klingt skurril? Es wird noch wilder und manchmal ist das lustig, dann schrecklich und im schlimmsten Fall abstoßend. Ich bin ehrlich, ich war zum
Ende hin schon sehr froh, dass es dann auch mal vorbei war mit dem Buch. Und verstanden hab ich ganz sicher auch nicht alles.

Stilistisch ist die Lektüre ebenfalls ein ungewöhnliches Vergnügen. Einige Elemente erinnern eher an eine Art Drehbuch und verbildlichen das Geschehen oder geben Zusatzinformationen, die, wie ich finde, nicht immer Sinn ergeben. Bov Bjerg spielt dabei geradezu mit der Sprache, was ziemlich Spaß machen kann aber manchmal hätte ich lieber einfach nur verstanden, was die Szene gerade soll.

Es ist wie ein Fiebertraum. Ein Fieberalbtraum.

Bewertung vom 03.09.2023
Die Lügnerin
Karig, Friedemann

Die Lügnerin


sehr gut

Ein Buch ganz nach meinem Geschmack. Innerhalb von zwei Tagen habe ich eine Geschichte inhaliert, die über zehn Jahre gebraucht hat, um fertig zu werden.

„Sind wir nicht genau das: die Summe der Geschichten, die wir anderen erzählen?“

Die Lügnerin ist gespickt mit philosophischen Fragen und eingebettet in einen Rahmen aus, naja, vielleicht dem Leben und Erleben von Clara Konrad oder jemand ganz anderem und eigentlich niemandem. „Rein ne va plus“, nichts gehts mehr, das denkt man sich beim Lesen ab einem gewissen Zeitpunkt ständig. Gespannt liest man einen Handlungsstrang, nur um sich sofort wieder fragen zu müssen, ist das auch alles nur Quatsch gewesen? Denn die Geschichte wird von der Protagonistin selbst erzählt und die ist eine notorische Lügnerin. Oft äußerst sie Beobachtungen über die Menschheit, die so wahr und richtig sind aber ihre eigene Identität bleibt ein einziges Fragezeichen.

Ist das zutiefst philosophisch und einfach nur verwirrend? Ich weiß es nicht. Ähnlich wie bei einer Detektivgeschichte habe ich sofort damit begonnen, den Fall Clara Konrad für mich zu lösen. Zum Ende hin bin ich aber nicht mehr sicher, ob es überhaupt um sie ging oder vielmehr einfach um die Verbindung zwischen Glaube und Wirklichkeit, zwischen menschlichen Wünschen, Ängsten und wie sie ihre Identität formen.

Ein Buch, das ich spannend finde, sogleich ich es auch nicht verstehe. Wer Gedanken dazu hat, ist herzlich dazu eingeladen, sie mit mir zu teilen.

Bewertung vom 03.09.2023
Die Einladung
Cline, Emma

Die Einladung


ausgezeichnet

Dieses Buch hat mir nicht nur gefallen, es hat mich ziemlich beeindruckt. Innerhalb von zwei Tagen sind die Seiten nur so dahingeflogen, da die Geschichte zum einen flüssig erzählt wird aber zum anderen auch spannend und mitreißend ist. Wie sonst bei Kriminalromanen oder Thrillern, hat sich mein Puls beim Lesen immer wieder beschleunigt. Mal vor Mitleid, mal vor Ekel, mal vor Schadenfreude oder Scham, dann wieder vor Wut oder Traurigkeit.

„Alex fühlte sich unwohl dabei, dass jemand so offenkundig nach Liebe verlangte, sich so in die Karten gucken ließ. Als wäre das so einfach, als sei Liebe etwas, das einem zustand, und nicht etwas, das mühsam verdient werden musste.“

Die Protagonistin lügt, betrügt und klaut. Sie tut es, um zu überleben und nicht, um sich zu bereichern. Ihre Suche nach Liebe ist dabei mehr eine Suche nach Geborgenheit, Sicherheit und Zugehörigkeit. Die Menschen, bei denen sie sich einnistet, sind auf ihre eigene Art schlecht und unglücklich mit all den Pools, die sie nicht nutzen, all den Kindern, um die sie sich nicht kümmern und all der Einsamkeit, die ihr Geld nur überdeckt wie mieses Make-Up.
Alex, die Antiheldin schlechthin, dabei zu begleiten, wie sie sich durch‘s Leben mogelt, ist amüsant wie den Schilderungen einer sympathischen Gaunerin zu folgen und gleichzeitig einfach tragisch.

Ein mitreißender Roman, über dessen Ende ich mich noch gerne austauschen möchte.

Bewertung vom 03.09.2023
Heartbreak
Bagci, Tarkan

Heartbreak


sehr gut

Eine nette Geschichte, die nicht nach Schema F verläuft. Ganz im Gegenteil zu Guilia Becker kann ich dem Autor aber nicht verzeihen, was auf Seite 69 passiert!
Mir gefiel der eingestreute Humor und auch die Gesellschaftskritik im Roman äußerst gut. Von den Hauptfiguren war mir nur Marie sympathisch, Toms Geschichte empfand ich als eher unangenehm. Dafür entwickeln sich beide aber toll und geben dem ganzen Auf und Ab einen schönen Ausklang.
Für sich selbst einstehen, Ängste überwinden, Vertrauen fassen können, Fehler eingestehen und kein rücksichtsloser Idiot zu sein. All‘ das sind schöne Botschaften, die Tarkan Bagci in Heartbreak vermittelt. Leid getan hat mir allerdings Sofia, ich möchte hier allerdings nicht Spoilern. Die charismatische italienische Hochzeitsgesellschaft hat das wieder einigermaßen gerettet, dennoch hat mir hier auch Einsicht seitens Tom und Marie gefehlt.