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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: isaba
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Bewertungen

Insgesamt 32 Bewertungen
Bewertung vom 06.10.2021
Stadt des Zorns
Meller, Marc

Stadt des Zorns


sehr gut

Starker Teil 2 des Escape Abenteuers

Marc Meller schafft es zum zweiten Mal, einen wahren Pageturner vorzulegen. "Stadt des Zorns" schließt perfekt an den Vorgängerroman "Raum der Angst" an und lässt den Leser erneut in die Welt des Psychopaten Janus eintauchen.

Zum Ende des ersten Escape Spiels konnte Janus entkommen und taucht nun nach 9 Monaten erneut auf, um sein Spiel fortzuführen. Dieses Mal ist nicht nur ein altes Gemäuer, sondern eine ganze Stadt sein Ziel. Auch hier nimmt er Hannah ins Visier, die ihm die Stirn geboten hatte und ihm ebenbürtig scheint. Auch der Ermittler Kappler ist wieder Teil der Story und nimmt dieses Mal eine größere Rolle ein.

Der Leser folgt in kurzen Kapiteln wechselnd Hannah bei ihrem Versuch, Janus´ Spiel zu verstehen und ihn so aufzuspüren und Kappler, der vor allem seinen Schützling Hannah finden will und alles daran setzt, Janus aufzuhalten.

Die Story beginnt ein wenig zaghaft, nimmt dann aber sehr schnell an Fahrt auf. Die Szenerie im lahmgelegten Köln wirkt sehr unheimlich und man fiebert mit den Protagonisten mit. Die Figuren sind sympathisch, allerdings bleiben sie auch ein wenig flach.

Insgesamt bleibt die Spannung über die gesamte Geschichte auf einem hohen Level und man kann das Buch kaum aus der Hand legen. Es geht zwar hier nicht mehr so deutlich um das Prinzip eines Escape Rooms, dennoch macht es Spaß, das Rätselraten von Janus Spielfiguren zu beobachten und mitzufiebern.

Der erste Teil hat mir ein wenig besser gefallen und ich empfehle es, diesen auch vorab zu lesen, um die Stadt des Zorns besser nachvollziehen zu können. Dann macht der Thriller allen Fans des Genres sicherlich viel Spaß und bietet rasante Lesestunden.

Bewertung vom 22.09.2021
Der Gesang der Berge
Qu_ Mai, Nguy_n Phan

Der Gesang der Berge


ausgezeichnet

Vietnamesisches Familienepos
Mit "Der Gesang der Berge" von Nguyen Phan Que Mai ist eine absolute Literaturperle erschienen. Das Buch hat alles, was eine wirklich gute Geschichte braucht, um lange im Gedächtnis zu bleiben.

Die Geschichte wird auf 2 Ebenen parallel erzählt: eine Storyline spielt in den Jahren 1930 - 1965. Die erzählende Protagonstin hier ist die 1920 geborene Dieu Lan. In den Jahren 1972 - 1979 wird die Geschichte von ihrer Enkelin Huong weitererzählt. Beide führen den Leser durch die furchtbaren Jahre des Krieges für das vietnamesische Volk. Das Buch beginnt gleich sehr eindringlich mit der Flucht von den beiden Frauen vor fallenden Bomben auf Hai Noi im Jahr 1972 und führt von da an durch die Wirren der Kriege.

Die Figuren sind sehr detailverliebt und liebenswert gestaltet, so dass der Leser sofort eingenommen ist und mit den Erlebnissen der beiden starken Frauen mitfühlt. Vor allem die Grußmutter hat mich sehr beeindruckt und mitfühlen lassen. Die Geschichte ist getragen von großer Emotion, woran die Protagonisten einen seht großen Anteil haben. So grausam die Kriege das Leben werden lassen, so gefühlvoll und zugleich kämpferisch gehen Dieu Lan und Huong ihren Weg. Die Sprache ist schnörkellos sachlich und doch poetisch. Das ist wirklich große schriftstellerische Kunst.

Darüber hinaus punktet das Buch mit dem Grundthema: Für mich war Vieles aus der vietnamesischen Geschichte ganz neu und ich konnte einige Wissenslücken schließen. Grundsätzlich sind Romane mit historischem Kern immer ein besonderes Leseerlebnis und da hier mal ein ganz anderes Setting hinter der Geschichte steht, steigert dies den Spaß am Buch umso mehr.

