Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: La novelera
Danksagungen: 4 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 55 Bewertungen
Bewertung vom 18.02.2019
Muttertag / Oliver von Bodenstein Bd.9
Neuhaus, Nele

Muttertag / Oliver von Bodenstein Bd.9


ausgezeichnet

Es ist der nunmehr neunte Fall für Pia Sander und Oliver Kirchhoff, den die beiden gemeinsam lösen müssen. Für mich persönlich der allerspannendste! Mit großer Erwartung haben wohl alle Nele Neuhaus Fans auf die Fortsetzung der Reihe gewartet – und sind nicht enttäuscht worden!

Ein alter Mann wird tot in seinem Haus aufgefunden. Aufgrund diverser Umstände wird nach und nach klar, was sich hinter dem Leben des Toten verborgen hat. Da geht es um ein Kinderheim mit vielen schwer erziehbaren Kindern und Jugendlichen und den Erziehungsmethoden der seit längerem spurlos verschwundenen Ehefrau des Toten, den Kindern selbst, die nun Erwachsene sind, sich aber gut an ihren Aufenthalt im Heim erinnern können und vieles mehr. Es treten sehr viele Personen auf die Bühne und die Autorin versteht es, ein komplexes Geflecht an Handlung und Zusammenhängen aufzubauen. Trotzdem behält man den Überblick!

Ich muss sagen, ich war begeistert! Der Krimi war von Anfang an spannend, aber irgendwann konnte ich wirklich nicht mehr aufhören zu lesen. Erst als mir der Spannung wegen ein Schauer über den Rücken lief, merkte ich, dass mein Badewasser komplett kalt geworden war. ;) Der Leser stellt zwar Vermutungen an, wer der Mörder gewesen sein könnte, verwirft aber eigene Ideen während des Lesens und ist am Ende doch überrascht.

Die beiden Kommissare kennt man natürlich schon recht gut, wenn man die anderen Bände von Nele Neuhaus kennt und ich mag auch immer die Stellen, an denen aus ihrem Leben berichtet wird, auch wenn dies in diesem Band so ziemlich in den Hintergrund tritt, besonders was Oliver betrifft. Es fühlt sich an, als würde man alte Bekannte wieder treffen.

„Muttertag“ ist ein durch und durch gelungener und gut durchdachter Krimi, für den man sich einige Stunden Zeit am Stück nehmen sollte, weil es wirklich schwerfällt, ihn wegzulegen. Ich freue mich bereits jetzt auf die Fortsetzung!

Besonderes Lob: Verzicht auf Plastemüll für unsere Umwelt, das Buch ist nicht in Folie verpackt.

Bewertung vom 15.09.2018
Königskinder
Capus, Alex

Königskinder


sehr gut

Das schmale Bändchen „Königskinder“ beginnt mit den Ereignissen eines winterlich stürmischen Abends in den Bergen. Nachdem Max und Tina, ein Ehepaar mittleren Alters, unvernünftigerweise eine wegen des Wetter gesperrte Passstraße genommen haben, bleiben sie mit dem Auto im Schnee stecken und sind nach kurzer Zeit eingeschneit. Auf den ersten Seiten hat man die beiden als „diskutierfreudig“ kennengelernt. Sie reden und reden ohne Unterlass über Banales und schaukeln sich gegenseitig hoch. Nun denn. Die Geschichte der beiden bildet den Rahmen um eine weitere Erzählung. Max beginnt nämlich zu erzählen, die Geschichte des Viehhirten Jakobs und Marie, in die er sich unsterblich verliebt und von der er nicht mehr lassen möchte. Der Leser wird von Max auf eine Reise in die Vergangenheit mitgenommen.
Durch verschiedenste Umstände verschlägt es Jakob an den Hof Ludwigs XVI. und später auf das „Gehöft“ von dessen Schwester.
Ein erstaunliches Buch! Max und Tina gingen mir nach kurzer Zeit ehrlich gesagt etwas auf die Nerven ob der langen Dialoge, die sich immer wieder um Kleinigkeiten drehten, die die beiden ewig diskutierten. Ich habe sie als ein „typisches“ Durchschnittspaar interpretiert und vielleicht sollte es auch genau so sein, denn viel spannender und wichtiger ist die Geschichte um Jakob und Marie, die sich ziemlich verrückt anhört. Selbst Tina fragt immer wieder zweifelnd nach, ob sich dies denn alles so zugetragen hat.
Jakob und Marie gelingt es nach vielen, vielen Jahren des Wartens endlich gemeinsam in der „besten aller Welten“ zu leben, die die Schwester des Königs Ludwig XVI. ganz in der Nähe von Schloss Versailles geschaffen hat. (Es lohnt sich zu lesen, wie diese „Welt“ genau aussieht!)
Nun endlich sind sie zusammen, was das allerwichtigste für die beiden ist. Doch das ist nicht das Ende der Geschichte…
Ich habe das Buch mit gemischten Gefühlen beendet. Einerseits fand ich die „Irrungen und Wirrungen“ aufregend und spannend, aber als die erwartete großartige Liebesgeschichte habe ich es leider nicht empfunden. Deshalb von mir „nur“ vier Sterne.

