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Benutzername: Gabrielle
Danksagungen: 8 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 59 Bewertungen
Bewertung vom 02.05.2021
Verzweigungen des Lebens
Stern, Sina

Verzweigungen des Lebens


gut

Ein lesenswerter Roman mit einer schönen Botschaft der Vergebung, Völkerverständigung und Mahnung zu Gewaltlosigkeit! Auch die Wahl des Deutsch-Französischen-Nachkriegsthemas auf deutscher Seite, das viel zu selten aufgegriffen wird, ist in Verbindung mit diesem Liebesroman spannend und aufgrund wahrer Begebenheiten interessant.
Der Einstieg in den Roman spielt in der Jetzt-Zeit und gibt eine sehr bedrückende Stimmung wieder, wobei die Ehefrau des Rechtsanwalts in Rente Hans Unger beinahe schon verzweifelt versucht Nähe zu ihrem langjährig mit ihr verheirateten Ehemann herzustellen. Man fragt sich, wieso die beiden überhaupt noch miteinander leben, wenn sie sich derart ablehnen und wo die Liebe geblieben ist, aus der drei Kinder entstanden sind. Der Grund liegt viele Jahre zurück in den 50er-Jahren…
Die Handlung, die aus der Sicht von Hans erzählt wird, wechselt von der Jetzt-Zeit in dessen Kindheit und Jugend während der Nachkriegszeit im Deutschland unter französischer Besatzung und bleibt sehr realitätsnah. Es gibt Tragik und Romantik, ohne schmalzig zu werden. Man wird ab dem ersten Satz an das Buch gefesselt. Mir persönlich waren ein paar Stellen im Roman noch ausbaufähig, da ich am Ende des Buches gerne mehr über das zwischen den Jahren verlaufene Leben in den Ehen von Odette, Amalia und auch Hans gewusst und noch tiefer in die Gefühlswelt der drei eingetaucht wäre. Mitunter machte das Fehlen dieser Übergänge den Text etwas abrupt und die Geschichte holprig. Aber ansonsten kann ich für den Roman eine Leseempfehlung aussprechen.

Bewertung vom 26.04.2021
Schwerelos, Sonderausgabe
Kürthy, Ildikó von

Schwerelos, Sonderausgabe


ausgezeichnet

Ein bittersüßer Frauenroman. Süß, ob seiner herrlich schwarzhumorigen Formulierungen und Pointen, die mich manches Mal beim Lesen laut auflachen ließen! Ein solches Lesevergnügen braucht frau heutzutage in diesen Zeiten, um einen Gewinn an Freude und Spaß zu haben, der einem momentan doch sehr abgeht. Süß außerdem, weil es ein Liebesroman ist, der eigentlich als sehr leichte Kost durchgeht. – Eigentlich.
Denn die Sorgen, Nöte und Ängste der Protagonistin im Roman entsprechen durchaus denen einer jeden modernen jungen Frau. Und auch wenn sich die Autorin hier vielleicht selbst auf die Schippe nimmt, fühlt sich die Leserin hier verstanden und erkennt sich in ihrem gewöhnlichen Alltag wieder. Es geht um die weiblichen Existenzängste, für die die Autoren natürlich keine Lösung anbietet. Aber zu lernen, über diese Ängste zu lachen und sich selbst nicht mehr so bitterernst zu nehmen, ist doch schon ein Schritt in die richtige Richtung. Ein kurzweilig geschriebener Roman, der Spaß macht!

Bewertung vom 11.04.2021
Der General in seinem Labyrinth
García Márquez, Gabriel

Der General in seinem Labyrinth


gut

Gabriel Garcia Márquez hat sich hier an einem historischen Roman versucht, was ihm nicht wirklich gelungen ist. Seine Erzählung ist fad, es fehlt jegliche Spannung und löst keinerlei Gefühlsregung beim Lesen aus. Ich bezweifle nicht die akribische Recherche und Wiedergabe der Lebensgeschichte des Freiheitskämpfers Bolivar. Doch die Protagonisten bleiben farblos, da der Autor nicht vermochte, in die Schuhe der Akteure und insbesondere Bolivar zu schlüpfen und ihrnen Gedanken sowie Gefühle und Wesen zu verleihen. Kampfszenen, die man hätte spannend und bildhaft darstellen können, werden in vier Sätzen "berichtet".