Selten bekommt man ein Buch in die Hände, bei dem man ohne große Erwartungen in die Story einsteigt und dann so sehr begeistert wird, wie man es hervor nicht hätte ahnen können. So ein Buch ist "Der Gesang der Berge", eine echte Perle für mich in diesem Jahr.

Bewertung vom 08.09.2021
Pacific Crest Trail Killer (eBook, ePUB)
Piskulla, Christian

Pacific Crest Trail Killer (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Menschliche Abgründe auf dem PCT
Mit "Pacific Crest Trail Killer" hat Christian Piskulla einen hochspannenden und vielschichtigen Thriller der Extraklasse vorgelegt, der mich sehr gut unterhalten und zum Nachdenken angeregt hat.

Der Ex-Militärpolizist Mark Stetson erfüllt sich einen Traum und wandert auf dem legendären Pacific Crest Trail durch die amerikanische Wildnis. Zufällig ist er zur falschen Zeit am falschen Ort: Mitten auf dem Trail wird eine verbrannte weibliche Leich gefunden und das hinzugezogene FBI rekrukriert ihn kurzerhand für eine Undercover-Jagd nach dem Killer. Er soll den Weg weiter gehen und den Killer ausfindig machen, der schon bald wieder und wieder zuschlägt.

Im Laufe der Story folgt der Leser diversen Figuren: Mark Stetson, dem Hauptermittler Cortez, dem Killer selbst sowie vielen Wanderern und Ermittlern, die auch außerhalb des Trails unterwegs sind. Die Kapitel sind recht kurz und die Perspektive wechselt häufig. So entsteht eine große Sogwirkung, die den Leser mitzieht und das Gefühl vermittelt, selbst auf dem Trail unterwegs zu sein. Zudem entwickelt sich die Story überraschend vielschichtig, thematisiert viele gesellschaftliche Themen und geht somit weit über einen klassischen Thriller hinaus. Der Autor übt deutliche Kritik am amerikanischen System und gibt dieser in der Geschichte auch sehr viel Raum. Dies stört jedoch den Lesefluss überhaupt nicht, sondern sorgt ganz im Gegenteil dafür, dass sich die Geschichte von anderen abhebt und in Erinnerung bleibt.

Zudem steckt die Handlung voller Wendungen und war für mich immer völlig unvorhersehbar. Der Schreibstil ist bildreich und flüssig und die Figuren kommen für mich sehr authentisch und nachvollziehbar daher.

Für alle Wanderer, Thrillerfans und Leser, die das Besondere in einem klassischen Thriller lieben, empfehle ich den "Pacific Crest Trail Killer" unbedingt. Trotz der teilweise recht heftigen Beschreibungen im Laufe des Buches ist es doch gleichzeitig auch Werbung für die wunderschöne amerkanische Natur und man bekommt Lust, den PCT selbst einmal live zu erleben.

Bewertung vom 30.08.2021
Tote schweigen nie / Raven & Flyte ermitteln Bd.1
Turner, A. K.

Tote schweigen nie / Raven & Flyte ermitteln Bd.1


ausgezeichnet

Cassie Raven ist besser als jeder Cop!
Unfassbar gut! So kann man den Thriller "Tote schweigen nie" an A.K. Turner am allerbesten zusammenfassen. Die Story um die Pathologie-Assstentin Cassie Raven ist mit aller schriftstellerischer Kunst ausgearbeitet und bietet 5-Sterne-Lesefreude. Gerade weil es mal kein Cop ist, der hier "ermittelt", sondern die Geschichte aus einer ganz anderen Perspektive erzählt wird.

Cassie Raven ist jung und außergewöhnlich... und mit ihrer Vorliebe für den Gothic-Look und der Liebe zu ihrem makaberen Job von vielen Mitmenschen sogleich in eine Schublade gesteckt. Sie wächst bei ihrer Oma auf, da ihre Eltern in ihrer frühsten Kindheit bei einem Unfall ums Leben kamen. Zunächst findet sie keinen Weg ins gesellschaftliche Leben in London, bis eine zufällige Bekanntschaft sie dazu bewegt, ihr Leben in die Hand zu nehmen. So folgt sie ihrer Berufung und wird Assistentin der Pathlogie in der Leichenhalle von London Camden. Als besagte Bekanntschaft Geraldine Edwards, von ihr liebevoll Mrs E genannt, in die Leichenhalle gebracht wird, will die sanftmütige Cassie nicht glauben, dass es sich um einen Unfall handelt und beginnt selbst zu ermitteln.

