Benutzer
Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
Gabrielle

Bewertungen

Insgesamt 68 Bewertungen
Bewertung vom 28.07.2022
Oh wie schön ist Trinidad
Berg, Peter

Oh wie schön ist Trinidad


ausgezeichnet

Von Anfang an wurde ich durch den lockeren Schreibstil des Autors mit seinen sehr realistisch klingenden Dialogen in die Geschichte hineingesogen. Die Beschreibungen von Landschaft, Gedanken und Gefühlen des Ich-Erzählers und pensionierten Kriminalbeamten Jens Schneider sorgten beim Lesen für ein perfektes Kopfkino. Das Flair der Karibikinseln und das Gefühlschaos der Protagonisten packen einen dabei genauso am Schlafittchen wie die Spannung, die sich von Anfang bis Ende hält. Wegen seiner fließend in die Handlung übergehenden Reiseinformationen ist der Roman außerdem eine ideale Urlaubslektüre.

Besonders gut gefallen hat mir der innere Konflikt, der beim Lesen entsteht, wenn Jens seinem lange nicht gesehenen Freund Egon, der in diesem Inselparadies voller Kriminalität lebt und arbeitet, aus der Patsche helfen soll. Die Akteure handeln ihrer Lebenserfahrung gemäß absolut natürlich und psychologisch stimmig, was nicht heißt, dass die Protas hier perfekte Charaktere wären. Jens ist in seinem tollpatschigen Leichtsinn schon beinahe schrullig und Egon spielt den coolen Lebemann in der Midlife-Crisis, obwohl ihn die Existenzangst treibt. Nein, es sind wohl beide nichtsdestotrotz eher Antihelden. Aber das macht den Roman so schön echt und reell. Schließlich ist unsere Welt voller Doppelmoral und nicht schwarz-weiß.
Eine klare Leseempfehlung von mir! Lediglich einen halben Stern muss ich wegen meines nicht ganz erfüllten Anspruchs an die Schreibtechnik abziehen.

Bewertung vom 28.06.2022
Suite française
Némirovsky, Irène

Suite française


ausgezeichnet

Zeitzeugenbericht über den 2. Weltkrieg im Herzen Frankreichs als Roman
Eigentlich sollte dieser Roman Emigrantin Irène Némirovski, geboren im russischen Kaiserreich, eine Art literarische Suite auf ihre Wahlheimat Frankreich werden. Doch das Werk wurde nie beendet, da die schon lange in Frankreich lebende und berühmte Autorin 1942 von den französischen Behörden an die Deutschen verraten und ausgeliefert wurde, wo sie im KZ Auschwitz verstarb.
Dieses Wissen ist beim Lesen besonders berührend, wenn man wahrnimmt, wie sehr Frau Némirovski in die Gesellschaft Frankreichs integriert war und dennoch in ihrem Roman die deutschen Besatzer als Menschen mit ebenfalls warmen Gefühlen darstellt. Was die Schilderung der Massenflucht der Pariser anbelangt, erkannte ich eine Verbindung zu dem Erlebnisbericht des ebenfalls französischen Autors Léon Werth in 33 Tage. Gewalt, Verzweiflung, Mangel an allem Lebensnotwendigen verändern unbestreitbar das Wesen der Menschen. Der kalte Egoismus zeigt sich plötzlich ohne Maske gegen das eigene Volk, ja gegen die eigene Familie und Schutzbefohlenen. Angst ist wirklich kein guter Lehrmeister, denn sie erdrückt die Liebe, ob Nächstenliebe oder Liebe zu den einst angestrebten Idealen. Der Tanz zwischen Liebe und Egoismus zeigt sich auch in den anderen Kriegsszenen, etwa als sich ein deutscher Offizier in eine unglücklich verheiratete Französin verliebt. Die verbotene Liebe zwischen den beiden wird als so zart und unschuldig dargestellt, dass sie an dem Hass ihrer Umgebung zerbrechen muss. Aber ich will nicht zu viel verraten. Die Autorin bewies sehr viel Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis in ihrem Roman. Ihre Schreibweise war außerdem sprachlich sehr ansprechend und fein. Die Sätze, trotz oder gerade wegen der Länge und den vielen Verschachtelungen ein Genuss beim Lesen.
Ebenso interessant war für mich als Autorin der Anhang mit den Arbeits-Notizen von Frau Némirovski, sowie die Briefe, die ihr Mann auf der Suche nach ihr schrieb. Die ganzen Umstände um den Roman sind sehr berührend. – Im wahren Leben der Familie der Autorin wurden noch Jahre nach ihrer Deportation und Tötung ihres Ehemannes von den französischen Behörden die beiden kleinen Töchter Némirovski akribisch gesucht, um sie ebenfalls in ein Konzentrationslager zu bringen. Doch Freunde der Autorin versteckten die Kinder, die dieses Manuskript ihrer Mutter im Koffer hatten, immer wieder aufs Neue.
Leider sind die geschilderten Szenen des Flüchtlingszuges der Franzosen vor dem Angriff der Deutschen auf Paris von einer erschreckenden Aktualität. Da der Mensch aus seiner Geschichte nichts dazulernt, bleiben solche literarischen Zeitzeugnisse leider immer aktuell. Unbedingt lesenswert!