Ich finde nichts vom wundervolle Bilder zeichnenden Schreibstil des Autoren wieder; von seiner Fähigkeit zu fabulieren und Stimmungen in Szenen zu zaubern. Selbst jegliche südamerikanische Klangfarbe fehlt in seinen Sätzen. Es mag an einer allzu nüchternen deutschen Übersetzung liegen oder tatsächlich einfach an einem weniger geglückten Wert dieses Literaten.

Bewertung vom 24.03.2021
Der Sklave
Dilvar, Anand

Der Sklave


ausgezeichnet

So klein das Büchlein mit seinen 128 Seiten ist, so berührend und fesselnd ist es. Um Seite 40 flossen bei mir zum ersten Mal die Tränen. Und auch die Botschaft ist tiefgehend und locker in den Erfahrungsbericht eingebunden: Liebe ist das einzige, das zählt. Vergebung zu üben macht unser Leben leichter und wir bestimmen immer selbst, wie wir uns fühlen und ob wir glücklich sind! Unser Geist ist frei und unterliegt einzig unserer Eigenmacht. Unsere Gedanken haben alleine die Macht der Kontrolle über unser Leben. Wir sind nur Sklave unseres Willens. Aufbauend und empfehlenswert!

Bewertung vom 15.03.2021
Mary
Kensington, Ella

Mary


sehr gut

Leider gibt es noch viel zu wenig Romane, die versuchen psychologisch wertvolle Sachbuchinhalte unterhaltsam und darum auch leicht verständlich zu vermitteln. Praxisnähe am Beispiel möglicher Lebenssituationen ist der Wunsch von interessierten Lesern, der leider viel zu selten und gut erfüllt wird. Die Handlung dieses Romans eines Autors, der unter dem Pseudonym Ella Kensington schreibt, an der die tiefgründigen Messages aufgehängt sind, wirkt sehr trivial. Aber wahrscheinlich ist gerade deshalb die Botschaft des Buches so eingängig.
Die Botschaft selbst verdient absolut das Prädikat wertvoll. Es geht um das Führen eines glücklichen Lebens, genauer gesagt: wie man das Glück in seinem Leben wahrnimmt und mehrt. Die Methoden, welche dem Protagonisten im Roman und somit dem Leser, der in dessen Rolle schlüpft, nahegebracht werden, sind keine abgedroschenen Null-Acht-Fünfzehn-Esoterik-Ratschläge, sondern tatsächliche Hilfestellungen, um aus dem Rad des ewig deprimierenden Egogeplappers im Kopf auszubrechen. Das Problem ist auch beim Protagonisten das Erhalten des Glücksgefühls und es gelingt dem Leser teilweise wirklich mit ihm mitzufühlen. Leichtes Verständnis ist ebenso wie Unterhaltung gegeben. Das Buch liest sich zügig und bleibt auch fesselnd. Wie man das Glück in seinem eigenen Leben findet und hält, ist dann Übungssache, wozu der Autor am Ende des Buches auf eine praktische Teilnahme an seinen Camps hinweist. Werbung also inbegriffen. Aber wenn’s der Menschheit hilft, anstelle von der Sucht nach Aktion und Kampf mehr Bewusstsein für Friedfertigkeit, Harmonie und Glück zu entwickeln…

Bewertung vom 02.03.2021
Die Seele will frei sein
Singer, Michael A.

Die Seele will frei sein


sehr gut

Ein Buch, das als Bestseller bei der New York Times aufgelistet war. Ein Autor, der in diesem Buch versucht, die Reise zu sich selbst – das Erwachen in die Wahrnehmung des Seins in Worte zu fassen. Dabei formuliert Michael A. Singer auch sehr treffend und ausführlich; Versucht von allen Seiten unser wahres Wesen zu beleuchten und den Leser zu mehr Aufmerksamkeit auf sein eigenes Ich aufzurütteln. Der Autor unternimmt dies sichtlich von ganzem Herzen und kämpft mit Herzblut um das Erreichen des Verstandes seiner Leser. Oftmals fühlt man sich als Leser bestätigt und nickt verstehend. Leider lässt sich das Überirdische schwer in Worte fassen und Verständnis gelingt nur, wenn man fühlt, was hinter unserem Menschsein und der ständig quasselnden Stimme im Kopf steckt. Wenn ein kleiner Lichtstrahl der Göttlichkeit durch unser dickes Fell dringt und unsere Seele berührt, beginnen wir zu verstehen, was wahrhaftig mit dem Leben gemeint ist und wie viel Liebe in uns steckt und der Autor hat sein Ziel für einen Augenblick der Achtsamkeit erreicht.