Dies ist der Beginn eines fesselnden Plots, der Cassie Raven als Figur so authentisch und wunderbar zeichnet, dass man kaum aufhören kann zu lesen. Auch die weiteren Charaktere wie ihr Chef und vor allem auch Polizei-Sergeant DS Flyte sind absolut vielschichtig und mit der gleichen Liebe zum Detail erdacht. Gerade die zwischendurch eingestreuten Perspektivwechsel von Cassie zu Phyllida Flyte bringen einen tollen Lesefluss, da jede Figur so ihre Vorurteile gegen die andere hegt und es sehr interessant ist, wie beide sich im Laufe der Geschichte einander immer mehr annähern und Barrieren abbauen.

Doch auch der Fall der verstorbenen Mrs. E selbst reicht aus, um diesen Thriller in den höchsten Tönen zu loben. Die Spurensuche ist wendungsreich und ich konnte zu keinem Zeitpunkt erahnen, wie sich die Geschichte weiter entwickeln könnte. Dazu kommt die wunderbare Beschreibung der Gegend in Camden, in der Cassie unterwegs ist. Man möchte sogleich nach London aufbrechen, um Camden Market einen Besuch abzustatten.

A.K. Turner hat in mir mit diesem Buch einen großen Fan gewonnen und ich hoffe, es folgen noch viele weitere Geschichten um die großartige Cassie Raven. Ich freue mich jetzt schon auf Teil 2. "Tote schweigen nie" kann ich also allen dringend empfehlen, die auch nur im Entferntesten Spaß an Krimis und Thrillern haben. Viel Spaß an alle, die diesen Lesespaß noch vor sich haben.

Bewertung vom 16.08.2021
Löwenherzen
Neitzel, Gesa

Löwenherzen


ausgezeichnet

Wildes Leben einer Rangerin in Afrika

Die Berlinerin Gesa Neitzel hat mit ihrem neuen Buch "Löwenherzen" wieder einmal einen absoluten Volltreffer gelandet. Ihre Erlebnisse als Rangerin im südlichen Afrika sind fesselnd und befeuern die eigene Reiselust.

Nachdem Gesa ihre Ausbildung zur Rangerin beendet hat, hat sie sich mit ihrem Partner Frank im südlichen Afrika niedergelassen und führt nun Touristen durch den Busch. Dabei erlebt sie allerlei Wunderbares, Aufregendes und nachdenklich Machendes, an dem Sie den Leser teilhaben lässt. Wie schon im Debüt versteht sie es meisterhaft, ihre Erlebnisse so bildhaft darzustellen, dass man sich fühlt, als würde man neben ihr durch die Wildnis wandern, immer auf der Suche nach Löwen, Giraffen, Elefanten und Nilpferden.

Ihr Roadtrip durch Sambia, Botswana und Namibia ist immer geprägt von schönen und manchmal nicht ganz ungefährlichen Momenten, jedoch ist die Storyline selbst gar nicht das Highlight des Buches, sondern dass Gesa Neitzel es spielend leicht schafft, den Leser an die Hand zu nehmen, die Perspektive auf die Dinge zu verändern und nebenbei viel Interessantes über die Wildnis und das Leben in Afrika zu vermitteln.

Gesa und Frank sind ein tolles, authentisches Paar, das beim Lesen sofort sympathisch wirkt. Man spürt sofort die große Liebe zu ihrem Leben und der afrikanischen Wildnis.

Wie schon beim ersten Buch "Frühstück mit Elefanten", das eines meiner Lieblingsreisebücher ist, macht die Lektüre große Lust, den Kontinent Afrika selber kennen zu lernen. Am liebsten möchte man sich gleich aufmachen, um eine Safari bei Gesa und Frank zu buchen, um sich von ihnen die Tiere und die Natur näherbringen zu lassen.

Ich freue mich auf noch ganz viele weitere Bücher von Gesa Neitzel, egal ob Reisebericht oder Kochbuch (das ebenfalls sehr lesenswert ist) und empfehle "Löwenherzen" unbedingt jedem Fan von Reiseliteratur und jedem, der sich für die afrikanische Tierwelt begeistert und diese erleben will, ohne den heimischen Lesesessel verlassen zu müssen.

