Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Zausel
Wohnort: Mühltal
Über mich:


Bewertungen

Insgesamt 5 Bewertungen
Bewertung vom 16.03.2012
Nie wieder achtzig!
Hildebrandt, Dieter

Nie wieder achtzig!


ausgezeichnet

Runde Geburtstage oder Jubiläen sind immer gute Gründe ein "Best of ..." auf den Markt zu werfen. Aber mal Hand aufs Herz würde jemand ein Buch mit einem so lanweiligen Titel kaufen? "Nie wieder achtzig!" dagegen läßt als Titel bewußt alles offen. Und wer dieses Buch kauft, weiß eigentlich was ihn erwartet. Da lauert keine auf Schenkelklopfer gierende Wortwitzansammlung a la Quatsch-Comedy-Club (obwohl auch das durchaus einen niveauvollen Unterhaltungswert haben kann). Hildebrandt schafft in meinen Augen den Spagat zwischen Sachbuch und anspruchsvoller Unterhaltung scheinbar mühelos. Nicht jeder traut sich so auf die Politik (speziell die bayrische) und deren Köpfe einzuschlagen wie er. Und wer einen Urlaub am Chiemsee plant, sollte das gedruckte Buch zuhause lassen und das Hörbuch vorübergehend aus dem Speicher seines Abspielgerätes entfernen. Sicher ist sicher. Jede einzelne Episode hat ihre Daseinsberechtigung. Und wenn manche auch schon 20 Jahre zurückliegen, so sind sie dennoch aktuell. Ändere die Namen und die Orte und schon passt es in die heutige Zeit. Gewiss, die behandelten Themen schreien eigentlich danach immer aktuell sein zu wollen: Gestaltungsspielraum bei den Arbeitslosenzahlen, Atomkraftdilettantismus in der Politik, Klimawandel, Pressefreihei, bayrische Ämterhackordnung (mühelos übertragbar auf alle hohen Ämter in allen Regierungen in allen Ländern dieser Erde), ...usw. Das ist Kabarett. Es ist nicht auf den schnellen, herzhaften Lacher aus. Da wird der Teppich unter den so manches gekehrt wird auch gerne mal etwas heftiger gelupft. Frustrierend kommt nur die Erkenntnis daher, dass auch das Aufdecken der Hilflosigkeit bei den Regierenden nicht zum Umdenken führt. "Nie wieder achtzig!" ist eine Fülle von teilweise erschreckenden Wahrheiten, kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Auf Seite 136 arbeitet Hildebrandt das mit dem genialen Satz "Man muß stark sein, um das alles auszuhalten und nicht zum Terroristen zu werden." mehr als treffend heraus. Einige Textstellen hätten mich als Autor/Verlag darüber nachdenken lassen ob es nicht besser gewesen wäre das Buch mit Beipackzettel und Altersbeschränkung zu versehen (was aber nicht negativ verstanden werden sollte). Hildebrandt ist aber nicht nur politisch. Ich finde ihn gut so wie er ist und der "Klappentext" auf der Rückseite des Taschenbuchs ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, so wahr die Satire helfe. Eigentlich schade, dass er nur einmal achtzig werden kann.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.03.2012
'Kann ich hier mal eine Sache zu Ende?!'
Klocke, Piet

'Kann ich hier mal eine Sache zu Ende?!'