Bewertung vom 08.01.2021
Zorro (eBook, ePUB)
Allende, Isabel

Zorro (eBook, ePUB)


sehr gut

Isabel Allende brilliert mit einer feinen und reifen Sprache, die das Lesen zum Vergnügen macht. Eine absolute Könnerin ihres Fachs – dies sei vorweg gesagt. Alleine durch die schöne Sprache war dieser Mantel und Degen-Roman für mich von Beginn an fesselnd.
Ihre Herangehensweise an das Helden-Thema entspricht dem Mainstream, wenn die Autorin auch andeutungsweise versuchte, die Schwächen im Charakter eines Zorros aufzuzeigen und ein bisschen am Heiligenschein eines Menschenretters zu kratzen. Sehr gut finde ich, dass Isabel Allende sich darum das Werden des Volkshelden, die Zeit seiner Kindheit ab Geburt mit dem Blick auf die Liebesgeschichte seiner Eltern bis zu seiner Volljährigkeit dazu als Handlungsrahmen genommen hat. Alle Charaktere und ihre Schicksale, die die Fantasiefigur, welche für alle Helden stehen kann, auf ihrem Lebensweg vom Kind zum Manne begleiten und prägen sind wunderbar herausgearbeitet – der Plot samt den Fechtszenen bildhaft beschrieben, sodass ein unterhaltsames Kopfkino beim Lesen entsteht. Zu wenig waren für mich die Schwächen des Helden, sein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und darum Lausbubenhaftigkeit vom Klassenclown bis zum versnobten Lackaffen, seine besitzergreifende Anhänglichkeit, seine Rechthaberei und daraus sicherlich vorhandene überstürzte Handlungsweise herausgearbeitet. Dass ein solcher Mann am Ende zum einsamen Fuchs werden muss, ist darum für den Leser, der diese Fehler im Charakter nicht erkennt, kaum verständlich, wenn auch logisch. Leider waren mir auch die Bösewichter zu aalglatt – eben einfach nur böse und leicht zu verurteilen. Aber so will es der Mainstream. Trotz allem eine sehr gute und lesenswerte Unterhaltung. Literatur vom Feinsten, die in der akribischen Herausarbeitung der Charaktere gegen Ende etwas schwächelt

Bewertung vom 06.01.2021
Irren ist menschlich
Dörner, Klaus; Plog, Ursula; Bock, Thomas; Brieger, Peter; Heinz, Andreas; Wendt, Frank

Irren ist menschlich


ausgezeichnet

Der respektvolle Umgang mit der Thematik stupst jeden Leser an der Nase,, da wir alle mit Mitmenschen auf irgendeine Weise in Beziehung stehen und es wünschenswert wäre, wenn wir derart sachlich mit den scheinbaren Fehlern und Mängeln unserer Gegenüber umgehen würden, wie der Autor es in seiner Einführung nahelegt. Fachliteratur, die auch hochinteressant für Interessierte an Psychologie ist.
Leider fällt mir in meinem Berufsleben der fehlende Respekt im Umgang mit zu betreuenden betroffenen psychisch Kranken oder sonstigen Minderbemittelten besonders auf, da sich sogenannte "Gesunde" - mit oder ohne bescheinigter höherer Intelligenz - für gesellschaftlich wertvoller und darum für etwas Besseres halten. Schon mit der Überschrift möchten der Autor oder die Autoren aber darauf hinweisen, dass es jeden von uns treffen kann, beziehungsweise - wie ich beim Lesen der Symptomatiken der verschiedenen psychischen Krankheiten feststellen konnte - jeder von uns eine zumindest sehr abgeschwächte Form der Symptome in seinem täglichen Leben zeigt. Schließlich beruhen die Ausbrüche der beschriebenen Krankheiten auf übersteigerter Angst und wer von uns ist schon angstfrei? Wie leicht lassen wir uns in Panik versetzen, die zu Hass führt? Angst resultiert aus einem gestörten Vertrauen ist dabei nichts anderes als ein Schrei nach Liebe. Gehen wir liebevoll miteinander um, ohne belehrend zu sein. Respekt vor dem Gegenüber ist schon ein erster und sehr wichtiger Schritt.