Bewertung vom 15.09.2018
Ein unvergänglicher Sommer
Allende, Isabel

Ein unvergänglicher Sommer


ausgezeichnet

Die Wege des Schicksals sind oft verschlungene Pfade und so finden die Protagonisten Lucía, Evelyn und Richard auf ungewöhnliche Weise zusammen und erleben ein gemeinsames Abenteuer.

Als in Brooklyn ein Schneesturm tobt, kommt es zu einem Auffahrunfall zwischen dem Universitätsprofessor Richard und der Guatemaltekin Evelyn. Das wäre kein großes Drama, stünde die junge Frau nicht am Abend vor Richards Tür - mit einer Leiche im Kofferraum und keiner Ahnung wohin sie soll. Papiere hat sie nicht, da sie vor vielen Jahren auf illegalen Wegen ins Land eingereist ist.

Richard ist mit der Situation heillos überfordert und wendet sich an seine chilenische Untermieterin Lucía, die einen kühlen Kopf bewahrt und sich der Situation stellt. Bereits hier zeigt sich, welch starken Charakter die Frau besitzt. Nichts scheint sie aus der Ruhe zu bringen, souverän stellt sie sich dem, was auf sie zukommt. Sicher ist dies auch der Tatsache geschuldet, dass sie in ihrem Leben schon so einiges durchlitten hat. Vieles hat sie stark gemacht.

Von nun an beginnt für die drei völlig unterschiedlichen Menschen eine Art Roadtrip mit dem Ziel, die Leiche im Kofferraum irgendwie unbemerkt loszuwerden.

Auf dieser Reise lernen die drei sich untereinander und auch wohl selbst besser kennen. Denn im Vordergrund stehen eher die Lebensgeschichten der drei, die eng verwoben sind mit der Geschichte Chiles und Guatemalas, woher die beiden Frauen kommen.

Allende gelingt es wieder einmal, diese lateinamerikanischen Länder beim Lesen vor den Augen des Lesers aufsteigen zu lassen. Man meint die typischen Gerüche und Farben wahrnehmen zu können, die man aus diesen Ländern kennt.
Der Leser versteht auch die Hintergründe von Richards Charakterzügen – neurotisch, etwas schwierig, eigenbrötlerisch. In seinem „ersten Leben“ in Brasilien hat er schwere Schuld auf sich geladen.

Besonders gut gelungen finde ich das Nachzeichnen der Charaktere. Am Ende hatte ich das Gefühl, die drei ziemlich gut zu kennen, weil ich ihre Lebensgeschichte kannte und besser verstand, warum sie sind, wie sie sind. Das hat mich sehr beeindruckt. Die Vordergrundhandlung tritt im Nachhinein gesehen eigentlich in den Hintergrund und das Kernstück sind drei ganz besondere Menschen.

