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Benutzername: Hans Peter und Barbara
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Bewertungen

Bewertung vom 08.08.2010
Das Ende der Geduld
Heisig, Kirsten

Das Ende der Geduld


ausgezeichnet

Ausgezeichnetes Buch!

Frau Heisig machte deutlich, dass wir die Straftaten selbst hervorbringen und zwar durch Untätigkeit und Träumerei.

Dagegen helfen Anpassungen wie die von ihr initiierte Prozessbeschleunigung (Neuköllner Modell) und weitergehende Maßnahmen, über die sie als Richterin nicht mehr befinden wollte.

Es gibt die Meinung, dass wir unsere Probleme erst lösen, wenn wir aufhören auf andere zu zeigen und stattdessen auf uns selbst verweisen. Dieser Ansatz mag aufrichtig gemeint sein, aber er missversteht Frau Heisig, weil sie über Straftaten schrieb, die man unterschiedlich beurteilen kann, die aber nicht die Möglichkeit zulassen, von einer strafrechtlichen Prüfung abzusehen und stattdessen spirituell die Schuld bei sich selbst zu suchen.
Das Verdienst der Frau Heisig bestand ja gerade darin, dass sie durch rasche Strafverfahren einen erheblichen erzieherischen Effekt erreichen konnte – dies bedeutet im Umkehrschluss, dass bisher die kriminellen Karrieren durch eine zu späte strafrechtliche Verurteilung der Jugendlichen erheblich begünstigt oder sogar aktiv verursacht wurden. Weil somit die bisher unzureichende Reaktion auf die von Frau Heisig beschriebenen Verhältnisse die Ursache der Straftaten war, sind weitergehende Strukturreformen, die noch nachhaltiger und effektiver unter anderen die von Frau Heisig erwähnten kriminellen Familien von ihrer bisherigen Lebensweise abbringen, im allgemeinen Interesse. Die Option der Verantwortungs- und Handlungsverweigerung gibt es für den Staat nicht – Diskussionsbedarf gibt es aber bei der Frage der besten Strategie und diesbezüglich müssen wir lernfähig bleiben.

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