Bewertung vom 13.06.2022
Flug nach Arras
Saint-Exupery, Antoine de

Flug nach Arras


ausgezeichnet

Ein Buch, das man aufgrund seiner Aktualität wieder einmal lesen sollte, um sich auf das Wesentliche zu besinnen. Natürlich wird auch dies individuell wieder ein jeder anders für sich deuten, aber für mich ist dieser Erlebnisbericht Saint-Exupérys als Aufklärungsflieger im 2. Weltkrieg ein Anti-Kriegs-Statement. Seine Gedanken zum Menschsein, seine Todesgefahr, in die ihn irrsinnige Befehle gebracht haben, sind absolut lesenswert und auch eindrücklich in seiner schöngeistigen Sprache auf wenigen Seiten geschildert.

Bewertung vom 31.01.2022
Meine durchgeknallte Schwester, die geheime Liste und ich
Otto, Wiebke

Meine durchgeknallte Schwester, die geheime Liste und ich


ausgezeichnet

Mein Lesen ist von Anfang an von fröhlichem Auflachen begleitet! Die Schreibweise der Anekdoten aus dem Familienleben aus der Sicht des ältesten der drei Geschwister ist sehr treffend in die Denkweise eines achtjährigen Mädchens eingefühlt; außerdem witzig, was das Buch unterhaltsam und spannend macht. Auch das Einschieben der Zwischenbemerkungen, wenn Thea kurz vom Thema abkommt, finde ich sehr natürlich und gut gelöst. Es ist, als ob man mit der Protagonistin beim Eisessen sitzt und ihr beim Erzählen zuhört. Köstlich!
Sehr gut gelungen finde ich außerdem die Gespräche der Eltern mit den Kindern über Gott. Die Kinder der Familie im Buch stellen über den Glauben genau die Fragen, die bei jeder Gleichaltrigen oder jedem Gleichaltrigen irgendwann auftreten und die Antworten zeigen immer einen liebenden Gott auf. Ich finde die Textstelle am Ende von Kapitel 9 mit der Erklärung über die Liebe Gottes zu uns Menschen und wie er jeden einzelnen von uns einfach wundervoll und perfekt findet, besonders gelungen. Gerade diese Gewissheit Kindern zu vermitteln ist für die Eigenliebe und Selbstsicherheit bei möglichen Angriffen von außen durch Mobbing und Hänseleien ungeheuer wichtig und in diesem Textabschnitt so einprägsam und berührend formuliert, dass die Botschaft auf Kinder derart wirken wird, um in späteren schweren Lebensphasen auch noch erinnert zu werden. Super!

Das Lesen dieses Buches war von Lachen und Tränen der Berührung begleitet.
Ein bisschen haben mich die impulsiven Streiche der fünfjährigen Protagonistin im Buch an Michel aus Lönneberga erinnert. Nur dass hier in diesem Buch die Eltern trotz aller an das reale Leben angelehnten Menschlichkeit verständnis- und liebevoll reagieren.
Die Aufmachung des Buches ist auch für Kinderhände sehr geeignet, da das Papier der Buchseiten sehr viel dicker als in sonst handelsüblichen Büchern für das erste Lesealter ist. Zum Vorlesen als Gutenacht-Geschichten für Vorschulkinder oder für achtjährige Selbstleser eignet sich jedes, der aufeinander aufbauenden Kapitel ebenfalls sehr gut, da die Kapitel kurzgehalten sind und jeweils einen befriedenden Abschluss haben.
Alles in allem sehr zu empfehlen!