Ein gelungener Roman, den man auf jeden Fall weiterempfehlen kann!

Bewertung vom 15.09.2018
Helle Tage, helle Nächte
Baier, Hiltrud

Helle Tage, helle Nächte


ausgezeichnet

"Helle Tage, helle Nächte" erzählt auf wunderschöne Weise die gemeinsame Geschichte von zwei unterschiedlichen Frauen.
Als Anna erfährt, dass sie Krebs hat, ist es ihr ein Herzensanliegen, die große Lüge ihres Lebens aufzudecken und den betreffenden Personen reinen Wein einzuschenken. Aus diesem Grund schickt sie ihre Nichte Frederike mit einem geheimnisvollen Brief nach Lappland, den sie persönlich einem Fremden übergeben soll.
Nach dem Tod ihrer Schwester und deren Mann ist Frederike wie eine Tochter bei Anna aufgewachsen. Nun, viele Jahre später, sorgt sich Frederike um ihre Tante Anna und stellt sich der Aufgabe, obwohl sie nicht versteht, warum es Anna so wichtig ist. Unterwegs ist sie sowieso gerade, da sie nach ihrer Scheidung mit einem Bus durch Europa fährt um sie über einige Dinge klar zu werden. Sofort ist sie zur Stelle, als ihre Tante sie braucht. Doch auf ihrer Reise fragt sie sich mehr als einmal, wer dieser Petter ist, dem sie den Brief bringen soll und was Sinn und Zweck des Ganzen ist.
Der Autorin ist es gelungen eine spannende Geschichte zu schreiben! Als Leser grübelt man während des Lesens über die Zusammenhänge und das große Geheimnis, das am Ende gelüftet wird. Herrlich zu lesen sind auch die Naturbeschreibungen, sowohl in den Bergen Süddeutschlands als auch auf Frederikes Reise in den Norden und schließlich bei ihrer Ankunft in Lappland.
Durch die Rückblenden in Annas Leben versteht man nach und nach, was Anna auf dem Herzen liegt und empfindet Mitleid für die Frau, allerdings hinterfragt man auch kritisch ihr Handeln und ob es nicht andere Möglichkeiten gegeben hätte, dieser Lüge aus dem Weg zu gehen.
Fazit: Ein wunderschönes Buch, das in eine andere Welt eintauchen lässt – besonders in die Weite Lapplands.

Bewertung vom 11.07.2018
Wie man die Zeit anhält
Haig, Matt

Wie man die Zeit anhält


sehr gut

Meine Erwartungen an Matt Haigs neues Buch waren sehr hoch, da „Ich und die Menschen“ vom selben Autor zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählt.
Ich wurde alles andere als enttäuscht, denn Matt Haig ist es auch mit diesem Buch wieder gelungen, ein Meisterwerk vorzulegen.

Tom Hazard scheint von seinem Umfeld als Durchschnittstyp wahrgenommen zu werden, dabei ist er ganz anders als jeder Normalsterbliche. Er ist über vierhundert Jahre alt und hat in vielen namhaften Epochen gelebt. „Reisender in der Zeit“ kann man ihn wohl nennen. Und manch einer wird neidisch oder bewundernd auf das Erlebte schauen. Doch was Tom prägt, sind auch Melancholie und andauernder Weltschmerz, da ihm doch das wichtigste auf der Welt verwehrt bleibt-er darf sich nicht verlieben. Der Verlust einer Liebe aus frühesten Tagen hängt ihm auch nach mehreren Jahrhunderten noch an und lässt ihn nie zur Ruhe kommen. Doch dann lernt er Camille kennen und alles wird anders...

Die Hauptfigur Tom kennenzulernen ist für den Leser ein Geschenk! Er ist so ein sanfter, nachdenklicher Mann, der für das kämpft, was er liebt. Es ist ganz wunderbar ihn im Rückblick durch die Epochen seines Lebens begleiten zu können. Wie prächtig Matt Haig dies alles erzählt, man meint es greifen zu können. Man leidet und freut sich mit Tom und vergießt am Ende vielleicht sogar eine Träne, einfach, weil das Buch so wunderschön ist.