Bewertung vom 11.06.2021
Das Buch des Totengräbers
Pötzsch, Oliver

Das Buch des Totengräbers


ausgezeichnet

Tolles Ermittlergespann im alten Wien

Oliver Pötzsch ein gefeierter Autor, der schon mit vielen historischen Romanen auf den Bestsellerlisten vertreten war. Entsprechend hoch war die Erwartung und auch die Vorfreude auf diese neue Reihe mit dem ersten Teil "Das Buch des Totengräbers", die nicht enttäuscht wurde. Im Gegenteil!

Aus dem beschaulichen Graz kommt Inspektor Leopoldt von Herzfeldt, Sohn einer reichen Bankiersfamilie, ins Wien des Jahres 1893. Pünktlich zu seinem Eintreffen beginnt eine Serie grausamer Morde an Dienstmädchen rund um das Vergnügungsviertel der Stadt. Da Leopoldt mit seiner modernen Kriminalistik und seinem selbstsicheren Auftreten bei den Kollegen vom ersten Tag an gar nicht gut weg kommt, wird er von diesem Fall abgezogen und soll stattdessen eine Grabräuberei aufklären. Bei dieser Gelegenheit lernt er den Totengräber Augustin Rothmayer kennen, in dem deutlich mehr steckt, als Herzfeldt zunächst erwartet. Im Laufe der Geschichte tun sich zwischen beiden Fällen Zusammenhänge auf, so dass der Inspektor und der Totengräber gemeinsam zu ermitteln beginnen.

Diese Ermittlerkombination später noch ergänzt durch eine Telefonistin der Polizeidienststelle mit nächtlichem Doppelleben bildet ein großartiges und kreatives Team. Die Passagen aus der Perspektive von Augustin beginnen häufig mit erkenntnissreichen (und recht ungeschönten) Passagen zur Leichenverwesung aus dem Almanach für Totengräber. Diese wechseln sich ab mit Kapiteln, die aus Leopoldts Sicht geschrieben sind. Dies gibt der Geschichte viel Dynamik und man entwickelt sofort große Sympathien für die beiden Figuren.

Die Story entwickelt sich wie von Pötzsch gewohnt von Beginn an rasant und ohne Längen. Man taucht auch Dank der tollen Buchgestaltung mit Karte im Einband ein in das alte Wien, das im Aufbruch in die moderne Zeit mit vielen Problemen durch alle gesellschaftlichen Schichten hinweg konfrontiert ist. Ein einzigartiger Weise verbindet der Autor die Fiktion mit den geschichtlichen Hintergründen des damaligen Alltags und beschwört so die Stadt vor dem inneren Auge herauf. Das ist große Kunst!

Oliver Pötzsch startet auch seine neue Reihe in gewohnter Weise auf allerbestem Unterhaltungsniveau. Ich empfehle das Buch jedem Fan von historischen Romanen sowie Krimis mit ausgefallenen Ermittlern und einer Prise Horror.

Bewertung vom 09.05.2021
Eine perfekte Ehe
McCreight, Kimberly

Eine perfekte Ehe


ausgezeichnet

Blick hinter die perfekte Fassade

Dieser Thriller fällt in die Kategorie "anders als die anderen", denn die Verbindung zwischen der typischen Jagd nach dem Mörder und der interessanten juristischen Perspektive sowie dem Blick hinter die perfekte Kulisse der New Yorker Upper Class macht diese Geschichte von Kimberly McCreight zu einem außergewöhnlichen Lesevergnügen.

Anwältin Lizzie hat eigentlich genug private Sorgen und wird dann auch noch völlig unerwartet von einem alten Kommilitonen um Hilfe gebeten. Dieser soll seine Frau ermordet haben und will nun Lizzie als Strafverteidigerin. Als sie schließlich den Fall trotz anfänglichen Widerwillens doch übernimmt, deckt sie nach und nach auf, was sich hinter den vielen perfekten Ehen der New Yorker Society eigentlich verbirgt.