Bewertung vom 22.01.2022
Auf der Spur des Morgensterns
Buck, Dorothea

Auf der Spur des Morgensterns


ausgezeichnet

Der Umgang mit psychisch Kranken und das, was man medizinische Hilfe nannte, war bis in die jüngere Vergangenheit einfach nur erschreckend, entwürdigend und keineswegs heilend, wie die Erlebnisse der Autorin bestätigen. Dieses Buch ist leider immer noch zeitgemäß, da Psychosen auch heute noch fast ausschließlich medikamentös behandelt werden. Die Ablehnung sich auf ein Gespräch mit den Betroffenen über deren Erleben während der Psychose einzulassen, muss unweigerlich dazu führen, dass die Erkrankten sich minderwertig und unbrauchbar, oft nicht liebens- und lebenswert fühlen. Dass die Gesellschaft allgemein tatsächlich auch denkt, die Gefühls- und Wahrnehmungswelt von Schizophrenen sei nicht der Beachtung wert, zeigt sich schon alleine darin, dass ich keinen anderen vergleichbaren Roman über dieses Thema finden konnte.
Nach den Erkenntnissen der Autorin, die sich von Therapeuten allein gelassen über Jahre selbst beobachtet und analysiert hat, ist eine Psychose ein Wachtraum, der durch ein tiefgreifendes Lebensereignis ausgelöst wurde. Die Logik des Patienten wird während dieses Wahns – womöglich eben durch die überbordende Gefühlswelt – völlig ausgeknipst, weshalb die meist überdurchschnittlich sensiblen und kreativen Betroffenen an die absolute Realität des in diesem Moment Erlebten, Geschauten, Gehörten und Gefühlten glauben. Tatsächlich sendet das Unterbewusstsein jedoch nur eine Botschaft, die bei Verstehen durch entsprechende Deutung zur Persönlichkeitsentwicklung des Betroffenen führen könnte. Aber das Interesse der Gesellschaft und Heilkunde ist an nächtlichen Träumen weitaus größer, weil diese in den Tag verrutsche Botschaft des Unterbewusstseins als unnützer und unlogischer Wahn abgetan wird, der keine Bedeutung hat.

Bewertung vom 13.12.2021
Jesus ist geboren
Haug, Hellmut

Jesus ist geboren


sehr gut

Die Bilder haben mich mit ihrer Farbkraft, dem freundlichen Gesichtsausdruck der Figuren und ihrer Schlichtheit, ohne auf Details z. B. in der Kleidung zu verzichten, welche zur damaligen Zeit und Lokalität passen, auch gleich begeistert. Der einem Bilderbuch gemäß knappe und dennoch aussagekräftige Text ist auch ideal für meine sechsjährige Enkeltochter und meine geistig behinderte Enkeltochter, die beide im Lesen noch nicht sehr erfahren sind. Als Erstleser werden sie mit den kurzen Sätzen nicht überfordert, sondern bei der Stange gehalten.
Mir fiel beim Lesen auf, dass Bethlehem nur als Betlehem ohne h geschrieben wurde. Das musste ich dann gleich einmal googeln, weil ich ja nicht wollte, dass die Mädchen etwas falsch lernen. Interessant fand ich dann den Hinweis, dass dies die ökumenische Schreibweise wäre. Auch störte mich, dass die wörtliche Rede ohne Anführungszeichen geschrieben wurde. Da ergaben die Nachforschungen, dass dies für Erstleser so gehandhabt wird. Das Einzige, was ich bei all dieser für die Kinder wundervoll durchdachten Buchausgabe im Zusammenhang mit den Hilfen für Erstleser noch zu bemängeln habe, ist, dass das kleine a dann nicht auch in der Schreibweise gedruckt wurde, wie es die Kinder schreiben lernen.