Bewertung vom 11.07.2018
Als die Tage nach Zimt schmeckten
Bijan, Donia

Als die Tage nach Zimt schmeckten


sehr gut

Der Titel des Buches hat mich sofort angesprochen. Zimt verbinde ich mit Gemütlichkeit und Wohlbehagen. Und irgendwie auch mit dem Orient, mit Speisen, die mit Zimt gewürzt werden.
Schnell erkennt man im Buch den Zusammenhang. Die aus dem Iran stammende Noor lebt seit vielen Jahren in den Vereinigten Staaten, wo sie ihr Vater noch nicht ganz volljährig hinschickte, um ihr ein besseres Leben zu ermöglichen.
Als sie erfährt, dass ihr Mann sie betrügt, kehrt sie kurzerhand mit ihrer Tochter Lily in ihr Heimatland zurück - zu ihrem Vater, der fast schon im Sterben liegt und dem Café Leila, das ihre Großeltern aufgebaut und auch durch die schwierigen Zeiten der Revolution gebracht haben. Es ist weiterhin ein Treffpunkt für Alt und Jung.
Ihre pubertierende Tochter ist wenig begeistert von der Reise und will so schnell wie möglich wieder nach Hause. Für Noor ist es eine belastende Situation - die Trennung von ihrem Mann, ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Tochter und die Rückkehr in ihre Vergangenheit, die alles andere als einfach ist.
Das Buch erzählt von der Vergangenheit der ganzen Familie Yadegar und der Gegenwart, über das, was vom Café Leila und den Menschen darin übrig geblieben ist.
Das Buch hat mir insgesamt gut gefallen und ließ sich angenehm lesen. In die Erzählung eingestreut waren immer wieder Weisheiten über das Leben, die zum Nachdenken anregen. Den Wechsel von Vergangenheit und Gegenwart hätte man vielleicht noch besser strukturieren können, beim Lesen hat mir ein wenig der rote Faden gefehlt. Was ich von Noor halten soll, weiß ich im Nachhinein nicht so ganz, da ich ihr Verhalten teilweise als widersprüchlich empfunden habe.
Besonders herausheben möchte ich die Passagen, in denen über die persische Küche berichtet wird. Voller Leidenschaft wird von Gerichten, Gewürzen und Gerüchen erzählt. Auf vielen Seiten läuft einem das Wasser im Mund zusammen.

Ich vergebe vier Sterne für ein Buch, das einen in eine andere Welt mitnimmt und ein schönes Leseerlebnis bereitet.

Bewertung vom 25.03.2018
Die Eishexe / Erica Falck & Patrik Hedström Bd.10
Läckberg, Camilla

Die Eishexe / Erica Falck & Patrik Hedström Bd.10


ausgezeichnet

Patrik Hedström und Erica Falck ermitteln wieder! Das sympathische Paar bekommt es dieses Mal mit einem besonders schlimmen Fall zu tun. Ein vierjähriges Mädchen verschwindet vom Hof seiner Eltern – genau wie es vor 30 Jahren bereits geschehen ist. Patrik ermittelt als Polizist und Erika im Hintergrund als Schriftstellerin, die der Polizei stets mit wichtigen Erkenntnissen im Rahmen ihrer Recherchen zur Seite steht – ein tolles Team!
Wieder einmal ist es Camilla Läckberg gelungen, einen wahnsinnig spannenden Krimi zu schreiben. Nachdem mir der Vorgänger des Buches, die „Schneelöwin“ wider Erwarten nicht so gut gefallen hatte wie die anderen Fälle, bin ich von dieser Geschichte wieder begeistert und habe das Buch innerhalb weniger Tage verschlungen.
Typisch für die Autorin findet man im Buch wieder verschiedene Zeitebenen, deren Zusammenhänge am Ende erklärt werden. Außerdem gibt es unglaublich viele Handlungsstränge, die Aufmerksamkeit beim Lesen fordern, was mir persönlich sehr gut gefällt.
Der Leser grübelt bis zum Ende, wer der Mörder gewesen ist und staunt dann ob der Zusammenhänge, die sich ergeben und nicht erahnt werden konnte. Ein unglaublich vielschichtiger Roman mit einer komplexen Personenkonstellation.
Interessanterweise wird auch die Migrationsproblematik in Schweden mit in den Roman eingebunden, was dem ganzen Geschehen noch mehr Aktualität verleiht.
Fazit: Ein äußerst gelungener Kriminalroman, wie man sie von Camilla Läckberg kennt. Voll verdiente 5 Sterne!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.03.2018
Ein mögliches Leben
Köhler, Hannes