weniger gut

Der Einband ist gut gelungen. Das Buch selbst beginnt auf Seite 7. Bis dahin wird man schon mal darauf eingestimmt, dass P.K. irgendwie eine Teilreinkarnation verschiedener Humoristen sein muss, die man nur kennen kann, wenn man selbst in der Altersklasse von Juppi Heesters ist. Es ist unverkennbar ...da wird eine gewisse Erwartungshaltung gefordert ...vom Leser. Und bitte ...man sollte Kunst auch erkennen, wenn man ihr begegnet! Ich gebe zu ...da scheint es bei mir ein kleines Defizit zu geben ...vielleicht ...aber ich hab davon noch nie etwas bemerkt ...jedenfalls nicht direkt. Also gut ...halbe Sachen kann doch jeder ...zumindest wenn er sich Mühe dabei gibt. Der geistige Gehalt ist hier wirklich Geschmackssache und taugt als Kriterium daher nur bedingt. Warum soll etwas schlecht sein nur weil mir der geistige Zugang fehlt? Aber: Den Leser (?) erwarten viele leere Zeilen (also nur zum gucken, nix zum lesen). Von den 216 Seiten mit Text sind 141 mit 0-8 Zeilen gefüllt. Die überwiegende Zahl (38 Seiten) mit 2 bedruckten Zeilen, 28 Seiten mit 3 Zeilen und 22 Seiten mit 4 Zeilen. Das ist arg gewöhnungsbedürftig und muss erstmal verdaut werden. Ich behaupte hier und jetzt, dass sich auf den Freiflächen mühelos der Plot für die Fortsetzung von "Ferkeln im Sturm" unterbringen lässt (auch wenn man nur halbwegs kreativ ist). Wenn es knapp wird bieten die 70 Seiten mit einem bis drei Bildern und unterschiedlich wenig Text noch Reserveflächen. Von den insgesamt 216 Textseiten sind 15 mit 30-32 Zeilen wirklich so voll, dass man nur noch zwischen den Zeilen schreiben kann. Na bitte ...geht doch! ...Obwohl ...die makellose CO2-Bilanz für ein gedrucktes Buch sieht anders aus. Wer, wie ich, durchhält bis zum Schluß, hat eigentlich eine Urkunde verdient. Allerdings lässt mich seither die Sorge um den Autor nicht mehr ruhig schlafen. Ich kann nicht sagen ob solch ein Zustand ...(nein, nicht meiner) ...therapierbar ist. Nur eines ist mir klar: Von den Substanzen zweifelhaften Ursprungs, die der Autor in früher Kindheit sicherlich unbewusst zu sich genommen haben muss und an deren Spätfolgen er heute zweifelsohne reichlich erfolglos laboriert, möchte ich keine einnehmen müssen, um ihm auf seinem ungewissen Weg ins Was-auch-immer-und-wohin-auch-immer folgen zu können (den Satz nehme ich, sofern der Autor das wünscht, natürlich vollumfänglich zurück). Positiv ist für mich, dass ich trotz des relativ hohen Kaufpreises dennoch viel Geld gespart habe. Da ich ein geplantes Live-Event mit P.K. nicht unbeschadet überstehen würde, habe ich mir definitiv die Ausgaben für zwei Eintrittskarten gespart.
Zwei wirklich geniale Sätze habe ich gefunden, die sich auf zwei weitestgehend leeren Seiten verloren haben. Der Autor möge mir die Zitate erlauben: "Angefangene Sätze sind das halbe Leben" (Seite 75) und "In jedem noch so großen Chaos steckt immer auch ein Fünkchen Hoffnungslosigkeit" (Seite 141). Danke dafür! Umso erstaunlicher finde ich, dass es die Zote: "Das Nashorn nimmt beim Vorspiel das Weibchen aufs Horn und bläst mehrfach kräftig hinein" (Seite 250) geschafft hat an der Zensur des guten Geschmacks vorbei zu schlüpfern. Spätestens die übernächste Generation wird das nicht mehr nachvollziehen können, weil es dann wahrscheinlich schon keine Nashörner mehr geben wird (also noch ein Witz auf Kosten einer Minderheit).
Fazit: Wem 12,99 Euro für ein teilweise bedrucktes Notizbuch nicht zu viel sind, der kann getrost zugreifen (vorausgesetzt er kann den vielfachen Anblick der Brille des Autors ohne Autor in Bildform ertragen). Allen Anderen sei der Weg ins Schreibwarengeschäft empfohlen. Dort gibt es komplett leere Notizbücher zu günstigeren Preisen. Für alle, die zugreifen und merken, dass ihre eigenen Humorantennen auf eine andere Empfangswellenlänge ausgerichtet sind, sei gesagt, dass die Ausgabe nicht als therapiebegleitender Medikamentenersatz von der Krankenkasse übernommen wird.
Bitte schlagen Sie nicht Ihren Buchhändler!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.