Bewertung vom 28.10.2021
Wer bin ich und wenn ja, wie viele?
Precht, Richard David

Wer bin ich und wenn ja, wie viele?


gut

Precht hat seine Abhandlung in drei Abschnitte eingeteilt. Den ersten Abschnitt könnte man zusammenfassen mit: Ich habe ein Gehirn, mit dem ich denke und fühle, also bin ich. Ob man seine Persönlichkeit nur auf diese graue Masse beschränken will, sei jedem selbst überlassen. Ich für meinen Teil sehe das nicht so. Aber es scheint, dass die Philosophie die Beantwortung der großen Fragen eines jeden sinnierenden Menschen ohnehin nicht endgültig beantwortet, sondern nur Anreize gibt, wie auch Precht in seinem Buch. Der Autor packt unter diesem sinnpr“e“chtigen Titel sämtliche anerkannten Größen der Philosophie und Psychologie sowie auch der Medizin im Bereich Hirnforschung mit kurzer Darstellung ihres Lebens und ihrer persönlichen Lehre zusammen, sodass dieses Werk eher zu einem Sachbuch der Historie der Geisteswissenschaften wird. Das Buch hat sich zur Mitte hin, als der Autor auch aktuelle Themen wie Sterbehilfe, Tierversuche usw. angepackt hat, sehr gesteigert, ist zum Ende hin aber leider wieder abgeflacht. Precht verpackt wissenschaftliche Inhalte höchst unterhaltsam. Da gibt es dann schon mal den einen oder anderen Lacher. Leider konnte ich von ihm keine persönlichen Einsichten, keine eigene philosophische Meinung zu den Fragen des Lebens finden, die er zumindest gegen Ende hätte äußern können, damit das Ganze nicht nur vergangene Größen aufzählt. Immer wieder kommt Precht auf die Hirnfunktionen des Menschen zu sprechen, von einer Seele und Geist wird kaum etwas erwähnt bzw. erwogen, dass der Mensch mit mehr denken und fühlen könnte als mit vergammelndem Fleisch. Die Frage nach dem Sinn des Lebens kann scheinbar überhaupt nicht beantwortet werden und wird darum zur sinnlosen Frage degradiert, die lt. Nietzsche und Freud nur stellen könne, wer eine körperliche oder geistige Schwäche habe. Das hat mich doch schon sehr verärgert, denn ich sehe den Sinn des Lebens eindeutig darin, Liebe zu geben und anzunehmen und Hass und Angst deshalb immer weiter aus unserem Leben „wegzutrainieren“. Da kommt dann schon die nächste Frage auf, die der Autor ebenfalls nur körperbezogen beantwortet: Was ist Liebe wirklich?
Ist „ich denke, also bin ich“, die Antwort, die uns befriedigt? Wohl eher nicht, sonst würden wir nicht weitersuchen. Tatsächlich regiert unser vielgerühmter Verstand unser Leben nämlich nicht. Denn selbst nach Tausenden von Jahren funktioniert dieses Konzept ja noch immer nicht und die Menschen lernen aus ihren Fehlern nicht dazu.
Die Frage im Buchtitel des Autors würde ich persönlich mit „Alles“ beantworten. Weshalb? Darüber kann sich jeder selbst seine Gedanken machen. Doch da unser ICH nicht zu erfassen in der Lage ist, ist es wichtig zu wissen, dass man nichts weiß…