Ein mögliches Leben


sehr gut

Das Buch „Ein mögliches Leben“ von Hannes Köhler lädt zunächst durch sein interessantes Cover zum Lesen ein: zu sehen ist eine mit grauen Wolken verhangene Landschaft, die um 90 Grad gedreht ist – passend zum Titel. Und die erzählte Geschichte handelt von einem Leben, das anders hätte verlaufen können, wenn verschiedene Dinge anders verlaufen wären.
In der Gegenwart ist Martin, über den Sommer arbeitsloser Lehrer und Vater eines kleinen Mädchens, mit deren Mutter er nicht zusammenlebt, auf dem Weg nach Amerika, gemeinsam mit seinem Großvater Franz, der in den 40er Jahren in amerikanischer Kriegsgefangenschaft gelebt hat. Es ist eine Reise in die Vergangenheit des Großvaters, der Orte besuchen möchte, die ihn geprägt haben. Er verfolgt seine eigenen Spuren, um sich über verschiedene Dinge bewusst zu werden und seine Erfahrungen an den Enkel weiterzugeben.
Die Geschichte verläuft auf verschiedenen Ebenen: die Zeit der Kriegsgefangenschaft, die Gegenwart mit Franz‘ Enkel und dann ist da noch die Zeit nach der Reise, in der auch Martins Mutter eine Rolle spielt, die kein besonders gutes Verhältnis zu ihrem Vater hat. Auch darüber erfährt der Leser mehr.
Es ist eine tiefgründige und vielschichtige Geschichte, die hier erzählt wird. Sie handelt von Freundschaft, Liebe, verpassten Gelegenheiten und dem zum Teil wehmütigen Rückblick auf ein Leben, das für den betagten Franz bald zu Ende gehen wird. Der erste Teil der Beschreibung der Kriegsgefangenschaft war mir irgendwann etwas zu langwierig, doch gerade im rechten Moment fand ein Wechsel in die Gegenwart statt und machte die Geschichte wieder spannend. Der zweite Teil hat mir dann besser gefallen und an Spannung zugenommen.
Ein kluges und schönes Buch, das zum Nachdenken anregt und in der Seele nachklingt.

Bewertung vom 16.07.2017
Das Panama-Erbe
Aernecke, Susanne

Das Panama-Erbe


gut

Panama - ein Land, über das man nicht besonders viel liest- gehört es doch zu den unbekannteren Lateinamerikas. Umso spannender, wenn es in einem Roman vorkommt. Der Titel weckte Interesse bei mir, da ich das Land auch selbst kenne.

Die Harvard-Studentin Sina Saratoga soll einmal das größte Bankenimperium Lateinamerikas von ihrem Großvater erben. Dem steht zunächst nichts im Wege, ist sie doch eine hochintelligente und erfolgreiche junge Frau. Doch als sie von ihrem Verlobten Felipe einen Stoffesel geschenkt bekommt, werden verloren geglaubte Erinnerungen an ihre Kindheit geweckt und Sina bricht aus ihrem geordneten Leben aus, um sich auf die Suche nach ihren Wurzeln zu machen. Diese Suche wird weitreichender als gedacht. Sie stößt auf Amakuna, einen Heilpilz des Kuna-Volkes, der indigenen Bevölkerung Panamas. Plötzlich dreht sich ihr Leben um 180 Grad. Was hat ihre eigene Geschichte mit Amakuna zu tun?