Die Geschichte wird in kurzen Kapiteln mit wechselnder Perspektive erzählt: Anwältin Lizzie ermittelt aus der Ich-Perspektive und versucht, ihren Freund Zach zu verteidigen. Dabei ist sie authentisch, vielschichtig und sympathisch intelligent. Zach hingegen bleibt im Nebel und man bekommt ihn als Leser nicht richtig "zu greifen". Parallel zum Fortschreiten der Ermittlungen durchlebt man mit Ehefrau Amanda deren letzte Tage vor dem Mord an ihr. Diese Storyline wird aus der dritten Person erzählt, was dazu führt, dass man toll mit Lizzie miträtseln kann, während sich immer neue Geheimnisse auftun. Die Charaktere aus Amandas Geschichte sind mir alle recht unsympathisch, aber dennoch vielschichtig und echt. Als drittes Erzählelement werden Zeugenaussagen des Prozesses eingestreut. So fliegt man nur so durch die Kapitel, der Schreibstil passt perfekt zu dieser Aufteilung.

Mir hat das Buch richtig gut gefallen, die Wendungen haben ein super Timing und sind für mich sehr überraschend eingetreten. Das Ende konnte ich so nicht vorausahnen. Für jeden Fan von klassischen und außergewöhnlichen Thriller eine klare Leseempfehlung!!

Bewertung vom 03.04.2021
Die Roseninsel
Reitner, Anna

Die Roseninsel


sehr gut

Sommer Sonne Wohlfühlbuch

Die unter dem Pseudonym Anna Leitner schreibende Autorin hat mit "Die Roseninsel" einen klassischen leichten Unterhaltungsroman geschrieben, der sich wunderbar zum Wegträumen eignet.

Die Ärztin Liv entschließt sich nach einem traumatischen Erlebnis, die Charité und ihren Freund für 4 Wochen hinter sich zu lassen, um eine Krankheitsvertretung als Insel-Sitterin in der Nähe Münchens zu übernehmen. Sie flüchtet sich in die fast vollkommene Einsamkeit der kleinen Roseninsel. Bei ihren Streifzügen findet sie eine Art Tagebuch von Magdalena, die mehr als ein Jahrhundert vor ihr auf der Insel gelebt hat. Magdalena war die unerwünschte Tochter des damaligen rechtmäßigen Königs von Bayern, die vom Prinzregenten zwecks Machterhalt auf der Insel gefangen gehalten und versteckt wurde. Während für Liv in der Gegenwart die Einsamkeit und die neuen Eindrücke und auch die Empathie für Magdalenas Geschichte heilsam wirken, wird die kleine Insel für Magdalena zunehmend einengender und erdrückender.

Als Leser begleitet man Liv und Magdalena abwechselnd in beiden Zeitsträngen, wobei sich Liv in der Gegenwart von ihrer Lektüre der Erlebnisse von Magdalena immer mehr beeinflussen lässt. Beide Erzählstränge sind locker leicht geschrieben und lassen sich flüssig lesen. Die Figuren sind für diese Art von Geschichte passend nicht zu vielschichtig gezeichnet.

Der rote Faden und das Ziel der Geschichte ist eigentlich von Beginn an klar, aber um Spannung geht es hier auch gar nicht. Man bekommt eher das Gefühl, dass der bayrische Tourismusverband dieses Buch in Auftrag gegeben hat, denn durch die detailverliebte Beschreibung der real existierenden Roseninsel sowie der Umgebung ist die Lust, die Gegend einmal zu besuchen, auf jeden Fall geweckt.

Für mich kam das Ende ein wenig plötzlich. Nachdem die Geschichte immer gemächlich dahinfloss, war auf einmal für beide Frauen alles erzählt. Das hätte man für mich gern noch 20-30 Seiten ausdehnen können.

Alles in allem hat es Anna Reitner aber geschafft, dass ich den atuellen Alltag mal kurz vergesse und mich zumindest gedanklich in den Urlaub nach Bayern träumen konnte. Vielen Dank dafür :-)

Bewertung vom 19.03.2021
Klima
Klass, David

Klima


ausgezeichnet

Großartiger Umweltthriller
Dieser Thriller "Klima - Deine Zeit läuft ab" von David Klass vereint hochaktuelle Umweltthemen und ein tolles FBI-Katz-und-Maus-Spiel zu einer tollen Story, die den Leser mit hohem Tempo durch das Buch treibt.