Bewertung vom 02.09.2021
Das Bier, das Leuchten und der Grant
Kubitza, Michael

Das Bier, das Leuchten und der Grant


ausgezeichnet

Bier im Zusammenhang mit München bedarf keiner weiteren Erklärung. Das Bier, das als Grundnahrungsmittel galt und mindestens auch unter diesem Konsens in Unmengen von Münchnern wie Auswärtigen nach Export bis nach Amerika und China konsumiert wurde, hat die Stadt zweifelsohne groß gemacht. Man bedenke, dass aufgrund der Abwässer, die damals direkt in Flüsse und Bäche geleitet wurden, Vergorenes außerdem neben Milch direkt aus dem Euter wohl das einzige Getränk war, das keine Seuchenbakterien in sich trug.
Das Leuchten Münchens kann man auf verschiedene Betrachtungsweise deuten. Zum einen wäre es die zunehmende Elektrifizierung im 19. Jahrhundert, die eine Technisierung nach sich zog und Arbeitswelt wie Alltag in der Stadt revolutionierte. Fotografie und die ersten Filme brachten in dieser Zeit auf andere Weise Licht in das Leben der Bevölkerung, die ihre Freizeit außerdem gerne im Sonnenschein sitzend in den Biergärten verbrachte. Leuchtend wurde die Metropole um diese Jahrhundertwende ebenso durch die Künstler, die sich zunehmend in München niederließen und so für eine kulturelle Aufwertung sorgten.
Der Grant schließlich ist ein Münchner Ausdruck für das grummelig freundliche Temperament und die Mentalität der echten Einwohner, der im Laufe der Geschichte mal revolutionär, mal bierseelig zum Ausdruck kam.
Michael Kubitza schuf mit diesem Buch ein interessantes Sach- und Geschichtsbuch, welches den Leser in einer eingängigen Sprache, durchsetzt von Humor und Illustrationen unterhaltsam über das Alltagsleben der Stadtbewohner in der angeblich so guten alten Zeit unterrichtet. Sämtliche Lebensbereiche werden dabei durchleuchtet und man bekommt einen sehr guten Einblick in die Entwicklung des Fortschritts, die Gesellschaft, Politik und – die Wirtschaft im München um 1900.

Bewertung vom 07.08.2021
Mord in der Uckermark / Miss Merkel Bd.1
Safier, David

Mord in der Uckermark / Miss Merkel Bd.1


ausgezeichnet

Meine Buchbewertungen mache ich daran fest, ob mich ein Buch berührt – sprich: ob ich beim Lesen lachen oder/und weinen muss, die sprachliche Qualität gut ist, die Handlung spannend, die Charaktere logisch dargestellt sind und man ein Kopfkino dabei entwickelt. Alle diese Punkte erfüllt dieser Kriminalroman à la Miss Marple mehr als gut! Sämtliche Gefühlsausbrüche haben sich bei mir laut geäußert und wenn man die satirischen Untertöne ebenfalls wahrnimmt, ist das Buch keineswegs schmalzig. Auch die „kriminelle“ Seite des Romans ist absolut nicht abstumpfend gegenüber von Gewalt und hat im Großen und Ganzen einen sehr versöhnlichen Tonfall. Besonders in diesen Tagen hilft es einem so dabei, seinen inneren Frieden mit Politikern zu machen. Frei nach dem Motto „Lachen ist gesund!“ kann ich diesen Bestseller tatsächlich begeistert weiterempfehlen!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.05.2021
Verzweigungen des Lebens
Stern, Sina

Verzweigungen des Lebens


gut

Ein lesenswerter Roman mit einer schönen Botschaft der Vergebung, Völkerverständigung und Mahnung zu Gewaltlosigkeit! Auch die Wahl des Deutsch-Französischen-Nachkriegsthemas auf deutscher Seite, das viel zu selten aufgegriffen wird, ist in Verbindung mit diesem Liebesroman spannend und aufgrund wahrer Begebenheiten interessant.
Der Einstieg in den Roman spielt in der Jetzt-Zeit und gibt eine sehr bedrückende Stimmung wieder, wobei die Ehefrau des Rechtsanwalts in Rente Hans Unger beinahe schon verzweifelt versucht Nähe zu ihrem langjährig mit ihr verheirateten Ehemann herzustellen. Man fragt sich, wieso die beiden überhaupt noch miteinander leben, wenn sie sich derart ablehnen und wo die Liebe geblieben ist, aus der drei Kinder entstanden sind. Der Grund liegt viele Jahre zurück in den 50er-Jahren…
Die Handlung, die aus der Sicht von Hans erzählt wird, wechselt von der Jetzt-Zeit in dessen Kindheit und Jugend während der Nachkriegszeit im Deutschland unter französischer Besatzung und bleibt sehr realitätsnah. Es gibt Tragik und Romantik, ohne schmalzig zu werden. Man wird ab dem ersten Satz an das Buch gefesselt. Mir persönlich waren ein paar Stellen im Roman noch ausbaufähig, da ich am Ende des Buches gerne mehr über das zwischen den Jahren verlaufene Leben in den Ehen von Odette, Amalia und auch Hans gewusst und noch tiefer in die Gefühlswelt der drei eingetaucht wäre. Mitunter machte das Fehlen dieser Übergänge den Text etwas abrupt und die Geschichte holprig. Aber ansonsten kann ich für den Roman eine Leseempfehlung aussprechen.