Auf einer zweiten Zeitebene lernt der Leser den jungen Arzt Tamanca kennen, der zur Zeit der Konquistadoren lebt und ebenfalls mit dem Pilz in Berührung kommt. Sowohl Sina als auch Tamanca müssen den Pilz schützen, damit er nicht in die falschen Hände gerät. Dabei kommt es durch Amakuna selbst zu einer Verbindung der beiden durch die Zeit und die Geschichte scheint sich zu wiederholen.

Die Leseprobe war sehr viel versprechend und es schien eine spannende Geschichte zu werden, besonders des Schauplatzes wegen. Die Darstellung der Kuna finde ich sehr gelungen. In keinem anderen Land habe ich die indigene Bevölkerung so zurückhaltend, ja sogar abweisend gegenüber Weißen erlebt wie in Kuna-Yala - meiner Meinung nach zurecht!
Im Ansatz fand ich die Idee um Amakuna interessant. Was wäre das für eine Welt, in der alle Krankheiten geheilt werden könnten? Die Protagonisten Sina und Tamanca fand ich sympathisch, wobei mir die beiden in gewisser Weise auch fremd geblieben sind, richtig in sie hineindenken konnte ich mich nicht.
Leider empfand ich das Buch später beim Lesen dann auch als sehr langatmig und viele Teile konstruiert und vorhersehbar. Das hat mir das Lesen sehr erschwert und leider habe ich dann die Lust verloren, es zog sich.

Fazit: Ein Roman mit einem interessanten Ansatz und Schauplatz, der sich später jedoch sehr in die Länge zieht. Deshalb nur drei Sterne von mir!

Bewertung vom 20.06.2017
Demnächst in Tokio
Seewald, Katharina

Demnächst in Tokio


ausgezeichnet

"Demnächst in Tokio" von der Autorin Katharina Seewald nimmt den Leser mit in die Jahre des Naziregimes. Die 18-jährige Elisabeth wird ungefragt von ihrem extrem dominanten Vater mit dem viel älteren Ernst Wilhelm verheiratet, einerseits zum geschäftlichen Vorteil des Vaters, andererseits benötigt Ernst Wilhelm aus politischen Gründen dringend eine Frau. Für Elisabeth bricht zunächst eine Welt zusammen. Und dann erfährt sie zu allem Überfluss noch, dass ihr gemeinsamer Weg sie nach Tokio führen wird, da Ernst Wilhelm dort einen Posten im diplomatischen Dienst übernehmen soll.
Ihr Leben wird ganz plötzlich umgekrempelt und während in der Welt die Nazis und der Krieg toben, lebt Elisabeth in Tokio wie in einem schützenden Kokon. Ihre Ehe mit Ernst Wilhelm ist unspektakulär, aber nicht unangenehm, bleibt jedoch ohne körperliche Nähe. Und dann taucht da noch Alexander, ein alter Freund von Ernst Wilhelm, auf, der eine große Rolle für ihr Leben spielen wird. Doch wer ist der geheimnisvolle Mann wirklich?
Ein wunderbares Buch! Anhand des Einzelschicksals von Elisabeth erfährt der Leser sehr viel über die Politik der damaligen Zeit und das Naziregime wird aus einem ganz anderen Blickwinkel deutlich. Was in den Nachrichten zu den im Ausland lebenden Deutschen dringt, scheint längst nicht das zu sein, was wirklich passiert ist. Außerdem wird Elisabeths Weg spannend und voller Mitgefühl erzählt, man kann sich gut in sie hineinversetzen und liebt und leidet mit ihr mit.
„Demnächst in Tokio“ ist ein äußerst empfehlenswertes Buch, bei dem man viel über die Geschichte Deutschlands und die damaligen Beziehungen Japans lernt, sich aber gleichzeitig mit der persönlichen Geschichte einer jungen Frau konfrontiert sieht. Spannend – und hält so manche Überraschung für den Leser bereit.