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Benutzername: tragalibros
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Bewertungen

Bewertung vom 14.11.2018
Der Zorn der Einsiedlerin / Kommissar Adamsberg Bd.12
Vargas, Fred

Der Zorn der Einsiedlerin / Kommissar Adamsberg Bd.12


gut

Der Zorn der Einsiedlerin" ist bisher mein erstes Buch der Autorin. Ich konnte mich also recht unvoreingenommen ans Lesen wagen und war gespannt auf die Handlung.

Zuerst einmal möchte ich sagen, dass ich bisher noch nie einen Krimi gelesen habe, in dem eine solch ungewöhnliche und interessante Mordwaffe zum Einsatz kommt, wie ich diesem Buch.
Trotzdem gibt es für mich den einen oder anderen kleinen Haken, wodurch das Buch an Sternen einbüßt.

Beginnen möchte ich bei den Charakteren.
Sie waren zwar gut beschrieben, dennoch fehlte mir hier das gewisse Etwas, um viel Sympathie zu den einzelnen Akteuren aufzubauen. Ich vermute mal, es liegt daran, dass ich bisher noch kein anderes Buch der Autorin gelesen habe und mir somit nicht immer klar war, in welcher Beziehung die Handelnden zueinander stehen und wie die Dynamik zwischen ihnen ist.
Mir haben mehr Informationen gefehlt, um Eigenarten der Charaktere zu verstehen.
Auch der Protagonist, Kommissar Adamsberg, ist mir bis zum Ende sehr undurchsichtig vorgekommen, auch wenn er in der Handlung sympathisch und empathisch agierte.

Was den Plot betrifft, so habe ich auch hier einige kleine Störfaktoren gefunden. Beispielsweise die Tatsache, dass der Kommissar viele "Proto-Gedanken" hat, die für mich als Leserin aber kaum verständlich waren, so fiel das fleißige Miträtseln manchmal flach. Zudem wurden recht viele Nebenhandlungen eingeflochten, die allerdings nichts mit dem eigentlichen Fall zu tun hatten und die ich daher als störend empfand.
Positiv möchte ich allerdings hervorheben, dass die Autorin es immer wieder geschafft hat, mich auf Irrwege zu führen, wer letztendlich der wahre Täter war. Dies hat mir sehr gut gefallen.
Auch die ausgeklügelten Ideen bezüglich der Mordwaffe, der verworrenen, aber im Gesamten nachvollziehbaren Motive, waren sehr unterhaltsam.
Allerdings gab es auch Passagen, die mir zu weit hergeholt wirkten. Ich möchte hier nicht der Handlung vorweg greifen, daher will ich diesen Kritikpunkt nicht weiter ausführen.

Kommen wir zu meinem vorletzten Punkt: dem Schreibstil.
Auch hier kann die Autorin punkten. Die Kapitel sind gespickt mit vielen schönen Weisheiten und Zitaten. Und obwohl hier viel davon verwendet wurde, wirkte die Geschichte nicht überladen.
Die Protagonisten drücken sich, bis auf einige kleine Flüche, sehr gewählt aus, was mir ebenfalls gut gefallen hat.

Nun zu meinem endgültigen Fazit:
Ich möchte diesem Kriminalroman drei von fünf Sternen geben.
Es gab sehr gute Passagen, allerdings auch etwas langwierige Absätze und wirre Gedankensprünge seitens des Ermittlers Adamsberg.
Man sollte zudem auch die vorangegangenen Bücher mit dem Kommissar gelesen haben, da man sonst vermutlich viele Zusammenhänge nicht versteht, zumindest was die zwischenmenschlichen Beziehungen der einzelnen Akteure angeht.

Trotzdem ist "Der Zorn der Einsiedlerin" ein solider, guter Kriminalroman mit spannenden Wendungen und interessanten Ansätzen.