Bewertung vom 01.12.2020
So passiert mir Gott

So passiert mir Gott


sehr gut

Dieses Buch ist eine Zusammenstellung von Berichten, die Christen verschiedener Altersklassen und religiöser Gruppierungen verfasst haben, um von ihrer ganz persönlichen Begegnung mit Gott zu berichten und weshalb sie Ihm nachfolgen. Ein solches Glaubensstatement auch in unserer heutigen Zeit unter Nennung seines Namens abzugeben, ist keine einfache Sache und verlangt noch immer viel Mut. Darum sind möglicherweise nicht alle Lebensgeschichten so offen und berührend, wie man sie als Leser erwartet. Aber in fast allen kann man eine Kernaussage finden, die mitteilt, wie sich Gott zeigt.
Die Begegnung mit Gott wirkt sich im wachsenden Vertrauen aus, dass alles gut wird - vielleicht nur anders als Mensch sich das dachte... In der Vergebung und in der Liebe. Dann geht es dem, der die Gottesnähe erfährt, wie eine Dame auf Seite 37 schreibt: "Oft ist mein Herz erfüllt mit tiefer Dankbarkeit, Glück und Freude, sodass Liebe, mit der ich beschenkt werde, überfließen kann in den Begegnungen mit Menschen..." Als Schritt dahin kristallisiert sich in den Berichten ebenfalls heraus, dass Mensch seine Probleme und Sorgen nicht alleine lösen kann, sondern bereit sein sollte, sie loszulassen und die Lösung Gott in die Hände zu legen. Dazu soll dieses Buch Mut machen und auffordern.
Da manche Erfahrungsberichte jedoch mitunter keine konkreten Beispiele erzählen und die Autoren ihre persönlichen Erfahrungen regelrecht verschlossen halten, denke ich, dass mit diesem Buch keine Menschen erreicht werden, die noch gänzlich nach Gott suchen. Denn das Transportieren von Emotionen wäre wichtig zum Mitfühlen und Miterfahren einer Gottesbegegnung. Aber letztendlich kann man Gott schlecht mit Worten erfassen und beschreiben.

Bewertung vom 19.11.2020
Der Bruchpilot
Childress, Mark

Der Bruchpilot


ausgezeichnet

Die ersten Seiten dachte ich, dass es ein oberflächlicher Roman mit oberflächlichen Protagonisten wäre: Ein von seinem Leben in Überfluss gelangweilter Rockstar fliegt nach einem erfolgreichen Konzert alleine in seinem kleinen Privatflugzeug mit zugedröntem Kopf nach Hause, während seine Frau und seine Band den Tourbus nehmen. Eine üble Wetterlage zwingt ihn den Kurs zu ändern. Dann spinnt der Kompass und das Benzin geht aus. Bleibt nur eine Notlandung auf einer tropischen Insel. Ein geheimer Wunsch scheint sich zu erfüllen. Die Notlandung wird ein Bruch und der Pilot schwer verletzt. Die Bewohner der Insel, darunter einige illustre Gestalten, kümmern sich um ihn. Und wie das so ist, wenn man ans Bett gefesselt auf einer Insel festsitzt: Man rekapituliert sein Leben…
Der Roman scheint derart unrealistisch, dass er besonders vor dem Hintergrund des momentanen Weltgeschehens schon sehr nah an der Realität ist. Vor allem die Abgründe des menschlichen Charakters, der sich bei einem Gewinn an Macht oder Geld völlig verändern kann, sind in der Darstellung verschiedener Persönlichkeiten sehr lebensecht herausgearbeitet. Bisweilen wurde die Welt des Protagonisten unter dem Einfluss von Drogen oder der Manipulation seiner Wahrnehmung durch Gegenspieler derart surreal vom Autor dargestellt, dass meine eigene Vorstellungskraft beeinflusst und mitgerissen wurde. Egoismus, Machtmissbrauch, Manipulation, psychische und physische Gewalt zerstören ein Paradies und das Vertrauen der jahrzehntelang zusammengewachsenen Kommune, die sich plötzlich in Despoten und Unterdrückte und einen unterschiedlichen Sinn für Gerechtigkeit aufteilt.
Der Schreibstil des Autors hypnotisiert und die Stimmungen im Roman gehen an die Psyche. Als Leserin konnte ich tief in das dadurch entstehende Gefühlschaos eintauchen, sodass der Roman mir fast zu sehr unter die Haut ging. Dies attestiert dem Autor eine große Fähigkeit in eingängiger Sprache sehr subtil zu fabulieren. Doch das beinahe unerträgliche Erleben wird durch tiefsinnige Erkenntnisse des Protagonisten, wie mit reifer Sichtweise mit dem Leben und den Mitmenschen umzugehen ist, abgemildert und schließlich zu einem die Seele bereichernden Abschluss geführt.