Tom Smith ist ein junger FBI Daten-Analyst, der gemeinsam mit einem großen Agentenaufgebot den schon berüchtigten Terroristen Green Man jagt. Green Man übt Anschläge auf Ziele aus, die den Blick der Menschen auf die Gier der Gesellschaft nach Geld auf Kosten der Umwelt schärfen soll. Dieses Ziel erreicht er auch, denn er findet mit jedem Anschlag mehr und mehr Unterstützer, die seine Methode gut heißen, auch wenn teilweise menschliche Kollateralschäden in Kauf genommen werden. Tom Smith ist neu im FBI Team und findet Denkansätze zur Jagd nach Green Man, die den bisher völlig im Dunkeln tappenden Agenten auf neue Spuren bringen. Derweil ist er selbst hin und her gerissen und fragt sich immer wieder, ob der Zweck die Mittel heiligt oder nicht.

Genauso ergeht es auch dem Leser und diese Frage stellt man sich durch die gesamte Geschichte immer wieder. Die Story wird abwechselnd aus der Perspektive von Tom Smith und Green Man erzählt, was diesen Konflikt noch deutlicher hervorhebt. Quasi nebenbei berichtet David Klass von verschiedenen wissenschaftlichen Aspekten das Weltklima betreffend und schafft es damit, dass man sich auch über die Story hinaus mit dem Thema eingehender beschäftigt. Die Geschichte ist toll und rasant geschrieben und lässt kaum eine Atempause - wie eine Drehbuchvorlage zu einem Blockbuster. Man fliegt nur so durch die Seiten. Die Figuren sind authentisch gezeichnet und auch die Nebencharaktere überzeugen mit Vielschichtigkeit und Tiefe.

Mich hat das Buch sehr begeistert. Spannende Lesezeit mit gesellschaftlich relevanten Themen zu verbinden, finde ich großartig, weshalb ich hier die volle Punktzahl vergebe!

Bewertung vom 20.02.2021
Der andere Sohn / Karlstad-Krimi Bd.1
Mohlin, Peter;Nyström, Peter

Der andere Sohn / Karlstad-Krimi Bd.1


ausgezeichnet

Schwedischer Cold Case
Mit "Der andere Sohn" haben Peter Mohlin und Peter Nyström als Autorenduo ganze Arbeit geleistet. Der typisch skandinavische Krimi bietet beste Unterhaltung und kurzweilige Lesezeit.

Der FBI Agent John wird bei einem Undercover-Einsatz enttarnt und erzwingt eine neue Identität im Zeugenschutzprogramm in seinem Herkunftsland Schweden. Denn dort wird gerade ein Cold Case wieder aufgerollt, der seinen Bruder als Mörder entlarven könnte. Denn Jahre zuvor verschwand die Tochter einer reichen Unternehmerfamilie spurlos und John´s Bruder Billy war damals schon der Hauptverdächtige der schwedischen Polizei. Er blieb jedoch auf freiem Fuß, weil ihm die Tat nie nachgewiesen werden konnte. Es hat den Anschein, dass die Polizei den Fall nun möglichst schnell zuende bringen will. So beginnt John mit seinen eigenen Ermittlungen, um seinen Bruder zu entlasten.

Die Geschichte spielt zu Beginn auf zwei Zeitebenen: Der Leser lernt John während seines FBI Einsatzes kennen und parallel erlebt man die Eltern der verschwundenen Unternehmertochter, wie sie um ihr Kind bangen. Im Verlauf dann spielt das Setting nur noch in der Gegenwart, in der John seine Ermittlungen anstellt. Hier wechselt sich seine Perspektive mit der von Heimer, dem Vater der Vermissten, ab. So erhält das Buch eine spannende Dynamik mit reichlich Cliffhangern.

Mir gefällt besonders gut, dass man mit dem Hauptakteur John während der gesamten Geschichte nicht wirklich warm wird. Er ist unsympathisch und fühlt sich der schwedischen Polizei offensichtlich deutlich überlegen. Umso mehr fühlt man mit Heimer, dem Vater des verschollenen Teenagers.

Der Leser wird im Unklaren gelassen und hat keinen Wissensvorsprung gegenüber den Figuren. Hin und wieder scheint es mir etwas seltsam, dass offensichtliche Spuren von dem damaligen Verbrechen von der Polizei scheinbar außer Acht gelassen wurden, aber das tut der Geschichte keinen Abruch. Der Schreibstil ist flüssig und lässt einen durch die Seiten fliegen. Genau, wie ein guter Krimi sein soll.

Ich fühlte mich wunderbar unterhalten und auch, wenn ich eigentlich in sich abgeschlossene Bücher lieber mag, freue ich mich hier auf Teil zwei, den es offensichtlich geben wird, um die offenen Fragen aus diesem ersten Teil zu beantworten.